Fulda, Kanzlerpalais
Inventarnummer: cbdd10541
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In der Innenstadt Fuldas hat sich am Platz Unterm Heilig Kreuz ein repräsentatives Palais aus der Zeit um 1735 erhalten, das vermutl. von Andrea Gallasini entworfen wurde. Im zentralen Raum der Beletage befindet sich ein Deckengemälde von Emanuel Wohlhaupter, das die vier Kardinaltugenden zeigt.

Das Kanzlerpalais in Fulda
Lage
Das Kanzlerpalais befindet sich zentral in Fuldas Altstadt am Platz Unterm Heilig Kreuz, in direkter Nachbarschaft zur Stadtpfarrkirche St. Blasius. An der Südseite des Platzes reiht es sich direkt an ein weiteres, deutlich niedrigeres und schlichteres Wohn- und Geschäftshaus (Unterm Heilig Kreuz 2). An der Westseite wird das Gebäude von der Mittelstraße begrenzt.
Forschungsstand
Das Kanzlerpalais erfuhr bisher in der Forschung nur am Rande Aufmerksamkeit. Kurze Schilderungen seiner Baugestalt, die Zuschreibung an den Architekten Andrea Gallasini und die Erwähnung des erhaltenen Gemäldes von Emanuel Wohlhaupter finden sich in Ingeborg Karolin Lubczyks Dissertation zu Wohlhaupters Werk in und um Fulda,[1]Stephanie Hahns Fulda - zur Zierde der Stadt,[2]ebenso wie im Fulda-Band der Hessischen Denkmaltopografie.[3]Hintergründe zu früheren Eigentümern und der Bebauungsgeschichte finden sich dagegen in Aloys Jestaedts 1937 im Auftrag des Fuldischen Geschichtsvereins zusammengestelltem Stadtkataster der Barockstadt, der Quellen aus den Jahren 1708 bis 1876 zusammenträgt.[4]
Bau- und Nutzungsgeschichte
Wie auch die übrige Literatur führt Lubczyk (ohne Verweis auf eine Quelle) an, dass das um 1735 errichtete Gebäude „ursprünglich das Palais des fuldischen Kanzlers Vogelius von Schildeck [war] und im Laufe der Jahre die Funktionen als Rathaus, Volkslesehalle, Landratsamt und Sparkasse erfüllte."[5]Der in Archivalien seit dem frühen 18. Jahrhundert als Kanzler nachweisbare Gerhard Georg Vogelius von Schildeck verstarb jedoch bereits 1725, wie ein Klagelied belegt, das anlässlich seines Begräbnisses verfasst wurde.[6]
Tatsächlich handelt es sich beim Haus des Kanzlers Vogelius von Schildeck und dem heutigen Kanzlerpalais um zwei unterschiedliche Gebäude auf demselben Bauplatz. Dies wird offensichtlich anhand der teilrekonstruierten Flurkarte der Stadt von 1727:[7] Der Standort des Kanzlerpalais am Platz Unterm Heilig Kreuz (siehe rote Markierung im Kartenausschnitt) ist dabei problemlos auszumachen – die Verkehrswege und Bauflächen der Häuserreihen stimmen noch heute größtenteils mit der Gestalt der barocken Innenstadt überein. Gerade an der Stelle des Kanzlerpalais zeigt sich jedoch eine Abweichung: Während das Gebäude heute im Osten an die Hausnummer 2 anstößt und sich bis an die Mittelstraße (im Plan von 1727 Nächst dem Ochsen) erstreckt, ist dieselbe Fläche im Flurplan unterteilt in zwei Parzellen (269 und 270). Jestaedt zitiert aus dem Meß- und Lagebuch der Hochfürstl. Residenz-Stadt Fulda vom Jahre 1727 (Spezifikation), dass es sich dabei um ein „Hochfürstliches Haus“ (269) nebst zugehörigem „Garten“ (270) handelt, „welches Herr Obermarschall bewohnen“.[8]Ergänzend dazu führt er auf, was das Beschreib- und Satzungsbuch aller in der Hochfürstl. Residenz-Stadt Fulda gelegenen Häuser, Bauplätz und Gärten von 1708 über dieselben Parzellen aussagt:
„Herr Kanzler Vogelius
v. Schildecks Haus, Hoff
und Stallung ad 15 Gülten
Herr Vogelius von Schil-
decks Bauplatz ad 2 Gülten
(ist wegen Neuerbauung
zusammen tax. zu 22. Gülten)“[9]
Weitere Ergänzungen belegen, dass das Beschreib- und Satzungsbuch wenigstens bis zum Ende des 18. Jahrhunderts immer wieder aktualisiert wurde, denn der Bauplatz ist außerdem annotiert mit den Namen „Herr Kanzler Wagner, Herr Hofrat Zwenger, Niklas Straub“ und darüber hinaus als „Rathaus und Stadtcollekt“.[9]
Bedauerlicherweise sind diese späteren Ergänzungen im Beschreib- und Satzungsbuch nicht explizit datiert worden. Es ist jedoch anzunehmen, dass es sich bei „Herr Kanzler Vogelius v. Schildecks Haus, Hoff und Stallung“ nebst „Bauplatz“ um dasselbe Gebäude nebst „Garten“ handelt, das der „Herr Obermarschall“[10]1727 noch bewohnte. Dass es als „Hochfürstliches Haus“ bezeichnet wurde, legt nahe, dass Vogelius von Schildecks Parzellen nach 1708 (möglicherweise nach seinem Tod 1725) in den Besitz der Fürstabtei übergegangen sind. Die Anmerkung zur späteren, höheren Taxierung der zwei Grundstücke „wegen Neubebauung […] zusammen“ ist auf den Neubau um 1735 zu beziehen – das erhaltene Kanzlerpalais.
Die Datierung auf 1735 lässt sich dabei glaubhaft herleiten durch die große Ähnlichkeit des Kanzlerpalais zu den beiden Palais, die den Anfang der Friedrichstraße (Plan von 1727 Schmittsgasse) an der Südseite des Bonifatiusplatzes (Plan von 1727 Dienstagsmarkt Nächst der fürstl. Residenz) flankieren: Das Palais Buttlar und das Palais von der Tann wurden in den 1730er Jahren von Andrea Gallasini für ranghohe adlige Beamte des fürstäbtlichen Hofes geschaffen. Ihre Gestaltung orientiert sich an Kubatur und Details des bis ca. 1719 von Johann Dientzenhofer ausgebauten Residenzschlosses, das ihnen direkt gegenüber liegt. Durch ihr sehr einheitliches Äußeres wirken beide Palais als Teile eines Konzepts zur Vereinheitlichung des Platzes und der städtischen Umgebung der Residenz. Während das Palais Buttlar und das Palais von der Tann als Tor zur Innenstadt inszeniert sind, liegt das Kanzlerpalais zwar deutlich weiter zurückgesetzt am Platz Unterm Heilig Kreuz. Es befindet sich jedoch genau zwischen den beiden Gebäuden, wenn man der Sichtachse folgt, die vom Bonifatiusplatz durch die Friedrichstraße verläuft. Das Kanzlerpalais stimmt in zahlreichen architektonischen Merkmalen mit den beiden anderen Palais überein – etwa in den farblich und plastisch abgesetzten Gebäudeecken, dem gestuften Gesims zwischen den Geschossen, den Ohrengewänden und Putzschürzen der Fenster. Der Dreiecksgiebel, der im Vergleich zu Palais von der Tann und Palais Buttlar aus dem Rahmen fällt, unterstreicht die Rolle des Gebäudes als Endpunkt der Sichtachse. Man kann das Kanzlerpalais also als Teil des ästhetischen Programms begreifen, das vom Schloss aus auf die Innenstadt ausgeweitet wurde.
Mit der Datierung um 1735 fällt der Neubau in der Amtszeit des seit 1729 als fuldischer Kanzler nachweisbaren Juristen Georg Josef Wagner (1684-1752)[11], den das Beschreib- und Satzungsbuch aller in der Hochfürstl. Residenz-Stadt Fulda gelegenen Häuser, Bauplätz und Gärtenvon 1708 als ersten Beamten nach dem Kanzler Vogelius von Schildeck benennt.[8]
Nachdem es weiterhin von dem fuldischen „Hofrat Zwenger“ (vermutlich Johann Adam von Zwenger)[12]und einem Herrn „Niklas Straub“ bewohnt wurde, diente das Gebäude 1782 bis 1900 als Rathaus Fuldas, im 20. Jahrhundert außerdem als Landratsamt und Sparkasse.[13]
2011 bis 2014 wurde das Kanzlerpalais umfangreich saniert.[14]Es beherbergt nun einen modernen Veranstaltungssaal an der Südseite, die teilweise mit historischen Details erhaltenen Räume entlang der Nordseite im Hochparterre und Obergeschoss werden von der Volkshochschule der Stadt Fulda genutzt.[15]
Baubeschreibung
Da der Platz Unterm Heilig Kreuz in Richtung Westen deutlich abfällt, lagert das Kanzlerpalais auf einem Sockelgeschoss, das aus rotem Werkstein gesetzt ist und an dessen Oberkante schlichte, vergitterte Fensteröffnungen eingelassen sind. Während diese Fenster am östlichen Ende des Gebäudes gerade oberhalb des Straßenniveaus liegen, ist der Sockel auf der Westseite etwa zwei Meter hoch. Darauf ist das Gebäude mit zwei Hauptgeschossen aufgeführt. Das darüber angelegte Mansardenwalmdach mit Gaubenfenstern schließt an der Ostseite, wo es gegen die Hausnummer 2 stößt, gerade mit dem Giebel ab. Das Kanzlerpalais hat nur zwei sichtbare erhaltene Fassaden – die fünf Fensterachsen breite Westfassade an der Mittelstraße und die dem Platz zugwandte Nordfassade, die als Hauptansicht inszeniert ist. Die Gebäudeecken und die zentralen drei der neun Fensterachsen der Hauptfassade werden durch schlichte Lisenen abgesetzt. Die mittleren drei Fensterachsen sind zudem um ein durchfenstertes Zwerchhaus in die Dachzone verlängert, das mit einem Dreiecksgiebel abschließt. Die Hauptgeschosse und das Dach sind durch kräftige Gesimse voneinander geschieden. Unter jedem Fenster liegt eine Putzschürze mit eingeschnittener Kartusche, die Fenster selbst sind durch Ohrendgewände mit einem zentralen Schlussstein gerahmt. In derselben Art ist der Haupteingang in der Mittelachse des Gebäudes gestaltet. Um den Höhenunterschied des abfallenden Platzes zu überbrücken, ist der Eingangstür eine zweiläufige Freitreppe vorgelagert. Über der Tür ist das Wappen der Stadt Fulda angebracht. An der nordwestlichen Gebäudeecke ist auf Höhe des Obergeschosses eine gewölbte Nische ausgespart, in der eine Madonnenfigur aus Sandstein steht.
Flure, Keller- und Dachgeschossräume, die bereits durch frühere Umnutzungen des Gebäudes stark verändert waren, wurden im Zuge einer umfassenden Sanierung 2011-2014 letztmalig erneuert. An der Südseite wurde ein zweigeschossiger Veranstaltungssaal eingebaut. Dies wurde durch eine Verbindung des Kanzlerpalais mit dem dahinterliegenden Gebäude ermöglicht. Reste der bauzeitlichen Innengestaltung haben sich dagegen in den Räumen hinter der Fassade zum Platz Unterm Heilig Kreuz bewahrt; im Hochparterre befinden sich rechts und links des kleinen Eingangsfoyers je zwei Räume, die über einen Flur zu erreichen sind, im Obergeschoss reihen sich vier Räume mit Verbindungstüren in einer Enfilade aneinander.[16]Ornamentale Stuckdecken künden noch von ihrer Rolle als repräsentative Räumlichkeiten. Moderne Beleuchtungs- und Lüftungstechnik sowie die Ausstattung als Schulungsräume verändern den räumlichen Eindruck dennoch erheblich.
Der Raum mit dem Deckengemälde
Im Obergeschoss hat sich ein Raum mit einem in eine Stuckdecke eingelassenen Deckengemälde erhalten. Seine Lage – um ein Fenster aus der Mittelachse des Gebäudes nach Westen versetzt – legt offen, dass die Fassadengestaltung des Kanzlerpalais nur der Außenwirkung diente, über die Raumaufteilung im Inneren aber schon zu Bauzeiten keinen Rückschluss zuließ.
Man betritt den Raum heute ausschließlich durch den Flur von Süden aus und blickt auf die Nordwand mit drei Fenstern, die jeweils tief in die Wand eingeschnitten und mit dekorativen, flachen Stuckbändern in Rahmen versehen sind. Die Stuckornamente in den seitlichen Fenstergewänden zeigen florales Rankenwerk und eine achteckige Sternform; das mittlere Fenster und damit die Mittelachse des Raumes ist durch eine andere Stuckbänderung mit Beschlagflächen und einem zentralen Vierpass dezent hervorgehoben. Der Stuck ist mehrfach überstrichen und wirkt deshalb nicht mehr sehr filigran.
Über einem mehrstufigen Gesims setzt mit einer flachen Voute eine Spiegeldecke an, die mit leicht hervortretendem Stuck dekoriert ist. Mit Rankenornamenten versehene Felder und runde Rahmen wechseln sich dabei ab, die Ecken sind besonders betont durch Bogensegmente, auf denen mit Blüten gefüllte Kelche aufsitzen.
Das Mittelfeld der Decke ist noch einmal deutlich von der Voute abgesetzt durch ein umlaufendes Rundprofil. Über den Raumecken sind weitere Ranken- und Netzornamente mit Blüten zu sehen, außerdem in jeder Ecke zwei Vögel. Während die Vögel stets etwas unterschiedlich posieren, jedoch alle derselben Art anzugehören scheinen, ist in der südöstlichen Ecke ein Kranich oder Storch dargestellt, der den Kopf nach hinten streckt, über ihm eine Biene. An den Längsseiten zeigt sich jeweils eine verschnörkelte Kartusche mit der Darstellung eines Greifs. Diese Kartuschen überlappen sowohl die Abgrenzung zur Voute als auch zu dem geschweiften Rahmen des Gemäldes, das das Zentrum der Decke einnimmt.
Die genaue Funktion dieses Raumes ist nicht bekannt, aufgrund der besonders repräsentativen Ausstattung mit dem einzigen Deckengemälde im Gebäude diente er möglicherweise als Schreibstube oder Empfangszimmer.
Deckengemälde: Die vier Kardinaltugenden
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckenbild wurde in den späten 1730er oder 1740er Jahren von Emanuel Wohlhaupter geschaffen, der seit 1723 als Hofmaler des Fürstabts Konstantin von Buttlar und dessen Nachfolgern tätig war.
Es handelt sich um ein in Öl ausgeführtes Leinwandbild. Es weist einige Knicke und einen Fleck in der Mitte auf, ist aber insgesamt in gutem Zustand. Von der umgebenden Stuckdecke wird es nicht nur durch ein mehrfach eingeschnittenes Stuckprofil, sondern noch einmal durch eine goldene Leiste abgesetzt.
Beschreibung und Ikonografie
Das Gemälde zeigt die vier Kardinaltugenden, dargestellt als Frauen mit entsprechenden Beigaben und begleitet von mehreren Putti, die weitere Attribute präsentieren. Sie bilden einen Kreis um eine gläserne Sphäre im Zentrum des Bildes, die das Himmelsgewölbe bzw. den gesamten Kosmos versinnbildlicht.
Die Glaskugel wird von Wolken getragen und von weiteren Putti mit Blüten, vor allem Rosen, bestreut. Ein Putto schwebt direkt darüber, zwei weitere fliegen nach oben, in Richtung des Lichtscheins, der durch die Wolken bricht und das Geschehen erhellt. Die Komposition des Bildes nimmt dabei die reale Lichtsituation des Raumes auf – von der Fensterseite (Norden) her fällt das Licht auf die Szene, nach unten wird sie deutlich verschattet.
In der dunkleren, unteren Bildhälfte sitzt links Justitia, die Gerechtigkeit, die eine Krone und ein Zepter in den Händen hält. Sie blickt an den linken Bildrand, wo neben ihr zwei Putti weitere Attribute der Gerechtigkeit zeigen: ein auffällig hell angestrahlter Putto hebt eine Waage empor, vor ihm, deutlich verschattet, reckt ein weiterer ein Schwert in die Höhe. Neben den Beinen der Justitia blickt außerdem ein weiterer Putto zu ihr auf, der ein Banner mit der Aufschrift Hinc quid quid in orbe beatum trägt.
Gegenüber der Justitia lagert mit rotbebuschtem Helm und Rüstung die Fortitudo (Kraft/Tapferkeit). Neben ihrer Rüstung weisen sie der Schild und die Säule des Simson, die unter ihren Beinen liegt, aus. Sie trägt in der linken Hand einen Speer, der mit Olivengrün umwickelt ist. Begleitet wird sie von zwei Putti, die Trompete blasend und Pauke schlagend am rechten Bildrand sitzen. Fortitudos Gestalt ist dem Musikspiel mit militärischen Instrumenten zugewandt, den Blick wendet sie jedoch in die entgegengesetzte Richtung, zur gläsernen Sphäre, die den Kosmos verkörpert. Die mit Olivenlaub umwickelte Lanze Fortitudos weist sie als Kraft aus, die dem Frieden und seiner Verteidigung dient.
Über der Justitia sitzt die Allegorie der Klugheit (Prudentia). Sie hält einen Spiegel als Zeichen der Selbstreflexion, wendet sich jedoch von ihm ab und weist mit ausgestrecktem Finger auf das Licht ihres Geistes, den Stern über ihrer Stirn. Am linken Bildrand wird sie von drei Putti begleitet. Der vordere, heller erleuchtete, trägt ein geöffnetes Buch, blickt aber in entgegengesetzte Richtung in den Raum des Betrachters hinab. Hinter ihm, wiederum stark verschattet, vermisst ein weiterer Putto einen Globus mit einem Zirkel. Was eine typische Allegorie für die Astronomie ist, kann hier pars pro toto für das Studium der Wissenschaften verstanden werden.
Prudentia hält den Blick ihres Gegenübers, einer Frau mit einem Olivenzweig in der einen und einem Zügel in der anderen Hand – Temperantia, die Allegorie der Mäßigung. Sie ist gekrönt mit einer Blätterkrone und wird begleitet von einem Putto, der hinter ihr ein Glas roten Weines in die Höhe hält, als würde er es gegen das Licht halten und das Farbenspiel betrachten. Hinter ihm zieht ein weiterer, stark verschatteter Putto eine dunkle Schale heran.
Das Gemälde versinnbildlicht das notwendige wie segensreiche Zusammenwirken der Tugenden zum allgemeinen Wohl: Im oberen Register blicken Klugheit und Mäßigung einander direkt an; Prudentia, die sich vom Spiegel der Selbsterkenntnis abgewandt hat, um auf ihren strahlenden Geist, den Stern über ihrer Stirn, aufmerksam zu machen, erhält Temperantia zum Gegenbild, die mahnend die Zügel als Aufforderung zur Mäßigung hochhält. Im unteren Register ruht derweil der Blick Fortitudos wachend auf der Kosmos-Sphäre. Justitia, die sich stattdessen abwendet und auf Waage und Schwert blickt, wird durch die Beigabe der Herrschaftsinsignien eine übergeordnete Rolle unter den Tugenden zugewiesen. Die Gerechtigkeit erscheint damit als wichtigste der Tugenden und Garantin des Versprechens, das der ihr zugeordnete Banner verkündet: Hinc quid quid in orbe beatum - Daher alles Glückliche in der Welt. Damit nimmt das Deckenbild Bezug auf die Tätigkeit und Bedeutung des Fuldischen Kanzlers als mächtigem Hofbeamten, in dessen Hand zentrale Aufgaben in den Bereichen des Rechts, der Finanzen und der Verwaltung des Hochstifts lagen.
Bibliographie
- Lubczyk, Ingeborg Karolin, Emanuel Wohlhaupter und die barocke Malerei in und um Fulda (Diss. Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main 2005), 2010.
- Hahn, Stephanie, Fulda - "Zur Zierde der Stadt". Bauten und Bauaufgaben der Residenzstadt im 18. Jahrhundert, Petersberg 2006.
- Griesbach-Maisant, Dieter (Hrsg.), Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Stadt Fulda, Wiesbaden 1992.
- Jestaedt, Aloys: Kataster der Stadt Fulda im XVIII. und XIX. Jahrhundert, Fulda: Parzeller 1937. <https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hebis:66:fuldig-434034> (22.02.2024)
- Pandorus, Johann Carl, Mausoleum Threnodiae Welches zu letzten Ehren Dem Weyland Wohl-gebohrnen Herrn, Herrn Gerhard Georg Von Schildeck, Hochfürstlich Fuldischen Hochbetraut-gewesenen geheimbten Rath und Cantzlern (…) den 18. Junij 1725 am Tage sei-ner Beerdigung (…), Fulda 1725. <https://fuldig.hs-fulda.de/viewer/image/PPN179617540/5/> (22.02.2024)
- Dehio, Georg (Verf.), Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen 1: Regierungsbezirke Gießen und Kassel, München/Berlin 2008.
Einzelnachweise
- ↑ Lubczyk, Ingeborg Karolin, Emanuel Wohlhaupter und die barocke Malerei in und um Fulda (Diss. Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main 2005), 2010.
- ↑ Hahn, Stephanie, Fulda - "Zur Zierde der Stadt". Bauten und Bauaufgaben der Residenzstadt im 18. Jahrhundert, Petersberg 2006.
- ↑ Griesbach-Maisant, Dieter (Hrsg.), Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Stadt Fulda, Wiesbaden 1992.
- ↑ Jestaedt, Aloys: Kataster der Stadt Fulda im XVIII. und XIX. Jahrhundert, Fulda: Parzeller 1937. <https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hebis:66:fuldig-434034> (22.02.2024)
- ↑ Lubczyk, Wohlhaupter, 2010, S. 21.
- ↑ Pandorus, Johann Carl: Mausoleum Threnodiae Welches zu letzten Ehren Dem Weyland Wohl-gebohrnen Herrn, Herrn Gerhard Georg Von Schildeck, Hochfürstlich Fuldischen Hochbetraut-gewesenen geheimbten Rath und Cantzlern (…) den 18. Junij 1725 am Tage seiner Beerdigung (…), Fulda 1725 https://fuldig.hs-fulda.de/viewer/image/PPN179617540/5/ (22.02.2024)
- ↑ „Karte der ehemaligen Residenzstadt Fulda zu Beginn des XVIII. Jahrhunderts. Hergestellt nach der Originalkarte des Jahres 1727 im Staatsarchiv Marburg, vervollständigt an Hand des Lagerbuches 1708, der Spezifikation 1727 und des Steuerkatasters der Stadt Fulda 1740. Im Auftrage des Fuldaer Geschichtsvereins durch Aloys Jestaedt, Regierungslandmesser.“, in: Jestaedt, Kataster der Stadt Fulda, 1937, S. 138 [195].
- ↑ 8,0 8,1 „Tabellen der Liegenschaften und ihrer Eigentümer in der Stadt Fulda 1708 – 1876“, in: Jestaedt, Kataster der Stadt Fulda, 1937, S. 61 [117].
- ↑ 9,0 9,1 Ebenda.
- ↑ Möglicherweise handelt es sich hierbei um Christoph Friedrich Freiherr von der Tann (1697 – 1784), siehe < https://d-nb.info/gnd/1081142111> (24.02.2024)
- ↑ Schulte, von, "Wagner, Georg Josef" in: Allgemeine Deutsche Biographie 40 (1896), S. 500 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100907253.html#adbcontent[29.02.2024]
- ↑ s. <https://d-nb.info/gnd/130602477> [29.02.2024]
- ↑ Lubczyk, Wohlhaupter, 2010, S. 22
- ↑ „Frisch renoviertes ‚Schmuckstück‘“: Kanzlerpalais nun Veranstaltungsgebäude“, in: Osthessen News, 22.03.2014. <https://osthessen-news.de/n1245865/fulda-kanzlerpalais-nun-veranstaltungsgeb%C3%A4ude.html> [29.02.2024]
- ↑ https://www.vhsfulda.de/ [29.02.2024]
- ↑ Die Zwischentüren sind noch vorhanden, aber durch die aktuelle Nutzung der Räume nicht zugänglich – man betritt sie ausschließlich durch den parallel zur Raumflucht verlaufenden Flur.