Laß, Heiko:Flensburg, Haus Holm 17, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/71e63469-b1a8-4011-9ecf-9f853762cdd2

Inventarnummer: cbdd20131

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Im Haus Holm 17 hat sich eine Decke erhalten, die mit Putten die verschiedenen schönen Künste personifiziert. Sie stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Das Haus Holm 17 in Flensburg

Kurzbeschreibung und Lage

Das Vorderhaus steht an der Ostseite der Straße Holm und hat mehrere Hinterhäuser, die sich an einem nach Osten abfallenden Innenhof an der Nordseite entlangziehen. Im Osten beschließt ein weiterer Gebäudeteil den Hof.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das gegenwärtige Hauptgebäude im Westen fasst zwei ehemals eigenständige Häuser zusammen, zwischen denen sich ein Gang befand. Bebaut ist das Grundstück seit dem 15. Jahrhundert. Seit 1620 gehören die Häuser demselben Besitzer. Die gegenwärtige Straßenfront entstand nach einer Umgestaltung um 1750/60. Ladeneinbauten veränderten 1973 die Fassade. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden entlang eines Hofes an dessen Nordseite mehrere Rückflügel angefügt, wo wohl teilweise Reste von Bauten des 16./17. Jahrhunderts übernommen wurden. Die Rück- bzw. Seitenflügel entstanden in mehreren Phasen im 16./17. und 18. Jahrhundert. Das den Hof nach Osten abschließende Quergebäude wurde erst 1844 errichtet.[1]

Beschreibung

Der straßenseitige Hauptflügel ist ein zweigeschossiges Traufenhaus von sechs Achsen unter Mansarddach. Die einzelnen Fenster werden im Obergeschoss durch Pilaster, die auf einem Gurtgesims stehen, voneinander getrennt. Rechts — im Süden — schließt sich der Torbogen zum Hof an. Die Bauten an der Nordseite des Hofes haben Satteldächer. Die ersten beiden stehen auf einem Sockelgeschoss. Ihre Fassaden sind ungegliedert. Der Ostflügel hat ein so hohes Sockelgeschoss, dass dieses einen weiteren Durchgang aufnehmen kann. Das zweite Gebäude an der Nordseite des Hofes ist ein Saalbau mit zwei großen hohen Fenstern im Erdgeschoss vor dem Saal sowie vier kleineren Fenstern im Obergeschoss. Es wird über eine Treppe vom Hof aus erreicht. Gerade in den Seitenflügeln haben sich ältere Ausstattungsteile erhalten. Im Saalbau gibt es noch den namensgebenden Raum aus dem 16. Jahrhundert mit einer Ausstattung des 17./18. Jahrhunderts.[2]

Stellung

Der Gebäudekomplex ist einer der wenigen Kaufmannshöfe Flensburgs, der in dieser Vollständigkeit erhalten ist und einen abgeschlossenen Hof bildet.[3]

Der Raum im Hochparterre

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Saal stammt wie der Bau aus dem 16. Jahrhundert. Anfang der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde er restauriert. Es lassen sich drei Ausstattungsphasen nachweisen: Einen Renaissancezustand der Erbauungszeit, eine Barockfassung aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und eine Rokokofassung aus der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts, die den Raum bis heute prägt.[4]

Beschreibung

Der Saal ist im Hochparterre gelegen. Der annähernd rechteckige Raum wird von Westen her betreten und öffnet sich mit zwei großen Fenstern zum Hof im Süden. Drei Raumecken sind abgeschrägt und nehmen stuckverzierte Nischen auf. Der Boden ist mit zweifarbigen Ölandplatten belegt. Umlaufende hölzerne Brüstungselemente befinden sich an der südlichen Fensterwand sowie der westlichen Schmalseite. Ein Stuckprofil mit Rocailleelementen leitet zur Decke über.[5]

Das Deckengemälde

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei ist in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschaffen worden. Sie überdeckt eine ältere Renaissancefassung, die bis heute unter der Decke erhalten ist. Das Thema dieser Malerei ist unbekannt, da die Decke nie freigelegt wurde. Durch ein Loch in der jüngeren Decke war lediglich eine bemalte Holzbalkendecke mit einer Ocker-Bemalung und blauen Begleitstrichen zu erkennen. Die Decke wurde im Barock von einer weiteren Holzdecke verdeckt, deren Malerei heute wieder zu sehen ist. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde sie in ihrer Mitte durch die genannte runde Öffnung beschädigt, welche heute wieder geschlossen ist. Diese zweite Decke wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von einer dritten überdeckt. Der glatte Deckenspiegel nahm nun keine Malerei mehr auf. 1981 wurde die ältere Malerei wiederentdeckt. Aufgrund des unvollkommenen Erhaltungszustandes der älteren Fassung entschloss man sich, die letzte Rokokofassung zu restaurieren, in diese jedoch die Malerei der Barockfassung zu integrieren. Als Übergang zwischen den beiden Fassungen wurde der Stuckrahmen um das Gemälde stehen gelassen. Dieses wurde von Henning Matthiesen freigelegt, gesichert, restauriert, retuschiert und gefirnisst.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Die hochovale Malerei wird von einem ebenfalls gemalten Rahmen mit blauem Blattkranz eingefasst, über den goldfarbene große Blätter greifen. Auf dem eigentlichen Bild tummeln sich verschiedene Putten auf hellen Wolken. Sie hantieren mit unterschiedlichen Gegenständen und personifizieren verschiedene Künste. In der Mitte malt ein Putto ein Bild mit einer Sonnenblume. Oben ist auf der Leinwand der Schriftzug „Tibi Soli“ auszumachen. Die Leinwand wird von zwei Putten gestützt. Die Gruppe steht für die Malerei. Neben ihm erkennt man einen Putto mit Flöte und Notenbuch, der die Musik personifiziert. Weiter rechts hält eine Putte ein Winkelmaß und stützt sich dabei auf einen Globus, vor dem ein Buch liegt. Er steht für die Geometrie. Links der zentralen Malereigruppe halten zwei Putten eine kleine Skulptur empor. Sie stellen die Bildhauerkunst dar. Vor ihnen lagert eine weitere Putte ohne Attribut. Über den Putten auf Wolken befindet sich am Himmel eine Dreiergruppe mit einem Palmwedel. Das Zentrum der Gruppe ist durch das genannte Loch zerstört. Ganz unten befindet sich eine weitere Fehlstelle.[7]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Beseler, Bericht, 1982. — Beseler, Hartwig: Bericht des Landeskonservators für Denkmalpflege Schleswig-Holstein über die Jahre 1980 und 1981, in: Nordelbingen 51 (1982), S. 165-210.
  • Kraack, Kataster, 2013. — Kraack, Gerhard (bearb.): Historisches Kataster der Stadt Flensburg. Die Häuser und ihre Besitzer von 1436 bis 1795 (Große Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte e.V., 76). 3 Bde. Flensburg 2013.
  • Rohling, Flensburg, 1955. — Rohling, Ludwig: Die Kunstdenkmäler der Stadt Flensburg (Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein, 7). München/Berlin 1955.
  • Wenzel, Kaufmannshöfe, 2020. —Wenzel, Eiko: Historischer Exkurs. Kaufmannshöfe — eine Flensburger Denkmalgruppe und ihre Geschichte, in: Vom Deutschen Haus zum Flensborghus. Die Dänisch-Deutsche Kulturachse Flensburger Altstadt. Flensburg 2020. S. 22-51.
  • Wilde, Flensburg, 2001. — Wilde, Lutz (bearb.): Kulturdenkmäler in Schleswig-Holstein, Bd. 2, Stadt Flensburg (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Neumünster 2001.
  • Archivalien:
  • Aktenvermerk, 27.08.1981. — Vermerk vom 27.8.1981, in: Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte FL Flensburg, Holm 17. Kaufmannshof: 2er Seitenfl. ONR 389, Bd. 3.
  • ONR 389. — Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte FL Flensburg, Holm 17. Kaufmannshof: 2er Seitenfl. ONR 389, Bd. 3.

Einzelnachweise

  1. Kraack, Kataster, 2013, S. 658; Wilde, Flensburg, 2001, S. 172; Rohling, Flensburg, 1955, S. 431-432. ONR 389.
  2. Kraack, Kataster, 2013, S. 658; Rohling, Flensburg, 1955, S. 431-432.
  3. Rohling, Flensburg, 1955, S. 432.
  4. Rohling, Flensburg, 1955, S. 432. ONR 389; Aktenvermerk, 12.09.1981; Aktenvermerk, 27.08.1981.
  5. ONR 389; Aktenvermerk, 12.09.1981; Aktenvermerk, 27.08.1981.
  6. Wenzel, Kaufmannshöfe, 2020, S. 39; Kraack, Kataster, 2013, S. 658; Beseler, Bericht, 1982, S. 195. ONR 389; Aktenvermerk, 12.09.1981.
  7. Wenzel, Kaufmannshöfe, 2020, S. 39; Kraack, Kataster, 2013, S. 658; Rohling, Flensburg, 1955, S. 432. ONR 389; Aktenvermerk, 12.09.1981.