Felsberg, Gartenpavillon am Obertor 16

Kruse, Jasmin:Felsberg, Gartenpavillon am Obertor 16, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/cdbe7488-fd22-452f-9b37-05c56d737c95

Inventarnummer: cbdd20030

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In einem Gartenpavillon in der Altstadt von Felsberg ist eine Deckenmalerei nachweisbar, die Landschaftsveduten und eine mythologische Szene mit der seltenen Darstellung von Venus und Merkur als Liebespaar zeigt.

Das Gartenhaus am Obertor 16 in Felsberg

Lage, Bau- und Nutzungsgeschichte

Die Stadt Felsberg befindet sich am Fuß eines namensstiftenden Berges südlich von Kassel. Die historische Altstadt des ab 1209 nacheisbaren Ortes liegt unterhalb der Burg an der südöstlichen Bergflanke, die weitere Umgebung wurde in inzwischen durch neuere Wohnbebauung erschlossen.

Der Gartenpavillon befindet sich heute auf dem Gelände eines landwirtschaftlichen Hofes in Felsberg (Obertor 16), der westlich unterhalb des Burgberges liegt. Das Grundstück liegt nahe an der mittelalterlichen Stadtmauer, die den Ortskern am Südhang des Berges umschloss und deren ungefährer Verlauf noch heute durch Mauer- und Turmreste im Stadtbild ablesbar ist.

Der Gartenpavillon ist ein auf einem rechteckigen Grundriss errichteter eingeschossiger Fachwerkbau von geringer Größe mit Zeltdach. Letzteres ist heute mit modernen Dachpfannen gedeckt, die Form des ursprünglichen Daches muss aber vergleichbar gewesen sein. In einer Wand befindet sich die einzige Tür, die übrigen Wände sind jeweils mit einem einfachen Fenster und einem Holzladen versehen.

Wann das Gebäude genau errichtet wurde, ist nicht bekannt. Einschlägige Denkmalinventare und -listen sowie die Dehio-Handbücher geben über das Gartenhaus und seine Ausmalung keine Nachricht. Das Gartenhaus ist dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen jedoch bekannt und in einer Außenaufnahme von 2020 sowie drei auf den 9. Mai 1928 datierte Glasplattennegativen der Deckenausmalung dokumentiert. Über den aktuellen Zustand der Ausmalung liegen keine Informationen vor.

Der Innenraum

Den verfügbaren Fotografien nach zu urteilen handelt es sich um einen einzigen Innenraum. Details zu Wandgestaltung, Fußboden und Einrichtungsgegenständen sind nicht bekannt. Der Zeltdachkonstruktion entsprechend muss es ein annähernd quadratischer Raum sein.

Die Deckenausmalung

Die Decke teilt sich auf in fünf Bildfelder, die durch die Gratsparren des Zeltdachs voneinander getrennt sind; eine gemalte Umrandung verdeutlicht diese Unterteilung noch einmal. Die großen Seitenflächen zeigen Landschaftsdarstellungen mit kleinen Ansiedlungen. Beim Mittelbild handelt es sich dagegen um eine mythologische Szene.

Die Malereien sind direkt auf Holzbretter aufgebracht. Auf den historischen Fotografien tun sich in einigen Bildern Risse im Holz beziehungsweise Spalte zwischen den waagerecht angebrachten Brettern auf.

Der Künstler, der genaue Entstehungszeitraum und -kontext sind nicht bekannt; aufgrund der Qualität der Darstellungen ist ein lokaler Maler naheliegend.

Die Landschaftsdarstellungen

Links des Mittelbildes blickt man in eine waldreiche Landschaft mit einer Burgruine auf einem steilen Berg, an dessen Fuß eine Kirche und weitere Gebäude lagern. Vor der Stadtsilhouette ist eine zweispännige Kutsche zu sehen. Im Vordergrund erkennt man eine Brücke über einen Fluss, die gerade von einem Reiter passiert wird.

Unterhalb des Mittelbildes erblickt man ein eingefriedetes und mit einem Graben abgeschottetes Schloss mit einem leicht hervorstechenden Turm und umgebenden Wirtschaftsgebäuden. Es liegt eingebettet in eine weite Hügellandschaft, in der kleine Ortschaften verstreut sind.

Rechts des Mittelbildes öffnet sich der Blick in eine weite Landschaft, die von einem Fluss durchquert wird. Weit im Hintergrund ragen mehrere Burgen mit spitzen Türmen auf. Im Vordergrund steht dagegen die überwucherte Ruine eines Turmes auf einem Hügel, an dessen Hängen landwirtschaftliche Flächen angelegt sind. Vom linken Bildteil mit der Burgruine und den Feldern führt eine Holzbrücke über den Fluss zu einem mit Zäunen umfriedeten Dreiseitenhof. Der untere Teil des Bildes ist in den Fotografien abgeschnitten; anhand der Dokumentation der Malerei unterhalb des Mittelbilds kann man wenigstens erkennen, dass dort weitere Büsche und Bäume dargestellt sind.

Für die Bildfläche oberhalb des Mittelbildes liegt keine eigene Fotografie vor - sie lässt sich nur in Ausschnitten wahrnehmen, die mit den Fotos der angrenzenden Bildfelder aufgenommen wurden. Im Zentrum der Darstellung steht demzufolge eine waldige Berglandschaft, in der mehrere Wasserquellen entspringen. Besonders auffällig ist ein Figurenpaar rechts im Vordergrund – ein Wanderer mit einem Stock und eine geflügelte Gestalt. Links öffnet sich dagegen der Blick in eine weite Landschaft. Im Vordergrund erkennt man ein Boot mit drei Fischern, die gerade ihr Netz einholen; am Ufer hinter ihnen erheben sich die Türme einer Stadt. In Abgrenzung zu den übrigen Landschaftsbildern verfügt diese Darstellung durch die Engelsgestalt über ein überweltliches Element; aufgrund der unvollständigen Ansicht und begrenzten Bildqualität ist es jedoch schwer, sie einer konkreten Bibelstelle oder christlichen Legende zuzuordnen.

Das Mittelbild: Venus und Merkur

Das Bild im Zentrum der Decke zeigt Venus, die auf dem Boden einer Lichtung lagert. Ihre Scham wird von einem durchscheinenden Tuch gerade noch verhüllt, ihre Brust ist dagegen entblößt und wird kaum von ihrem angewinkelten Arm verdeckt. Vor allem im Bereich der Beine ist die Darstellung abgedeckt bzw. beschädigt, dort wurde eine rechteckige Platte aufgenagelt. Venus blickt hinunter auf Amor, der auf dem Boden neben ihr schläft. Er lehnt auf einem Gegenstand, der jedoch nicht näher zu erkennen ist. Hinter ihm liegen sein Bogen und mindestens ein Pfeil.

Hinter der Venus lagert Merkur, deutlich zu erkennen am geflügelten Hut und auch an dem Flügel am unteren linken Bildrand, der zu einem seiner Schuhe gehören muss. Hinter ihm ragt zudem der schlangenköpfige Stab des Götterboten, der Caduceus, auf. Merkur beugt sich sehr nah an Venus heran, als würde er in ihr Ohr flüstern.

Synthese des Bildprogramms