Eutin, Residenzschloss
Inventarnummer: cbdd10405
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Schloss Eutin beherbergt mehrere Deckengemälde aus der Zeit um 1700, so etwa in der Schlosskapelle eine Darstellung der Trinität von ca. 1685, im Schlafzimmer der Fürstin eine Entführung der Europa von ca. 1721 und im Hauptsaal die Göttliche Vorsehung und Herrschaft des Fürstbischofs von ca. 1723.

Schloss Eutin
Kurzbeschreibung und Lage
Schloss Eutin[1] steht im Nordosten der Altstadt in Zitadellenlage. Dem Schloss ist gegen die Stadt ein großer Hof mit Wirtschafts- und Verwaltungsbauten vorgelagert. Im Norden und Osten befindet sich der Eutiner See, nach Süden erstreckt sich der ehemals axial auf das Schloss ausgerichtete Garten.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
1270-75 ließ Bischof Johann III. von Tralau am Rand von Eutin ein festes Haus errichten. Einige Jahre später kam eine Kapelle hinzu, die 1293 geweiht wurde. Ab 1299 war die Burg Hauptsitz der Bischöfe von Lübeck. Sie wurde beständig weiter ausgebaut bis Mitte des 17. Jahrhunderts, als die heute noch weitgehend erhaltene unregelmäßige Vierflügelanlage entstanden war. Folgende Brände und Teilzerstörungen änderten nichts an dieser grundsätzlichen Disposition. Von ca. 1600 bis 1615 wurde der Nordflügel um- und ausgebaut und der dort gelegene Rittersaal erweitert. Unter Bischof Hans (Johann X.) kam es ab 1635 zu umfangeichen Bau- und Ausstattungsarbeiten. Architekt war Achatius Görner. So erfolgte 1638 ein Umbau der Schlosskapelle. Erst 1645/50 kamen die Bauten an der Südwestecke des Schlosses mit dem markanten Rundturm hinzu. Ein Stadtbrand 1689 griff auf das Schloss über und zerstörte sein Inneres fast komplett. Bereits 1690 begann der Wiederaufbau. 1693/94 wurde die Schlosskapelle ausgebaut und war spätestens 1702 vollendet. Seine äußere Gestalt erhielt das Schloss aber erst unter Fürstbischof Christian August und seiner Frau Albertine Friederike von Baden-Durlach, die 1716-27 in zwei Bauabschnitten eine tiefgreifende Modernisierung und Neudisposition zahlreicher Innenräume durch Rudolph Matthias Dallin vornehmen ließen. Nord-, West- und Südflügel erhielten an der Hofseite Galerien und die neuen Räume an den Außenseiten der Flügel neue Türen, überwiegend in Enfilade. Die fürstlichen Appartements an der Südwestecke des Schlosses sind damals ausgestattet worden und haben sich teilweise bis heute erhalten. 1773 wurde das Fürstbistum mit dem Herzogtum Oldenburg vereint und im 19. Jahrhundert kam Eutin dann nur noch die Rolle einer Sommerresidenz zu. Das 19. und 20. Jahrhundert brachte nur wenige Veränderungen, vor allem in der Ausstattung. Ab 1836 erhöhte man den Nord- und Ostflügel. Seit Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das Schloss saniert und 1997 wieder geöffnet. Zuvor waren Schloss und Garten Eutin einschließlich umfangreicher Ausstattungs- und Sammlungsteile 1992 in die Stiftung Schloss Eutin eingebracht worden. Seit 2006 ist das Hauptgeschoss des Schlosses als Museum der Öffentlichkeit voll zugänglich.[2]
Auftraggeber
Seit 1586 wurden ausschließlich Mitglieder des Hauses Holstein-Gottorf vom Lübecker Domkapitel gewählt. Die Beschränkung auf Mitglieder dieses Hauses bewahrte dem Fürstbistum in der Reformation die staatliche Eigenständigkeit und wurde 1647 auch in den Westfälischen Frieden aufgenommen. Die verwandte Linie der Könige von Dänemark versuchte diese Bestimmungen aufzuheben, was tatsächlich kurzfristig 1698 gelang. 1700 wurde jedoch die alte Ordnung wieder hergestellt und auch eine spätere Besetzung von Eutin vermochte das nicht zu ändern. Die Bindung des Fürstbistums an das Haus Holstein-Gottorf führte jedoch dazu, dass Lübeck oft in die Auseinandersetzungen zwischen den dänischen Königen und den Herzögen von Holstein-Gottorf mit hineingezogen wurde. So lebte Fürstbischof Christian August von 1714 bis 1716 im Exil.[3]
Beschreibung
Das Schloss hat vier dreigeschossige Flügel aus Backstein, die sich um einen trapezförmigen Innenhof anordnen. Sein ockerfarbener Anstrich beruht auf einem Befund. Der geplante weiße Außenanstrich ist nie erfolgt. Während Nord-, Ost- und Südflügel in annähernd rechtem Winkel zueinander stehen, ist der Westflügel mit seinem großen Torturm schräg gestellt. Im Norden wird der Westflügel von einem rechteckigen Turm flankiert, im Süden von einem Rundturm. Die Landesherrlichen Gemächer waren im 18. Jahrhundert an der Südwestecke gelegen. Dabei befanden sich die Räume des Fürstbischofs im Erdgeschoss und die seiner Frau im ersten Obergeschoss. Die zweigeschossige Schlosskapelle ist an der Südostecke gelegen. Ein großer Saal befindet sich im ersten Obergeschoss des Nordflügels an dessen westlichem Ende. Ein weiterer Saal ist auf der Nordostecke gelegen. Die vertikale Erschließung gewährleistet ein zweiläufiges Haupttreppenhaus im Südflügel neben der Kapelle. Die Erschließung der Räume im Hauptgeschoss erfolgt über hofseitige Korridore im Nord-, Ost- und Südflügel. Doch mussten in der Nordost- und Südostecke des Hofes Vorbauten eingefügt werden, um die Schlosskapelle und den nordöstlichen Saal umgehen zu können. Am Westflügel war kein Raum für einen Korridor. Innenausstattung aus der Zeit vor 1717 hat sich mit Ausnahme der Schlosskapelle nicht erhalten. Von der 1635 geschaffenen Ausmalung der Räume durch Hans Jacobs, der „die Decken aber mit Waßerfarben in oval runde [Stuckrahmen], darin Bildern oder landschafften darin ferthig außmahlen“[4] sollte, ist nichts überkommen.[5]
Die Schlosskapelle
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Schlosskapelle geht auf eine Gründung des Mittelalters zurück. Ihre heutige Kubatur ist das Resultat eines Ausbaus von 1640/50. Nach dem Schlossbrand 1689 wurde sie bis 1693 neu ausgestattet und 1694 erneut geweiht. Hofbildhauer war Theodor Allers, die Orgel schuf Arp Schnittger. Die Stuckdecke kam erst 1778 in den Raum.[6]
Beschreibung
Die zweigeschossige Schlosskapelle ist der einzige Raum, der sich aus der Zeit des Wiederaufbaus nach 1689 im Schloss erhalten hat. Sie ist von einer umlaufenden Holzempore auf Säulen umgeben, die im Osten über dem Altar den verglasten Herrschaftsstand aufnimmt und im Westen eine Orgel. Sie folgt mit dieser Anordnung der Schlosskapelle in Schloss Gottorf. Die Kanzel steht an der Südseite in der Mitte. Das Altargemälde von 1632 im üppigen goldenen Rahmen zeigt eine Kreuzabnahme, die Rembrandt folgt. Über dem Herrschaftsstand präsentieren mittig Putten das Spiegelmonogramm von Fürstbischof August Friedrich. Der Stand wird bekrönt von geschnitzten Apostelfiguren.[7]
Das Deckengemälde über dem Altar
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Gemälde wurde Ende des 17. Jahrhunderts von einem unbekannten Künstler geschaffen und 2000 restauriert.[8]
Beschreibung und Ikonographie
Das Gemälde befindet sich direkt über dem Altar unter dem Herrschaftsstand. Zu sehen sind Engel und Putten, die auf Wolken lagern und andächtig dem Geschehen auf dem Altar beiwohnen. Von oben dringt göttliches Licht herab. Dessen Quelle ist nicht zu sehen. Es geht entweder von dem Fürstbischof im Herrschaftsstand aus oder – wahrscheinlicher – von der Trinität, die an die Decke des Standes gemalt ist.
Das Deckengemälde im Herrschaftsstand
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei wurde Ende des 17. Jahrhunderts von einem unbekannten Künstler geschaffen. 2008 erfolgte eine Restaurierung mit Kittungen und Retuschen an Fehlstellen und Rissen.[9]
Beschreibung und Ikonographie
Das dreigeteilte Bild erstreckt sich über die gesamte Decke des Herrschaftsstandes. Das Mittelbild zeigt Christus im roten Gewand auf grauen und rötlich-gelben Wolken thronend mit ausgebreiteten Armen. Rechts neben ihm sind die Taube des Hl. Geistes und das Tetragram Gottes (הוהי) zu sehen, sodass es sich genau genommen um eine Darstellung der Trinität handelt. Hinter ihr öffnen sich die Wolken zum himmlischen Licht. Dass es sich um einen gnädigen und verzeihenden Gott handelt, verdeutlichen die kleinen puttengleichen Engel rechts und links, die Blumen und Blumenkränze tragen.
Das so genannte Europazimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Flügel, in dem der Europazimmer genannte Raum liegt, wurde zwar bereits 1645/50 erbaut, der Raum selbst ist aber erst um 1720 im Auftrag von Fürstbischof Christian August (1705-26) durch Rudolph Matthias Dallin entstanden. Die Stuckierung der Decke durch Carlo Enrico Brenno erfolgte 1721. Der Raum diente Albertine Friederike von Baden-Durlach nachweislich als Schlafzimmer.[10]
Lage des Raums im Appartement der Fürstin
Das Europazimmer gehörte zum Appartement der Fürstin, das über eine Treppe mit dem Appartement des Fürsten im Erdgeschoss direkt verbunden war. Von der hofseitigen Galerie aus betrat man das Vorzimmer an der Südseite des Südflügels. Nach Westen folgten in Enfilade ein Audienzzimmer, dann das Europazimmer, das sich bereits im Westflügel befindet. An dieses schließt sich nach Süden im Turm ein Kabinett an. Im Norden waren die Garderobe und Räume des Frauenzimmers gelegen.[11]
Beschreibung
Der große Raum wird in der Südostecke betreten und öffnet sich mit drei Fenstern nach Westen. Die angrenzenden Räume im Norden und Süden werden über Türen an der Fensterseite erschlossen und sind in Enfilade gelegen. In der Mitte der Ostwand befindet sich ein Kamin.[12]
Die Decke des Europazimmers
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke wurde 1721 nachweislich von Carlo Enrico Brenno stuckiert. Die Gemälde eines unbekannten Künstlers in der Decke dürften annährend zur selben Zeit bzw. kurz danach entstanden sein. 1994 wurde die Decke restauriert.[13]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke ist mit Scheinarchitektur, Kartuschen, Vasen und Relieffiguren stuckiert. Der Mittelspiegel nimmt ein querovales Gemälde auf. Hinzu kommen vier kleine Rundbilder in den Ecken der Decke. Stuckiert sind Allegorien der vier Erdteile sowie der vier Tageszeiten. An der Fensterseite ist die Allegorie Europas mit Krone und Waffen als vermeintliche Beherrscherin der Welt dargestellt. Über dem Kamin erblickt man die Allegorie Asiens mit einem Dromedar. Afrika im Süden trägt einen Elefantenrüssel auf dem Haupt und wird von einem Löwen begleitet. Amerika mit Pfeil und Bogen in Händen sitzt auf einem Kaiman. Die Tageszeiten sind durch Putten in hochovalen Medaillons an den langen Seiten personifiziert. An der Fensterseite links ist ein Putto unter der hoch am Himmel stehenden Sonne mit Zirkel und Globus beschäftigt. Dieser Tätigkeit geht er am Mittag nach. Rechts schläft ein Putto – er steht für die Nacht. Über der Kaminwand links verweist der sich vor der untergehenden Sonne streckende Putto auf den Abend. Er trägt eine Fackel, die auf den Abendstern verweist. Der zweite Putto rechts steht vor der aufgehenden Sonne mit geschultertem Gewehr. Er allegorisiert den Morgen. Das Hauptbild in der Deckenmitte präsentiert die mythologische Darstellung der Entführung Europas, die Gemälde in den Ecken ergänzen die Erdteilallegorien.[14]
Die Entführung der Europa
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei ist von einem unbekannten Künstler nach 1721 in Öl auf Leinwand für die Decke des Europazimmers geschaffen worden. Sie wurde 1994 restauriert.[15]
Beschreibung und Ikonographie
Zu sehen ist der Moment, in dem die Königstochter Europa – von ihren Dienerinnen unterstützt – am Strand einen Stier besteigt. Bei diesem handelt es sich um den obersten der Götter – Jupiter – der Europa begehrt und sich daher in einem Stier verwandelt hat. Im nächsten Moment wird er sie auf das offene Meer hinaus entführen. Die blumenbekränzte Europa trägt ein rosafarbenes Gewand, das ihre Brüste freilässt. Der Stier wurde bereits von Europa und ihren Dienerinnen mit Blumen bekränzt und beobachtet interessiert das Geschehen auf seinem Rücken. Die Gruppe agiert vor aufragenden dunklen Bäumen. Direkt davor erstreckt sich das Meer. Auf diesem befinden sich zwei Ichthyokentauren, von denen der linke in ein Muschelhorn bläst, während der rechte eine Nereide auf dem Rücken trägt und die Szene betrachtet. Ein Putto auf seiner Schulter bläst ebenfalls in ein Muschelhorn. Sie alle sind im Gegensatz zur zentralen Gruppe vor blauem Himmel dargestellt. Weitere Puten in der Luft und auf dem Wasser nehmen am Geschehen Anteil. Hinzu kommen zwei Delphine.[16]
Allegorie Europas
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei ist von einem unbekannten Künstler nach 1721 in Öl auf Leinwand geschaffen worden. Sie wurde 1994 restauriert.[17]
Beschreibung und Ikonographie
Das kleine querovale Gemälde in der Südwestecke präsentiert vor nächtlichem Himmel verschiedene wissenschaftliche Gerätschaften, darunter einen Himmelsglobus, ein Buch zu Wetterphänomenen, sowie einen Zirkel vor einem Festungsplan. Die Malerei ergänzt die Stuckfigur der Europa.[18]
Allegorie Afrikas
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei ist von einem unbekannten Künstler nach 1721 in Öl auf Leinwand geschaffen worden. Sie wurde 1994 restauriert.[17]
Beschreibung und Ikonographie
in der Südostecke zeigt das querovale Gemälde eine Allegorie Afrikas. Im Vordergrund lagert ein Krokodil mit geöffnetem Maul, hinter dem sich der Leuchtturm von Alexandria erhebt. Rechts kann man eine Pyramide ausmachen, links ist das Mittelmeer zu sehen.[19]
Allegorie Asiens
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei ist von einem unbekannten Künstler nach 1721 in Öl auf Leinwand geschaffen worden. Sie wurde 1994 restauriert.[17]
Beschreibung und Ikonographie
In der Nordostecke wird Asien mithilfe eines gefleckten Leoparden und Porzellans allegorisiert.[20]
Allegorie Amerikas
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei ist von einem unbekannten Künstler nach 1721 in Öl auf Leinwand geschaffen worden. Sie wurde 1994 restauriert.[17]
Beschreibung und Ikonographie
Die Allegorie Amerikas in der Nordwestecke ist ungewöhnlich. Man erblickt eine halbnackte Figur in Ketten mit Lendenschurz und Turban, die im Bergwerk eine Schubkarre mit Bodenschätzen schiebt. Im Hintergrund ist ein silbriger Fluss vor einem Gebirge auszumachen. Dargestellt ist die Stadt Potosí in Südamerika, bei dem Berg handelt es sich um den Cerro Rico. In Potosí wurde unter Zwang – verbunden mit zahlreichen Toten – Silber abgebaut.[21]
Das so genannte Turmzimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Eckturm an der Südwestecke des Schlosses geht auf das späte Mittelalter zurück. Seine Ausstattung von ca. 1645/50 wurde beim Schlossbrand 1689 zerstört. Die heutige Ausstattung erhielt das Kabinett zwischen 1716 und 1727. Seine Ausstuckierung erfolgte 1722.[22]
Beschreibung
Der kreisrunde Raum gehörte zum Appartement der Herzogin und wurde von Norden aus ihrem Schlafzimmer über eine kleine Passage betreten. Nach Osten, Süden und Westen öffnen sich drei Fenster.[23]
Die Decke des Turmzimmers - Venus besiegt Mars
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke wurde 1722 stuckiert. Wann das Gemälde erstmals an die Decke kam, ist unbekannt. 1956 wurde es restauriert und an die Decke gebracht. Man geht davon aus, dass es sich um den ursprünglichen Ort handelt.[24]
Beschreibung und Ikonographie
Das Thema der Decke ist der Triumph der Liebe, dargestellt durch Venus und Mars, die auf Wolken sitzen. Mars ist der nackten Venus zugewandt, blickt aber die Betrachtenden an. Mit seiner Rechten legt er seinen Bogen ab, während er mit der Linken die Schulter der Venus umfasst. Venus trägt einen Rosenkranz und blickt Mars an. Links der Gruppe ist Amor zu erkennen, der seinen Bogen gespannt hat und im Begriff ist, einen Pfeil auf das Paar abzuschießen. Im Vordergrund erblickt man die schnäbelnden Tauben der Venus. Im Hintergrund sind schemenhaft weitere – durchweg weibliche – Gottheiten auszumachen.
Der so genannte Große Rittersaal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der heute Rittersaal genannte Raum wurde unter Fürstbischof Johann Friedrich Anfang des 17. Jahrhunderts eingerichtet. Er diente als Tanzsaal. Unter Fürstbischof Christian August wurde der Raum regularisiert, indem man 1723 die bis dahin schräg verlaufende Westwand kaschierte und dem Raum ein rechteckiges Aussehen gab. Zugleich kamen zwei Kamine an die schmalen Seiten des Saals. Die bereits damals geplante Anhebung der Decke erfolgte erst 1843/45. Die Deckengemälde blieben dabei erhalten. Allerdings wurden die Fenster an der Südseite zum Hof hin zugesetzt, um Platz für die Hängung von großformatigen Gemälden zu erhalten.[25]
Beschreibung
Der große Raum wird von der Südostecke aus betreten, wo ein Korridor vor dem Saal endet. Dieser erhielt ehemals durch sechs Fenster nach Norden und fünf Fenster an der Hofseite im Süden sein Licht. An der Ost- und Westwand stehen sich zwei große Kamine einander gegenüber. In die Decke sind zwei große Rundbilder eingelassen, die zusammen die durch die göttliche Vorsehung bestimmte Herrschaft des Fürstbischofs Christian August zum Inhalt haben.[26]
Die göttliche Vorsehung der Herrschaft Fürstbischof Christian Albrechts, Teil I
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Gemälde wurde um 1723 von einem unbekannten Künstler im Auftrag von Fürstbischof Christian August geschaffen. Erstmals wurde es bereits 1755 restauriert und dann erneut 1841 gemäß der Beschriftung auf der Rückseite. Eine weitere Restaurierung erfolgte 1955, als man die Malerei reinigte, auffrischte und an den durchstoßenen Stellen ausbesserte.[27]
Beschreibung und Ikonographie
Das Gemälde gehört inhaltlich mit dem zweiten Rundbild an der Decke zusammen. Es zeigt, wie die Personifikation des Fürstbistums Lübeck das von drei Putten emporgetragene kreisrunde Bruststück von Fürstbischof Christian Albrecht von Holstein-Gottorf mit dem Bischofshut krönt. Stolz zeigt sich Christian Albrecht mit dem dänischen Elephantenorden. Von links naht die Unsterblichkeit mit einem Kranz von zwölf Sternen. Eine Putte darunter bringt einen Lorbeerkranz. Unten werden die Verdienste des Fürstbischofs für die Nachwelt festgehalten. Ein Engel mit Palmwedel vermerkt auf einer Kartusche, die ihm eine Putte hält: „MERETUR MAJORA“ Größte Verdienste. Rechts daneben sitzen die drei Parzen und bestimmen das Schicksal des Fürstbischofs.
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt eng Pietro da Cortonas Deckengemälde „Triumph der göttlichen Vorsehung“ im Großen Saal des Palazzo Barberini in Rom. Die Personifikation des Fürstbistums wurde von dort aus dem oberen Bereich des Mittelbildes übernommen, wo sie die Stadt Rom personifiziert und das Wappen der Barberini mit der Tiara krönt. Die Unsterblichkeit ist auf Cortonas Mittelbild links der Mitte dargestellt. Die Parzen finden sich auf dem Mittelbild in der rechten unteren Ecke.
Die göttliche Vorsehung der Herrschaft Fürstbischof Christian Albrechts, Teil II
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Ölgemälde auf Leinwand wurde um 1723 von einem unbekannten Künstler geschaffen und 1755 und 1995 restauriert. Es hat einen Durchmesser von 2,45 Metern.[28]
Beschreibung und Ikonographie
Das Gemälde stellt inhaltlich mit dem ersten Rundbild eine Einheit dar. Auf dem zweiten thront in der Mitte die göttliche Vorsehung mit dem Zepter in der Hand. Links von ihr verkündet Fama den Ruhm des Fürstbischofs – an einer ihrer beiden Posaunen hängt sein auf Tuch gemaltes Wappen. Ein Genius bringt zwei Lorbeerkränze herbei. Die göttliche Vorsehung deutet mit ihrer rechten Hand auf Minerva, die im Begriff ist, eine Harpyie rechts aus dem Bild zu vertreiben. Am unteren Bildrand ist die schlangenhaarige Personifikation der Missgunst dargestellt, die ebenfalls keinen Anteil am Geschehen hat. Rechts neben der göttlichen Vorsehung ist ferner die Personifikation des Friedens mit Palmzweig und Lorbeerkranz zu erkennen.
Vorlagen und Vergleiche
Viele Figuren wurden von Pietro da Cortonas Deckengemälde „Triumph der göttlichen Vorsehung“ aus dem Großen Saal im Palazzo Barberini in Rom entlehnt. Aus dem unteren Bereich des Mittelbildes ist die göttliche Vorsehung übernommen sowie die Darstellung der Pax. Minerva befindet sich im unteren Bereich unter dem Mittelbild. Die Harpyie ist dem rechten Nebenbild oben entnommen und wird eigentlich von Herkules vertrieben.
Zum Programm der beiden Rundbilder
Das Bildprogramm erklärt sich aus den besonderen Umständen der Regierungsübernahme des Auftraggebers. Nach dem Tod von Fürstbischof August Friedrich war es mit Dänemark um die Nachfolge zu einem bewaffneten Konflikt gekommen. Ende 1705 war das Schloss belagert worden und es kam zur Vertreibung seines Nachfolgers Christian August. Erst das Eingreifen ausländischer Mächte hatten diesen zurück auf den Bischofsstuhl geführt. Im Rahmen des Nordischen Krieges musste er 1713-16 ins Exil gehen.[29] Diesen Makel seiner Biographie kompensierte der Füstbischof mit seiner allegorischen Verherrlichung in den beiden Deckengemälden, die verdeutlichen, dass seine segensreiche Herrschaft über das Fürstbistum auf göttlicher Vorsehung beruhte.
Bibliographie
- Literatur:
- Borges, Eutin, 2023. – Borges, Sophie: Schloss Eutin und seine Gärten. Kiel/Hamburg 2023.
- Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
- Lafrenz, Baugeschichte, 2021. – Lafrenz, Deert: Zur Baugeschichte des Eutiner Schlosses, in: Auge, Oliver/Scharrenberg, Anke (Hrsg.): Eutin im Barock. Kunst und Kultur am fürstbischöflichen Hof des 17. Jahrhunderts (Eutiner Forschungen, 16). Kiel/Hamburg 2021, S. 207-226.
- Lafrenz, Schlösser, 2022. – Lafrenz, Deert: Schlösser in Schleswig-Holstein (Studien zur schleswig-holsteinischen Kunstgeschichte, 18). Petersberg 2022.
- Lohmeier, Fürstbischöfe, 2008. – Lohmeier, Dieter: Die Fürstbischöfe von Lübeck aus dem Hause Gottorf, in: Rasmussen, Carsten Porskrog u.a. (Hrsg.): Die Fürsten des Landes. Herzöge und Grafen von Schleswig, Holstein und Lauenburg. Neumünster 2008, S. 186-207.
- Rinn, Stukkateure, 1999. – Rinn, Barbara: Italienische Stukkateure zwischen Elbe und Ostsee (Bau + Kunst. Schleswig-Holsteinische Schriften zur Kunstgeschichte, 1). Kiel 1999.
- Rudloff, Eutin, 1985. – Rudloff, Dieter: Schloß Eutin (Große Baudenkmäler, 151). München/Berlin 1985.
- Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983. – Rumohr, Henning von/Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Frankfurt 1983.
- Schulze, Europa, 1999. – Schulze, Heiko K. L.: Der Raub der Europa. Zur Ikonografie des Deckengemäldes und der gemalten Erdteildarstellungen im Europasaal des Eutiner Schlosses, in: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein 6 (1999), S. 26-34.
- Schulze, Eutin, 1991. – Schulze, Heiko K. L.: Schloß Eutin. Eutin 1991.
- Schulze, Eutin, 1994. – Schulze, Heiko K. L.: Zur Sanierung der Museumsräume im Eutiner Schloss. Ein Zwischenbericht, in: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein 1 (1994), S. 62-64.
- Stiasny, Eutin, 2016. – Stiasny, Tomke: Schloss Eutin. München/Berlin 2016.
- Stiasny/Moser, Eutin, 2010. – Stiasny, Tomke/Moser, Juliane: Schloss Eutin. München/Berlin 2010.
Einzelnachweise
- ↑ Borges, Eutin, 2023; Lafrenz, Schlösser, 2022, S. 79-93; Stiasny, Eutin, 2016; Stiasny/Moser, Eutin, 2010; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 251-255; Schulze, Eutin, 1991; Rudloff, Eutin, 1985; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 229-233.
- ↑ Borges, Eutin, 2023, S. 5, 7-9; Lafrenz, Schlösser, 2022, S. 85-88; Lafrenz, Baugeschichte, 2021; Stiasny, Eutin, 2016, S. 2-10; Stiasny/Moser, Eutin, 2010, S. 8-33; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 251-252, 254; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 265-266; Schulze, Eutin, 1991, S. 20-125.
- ↑ Lohmeier, Fürstbischöfe, 2008; Schulze, Eutin, 1991, S. 54, 64-68.
- ↑ Schulze, Eutin, 1991, S. 49.
- ↑ Borges, Eutin, 2023, S. 10-65; Lafrenz, Schlösser, 2022, S. 84-85, 88; Stiasny, Eutin, 2016, S. 11-57; Stiasny/Moser, Eutin, 2010, S. 34-75; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 253-254; Schulze, Eutin, 1991, S. 10-14, 60-61.
- ↑ Lafrenz, Schlösser, 2022, S. 90; Lafrenz Baugeschichte, 2021, S. 223; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 254; Schulze, Eutin, 1991, S. 49, 61-62.
- ↑ Borges, Eutin, 2023, S. 60-65; Stiasny, Eutin, 2016, S. 14-17; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 254; Schulze, Eutin, 1991, S. 61-62.
- ↑ Stiftung Schloss Eutin, Inventarnummer 1361. Ich danke Sophie Borges, Stiftung Schloss Eutin, für ihre Unterstützung und zahlreichen Hinweise.
- ↑ Stiftung Schloss Eutin, Inventarnummer 1362. Ich danke Sophie Borges, Stiftung Schloss Eutin, für ihre Unterstützung und zahlreichen Hinweise.
- ↑ Borges, Eutin, 2023, S. 26-31; Lafrenz, Schlösser, 2022, S. 85; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 252; Schulze, Europa, 1999, S. 26, 29; Schulze, Eutin, 1991, S. 59, 78.
- ↑ Lafrenz, Schlösser, 2022, S. 88; Stiasny/Moser, Eutin, 2010, S. 44-54; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 254; Schulze, Eutin, 1991, S. 176-177.
- ↑ Lafrenz, Schlösser, 2022, S. 89; Stiasny, Eutin, 2016, S. 26-30; Stiasny/Moser, Eutin, 2010, S. 48-51; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 254; Schulze, Europa, 1999, S. 26; Schulze, Eutin, 1991, S. 12.
- ↑ Rinn, Stukkateure, 1999, S. 265, 276; Schulze, Europa, 1999, S. 26, 29; Schulze, Eutin, 1994, S. 63. Ich danke Sophie Borges, Stiftung Schloss Eutin, für ihre Unterstützung und zahlreichen Hinweise.
- ↑ Borges, Eutin, 2023, S. 27-30; Lafrenz, Schlösser, 2022, S. 89; Stiasny, Eutin, 2016, S. 28-29; Stiasny/Moser, Eutin, 2010, S. 49-51; Schulze, Europa, 1999, S. 26, 29-30; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 272-276; Schulze, Eutin, 1991, S. 12.
- ↑ Schulze, Europa, 1999, S. 26, 32; Schulze, Eutin, 1994, S. 63; Schulze, Europa, 1999, S. 32. Stiftung Schloss Eutin, Inventarnummer 1360. Ich danke Sophie Borges, Stiftung Schloss Eutin, für ihre Unterstützung und zahlreichen Hinweise.
- ↑ Stiasny/Moser, Eutin, 2010, S. 49; Schulze, Europa, 1999, S. 27-29.
- ↑ 17,0 17,1 17,2 17,3 Schulze, Europa, 1999, S. 26, 32; Schulze, Eutin, 1994, S. 63; Schulze, Europa, 1999, S. 32. Ich danke Sophie Borges, Stiftung Schloss Eutin, für ihre Unterstützung und zahlreichen Hinweise.
- ↑ Stiasny/Moser, Eutin, 2010, S. 49; Schulze, Europa, 1999, S. 30.
- ↑ Stiasny/Moser, Eutin, 2010, S. 50; Schulze, Europa, 1999, S. 30-31.
- ↑ Stiasny/Moser, Eutin, 2010, S. 49; Schulze, Europa, 1999, S. 31.
- ↑ Stiasny/Moser, Eutin, 2010, S. 49; Schulze, Europa, 1999, S. 30-32.
- ↑ Lafrenz, Schlösser, 2022, S. 85; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 252; Schulze, Eutin, 1991, S. 51-52, 83.
- ↑ Borges, Eutin, 2023, S. 32-33.
- ↑ Stiftung Schloss Eutin, Inventarnummer 692. Ich danke Sophie Borges, Stiftung Schloss Eutin, für ihre Unterstützung und zahlreichen Hinweise.
- ↑ Borges, Eutin, 2023, S. 13, 46; Lafrenz, Schlösser, 2022, S. 89; Stiasny, Eutin, 2016, S. 50-51; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 255; Schulze, Eutin, 1991, S. 83, 115.
- ↑ Borges, Eutin, 2023, S. 46-50; Lafrenz, Schlösser, 2022, S. 89; Stiasny/Moser, Eutin, 2010, S. 60-61; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 255.
- ↑ Stiftung Schloss Eutin, Inventarnummer 1095, 1096. Ich danke Sophie Borges, Stiftung Schloss Eutin, für ihre Unterstützung und zahlreichen Hinweise.
- ↑ Stiftung Schloss Eutin, Inventarnummer 1094. Ich danke Sophie Borges, Stiftung Schloss Eutin, für ihre Unterstützung und zahlreichen Hinweise.
- ↑ Lohmeier, Fürstbischöfe, 2008, S. 195-196.