Eichstätt, ehem. Jesuitenkolleg, Schutzengelkirche
Ehemaliges Jesuitenkolleg, heute bischöfliches Priesterseminar
Leonrodplatz
Zur Geschichte: Unter Bischof Martin von Schaumberg (1560–90) wurde 1564 das Willibaldinum (= Collegium Sancti Willibaldi) gegründet, um den Bildungsstand des Diözesanklerus zu heben. Es bestand aus zwei Schulen, dem Seminarium minus für die Knaben und dem Seminarium maius für die Anwärter auf das Priesteramt. Wegen der zu geringen Dotierung konnte das Kolleg Willibaldinum seine Aufgaben aber nie voll erfüllen. Diesem unbefriedigenden Zustand suchte Fürstbischof Johann Christoph von Westerstetten (1612–37) zu begegnen, indem er das Kolleg – gegen den entschiedenen Widerstand von seiten des Domkapitels – im Jahr 1614 den Jesuiten übergab. Die Aufgaben der Jesuiten sollten die Erziehung und Ausbildung der männlichen Jugend sein. Mit dem Domkapitel wurde zunächst ein Kompromiss ausgehandelt: Die Jesuiten durften sich nicht in Staatsgeschäfte mischen und keine Immobilien erwerben; dieser Kompromiss wurde aber noch im gleichen Jahr rückgängig gemacht. Im Juli 1614 zogen vier Patres im Willibaldinum ein und begannen mit dem Unterricht. Die bischöfliche Fundationsurkunde datiert vom 8.9.1619. 1625 Einzug ins Kaisheimer Haus. Erst 1651 siegelte das Domkapitel einen neuen Stiftungsbrief des Fürstbischofs Marquard II. Schenk von Castell (1637–85) für das Jesuitenkolleg. Neben ihrer Lehrtätigkeit widmeten sich die Jesuiten mit Eifer der Seelsorge. Während des 30jährigen Krieges kam es 1633/34 durch Feindeseinfälle und Pest zu schweren Notzeiten, bei denen die Jesuiten nicht flüchteten, sondern wegen der Seelsorge bei den Leidenden und Sterbenden in der Stadt blieben. Sie förderten die besondere Verehrung des Jesuitenheiligen Franz Xaver, von dem die Kirche ein Armreliquiar besaß. 1704 wurde Franz Xaver zum zweiten Stadtpatron nach dem hl. Willibald ernannt, nachdem ein Jesuitenprediger den Schutz der Stadt im Spanischen Erbfolgekrieg ihm zugeschrieben hatte. Die Feier des Hundertjährigen Bestehens des Kollegs in Eichstätt fand 1716 statt, mit einer Festpredigt des Eichstätter Weihbischofs Johann Adam Nieberlein.
Durch ein Breve von Klemens XIV. am 21.7. 1773 wurde der Jesuitenorden aufgehoben. Zu dieser Zeit stammten von den in Eichstätt wirkenden Jesuiten nur wenige aus dem Hochstift selbst. Die anderen verließen nach Ende des Schuljahrs 1772/73 Eichstätt. Der Fürstbischof berief alle aus dem Hochstift stammenden Jesuiten nach Eichstätt, wo sie ab 1774 als Weltpriester weiterhin im Kolleg wohnten und die Schule weiterführten. Die Exjesuiten wurden nach ihrem Tod jeweils durch Diözesanpriester oder Dominikaner ersetzt. 1783 wurde das seit 1710 im Spethschen Hof in der Ostenvorstadt befindliche Priesterseminar in die Gebäude des ehem. Jesuitenkollegs verlegt.
Schutzengelkirche, ehem. Jesuitenkirche
Sie ist heute im Besitz des bischöflichen Priesterseminars und dient als Seminar- und Universitätskirche. An der Kirche besteht seit 1747 die Gut-Tod-Bruderschaft. Die Congregatio minor für die Studenten und Akademiker mit dem Patrozinium Mariae Reinigung wurde 1614 eingeführt, die Congregatio maior für die Bürger mit dem Patrozinium Mariae
Verkündigung 1615. Nach 1806 wurden die beiden Kongregationen vereinigt.
Patrozinium: Die Heiligen Engel. Inschrift an der Fassade: Ao D’ MDCXX. DEO OPTIMO MAXIMO IN HONOREM SS. ANGELORUM. Das Patrozinium wurde am Schutzengelfest begangen, das von Paul V. 1608 für das römisch-deutsche Reich eingeführt, von Clemens X. 1670 für die ganze Kirche vorgeschrieben und vom ersten Sonntag im September auf den 2. Oktober gelegt wurde.
Zum Bauwerk: Das alte Willibaldinum und die kleine Seminarkirche St. Katharina lagen am östlichen Stadtrand von Eichstätt. Die Kirche war bald zu klein und musste für den Neubau der Jesuitenkirche abgerissen werden. Der Bauplatz für die neue Kirche schloss im Osten unmittelbar an die Stadtmauer an. Planung der Kirche und Materialbeschaffung ab Anfang 1617, Grundsteinlegung am 13.3.1617 durch Johann Christoph von Westerstetten. Schon am 13.4.1617 begann man mit dem Bau des aufgehenden Mauerwerks. Ende des Jahres 1617 waren Chor, Sakristei und Turm bereits bis zur Höhe der Stadtmauer gelangt. Der Bau wurde nach Plänen von Fr. Jakob Kurrer SJ (1585–1647) ausgeführt, der den Bau auch leitete. Weihe am 30.8.1620 durch Bischof Johann Christoph von Westerstetten. Dem Fürstbischof wurde zu diesem Anlass die Festschrift >Templum honoris« von dem Ingolstädter Jesuiten Georg Stengel überreicht. Am Tag danach wurde das Theaterstück ›Angelus Custos‹ aufgeführt.
Bei einem Angriff schwedischer Truppen im Dreißigjährigen Krieg wurde am 12.2.1634 ein Brand gelegt, der Kirche und Kolleg schwer beschädigte. Von der Kirche blieb nur das Mauerwerk mit der Chorwölbung und dem westlichen Langhausjoch stehen. 1638–40 notdürftige Wiederherstellung mit Notdach und Reparatur der Seitenschiffgewölbe; dazu hatte Kaiser Ferdinand II. 11000 fl. gespendet, dessen Sohn Ferdinand 500 fl. und Bischof Marquard II. Schenk von Castell (1637–85) weitere 500 fl. Ab 1640 wurden in der notdürftig reparierten Kirche wieder Gottesdienste gefeiert. Eigentlicher Wiederaufbau mit Wiedereinwölbung des Langhauses 1661, 62 unter Fr. Oswald Kaiser SJ aus Zug (1600–84). An der Südseite des Chors wurde ein vorspringendes Oratorium eingebaut (1662 datiert). Nach dem Verputzen der Gewölbe wurden im Juni 1662 die Gerüste abgebrochen. Der Bau hatte zu dieser Zeit bereits den oberen Umgang im Chor mit den Galeriebrüstungen, ebenso wie die Langhausemporen mit den Öffnungen in den Wandpfeilern, der das Umgehen der Kirche im Oberstock erlaubte. Vor allem aber gab es damals nach Daniel Papebrochs Reisebericht von 1660 im Langhaus schon die nach vorn ausladenden Emporenbrüstungen: »qualia etiam medias pilas exornant quae ad parietem perviae commoditatem prebent circum eundi recto ductu templi per exstantes xystos et peribolo solido sive lorica premunitos. Etiam ad chorum et maius altare, ubi et clathri lignei dealbati circumducuntur« (». .. die auch die Mittelpfeiler schmücken, welche an der Wand einen Durchlass bieten und damit die Bequemlichkeit, parallel zur Wand um die Kirche zu gehen, über die hervorkragenden Galerien, die mit einer festen Brüstung oder einer Brustwehr vorne abgeschlossen sind, sogar am Chor und am Hochaltar, wo noch ein weißes Holzgitter herumgezogen ist«, s. Kindermann/Papebroch 2002). Die Galeriebrüstungen des Langhauses hatten also gemauerte Brüstungen mit hölzernen Gittern (lorica = Brustwehr an Mauern); sie hatten also, von der Dekoration abgesehen, schon 1660 die heutige Form.
1716, als die Hundertjahrfeier des Kollegs gefeiert wurde, fasste man den Entschluss, im kommenden Jahr 1717 das Kircheninnere neu auszustatten: »templo novam proxime formam induere meditamur; si Angeli templi praesides, in Caelis patrocinio et homines in terris Maecenates subsidio faveant« (Litterae Annuae 1716).
Die Arbeiten im Innern begannen nach der Historia Collegii S.J. Eystadii am 22.2.1717 mit der Stuckierung durch Franz Gabrieli (ca. 1686–1726), der die Arbeiten am 7.11.1717 abschloss und 1850 fl. verdiente. Ausmalung durch Johann Michael Rosner. An den Westemporen wurden Veränderungen vorgenommen: Durch ein großes Fenster fällt Licht auf die obere Empore und auf die Wölbung. Bei der Neuausstattung »wurde die Orgel aus der Mitte gerückt, um mehr Licht für di Musikanten und für die Belichtung der Wölbung zu erhalten Es erhebt sich nun auf jeder Seite ein gleicher Aufbau von zwanzig Schuh (= ca. 6 m), deren einer die Orgel einschließt der andere nur simuliert. Auf diese Aufbauten wurden vergol dete Engel gesetzt, von denen einige die Tuba blasen, ander das Jagdhorn, oder die Pauke schlagen, oder auf andere Weise den Gesang ergänzen« (Litterae annuae 1717: »Insuper u maior lucis copia tum musicos, tum templi tholum illustrare transportatum e medio organum pneumaticum fuit. Surgit ian utroque ex latere gemina moles viginta pedum, quarum una verum organum includit, altera verum simulat. Superimpositis toti ponderi ex auro angelicis musicis, quorum aliqui tubas inflant, aut venatorum cornua, aut timpana pulsant, aut alic modo canentium musicorum defectum supplent, tam vastum et labore plenum opus intra dimidii anni spatium inchoatum continuatum, perfectum est«).
1718 Legen eines neuen Pflasters und Neufassung und Teilvergoldung der Eingangsgitter. 1718 wurden auch die Emporenbrüstungen bemalt (s. u.) und stuckiert. Dieser Stuck ist wohl von anderer Hand als der Gewölbestuck, er ist weniger plastisch, von Bandwerk strukturiert, leichter und sparsamer eingesetzt; er scheint deshalb fortschrittlicher und >moderner« als der Gewölbestuck. Das führte in der Literatur verschiedentlich zu einer deutlich späteren Datierung der Brüstungen; es wurde vermutet, es habe in den zwanziger bis dreißiger Jahren des 18. Jh. eine Umformung der Emporen und eine anschließende Stuckierung und Bemalung stattgefunden. Solche doch recht aufwendigen Bauarbeiten sind aber weder in den Litterae annuae noch in der Historia Collegii erwähnt; man kann also mit ziemlicher Sicherheit ausschließen, dass sie stattgefunden haben, zumal auch Papebroch (s.o.) die Emporenbrüstungen 1660 bereits in der heutigen Form beschreibt. Auch beim Stuck in seiner Gesamtheit wie bei den einzelnen Ornamentformen spricht nichts dafür, dass er nach 1718 entstanden sein muss.
1719 neues Gestühl; in diesem Jahr wurden auch 600 fl. für eine neue Kanzel gestiftet, die 1721 aufgerichtet wurde: »Sehr elegant unter ihresgleichen, dem Schmuck der Kirche angemessen«. Das Geld dafür hatte der Eichstätter Kanonikus
Franz Wilhelm Joseph von Stain zu Rechtenstein hinterlassen. Die Bildhauerarbeiten machte Franz Steinhart (1683-1741) und die Schreinerarbeit Johannes Veith (1663-1732), beide Angehörige des Eichstätter Jesuitenkollegs. »Erecta denum Cathedra nova inter huiates elegantissima, ac reliquae templi nostri venustati apprime respondens, quem Reverendissimus quidam Eystettensis Canonicus testamento fieri imperavit: geminus e nostris Coadjutor, alter statuaria, alter scrinaria arte insignis confecit« (Litterae annuae 1721; s. dazu auch Historia Collegii).
Die Altäre waren zunächst aus der alten Kirche übernommen worden. 1730 schenkten Wohltäter Geld für vier neue Altäre in den Seitenkapellen der beiden westlichen Langhausjoche. Der erste von ihnen, der Franz-Xaver-Altar, wurde noch im gleichen Jahr in der rechten mittleren Langhauskapelle aufgerichtet; das Altarblatt malte Franz Geiger (1644-91) um 1672: Franz Xaver als Helfer in vielen Nöten. 1731 wurde gegenüber der Ignatiusaltar aufgerichtet, ebenfalls mit einem Altarblatt Geigers: Ignatius von Loyolas Vision auf dem Weg nach Rom (beide Darstellungen nach Johann Christoph Storer).
1731 wurden die beiden westlichen Seitenaltäre aufgestellt links der Josephsaltar, dessen Altarblatt den Tod des hl. Joseph darstellt und ein Werk Johann Georg Bergmüllers ist (1688-1762; bez. JGB 1735); rechts der Aloysiusaltar, dessen Altarblatt von Geiger die Heiligen Aloysius, Stanislaus Kostka und Franz Borgia zeigt.
1733 wurden im östlichen Langhausjoch, vor dem Chorbogen links der Kreuzaltar und rechts der Marienaltar neu aufgerichtet, im Stil laut ›Litterae annuae‹ den vier anderen Seitenaltären angeglichen, aber größer und schöner. Der Kreuzaltar war nach Ullmann (S. 9f.) eine Stiftung des Eichstätter Weihbischofs Johann Adam Nieberlein, der Marienaltar eine Stiftung von Rektor Franz Molitor. Das Altarblatt des Marienaltars zeigt Maria als Königin der Engel, das des Kreuzaltars die Kreuzigung (beide Johann Evangelist Holzer unter Leitung von Johann Georg Bergmüller; Zuschreibung Jürgen Rapp). Im gleichen Jahr Erneuerung der Westfassade und des Außenbaus.
Der machtvolle Hochaltar wurde 1739 von Bischof Johann Anton II. von Freyberg (1736–57) gestiftet, dessen Wappen oben auf dem Altar angebracht ist. Das Altarblatt von Johann Evangelist Holzer (1709-40) stellt Christus dar, dem Gottvater den Thron zu seiner Rechten anweist; Michael als Sieger über die gefallenen Engel reicht Christus eine Siegespalme, Engel bringen ihm weltliche Ehren- und Würdezeichen dar, Krone, Fürstenhut, Kurhut und Zepter (zu den Altären von Bergmüller und Holzer s. Rapp 1990). Die Bildhauerarbeiten des Hochaltars und der beiden vorderen Seitenaltäre sind von dem Eichstätter Matthias Seybold. 1809 konnte der Plan, die Kirche abzureißen, verhindert werden.
Wandpfeilerkirche mit Emporen. Langhaus zu drei Jochen und einem westlichen Vorjoch mit Doppelempore und beidseitigem Treppenaufgang. Die Wandpfeiler im Langhaus sind mit Pilastern besetzt, die ein Gebälk tragen, das über renartige Galerien eingespannt, die durch Durchgänge in den Wandpfeilern miteinander verbunden sind; die Galeriebrüstungen sind vorgebaucht. Belichtung im Langhaus von Norden in den drei Jochen durch Rundbogenfenster und durch ein weiteres Fenster in der Westwand. Kräftig ausgeprägter Chorbogen, eingezogener Chor zu einem Joch auf annähernd quadratischem Grundriss, halbrunder Schluss; seitlich ist der Chor flankiert von doppelgeschossigen Sakristeiräumen. Auch um den Chor läuft eine Galerie, unterbrochen durch den Hochaltar. An der Südseite des Chors befindet sich im ersten Geschoss ein Oratorium für den Fürstbischof. Belichtung des Chores an den Schlußschrägen durch zwei hohe Rundbogenfenster; das entsprechende Fenster in der Schlussmitte wurde später mit Holzbrettern verschlossen, weil das Gegenlicht die Belichtung des Hochaltars beeinträchtigt hätte.
Auftraggeber: Rektor des Jesuitenkollegs in Eichstätt war zur Zeit der Ausmalung P. Edmund Sickingen (16. 10. 1715- 2. 10. 1718 und 7. 1. 1722-7. 2. 1725). Während seines Rektorats wurde 1716 das erste Saeculum des Bestehens feierlich begangen. Unter ihm entstanden die Stuckierung und die Ausmalung der Kirche, die offenbar im Jahr 1717 noch nicht fertiggestellt werden konnte, denn im Eintrag zum 18.7.1718 erwähnt die Historia Collegii (fol 300 v) das Malen der Emporenbrüstungsbilder sowie der Bilder an der Westwand der unteren Empore (s. unter Autor). Auch diese letzten Malerarbeiten fielen noch in die Amtszeit von P. Edmund Sickingen.
Nach Fertigstellung der Innendekoration im Herbst wurde am Schutzengelfest allen Wohltätern gedankt, »quorum sumptibus et liberali contributione totum hoc opus perfectum est«. Entscheidend war der Beitrag des Fürstbischofs Johann Anton I. Knebel von Katzenelnbogen (1705–25), dessen Wappen sich am Chorbogen befindet (1000 fl. sowie Eisen und Bauholz). Es wird flankiert von den Wappen der Fürstbischöfe Johann Christoph von Westerstetten (1612-37) und Marquard II. Schenk von Castell (1637-85). Dieser hatte die Kirche nach dem Brand von 1634 wiederherstellen lassen, jener den Wappen ist ein Schriftband geschlungen: FVNDAVIT EXORNAVIT / RESTAVRAVIT.
Die Chronik nennt auch den Weihbischof und Generalvikar Johann Adam Nieberlein, der 100 fl. stiftete und in der ganzen Diözese zu Spenden aufgerufen hatte, wodurch um 1000 fl. zusammenkamen. Der Pater Provincialis der Oberdeutschen Jesuiten steuerte 550 fl. bei. Das Eichstätter Jesuitenkolleg erfreute sich in der ganzen fraglichen Zeit vieler Guttäter, aus der Geistlichkeit, dem Adel und dem Bürgertum, die in den >Litterae Annuae<, in der >Historia Collegii< und in einem gesonderten ›Liber Benefactorum‹ aufgeführt sind.
Autor und Entstehungszeit: Johann Michael Rosner (* unbekannt † 1726 Worms) 1717.
Sämtliche Deckenbilder sind von Rosners Hand und 1717 entstanden.
Die Wandbilder EW1-2 an der Westwand und sämtliche Galeriebrüstungsbilder entstanden 1718. Davon sind EW1-2 und EB14-16 an der Brüstung der Westempore Arbeiten Rosners. Die Bilder EB4-10 an der Galeriebrüstung im Chor stammen vermutlich von einem Mitarbeiter Rosners; sie zeigen zwar viele stilistische Übereinstimmungen mit Rosner, sind im Ganzen aber doch von etwas schwächerer Qualität.
Die Brüstungsbilder im Langhaus EB1-3 und EB11-13 sind ebenfalls 1718 entstanden und dem Eichstätter Maler Matthias Zink (* 1665 Donaumünster † 1738 Eichstätt) zuzuweisen.
Die Ausmalung ist nicht signiert, aber die Historia Collegii« nennt den Maler, Johann Michael Rosner aus Worms, der die Freskierung in nur knapp vier Monaten bewerkstelligte. Im Herbst 1716 waren bereits Kalk und Sand beigeschafft worden. Am 19. 2. 1717 wurde das Gerüst aufgestellt, »erigi coeptum pegma ligneum, quod primum feria 6ta post Pascha fuit absolutum, ad templi nostri instaurationem«. Zum 6.4.1717 heißt es in der Chronik: »Coepta templi instauratio«. Der Stuckator Franz Gabrieli sollte für die Ausschmückung der ganzen Kirche 1850 fl. erhalten, wobei von Seiten der Jesuiten Kalk, Gips, Sand, Ziegelsteine und andere Materialien gestellt wurden. Zum 24.7. 1717 ist die Ankunft Rosners aus Worms vermerkt: »Advenit Wormatia D. Joannes Rosner pictor, qui penicillo suo templum nostrum exornavit.« Zum 3.11.1717 ist notiert, dass sich die Arbeiten dem Ende zuneigten und das Gerüst sukzessiv abgebrochen werde: »His diebus fabrica templi ad finem vergente successive removeri coeptum pegma ligneum.« Zum 21.11.1717 heißt es: »Pictor Wormatiensis Dominus Rosner absolvit picturas in templo. Adhibitus hospes in secunda mensa, et quod ex pactis cum ipso 1760 florenis ad solvendum supererat eidem exsolutum, atque domum remissus. Purgatum templum.« (Der Maler aus Worms, Herr Rosner, beendete die Malereien in der Kirche. Er war Gast bei Tisch, und was von den paktierten 1760 fl. zu zahlen noch übrig war, wurde ihm bezahlt und er nach Hause entlassen. Die Kirche wurde geputzt.)
In den >Litterae annuae« 1717 wird von der Freskierung Rosners berichtet: »Quadraginta et sex picturae sunt et nulla superflua« (Es sind 46 Gemälde und keines ist überflüssig). Bei den heute vorhandenen und im vorliegenden Text bearbeiteten Bildern handelt es sich aber nur um 39. Hinter dem heutigen Hochaltar (1739) lief einst die Galerie um den Chor, dort könnten sich ursprünglich maximal noch drei Bilder befunden haben. Auch über den Sakristeitüren sind in Beschreibungen Bilder von Franz Xaver und Ignatius von Loyola erwähnt, die bei der späteren Umgestaltung des unteren Chorbereichs durch stuckierte Darstellungen der beiden Jesuitenheiligen ersetzt wurden. Damit kommt man auf die Zahl 44.
Die Emporenbrüstungsbilder und die beiden Bilder EW 1-2 an der Westwand entstanden laut der Jesuitenchronik (fol 300 v. Eintrag zum 18.7. 1718) erst ein Jahr nach den Deckenbildern: »Item imagines omnes per oratoriorum ambitum de novo iterum in viva calca pictae. Duo praeterea maiores in odeo infra chorum musicum.« (Ebenso wurden alle Bilder um den Umgang der Oratorien von neuem in frischem Kalk gemalt; außerdem die zwei großen am Platz für die Sänger unter dem Musikchor. - Als Odeon - dem Platz für die Sänger - ist die untere Empore zu verstehen). Von einer Anwesenheit Rosners in Eichstätt im Sommer 1718 ist aber in der Chronik nicht die Rede.
Die Brüstungsbilder an der Westempore EB14-16 allerdings stammen mit Sicherheit von Rosner selbst, ebenso wie die beiden großen Wandfresken an der Westwand der unteren Empore EW. ...
Die Brüstungsbilder des Chores EB4-10 zeigen Ähnlichkeiten mit Rosners Stil und könnten von einem Mitarbeiter stammen. Typisch für Rosner sind spätbarocke Effekte, das Spiel mit Untersichten, Überschneidungen durch jähe Untersichten; phantastische und phantastisch verkürzte architektonische Konstruktionen sowie starke Licht- und Schatteneffekte. Rosners Figurenkompositionen sind oft etwas steif, den Eindruck starker barocker Bewegung erreicht er vor allem durch gewaltige Gewandbausche und Draperien, die nicht zuletzt der Grund dafür sind, dass Rosners Kompositionen oft etwas gedrängt wirken.
Die Bilder an den Brüstungen der Langhauskapellen EB und EB11-13 sind von ganz anderer Hand und dem Eichstätter Maler Matthias Zink zuzuweisen (s. S. ##).
Befund
Träger der Deckenmalerei: A-E Tonnengewölbe; 1-8 Quertonnen der Kapellen; EB1-16 Emporenbrüstungen im Chor, Langhaus und an der Orgelempore; M1-6 Medaillons über den Fenstern der Langhauskapellen
Rahmen: A-E, 1-3, 6-8 Kräftig profilierte Stuckrahmen mit C-bogenförmigen Aus- bzw. Einschwüngen; 4-5 annähernd runde, große Ornamentkartuschen; EB1-16 niedrige, breite Bildfelder mit feiner Stuckrahmung; M1-6 und EW1-2 Stuckprofileisten
Technik: Fresko mit großem Secco-Anteil
Maße: A Höhe 23,80 m; 6,00 × 7,60
B Höhe 23,80 m; 6,20 × 7,60
C Höhe 23,80 m; 6,00 × 7,60
D Höhe 23,80 m; 6,20 × 7,60
E. Höhe 22,75 m; 5,90 × 7,60
1-3, 6-8 1,90 × 3,60
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Der Kirchenraum wurde 1844 erstmals restauriert, mit Reinigung und durchgehender Weißfassung anstatt der originalen Fassung mit weißem Stuck auf rosa Grund (im Kelch eines der Engel am Choreingang fanden sich 1910 mehrere Zettel von Mitarbeitern 1844, wo von >Ausweißen< die Rede ist, s. Hämmerle 1910) Hämmerle berichtet auch, dass 1908 das Hochaltarbild vor Johann Evangelist Holzer in den Werkstätten der Alten Pinakothek in München durch den Restaurator Max Bernaz restauriert wurde.
Im Sommer 1910 wurde der sehr verschmutzte Raum durch die bayerische Vakuumsreinigergesellschaft m.b.H. entstaubt, »durch ein ganz neues Verfahren mittels eines Vakuumreinigers, das ist eines durch elektrische Kraft luftleer gepumpten Schlauches, welcher von hoher Leiter aus - es wurden die beiden großen Leitern der Stadt und der städtischen Feuerwehr zur Verfügung gestellt - an die Wand gebracht wird und mit gewaltiger Kraft - im ganzen ergaben sich mehrere Zentner« den Staub absaugt. Das große IHS über dem Hochaltar wurde durch den Eichstätter Malermeister und Vergolder Franz Xaver Kiendl »in der alten Form und Bemalung wieder hergestellt«; Kiendl restaurierte auch die Wappen am Chorbogen. Eine eigentlich nötige Restaurierung des gesamten Raums wurde aus Kostengründen damals nicht durchgeführt. Die drei Altarblätter von Johann Georg Bergmüller am Kreuzaltar, Frauenaltar und Josephsaltar wurden 1910 von Andreas Mayer, Augsburg, restauriert. Nach Menrad 1925 waren damals die Inschriften an den Fresken 1-8 stark verwittert und teilweise kaum lesbar.
1961-64 fand eine umfassende Gesamtsanierung der Kirche statt, beginnend mit der Außenrestaurierung 1961. Die Fresken restaurierte Hans Pfohmann, München. Nach seinem Berichte war die letzte Restaurierung (wohl 1844, da die Fresken 1910 nicht bearbeitet wurden) nicht stilgerecht durchgeführt worden. Die Deckenbilder waren mit fetthaltigen Lösungen fixiert und zum Teil übermalt worden und in diesen Bereichen nachgedunkelt: »besonders an den großen Fresker im Mittelschiff wurden fast schwarze Konturen angebracht und der Himmel dunkelblauschwarz überstrichen« (BLfD 3.11.1962). Die Entfernung der Übermalungen wurde vor Pfohmann mit »feinen Messingbürstchen« vorgenommen »zum Teil auch mit Radiergummi«, die Bilder wurden mit destilliertem Wasser gereinigt, die Schadstellen in Kalkkaseintechnik eingestimmt. Die Fresken an den Seitenwänden wiesen erhebliche Feuchtigkeitsschäden und tiefe Risse auf, »sodaf auch der Putz teilweise erneuert und Ergänzungen vorgenommen werden mussten«. Die Raumschale mit dem Stuck wurde von der Eichstätter Firma Konrad Schmer restauriert: die alten Tünchschichten wurden abgekratzt und basierend auf der originalen Farbigkeit eine neue Rosa/Weiß-Tönung angebracht. Das Hochaltarbild von Johann Evangelist Holzer wurde gereinigt.
1999 Beginn einer erneuten Sanierung des Außenbaus. 2001 wurden im Chor am Oratorium der Südseite erhebliche statische Schäden festgestellt; es musste Ende 2001 notgesichert werden. Hier wie auch an den Emporen im Langhaus waren die Tragbalken aus Eichenholz völlig morsch aufgrund von Pilzbefall (Braunfäule). Man führte die Schäden nicht zuletzt auf die vermutete Veränderung der Emporen in den dreißiger Jahren des 18. Jh. zurück, bei denen die Form verändert, die Konstruktion aber beibehalten worden sei. Unter Bewahrung von Stuck und Bildern wurden Oratorium und Emporen bis 2004 sukzessive gesichert und saniert.
Ab 2004/05 Voruntersuchungen zu einer gründlichen Innenrestaurierung durch Erwin Wiegerling und Stefan Hundbiß, Bad Tölz (Raumschale), Thomas Salveter, Oberbechingen (Stuck) und Cornelia Stegmaier, Wäschenbeuren (Fresken) sowie Thomas Schoeller (gefasste Ausstattung) und Johannes von Müller (holzsichtige Ausstattung) unter Leitung des BLfD. Einrüstung des Innenraums und Beginn der Restaurierung 2008.
Beschreibung und Ikonographie
Die Kirche ist »in honorem Sanctorum Angelorum« geweiht, wird aber schon 1716 bei Nieberlein »allhiesige Schutz-Engel- Kirch« genannt. Die sehr reiche Deckenbildaustattung beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem Wesen und Wirken der Engel. Das Programm der fünf Hauptbilder ist in den >Litterae annuae« kurz vorgestellt. Am Anfang der Beschreibungen ist jeweils die betreffende Textstelle zitiert. Obwohl die Kirche zur Zeit der Freskierung schon Schutzengelkirche genannt wurde, kann im Bildprogramm von einer eigentlichen Schutzengel-Ikonographie (wie etwa in Grassau, CBD Bd 11, S. 68–71) nicht die Rede sein. Es spielt zwar der Schutzengel-Aspekt – der Schutz (Custodia) der Engel und ihre Freundschaft (Amicitia) zu den Menschen - unvermeidlich eine gewisse Rolle, der grundlegende Schutzengel-Gedanke aber, wie ihn der Jesuit Jeremias Drexel formuliert hat, nämlich die persönliche und lebenslange Zuordnung und Bindung eines bestimmten Engels an einen bestimmten Menschen, klingt im Programm nicht an. Zwei Bilder allerdings haben Szenen aus der Geschichte von Raphael und Tobias zum Thema, aus deren enger Bindung auf ihrer langen und gefahrvollen Reise der Jesuit Jeremias Drexel die eigentliche Schutzengellehre entwickelt hat.
Alle Bilder des Programms zeigen Engel bei ihren unterschiedlichen Verrichtungen. Vom Mittelbild lassen sich manchmal thematische Bezüge zu den Kapellenbildern herstellen, die Andreas Bauch 1954 veranlassten, die Bilder jedes einzelnen Jochs in einem Themenbogen bzw. einer Bedeutungsachse einander zuzuordnen. Karl August Wirth (RDK Bd V, Sp. 472–77, s.v. Engel) griff diesen Gedanken auf. Er versuchte, die vielen einzelnen Bilder und auch die Stuckengel einem konzisen und umfassenden Engel-Programm einzuordnen; diesen Gedanken übernahm auch Johanna Ullmann 1987. Zuordnungen von Haupt- und Nebenbildern existieren zweifellos im Joch über der Musikempore mit den drei Darstellungen zum Thema Musik und im Chor der Kirche mit den drei Darstellungen zur Herrlichkeit Gottes, dort zusammen mit der Stuckierung der Apsiskalotte. Im Emporenjoch und im Chor sind die Bilder einander auch räumlich eng zugeordnet, während die Bilder über den Emporen im Langhaus mit den großen Bildern am Langhausgewölbe keinen eigentlichen räumlichen Zusammenhang haben, und auch keinen zwingenden thematischen.
Siegfried Hoffmann 1991 untersuchte erstmals den auf die Dekoration der Schutzengelkirche bezüglichen Text der ›Litterae annuae« des Jahres 1717. Dort sind die Themen der fünften Hauptbilder A-E näher beschrieben, die Themen der Nebenbilder 1-8 sind als >ministeria« der Engel kurz erwähnt. Der Gedanke einer jeweiligen thematischen Zuordnung von Hauptbild und Nebenbildern taucht in den ›Litterae annuae nicht auf.
Die Fresken sind verhältnismäßig dunkel in den Farben. Sie sind in den für die Stilstufe um 1717 sehr detailreichen und teils figürlichen Stuck eingebettet. In den ›Litterae annuae‹ wird die ursprüngliche Farbigkeit der Decke beschrieben: »Ne porro candor candori officeret, latens sub gipso fornicis planities subrubro colore suavissime iuxta ac lenissime tincta fuit, unde nunc grata operis ipsati varietas mire emicat« (dass aber nicht das Weiß dem Weiß die Wirkung nehme, ist die Wölbungsfläche unter dem Stuck mit rötlicher Farbe sehr lieblich und leicht getönt, davon nun die schöne Vielfalt des Stucks sich wunderbar abhebt).
Johanna Ullmann (1987, S. 36ff.) fand für zahlreiche Figurengruppen und Handlungsmotive vor allem der Emporenfresken die Vorlagen in dem Stichwerk ›Biblisches Engelwerk‹ des Johann Ulrich Krauss, erschienen in Augsburg 1694. Meist sind die Figurenkompositionen übernommen und in andere Bildschauplätze versetzt.
Die fünf Hauptfresken beziehen sich laut >Litterae annuae« auf die folgenden Hauptaufgaben bzw. Haupteigenschaften der Engel: Die Anbetung Gottes (Gloria), den Schutz, den sie den Menschen gewähren (Custodia), ihre Macht (Potestas), ihre liebevolle Bindung zu den Menschen (Amicitia) und ihre Musik zur Ehre Gottes (Musica).
A MUSICA/MUSIK »Postrema (pictura) musicam exprimit.« »Postrema (pictura) musicam ex primit.« (Das letzte Bild drückt die Musik aus.) Ansicht nach W. Das Bild, das wegen des Orgeleinbaus nur unter großen Schwierigkeiten (Leitern usw.) zu sehen ist, zeigt einen einzigen machtvollen Engel in lebhafter Bewegung. Er trägt ein grünes, braunrot abgeschattetes Kleid und hält ein Schriftband LAUDATE EUM IN CHORDIS ET ORGANO PSAL: 150 (Ps 150,4) und erinnert daran, dass auch das Lob Gottes durch die Musik Aufgabe der Engel ist (keine Abb.).
A1-2 Die beiden begleitenden Bilder haben mit dem Engelsprogramm nichts zu tun. Sie zeigen im Bereich der Musikempore übliche Themen (keine Abb.).
A1 HL. CÄCILIA (S) Cäcilia sitzt an der Orgel; vor ihr liegt ein Notenbuch. Sie trägt ein blaues Gewand über einem weißen Untergewand. Die Szene ist fast ringsum hinterfangen von einer grünen Draperie mit dunkelroten Schatten.
A2 DAVID (N) König David ist hier dargestellt als bärtiger Greis mit Turban, der einen roten Mantel mit reichem Hermelinbesatz trägt. Er sitzt auf seinem Thron und spielt die Harfe. Rechts steht ein kleiner Tisch mit blauer Draperie.
B AMICITIA / FREUNDSCHAFT DER ENGEL – DREI ENGEL BEI ABRAHAM »Amicitiam demonstrat familiaris trium coelestium ministrorum cum Abrahamo conversatio ac sumptum prandium« »Amicitiam demonstrat familiaris trium coelestium ministrorum cum Abrahamo conversatio ac sumptum prandium«. (Das vertrauliche Gespräch und das Mahl der drei himmlischen Gesandten mit Abraham stellt die Freundschaft [der Engel] dar.) Die Szene des Engelsbesuchs (Gen 18, 1–15) spielt vor Abrahams Haus. Der Bildschauplatz ist aus dramatisch und unruhig ineinander und gegeneinander geführten Stufen, Treppen und Sockeln gebaut, als eine Art Terrasse, hinter der links die Front des Hauses mit Tür und Fenster angedeutet ist. Rechts blickt man in eine detailreiche, unruhig belichtete Landschaft. Ebenso bewegt wie die Architektur und Landschaft ist das gleichsam rauschende, flügelschlagende Zusammensitzen der drei Engel um den Tisch. Abraham, gekleidet als wohlhabender Mann in historisierender Tracht, steht mit ausgebreiteten Armen wie staunend vor dieser Tischgesellschaft. Ein kleiner Diener im Vordergrund schenkt ein. Hinten blickt aus dem Fenster des Hauses Sara. Über die Szene ist, an Ästen befestigt, ein schattengebendes Zeltdach gespannt. Wie meist bei Rosner ergreift sein dramatisches Pathos nicht nur die Figuren in ihren Bewegungen und ihren wie von einem Sturm erfassten auffliegenden Gewändern, sondern auch die unruhig aufgetürmten Architekturen und die in Licht und Schatten, in bizarren Baumsilhouetten und jähen Felsabbrüchen dargestellte Landschaft.
Abraham saß in der heißen Mittagszeit am Eingang seines Zeltes unter der Terebinthe im Hain Mamre. »Er erhob seine Augen, und siehe, da standen drei Männer vor ihm. Sowie er sie sah, eilte er vom Eingang des Zeltes ihnen entgegen, verneigte sich bis zur Erde und sagte: Mein Herr, wenn ich in deinen Augen Gnade gefunden habe, dann gehe an deinem Knecht nicht vorüber.« Er ließ sein Weib Sara ein Mahl zubereiten und blieb bei ihnen stehen, als sie im Schatten des Baumes das Mahl verzehrten. Daraufhin verhießen sie ihm, dass die neunzigjährige Sara noch einen Knaben gebären würde, Isaak.
Aus der Bibel geht eindeutig hervor, dass von den drei Männern einer Jahwe und die andern beiden Engel waren. Das Erscheinen Jahwes spielt aber hier im Bild keine Rolle; der Text in den ›Litterae annuae « sagt klar, dass man die drei Männer als drei Engel identifizierte und darstellte (s. ähnlich auch bei EB, Ein Engel führt Lot aus Sodom und bei EB, Jakob ringt mit dem Engel).
C POTENTIA/MACHT DER ENGEL – ENGEL KÄMPFEN IN DER MAKKABÄERSCHLACHT »Quae potentiam proponit, Antiochi cladem et stratos milites et lapsos equos et pugnantes angelos, ingeniosa divisione et arteficiosa confusione oculo obiicit.« »Quae potentiam proponit, Antiochi cladem et stratos milites et lapsos equos et pugnantes angelos, ingeniosa divisione et artificiosa confusione oculo obiicit.« (Das Bild, das die Macht [der Engel] vor Augen stellt, zeigt dem Auge in genialer künstlerischer Komposition die Niederlage des Antiochus, auf dem Boden liegende Soldaten und gefallene Pferde und kämpfende Engel.)
Das dritte Hauptbild zeigt die Makkabäerschlacht (2 Mach 10,2-30), in der Timotheus, der Feldherr des Antiochus, mit seinem Heer von den Juden durch das Eingreifen von Engeln geschlagen wurde. In einem kaum überschaubaren Getümmel wogt der Kampf. Soldaten, Pferde, stürzende Kämpfer und Pferde sind in einem undurchdringlichen Körpergemenge ineinander verschlungen. Wenige greifbare Darstellungen sind zu erkennen, wie etwa der große Engel in blauem Gewand auf weißem Pferd, neben dem weitere Engelsflügel erkennbar sind, die einem entsprechenden Kopf zugeordnet werden können (hier könnte man das Motiv der beiden Engel vermuten, die den Makkabäer in die Mitte nehmen, aber das ist nicht verifizierbar). Weiter sticht hervor ein noch auf seinem weißen Pferd sitzender Krieger mit Helm im Vordergrund. Am vorderen Bildrahmen häufen sich gestürzte Soldaten, denen ihre ein-
EICHSTATT SCHUTZENGELKIRCHE zelnen Körperteile im Gedränge kaum je klar erkennbar zugeordnet sind. Grundsätzlich legt die Gesamtbewegung und die Farbgebung, d. h. die Abdunklung nach rechts nahe, dass sich der Sieg von links nach rechts entwickelt, obwohl auch auf der abgedunkelten rechten Seite ein Engel auf einem Pferd zu sehen ist. Fahnen, Masten, Architekturteile - auf einem Podest sind steinewerfende Kämpfer zu sehen - leiten über zu einem in Licht und Dunkel dramatisch bewegten Wolkenhimmel, wo auf einer Wolkenbank mehrere gerüstete Engel auf Pferden erscheinen, mit gezogenen Schwertern. Die Gruppe ist von der Sonne hinterstrahlt.
»Als eben das Morgenlicht aufleuchtete, begann man auf beiden Seiten den Angriff. Die einen hatten als Bürgschaft des Glückes und des Sieges neben der Tapferkeit das Gottvertrauen. Die anderen aber hatten zum Führer ihrer Kämpfe die Leidenschaft bestellt. Schon war die Schlacht heiß entbrannt, da erschienen den Feinden vom Himmel her fünf herrliche
Reiter auf goldgezäumten Rossen, die sich an die Spitze der Juden stellten. Zwei nahmen den Makkabäer in die Mitte, deckten ihn mit ihren Rüstungen und schützten ihn vor Verwundung. Auf die Feinde schleuderten sie Geschosse und Blitze. So wurden sie geblendet, mit Schrecken erfüllt und geschlagen« (2 Mach 10,28–30).
D CUSTODIA / SCHUTZ DER ENGEL – EIN ENGEL BEGLEITET JUDITH »Custodia Juditham refert Holofernis e castris comitante angelo, Bethuliam versus redeuntem.« (Das Bild mit dem Thema Schutz [der Engel] zeigt Judith, wie sie in Begleitung eines Engels aus dem Lager des Holofernes nach Bethulia zurückgeht.)
Das Bild zeigt Judith nach der Überwindung des Holofernes. In einer figurenreichen, lebhaft bewegten Szene vor einem Feldlager mit Zelten, Fahnen und Soldaten steht Judith im Vordergrund, neben ihr die Magd, die im geöffneten Sack das abgeschlagene Haupt des Holofernes zeigt. Auch Judith weist auf den Sack mit dem Haupt, indem sie ihre Hand auf ihn legt. Sie ist reich geschmückt, mit hochgetürmter Frisur und über die Schultern fallenden Locken sowie einem diademähnlichen Kopfschmuck mit Perlen; sie trägt ein reiches Gewand, das wie der Kopfputz der Mode nach 1700 angenähert ist. Von links kommt in stürmischer Bewegung ein Engel auf sie zu, mit ausgebreiteten Schwingen, bauschig auffliegendem Gewand und kräftig ausschreitenden Beinen. Er hat im Vorwärtsstürmen offensichtlich einen Mann am rechten Bildrand überwältigt, der hilfesuchend die Arme ausstreckt. Der Engel neigt sich zu Judith und weist mit seiner Rechten zum Himmel, wo eine lebhaft bewegte Engelsgruppe erscheint.
Bei der Belagerung Bethulias (Iudith 7,1–22) durch das riesige Heer der Assyrer hatte deren Feldherr Holofernes befohlen, die Quellen zu bewachen, die die Stadt mit Wasser versorgten, um die Stadt zur Übergabe zu zwingen. Nach 34 Tagen hatten die Einwohner fast kein Wasser mehr. Das verzweifelte Volk drängte seine Führer, die Stadt zu übergeben. Judith, die schöne Witwe eines reichen Mannes, redete dem Volk zu, auf Gott zu vertrauen: Sie wolle Bethulia retten (Iudith 8,11–34). Nachdem Judith Gott angerufen hatte, begann sie mit ihren Vorhaben: »Sie ... zog ihre Witwenkleidung aus ... und salbte sich mit kostbarer Salbe. Sie ordnete die Haare ihres Haupte und setzte ein Diadem darauf. Dann legte sie ihre Freudenklei der an ... und ihren ganzen Schmuck.« Darauf ging sie ins Lager der Assyrer, die sie ins Zelt des Holofernes brachten. Mit Schmeicheleien und Lügen brachte sie ihn dazu, ihr zu vertrauen. Am vierten Abend ließ Holofernes sie kommen, denn er brannte darauf, sie zu verführen. Am Ende des Abends wurden sie zu zweit im Zelt zurückgelassen. Holofernes war aber schwer betrunken. Judith rief Gott an, nahm das Schwert des Holofernes und schlug ihm das Haupt ab (Iudith 13,1–10). Sie legte es in einen Sack, den ihre Magd trug, als sie sich aus dem feindlichen Lager entfernten. In Bethulia wies sie als Zeichen der Errettung der Stadt das Haupt des Holofernes vor.
und sprach: »So wahr der Herr lebt: Sein Engel hat mich beschützt, als ich hinging, als ich dort weilte und als ich hierher zurückkehrte« (Iudith 13,16).
E GLORIA / VERHERRLICHUNG GOTTES – ENGEI BETEN DIE DREIFALTIGKEIT AN »Ubi angelorun adumbratur gloria, praeter immensam geniorum coelestium copiam varietatemque, illud stupendum, quod in spatio medio ubi Trias Sacrosancta spectabilem se praebet ita sensim colores se perdant, ut coeli ipsius sublimitatem veramque, ut vocant cupulam imitari videantur.« (Wo der Ruhm der Engel dargestellt ist, ist außer der unermesslichen Menge und Vielfalt der himmlischen Geister erstaunlich, dass in der Mitte des Bildfeldes, wo die Dreifaltigkeit sich zeigt, die Farben allmählich ver-
blassen, dass sie die Höhe des Himmels und sozusagen eine wirkliche Kuppel zu imitieren scheinen.)
Dieses Bild an der hervorgehobenen Stelle vor dem Hochaltar zeigt den ersten und vornehmsten Dienst der Engel: Die Verherrlichung Gottes. Es ist eine vielfigurige und bewegte Himmelszene, aber hier vermeidet Rosner – obwohl das Thema es ja nahelegen könnte – das unübersichtliche Gedränge der Makkabäerschlacht oder der Judith-Szene. Die einzelnen Figuren sind sehr schön und als Einzelgestalten oft gut fassbar. Die Körper- und Flügelbewegungen und die Gestaltung der faltenreichen, in Licht und Schatten changierenden Gewänder sind weniger extrem als in den anderen Bildern; auch im Detail sind die Figuren sehr fein ausgeführt. Von den fünf Hauptfresken ist dieses mit Sicherheit das qualitätvollste.
In einer kleinen mittleren Auflichtung erscheint vor breiten Lichtstrahlen die Taube des Heiligen Geistes. Darunter schweben in lebhafter Bewegung, von Engeln umgeben, in bauschig auffliegende Gewänder gehüllt Gottvater und Christus, ungewöhnlicherweise ohne Zepter, Weltkugel und Kreuz. Sie wenden sich nicht an die Menschen, thronend und die Zeichen ihres Verhältnisses zu den Menschen zeigend (Zepter und Weltkugel als Symbole der Herrschaft über die Welt, das Kreuz als Zeichen der Erlösung der Menschen). Die göttlichen Personen und die Engel sind unter sich, ihre Bewegungen sind Interaktionen zwischen Gott und den Engeln.
Die Vielfalt der Engel, die die ›Litterae annuae‹ rühmen, lässt daran denken, dass in diesem Bild vielleicht das Thema der neun Chöre der Engel eine Rolle spielen könnte. Man findet
auch einen Engel mit Weihrauchfass und einen anderen, reich mit Blütenkrone, Perlen und zierlichem Harnisch ausgestattet aber das reicht nicht aus für eine Darstellung der Engelchöre. Ieremias Drexel nennt als ersten Daseinsgrund der Engel, Gott zu lieben und ihn anzubeten (Reverentia und Amor): »Primus et princeps eorum munus est, Deum semper amare, et nunquam non laudare. Sic amant ut ardeant Deum sic amant ut pervigili et insopita laudis harmonia collaudent. Sanctus, sanctus, sanctus... et dum canunt volant.« (Drexel, S. 196. Ihre erste und vornehmste Pflicht ist, Gott immer zu lieben, und ohne Unterlass zu loben. Sie lieben Gott so sehr, dass sie glühen; sie lieben so sehr, dass sie ihn in immerwährender Harmonie Tag und Nacht rühmen. Heilig, heilig, heilig... und während sie singen, fliegen sie.)
Ikonographisch gehört zu Fresko E die Stuckierung der Kalotte über dem Hochaltar. Hier gehen von dem stuckierten Namen Jesu IHS lange vergoldete Strahlen aus, vor denen kleine Stuckwölkchen erscheinen. Große Engel auf dem Gebälk schwingen Weihrauchfässer.
1-8 DAS WIRKEN DER ENGEL An den Quertonnen der Emporen sowie zuseiten des Hauptbildes im Chor (E) befinden sich Bildfelder, die durch die Art ihrer Inschriften von Anfang an eindeutig zu einem Zyklus zusammengefügt und als Zyklus verstanden worden sind, obwohl sie zusätzlich auch thematische Anklänge an das Thema des Mittelbildes haben können, wie bei Fresko E, dem sie auch räumlich eng zugeordnet sind.
Von den Bildern sind 1-3 und 6-8 (Langhaus) querformatig und 4-5 (Chor) annähernd oval. Die Reihe der Darstellungen beschäftigt sich mit dem Wirken der Engel (Zählung von NW im Uhrzeigersinn), jeweils mit einer Überschrift in einer kleinen Kartusche, die die Art der Wirksamkeit bezeichnet. Die >Litterae annuae« berichten über sie: »Reliquae figurae ex utro que templi latere angelorum ministeria explicant, ubi in sacell cuiusque fastigio vel divum Christi nutritium in somnis admo nent; vel Tobiam peregrinantem dirigunt; vel Lazarum mo rientem salvant; vel aegros apud piscinam probaticam sanant vel pastores concentu coelesti recreant; vel virgineae Matr futuram filii incarnationem nunciant; vel alia peragunt sib propria officia.« (Die übrigen Bilder auf beiden Seiten der Kirche legen die Dienste der Engel dar, wo sie in der Wölbung jeder Kapelle entweder im Traum zur heiligen Obsorge für [den zu erwartenden] Christus mahnen [erster Traum Josephs], oder Tobias auf der Reise geleiten, den sterbenden Lazarus erlösen, die Kranken beim Teich Bethesda heilen, die Hirten mit himmlischem Gesang erquicken, der jungfräulichen Mutter die künftige Menschwerdung des Sohnes ankündigen oder andere Dienste tun, die ihnen eigen sind.)
Die Inschriften an den Fresken dieser Serie waren um 1925 teilweise kaum lesbar; sie wurden von Menrad 1925 gedeutet und überzeugend ergänzt (z. B. ACCE = ACCENDVNT; von den Inschriften SVSCIPIANT und EVANGELIZANT war fast nichts mehr zu sehen, PROTEGVNT war völlig zerstört). Auf Menrad basierend wurden die Inschriften wohl 1961/64 wiederhergestellt.
I RAPHAEL UND TOBIAS (Tob 4, 1–22) Inschrift: PROTEGVNT (Sie beschützen). Schauplatz ist eine wilde, baumbewachsene Felsenlandschaft mit einem Wasserlauf in der Bildtiefe. Der Engel Raphael und der junge Tobias schreiten nebeneinander, beide haben Wanderstäbe. Raphael, mit ausgebreiteten Schwingen und bauschig auffliegendem Gewand, führt Tobias am Arm. Tobias blickt auf den Engel. Er trägt ein kurzes rotes Gewand und hohe Stiefel. Ein Hündlein läuft voran, den Kopf zurückgewandt zu den Wanderern.
Tobit, der Vater des Tobias, schickte seinen jungen Sohn über Land zu Gabael in Medien, um eine Schuld einzutreiben, und riet ihm, sich einen guten Reisebegleiter zu suchen. Als Tobias vom Vater ging, stand Raphael vor ihm – den er als Engel nicht erkannte – und sagte, er kenne den Weg nach Medien. Tobias
EICHSTÄTT SCHUTZENGELKIRCHE
nahm ihn mit Zustimmung des Vaters als Gefährten, und sie brachen auf, vom Hund des Tobias begleitet. Der Vater sagte zur Mutter: »Ein guter Engel reist mit ihm, seine Fahrt wird glücklich verlaufen.«
2 ENGEL AM TEICH BETHESDA (Jo 5,2-4) Inschrift: SANANT (Sie heilen). Der Teich Bethesda ist hier als weites Wasserbecken gezeigt, von Säulenarchitekturen umgeben. Im Vordergrund fliegt ein großer Engel. Das Wasser im Teich ist bewegt, Kranke drängen sich am Beckenrand.
In Jerusalem war ein Wasserbecken, das von fünf Säulenhallen umgeben war, in denen Kranke und Bresthafte lagerten und »darauf warteten, dass das Wasser sich bewege. Ein Engel de Herrn kam nämlich von Zeit zu Zeit vom Himmel in den Teich herab und brachte das Wasser in Bewegung. Wer dann jeweil als erster nach der Aufwallung des Wassers hineinstieg, wurde von jeglicher Krankheit gesund.«
3 VERKÜNDIGUNG AN MARIA (Lc 1,26-38) Inschrift: NVNCIANT (Sie kündigen an). Maria kniet an einem Betpult unter einer Draperie, das geneigte Haupt von Strahlen umgeben. Von rechts naht der Verkündigungsengel, mit gebreiteten Schwingen und flatterndem Gewand. Er weist mit der Rechten zum Himmel, aus dem ein Gnadenstrahl auf Maria fällt.
»Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa mit Namen Nazareth zu einer Jungfrau gesandt, die mit einem Manne namens Joseph verlobt war. Sie stammte aus Davids Geschlecht und hieß Maria. Er trat zu ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mir dir Doch sie erschrak bei dieser Anrede und dachte bei sich: Was ist das für eine Begrüßung? Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria. Denn du hast Gnade bei Gott gefunden Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären dem du den Namen Jesus geben sollst. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten heißen. Und Gott der Herr wird ihm verleihen den Thron Davids, seines Vaters.«
4 JAKOBS TRAUM VON DER HIMMELSLEITER (Gen 28,10–17) Inschrift: SOLANTVR (Sie trösten, erquicken, söhnen aus). In einer – gegen die Bildtradition – dichtgedrängten Szene schläft im Vordergrund Jakob am Boden. Unmittelbar neben ihm erscheint ein Engel und weist auf ihn. Direkt hinter diesem ist ein weiterer Engel dargestellt und dann setzt die Himmelsleiter an, auf der vier Engel auf- und absteigen.
»Jakob zog aus von Beerscheba und ging nach Haran. Er gelangte zu der Stätte und blieb dort über Nacht, weil die Sonne schon untergegangen war. Er nahm einen von den Steinen der Stätte, machte ihn zum Lager für sein Haupt, und legte sich an jener Stätte schlafen. Da träumte ihm: Siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, deren Spitze den Himmel berührte. Und siehe, Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und siehe, Jahwe stand über ihr und sprach: Ich bin Jahwe, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du ruhst, will ich dir und deinen Nachkommen geben... Siehe, ich bin mit dir. Ich will dich überall behüten, wohin du gehst...ich werde dich nicht verlassen, bis ich vollbracht, was
ich dir verheißen haben. Jakob erwachte aus seinem Schlaf ut sprach: Wie furchtbar ist diese Stätte! Hier ist nichts ander als das Haus Gottes und die Pforte des Himmels«.
Die Jakobsleiter galt den Kirchenvätern als Bild der Vorsehung, die Gott über die Erde durch den Dienst der Engel ausübt. Die Engel bringen den Menschen Gnaden und tragen deren Wünsche und Bitten vor Gott.
EIN ENGEL REINIGT DIE LIPPEN DES ISAIAS (Is 6,5–8) Inschrift: ACCENDVNT (Sie entzünden). Vor einer hochgetürmten, aber nicht eigentlich logisch räumlich konstruierten Architektur kniet links im Vordergrund der bärtige Isaias in wallenden Gewändern. Ihm gegenüber erscheint ein Engel auf Wolken. Zwischen den beiden Figuren ist ein Teil des Opferaltars zu erkennen. Der Engel berührt den Mund des Isaias mit einer Zange, in der er Kohle hält. Über der Szene thront, von Engeln umgeben, neben der Weltkugel Gottvater. Vorlage:ZITAT
EICHSTATT SCHUTZENGELKIRCHE
füllte das Heiligtum. Seraphe standen vor ihm: jeder hatte sechs Flügel. Mit zweien bedeckte er sein Angesicht, mit zweien bedeckte er seine Füße, und mit zweien schwebte er. Und immerfort rief einer dem anderen zu: Heilig, heilig, heilig ist Jahwe Zebaot, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit. Von der Stimme der Rufenden erbebten die Grundfesten der Schwellen, und der Tempel füllte sich mit Rauch. Da sprach ich: Wehe mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen, und meine Augen haben den König, Jahwe Zebaot, geschaut! Da schwebte einer der Seraphe auf mich zu, eine Glühkohle in seiner Hand, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Er berührte damit meinen Mund und sprach: Siehe, dies hat deine Lippen berührt. Deine Schuld ist hinweggenommen und deine Sünde getilgt.«
6 VERKÜNDIGUNG AN DIE HIRTEN (Lc 2,8-14) Inschrift: EVANGELIZANT (Sie verkünden die Frohbotschaft). In der oberen Bildhälfte schweben drei große Engel mit einem Schriftband GLORIA IN EXCELSIS DEO. Vorn vom Bildrand überschnitten, sind drei Hirten dargestellt – einer von ihnen hat eine Schippe – die mit lebhaften Gesten des Erstaunens zu den Engeln aufblicken. Rechts sind noch einige Schafe zu sehen (Abb. S. 137).
Engel verkündigten den Hirten die Geburt Jesu im Stall bei Bethlehem: »Nun waren Hirten in derselben Gegend auf den Felde und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat de Engel des Herrn zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herri umstrahlte sie, und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volke widerfahren wird: Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren, Christus der Herr. Und dies sei das Zeichen für euch: Ihr werdet ein Kinc finden, das in Windeln gewickelt in der Krippe liegt. Und aueinmal war bei dem Engel eine Menge des himmlischen Heeres, die Gott priesen und riefen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind.«
7 ENGEL TRAGEN LAZARUS IN ABRAHAMS SCHOSS (Lc 16,22) Inschrift: SVSCIPIVNT (Sie nehmen auf). Links liegt an der Schwelle eines Gebäudes ein mit Lumpen bedeckter Toter, dessen Seele von Engeln in den Himmel getragen wird. »Es war einmal ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und feinstes Tuch und lebte alle Tage
herrlich und in Freuden. Vor dem Portal seines Hauses aber lag ein Armer namens Lazarus krank, über und über mit Geschwüren bedeckt. Der hätte gern seinen Hunger mit den Abfällen vom Tisch des Reichen gestillt... Nun geschah es, dass der Arme starb und von den Engeln in den Schoß Abrahams getragen wurde.«
Bei der Gestalt des Lazarus handelt es sich nicht um den Bruder von Martha und Maria, sondern um den elenden Lazarus aus einem Gleichnis Jesu, den Engel in Abrahams Schoß brachten. Der Reiche aber kam nach seinem Tod in das Höl lenfeuer
8 ERSTER TRAUM JOSEPHS (Mt 1,18-24) Inschrift ADMONENT (Sie ermahnen). Auf bildparallel verlaufen den Stufen im Vordergrund liegt Joseph links in tiefem Schlaf. Er ist an ein gerolltes Bündel gekauert und in eine Decke gehüllt. Den Kopf hat er in die rechte Hand gestützt. Ein Engel beugt sich von hinten über ihn, berührt mit der Linken das Gesicht des Schlafenden und weist mit der Rechten zum Himmel. Rechts im Hintergrund kniet Maria betend an einem Pult, das Haupt von Licht umflossen, während die Taube des Heiligen Geistes von oben einen Gnadenstrahl auf sie sendet.
Als Joseph feststellte, dass Maria, seine Verlobte, schwanger war, wollte er sie nicht bloßstellen und beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. »Doch wie er das noch erwog, siehe da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Joseph, Sohn Davids, schrick nicht davor zurück, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen! Denn das Leben, das in ihr erzeugt 1st, stammt vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, dem du den Namen Jesus geben sollst...«.
EB1-16 ENGELSZENEN Querformatige Bildfelder finden sich rings in der Kirche an den Emporenbrüstungen. Sechs in den drei Jochen des Langhauses im N (EB1-3) und im S (EB11-13); sieben kleinere waren an den Emporenbrüstungen im Chor (EB1-19); fünf davon sind erhalten, zwei (EB2,3) wurden durch den Hochaltareinbau weitgehend verbaut. Drei Bilder sind an der Westempore (EB14-16). Zählung fortlaufend von NW im Uhrzeigersinn. Dargestellt sind Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, in denen Engel eine wichtige Rolle spielen, wobei in der Anordnung keine stringente ikonologische Reihenfolge zu erkennen ist (außer in der thematischen Zuordnung von 1 und EB1), nicht einmal in einer denkbaren paarweisen Zuordnung sich gegenüberliegender Themen.
EB, HEIMKEHR DES TOBIAS UND HEILUNG DES VATERS Das Thema bezieht sich auf Fresko 1 an der Kapellenwölbung mit der Darstellung von Raphael und Tobias. Die Szene spielt in einem weiten Saal mit Säulen und Draperie. Rechts im Hintergrund öffnet sich die Szene auf eine Terrasse mit Balustrade, über die man auf eine Flusslandschaft blickt. Links im Saal sitzt Tobit, der Vater des Tobias, auf einem Sessel und neigt sich dem Sohn grüßend entgegen. Dieser ist auf ihn zugeeilt und berührt ihn an den Augen; Sara, die Frau des Tobias, beugt sich über Vater und Sohn. Tobias' Reisebegleiter, der Erzengel Raphael, in Gold und Hellblau gekleidet, steht beiseite und beobachtet die Begrüßungsszene, an der auch das Hündlein des Tobias, freudig an Tobit emporspringend, teilhat. Neben einem Tischchen im Vordergrund, an dem sich eine Magd zu schaffen macht, hat Tobias seinen Stab und seine Tasche abgelegt.
»Da lief Tobias zu ihm (dem Vater), in der Hand trug er die Fischgalle. Er hauchte auf seine Augen, hielt ihn und sprach: Mut, Vater. Dann strich er die Arznei auf, ließ sie einige Zeit wirken, und entfernte schließlich mit jeder Hand ein Häutchen aus den Augenwinkeln. Da fiel ihm sein Vater um den Hals. Er weinte und rief: Ich sehe dich, mein Sohn, Licht meiner Augen! Und er sprach: Gepriesen sei Gott... Gepriesen seien alle seine heiligen Engel« (Tob 11, 10–15).
EB2 EIN ENGEL ZEIGT JOHANNES DAS HIMMLISCHE JERUSALEM Links kniet unter Bäumen Johannes mit ausgebreiteten Armen und blickt in ein weites Tal mit einzelnen Bäumen. Er trägt über seinem grünen Gewand einen roten Mantel. Hinter ihm steht ein Engel mit ausgebreiteten Flügeln, der über einem goldfarbenen Gewand eine weite faltenreiche hellblaue Manteldraperie trägt. Er weist auf eine quadratische Stadtanlage im Talgrund, die von einer hohen Mauer mit 12 Tortürmen umgeben ist.
»Und einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen trugen, die mit den letzten Plagen gefüllt waren, kam zu mir und sagte: Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes! Und er trug mich im Geist fort zu einem großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem ... Sie hat eine Mauer, groß und hoch, mit zwölf Toren, auf denen zwölf Engel stehen... Nach Osten sind es drei Tore, nach Norden drei, nach Süden drei und nach Westen drei... Die Stadt ist viereckig angelegt... ihre Länge beträgt soviel wie ihre Breite... Er maß ihre Mauer: Einhundertvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, das auch das Maß der Engel ist« (Apoc 21, 9–17).
»Und einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen trugen, die mit den letzten Plagen gefüllt waren, kam zu mir und sagte: Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes! Und er trug mich im Geist fort zu einem großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem ... Sie hat eine Mauer, groß und hoch, mit zwölf Toren, auf denen zwölf Engel stehen... Nach Osten sind es drei Tore, nach Norden drei, nach Süden drei und nach Westen drei... Die Stadt ist viereckig angelegt... ihre Länge beträgt soviel wie ihre Breite ... Er maß ihre Mauer: Einhundertvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, das auch das Maß der Engel ist« (Apoc 21, 9–17).
EB, BILEAMS ESELIN Weite einsame Landschaft mit einigen Bäumen. Ein Esel hat sich auf den Weg gelegt und verweigert das Aufstehen. Sein Reiter schlägt mit einem Stock heftig auf ihn ein, während der Esel den Kopf zu ihm wendet, als verstehe er den Zorn des Herrn nicht. Dieser Herr - Bileam - ist als weißbärtiger Mann in gelbem Gewand und blauem Mantel gegeben. Vor dem Esel erscheint ein Engel, der ihm mit gezogenem Schwert das Weitergehen verweigert. Bileam ritt auf seiner Eselin zu den Moabitern. »Da entbrannte der Zorn Jahwes darüber, dass jener dahinzog, und der Engel Jahwes stellte sich ihm als Widersacher in den Weg, während jener auf seiner Eselin dahinritt und von seinen beiden Dienern begleitet war. Als die Eselin den Engel Jahwes, das gezückte Schwert in der Hand, auf dem Wege stehen sah, bog die Eselin vom Wege ab und ging ins Feld hinein. Da schlug Bileam die Eselin, um sie wieder auf den Weg zu lenken«. Das wiederholte sich zweimal. »Nun öffnete Jahwe Bileam die Augen, so dass er nun auch den Engel Jahwes... sah. ... Da sprach Bileam zum Engel Jahwes: Ich habe gesündigt. Ich wusste ja nicht, dass du es warst, der mir auf dem Wege gegenüberstand. ... Der Engel Jahwes jedoch antwortete Bileam: Reise mit den Männern! Aber nur das, was ich dir eingebe, darfst du reden« (Num 22,21–35).
»Da entbrannte der Zorn Jahwes darüber, dass jener dahinzog, und der Engel Jahwes stellte sich ihm als Widersacher in den Weg, während jener auf seiner Eselin dahinritt und von seinen beiden Dienern begleitet war. Als die Eselin den Engel Jahwes, das gezückte Schwert in der Hand, auf dem Wege stehen sah, bog die Eselin vom Wege ab und ging ins Feld hinein. Da schlug Bileam die Eselin, um sie wieder auf den Weg zu lenken«. Das wiederholte sich zweimal. »Nun öffnete Jahwe Bileam die Augen, so dass er nun auch den Engel Jahwes ... sah. ... Da sprach Bileam zum Engel Jahwes: Ich habe gesündigt. Ich wusste ja nicht, dass du es warst, der mir auf dem Wege gegenüberstand. ... Der Engel Jahwes jedoch antwortete Bileam: Reise mit den Männern! Aber nur das, was ich dir eingebe, darfst du reden« (Num 22,21–35).
EB, EIN ENGEL PROPHEZEIT PAULUS IM SEE-STURM DIE RETTUNG Das Bild zeigt ein Schifflein mit gerefften Segeln in einem Seesturm. Das Meer wogt wild, weißschäumende Wellen schlagen hoch. Der Kommandant - in Gestalt eines Kriegers mit Helm - steht an der Reling, die Insassen sind zwei Soldaten, die sich eng ins Heck schmiegen, sowie drei weitere Männer. Am Bug des Schiffes sitzt Paulus in grünem Gewand mit roter Draperie. Er sitzt ruhig, die Arme wie zum Gebet ausgestreckt. Von rechts fliegt ein Engel auf ihn zu (Abb. EB4-6 siehe S. 146).
Als Paulus als Gefangener zu Schiff nach Rom gebracht wurde, geriet das Schiff auf der Höhe von Kreta in einen schweren, tagelang wütenden Sturm, sodass die Besatzung schließlich jede Hoffnung aufgab. Paulus ermutigte sie mit den Worten: »Niemand von euch wird ums Leben kommen, nur das Schiff geht verloren. In dieser Nacht ist nämlich ein Engel ... zu mir getreten und hat gesagt: Fürchte dich nicht, Paulus! Du musst vor den Kaiser treten: Siehe, so hat Gott dir auch das Leben all deiner Fahrtgesnossen geschenkt« (Act 27,21-26). Am Tag darauf strandete das Schiff auf Melita (Kephallenia).
EB, EIN ENGEL FÜHRT LOT AUS SODOM Rechts am Bildrand ist die brennende Stadt Sodom zu sehen, wie sie von haushohen Flammen verzehrt wird. Der Himmel ist verfinstert von rötlichen Rauchwolken. Aus der Stadt führt ein breiter Weg, überquert eine Brücke und geht weiter in dichter Wald. Noch am jenseitigen Ufer, dicht bei der brennenden Stadt, sieht man in der Ferne Lots Frau, die zur Salzsäule erstarrt ist. Die Gruppe von Lot und seinen Töchtern, die ihr Heil in der Flucht suchen, hat bereits den Wald erreicht. Ein Engel führt Lot. Dieser ist orientalisierend gewandet, mit kurzem goldenen Rock über dem hellen Unterkleid und einem Spitzturban. Hinter ihm geht der zweite Engel geleitend zwischen den beiden Töchtern, die wie ihr Vater reich gekleidet sind und Krug sowie Bündel mit sich tragen.
Lot, ein Bewohner der sündigen Stadt Sodom, nahm zwei Engel gastlich auf und schützte sie vor den üblen Nachstellungen der Mitbewohner. Da warnten die Engel Lot vor der Zerstörung der Stadt und forderten ihn und die Seinen zur Flucht auf. »Denn wir werden diese Stadt zerstören, weil die Klage wider sie vor Jahwe groß geworden ist und Jahwe uns entsandt hat, sie zu verderben«. Lot zögerte, da »fassten die Männer ihn, seine Frau und seine beiden Töchter bei der Hand, weil Jahwe ihn verschonen wollte, führten ihn hinaus und ließen ihn erst draußen vor der Stadt los« (Gen 19,15–30).
EB6 EIN ENGEL ERSCHEINT DEM CORNELIUS Schauplatz ist ein weiter tempelähnlicher Saal mit Säulen und Pfeilern, einem ornamentierten Fußboden und einer großen grünen Draperie mit goldenen Fransen. Ein Offizier - Cornelius - in Rüstung und Mantel, auf dem Haupt einen federgeschmückten Helm, kniet und faltet die Hände vor der Erscheinung eines Engels, der ihm eine Weisung erteilt.
Cornelius, ein Hauptmann im >Italischen Regiment<, lebte in Cäsarea und war ein gottesfürchtiger Mann. Eines Tages hatte er eine Vision: Er sah »um die neunte Stunde deutlich, wie ein Engel Gottes bei ihm eintrat und ihn anredete: Cornelius! ... Sende nun Männer nach Joppe und lass einen gewissen Simon mit dem Beinamen Petrus kommen.« Cornelius sandte Männer nach Joppe zu Petrus und Petrus kam mit ihnen nach Cäsarea. Als er Cornelius fragte, weshalb er nach ihm geschickt habe, antwortete Cornelius: »Es war vor vier Tagen zur selben Zeit, ich hielt in meinem Hause gerade das Gebei zur neunten Stunde, siehe, da trat ein Mann vor mich hin in blendend weißem Gewand und sagte: Cornelius, Gott hat deir Gebet erhört und deiner Wohltaten gedacht. So schicke nur nach Joppe und lass Simon, genannt Petrus, holen. Sofort habe ich also zu dir geschickt, und du hast recht daran getan, hierherzukommen. Nun sind wir hier alle vor Gottes Angesich versammelt, um alles zu hören, was Gott dir aufgetragen hat« (Act 10,1–7 und 30–32).
EB8 ENGEL VOR EINER BAUMGRUPPE Von diesem Bild ist nur die rechte Hälfte erhalten, auf der man einen Engel und einige Bäume sieht. Menrad vermutet, das Thema sei die Begleitung eines Engels bei der Flucht nach Ägypten (keine Abb.)
Anhaltspunkte für die in den Evangelien nicht erwähnte Anwesenheit von Engeln bei der Flucht sind der zweite Traum Josephs (Mt 2,13), bei der ein Engel die Flucht nach Agypten befahl; außerdem die Erscheinung eines Engels nach dem Tod des Herodes (Mt 2,19f.), der Joseph zur Rückkunft aufforderte: »... zieh in das Land Israel. Sie sind tot, die dem Knaben nach dem Leben trachteten.«
EB. ENGEL VERTREIBEN HELIODOR AUS DEM TEMPEL Die Schatzkammer des Tempels ist ein weiter Saal, in dessen Vordergrund auf einem bankähnlichen Sockel bildparallel die Schätze aufgereiht sind: goldene Gefäße, Krüge und Schalen, Geldkästen sowie goldene und silberne Münzen. Am Boden liegt Heliodor. Auf ihn dringt ein Reiter ein, dessen Pferd steigt und mit den Vorderhufen auf Heliodor schlägt, der außerdem aufs Heftigste von zwei Engeln bedrängt wird, die mit Geißel und Stock auf ihn einschlagen.
König Seleukos von Asien sandte seinen Kanzler Heliodor nach Jerusalem: er sollte den Tempelschatz holen und dem König bringen. »Dort bei der Schatzkammer stand er schon mit seiner Leibwache. Da führte der Herr der Geister und jeglicher Kraft eine große Erscheinung herbei, sodass alle, die gewagt hatten, einzudringen, von Gottes Macht getroffen in Ohnmacht und Schrecken fielen. Es erschien ihnen nämlich ein Pferd mit einem furchtbaren Reiter und mit prächtigem
Geschirr geschmückt. Es stürmte gewaltig gegen Heliodor an und schlug mit den Vorderfüßen auf ihn ein. Der Reiter selbst erschien in goldener Rüstung. Außerdem erschienen ihm zwei Jünglinge von großer Stärke und strahlender Schönheit, gekleidet in herrliche Gewänder. Sie traten von beiden Seiten zu ihm heran, geißelten ihn unaufhörlich und versetzten ihm viele Schläge. Plötzlich sank er zu Boden und war von dichter Finsternis umhüllt« (2 Mach 3,24–28).
EB10 EIN ENGEL STÄRKT ELIAS IN DER WÜSTE Weite, einsame Landschaft. Ein Flußlauf umgibt ein Stück Land mit zwei großen Bäumen und einem Busch. Unter den Bäumen liegt ein alter Mann – Elias – auf seinem weiten Mantel am Boden. Zu seinen Häupten steht ein Krug und liegt ein großes Brot. Ein Engel fasst Elias an der Hand.
Elias floh vor den Drohungen der Königin Isebel. Er »gin einen Tagesmarsch in die Wüste hinein . . . ließ sich unter einen Ginsterbusch nieder und wünschte sich den Tod...Dann legt er sich hin und schlief ein. Da auf einmal rührte ihn ein Enge
an und sprach zu ihm: Steh auf, iss! Als er hinblickte, siehe, da war zu seinen Häupten ein gerösteter Fladen und ein Krug Wasser. Und er aß und trank und legte sich wieder schlafen. Aber der Engel Jahwes kam zum zweitenmal, rührte ihn an und sprach: Steh auf, iss! Denn sonst ist der Weg zu weit für dich! Da stand er auf, aß und trank und wanderte in der Kraft jener Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberge, dem Horeb« (3 Kön 19,4–8). Dort erschien Jahwe dem Flias »ging einen Tagesmarsch in die Wüste hinein ... ließ sich unter einem Ginsterbusch nieder und wünschte sich den Tod... Dann legte er sich hin und schlief ein. Da auf einmal rührte ihn ein Engel an und sprach zu ihm: Steh auf, iss! Als er hinblickte, siehe, da war zu seinen Häupten ein gerösteter Fladen und ein Krug Wasser. Und er aß und trank und legte sich wieder schlafen. Aber der Engel Jahwes kam zum zweitenmal, rührte ihn an und sprach: Steh auf, iss! Denn sonst ist der Weg zu weit für dich! Da stand er auf, aß und trank und wanderte in der Kraft jener Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberge, dem Horeb« (3 Kön 19,4–8). Dort erschien Jahwe dem
EB11 EIN ENGEL VERKÜNDET ZACHARIAS DIE GEBURT DES JOHANNES In einem weiten Saal, der durch den siebenarmigen Leuchter links und die Schaubrote rechts als Tempel von Jerusalem gekennzeichnet ist, steht der Priester Zacharias am Räucheraltar. Ihm gegenüber steht ein Engel und weist auf ihn, während er die Linke wie abwehrend hebt. Vom Opfer steigt Rauch auf.
Der Priester Zacharias war kinderlos und seine Frau Elisabeth war schon zu alt, um noch Kinder zu bekommen. Als Zacharias einst im Tempel den Räucherdienst versah, »erschien ihm ein Engel des Herrn; er stand rechts vom Räucheraltar. Als Zacharias ihn sah, erschrak er, und Furcht überkam ihn. Doch der Engel sagte zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denr dein Gebet hat Erhörung gefunden. Deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben. Er wird deine Freude und dein Jubel sein, und viele werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn ... Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich dies erkennen? ... Der Engel antwo Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, zu dir zu reden und dir die frohe Botschaft zu bringen« (Lk 1,11–19).
EB12 JAKOB RINGT MIT DEM ENGEL
Bildschau-Platz ist eine von Bäumen flankierte öde Szenerie im Vordergrund, hinter der ein Wasserlauf zu sehen ist und am jenseitigen Ufer eine weite Wüstenlandschaft, in der eine Karawane mit Kamelen dahinzieht. Jakob in dunklem Gewand dringt stürmisch auf den Engel ein, packt ihn mit den Händen und stößt mit dem Fuß. Der Engel ist größer als er, eine hoheitsvolle Gestalt mit hellblauem Gewand, goldenem Mantel und großen Schwingen. Er hält dem Angriff Jakobs ruhig stand. »Jakob blieb allein zurück. Da rang einer mit ihm bis zum Anbruch der Morgenröte. Als dieser sah, dass er ihn nicht überwinden könne, berührte er ihn an der Hüftpfanne, so dass die Hüftpfanne Jakobs ausgerenkt wurde, während er mit ihm rang. Darauf sprach er: Laß mich los, denn die Morgenröte bricht an! Er aber sagte: Ich lasse dich nicht, bis du mich gesegnet hast. Der sprach zu ihm: Wie heißt du? Er antwortete: Jakob. Da sagte jener: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel. Denn du hast dich Gott gegenüber als stark erwiesen, und über Menschen wirst du siegen. Da fragte Jakob und sprach: Tu mir doch deinen Namen kund! Er aber antwortete: Warum fragst du mich nach meinem Namen? Und er segnete ihn dort« (Gen 32, 25–30).
EB13 EIN ENGEL KÄMPFT UM DEN LEICHNAM DES MOSES
Die Szene spielt auf einer Bergeshöhe, rechts geht der Blick weit ins Tal mit Wiese, Wald und Bergen am Horizont. Im Berg ist eine dunkle Höhlenöffnung zu sehen; drei Engel, barfuß und in lange Gewänder gekleidet, sind im Begriff, einen dunkelhaarigen, bärtigen Leichnam in langem grünem Gewand in die Höhle zu tragen. In der Bildmitte wehrt ein vierter Engel den Teufel ab. Dieser Engel ist in römischer Soldatentracht dargestellt, mit goldfarbenem Harnisch und gewickelten Sandalen, deutlich verschieden von den anderen Engeln. Es handelt sich um den Erzengel Michael, der die Seelen in den Himmel geleitet. Die Teufelsfigur ist dunkel, hat Hörnchen auf dem Kopf und Fledermausflügel.
Der Bericht vom Tod des Moses im Alten Testament nennt die Engel nicht: »Dort im Lande Moab starb dann Moses, der Knecht Jahwes, nach dem Geheiß Jahwes, und er begrub ihn im Tale im Lande Moab gegenüber von Bet-Peor; aber nams des Moses mit dem Teufel in Streit und Wortwechsel geriet, kein lästerndes Urteil vorzubringen gewagt, sondern sagte: Es strafe dich der Herr« (Deut 34,5–6). Im Neuen Testament aber wird die Szene erwähnt: »Und doch hat der Erzengel Michael, als er wegen des Leichnams des Moses mit dem Teufel in Streit und Wortwechsel geriet, kein lästerndes Urteil vorzubringen gewagt, sondern sagte: Es strafe dich der Herr« (Judae 9).
Bilder an der Westempore:
EB14 TAUFE JESU
Flußlandschaft mit zwei am diesseitigen Ufer lagernden Assistenzfiguren und der Taufe Jesu durch Johannes am jenseitigen Ufer. Zwei Engel halten ein großes Tuch bereit, um Jesus, der im Fluß steht, abzutrocknen. Bei Darstellungen der Taufe Jesu tritt der Engel mit dem Tuch oft auf, obwohl dieses Detail im Neuen Testament nicht genannt ist (Mt 3, 13–17; Mc 1, 9–11; Lk 3, 21f.). Die Assistenz des Engels bei der Taufe Jesu und die Anwesenheit von Engeln bei der Flucht nach Ägypten sind im ganzen Zyklus die einzigen in der Schrift nicht überlieferten Szenen.
EB15 ENGEL DIENEN JESUS IN DER WÜSTE
In bergiger Landschaft sitzt Jesus, das Haupt von Strahlen umgeben, vor einem hohen Felsen. Vier große Engel sind bei ihm, bringen ihm Speisen und dienen ihm.
Als Jesus auf die Versuchungen des Teufels geantwortet hatte »Fort mit dir, Satan! Es steht ja doch geschrieben: Dem Herrn, deinem Gott, sollst du huldigen und ihm allein dienen... ließ der Teufel von ihm ab, und siehe, Engel traten zu ihm und bedienten ihn« (Mt 4,10–11).
EB16 DIE DREI FRAUEN AM GRAB
In einem dunklen Hügel vor weiter Landschaft ist eine Höhle zu sehen, die Grabkammer Jesu. Auf dem Sarkophag sitzend erscheint ein hellstrahlender Engel, der zu drei Frauen spricht, die zum Grab gekommen sind. »Und als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Frau des Jakobus und Salome Kräuteröle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und frühmorgens am ersten Wochentage kamen sie zu dem Grab, als eben die Sonne aufging, und sagten zueinander: Wer wälzt uns den Stein von der Tür des Grabes weg? Als sie hinschauten, sahen sie, dass der Stein weggewälzt war ... und als sie die Grabkammer betraten, sahen sie einen Jüngling zur Rechten sitzen, angetan mit einem blendendweißen Gewand; und sie wurden starr vor Schrecken. Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Jesus von Nazareth sucht ihr, den Gekreuzigten? Er ist auferweckt worden . . . « (Mc 16, 1–8).
Die Szene der Frauen am Grab wird auch in den anderen Evangelien erwähnt (Mt 28,1–7; Lc 24,1–6; Jo 20,1), doch bezieht sich die abendländische Bildtradition auf die Schilderung bei Markus. Matthäus nennt nur zwei Frauen, Lukas erwähnt allgemein Frauen, »die mit ihm (Jesus) aus Galiläa gekommen waren« sowie zwei Engel; Johannes berichtet nur kurz von Maria von Magdala und erwähnt den Engel nicht.
EW1–2 ENGELSZENEN
An der Westwand der Empore rechts und links vom Mittelfenster befinden sich zwei große Wandbilder, die weitere Szenen zeigen, bei denen Engel eine wichtige Rolle spielen.
EW1 ENGEL BEI HAGAR IN DER WÜSTE
Waldige Einsamkeit. Hagar sitzt unter einem Baum, die Rechte auf die
Brust gelegt, mit der Linken auf den Knaben Ismael weisend, der am Boden liegt. Über Hagar beugt sich ein Engel und weist in den Hintergrund, wo in einer Waldlichtung ein kleiner Springbrunnen zu sehen ist.
Nachdem Abraham von Sara lange kein Kind bekam, wohnte er auf Saras Wunsch hin der Magd Hagar bei, die ihm den Ismael gebar. Als aber Sara selbst in hohem Alter noch den Isaak gebar, verlangte sie, dass Abraham Hagar und Ismael verstoße, was Abraham nicht wollte, aber auf Gottes Geheiß tat. In der Wüste fürchteten Hagar und Ismael zu verdursten und das Kind weinte. »Da rief der Engel Gottes vom Himmel her Hagar zu und sprach: Was hast du, Hagar? Fürchte dich nicht, Gott hat den Knaben schreien gehört... Gott öffnete ihr die Augen, und sie erblickte einen Brunnen« (Gen 21, 9–19).
EW2 ENGEL BEI ABRAHAM UND ISAAK Der junge Isaak sitzt gefesselt und fast entkleidet im Vordergrund auf einem Stein. Hinter ihm steht Abraham, sein Vater, dargestellt als weißbärtiger Greis in eleganter Türkentracht. Er erhebt den Säbel, um Isaak zu töten. Hinter Abraham erscheint die machtvolle Gestalt eines fliegenden Engels in goldfarbenem Gewand, der ihm in den Arm fällt.
Jahwe befahl dem Abraham, seinen einzigen Sohn Isaak zu opfern. Als Abraham das Kind schon gefesselt auf den Brand- opferaltar gelegt hatte und das Messer hob, ihn zu töten, »da rief der Engel Jahwes vom Himmel her ihm zu deine Hand nicht nach dem Jungen aus und tu ihm nichts zuleide. Denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten hast... weil du dies getan hast ... will ich dich reichlich segnen. Ich werde deine Nachkommenschaft zahlreich machen wie die Sterne des Himmels ... « (Gen 22,1–18).
M1-6 JESUITENHEILIGE Über den Fenstern der Seiten- kapellen in den drei Langhausjochen befinden sich freskierte Medaillons, die in Halbfigur Heilige aus der Gesellschaft Jesu zeigen. Ignatius von Loyola fehlt in der Reihe; möglicherweise war er früher über dem Hochaltar, jetzt ist er im Hochaltar zwischen Altarbild und Bischofswappen dargestellt. Zählung von West nach Ost, jeweils paarweise, erst das nördliche, dann das südliche Bild (Abb. S. 136–42).
M1 MARTYRER VON NAGASAKI Drei Jesuiten in schwarzen Talaren halten große hölzerne Kreuze in Händen. Es handelt sich um die Jesuiten Paul Miki, Jean Goto und Jacques Kisai (Fest 6. 2.), die zusammen mit sechs Franziskanern und 17 getauften Japanern 1597 auf Befehl des Regenten Hideyoshi in Nagasaki gekreuzigt und von Urban VIII. 1627 seliggesprochen wurden. Heiligsprechung 1862. (Menrad 1925 sieht in den drei Heiligen Ignatius von Loyola und seine ersten zwei Gefährten, ebenso Ullmann 1987, S. 75).
M2 FRANZ REGIS Jesuit in schwarzem Talar und Mantel; sein Haupt ist von Strahlen umgeben, in Händen hält er ein Kruzifix. Im Hintergrund Sockel mit Säulenansatz und dunkelrote Draperie. Franz Regis wurde am 31.1.1597 in Fontcouverte (Aube) geboren. Eintritt in die Gesellschaft Jesu 1616, Priesterweihe 1631. Er wirkte als Volksmissionar und Vater der Armen in den Cevennen nach den Hugenottenkriegen; Tod am 31.1.1640 in La Louvesc (Ardèche). Seligsprechung 1716, Heiligsprechung 1737. Das Kruzifix als sein Attribut erinnert an den Beistand, den er den Sterbenden geleistet hat. (Menrad 1925 und Ullmann 1987 identifizieren die Figur als Johannes Berchmans SJ, der ebenfalls einen Kruzifixus als Attribut hat. Doch wurde Berchmans erst 1865 seliggesprochen und 1888 kanonisiert; die Jesuitenheiligen in der Schutzengelkirche sind aber mit Nimbus dargestellt, was zumindest die Seligsprechung voraussetzt.)
M3 STANISLAUS KOSTKA Junger Jesuit in der Soutane, das Haupt von Gnadenlicht umgeben. Er hält in der Linken eine Lilie und in der Rechten das Jesuskind. Stanislaus Kostka (Fest 13.11., geboren am 28.10.1550) aus polnischer Adelsfamilie, studierte in Wien 1564–67 und floh, weil sein Vater seinen Eintritt in die Gesellschaft Jesu nicht erlaubte, nach Dillingen zu Petrus Canisius; dieser empfahl ihn Franz Borgia. Stanislaus Kostka wurde noch 1567 Jesuit und starb am 15.8.1568 in Rom im Alter von 18 Jahren. Seligsprechung 1670, Heiligsprechung 1726. Die Kanonisation der beiden Heiligen Stanislaus Kostka und Aloysius von Gonzaga 1726 wurde in Eichstätt als großes Fest gefeiert. Sie erhielten mit Franz Borgia zusammen in der Schutzengelkirche einen Altar. Stanislaus hat als Attribut die Lilie als Symbol der Reinheit und das Jesuskind, dieses wegen einer Vision.
M4 ALOYSIUS VON GONZAGA Jugendlicher Heiliger in weißem Chorrock, das Haupt von Gnadenlicht umgeben. Er trägt über der Soutane das Chorhemd. Er hält als Symbol der Reinheit die Lilie und neigt sich liebend dem Kruzifixus zu, das er in der Rechten hält.
Aloysius von Gonzaga (Fest 21.6.), geboren am 9.3.1568 als Sohn des Markgrafen Ferdinand von Gonzaga, war 1581-82 Page am Hof Philipps II. von Spanien, verzichtete aber 1585 auf sein Erbe und trat in Rom in die Gesellschaft Jesu ein. Dort starb er nach einem heiligmäßigen Leben im Alter von 23 Jahren am 21.6.1591. Seligsprechung 1606, Heiligsprechung 1726.
M1 FRANZ XAVER Jesuit mit braunem Schulterkragen über der Soutane. Er hat einen Pilgerstab. Die Darstellung Franz Xavers als Pilger ist weniger verbreitet als die Darstellung als Missionar mit Soutane, Chorrrock und Stola; sie folgt in der vorliegenden Form einem Stich von Melchior Haffner (s. Ullmann S.76 und Abb. 100). Der Heilige hat die Hand auf die Öffnung des Schulterkragens gelegt und damit auf die bloße Brust bzw. das Herz. Franz Xaver (Fest 3. 12.), geboren am 7.4. 1506, aus adeliger spanischer Familie, schloss sich 1533 in Paris an Ignatius von Loyola an, trat der Gesellschaft Jesu bei und widmete sein Leben forthin der Missionierung in Indien und Japan. Er starb am 3. 12. 1552 auf der Insel Sancian bei Kanton. Seligsprechung 1619, Heiligsprechung zusammen mit Ignatius von Loyola 1622.
Mg FRANZ BORGIA Das Bild zeigt Franz Borgia als einen schon älteren Heiligen in Talar und Mantel, das Haupt von einem weißen Heiligenschein umgeben. Er kniet mit gefalteten Händen vor einem Tisch, auf dem an einem Buch seine persönlichen Attribute lehnen, ein Totenschädel mit Krone. Vor ihm erscheint schwebend eine Monstranz; von der Hostie fällt helles Gnadenlicht auf ihn. Franz Borgia (Fest 10. 10.), geboren 1510 als Franz de Borja y Aragon, mütterlicherseits aus königlichem Geschlecht, Urenkel König Ferdinands des Katholischen, war Herzog von Gandia und 1539-40 Vizekönig von Katalonien. Nach dem Tod seiner Gemahlin 1546 wurde er Jesuit, war seit 1561 in Rom und dort ab 1562 dritter Ordensgeneral der Societas Jesu. Er starb 1572 in Rom. Seligsprechung 1624, Kanonisation 1671. Die vor ihm schwebende Monstranz erinnert an eine Vision des Heiligen während der Messe, Krone und Totenkopf symbolisieren seinen Verzicht auf irdische Ehren.
Im Chor befinden sich über dem Chorgestühl vier Wandfelder, die auf rosafarbenem Grund weißen Stuck zeigen: zwei Putten halten jeweils ein blaues Tuch mit Goldborte und Inschrift. Die jetzigen liturgischen Inschriften wurden bei der Restaurierung 1961/64 von Regens Professor Andreas Bauch angebracht. Die früheren Inschriften lauteten: Joannes Christophorus aedificavit / Marquardus secundus restauravit / Joannes Antonius I. illustravit / Joannes Antonius II. exornavit. Sie wiesen damit auf den Bau 1617/20 unter Johann Christoph von Westerstetten hin; auf die vorläufige Wiederherstellung der Kirche 1638/40 nach dem Brand im Dreißigjährigen Krieg und die Neueinwölbung 1662 durch Marquard II. Schenk von Castell; auf die Ausmalung und Stuckierung der Kirche 1717/18 unter Johann Anton I. Knebel von Katzenelnbogen und auf die Vollendung der Innenausstattung mit dem Hochaltar 1739 durch Johann Anton II. von Freiberg.
Die heutigen Inschriften lauten: (NW) JVBE / HAEC PERFERRI / PER MANVS SANCTI / ANGELI TVI. (NO) IN CON/SPECTV ANGELORVM / PSALLAM TIBI / DEVS MEVS. (SO) QVI NOS PASCIS / HIC MORTALES COHEREDES ET / SODALES FAC SANCTORVM CIVIVM. (SW) ANGELORVM / ESCA NVTRITOS ANGELICIS / DA MORIBVS/VIVERE.
Quellen und Literatur
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Drexel, Jeremias S. J., Opera, München 1628, S. 146–227; hier S. 197–203, Consideratio IV.
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A.B.