Eichstätt, Benediktinerabtei St. Walburg, Abteikirche


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 77–98, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Abteikirche, Pfarr- und Wallfahrtskirche

Die Kirche ist seit der Gründung der Benediktinerinnenabtei 1035 Abteikirche, vermutlich seit damals auch Pfarrkirche. Die Pfarrei war bis 1806 der Abtei inkorporiert, die auch das Präsentationsrecht hatte. Pfarrer waren seit dem 17. Jh. Konventualen der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg, die auch Beichtväter der Nonnen und Laienschwestern von St. Walburg waren. Zu den Reliquien der hl. Walburga in der Unteren Gruftkapelle bestand und besteht eine bedeutende Wallfahrt. Die Alexiuskapelle unter der südlichen Freitreppe, die Annakapelle und die Maria-Hilf-Kapelle in der äußeren Westenvorstadt gehörten zur Pfarrei. Der Friedhof und die Friedhofskirche St. Michael lagen bis 1814 außerhalb der Pfarrei.

Patrozinium: St. Walburga

Zum Bauwerk: Nach der Gründung des Benediktinerinnenklosters 1035 wurde der Bau der Klosterkirche in Angriff genommen; Weihe am 12.10.1042 durch Bischof Gezmann (1042). Umgestaltung der Grablege der hl. Walburga um 1460. Der mittelalterliche Kirchenbau war zu Beginn des 17. Jh. baufällig, außerdem dunkel und bei Festen zu klein. Neubau der Kirche 1629-31 unter Fürstbischof Johann Christoph von Westerstetten (1612–37), der zum Neubau 5000 fl. gab. Baumeister war der Graubündner Martino Barbieri. Baubeginn 1629 unter der Abtissin Eugenie Thiermaier (1625–30). Die Gruft der hl. Walburga mit dem Altar und dessen spätgotische Sandsteinverkleidung blieben unberührt und wurden in den Bau integriert. Weihe am 12.10.1631 unter der Äbtissin Helene Groß von Trockau-Zeulenreuth (1630–51). Stiftung des Hochaltars 1664 durch Fürstbischof Marquard II. Schenk von Castell (1637–85). Hochaltarblatt von Joachim Sandrart, Die hl. Walburga, umgeben von ihren heiligen Verwandten, in Anbetung des Lammes. Darunter kniet der Stifter. Engel gießen das Walburgisöl über Hilfeflehende aus.

1676 Aufstellung der beiden vorderen Seitenaltäre, des Kreuzaltars (N) und des Altars der Ordensheiligen Benedikt und Scholastika (S) mit Gemälden von Johann Heinrich Schönfeld (1609–82/83). Im gleichen Jahr stifteten der Herriedener Kanoniker Christian Nauwart und dessen Schwester Ursula die Orgel. In zeitlichem Zusammenhang mit diesen Ausstattungsmaßnahmen ist die erste Ausmalung anzusetzen (s. u.). Eine umfassende Dekoration des Kirchenraums mit Stuck und Fresken erfolgte 1706. Der Name des Stuckators ist unbekannt, doch erinnert der Stuck, dessen Akanthusranken regelmäßig die Gewölbe überziehen, an Arbeiten der Wessobrunner. 1708 wurden die Darstellungen der Wunder der hl. Walburga an den Emporenbrüstungen angebracht. 1710 wurde das Gestühl eingebaut, 1716 die Kanzel errichtet. 1720 wurden die beiden mittleren Seitenaltäre aufgestellt, der hl. Barbara (N) und der hl. Familie bzw. dem hl. Joseph (S)

geweiht, mit Altarblättern von Johann Georg Bergmüller (1688–1762).

Aufwendige Modernisierung und Dekoration des Kirchenraums 1743/46; Umgestaltung der gesamten Ausstattung im Sinne des Rokoko; Neufassung der Altäre und Hinzufügen von vergoldeten Rokokoschnitzereien; äußerst kostbare textile Auszierung vor allem der Altäre mit Baldachinen und Antependien. Die beiden westlichen Seitenaltäre wurden aufgestellt, der Johann-Nepomuk-Altar (N) und der Leonhard-Altar (S), mit Altarblättern von Christoph Thomas Scheffler bzw. Judas Thaddäus Sauter, Fassung von Johann Jakob Feichtmayr. Die Fassungen der älteren Altäre wurden damals abgekratzt und durch entsprechende Neufassungen ersetzt, die Altäre zusätzlich mit vergoldeten Rokokoschnitzereien geschmückt und mit kostbaren textilen Baldachinen und Antependien versehen. Gleichzeitig entstanden ein neuer Orgelprospekt, das Orgelwerk, Oratorien und Sakristeitüren. Für die Wandpfeilerfronten des Langhauses malte Judas Thaddäus Sauter 1748 fünf große Leinwandgemälde mit antetypischen Szenen für Wesen und Wirken des wunderbaren Öls. 1746 Turmaufbau und -bekrönung durch den fürstbischöflichen Baumeister Benedikt Ettl (1684–1764); der Turm war bis zur Traufhöhe der Kirche gediehen. Die Turmbekrönung, eine Statue der hl. Walburga, von dem Augsburger Franz Thaddäus Lang († 1773). Bau der steinernen Loggie vor der südlichen

 
Kloster- und Äbtissinnen-Wappen
 
Der Kirchenraum nach Osten

Eingangstüre des Langhauses. In den alten Orgelprospekt wurde 1996 eine neue Orgel eingebaut.

Wandpfeilerkirche, Langhaus zu vier Jochen, im Bereich des westlichen Jochs die nach vorn kräftig ausgebauchte Doppelemporenanlage mit dem durch Fenster abgeschlossenen Nonnenchor unten und dem Musikchor mit Orgel darüber; unter den Emporen befindet sich eine niedrige Vorhalle. Die mit Doppelpilastern besetzten Wandpfeiler tragen kräftige Gesimse, die über die Wandflächen nicht durchgeführt sind. Sie und damit auch die Seitenkapellen sind nur ca. 2 m tief. Belichtung des Langhauses in den drei östlichen Jochen jeweils von N und S durch hohe Rundbogenfenster, die über den Emporen ansetzen. Stark eingezogener, langer Chor mit geraden Schluß, beidseitig anschließend Sakristeien mit darüberliegenden Oratorien, deren Fensterfronten zum Chor hin vor die Mauer treten. Der Hochaltar teilt den Chor in zwei Hälften, die vordere dient als Presbyterium, der hintere als Gruftkapelle - die sogenannte obere Gruft. Das Presbyterium ist vor N und S jeweils durch ein breites Rundbogenfenster oberhalb der Oratorien belichtet.

Die Kirche hat sechs Seitenaltäre, die beiden vorderen sind groß und stehen rechts und links vom Chorbogen, die vier hinteren sind bedeutend kleiner und stehen in den Kapellen.

Auftraggeber: Ausmalung um 1664/76: Die erste Ausmalung ist wohl in der zweiten Hälfte des 17. Jh. entstanden, in zeitlichem Zusammenhang mit der Aufrichtung des Hochaltars 1664 bzw. der vorderen Seitenaltäre 1676. Damals war Christina Radig, die sich aus Demut nicht zur Äbtissin weihen ließ, Abteiverwalterin von St. Walburg (1661-77)

Ausmalung 1706: Anna Barbara Schmauss, Äbtissin von St. Walburg (1705–30). Die gebürtige Ingolstädterin brachte in ihrer Regierungszeit die Wallfahrt zur hl. Walburga wieder zur Blüte. Goudin berichtet 1720, zu Beginn des 18. Jh. seien Wallfahrt und Verehrung der hl. Walburga im Abnehmen begriffen gewesen, das Vertrauen auf das wunderwirkende Öl habe nachgelassen. Es sei »diese Wallfahrth zwar niemalen gantz und gar in Abgang kommen; nichts destoweniger ist doch von etlich hundert Jahren her nicht findlich, daß ein so unbeschreiblicher Zulauff der Christlichen Wallfahrter dahin gewesen, als dermahlen von kurtzen Jahren her mit jedermans Verwunderung sich ereignet«. Es war wohl »auß sonderbarer Schickung Gottes, ... als dessen Göttliche Vorsichtigkeit die Ehr dieser Wallfarth zu erneueren der annoch glückseelig regierenden Gnädigen Frauen, Frauen Äbbtißin Annae Barbarae... schon von Ewigkeit her allein hat vorbehalten wollen« (Goudin, S. 3f.). Gleich bei ihrer Wahl am 21. 1. 1705 habe sie die Absicht gehabt, Gottes Segen für ihre Regierung durch die Fürbitte der hl. Walburga zu erlangen. Sie ließ schon im folgenden Jahr die Kirche neu dekorieren. »1706 (ist die Kirche) von Frau Abbtissin Anna Barbara erneueret, mit Gypß- und Stuckador-Arbeit bekleidet, mit an dem Gewölb aufgetragenen Fresco-Gemählden, welche ebenfalls das Leben der heil Walburga vorstellen, herrlich ausgezieret worden« (Luidl III S. 81). Außerdem entschloss sich die Äbtissin, »unverzüglich alles auß dem Archiv fleißigist zu sammlen, was immer von dem Leben der Heiligen Walburg, ihrem heylwijrckender

Oehl-Fluß und geschechenen Wunder-Zeichen noch vorhanden, und sobald es nur möglich durch offentlichen Druck selbes alles der spaten Nach-Welt kundt zu machen« (Goudin, S. 4). Sie vertraute das Material dem Benediktiner P. Anselm Goudin von St. Emmeram an; zwischen St. Walburg und St. Emmeram bestand eine enge Beziehung, weil Konventualen aus St. Emmeram 1696–1803 die Beichtväter der Benediktinerinnen von St. Walburg und zugleich Pfarrer der Pfarrei St. Walburg waren. Schon im Jahr 1708 veröffentlichte Goudin den Unerschöpflichen Gnadenbrunne mit dem Gebetbuch Eichstättisches Vergißmeinnicht (siehe Lit.). Das Werk hatte großen Erfolg, war bald vergriffen und löste eine neue Welle der Verehrung der hl. Walburga aus. Der Glaube an die Wunderkraft des Öls stellte sich wieder ein, von vielen neuen Wundern wurde berichtet, zur großen Freude der Äbtissin, die Goudin mit einem zweiten ausführlicheren Buch beauftragte, das unter dem Titel Benedictinisches Weltwunder« 1716 erschien und von dem in vier Jahren 3000 Exemplare verkauft waren. In allen diesen Aktivitäten wurde die Äbtissin vom Konvent freudig unterstützt.

Im Jahr 1708 stiftete der Eichstätter Bürgermeister Johann Simon Fromm die Brüstungsbilder B5-16 mit den Darstellungen der Wundertaten der hl. Walburga (Luidl III, S. 82): »Die Bildnussen aber, so im übrigen Umfang der Kirche an denen Chor-Gängen eingesetzt seynd, und etliche Wunder-Gutthaten der Heil. Walburgae vorstellen, seynd an. 1708 von Herrn Simone Fromm Burgermeister zu Eichstätt freygebig dahin verschaffet worden«.

Ausmalung um 1743/44: Maria Anna Adelgundis I. Pettenkofer, Äbtissin von St. Walburg (1730–56). Sie wurde in Berching als neuntes von zehn Kindern des Weinhändlers und Gastwirts Georg Pettenkofer und der Barbara Hekel geboren und am 10. 1. 1696 auf den Namen Ursula getauft. Als Zehnjährige trat sie gegen den Willen der Mutter zunächst als Schülerin in St. Walburg ein, am 20. 9. 1712 als Novizin, und am 9. 10. 1712 legte sie im Alter von 16 Jahren in St. Walburg die Profess ab. Sie war musikalisch hochbegabt und übte bald das Amt der Chorregentin aus. Schließlich wurde ihr auch die Fürsorge für die alternde Äbtissin Anna Barbara Schmauss anvertraut; nach deren Tod wurde sie am 19. 5. 1730 im Alter von 34 Jahren zu Äbtissin gewählt. Trotz ihrer schwachen Gesundheit wurde sie eine der bedeutendsten Äbtissinnen des Klosters, nach Luidl eine gütige Oberin und kluge Haushalterin, »durch der weisiste Anstalten das ganze Closter erneueret, die Gärten verbesseret... die Capitel-Stube mit einem neuen Altar und Gemählden« geschmückt wurde. Wie schon ihre Vorgängerin förderte sie den Kult der hl. Walburga und die Wallfahrt nach Kräften: »Die Sorg und Beflissenheit, den Aufnahm und Aus breittung der Andacht gegen sie (die hl. Walburga) auf alle mögliche Weis zu befördern, ... sich äusserist angelegen seyn zu lassen, hat etwas besonderes«. Deshalb ließ sie von den Iesuiten Anton Luidl eine neue ausführliche Geschichte von Kloster und Wallfahrt verfassen, mit einem ausführlichen Verzeichnis der Wunder, die durch das Walburgis-Öl bereit geschehen waren. Sie ließ den Kirchturm vollenden, die Loggia mit der Freitreppe an der Südseite der Kirche und das benachbarte Gästehaus erbauen. Ihr größtes Anliegen aber war die Zierde des Gotteshauses: »Die so kostbar als herrlich

ausgezierte Kirch und Heil. Grufft... guldene und silberne Geschirr...der neu erbaute KirchThurn sammt darauf gesetzter von Gold schimmernder Bild-Saule der H. Walburga, die neu erklingende Glocken... reden von sich selbst« berichtet Luidl (III, S. 65). Außerdem ließ sie die beiden Oratorien im Chor errichten sowie »die gantze Kirch abweissen, und die Fresco-Gemähl verbesseren« (ebda, S. 81). Nach langer Krankheit starb sie am 10.6. 1756 im Alter von 60 Jahren. Der Jesuit Adam Thurner sprach in der Leichenpredigt über die beständige Sorge der Äbtissin Adelgundis um die Ausschmückung der Kirche: »Ihr gemeiner Spruch ware hierinfalls: Für Gott ist nichts zu schön, nichts zu prächtig, nichts zu kostbahr. Etwas rechts oder nichts muß es seyn, es mag kosten was es will«. Ihr Wappen befindet sich an der Front des Frauenchors.

Autor und Entstehungszeit:

Erste Ausmalung (nicht erhalten): Autor unbekannt, um 1664/76

Bei der Befunduntersuchung vor der letzten Restaurierung stellte sich heraus, dass es unter dem Stuck von 1706 Deckenmalereien gab, ornamentale und auch figürliche Grisaille malereien auf weißem Grund. »Sämtliche Gewölbe in Kirchenschiff und oberer Gruftkapelle waren mit bewegten Akanthusrankenwerk bemalt, das durch seinen plastischer Charakter Stuckaturen vortäuschen sollte. Die Malereien ar den Langhausseitenwänden und an der Ostwand der oberer Gruftkapelle zeigten überlebensgroße Engelsgestalten, geflügelte Engelsköpfe... Frucht- und Blattgehänge ... Deutlich sind mehrere Hände, jedenfalls mindestens drei verschiedene Maler, zu unterscheiden... Sämtliche Malereien an den Gewölben und Wandflächen waren in Freskotechnik über sehr feinem Putz mit marmormehlähnlichem Zuschlag ausgeführt. Die Lichter der als reine Grisaille angelegten Gemälde hatte man al secco aufgesetzt« (Grund, S. 36). Von dieser ersten Ausmalung sind nur erhalten Engel mit Arma Christi an den Außenwänden der Seitenkapellen, jeweils das Fenster flankierend (Auflistung Grund S. 38; Photodokumentation der Fa. Mayer, Regenstauf, Grund S. 36, Anm. 32). Die Malereien der Raumfassung von 1664 wurden 1706 komplett überfasst, wobei die Untergrundflächen für die neue Stuckierung und Freskierung aufgepickt wurden.

Zweite Ausmalung: Zuschreibung an Matthias Zink (* 1665) Donaumünster † 1738 Eichstätt; s. S. 456) 1706.

Von der Ausmalung 1706 sind erhalten: Der Engelszyklus in den Gewölbescheiteln der Seitenkapellen K1-5, ein Teil der Chorbogenbemalung CB, die drei Medaillons am Gewölbescheitel des Langhauses T1-3 und der Marienzyklus

Felix Mader hielt 1928 die Autorschaft des Eichstätter Meisters Matthias Zink für möglich: »Der Fresken- und Stukkaturenschmuck stammt vom Jahre 1706. Den Maler der Deckengemälde kennt man nicht. Man kann an den Eichstätter Meister Matthias Zink denken. Dagegen erweisen sich die Stukkaturen bestimmt als Wessobrunner Arbeiten« (S. 23). Vier Jahre zuvor hatte Mader im Kunstdenkmälerband der Stadt Eichstätt noch keine Zuschreibung gewagt: »Der Maler der beachtenswerten Gemälde ist nicht bekannt« (S. 241; damals wurde noch nicht zwischen den beiden Ausmalungen 1706 und 1743 unterschieden). Paulus Weissenberger äussert sich zu Maders Vorschlag von 1928 in seinem Aufsatz über die Malerfamilie Zink 1967/68: »1706 soll Matthias Deckengemälde der Abteikirche der Benediktinerinnen von St. Walburg mitbeteiligt gewesen sein... Die Zuschreibung ist fraglich, wenn auch möglich. Ein Malername Zink wird in den Rechnungen von St. Walburg nicht genannt außer dem schon genannten Fassmaler Lorenz Koch (Mitteilung aus der Abtei St. Walburg an mich vom 28. 3. 1961), mit dem Matthias Zink schon in der Hl. Geistkirche zu Eichstätt zusammengearbeitet hatte« (S. 41).

Diesen vagen Zuschreibungen an Zink kann man aufgrund sti listischer Vergleiche zustimmen. Sowohl die Bildkonzeptio nen als auch die Figurendarstellungen entsprechen den gesi cherten Werken Zinks. Die Ausmalung von St. Walburg kann damit, nach den ebenfalls für Zink in Anspruch genommenen jedoch kleineren Arbeiten in Wellheim (1701/02) und Kon stein (nach 1701, s. S. 313–16) als Zinks erster großer Fresko auftrag gelten. Die nächsten Deckenmalereien schuf Zink in Altendorf um 1710 (S. 19-23); danach sind erst wieder Deckengemälde ab 1719 erhalten

Matthias Zink wurde am 12.2.1665 in Donaumünster als Sohn von Andreas und Maria Zink geboren. Am 17. 1. 1691 heiratet er in Eichstätt Anna Maria Hofmann, Tochter des Eichstätter Bürgers und Wagners Georg Hofmann. Damals ist er als »Inwohner« genannt. Er starb am 2.11.1738 in Eichstätt.

Dritte Ausmalung: Zuschreibung an Vitus Joseph Greitman (* 1712 Burgheim † Ort und Jahr unbekannt) 1743/44.

7 7 17 17 Von der Ausmalung in der Abteikirche sind ihm zuzuschrei ben: Die Hauptfresken A-D; die Ovalbilder 1-6; die Decken fresken der südlichen Kapellen K6-8; die oberen Emporen brüstungsbilder EB1-4 und das Fresko am Chorbogen CB.

Die Fresken sind nicht signiert und datiert. Die Zuschreibung an Greitmann basiert auf dem von ihm signierten und 1741 datierten Fresko in der oberen Gruftkapelle, das mit Sicherheit von der gleichen Hand ist wie die Deckenbilder der Kirche, die der Renovierung unter Adelgundis I. angehören. Trotz des sehr schlechten Erhaltungszustands sind die stilistischen Ubereinstimmungen offensichtlich.

In der Prioratschronik im Archiv St. Walburg allerdings wird in der Abrechnung der Kirchenrenovierung 1743–46 bei der Ausgaben auf die Maler gesagt: »Herrn Jacob Feucht Mayn Mahler von München lauth seines aufgerichten Ins pactierter Massen bezalt 1581 fl.«. Die Abtei hat also mit Johann Jakob Feichtmayr einen Kontrakt über sämtliche Malerarbeiten geschlossen (einzeln aufgeführt sind in der Abrechnung nur kleinere Malerarbeiten, die sich während der Renovierung erst ergaben und deshalb im Kontrakt nicht eingeschlossen worden waren). In der großen Summe der paktierten Malerarbeiten sind sowohl die Altarrenovierunger inbegriffen, wie aus dem Zusammenhang der Abrechnung her- vorgeht, als notwendigerweise auch die Ausmalung.

Greitmann ist in der Malerabrechnung der Kirchenrenovierung 1743/46 nicht genannt. Er muss also unter der Regie des Fassmalers und Vergolders Feichtmayr gearbeitet haben; ein Vorgehen, das nicht ungewöhnlich war.

 
Der Kirchenraum nach Westen mit dem Nonnenchor

Die Prioratschronik nennt als Jahre der Renovierung 1743-46. Da die Freskoarbeiten am Gewölbe erfahrungsgemäß meist zu Beginn einer Restaurierung ausgeführt wurden, weil dafür Gerüste nötig waren, kann man die Ausmalung von St. Walburg 1743/44 ansetzen.

Vitus Joseph Greitmann wurde am 27.12.1712 als Sohn des Burgheimer Malers Anton Greitmann und seiner Ehefrau Anna in Burgheim geboren. Von seiner Ausbildung und seinen Wanderjahren ist nichts bekannt. Die erste bekannte Arbeit ist das 1741 signierte Fresko der oberen Gruftkapelle in St. Walburg. Nach dem Tod seines Vaters heiratete er am 7.5.1742 in Burgheim Maria Theresia Kirchbäurin und freskierte 1743/44 die Klosterkirche St. Walburg. Die nächsten bekannten Freskierungen Greitmanns entstanden in Flotzheim 1750 und in Warching 1753 (beide Lkr. Donau-Ries).

Johann Jakob Feichtmayr (* 19.7.1704 Söflingen bei Ulm † 11.6.1767 Eichstätt), Sohn des Wessobrunners Maurermeisters Caspar Feichtmayr d. J., war Fassmaler und Vergolder. Er erhielt 1736 in München das Meisterrecht: »hat sein Kunst erlehrnet bey Dominicus Lang, Maler in Weilheimb, ist auf die Mathias Lederwascherische Gerechtigkeit einkommen ... dieser ist von hier weckhgezogen 1739« (Liedke, Meisterbuch S. 52, 57). Noch vor seiner Münchner Zeit hat Feichtmayr laut Saur (Bd 37, S. 517) 1733 zwei Seitenaltäre im Eichstätter Dom gefasst. 1739 hat er den Auftrag zum Hochaltar des Eichstätter Doms erhalten: das war offensichtlich der Grund für seinen Wegzug aus München. Er fasste auch die Hochaltäre in der Schutzengelkirche und in der Augustiner-Chorherrenstiftskirche Rebdorf. »Bereits 1754 erhielt er in Eichstätt den Hofschutz und eine Wohnung auf der Willibaldsburg zugewiesen... Feichtmayr, der als Vergolder und Faßmaler ein Monopol in Eichstätt genoß« (Lexikon der Wessobrunner, S. 94), wird außerdem für Fassmalereien in Berg am Laim, im Münchner Törring-Palais und in der Benediktiner-Abteikirche Rott am Inn genannt, nie jedoch als Freskant.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Langhaus (A-C, T1-3,1-6, a-h) Tonnengewölbe mit Stichkappen, Chor (D) Tonnengewölbe mit Stichkappen. Langhauskapellen (K1-8) Quertonnen Rahmen: A–D stuckierte Blatt- und Blumenkränze, begleitende schmale Goldrahmen; 1–6 ovale Blattkränze mit begleitenden Goldleisten; a–h ovale Blattkränze mit begleitenden Goldleisten; K1-8 ornamentierte vergoldete Stuckrahmen Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 17,10 m; 3,20 × 2,79

B Höhe 17,10 m; 2,75 × 2,75

C Höhe 17,10 m; 2,75 × 2,75

D Höhe 15,20 m; Ø 3,50

K1-8 1,40 × 2,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei der großen Innenrestaurierung 1860/63 wurde die Raumschale im Stil der Zeit neu gefasst, ebenso die Altarausstattung. An einigen Stellen wurde eine graublaue Tünche an Stuck wie an Stuckrücklagen festgestellt. Arbeiten an den Fresken in dieser Zeit sind nicht überliefert.

Die nächste Innenrestaurierung 1907/08 brachte eine farblich leicht differenzierte Neufassung der Raumschale; Freilegungsarbeiten, Ergänzungen und Ausbesserungen am Stuck durch Bildhauer Georg Wiedmann. Überarbeitung bzw. Übermalung der Fresken durch den Augsburger Kunstmaler Franz Xaver Zimmermann - mit teils schwerwiegenden Eingriffen in den Bestand; die Retuschen »gingen teilweise so weit, dass ganze Gewänder umgefasst wurden« (Grund, S. 43), und leider wurden die Retuschen qualitativ so gut ausgeführt, dass sie kaum mehr abnehmbar waren. Außerdem wurden die Deckenbilder gefirnisiert.

Bei der nächsten Innenrestaurierung 1957/58 hatte man zwar zunächst den Vorsatz, den Raum auf die Fassung von 1743/44 zurückzuführen, fasste dann aber die Flächen des Gewölbes und der Emporenbrüstungen in Morellensalzrot, die Stuckaturen weiß. Die Kirchenmalerarbeiten wurden durch die Eichstätter Firma Konrad Schmer ausgeführt. Die Fresken wurden

 
Die Langhausdecke: A-C Die Eichstätter Patrone Walburga, Willibald und Wunibald, 1-4 Heilige, a-f Marienleben, K1-6 Kapellendecken (Vitus Joseph Greitmann 1743/44)
 

== EICHSTÄTT ST. WALBURG == durch den Münchner Kunstmaler Max Vogt restauriert. Ziel war, den Firnis und die Übermalungen Zimmermanns von 1907 abzunehmen. Wegen der äußerst haltbaren Retuschen von 1907/08 ging man teilweise sehr rabiat vor und reinigte mit der Drahtbürste, was schwere Abriebschäden hinterließ. Irrtümlich beseitigte man auch Teile der Freskierung von 1743/44 zugunsten der Freskierung von 1706 – wie bei den Kapellenfresken K1-7, wo Bilder aus dem Leben der hl. Walburga, die man für Arbeiten Zimmermanns hielt, zugunsten der Engelsbilder von 1706 abgenommen wurden. Am Chorbogen beseitigte man die Dekorationsmalerei von 1743/44 zugunsten der älteren Bemalung; das Mittelbild blieb im Zustand von 1743/44 erhalten, nur die Übermalungen von 1907 wurden entfernt.

 
C Glorie der hl. Walburga – Walburga als Fürbitterin, 1–2 Eltern Walburgas, a-b Marienleben, T, Joseph mit dem Jesusknaben, CB Stifterbild

Bei der letzten großen Innenrestaurierung 1994–98 war Grundlage für das Konzept zur Raumfassung die Rokokoumgestaltung von 1743/46 mit der einheitlichen Fassung von Stuck und Flächen in leicht gebrochenem Kalkweiß. Die Kirchenmalerarbeiten wurden durch die Firma Rudolf Pfaller aus Ingolstadt ausgeführt: Reinigung der Raumschale mit nassen Schwämmen, Festigung des Stucks, Neufassung, Rekonstruktion der Inschrift am Chorbogen. Die für 1706 und 1743/44 nachgewiesene Vergoldung der Freskenrahmen, die 1906/07 und 1957 nur ocker überfasst wurden, wurde wiederhergestellt.

Der Zustand der Fresken war sehr problematisch. Sie waren verschmutzt, zeigten viele Risse, die Drahtbürstenbehandlung von 1957/58 hatte schwere Schäden hinterlassen, die Leimfarbenretuschen von 1957/58 waren krepiert, die noch vorhandenen Retuschen von 1906/07 praktisch unabnehmbar. Restaurierung der Fresken durch Claus Peter Mayer, Regenstauf. Der Putz wurde gefestigt, die Risse geschlossen, die Fresken trocken gereinigt, die Leimfarbenretuschen von 1957/58 mit destilliertem Wasser abgenommen, die Fehlstellen eingebunden.

 

Auf das Abnehmen der Retuschen von 1906/07 musste man verzichten. Angesichts der Geschichte der Freskierung über die Jahrhunderte weg kann es trotz der Bemühungen der letzten Restaurierung nicht erstaunen, dass ihr Zustand im Ganzen nicht gut ist – dass die Bilder leider irreversibel geschädigt sind.

Beschreibung und Ikonographie

A-C DIE EICHSTÄTTER PATRONE WALBURGA, WILLIBALD UND WUNIBALD Die Heiligen Walburga, Willibald und Wunibald waren Geschwister, deren Eltern in den ältesten Quellen als edle Angelsachsen bezeichnet sind. Erst spätere Quellen nennen als Namen der Eltern Richard (ab 12. Jh.) und Wuna (Wunna; ab Mitte 15. Jh.) und bezeichnen Richard als König von Wessex. Die Söhne Willibald und Wunibald (Wynnebald) wurden in den Jahren 700 und 701, die Tochter Walburga um das Jahr 710 geboren. Das Paar hatte noch weitere Kinder. Die Heiligen Bischof Bonifatius von Mainz, Abt Sola von Solnhofen, Bischof Burchard von Würzburg, Bischof Willibrord von Utrecht und Abtissin Lioba von Bischofsheim werden als Verwandte genannt. Schon Bischof Gundekar II. (1057–75) erwählte die Geschwister zu seinen Patronen. Walburgas Grabstätte ist die untere Gruft in St. Walburg, wenn auch Reliquien von ihr weit verstreut sind. Willibald liegt am Altar des Westchores im Eichstätter Dom. Wunibald war in Heidenheim begraben, sein Grab ist verloren, doch besitzt Eichstätt Reliquien von ihm.

A WUNIBALD VON HEIDENHEIM IN DER GLORIE Ansicht nach O. Himmelsszenerie. In der Mitte schwebt auf Wolken kniend der hl. Wunibald im Benediktinerhabit, Engel tragen ihm Mitra und Pedum als Zeichen seiner Abtswürde von Kloster Heidenheim. Ein weiterer Engel, der eine Krone hält, erinnert an die königliche Herkunft.

Wunibalds

Der Heilige weist mit der Linken auf sein Attribut, eine große Kirche, getragen von zwei großen Engeln. Diese Kirche ist dem Dom von Fulda sehr ähnlich, bedeutet aber hier wohl die Klosterkirche von Heidenheim. Wunibald blickt zum Himmel, wo in hellem Licht, von Strahlen und Puttenköpfchen umgeben, das Auge Gottes erscheint. Die Dreiecksform um das Auge Gottes, die zusammen mit diesem das Dreifaltigkeitssymbol ergibt, ist hier aus einem Zepter, einem Flammenschwert und einem grünenden Stab gebildet, wobei das Zepter Gottvater bedeutet, das Flammenschwert auf Christus als Weltenrichter weist und der grünende Stab auf den Heiligen Geist.

Der hl. Wunibald (Wynnebald) von Heidenheim (Fest 15.12.), Bruder von Willibald und Walburga, 701 in Wessex geboren, ging 720 zusammen mit dem Bruder Willibald nach Rom; an dessen Pilgerreise (ab 723) ins Heilige Land konnte er wegen seiner lebenslang schwachen Gesundheit nicht teilnehmen. Er blieb in einem römischen Kloster. Der hl. Bonifatius, sein Landsmann und Verwandter, gewann ihn bei seiner dritten Romreise 739 für die Mission im Gebiet des heutigen Thüringens, weihte ihn zum Priester und setzte ihn als Seelsorger über sieben Kirchen, die Wunibald von Sulzenbrücken bei Erfurt aus leitete. Nach der Überlieferung wurde er um 746 zur Mission in die Oberpfalz geschickt, weitere vier Jahre lebte er als Stadtseelsorger und Prediger in Mainz. Schließlich kam er zu seinem Bruder, dem Eichstätter Bischof Willibald. Im Unterschied zu dem kirchenpolitisch tätigen Bruder suchte er die Einsamkeit und das mönchisch-asketische Leben. Er gründete zusammen mit Willibald 751/52 das Kloster Heidenheim und wurde dessen erster Abt. Heidenheim war Missions- und Kulturposten für das mittlere Sualafeld, dessen Einwohner zwar bereits christianisiert, in Glaube und Sitte aber wieder verwildert waren. Wegen seines missionarischen Eifers wurde er von der Bevölkerung teils geliebt, teils abgelehnt. In seinen letzten Lebensjahren war er schwer krank; sein Wunsch, den Rest seines Lebens in Montecassino zu verbringen, konnte deshalb nicht erfüllt werden. Wunibald starb in Heidenheim am 18. 12. 761 in Gegenwart seines Bruders. Seine Nachfolgerin in der Leitung des Klosters Heidenheim wurde die Schwester Walburga. Wunibalds Gebeine ließ Willibald 777 erheben und in der Krypta der neuen Klosterkirche beisetzen; 1359 wurde er im neuen Chor der Kirche begraben. Das Kloster Heidenheim bestand nur bis 1537. Das spätgotische Hochgrab Wunibalds ist erhalten, die Gebeine des Heiligen in Heidenheim sind verschwunden, doch befinden sich in Eichstätt viele Reliquien von ihm.

B BONIFATIUS WEIHT WILLIBALD ZUM BISCHOF

Links im Bild erhebt sich eine prachtvolle Portalarchitektur mit kannelierten Säulen, die einen purpurfarbenen, goldbestickten Baldachin mit Lambrequins und Quasten tragen, der über einem goldenen Thron in Rokokoformen gespannt ist. Begleitet von zwei schwarzgekleideten Pagen, deren vorderer auf das Geschehen hinweist, steht Bonifatius vor dem Thron und neigt sich mit ausgebreiteten Händen zu Willibald, der vor ihm kniet. Beide tragen das liturgische Festgewand, über Albe und reichbesticktem Untergewand das Pluviale, Bonifatius auch die Mitra. Dieses bischöfliche Würdezeichen wird Willibald soeben aufgesetzt. Das Pedum, den Bischofstab, hält er bereits in der Rechten. Im Hintergrund – in respektvoller Entfernung von dem feierlichen Ereignis – hat sich viel Volk versammelt und beobachtet die Bischofsweihe. Dahinter gibt das Bild Ausblick auf eine bergige Landschaft. Vor dem blauen, hellbewölkten Himmel fliegen Putten, auf die vom Bildrand ein Gnadenstrahl fällt: einer hält eine Krone, einer ein Zepter. Diese königlichen Würdezeichen weisen auf Willibalds legendäre königliche Abkunft hin.

Der hl. Willibald von Eichstätt (Fest 7.7.) wurde im Jahr 700 im südenglischen Königreich Wessex geboren. Nach der Eichstättischen Überlieferung war er Sohn von König Richard, dem König des Teilkönigreichs Wessex in Südengland. Aufgrund eines Gelübdes, das die Eltern bei einer tödlichen Krankheit des Dreijährigen abgelegt hatten, wurde er als erst fünf- bis sechsjähriges Kind in das Kloster Waltham gebracht und dort erzogen. Zusammen mit dem Vater und dem Bruder Wunibald machte er sich im Jahr 720 auf eine Pilgerfahrt nach Rom auf. Der Vater starb auf der Reise, die Brüder aber trafen am 11. 11. 720 am Grab des Apostelfürsten ein. An Ostern 722 brach Willibald von Rom aus zu einer Pilgerfahrt ins Heilige Land auf, wo er im Herbst 723 eintraf, die heiligen Stätten besuchte und drei Jahre blieb. 727 segelte er von Tyrus aus nach Konstantinopel; dort lebte er als Rekluse in einer Zelle in der Apostelkirche (727–29). Anschließend kam er über Neapel nach Montecassino (729–39), wo er erst Sakristan, dann Dekan und schließlich acht Jahre Pförtner war. Im Jahr 739 musste er einen spanischen Priester nach Rom begleiten, wo Papst Gregor III. auf ihn aufmerksam wurde und sich von seinen Reisen berichten ließ. Auf den Wunsch des hl. Bonifatius hin, der vom Papst mit der Organisation der Kirche in Bayern, Thüringen und Hessen beauftragt war, sandte Gregor III. Willibald zu ihm; er traf im Jahr 740 Bonifatius, der ihm die Gegend um Eichstätt als Wirkungsfeld zuwies. In Eichstätt befand sich damals schon eine Marienkirche. Dort weihte Bonifatius Willibald am 22. 7. 740 zum Priester, und schon kurz darauf, am 22. 10. 741, fand die Bischofsweihe Willibalds durch Bonifatius in Sulzenbrücken bei Erfurt statt, wo Willibalds Bruder Wunibald damals wirkte. Willibald übernahm die neuerrichtete Diözese Eichstätt, wählte das Marienkloster als Bischofsitz, baute die Bischofskirche in Eichstätt und missionierte mit Erfolg. 751/52 gründete er mit Wunibald das Kloster Heidenheim. Er starb in Eichstätt am 7. 7. 787 (?) und wurde im Chor seiner Kirche begraben. 989 überführte Bischof Reginold (966–91) seinen Leib in die von ihm neuerbaute Westkrypta des Doms. Seit 1269 ruhen Willibalds Reliquien auf dem Hauptaltar des Westchors im Dom.

C GLORIE DER HL. WALBURGA – WALBURGA ALS FURBITTERIN

Vor bewölktem, dramatisch beleuchteten Himmel tragen Engel in einer vielfigurigen, bewegten Gruppe Walburga nach oben. Um ihr Haupt leuchtet heller Glorienschein. Die Heilige ist auf einer Steinplatte stehend dargestellt, im Habit der Benediktinerinnen. Zum Zeichen ihrer Würde als Abtissin von Heidenheim hält sie das Pedum in der Rechten und ihr persönliches Attribut, das Ölfläschchen, in der Linken. Die Steinplatte ist wohl Hinweis auf die Steinplatte, unter der das Walburgisöl hervorsickert. Sie kann aber auch an ein Wunder bei ihrer Beerdigung erinnern, denn Gottvater »begabte sie mit einer so glorificirten Gestalt, dass ihr heiliger und engelreiner Leib vilen (so es zu sehen würdig waren) eber dazumahl als selber auff die Baar gehebet worden, so unaussprechlich schön und glorreich erschienen, als hätte er schor würcklichen das Kleyd der Unsterblichkeit angezogen« (Goudin I, S. 52f.).

Unter dieser Gruppe im Himmel drängen sich auf einer Wiese, die links von Bäumen abgeschlossen ist, Bittflehende, Kranke und Bresthafte, sowie zwei Mütter mit ihren kranken Kindern. Sie halten flehend Gefäße nach oben, um das wunderwirkende Walburgisöl aufzufangen, das von zwei Engeln bei der Heiligen aus Fläschchen nach unten ausgegossen wird.

Die Kirchenpatronin Walburga von Eichstätt (Fest 25.2.), Schwester der Heiligen Willibald und Wunibald, wurde um 710 als Tochter von Richard und Wuna aus vornehmer Familie im südenglischen Wessex geboren. Sie wurde zusammen mit Lioba vermutlich im Kloster Wimborne erzogen und später zusammen mit ihr vom hl. Bonifatius zur Mission nach Germanien gerufen. Sie arbeitete zunächst unter Lioba, die ab 735 Abtissin im Kloster Bischofsheim an der Tauber war. Walburgas Bruder Willibald, inzwischen Bischof von Eichstätt, gründete 752 das Kloster Heidenheim, dessen Abt Wunibald wurde. Nach dem Tod Wunibalds 761 kam Walburga nach Heidenheim und übernahm als Äbtissin die Leitung des Klosters, das unter ihr zum Doppelkloster wurde. Sie starb im Jahr 779. Ihre Reliquien wurden 870/79 nach Eichstätt transferiert. An der Steinplatte, auf der ihr kleiner Reliquiensarkophag steht, bildeten und bilden sich verhältnismäßig regelmäßig wasserähnliche Tropfen, die als Walburgisöl in kleine Fläschchen gefüllt werden. Dieses ›Öl‹ gilt als heilkräftig und wird hoch verehrt (s. S. 102–04).

 
D Heiligenhimmel (Vitus Joseph Greitmann 1743/44)

EICHSTÄTT ST. WALBURG

 
h Krönung Mariens

D HEILIGENHIMMEL Dicht gedrängte Darstellung. Im Zentrum ist das Bild etwas aufgelichtet: Hier erscheint, aus Wolken über der Weltkugel thronend, die Dreifaltigkeit Christus mit dem Kreuz, Gottvater mit dem Zepter und die Geisttaube vor der blauen Weltkugel. Seitlich davon kniet aus einer Wolke anbetend die kleine Gestalt Mariens. Ringsum folgt nun dichtgedrängt und in der Größe von außen nach innen gestaffelt eine große Schar von Heiligen. Sie sind wegen des schlechten Erhaltungszustands zum größten Teil kaum zu identifizieren.

Unter der Dreifaltigkeit am Bildrand sitzt der Apostel Petrus, der die Schlüssel hält. Rechts davon ist ein Diakon zu sehen, der einen großen Stein (?) auf dem Schoß hat – der Erzmartyrer Stephanus. Auf Stephanus folgt Sebastian mit den Pfeilen. Als nächstes ist kenntlich der Apostel Simon mit der Säge, daneben Johannes der Evangelist mit dem Kelch. Die nächsten Figuren haben keine erkennbaren Attribute. Im Hintergrund sind hier zwei Benediktinerinnen dargestellt. Es folgt ein Bischof mit Mitra und Pedum, dann ein kräftiger bärtiger Mann mit einem langen, nicht erkennbaren Gegenstand. Als nächstes kommt Johannes der Täufer, der am Kreuzstab zu identifizieren ist. An dieser Stelle sind im Hintergrund weibliche Heilige, die Palmzweige halten und dadurch als Märtyrinnen gekennzeichnet sind. Neben Johannes sitzt ein Bischof, der ein Buch hält, dann ein männlicher Heiliger mit Palme und wieder ein Bischof. Als nächster thront im Vordergrund auf einer Wolke Vitus mit dem Ölkessel, neben ihm ein Mönch mit einem Kreuzchen in der Hand und ein Franziskaner. Klar zu erkennen sind die darauf folgenden Apostel Jakobus der Jüngere mit der Keule und Thomas (bzw. Matthias) mit der Lanze. Nach einem blaugekleideten Heiligen schließt sich der Kreis mit dem Apostel Paulus, der das Schwert hält. Im Hintergrund sind hier wieder weibliche Märtyrer zu sehen.

 
 

1 RICHARD DER ANGELSACHSE Auf einem Kissen kniet Richard als König, mit Krone und hermelingefüttertem Mantel. Er blickt zum Himmel und hat die Hände zum Gebet gefaltet. Hinter ihm sind zwei Soldaten zu sehen sowie zwei weitere mit einem Zepter. Der Vater der Geschwister Willibald, Wunibald und Walburga war nach der Legende König in England. Er begleitete seine Söhne Willibald und Wunibald auf eine Pilgerfahrt nach Rom, starb aber von den Strapazen der Reise geschwächt unterwegs in Lucca, wo sich in der Kirche San Frediano heute noch sein Reliquienschrein befindet. Der Name Richard »ist normannisch und stammt erst aus dem 10. Jh., noch jünger ist die Legende von seiner königlichen Würde. Seine kirchliche Verehrung datiert seit der Elevation (1154?) in San Frediano zu Lucca; von hier aus wurde sie sofort nach Eichstätt verpflanzt« (Zimmermann 1934, II. S. 415). Luidl (Teil I, Cap. II: Ob der H. Richardus aus Königl. Stammen entsprossen, und ein würcklicher König in England gewesen seye?) diskutiert die Frage um das Königtum Richards ausführlich (S. 107–64) und kommt im wesentlichen zu dem Schluss, es sei legendär: Bischof Gundekar II. (1057–75) sei der erste gewesen, der den Vater Willibalds als König nannte – in den älteren Urkunden werde das nicht erwähnt. Trotz aller Widersprüche beharre aber die Eichstätter Tradition auf Richards Königtum; diese Tradition, die Luidl auf mündliche Überlieferung der ältesten Zeit zurückführt, habe letztlich größeres Gewicht.

2 KÖNIGIN WUNA (Wunna) Dieses Bild ist ein Gegenbild zum vorigen und die Identität der Dargestellten erhellt daraus. Es ist die Mutter der drei Eichstätter Heiligen Willibald, Wunibald und Walburga und die Gemahlin Richards. Sie kniet in einer Landschaft mit Allee, ist reich geschmückt und trägt königliche Kleidung. Hinter ihr sind zwei Pagen, deren einer sie mit einem Sonnenschirm schützt, sowie zwei begleitende Frauen. Der Name ›Wuna‹ für die Mutter der drei Eichstätter Heiligen taucht erst in einer Legende des 15. Jh. auf.

 
 
 
Der Nonnenchor und die Orgelempore mit EB1-4 Musizierende David, Cäcilia und Engel, EB11-14 Wunderbare Heilungen durch das Walburgisöl

5 DER EREMIT SOLA VON EICHSTÄTT (Fest 3./5. 12.) Einsame Waldlandschaft. Am Eingang einer aus Holz gezimmerten Hütte steht Sola im Benediktinerhabit. Er breitet segnend die Arme aus. Drei jammervolle Gestalten flehen ihn um Hilfe an: Ein Krüppel, der sich auf kleinen Gestellen für die Hände vorwärtsbewegt, ein Stummer, der auf seinen Mund weist und ein im Vordergrund liegender offensichtlich Schwerkranker, der auf seine Brust zeigt.

Der angelsächsische Mönch Sola kam auf Veranlassung des hl. Bonifatius um die Mitte des 8. Jh. in das Frankenreich und ließ sich in Husen (Solnhofen) als Missionar nieder. Er starb 794. Seine Reliquien wurden um 840 erhoben (sie sind seit der

 
 

Reformation verschwunden). Sola galt als Verwandter der Geschwister Willibald, Wunibald und Walburga. Seine Vita berichtet über die Heilung eines Blinden, eines Gelähmten und eines Taubstummen sowie von Besessenen (Vita des Ermanrich, s. Schauer 1994, S. 25).

6 DIE ÄBTISSIN LIOBA VON BISCHOFSHEIM (Fest 28.9.) Innenraum mit Ausblick in eine Allee. Lioba sitzt an einem Tisch, auf dem ein Kruzifixus steht. Sie trägt den Habit der Benediktinerinnen und hat ein geöffnetes Buch auf dem Schoß. Vor ihr tritt ein Putto mit dem Fuß auf ein Buch und hält stattdessen der Äbtissin ein geöffnetes Buch vor die Augen. Lioba galt wie Sola als Verwandte der Eichstätter Heiligen und war nach der Legende mit Walburga auf den Wunsch des hl. Bonifatius hin in das Frankenreich gekommen. Sie wurde die erste Äbtissin von Bischofsheim an der Tauber (Tauberbischofsheim). Lioba wird oft mit Büchern dargestellt, weil sie Verfasserin theologischer Schriften war. Sie starb um 782 in Schornsheim bei Mainz.

a-h SZENEN AUS DEM MARIENLEBEN (Ausmalung 1706) In den kleineren Ovalfeldern der Stichkappen des Langhausgewölbes sind Szenen aus dem Marienleben dargestellt. Die Folge ist chronologisch geordnet von Ost nach West, jeweils von Nord nach Süd springend. Dem folgt die Zählung (Abb. S. 86, 87, 91).

a IMMACULATA – RATSCHLUSS DER ERLÖSUNG Maria steht auf der in Wolken schwebenden Weltkugel, um die sich die Schlange windet. Sie trägt ein rotes Kleid und einen wehenden blauen Mantel und hat einen Blütenkranz auf dem Haupt. In der Rechten hält sie die Lilie als Symbol der unbefleckten Empfängnis. Über ihr erscheint auf Wolken Gottvater; von der Taube des Geistes fällt ein Gnadenstrahl auf die Lilie.

b GEBURT MARIENS Vier Mägde bemühen sich um das neugeborene Kind Maria: eine hält es in den Armen, eine kümmert sich um die Wiege, eine hält ausgebreitet ein weißes Tuch. Im Hintergrund ist das Himmelbett der Mutter Anna zu sehen, die auf ihr Kind blickt.

c TEMPELGANG Gepflasterter, von Bäumen umgebener Vorhof. Rechts erhebt sich das Tempelportal. Links stehen Joachim und Anna. Das Mädchen Maria steigt die Stufen zum Tempel empor und wird vom Hohenpriester empfangen.

d VERKÜNDIGUNG Maria, in rotem Kleid und blauem Mantel, auf dem Haupt einen Schleier, kniet links am Boden. Vor ihr erscheint der Verkündigungsengel mit der Lilie.

e HEIMSÜCHUNG Rechts führen hohe Stufen zum Portal im Haus des Zacharias. Maria schreitet sie empor, Elisabeth empfängt sie. In der Türöffnung sieht man Zacharias. Unter einer Palme links ist Joseph mit dem Esel dargestellt, im Hintergrund eine Pyramide. Über der Szene spannt sich ein blauer Himmel mit rosigen Wolken.

f WEISSAGUNG DES SIMEON Der greise Simeon, begleitet von zwei Engeln, steht vor dem Altar und hält das Jesuskind auf den Armen. Vor ihm kniet Maria, hinter der Joseph mit einer Kerze zu sehen ist.

g TOD MARIENS Maria liegt im Bett, neben ihr steht Johannes. Die übrigen Apostel sind rings um die Sterbende versammelt. Über ihr schwebt Christus als Auferstandener.

h KRÖNUNG MARIENS In der Bildmitte schwebt Maria auf Wolken, die von vier großen Engeln getragen werden. Über Maria thronen Gottvater und Christus, die gemeinsam eine Krone über ihr Haupt halten.

Der Chorbogen ist mit einer illusionistischen, goldfarbenen Draperie bemalt, ähnlich einem Theatervorhang mit Zugchnüren. Je zwei Engel rechts und links halten die reichen, goldenen Stoffmassen (1706). Am Chorbogen befindet sich ein Bildfeld und unter diesem Bild eine kleine Kartusche mit der Inschrift S./WALBURGA/ora pro nobis (Abb. S. 80, 85).

 
K, Engel mit Harfe
 
K. Ankunft in Mainz, W. Mechthild von Hackeborn
 
EB13 Rettung vor Dämon? und Ast

CB STIFTERBILD (Ausmalung 1743/44) In einer weiten Landschaft, in deren Hintergrund links die Willibaldsburg zu sehen ist, steht auf Stufen eine fragile Rokokoarchitektur, ein von vier zarten Säulchen getragenes ornamentiertes Dach. Unter diesem Dach, das kleine Tempelchen ganz einnehmend, steht ein merkwürdiges goldenes, reich verziertes Rokokosofa, ein breiter Thronsitz. Über diesem Thronsitz schweben Putten, auf den Stufen liegt ein Buch bzw. ein Schriftstück. Zwei Personen knien auf den Stufen zum Thron: Links ein junger, vornehmer Herr, rechts ein Bischof. Beide haben im Hintergrund Begleiter bei sich. Die Darstellung war bisher ungeklärt (Zunker 2001, S. 12). Die Inschrift darunter lässt vermuten, dass es sich um einen Thron handelt, der der Heiligen Walburga bereitet ist. Bei der Figur des Adeligen handelt es sich um den Stifter des Klosters St. Walburg, Graf Liutger (†1074), bei der Figur des Bischofs um den Eichstätter Bischof Heribert (1022-42), der die Stiftung veranlasst hat. Das Schriftstück auf den Stufen dürfte die im Klosterarchiv noch erhaltene Gründungsurkunde von 1035 darstellen, sodass man das Chorbogenbild wohl als abbreviiertes Gründungsbild bezeichnen kann.

K1-8 Die querovalen Bildfelder der sechs Kapellengewölbe am Langhaus und der beiden entsprechenden Gewölbe im

 

Emporenbereich (Zählung im S und im N jeweils von W nach O) wurden bei der Ausmalung 1706 mit Engelsdarstellungen bemalt. Die sechs Deckenbilder der drei Kapellen (K2-4 und K6-8) wurden 1743/44 mit Darstellungen aus dem Leben der hl. Walburga übermalt; das Bildpaar im Westen (K1 und K5) wurde damals nicht verändert und zeigt heute noch die Engel von 1706. Von den Szenen aus dem Leben Walburgas blieben die drei südlichen (K2-4) erhalten, bei den drei gegenüberliegenden im Norden (K6-8) wurden bei der Restaurierung 1957/58 versehentlich die Engel von 1706 freigelegt.

K1-5 (Nordseite und Emporenbereich) MUSIZIERENDE ENGEL (Ausmalung 1706) Bei den Bildern handelt es sich jeweils um eine Gruppe von drei Engeln auf Wolken vor goldockerfarbenem Grund (Abb. S. 85 und 92).

K1 Zwei Engel mit Viola, einer mit Laute.

Ein Engel mit Posaune und zwei mit Trompeten.

K2 Zwei Engel mit Viola, einer mit Kontrabass.

K4 Ein Engel in der Mitte spielt Orgel, links sind Engel mit Violincello und Bassgeige sowie Posaune zu sehen, rechts singende Engel mit Notenblättern.

K5 In der Mitte ein Engel mit Harfe, links Engel mit Flöten, rechts mit Trommel und Posaune.

K6-8 (Südseite) SZENEN AUS DEM LEBEN DER HL. WALBURGA (Ausmalung 1743/44; Abb. S. 92) Nach Goudin lebte Walburga nach dem Tod des Vaters auf dessen Burg mit anderen edlen Jungfrauen in klosterähnlicher

 
EB8 Heilung einer Sterbenden durch das Walburgisö
 

Gemeinschaft. Zur Zeit der intensiven missionarischen Zusammenarbeit Willibalds und Wunibalds mit Bonifatius in Thüringen und Hessen schickte Bonifatius – nach anderen Berichten die beiden Brüder – eine Gesandtschaft nach England mit der Aufforderung, Walburga solle zu ihnen kommen. Walburga verließ England nach der Überlieferung mit 30 Jungfrauen, unter denen sich Lioba und Thekla befanden. Die Seereise verlief zunächst gut, dann aber kam ein schwerer Sturm auf und sie gerieten in Lebensgefahr. Walburga flehte vom Bug des Schiffes aus Jesus um Rettung an, worauf sich der Sturm legte. Die Jungfrauen kamen endlich am 4.8.748 in Mainz an und wurden von Bonifatius und Willibald begrüßt. Diese sagten ihr, dass Wunibald in Thüringen ein klösterliches Leben führe, worauf Walburga zu Wunibald zog und darum bat, am klösterlichen Leben teilnehmen zu dürfen, was ihr gewährt wurde.

K6 AUFBRUCH IN ENGLAND Links zeigt das Bild einen Wald, dann fällt der Schauplatz nach rechts zum Meer hin ab. Dort ist der Mast und die Takelung eines Schiffes zu sehen. Ein großer junger Ritter steht am Rand des Waldes und verabschiedet sich von Walburga, die im Begriff ist, mit ihrem Gefolge zum heiligen Bonifatius zu fahren. Im Hintergrund bringen eine Jungfrau und drei Knechte das Gepäck zum Schiff.

K7 ANKUNFT IN MAINZ Links sieht man ein großes Schiff, an dessen Deck sich Schiffsleute und die Jungfrauen im Gefolge Walburgas drängen. Walburga hat das Schiff bereits verlassen. Sie trägt fürstliche Kleidung und eine Krone und verneigt sich vor einem Bischof, der sie vor einem Palast am rechten Bildrand empfängt. Der Bischof trägt eine goldene Mitra und ein goldenes Pluviale. Am Portal des Palastes ist ein Kanoniker in rot/violetter Kleidung zu sehen.

Nach einer langen, gefährlichen Seereise kam Walburga mit ihren Gefährtinnen am 4.8.748 in Mainz an und wurde nach der Überlieferung von Bonifatius und Willibald begrüßt: In dem begrüßenden Bischof auf dem Bild ist Bonifatius zu sehen. Der Kanoniker bei der Begrüßungsszene kann nicht Willibald sein, weil dieser schon 741 zum Bischof geweiht worden war.

K8 TOD DER HEILIGEN WALBURGA Walburga liegt auf ihrem Totenbett, in der Kleidung der Benediktinerinnen. Über sie ist eine dunkle Draperie gespannt. Um sie herum sind ihre Mitschwestern versammelt, trauernd und betend. Zwei Priester knien an ihrer Seite; einer segnet sie. Rechts geht der Blick ins Freie, in eine bergige Landschaft. Walburga starb im Jahr 779 in Heidenheim, wo sie nach Wunibalds Tod Äbtissin geworden war, und wurde zunächst auch in Heidenheim begraben.

Wa-h HEILIGE In verhältnismäßig kleinen Medaillonfeldern zwischen den Ovalfeldern der Decke und dem Ansatz der Fenster in den Wandflächen befinden sich Darstellungen von Heiligen. Die ehemals im Emporenbereich gelegenen Bilder dieser Serie (Wd, Wb) sind nicht erhalten.

 
 
 

Wa-d DIE VIER KIRCHENVÄTER (Nordseite, von O nach W) Sie halten alle ein Buch und meist dazu die Schreibfeder (keine Abb.; angedeutet S. 85 ganz links).

Wa Gregor der Große mit Tiara und Taube

Wb Augustinus mit brennendem Herz

Wc Ambrosius mit Bienenkorb

Wd Das Bildfeld im Emporenbereich ist leer. Hier war wohl ehemals Hieronymus dargestellt.

We-h WEIBLICHE ORDENSHEILIGE (Südseite, von O nach W) Die Frauen tragen den Habit der Benediktinerinnen; Mechthild war jedoch Zisterzienserin, Luitgard wechselte als Benediktinerin zu den Zisterzienserinnen.

We Gertrud die Große von Helfta (Fest 16./17. 11.) Nonne mit dem brennenden Herz vor der Brust, im Hintergrund Berg mit Kreuz. Im Buch die Inschrift: IN SINU /ALIOR /VM/ DIVINA/PIETATIS/LIB V. (nach Ranbeck).

Wf Mechthild von Hackeborn (?) Nonne, die auf der geöffneten rechten Hand ein sehr kleines Christkind hält.

Wg Luitgard von Tongern (?) Nonne, die ein Kreuz küsst. Im Emporenbereich, Darstellung verloren.

EB1-4 Die Bilder der Brüstung des oberen Chors, des Musikchors, beschäftigen sich wie üblich mit der Musik. In der Mitte, an der Ausbuchtung, sind in zwei größeren Bildern David und Cäcilia dargestellt, in den beiden flankierenden Bildern musizierende Engel.

EB1 DAVID PSALLENS (links) Landschaft mit Gebüsch. König David mit Krone und weitem roten Mantel spielt Harfe.

 
EB18 Rettung unter einem Fuhrwerk
 

EB2 CÄCILIA (rechts) Cäcilia, in wehendem Schleier, sitzt an einer Orgel inmitten einer weiten Landschaft.

EB3 ENGEL (links) Zwei Engel singen, einer spielt die Viola, einer die Oboe.

EB4 ENGEL (rechts) Drei Engel, die mit Pauken und Posaunen musizieren.

EB5-20 WUNDERBARE HEILUNGEN DURCH DAS WALBURGISÖL (1706) An den Brüstungen der Galerien und des Nonnenchores sind wunderbare Heilungen, Hilfen und Errettungen geschildert, die durch den Gebrauch des Walburgisöls bewirkt worden waren. Goudin zählt viele solcher Gnaden auf, doch können die Bilder seinen Berichten nur selten zugeordnet werden, weil sie erstens zum Teil sehr dunkel und Details kaum erkennbar sind, aber auch weil die Darstellungen oft ganz allgemeiner Natur sind: Meist erscheint über der Szene Walburga in Wolken, oft über den Betten von Kranken oder Sterbenden. Die Zählung beginnt im NO und läuft gegen den Uhrzeigersinn über die untere Empore nach SO.

 
 
 
EB1, Heilung eines Besessenen

EB5 Ein Bischof legt Walburga in einen Sarkophag. Es handelt sich bei dem Bischof wohl nicht um Walburgas Bruder Willibald, der sie begrub, sondern um Bischof Erchanbald (882–912), der die Gebeine zum zweitenmal erhob, einen Teil der Äbtissin Liubila nach Monheim schenkte und den Rest wieder bestattete. Erst danach begann das Öl zu fließen, durch das Walburga die im Zyklus folgenden Wunder wirkte.

EB6 Heilung von zwei Taubstummen (Goudin, S. 324–26: Heilung von Stummen; S. 336f.: Heilung von Tauben).

EB7 Heilung eines bettlägerigen Kranken.

EB8 Eine Frau auf dem Sterbebett wird durch das Walburgisöl geheilt.

EB9 Ein Mann, der von einem Priester bereits die Sterbesakramente erhält.

EB10 Heilung einer bettlägerigen Kranken.

EB11 Eine Besessene (Stumme) wird zur hl. Walburga gebracht.

EB12 Durch die Hilfe der hl. Walburga wird eine Feuersbrunst gelöscht (Goudin, S. 174–82: Hilfe der Heiligen und des wunderbaren Öls bei Feuer).

EB13 Die hl. Walburga erscheint zwischen zwei Gruppen, bei denen links eine Frau von einem kleinen Raubtier (Dämon?) angegriffen wird und rechts eine Frau durch einen Ast erschlagen ist.

 
 
 
 
EB20 Äbtissin und Nonne segnen einen Besessenen
 

EB14 Durch die Hilfe der hl. Walburga und das Bestreichen mit dem Walburgisöl wird ein Kind zum Leben erweckt, das in den Waschzuber gefallen war und von seinen verzweifelten Eltern bereits beklagt wurde (Goudin, S. 286).

EB15 Heilung eines Besessenen

EB16 Ein Mann wird gerettet, der von einem bissigen Hund angefallen wird.

EB17 Walburga heilt eine Frau, zwei andere stehen dabei. Ein Mann, der von einem Fuhrwerk überrollt wird, wird gerettet. EB19 Ein Toter wird von zwei Personen getragen, eine ältere Frau zerbricht ein Holzstück und fleht zur hl. Walburga. EB22 Eine Benediktineräbtissin samt Begleiterinnen spricht den Segen über einen Besessenen.

Von der Orgel verdeckte Bilder

MAURUS UND PLACIDUS Direkt an die Westwand anschließend liegt an der Decke ein Bildfeld in der Form eines halbierten Vierpasses. Links ist ein junger Benediktiner zu sehen, der sich zu einem zweiten Benediktiner rechts neigt, der nur zur Hälfte sichtbar ist. Obwohl die Darstellung nicht vollständig ist, ist ihr Thema zu erkennen: Es handelt sich um Maurus, den Schüler Benedikts, der auf Geheiss des hl. Benedikt über das Wasser ging, um seinen ertrinkenden Gefährten Placidus zu retten (LCI Bd 7, Sp. 614f., s.v. Maurus; Bd 8 Sp. 214f., s.v. Placidus).

WALBURGA MIT ENGEL An der Westwand selbst befindet sich ein großes Fresko, das wegen des Orgeleinbaus nur in kleinen Ausschnitten zu sehen ist. Es ist schlecht erhalten und zeigt viele Abriebschäden. In Wolken ist oben Walburga zu erkennen, über ihr ein Engel mit der Monstranz. Links unten sieht man die Gestalt einer Benediktinerin mit Notenständer (keine Abb.).

Das Walburga-Programm der Kirche wurde auf das 1664 entstandene Altarblatt von Joachim von Sandrart hin konzipiert und findet in diesem seinen triumphalen Abschluss. Walburga steht auf Wolken, von Licht umstrahlt, von Engeln begleitet und blickt auf zu dem Lamm, das vor einer Lichtglorie erscheint. Aus der Brustwunde des Lammes fließt Blut in einen Kelch, Hinweis auf die Erlösungstat Christi und Christi Blut als Heilsmittel. Rings um das Lamm bilden viele Engelsköpfe in konzentrischen Kreisen eine Erweiterung der Glorie. Große Engel beten das Lamm an. Zu Füßen Walburgas, im Hintergrund, sind ihre Eltern und Geschwister erkennbar. Unter der Heiligen ist ihr Grab dargestellt, der Schrein mit ihren Reliquien und der Schacht, in den das Walburgisöl fließt. Walburga wendet sich in einer Haltung der >Intercessio< an das Lamm, eine Hand auf die Brust gelegt, mit der anderen auf die Bittflehenden am untern Bildrand weisend, unter denen viele Mütter mit ihren kranken Kindern zu erkennen sind. Vom Grab der Heiligen aus fliegen Engel zu den leidenden Menschen und gießen über diese das heilbringende Walburgisöl.

Links unterhalb der Heiligen kniet der Stifter, Fürstbischof Marquard II. Schenk von Castell, gefolgt vom Domkapitel und von seinem Hofstaat. Vor ihm hält ein Engel ein großes Schriftblatt, auf dem das Gebet steht, das der Fürstbischof zum Himmel richtet: RESPICE DOMINE IN FACIEM CHRISTI TUI ET EX THRONO/AGNI PER INTERZES SIONEM/PATRONAE NOSTRAE BENEDIC/HAEREDITATI TUAE. Ganz am linken Bildrand, unter dem Gefolge des Fürstbischofs, hat sich der Maler Joachim Sandrart selbst dargestellt. Er blickt aus dem Gemälde heraus den Betrachter an.

Zwar wird im Hochaltarblatt das Blut Christi gewissermaßen in Parallele gesetzt zum Walburgisöl; gleichzeitig aber das Blutvergießen Christi und damit seine Erlösungstat als Voraussetzung dafür gezeigt, dass durch Vermittlung der heiligen Walburga Wunder geschehen und Bittflehende Hilfe finden können.

Im Langhaus befinden sich fünf große Ölgemälde von Judas Thaddäus Sauter, in reich geschnitzten Rokokorahmen. Die Bilder 1 und 2 hängen an der Innenseite des Chorbogens, die anderen an den Stirnseiten der Wandpfeiler. Sie zeigen antypische Szenen aus dem Alten und Neuen Testament für das Olwunder. Sie wurden nach Luidl von Äbtissin Adelgundis Pettenkofer 1748 in Auftrag gegeben. Alle diese Szenen finden sich auch im Freskenzyklus der unteren Gruft (s. S. 104-08).

Literatur siehe S. 108-10