Egloffstein, Schlosskirche St Bartholomäus

Friedrich, Verena:Egloffstein, Schlosskirche St. Bartholomäus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/a2e60a1e-606f-4841-9faf-ccc2162a0f6a

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Die evangelische Schlosskirche wurde 1750 unter Albrecht Christoph Karl Friedrich von Egloffstein neu errichtet und ausgemalt. Bibelworte begleiten die Tondi an der Decke mit dem Opfer Abrahams nach Maarten de Vos, der Heiligen Dreifaltigkeit, dem Guten Hirten und den vier Evangelisten.

Burg und Schlosskirche Egloffstein

Bei Burg Egloffstein handelt es sich um eine Spornburg, die sich auf der zweiseitig abfallenden, nach Osten gerichteten Felsnase des Rabensteins etwa 80 Meter über dem Ort und über das Trubachtal erhebt. Die barocke Schlosskirche steht an der Südfront der Burganlage und ist von dieser durch eine schmale Gasse getrennt. Von dem terrassenförmig angelegten Ort führt eine Steintreppe, der Burgsteig, zur Kirche hinauf.

Die Burg

Überblick über die Bau- und Besitzgeschichte

Bereits vor 1180 dürfte der markante Fels über dem Trubachtal den Herren von Egloffstein, einem turnierfähigen Bamberger Ministerialengeschlecht, als Standort für deren Stammburg gedient haben. Dennoch stammt der älteste urkundliche Nachweis der Herren von Egloffstein erst aus dem Jahre 1184.[1]

Die Burg dürfte bereits eine Kapelle besessen haben, denn am Margarethentag des Jahres 1358, dem 20. Juli, stifteten Albrecht II. von und zu Egloffstein und seine Brüder Otto I. und Hans III. sowie seine Vettern Hans I. von Egloffstein zu Ermreuth und Seiboldt II. von Egloffstein zu Wolfsberg auf ihre Kosten eine ewige Messe in der Kapelle zu Egloffstein.[2] Seit dieser Stiftung, die das Gehalt für einen Kaplan sicherstellte, wurde von der Pfarrei Kirchenehrenbach aus regelmäßig Gottesdienst in der Kapelle gehalten. Von der Mutterkirche Kirchenehrenbach wurde auch das Patrozinium des Apostels Bartholomäus übernommen.

Die mittelalterliche Burgkapelle zu Egloffstein befand sich an der Südostseite der Burg. Sie war in die untere Kemenate eingebaut, etwa dort, wo sich heute, unmittelbar neben der Burg, der Turm der barocken Schlosskirche erhebt.

Aus finanziellen Gründen und wohl auch aufgrund von Familienzwistigkeiten auf der Ganerbenburg Egloffstein, übereignete Jobst I. von Egloffstein im Jahre 1509 seinen Anteil an der Burg, die untere Kemenate, dem Hochstift Bamberg. Damit befanden sich alle Teile der Burg im Eigentum des Hochstifts und waren an die Herren von Egloffstein zu Lehen gegeben.

Im Bauernkrieg, 1525, brannten aufständische Bauern die Burg nieder. Die Entschädigungssumme in Höhe von 212 fl., die die damaligen Besitzer, Hans XII. von Egloffstein und Elisabeth, die Witwe des Jobst I. von Egloffstein erhielten, deckte nicht annähernd die entstandenen Schäden ab. Kaum jedoch war die befestigte Schlossanlage wiederhergestellt, wurde sie 1563 von Bamberger Landsknechten verwüstet, da sich der Schlossherr im Streit mit dem Bischof von Bamberg befand. Auch waren die Herren von und zu Egloffstein inzwischen protestantisch geworden und die ehemalige Wallfahrtskirche auf dem gegenüberliegenden Dietersberg diente als protestantische Pfarrkirche.[3]

Im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs wurden Ort und Kirche zwischen 1628 und 1637 kurzzeitig wieder katholisch. Währenddessen war das Schloss erstmals 1632 in Flammen aufgegangen und wurde auch in der Folge der weiteren Kriegsereignisse im Jahre 1645 nicht verschont. Nach dem Krieg begann man langsam mit dem Wiederaufbau und der Neubefestigung, wobei ältere Bauten weichen mussten. Ihr Kirchenpatronat konnten die Egloffstein wieder durchsetzen.

Im Jahre 1736 genehmigten die Herren von Egloffstein eine Kollekte zur Erweiterung der Pfarrkirche auf dem gegenüberliegenden Dietersberg.[4] Wenig später ließen die Brüder Albrecht Christoph Carl und Ludwig von Egloffstein an der Stelle der abgebrochenen unteren Kemenate die barocke Schlosskirche neu errichten, die heute als evangelische Pfarrkirche dient.[5]

Die barocke Schlosskirche St. Bartholomäus

Forschungsstand

Eine ausführliche Schilderung der Baugeschichte der Schlosskirche steht aus. Peter Poscharsky lieferte eine Beschreibung mit möglichen Zuweisungen, allerdings ohne Belege.[6] So ist dort zu lesen, dass die Pläne für die Schlosskirche der markgräflich ansbachische Landbauinspektor Johann David Steingruber geliefert haben soll.[7] Dies wurde in der neueren Literatur übernommen, obwohl es dafür ebensowenig Belege gibt, wie für die ebenfalls von Poscharsky geäußerte Annahme, der Altar könnte von der Werkstatt des Elias Räntz geschaffen worden sein.

Quellen

Im landeskirchlichen Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in Nürnberg (LAELKB) werden mehrere Pfarrbeschreibungen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert verwahrt. Unter der Signatur BKB 2.1.0002-908 findet sich zu Egloffstein eine Pfarrbeschreibung von Pfarrer Roßteuscher aus dem Jahr 1832 sowie eine Pfarrbeschreibung der Jahre 1834–1843 von Pfarrer Johann Michael Seitz. Die Beschreibung der Pfarrei Egloffstein aus dem Jahre 1864 wurde von Pfarrer Wilhelm Weigel verfasst Sie trägt die Signatur BKB 2.1.0002-5051. Schließlich gibt es noch eine Pfarrbeschreibung aus den Jahren 1919–1921 von Pfarrer Hans Eyermann unter der Signatur KDB 2.2.0003-832.

Die Baugeschichte der barocken Schlosskirche

Quellenmäßig belegbar ist, dass am 4. November 1749 mit dem Maurermeister Johann Georg Weihing aus Erlangen ein Vertrag darüber geschlossen wurde, die alte Burgkapelle niederzulegen und auf dieselbe Stelle eine neue, erweiterte Kirche zu bauen.[8] Weihing erhielt die Summe von 1735 fl. sowie 25 fl. Leihkauf. Außerdem wurde ihm freie Hand- und Spannfrohn zugesichert.

Am 2. April 1750 wurde der Grundstein gelegt, und schon am 10. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1751 konnte zum ersten Mal Gottesdienst gehalten werden.[9] Am 18. November 1750 beendete der Maler Johann Georg Aßner aus Forchheim seine Arbeiten an Altar und Kanzel. Die Skulpturen im Kirchenraum schuf der Bildhauer Anton Weidlich aus Bamberg.[10]

Die feierliche Einweihung des Gotteshauses folgte am 15. Juni 1752. Nach Vollendung des Kirchengebäudes erhielt Baumeister Weihing die vereinbarten 1800 fl. sowie 200 fl. als Nachzahlung für Arbeiten, die er zusätzlich aufgrund einer Änderung des Bauplans geleistet hatte.[11] Die Linde, aus deren Holz der Bildschnitzer Weidlich für 25 fl. die beiden Engel über der Kanzel und die Figuren von Moses und Aaron neben der Kanzel schnitzte, wurde von dem Bauern Schäfer aus Äpfelbach gestiftet.[11]

Renovierungen im 19. Jahrhundert

Nach einer ersten gründlichen Renovierung im Jahr 1850 wurde die Kirche 1896 mit einem neuen Anstrich versehen. Verantwortlich hierfür war der Architekt Theodor Eyrich aus Nürnberg.[12] Unter seiner Leitung wurde damals auch die Ausmalung samt dem zurückhaltenden Deckenstuck farblich übergangen.

Auftraggeber Albrecht Christoph Karl Friedrich von Egloffstein (1706–1750) und seine Nachfolger

Der Bauherr und damalige Obmann derer von Egloffstein zu Egloffstein, Albrecht Christoph Karl Friedrich war kaiserlicher Rat und Rat der Ritterschaft von Gebürg und Steigerwald. Er heiratete 1733 Sophia Caroline von Diemar (geb. 1714). Beider Sohn, Karl Ludwig von Egloffstein (1736–1773), setzte diese Linie fort. Albrecht Christoph Karl Friedrich starb im August 1750 in Kunreuth, also noch vor Vollendung der Schlosskirche. In der Inschrift am Kirchenportal ist nur er als Auftraggeber des Kirchenneubaus genannt.

Der jüngere Bruder des Albrecht Christoph Karl Friedrich von Egloffstein zu Egloffstein, Ludwig Friedrich Heinrich von Egloffstein (1714-1769), übernahm vermutlich nach dessen Tod zunächst die Funktion des Obmanns dieses Familienzweiges. Der Pfarrer während der Zeit des Schlosskirchenbaus war Johann Christoph Knoll.[11]

Baumeister Johann Georg Weihing

Von dem Baumeister Johann Georg Weihing ist lediglich bekannt, dass er aus Erlangen kam.

Architekt des 19. Jahrhunderts: Sebastian Theodor Justus Eyrich (1838-1907)

Der im 19. Jahrhundert mit der Renovierung betraute Architekt Sebastian Theodor Justus Eyrich (1838–1907) stammte aus Nürnberg, wo er an der Kunstgewerbeakademie studierte. Danach studierte er am Polytechnikum in Karlsruhe und schließlich an der Akademie in München. Er erbaute das Hotel Strauß in Nürnberg, Schloss Schwarzenberg, Villa Uhlig, Schlösschen Kropf-Mogeldorf und mehrere Privathäuser und Villen in Nürnberg und Fürth.[13]

Beschreibung von Grundriss und Außenbau der Schlosskirche

Das Kirchengebäude besitzt einen rechteckigen Grundriss. Im Osten ist der quadratische Turm leicht eingezogen. Der Hauptzugang befindet sich im Westen.

Gegenüber dem Vorplatz im Westen liegt die Kirche etwas tiefer, weshalb man über mehrere Stufen zum Portal hinuntersteigen muss. Gegliedert wird die Fassade durch zwei seitliche Fensterachsen und die Portalachse. Die hoch sitzenden Fenster belichten die dahinter befindliche Empore. Das Portal besitzt eine Rahmung aus Haustein. Zwei Pilaster dorischer Ordnung tragen einen auffallend großen Rundgiebel, dessen Gesims sich über den Pilastern verkröpft.

Das Giebelfeld nimmt in der Mitte das Wappen derer von Egloffstein mit einem rotbezungten schwarzen Bärenkopf im silbernen – hier weißen – Feld auf. Der schwarze Bärenkopf findet sich ein weiteres Mal als Helmzier. Die Helmdecke ist schwarz mit weißem Futter. Über und seitlich der Helmzier wurden folgende Inschriften eingemeißelt: „Albrecht Ludwig/ Carl Friedrich/ von und zu Egloffstein“. Unter dem Wappen steht die Jahreszahl „1750“.

Links des Wappens beginn die Inschrift: „Wilhelm und Carl von und zu Egloffstein/ renovirt 1850/ dito 1896“. Das Portal unter dem Rundgiebel besitzt einen mehrfach profilierten und geohrten Rahmen. Der keilförmige Schlussstein im Türsturz trägt die Inschrift: „Soli Deo/ Gloria/ 1750“.

Ein kräftiges Traufgesims umzieht das ansonsten ungegliederte Gebäude, dessen Satteldach im Westen abgewalmt ist. Die dem Tal zugewandte Südseite der Kirche besitzt drei Fensterachsen über zwei Geschosse. Im Erdgeschoss sind die Fenster querrechteckig mit Segmentbogen, im Emporengeschoss hochrechteckig. Unter den Fenstern ist im Südwesten eine Blechtafel angebracht, die einst die Westseite zierte. Sie trägt folgenden Spruch: „Was hilft dein Kirchengeh´n dir wohl Jahr aus Jahr ein, Wenn du nicht selber willst ein Kirchlein Christi sein? Willst in der Kirche du recht beten, hören, singen, Mußt du die Kirche selbst im Herzen mit dir bringen.“

Die Nordseite der Kirche ragt neben dem Burgfelsen auf und wird zum Großteil von einer parallel zum Schiff verlaufenden Treppe verdeckt. Die Treppe führt sowohl auf die nördliche Empore mit dem Herrenstand am Ostende der Kirche als auch zum Schloss. An der Ostseite der Kirche ragt der leicht eingezogene Turm empor. Er verfügt ebenfalls über eine zweigeschossige Fensterachse, bestehend aus einem kurzen hochrechteckigen Fenster im Erdgeschoss und einem langen hochrechteckigen Fenster im Geschoss darüber.

Die Rücklagen zu beiden Seiten des Turms besitzen jeweils nur ein hochrechteckiges Fenster auf Höhe des Emporengeschosses. Oberhalb des Traufgesimses erhebt sich ein Turmfreigeschoss mit abgefasten Kanten vor dem Ostgiebel. Hier befinden sich die Uhr und der Glockenstuhl mit drei Schallfenstern. Bekrönt wird der Turm von einer Zwiebelhaube. Nördlich des Turmes schließt die Sakristei an.

Das Innere der Kirche

Beschreibung des Inneren

Man gelangt beim Betreten des Raumes zunächst unter die Westempore. Nach Süden führt eine Treppe zur Empore. An der Südseite befindet sich der Pfarrstand, nördlich der Gerichtsstand. Die Südwand besitzt im Erdgeschoss drei tiefe segmentbogige Fensternischen. Die Fenster im Emporengeschoss sind hochrechteckig.

An der Nord- und an der Südwand erstrecken sich die jeweils auf zwei rot und türkisblau-marmorierten Säulen ruhenden Emporen. Auch die Gesimse der Emporenbrüstung sind rot-blau marmoriert. Während die bogenförmig in den Raum vorkragende Orgelempore mit blau gefassten Balustern versehen ist, wurden die aus schlichtem rot-blau-marmoriertem Rahmenwerk gebildeten Seitenemporen vor weißem Fond mit mittelblauen Balustern bemalt. Eine plastische Wirkung wurde mittels eines dunklen Schattenkonturs auf der einen und einer brillantweißen Konturerhöhung auf der anderen Seite erzielt.

In Türkisblau sind die Kirchenstühle gefasst.[14] An der Nordwand reicht die Empore bis zur Ostwand des Kirchensaals, wobei der letzte Teil abgeschrankt ist und durch einen eigenen Zugang als Herrenstand gekennzeichnet ist. An der Südwand reicht die Empore bis zur Fensternische des südöstlichen Fensters.

Der barocke Kanzelaltar

An der Ostwand befindet sich ein barocker Kanzelaltar, dessen Rahmung aus Säulen und einem sich als Schalldeckel verkröpfenden Gebälk besteht. Die Säulen erheben sich auf hohen Sockeln und Piedestalen. Im Bereich der Piedestale steht der um zwei Stufen erhöhte Altartisch, der von Abendmahlstüren flankiert wird. Oberhalb der Mensa ragt mittig der marmorierte Kanzelfuß auf, der den polygonalen Kanzelkorb trägt. Die Kanzel ist über einen Aufgang im Turm und eine Türe an der Altarwand zu betreten ist.

Zu beiden Seiten des Kanzelkorbs stehen in rundbogigen Nischen auf Konsolen farbig gefasste Holzskulpturen. Zur Rechten der Kanzel weist Moses auf die Gesetzestafeln, zur Linken schwenkt Aaron als erster Hohepriester der Israeliten ein Weihrauchgefäß. Auf dem verkröpften Gebälk sitzen über den Säulen große Engelsfiguren. Sie wenden sich einem Pelikan zu, der den Schalldeckel der Kanzel bekrönt. An der Unterseite des Schalldeckels, der als Verkröpfung in das Gebälk des Altars integriert ist, ist eine geschnitzte Heilig-Geist-Taube mit Strahlenaureole befestigt. Der bekrönende Pelikan nährt – nach spätantiker Auffassung – seine Jungen mit seinem eigenen Blut, weshalb er als Symbol Jesu Christi gilt.[15]

Die Altararchitektur erhielt, wie auch die Säulen der seitlichen Emporen, eine marmorierte Fassung. Sockel, Säulen sowie der Architrav und die Felder des Kanzelkorbes erstrahlen in Rot und Weiß, alle übrigen Architekturteile in Blau und Weiß. Die Ostwand oberhalb und seitlich des Kanzelaltars wurde vermutlich bereits bauzeitlich illusionistisch bemalt. Hinter dem Nest des Pelikans und hinter den Engeln – durch gemalte Schleifen kenntlich gemacht – breitet sich eine scheinbar oberhalb und hinter der Altarwand hängende türkisfarbene Baldachindraperie aus. Sie ist mit gelben Fransen und Quasten besetzt und reicht bis in die Gewände der Fenster hinein und bis auf die Höhe der Säulenbasen herab.

Nördlich, zwischen Kanzelaltar und der Tür zur Sakristei, befindet sich der Grabstein für Albrecht Christoph von Egloffstein (1621–1691), den letzten Burggrafen auf dem Rothenberg. Die lebensgroße Darstellung ist von einer Ahnenprobe gerahmt.

Beschreibung der Decke mit ihrem Stuckdekor

Über einem schmalen Stuckprofil und einer Hohlkehle erstreckt sich der flache Plafond. Die Hohlkehle wird von einem flachen Stuckband abgegrenzt, darauf folgt ein gelb gefasster den gesamten Plafond umfassender Rahmen, der ebenfalls in einem flachen Stuckband endet. In den Raumecken bildet das innere Rahmenband ein typisches Bandelwerk-Eckmotiv aus, das aus der Ecke diagonal zur Deckenmitte weist. Blütenketten in der nordwestlichen und in der südöstlichen Ecke sowie kleine Kügelchen in der nordöstlichen und südwestlichen Ecke leiten den Blick auf die Tondi mit der Deckenmalerei, die ihrerseits mit gemalten Bandelwerksrahmen umgeben sind.

Im Unterschied zu den kleinen Tondi, deren Rahmen gemalt sind, besitzt das große Rundbild in der Mitte einen dünnen Bandelwerkrahmen aus Stuck. Er setzt sich aus C-Bögen, die durch Bänder miteinander verbunden sind, zusammen. Die so resultierenden unregelmäßigen Formen sind zum Teil mit flachen Stuckfeldern besetzt. Nur in den vier Hauptachsen wurde dieser Bandelwerkstuck mit kleinen Akanthusblättchen und Rosetten belebt.

Der Plafond mit den sieben Rundbildern

Beschreibung und Ikonographie des Deckengemäldes

Der weiß gefasste Plafond nimmt sieben Rundgemälde unterschiedlicher Größe auf. Die beiden größten Tondi besetzen die Mitte und die Mittelachse über dem Altar. Fünf kleinere Tondi verteilen sich auf die vier Ecken und auf die Mittelachse über der Orgel. Alle Tondi besitzen einen gemalten, von dünnen schwarzen Linien begrenzten weißen Rahmen für Inschriften.

Der Betrachterstandpunkt der beiden großen Rundbilder mit der Opferung Isaaks und der Heiligen Dreifaltigkeit liegt mit dem Rücken zum Eingang. Das etwas kleinere Rundbild über der Orgel mit Christus als Gutem Hirten ist vom Altar aus zu betrachten. Die vier Eckbilder mit den vier Evangelisten wenden sich jeweils der Mitte zu.

Der mutmaßliche Fassmaler Johann Georg Aßner

Der in den Quellen genannte Maler Johann Georg Aßner (gest. vor 1777) war Maler in Forchheim.[16] Von ihm dürfte die Fassung der Altarwand und des Altares stammen. Der, oder auch die Maler der Deckengemälde sind nicht bekannt. Möglicherweise haben sie die Bilder signiert mit ihren Initialen „J S“ und „M H“ im Tondo des Guten Hirten. Die Initialen „M. H“ finden sich ein weiteres Mal beim Evangelisten Matthäus. Der Evangelist Markus wurde mit „G. R.“ signiert, Lukas mit „G. M.“. Da die Gemälde von einer Hand zu stammen scheinen, könnten die zusätzlichen Initialen (mit den korrekten Punkten nach den Buchstaben) von den Restauratoren des 19. Jahrhunderts hinzugefügt worden sein.

Gestalterische Mittel

Die Deckenmalereien wirken mit ihren betonten Konturen und der teilweise skizzenhaften Darstellung der Gewänder wie ungelenke Kopien. Farblich stereotyp sind die roten Wolken und die gelben Lichtzonen in der Mitte. Eine Harmonisierung mit der derzeitigen Farbfassung des Gestühls, der Emporen und des Altars scheint beabsichtigt worden zu sein, ohne dass man im Detail weiß, welchen Anteil daran die Restaurierungen des 19. Jahrhunderts haben könnten.

Die Opferung Isaaks

Links im Vordergrund kniet Isaak mit auf dem Rücken zusammengebundenen Händen auf einem Holzstapel. Hinter ihm steht sein Vater Abraham im Begriff, den Sohn zu opfern. Mit der Linken hält er den Kopf des Sohnes, mit der Rechten schwingt er den Krummsäbel, um über dem Kopf zum Schlag auszuholen. In diesem Moment greift ein aus einer Wolkenbank vom Himmel herabkommender Engel ein und hält die Klinge mit bloßer Hand fest. Sein linker nach unten ausgestreckter Arm weist auf einen Widder, der auf dem Felsen hinter der Opferstätte lagert. Rechts öffnet sich der Blick in eine weite Flusslandschaft mit Häusern und Staffagefiguren. Über dem Engel, dem Bogen des Rahmens folgend, ist ein Schriftband angebracht auf dem zu lesen ist: „Der Herr siehet Gene. 22 V. 14“.[17] Am unteren Bildrand findet sich die Aufschrift: „S.A.REG9.“.

Der Künstler hielt sich getreu an eine Vorlage von Maarten de Vos, die von Antoine Wierix gestochen und von Edouard van Hoeswinckel 1585 publiziert wurde.[18] Charakteristisch sind die auf dem Rücken gebundenen Hände des Isaak. Das Gemälde mit der Opferung Isaaks wird als einziges in den Pfarrberichten des 20. Jahrhunderts erwähnt. Dort wird der Durchmesser mit 1,20 Metern angegeben.[19]

Die Heilige Dreifaltigkeit

Das östliche Rundgemälde auf der Mittelachse zeigt die Heiligste Dreifaltigkeit. Der auferstandene Christus mit dem Kreuz links und Gottvater rechts im Bild sind von rotem Gewölk hinterfangen. Sie flankieren die Weltkugel, über der vor hellgelbem Grund die Heilig-Geist-Taube schwebt.

Der Gute Hirte

Auf der Mittelachse liegen drei größere Rundgemälde. Das kleinste davon befindet sich im Westen. Es zeigt frontal stehend, den Guten Hirten. Dies geht auch aus der Bildunterschrift hervor, die da lautet: „Ich bin ein guter Hirt, Johannes 10“. In den hier marmoriert gemalten Feldern des Bandwerkrahmens finden sich am unteren Rand die Initialen „J S“ und „M H“.

Evangelist Matthäus

In den Raumecken sind die vier Evangelisten verbildlicht und inschriftlich benannt. Dies sind im Nordwesten „S. Matthaeus.“, im Nordosten: „S. Johannes.“, im Südwesten „S. Marcus.“ und im Südosten „S. Lucas.“ Sie sind halbfigurig in schreibender Tätigkeit gezeigt und werden von den Evangelistensymbolen begleitet. Auf dem dünnen gemalten Rahmen ist ein gemaltes Schriftband aufgelegt. Bis auf das Rundgemälde mit dem Evangelisten Johannes sind alle unten am Rahmen signiert. Matthäus mit „M. H“, Markus mit „G. R.“ und Lukas mit „G. M.“. Die Felder zwischen den Bändern nehmen die Farben der jetzigen Raumfassung auf, indem sie rot und türkisblau ausgemalt sind.

Matthäus, der konzentriert auf die Botschaft des Engels neben ihm hört, hat in sein aufgeschlagenes Buch die Worte „Ach du Sohn Davids erbarme dich unser.“ geschrieben. Darunter wurde die Bibelstelle „Math. 9.vs 27“ notiert. Der Ausruf galt Jesus, dem zwei Blinde folgten.

Evangelist Johannes

Der jugendliche Johannes im grünen Gewand und roten Umhang hat seine linke Hand auf das Herz gelegt, nachdem er mit der Rechten in das aufgeschlagene Buch „Suchet in der Schrift“ geschrieben hat. Auch hier wurde die Bibelstelle „Joh V.VS 39:“ angegeben.

Evangelist Markus

Der Evangelist Markus mit Bart, Halbglatze und Stirnlocke in der Art des hl. Paulus, sitzt in einem roten faltenreichen Gewand an einem Tisch. Er hat den Kopf nachdenklich in die Hand gestützt, nachdem er die Worte „Habt Glauben an Gott“ geschrieben hat. Die zugehörige Bibelstelle ist mit „Marc. 11 Vs 22“ angegeben. Neben ihm schaut der Löwe frontal aus dem Bild heraus.

Evangelist Lukas

Der Evangelis Lukas in blauem Gewand und gelbem Mantel ist als einziger schreibend dargestellt. Von seinem Buch sieht man nur den Einband, während er mit gesenktem Blick die Feder führt. Der Stier schaut teilnahmsvoll auf das Geschriebene, das dem Betrachter noch verborgen ist.

Programm und Synthese

Obwohl Deckengemälde in evangelischen Kirchen nicht unbedingt üblich sind, sind sie im Einflussbereich des „Markgrafenbarocks“ häufiger anzutreffen. Auch die Tatsache, dass es sich in Egloffstein um eine Schlosskirche handelt, mag zu der verhältnismäßig reichen Ausstattung beigetragen haben. Als typisch protestantisch gibt sich die Ausmalung durch ihre Textlastigkeit zu erkennen. Die Evangelisten weisen dem Gläubigen den Weg: „Suchet in der Schrift“. Das Gemälde mit dem Guten Hirten bezieht sie in seiner Ausrichtung auf den Kanzelaltar und damit sowohl auf den predigenden Pfarrer als auch auf den Schlossherrn in seinem Herrenstand am östlichen Ende Nordempore.

Bibliographie

  • Chevalley, Oberfranken, 1986 = Denis André Chevalley, Hans-Wolfram Lübbeke und Michael Nitz, Oberfranken (= Denkmäler in Bayern, Bd. 4), München 1986.
  • Grieb, Nürnberger Künstlerlexikon, 2007 = Manfred Grieb (Hg.), Nürnberger Künstlerlexikon, München 2007.
  • Kunstmann, Burgen, 1971 = Hellmut Kunstmann, Die Burgen der westlichen und nördlichen Fränkischen Schweiz, 2, 1. Der Südwesten, Unteres Wiesenttal und Trubachtal (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte Reihe IX, Darstellungen aus der fränkischen Geschichte, Bd. 28), Würzburg 1971, S. 218–229.
  • Poscharsky, Kirchen, 2001 = Peter Poscharsky, Die Kirchen der Fränkischen Schweiz, Erlangen 4. Auflage 2001.
  • Sitzmann, Ostfranken, 1957 = Karl Sitzmann, Künstler und Kunsthandwerker in Ostfranken (Die Plassenburg. Schriften für Heimatforschung und Kulturpflege in Ostfranken, 12), Kulmbach 1957.

Einzelnachweise

  1. Zur Baugeschichte: Poscharsky, Kirchen, 2001, S. 150–152. Leider ohne Angaben von Quellen.
  2. Zum Stiftungsbrief vgl. LAELKB, BKB 2.1.0002-908, Pfarrbeschreibung Egloffstein von 1832 (unpaginiert).
  3. LAELKB, BKB 2.1.0002-908. Diese Kirche wurde 1803/04 teilweise, 1850 bis auf geringe Reste abgetragen (LKA, ebda.).
  4. Poscharsky, Kirchen, 2001, S. 152.
  5. Das Kirchenpatronat der (seit 1786) Grafen von und zu Egloffstein wurde erst im Jahre 1969 offiziell beendet. Der Abbruch der unteren Kemenate erfolgte über Sprengungen, wobei einer dieser Sprengsätze offenbar unbemerkt im Boden blieb. Als im 19. Jh. zur Renovierung der Kirche weitere Sprengungen nötig wurden, ging diese Ladung mit in die Luft
  6. Poscharsky, Kirchen, 2001. Vgl. ebenso: Chevalley, Oberfranken, 1986, S. 187.
  7. Poscharsky, Kirchen, 2001, S. 150, ohne Nennung der Quelle. In den Pfarrbeschreibungen gibt es hierfür keinerlei Anhaltspunkte.
  8. Die Abbrucharbeiten begannen am 2. März 1750, das Richtfest wurde bereits am 5. August 1750 gefeiert. Die Turmhaube erbauten die Zimmerer Galster und Ebenhöch aus Gräfenberg und Ebenhöch mit Hilfe von zwei weiteren Zimmerern aus Egloffstein. Vgl.: Vgl. LAELKB, BKB 2.1.0002-5051, Pfarrbeschreibung von 1864.
  9. Noch 1750 wurde bei Johann Christoph Kittelmann (1696–1777), Orgelmacher aus Nürnberg, eine neue Orgel für 235 fl. und 5 fl. Leihkauf bestellt. Vgl. LAELKB, BKB 2.1.0002-908, Pfarrbeschreibung von 1832.
  10. LAELKB, BKB 2.1.0002-908, Pfarrbeschreibung von 1834.
  11. 11,0 11,1 11,2 LAELKB, BKB 2.1.0002-5051, Pfarrbeschreibung von 1864.
  12. LAELKB, KDB 2.2.0003-832, Pfarrbeschreibung von 1919–1921, S. 25.
  13. AKL, 35 (2002), S. 550; Grieb, Nürnberger Künstlerlexikon, 2007, S. 367.
  14. Laut Vermerk in der Pfarrbeschreibung von 1864 wurden die Emporen und Kirchenbänke neu gefasst, und zwar die Emporen mit weißer, die Stühle mit grauer Ölfarbe. Vgl. LAELKB, BKB 2.1.0002-5051.
  15. Physiologus, vom Pelikan: Version b und y, Kapitel 6; Version c, Kapitel 4; Dicta Chrysostomi, Kapitel 20. Pelikan – C. – II.1 Physiologus, Bestiarien | animaliter - Tiere in der Literatur des Mittelalters (uni-mainz.de)
  16. Sitzmann, Ostfranken, 1957, S. 20.
  17. Gen 22,14, Abraham nannte jenen Ort Jahwe-Jire (Der Herr sieht).
  18. http://kk.haum-bs.de/?id=wierix-a-ab3-0002
  19. LAELKB, KDB 2.2.0003-832, Pfarrbeschreibung 1919–1921, S. 23.