Dresden, Katholische Hofkirche SS Trinitatis

Hertzig, Stefan:Dresden, Katholische Hofkirche SS. Trinitatis, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/a8ea575a-0348-4baf-a0c4-fc5758bf3cd5

Inventarnummer: cbdd10465

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Als Teil des Schlossneubaukonzeptes wurde 1750 die Katholische Hofkirche in Dresden fertiggestellt und geweiht. Reiche Deckenmalerei und Stuckdekoration prägen die vier Eckkapellen der Kirche.

Die Katholische Hofkirche SS. Trinitatis in Dresden

Baugeschichte

Nach dem Glaubensübertritt Augusts des Starken 1697 war eine katholische Hofkirche in Dresden erstmals im ehemaligen Klengelschen Komödienhaus eingerichtet worden. Erste Pläne für einen großen, repräsentativen Neubau gab es seit 1730, nachdem auch der Kurprinz Friedrich August 1717 zum Katholizismus konvertiert und im Jahre 1719 mit der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha verheiratet worden war. Nachdem man Pläne von Carlo Dotti und Filippo Juvara abgelehnt hatte, wurde der in Rom geborene Gaetano Chiaveri (1689–1770) zum Architekten des Neubaus bestimmt. Von Anfang an war die Katholische Hofkirche Teil eines umfassenderen Schlossneubaukonzeptes, für das der Architekt ebenfalls Pläne lieferte, die jedoch niemals realisiert worden sind. Am 18. September 1738 ordnete der Hof den zunächst noch streng geheim gehaltenen Bau an, am 29. Juni 1739 erfolgte die Grundsteinlegung. Bis zum Jahr 1743 war der Bau schließlich unter Dach, 1746/47 erfolgte die Kupfereindeckung. Nachdem Chiaveri nach zahlreichen Schwierigkeiten im Herbst 1748 die Stadt verlassen hatte, lag die Bauleitung bis 1750 bei Sebastian Wetzel, unter dem schließlich auch der Innenausbau stattfand, bis März 1752 war Johann Christoph Knöffel zuständig, am 29. Juni 1750 war das Innere fertig und die Kirche konnte geweiht werden.

Beschreibung

Das Äußere der Hofkirche stellt einen längsrechteckigen Baukörper mit abgeschrägten Ecken und konvexen Ausrundungen an den Schmalseiten dar. Aufgrund seiner inneren Struktur ist das hochaufragende zweite obere Geschoss obergadenartig eingerückt. Die in massiver Hausteinarbeit ausgeführten Fassaden sind reich im Stile des römischen Hochbarocks im Sinne Berninis und Borrominis mit korinthischen Pilastern mit reichen Profilen und Verkröpfungen, sowie unterschiedlichen, sehr fantasievoll gestalteten, mehrteiligen Fenstern ausgestattet. Beide Geschosse werden schließlich von reich profilierten Gebälken und Dockenbalustraden abgeschlossen, auf denen insgesamt 78 überlebensgroße Statuen durch den Bildhauer Lorenzo Mattielli aufgestellt sind. Der 1753–55 durch Oberlandbaumeister Julius Heinrich Schwarze (1706–1775) vollendete Turm, der mit seinen sich verjüngenden Stockwerken und den weitgehend aufgelösten Säulenstellungen ganz in der Tradition steht, stellt eine weitere Besonderheit dar: Seine frontal vor das Langhaus gesetzte Position lässt nicht nur das Erbe des deutschen Mittelalters aufklingen, sondern verleiht dem Bauwerk zusammen mit seinem dessen gesamter Lage sowohl im Elbraum als auch im Gefüge der Stadt höchste städtebauliche Bedeutung.[1]

Das nach dem Vorbild der Versailler Schlosskapelle gestaltete Innere der Hofkirche vermochte man durch den Beginn des Siebenjährigen Krieges, aber auch infolge des veränderten Zeitgeschmacks nicht mehr in der geplanten opulenten Stuckmarmorausstattung versehen. Auf Sockeln ruhen hohe Rundbogenarkaden mit vorgelagerten korinthischen Halbsäulen erschließen die umlaufende Empore. Darüber befinden sich die nach außen weisenden Serliana-Fenster des Obergadens, welche bereits in die Gewölbekappen einschneiden. Bedingt durch die Besonderheit der Diaspora-Situation der Katholischen Kirche in Kursachsen ist zwischen dem Mittel- und den Seitenschiffen noch innerer Prozessionsumhang eingefügt.

Das Hauptschiffgewölbe

Das hohe, längliche Muldengewölbe des Langhauses war aufgrund der Ereignisse des Siebenjährigen Krieges niemals stuckiert, jedoch zu Beginn des 19. Jahrhunderts wenigstens mit aufgemalten gliedernden Gurten versehen worden. Erst 1999 führte man nach den in einem Modell überlieferten Ideen Chiaveris eine sparsame Deckengliederung in Stuck mit den Gurten, Spiegelfeldern und vor allem dem kräftig profilierten Deckenspiegel durch.

Die Decke des Hauptschiffs

Für die niemals realisierte Gestaltung der Hauptschiffsdecke haben sich in von mindestens zwei Architekten Entwürfe erhalten. Sebastian Wetzel lieferte die sehr bekannt gewordene große Gesamtperspektive des Raumes, die noch vor dem Weggang Chiaveris nach Italien wohl nach dessen Angaben angefertigt worden war. Nicht klar erkennbar ob als Malerei oder in Stuck zeigt der Riss eine sehr reiche Dekoration aller Gurte und Spiegelfelder sowie der Gewölbekappen der Fenster, die mit antikischen, achteckigen Kassetten gefüllt werden sollten. Dieses fasst den breit gerahmten Deckenspiegel ein, der über eine illusionistisch wiedergegebene Balustrade den Blick in den bewölkten Himmel frei gibt, wo der segnende Gottvater, umgeben von Engeln und Heiligen erscheint. Weitere Entwürfe von Wetzel oder von Giuseppe Galli Bibiena – eventuell auch aus beider Zusammenarbeit entstanden – zeigen Teilabschnitte des Gewölbes. Diese betreffen vor allem den Übergang von der Zone der oberen Fenster zum zentralen Deckenspiegel. Diese wurde unterschiedlich durchgeplant – entweder als Kassettierung, als eine weitere illusionistische, sich nach oben verjüngende Scheinarchitektur mit Säulen und Pilastern oder mit weiterer, auch figürlicher Ornamentik.[2]

Die vier Eckkapellen der Hofkirche

Die vier Eckkapellen der Hofkirche stellen sich gleichartig als länglich-sechseckige Räume dar. Aufgrund Ihrer Position in den Zwickeln des Bauwerks liegen die Eingänge an den Längsseiten, die Altäre befinden sich gegenüber. An den klar gegliederten zweigeschossigen Wänden wechseln sich unten hohe Korbbögen mit Halbsäulen ab. In den bereits zu den Gewölben gehörenden Zonen darüber vermitteln ebenfalls Korbbögen – hier nur gerahmt von gurtartigen Vorlagen – zu den in der äußeren Mauerwerksschale sitzenden Okuli. An den Altarachsen befinden sich dort zusätzlich reiche Stuckdekorationen, die die runden Fenster umfangen. Die sechsteilgien Gewölbe öffnen sich nach oben in einer kleinen Laterne, durch die weiteres Licht in die Räume dringt und die Deckengemälde zusätzlich beleuchtet wurden. Während die westlich gelegenen Kapellen mit einer reichen Ausstattung aus vielfarbigem Stuckmarmor versehen wurden, erfuhren die beiden östlichen Kapellen lediglich einen in der Wirkung schlichteren Kalkfarbenanstrich.

Die Decke der Johann-Nepomuk-Kapelle (heute Gedächtniskapelle)

Für die südöstlich gelegene Johann-Nepomuk-Kapelle hatte Franz Karl Palko (1724–67) im Jahre 1754 das Gemälde „Die Glorifikation des Heiligen Johannes von Nepomuk“ geschaffen. Ohne trennende Gurte entwickelte Palko die Darstellung in einer einheitlichen, in dramatischen Hell-Dunkel-Tönen wiedergegebenen Himmelsszenerie. In gleicher Leidenschaftlichkeit scheinen sich die zahlreichen Figuren des Gemäldes um den Heiligen herum in den Himmelsraum zu schrauben. In geschickter Weise werden sowohl das Kuppelauge der Laterne als auch die unteren, realen Architekturglieder – dort durch illusionistische Mittel – in die Komposition mit einbezogen.[3]

Die Decke der Bennokapelle

Für die in der nordöstlichen Ecke der der Hofkirche gelegenen Bennokapelle schuf Franz Anton Maulbertsch (1724–96) im Jahre 1770 das Gemälde von „Wirken und Himmelfahrt des Hl. Benno“. Ebenso wie Palko komponierte er das Bild in einem einheitlichen Bildraum, jedoch wesentlich stärker am unteren Rand des Gewölbes entlang sowie in kräftigen, strahlenden Farben. Vor einem wolkigen Himmel entfaltete Maulbertsch eine figurenreiche Komposition mit prachtvollen Gewändern, zahlreichen Attributen sowie illusionistisch wiedergegebenen Architekturelementen.[4]

Die Decke der Kreuzkapelle

Die nordwestlich gelegene Kreuzkapelle wurde im Jahre 1753 durch Charles Hutin (1715–76) mit dem Gemälde „Die alttestamentlichen Vorbilder des Kreuztodes Christi“ ausgestattet. 1787 wurde das Gewölbe durch Benedict Theil (1745–97) neu ausgemalt. Nicht klar ist, inwieweit ältere Teile mit einbezogen oder der alles neu gefertigt worden war. Eventuell stammten die in verzogenen, gerahmten Ovalen wiedergegebenen Bilder „Das Opfer Abrahams“ und „Die Erhöhung der Schlange“ noch von Hutin. Ganz sicher stellte aber die streng den jeweiligen Gewölbeabschnitten folgende und durch ornamentierte antikische, achteckige Kassettierung ein Werk des später tätigen Künstlers Theil dar.[5]

Die Decke der Sakramentskapelle

In der südwestlichen Eckkapelle der Hofkirche, der Sakramentskapelle, hatte Stefano Torelli (1712–84) im Jahre 1755 „Die Anbetung des Kelches“ gemalt. Auch er folgte in seinem Gemälde zunächst den Gewölbeabschnitten, die durch aufgemalte und ornamentierte Gurte voneinander geschieden sind. Seine dramatische, wolkenreiche und vielfigurige Darstellung griff aber bewusst vor und hinter die Gurte und zog damit die gesamte, als durchbrochen und geöffnet aufgefasste Kuppelarchitektur in seine Szenerie mit ein.[6]

Bibliographie

  • Archivalien:
  • Berlin, Kunstbibliothek, Inv.-Nr. OS, 52, 8 und 9.
  • Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Plansammlung, Inv.-Nrn. M 2, II, Bl. 20 (Gesamtperspektive Wetzel), M 2, III, Bl. 7 und 10-Gesamtperspektive).
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  • Literatur:
  • Caraffa, Gaetano Chiaveri, 2006. – Caraffa, Costanza: Gaetano Chiaveri achrchitetto romano della Hofkirche di Dresda, Mailand 2006.
  • Garas, Franz Anton Maulbertsch, 1960. – Garas, Klára: Franz Anton Maulbertsch (1724–1796), Wien 1960.
  • Haberditzel, Franz Anton Maulbertsch, 2006. – Haberditzel, Franz Martin: Franz Anton Maulbertsch 1724–1796, Wien 2006.
  • Hempel, Gaetano Chiaveri, 1955. – Hempel, Eberhard: Gaetano Chiaveri. Der Architekt der Katholischen Hofkirche zu Dresden, Dresden 1955.
  • Hütter, Denkmalpflegerische Aspekte, 1979. – Hütter, Elisabeth: Denkmalpflegerische Aspekte bei der Wiederherstellung der Katholischen Hofkirche in Dresden, in: Institut für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Dresden (Hg.): Denkmale in Sachsen. Ihre Erhaltung und Pflege in den Bezirken Dresden, Karl-Marx-Stadt, Leipzig und Chemnitz, Weimar 1979, S. 307–310.
  • Liebsch, Stefano Torelli, 2007. – Liebsch, Thomas: Stefano Torelli, Hofmaler in Dresden. Sein Werk in Sachsen, Bayreuth, Lübeck und Sankt Petersburg, Berlin 2007.

Einzelnachweise

  1. Hempel, Gaetano Chiaveri, 1955, S. 31–103. Caraffa, Gaetano Chiaveri, 2006.
  2. Hempel, Gaetano Chiaveri, 1955, S. 86–89. Caraffa, Gaetano Chiaveri, 2006, S. 85–88. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Plansammlung, Inv.-Nrn. M 2, II, Bl. 20 (Gesamtperspektive Wetzel), M 2, III, Bl. 7 und 10-Gesamtperspektive). Berlin, Kunstbibliothek, Inv.-Nr. OS, 52, 8 und 9.
  3. Hempel, Gaetano Chiaveri, 1955, S. 89–96.
  4. Garas, Franz Anton Maulbertsch, 1960. Haberditzel, Franz Anton Maulbertsch, 2006.
  5. Hempel, Gaetano Chiaveri, 1955, S. 89–96. Hütter, Denkmalpflegerische Aspekte, 1979.
  6. Hempel, Gaetano Chiaveri, 1955, S. 89–96. Hütter, Denkmalpflegerische Aspekte, 1979, S. 308f. und Abb. S. 312f. Liebsch, Stefano Torelli, 2007.