Laß, Heiko:Dreißigacker, Schloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/a1d39e95-c6b4-4da6-b315-5d5ef5b6be42

Inventarnummer: cbdd10063

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Schloss Dreißigacker diente den Herzögen von Sachsen-Meiningen im 18. Jahrhundert als bevorzugtes Jagdschloss. Das Innere des Schlosses mit seiner Malerei wurde 1927 zerstört.

Dreißigacker, Schloss
Dreißigacker, Schloss

Geschichte und Beschreibung von Schloss Dreißigacker

 
Dreißigacker, Schloss

Geschichte

Dreißigacker liegt 2 km westlich der ehemaligen Residenzstadt Meiningen, in die es heute eingemeindet ist.[1] Schloss Dreißigacker[2] wurde für Herzog Ernst Ludwig I. von Sachsen-Coburg-Meiningen auf dem Grund eines alten Domänengutes errichtet, das bereits 1660 in landesherrlichen Besitz gelangt war. Dieses verkaufte der Vater des Bauherrn, Herzog Bernhard I., 1700 an seinen Sohn Ernst Ludwig I. auf Wiederkauf, 1709 auf Erbkauf. Damit handelt es sich im strengen Sinne um ein privates Gebäude und kein landesherrliches Schloss. Von 1710 bis 1713 wurde ein kleines Schlossgebäude errichtet. Spätere Pläne für einen größeren Neubau wurden nie verwirklicht. Als Privatbesitz gelangte das Schloss nach dem Tod seines Bauherren 1724 an dessen Sohn Ernst Ludwig II. und von diesem 1729 an seinen Sohn Karl Friedrich und zuletzt 1743 an seine Tochter Luise Dorothea, die die Gemahlin von Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg war. Damit war es auch praktisch nicht mehr in landesherrlichem Besitz. Bis dahin diente das Schloss den meininger Herzögen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hauptsächlich als Sommersitz. Auch fanden einige Jagden bei Dreißigacker statt. Zeitweilig war es einer der wichtigsten Satelliten des Residenzschlosses.

Erst 1785 kauften die meininger Herzöge Schloss Dreißigacker zurück, ohne es aber wieder als Jagd- oder Lustschloss zu nutzen. 1801 wurde hier ein Forstinstitut, 1803 eine Forstakademie, 1818 eine „Cameralistisch-ökonomische Lehranstalt“ eingerichtet, die 1843 wieder aufgehoben wurde. 1924 vernichtete ein Brand das Dachgeschoss und die Südhälfte des Schlosses. Das Löschwasser ließ viele Decken brechen. Erst beim Wiederaufbau erhielt das Gebäude das Mansarddach aufgesetzt. Bis 1991 beherbergte es noch verschiedene Ausbildungseinrichtungen, dann stand es zeitweilig leer und wurde bis 2001 zum Wohnhaus umgebaut.

Beschreibung

Das Schloss[3] ist ein zweigeschossiger Steinbau mit Eckquaderungen, Lisenen und ursprünglich einem Walmdach. Es ist sechs Fensterachsen breit und vier Fensterachsen tief. Von der ehemaligen Ausstattung hat sich nichts erhalten. Ein Großbrand vernichtete 1924 das Innere des Schlosses. Danach noch vorhandene Jagdtrophäen befinden sich seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts in Schleusingen auf Schloss Bertholsdburg. Vermutlich war die Innengliederung des Schlosses ursprünglich symmetrisch um eine Mittelachse von Vestibül und Treppenhaus konzipiert. In der Querachse wurde das Schloss wohl von einem Flur geteilt, der an seinen Enden durch je ein Fenster Licht erhielt. Von diesem gingen die einzelnen Gemächer ab. Ein Hauptsaal dürfte im ersten Obergeschoß über dem Vestibül gelegen haben.

Ehemalige Deckengemälde im Schloss

1909 war das Vestibül teilweise noch erhalten und wurde von Georg Voß[4] beschrieben. Auch Reste von Deckenmalerei gab es zu dieser Zeit noch. Vestibül und Treppenhaus sollen ursprünglich eine Halle gewesen sein. Entsprechend der Funktion des Gebäudes soll die Decke hier in zwei Feldern mythologische Szenen um die Jagdgöttin Diana gezeigt haben. Voß nennt ein Bild mit einer Darstellung von Diana und Aktäon sowie eines, das Jupiter zeigte, wie er Diana im Schlummer überraschte. Nichts davon hat sich erhalten. Spätestens beim Brand 1924 dürften diese Reste verloren gegangen sein.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Brückner, Landeskunde, 1851–1853. – Brückner, Georg: Landeskunde des Herzogthums Meiningen. 2. Bde. Meiningen 1851–1853.
  • Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. 2. durchges. und erg. Aufl., München 2003.
  • Laß, Lustschlösser, 2006. – Laß, Heiko: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben. Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Petersberg 2006.
  • Lehfeldt/Voß, 1909, KDM, H. 34. – Lehfeldt, Paul/Voß, Georg: Amtsgerichtsbezirk Meiningen, die Stadt Meiningen und die Landorte (Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, Herzogthum Sachsen-Meiningen, Bd. 1: Kreis Meiningen). Jena. 1909, H. 34.
  • Patze/Aufgebauer, Thüringen, 1989. – Patze, Hans/Aufgebauer, Peter: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Bd. 9. Thüringen. 2. verb. u. erg. Aufl. Stuttgart 1989.
  • Thränhardt, Dreißigacker, 2007. – Thränhardt, Karl: Von Schlossherren und Schlossbewohnern. Geschichten zu einem fast 300 Jahre alten Haus in Dreißigacker. Meiningen 2007.

Einzelnachweise

  1. Patze/Aufgebauer, Thüringen, 1989, S. 84.
  2. Vgl. zum Schloss: Thränhardt, Dreißigacker, 2007, S. 10, 106, 120, 167; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 295–296; Dehio, Thüringen, 2003, S. 228; Lehfeldt/Voß, 1909, KDM, H. 34, S. 12, S. 330–331; Brückner, Landeskunde, 1851–1853, Tl. 1, S. 161.
  3. Thränhardt, Dreißigacker, 2007, S. 86, 106; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 295; Dehio, Thüringen, 2003, S. 228.
  4. Lehfeldt/Voß, 1909, KDM, H. 34, S. 331–332.