Laß, Heiko:Dollrottfeld, Gut Dollrott, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/80b7961a-3cd8-479d-918e-382cdabfbabb

Inventarnummer: cbdd10404

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1994 entdeckte man Deckenbalken und Dielenbretter mit gegenständlicher Grisaillemalerei von ca. 1610. Sie ist heute wieder verborgen.

Gut Dollrott
Gut Dollrott

Das Herrenhaus in Dollrottfeld

 
Gut Dollrott

Kurzbeschreibung und Lage

Gut Dollrott[1] liegt an der Straße von Kappeln nach Süderbrarup, die in einem Bogen nördlich um das Gut herumführt. Die relativ kleine Gutsanlage Dollrott ist noch heute fast komplett von einem annähernd kreisrunden Wassergraben umgeben. Wohn- und Wirtschaftsbereich sind nicht voneinander getrennt. Der Bereich wird von Norden von der Straße her erschlossen. Im Westen steht das Herrenhaus, im Norden und Osten befinden sich Nebengebäude.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Dollrott wird bereits im Hochmittelalter genannt und gelangte 1494 in den Besitz der Familie von Ahlefeldt. Es handelte sich wohl um einen Meierhof von Satrupholm. Das Herrenhaus ist als Durchfahrtshaus errichtet worden und diente sowohl als Herren- als auch als Torhaus. Bauherr war 1607-09 Hinrich von Ahlefeldt, der es als Leibgedinge für seine Frau Anna erbaute. 1631 gelangte das Gut in landesherrlichen Besitz und wurde mit einem Wassergraben geschützt und die Straße aus dem Gut heraus verlegt. Für 1637 und 1680 sind größere Reparaturen oder Umbauten überliefert. Seit 1698 war Dollrott ein eigenständiges Gut und im Besitz verschiedener aufeinander folgender adeliger Familien. Das Remisengebäude im Norden entstand im 18. Jahrhundert. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Herrenhaus umgebaut. Die großen Wirtschaftsgebäude aus der Zeit um 1870 wurden 2013 weitgehend niedergelegt.

Beschreibung

Das zweigeschossige Hauptgebäude offenbart noch heute mit einem großen Portal im Sockelbereich an der Westseite seinen Ursprung als Durchfahrtshaus. Der neun bzw. zehn Achsen breite sowie zwei Achsen tiefe Bau wird an der Eingangsseite im Osten durch einen schlichten zentralen Dreiecksgiebel über den drei mittleren Achsen geschmückt. Das Eingangsportal wird über eine Freitreppe erreicht und von Säulen flankiert. Die Freitreppe verstellt das ehemalige Durchfahrtstor, das an der Westseite noch frei zu sehen ist. Dort wird die Mitte von einem stark vortretenden, vier Achsen breiten Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel betont. Über dem Torbogen ist eine Inschrift von 1609 eingelassen: „ANO 1609 HEFT HINRICK VAN ALEVELDT ZU SATRUPHOLM ERBGESESSEN DIS HAUS GODT DEM ALLMECHTIGEN ZU LOBE UND DAN ZUVORDERST SINER HARTZLIEBEN HAUSFRAWEN ANNA VAN ALEVELDT ZUM LEIBGEDINGE VOLGENDES SEINEN ERBEN ZUM BESTEN AUFBAWEN LASSEN“.

Das im Inneren mehrfach umgebaute Haus hat in der Mitte in jedem Geschoss eine durchgehende Diele. Im Sockelgeschoss hat sich hier die Durchfahrt erhalten. Nach Süden schließen sich vier, nach Norden drei Räume und ein Korridor an. Die Treppe ist in einem Eckraum des Risalits untergebracht.

Gemäldezyklus

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Bei Dachsanierungsarbeiten entdeckte man 1994 Malereireste[2] an den Dachbalken aus der Zeit um 1640 und bis 2003 wurden weitere ursprüngliche Balkenlagen über den beiden Wohngeschossen freigelegt. Ferner fand man im ersten Obergeschoss der nördlichen Haushälfte als Schalung zweitverwendete Dielenbretter, die ebenfalls Reste von Malerei aufwiesen. Alle Malereien sind in Grisaille Anfang des 17. Jahrhunderts – also wohl zur Erbauungszeit – ausgeführt worden. Man kann vermuten, das sich im ersten Obergeschoss in der Nordhälfte ein großer Saal befand. Da es drei verschiedene Motivserien gibt, muss aber von mindestens drei unterschiedlichen Räumen mit Deckenmalerei um 1610 ausgegangen werden.

Beschreibung

Die Balken[3] zeigen zum einen Roll- und Beschlagwerk, zum anderen aber an den Seiten Musiker, Landsknechte, ein Liebespaar und Duellanten sowie zahlreiche Jagdszenen. Zu sehen sind sowohl Jagdhunde und fliehendes bzw. sich stellendes Wild als auch Jäger und Jagdnetze. Gejagt wird Niederwild, aber auch Hochwild wie Hirsch und Bär.

28 Dielen[4] unterschiedlicher Größe von ca. 150 Dielen zeigen weitgehend erhaltene Bemalung. Man kann drei Motivgruppen unterscheiden, von denen zwei mit Beschlagwerk ovale oder viereckige Kartuschen rahmen, die gegenständliche Darstellungen aufnehmen. Eine Motivserie zeigt in größerer Plastizität Tiere, menschliche Köpfe und Früchtebouquets und die andere eher flächige Tierdarstellungen. Die dritte Serie präsentiert geometrische Muster.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Ellger/Teuchert, Schleswig, 1957. – Ellger, Dietrich/Teuchert, Wolfang (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Landkreises Schleswig ohne die Stadt Schleswig. München/Berlin 1957.
  • Hirschfeld, Herrenhäuser, 1980. – Hirschfeld, Peter: Herrenhäuser und Schlösser in Schleswig-Holstein. München/Berlin 1980.
  • Lafrenz, Herrenhäuser, 2015. – Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg 2015.
  • Neuschäffer, Schlösser, 1989. – Neuschäffer, Hubertus: Schleswig-Holstein. Schlösser und Herrenhäuser. Husum 1989.
  • Schulze, Bericht, 1995. – Schulze, Heiko K.L.: Bericht über neue Ergebnisse der Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege 1991-1994. In: Nordelbingen 64 (1995), S. 179-223.
  • Schulze, Bericht, 2001. – Schulze, Heiko K.L.: Bericht über neue Ergebnisse der Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege 1995-2000. In: Nordelbingen 70 (2001), S. 185-223.
  • Stilling, Herregårde, 2021. – Stilling, Niels Peter: Danmarks Herregårde. Slesvig og Holsten. Kopenhagen 2021.
  • Archivalien:
  • Simmert/Freitag, Deckendielen, 2009. – Simmert, Dorothée/Freitag, Markus: Bestands- und Zustandserfassung bemalter Deckendielen vom Beginn des 17. Jh. Mai/August 2009. Restauratorenteam Simmert & Freitag. Im Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Akte SL, Dollrottfeld, Herrenhaus Dollrott, ONR 2055, RM 2939).

Einzelnachweise

  1. Stilling, Herregårde, 2021, S. 175-178; Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 135-137; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 228-229; Schulze, Bericht, 2001, S. 195-199; Schulze, Bericht, 1995, S. 208-211; Neuschäffer, Schlösser, 1989, S. 68-69; Hirschfeld, Herrenhäuser, 1980, S. 88; Ellger/Teuchert, Schleswig, 1957, S. 174-176.
  2. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 136-137; Simmert/Freitag, Deckendielen, 2009, S. 3-5; Schulze, Bericht, 1995, S. 210.
  3. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 136-137.
  4. Simmert/Freitag, Deckendielen, 2009, S. 3.