Dietramszell, ehem. Augustiner-Chorherrenstift, Pfarrkirche
DIETRAMSZELL
Ehemaliges Augustinerchorherrenstift, seit 1831 Kloster Mariä Heimsuchung der Salesianerinnen Erzdiözese München und Freising
Klosterkirche, jetzt Pfarrkirche Psallierchor, jetzt Kapelle Maria Einsiedel S. 157 Pfarrkirche, jetzt Klosterkirche S. 158 Literatur S. 164
Wallfahrtskirche Maria Elend siehe S. 196 Wallfahrtskirche St. Leonhard siehe S. 214
Ehem. Klosterkirche der Chorherrnpropstei, jetzt Pfarrkirche
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Neubau der Stiftskirche ab 1729 durch Magnus Feichtmayr, möglicherweise unter Mitarbeit von Lorenz Sappel (Lieb, S. 135–37). Fertigstellung des Rohbaues und Beginn der Innenausstattung 1741; Weihe 1748. Wandpfeilerkirche mit seitlichen Kapellen und Emporen; LHs zu fünf Jochen. Leicht eingezogener AR zu zwei Jochen mit geradem Schluß; schmale Seitenräume, vom AR durch Pfeiler, die Emporen tragen, getrennt. Belichtung durch Fenster in den Kapellen und auf den Emporen; im W Doppelempore.
Auftraggeber: Propst Dietram II. Hiepper von Dietrams zell (1728–54), der am 1. 3. 1741 als letzter der bayrischen Prälaten die Pontifikalien erhielt
Autor und Entstehungszeit: Signatur an der O-Seite von B Zimmermann / pinxit. 1741. Die Jahreszahl wurde früher falsch gelesen (1744, s. Röhlig, S. 115).
Die alleinige Autorenschaft Johann Baptist Zimmermanns (* 1680 Gaispoint bei Wessobrunn † 1758 München) wurde mehrfach angezweifelt, besonders von Röhlig (S. 115), die die Fresken Joseph Martin Heigl zuweist. Diese Zuweisung ist nicht haltbar; Heigls erste selbständige Arbeit im Gebiet der Deckenmalerei sind die signierten Fresken in der Pfarrkirche von Bad Aibling (OB, LKr. Rosenheim, 1756), die weder im Bildaufbau noch in der Farbigkeit Parallelen mit denen von Dietramszell aufweisen. In seinem persönlichen Stil ist Heigl, der als Mitarbeiter Zimmermanns genannt ist (Hartig, KKF, S. 5), in Dietramszell noch nicht faßbar.
Aus der Zeit ab 1740 »sind uns zahlreiche Deckenfresker erhalten«, die »gleichmäßig die Bezeichnung ›Zimmerman pinxite tragen, entgegen der bisher üblichen Signatur, die den Vornamen hinzufügt. Der stilistische Vergleich diese Werke untereinander zeigt, daß sich eine große Zimmer mann-Werkstatt gebildet haben muß, und die Signatu- >Zimmerman pinxit« zur Bezeichnung aller aus dieser Werkstatt hervorgegangenen Fresken dient.« (Röhlig, S. 88) Der Anteil der eigenhändigen Arbeit Zimmermanns an diesen so signierten Fresken ist von Werk zu Werk unterschiedlich.
In Dietramszell waren seine Gehilfen offensichtlich an der Ausführung besonders stark beteiligt; das zeigen Einzelheiten wie die Behandlung der Gesichter, die einfache, undifferenzierte Darstellung der terrestrischen Szenerien, die Wiedergabe der Gewänder und Gewandfalten nicht durch das Gegeneinandersetzen mehr oder weniger belichteter Flächen, sondern durch breite Striche, die die Falten bezeichnen. Trotzdem kann man die Ausmalung der Dietramszeller Kirche als Werk Johann Baptist Zimmermanns bezeichnen, denn Planung, Entwurf und Leitung der Ausführung sind sicher von ihm, ebenso wie Teile der Ausführung.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, C, a-d) und AR (D) Stichkappentonne, K1-8 und ED1-4 Quertonnen
Rahmen: A, C Stuckprofilleisten, B Stuckprofile von Stuckbändern umwunden, nördlich und südlich von einer Rocaille-Kartusche überlappt, D schmale Stuckleiste, vor einem gemalten Brokatmuster umgeben, das von ornamentierten Stuckleisten und nördlich und südlich von einer Inschriftkartusche eingefaßt ist, a-d Rocaille-Kartuschen, K1-8 Stuckprofile, seitlich in Rocaillen übergehend, ED1-4 imitierte Rahmenprofile auf Brokatmustergrund
Technik: Fresko; A, B, C, D, a-d, K1-8 polychrom, ED1-4 monochrom graublau
Maße: A Höhe 18,65 m; 3,60 × 5,90
B Höhe 18,65 m; 16,00 × 8,00
C Höhe 18,65 m; 3,60 × 5,90
D Höhe 17,55 m; 6,90 × 7,60
K1-8 Höhe 9,00 m; 1,40 × 2,40
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei der Kirchenrestaurierung 1961/62 wurden die Fresken von Sebastian Hausinger gereinigt. Scheitelriß in B und C, in B zahlreiche Haarrisse, besonders deutlich sichtbar um das Tetragramm. Farblich sind die Fresken A–D gut erhalten.
Beschreibung
Von den fünf LHs-Gewölbejochen sind in Dietramszell die drei mittleren zu einem großen Bildfeld zusammengefaßt, das im ersten und fünften Joch von je einem kleinen, querformatigen Feld begleitet ist. Dieses Schema, das Zimmermann seit Beyharting (OB, LKr. Rosenheim, 1730) beibehalten hat (bei der Ausmalung von Decken mit gleichförmiger Jochfolge) ermöglicht eine bedeutungsmäßig abgestufte Bildfolge, bei der auch der ikonologische Schwerpunkt im Hauptfresko liegt und die Nebenfresken inhaltlich untergeordnet werden.
A HL. CACILIA Das Deckenbild ist wegen des Orgel einbaues vom Kirchenschiff aus nur teilweise zu sehen. In der Bildmitte ist die Heilige vor einer Orgel sitzend dargestellt; Putti tragen über ihr eine schwere rote Draperie in Baldachinform. Der Orgel gegenüber ist eine Schar von Engeln mit verschiedenen Musikinstrumenten versammelt (keine Abbildung).
B GRÜNDUNG DES KLOSTERS DIETRAMSZELL In Fresko B sind die beiden Grundtypen der süddeutschen Deckenmalerei dieser Zeit verbunden: die einansichtige terrestrische Szene der Gründung spielt auf einer schmalen Landschaftsbühne, der das östliche Bildviertel eingeräumt ist. Darüber wölbt sich ein weiter Himmelsraum, der das übrige Bildfeld einnimmt und dessen Zentrum die Glorie bildet. Terrestrische Szenerie wie Himmelsraum haben je ihre eigene Räumlichkeit: unten, in der Landschaft, wird der Blick über ein Bachbett zwischen Hügeln weit in die Ferne zu bläulichen Bergen unter aufgerissenen Wolken geführt. Der zentrale Wolkenhimmel aber illusioniert Ausdehnung in der Vertikalen. Höhen- und Tiefenillusion bestehen hier nebeneinander, durch die Komposition der Figurengruppen verbunden. Die entscheidende Stellung nimmt dabei eine Gruppe von Edelleuten ein, die durch den deutlichen inhaltlichen wie kompositionellen Bezug auf die Heiligen im Himmel, wie auch auf die Mönche im Hintergrund, sowohl auf die Raumhöhe als auch auf die Raumtiefe bezogen ist.
Durch diese Ambivalenz der räumlichen Konstruktion wie durch das Fehlen perspektivischer Effekte wird die Wahl des Standpunkts durch den Betrachter offengelassen. Für die Hauptansicht nach O liegt er unter dem westlichen Bilddrittel, für die Himmelsglorie wechselt er je nach Blickrichtung.
Die beiden Bildteile werden auch in der Farbigkeit unterschieden. In der Landschaft unten und am oberen, westlichen Bildrand findet sich ein natürliches Himmelsblau, das Zimmermann als Landschaftsfarbe versteht und als Hintergrund aller terrestrischen Szenen verwendet. Auch hier wirkt die Tiefenfarbe Blau als eigentlicher Bildgrund, vor den die Glorie mit ihren lichten, meist gelblichen Farben wie aufgesetzt erscheint. Die ihr innewohnende Höhenillusion wird erst innerhalb des Himmelskreises durch Auflichtung und perspektivische Verkleinerung der Personen auf den Wolkenbänken entwickelt.
Wie in Räumlichkeit und Farbe sind die beiden Bildteile auch durch die Größenordnung voneinander geschieden: die Figuren der himmlischen Szene sind nicht nur kleiner als die der Gründergruppe, sondern haben auch untereinander ein anderes Dimensionsverhältnis als die Figuren und Gegenstände der terrestrischen Szenerie.
In einsamer, öder, hügeliger Landschaft haben sich Mönche und Edelleute versammelt; darunter drei jugendliche Adelige mit wallendem Federbusch auf den Kappen und weiten Mänteln über einer Gewandung, die auf historische Trachten anspielt: die Grafen von Andechs. Der Abt von Tegernsee ist als Mönch in schwarzer Kutte mit dem Patriarchalkreuz auf der Brust und Birett auf dem Haupt dargestellt. Ein alter Edelmann, der Graf von Reutte, kniet am Boden und blickt gen Himmel. Von den drei Mönchen in braunen Kutten, die bei der Szene zugegen sind, beschäftigen sich zwei im Hintergrund mit einem Buch.
Das kompositionelle Gewicht dieser Gruppe wird noch verstärkt durch ein architektonisches Requisit am linken Bildrand, ein Podest mit Steinvase und Ranken. Die Landschaft ist nur durch wenige stereotype Versatzstücke charakterisiert, wie sie bei Zimmermann immer wieder auftreten: eine Pflanze und ein Bach im Vordergrund, Felsen und Buschwerk.
Über der irdischen Szene, auf kulissenartig verschobenen Wolkenbänken, die kreisförmig um die Himmelsmitte geführt sind, thronen Heilige und Engel. In der Glorie erscheint, von einem Strahlenkranz umgeben, das Tetragramm als Dreifaltigkeitssymbol. Von ihm geht ein breiter Strahl mit sieben Feuerzungen aus und fällt auf den hl. Augustinus, der erhöht über den anderen Heiligen auf einer großen Wolke kniet, die sowohl dem Wolkenkranz als auch - in der Hauptansicht - der irdischen Szene zugeordnet ist. Ein Engel neben Augustinus hält das Regelbuch, von dem zwei weitere Lichtstrahlen ausgehen: einer fällt auf einen weißgekleideten Heiligen auf einer Wolke rechts über der Gründungsszene, ein zweiter auf die Gruppe der Edelleute. Rechts neben Augustinus dessen Mutter, die hl. Monika, in weißer Nonnentracht, auf ihren Sohn weisend und eine Tafel mit dem Monogramm IHS haltend. In diesem Fresko verwendet Zimmermann außer Blau und Gelb kaum reine Buntfarben; die Rot- und Grünwerte sind gedämpft oder treten in Mischfarben wie Braunrot, Violett oder Gelbgrün auf. Trotzdem ist der farbige Gesamteindruck lebhaft und klar. Das bewirkt zum einen die Blau-Gelb-Spannung, die das Deckenbild beherrscht, und die als farbige Akzente auftretenden verschiedenen Rottöne, zum andern aber die Art, wie Zimmermann die Farben behandelt: klar gegeneinander abgesetzt und in Licht und Schatten immer gleich bleibend, d.h. nicht changierend und nur im Helligkeitsgrad, nicht aber in der Farbqualität variiert. Auch eigentlich unbunte Farben, wie Schwarz und Weiß, werden nicht als Träger von Licht oder Dunkelheit, sondern als Farben behandelt, die ihre Farbqualitäten sowohl in der Abschattung als auch in der Aufhellung behalten.
C DER SEL. DIETRAM VOR DEM HL. MARTIN
Das Bildfeld im letzten Joch vor dem Chorbogen zeigt eine einansichtige Szene. Der irdische Schauplatz wird von einer seichten Landschaftsrampe gebildet, die am linken Rand durch aufragende Bäume abgeschlossen wird. Rechts öffnet sich der Raum in die Tiefe, und im Hintergrund erscheint die Ansicht Dietramszells (im 18. Jh.) in hügeliger Landschaft. Im Zentrum des Bildes spielt die Szene der Präsentation der Gründungsurkunde: Der hl. Bischof Martin thront, eine Gans (das spezifische Attribut) zu Füßen und von Engeln umgeben, auf Wolken, vor ihm kniet der sel. Dietram in Chorherrntracht, der die Urkunde in der erhobenen Rechten hält.
Der Heilige erscheint in diesem Bild nicht so sehr als Angehöriger der himmlischen Sphäre (Glorienlicht und Strahlen fehlen), sondern mehr als himmlischer Teilnehmer an einer historischen Szene. Die historischen Darstellungen zeigen bei Zimmermann weniger ein örtlich und zeitlich fest bestimmtes Geschehen, sondern sind stets in einer zeitlosen Idylle angesiedelt. Die handelnden Personen sind kaum individuell bezeichnete historische Figuren, sondern immer wiederkehrende Typen.
D HL. DREIFALTIGKEIT
Das Bild bezieht sich auf das Altarblatt, auf dem die Himmelfahrt Mariens dargestellt ist. Die drei göttlichen Personen erwarten Maria im Himmel: Christus hält die Krone mit zwölf Sternen für sie bereit. Die Dreifaltigkeit ist von Engeln und Putti umgeben, die Kreuz und Weltkugel halten. Am oberen Bildrand...
werden kleine Puttoköpfchen halbkreisförmig um die Glorie geführt, in der der Hl. Geist als Taube erscheint.
Die Farbigkeit dieses Deckenbildes ist für Zimmermann ungewöhnlich. Sie wird wesentlich mitbestimmt durch die breite gemalte Rahmenzone in gold-ocker-braunem Brokatmuster; diese Farben bilden stark aufgehellt den Glorienhimmel der oberen Bildhälfte, zu dem das Violettgrau der unteren in Kontrast steht. Der Violett-Ocker-Kontrast wird intensiviert in den Gewändern aufgenommen (im Engel rechts - in Gottvater und in den beiden Engeln am linken Bildrand). Blau und ein kühles Graugrün kommen als Kontrasteffekt dazu, während das stumpfe Rot (im Mantel Christi) eine vermittelnde Rolle spielt.
a-d EVANGELISTEN In den Gewölbezwickeln, zwischen den weiten Stichkappenöffnungen der LHs-Tonne, sind vier Ornamentkartuschen mit Bildfeldern und vier stuckierte Blumenvasen paarweise angeordnet. Außen, zwischen Fresko A und B und C, befinden sich die Bildkartuschen. Hier sind in Ganzfigur, auf Wolken thronend, Evangelisten dargestellt. Bei Lukas und Markus geht eine Hand jeweils aus Malerei in Stuck über, eine illusionistische Spielerei, die bei eigenhändigen Werken Zimmermanns nicht vorkommt.
K1-8 SZENEN AUS DEM MARIENLEBEN An der Quertonnen der Seitenkapellen zwischen den Wandpfeilern befinden sich kleine Bildfelder auf Brokatmustergrund. Es handelt sich um Breitformate, die ihre Basis jeweils an der Fensterwand haben, so daß die Bilder vom MSch. aus betrachtet werden. Die meist architektonischen Bildschauplätze sind aus den typischen Bestandteilen - Vase Treppe, Balustrade, Draperie - aufgebaut. Die Figuren kommen aus dem Zimmermann-Repertoire, sind aber um so viel weniger lebendig, reizvoll und farbig, daß man diese Seitenbilder als reine Werkstattarbeiten betrachten kann. (Ikonographie S. 156)
ED1-4 PUTTI An der Decke über den Emporen sind im zweiten und vierten LHs-Joch kleine Bildfelder mit monochrom blaugrauen Darstellungen innerhalb eines Brokatmusterfeldes angebracht: jeweils zwei Putti auf Wolken, Werkstattarbeiten.
Ikonographie
0 1 B GRÜNDUNG DES KLOSTERS DIETRAMSZELL Das Hauptbild zeigt die Klostergründung unter der Schirmherrschaft des hl. Augustinus. Der Gnadenstrahl, der von der Dreifaltigkeit ausgeht, trägt die sieben Feuerzungen, die die sieben Gaben des Heiligen Geistes bedeuten. Er fällt auf Augustinus, den Kirchenlehrer und Verfasser der Schrift De Trinitate. Augustinus ist als Bischof gekleidet und trägt als Attribut das flammende Herz auf
der Brust. Engel halten ihm den Bischofsstab und das Regelbuch, in dem zu lesen ist: HONO/RAVIT / PATREM/ IN FILIIS/ Ecclesi: 3 V: (= Eccli 3, 3). Dieser Inschrift entsprechend sind um Augustinus Angehörige der Orden dargestellt, die auf der Augustinerregel aufgebaut sind: bei den weiblichen Orden, die rechts von Augustinus angeordnet sind, sind das eine Augustinerin, eine Erste Klosterfrau des hl. Augustinus in weißem Habit und langem weißen Schleier, in Rückenansicht eine Karmelitin mit weißem, langen Schleier und rechts neben der hl. Monika eine Eremitennonne des hl. Augustinus mit dunklem Mantel, Skapulier und Schleier und weißem Brusttuch. Die Vierergruppe der Nonnen unter Monika sind von links nach rechts: eine Prämonstratenserin, eine Hieronymitanerin in weißem Habit und rotbraunem, weiß gesäumten Schleier, eine Unbeschuhte Trinitarierin mit weißem Kleid und langem hellbraunen Schleier und ganz rechts eine Birgittinerin mit hellgrauem Ordenskleid, weiß eingesäumtem schwarzen Schleier und weißem Brusttuch. Zimmerman gibt die Ordenstrachten, besonders in den Farben, teilweise ziemlich frei wieder. Die einzelnen Heiligen sind bei den Ordensfrauen nicht gekennzeichnet. Doch spielt bei diesem Fresko weniger die Individualität der Heiligen eine Rolle als ihre Zugehörigkeit zur großen Ordensfamilie der religiösen Gemeinschaften, die auf der Augustinerregel fußen. Links von Augustin sieht man eine Gruppe von Königen, anschließend einen hl. Bekenner mit einem Kreuz in Händen. Auch sie sind nicht als bestimmte Personen bezeichnet; diese Gruppe dürfte auf den Dritten Orden für Weltleute hinweisen, der bei den Dominikanern und Prämonstratensern besteht.
Papst, Bischöfe und Kardinal in der Gruppe darunter repräsentieren die hohen geistlichen Würdenträger, die aus den von Augustinus ausgegangenen Orden hervorgegangen sind.
Am nördlichen Bildrand thronen auf Wolken der hl. Dominikus, der Gründer des Dominikanerordens, und der hl. Nikolaus von Tolentino; letzterer trägt die schwarze Tracht der Augustiner-Eremiten und hält eine Lilie in Händen; ein Putto hält sein individuelles Attribut, eine Schale mit zwei gebratenen Rebhühnern. Der hl. Dominikus ist durch Buch und Fackel, die vor ihm liegen, bezeichnet.
Die zwei Mönche am östlichen Bildrand repräsentieren wohl einen Trinitarier mit hellem langen Rock mit einem roten Brustkreuz und einem braunen mittellangen Mantel und einen Birgittiner, Mantel und Kapuze violettgrau; beides Orden mit Augustinerregel. Auch hier, wie bei den Nonnen, keine individuelle Kennzeichnung der Mönche.
Vom Regelbuch des hl. Augustinus fällt ein Strahl auf ein Buch und auf den Heiligen, der es in Händen hält; ein zweiter Strahl auf die Gründungsszene. Es dürfte daher sicher sein, daß das Buch die Regel der Augustinerchorherren ist, deren bestimmende Ausformung Gervasius von Reims vornahm, nachdem sich bei der Lateran-Synode 1059 unter anderen auch die lateranensische Kongregation der Augustinerchorherren bildete, die bedeutendste der Kongregationen, der im 18. Jh. die meisten deutschen Augustinerchorherrenstifte angehörten oder anzugehören trachteten. Das Gewand der lateranensischen Chorherren war weiß, daher auch das weiße Kleid des Heiligen, der wahrscheinlich nicht Gervasius von Reims darstellt, sondern wohl pauschal auf das Entstehen der Augustinerchorherrenregel hinweist. Neben ihm thront Norbert von Magdeburg, der Gründer der Prämonstratenser (ebenfalls mit Augustinerregel). Er trägt das erzbischöfliche Pallium und hält das individuelle Attribut, eine Monstranz, in Händen.
Der zweite Strahl fällt auf die irdische Szene, die die eigentliche Gründung des Augustinerchorherrenstifts Dietramszell darstellt: Nach der Legende zogen der selige Dietram mit Otto und Berengar, zwei frommen Männern, von dem Orte ihrer ersten Einsiedelei wegen Wassermangels an die Stelle des heutigen Dietramszell, und wollten dort ihr Kloster gründen. Um das Eigentum an dem Wald, in dem das Kirchlein erbaut werden sollte, erhob sich ein Streit. Um diesen zu entscheiden, versammelten sich Graf Otto von Dießen-Andechs mit seinen Söhnen Otto und Heinrich, der Abt Udalschalk von Tegernsee, der Graf von Reutte mit seinen Brüdern und andere. Sie entschieden, daß der Wald herrenloses Gut wäre; nur der Graf von Reutte widersetzte sich, gab aber durch Fügung des Himmels seinen Anspruch auf. Zu diesem Wald schenkten die Anwesenden dem entstehenden Kloster noch mehrere Güter und Gründe, so daß der sel. Dietram nach Rom fahren konnte, um von Papst Paschalis II. durch eine Fundationsurkunde die Bestätigung seines Klosters zu erhalten.
Die oben genannten Edelleute galten alle als Mitbegründer des Klosters Dietramszell. Im Fresko sind drei davon stehend dargestellt, wohl die Grafen von Andechs. Zwischen ihnen steht der Abt von Tegernsee. In dem knienden Mann im Vordergrund kann man wohl den Grafen von Reutte sehen, wie er eben, dem Wink des Himmels folgend, seinen Anspruch auf den Wald aufgibt. Der Mönch im Hintergrund und die beiden abseits sitzenden Mönche stellen wohl den sel. Dietram mit seinen Begleitern Otto und Berengar dar. Der Bach im Vordergrund spielt auf den gesuchten Wasserlauf an, an dem das neue Kloster gegründet werden sollte.
Das Fresko ist damit auch eine Untermauerung der Dietramszeller Version der Gründung. Bis 1703 stand das Stift unter der Oberhoheit Tegernsees, das diesen Anspruch auf Urkunden zurückführte, die aussagten, der Boden, auf dem die neue Gründung stand, sei Tegernseeisch gewesen, und Abt Udalschalk sei zusammen mit seinen Verwandten, den Grafen von Falckenstein, der eigentliche Gründer Dietramszells, während die Dietramszeller der Ansicht waren, der Grund und Boden sei herrenlos gewesen und die Gründung als Gemeinschaftswerk der Grafen von Dießen-Andechs und derer von Reutte mit dem Abt von Tegernsee zu betrachten.
Der eigentliche Sinn des Hauptfreskos ist die Legitimation des Klosters Dietramszell in zweierlei Hinsicht: zum ersten in historischer, durch die Darstellung des Gründerwunders, zum zweiten in geistlicher, durch die Darstellung des
Augustiner-Himmels, die die Dietramszeller Chorherren in die Schar der Söhne und Töchter des hl. Augustinus einreiht. Durch die Verleihung der Pontifikalien an Dietram II. Hiepper (er war der letzte der bayrischen Prälaten, die Inful und Stab erhielten) war Dietramszell 1741 den anderen Stiften gleichgestellt worden. Auch diese Tatsache mag bei der Themenwahl mitgespielt haben.
C DER SEL. DIETRAM VOR DEM HL. MARTIN Das Bild stellt eine Ergänzung des Hauptfreskos dar. Der Gründer Dietram präsentiert dem hl. Martin die Fundationsurkunde seines Klosters und stellt es damit unter seinen Schutz. Dietramszell hieß ursprünglich »Martins Zelle« und hatte ein Martinspatrozinium, das von der Pfarrkirche später übernommen wurde. Die neuerbaute
Stiftskirche erhielt das Patrozinium Mariä Himmelfahrt. Der hl. Martin, als Patron der jungen Gründung eine historisch wichtige Figur, hat in dem ikonologischen Konzept des Hauptbildes keinen Platz und erscheint deshalb hier in einem eigenen Bild. In der Gestalt des sel. Dietram stellt sich wohl auch der Erbauer der neuen Kirche (die im Hintergrund wiedergegeben ist), Propst Dietram II. Hiepper, dar, eine im 18. Jh. beliebte Mehrdeutigkeit.
D und K1-8 SZENEN AUS DEM MARIENLEBEN Neben der Gründungsgeschichte spielt ein zweites Thema, dem Patrozinium der Kirche entsprechend, in der Gesamti konologie eine Rolle: ein mariologisches Programm, das das Leben Mariä mit dem Höhepunkt, der Himmelfahrt (Patrozinium) und Krönung behandelt.
K1 JOACHIM UND ANNA Joachim begegnet Anna an der Goldenen Pforte, nachdem ihnen die Geburt Mariä verheißen worden war (Protoevangelium des Jakobus, Hennecke-Schneemelcher, Bd 1, S. 281). Am Himmel erscheint die Immaculata auf der Weltkugel mit der Schlange.
K2 MARIA GEBURT (loc. cit., S. 282)
K3 MARIA TEMPELGANG (loc. cit., S. 283)
K4 MARIÄ VERMÄHLUNG Joseph hält einen grünenden Zweig in Händen (loc. cit., S. 283; im Protoevangelium des Jakobus fliegt aus dem Stab Josephs eine Taube; der grünende Stab als Zeichen der Erwählung ist abendländische Bildtradition).
K5 MARIÄ VERKÜNDIGUNG (Lc 1, 26-38)
K6 MARIÄ HEIMSÜCHUNG (Lc 1, 39–56)
K7 DARSTELLUNG JESU IM TEMPEL (Lc 2, 22–39)
K8 MARIA TOD (LA-Benz, S. 630–58)
D HL. DREIFALTIGKEIT-Himmelfahrt und Krönung Mariens (zusammen mit dem Altarblatt). Auf dieses Thema beziehen sich die Beischriften in Kartuschen neben dem Bildfeld: nördlich: SPONSABO TE/MIHI IN/SEMPI TERNUM/ Se: 2.V.19 (= Os 2, 19), südlich: VENI SPONSA/MEA/CORONABERIS/ cant.4.V 8
Ehem. Psallierchor, jetzt Kapelle »Maria Einsiedel« des Salesianerinnenklosters