Clausthal Zellerfeld, Amtshaus des ehem Oberbergamts

Laß, Heiko:Clausthal-Zellerfeld, Amtshaus des ehem. Oberbergamts, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/b3a58e2f-384c-4760-9f02-16266ff06186

Inventarnummer: cbdd10053

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Im Hauptsaal des ehemaligen Oberbergamts in Clausthal-Zellerfeld hat sich eine Deckenmalerei von Johann Andreas Schubart aus den Jahren 1727/30 erhalten, die eine Verherrlichung Georgs I. von Großbritannien zeigte und später zu einer Verherrlichung seines Urenkels Georg III. abgewandelt wurde.

Das ehemalige Amtshaus des Oberbergamts

Das ehemalige Amtshaus[1] des Oberbergamts wurde durch den Architekten Tobias Henry Reetz und den Landbaumeister Christian Georg Vick[2] ab 1727 erbaut, nachdem ein erst 1700 bezogener Neubau 1725 abgebrannt war. Massive Reste des Kellers und des Erdgeschosses wurden dabei genutzt. 1731 konnte der Neubau bezogen werden. Ein bedeutsamer Umbau sowie eine großflächige Erweiterung des Komplexes erfolgte 1904/08. Dafür wurden alle Hintergebäude beseitigt.

Der zweigeschossige Bau über einem Sockel ist an der Eingangsseite 15 Achsen breit und wird mit einem dreiachsigen Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel geziert. Der Altbau hat die Form einer Dreiflügelanlage von zehn Achsen Tiefe; sie ist zur Rückseite hin geöffnet. Dort befindet sich ein Treppenrisalit. Über dem mittigen Eingang mit Freitreppe ist ein Balkon gelegen. Im Giebel sind königlich großbritannische und kurfürstlich hannoversche Wappen angebracht. Die Fassade des Gebäudes war ehemals fachwerksichtig, erhielt aber 1838 aus klimatischen Gründen eine Holzverschalung, die einen Massivbau imitiert.

Durch die Eingangstür betritt man eine eingeschossige große Halle, durch die man das rückwärtig gelegene Treppenhaus erreicht. Eine dreiläufige Treppe führt zu den im Obergeschoss gelegenen ehemaligen Repräsentationsräumen. Die Räume werden von einem an der Hofseite gelegenen Korridor erschlossen. Hier sollte der Landesherr bei seinen möglichen Besuchen im Clausthal logieren. Die Innenausstattung des Amtshauses ist schlicht. Eingangshalle und Treppenhalle sind von Holz gestaltet. Es gibt einige Stuckdecken. Das Obergeschoss nimmt zur Eingangsseite hin einen zentralen großen Raum auf — den weißen Saal.[3]

Treppenhaus

Das ehemalige Oberbergamt in Clausthal-Zellerfeld wird durch eine zentrale Eingangstür betreten, die in eine geräumige, eingeschossige Eingangshalle führt. Durch zwei Bogenstellungen hindurch gelangt man in das rückwärtige, einarmige Treppenhaus. Auch die Treppenhalle ist von Holz gestaltet. Es ist aus der Mittelachse nach Süden verschoben und die Treppe führt über zwei Wendepodeste in das erste Obergeschoss auf einen kleinen Vorplatz. Von diesem aus gelangt man in den Flur, der an der Innenseite des Gebäudes zum Hof hin in allen drei Flügeln verläuft. Die Räume sind sämtlich zur Außenseite – zum Marktplatz und den Straßen – hin situiert. Zentral über dem Eingang ist der so genannte Weiße Saal gelegen.[4]

Weißer Saal

 

Der Weiße Saal[5] im Amtshaus des ehemaligen Oberbergamts in Clausthal-Zellerfeld ist zentral im ersten Obergeschoss über dem Hauseingang gelegen und weist auf den Marktplatz mit der Marktkirche hinaus. Die zahlreichen Änderungen, denen der Raum in den letzten 300 Jahren unterworfen war, lassen sich nicht mehr im Einzelnen nachvollziehen. Die letzten größeren Umbauten erfolgten 1837/38 und 1956/57.

Der Raum liegt quer zum Eingang im Mittelrisalit und hat einen Balkon zum Marktplatz. In den Ecken gegenüber der Fensterseite befindet sich je eine Nische für je einen Ofen. Bis 1837 standen statt der Öfen offene Marmorkamine an den Querwänden. Über ihnen schmückten Ölgemälde in Stuckfeldern die Wand. Seit der Restaurierungen des Saals 1955/56 sind Wände, Ofennischen und Türen wieder mit Paneelen und Stuckarbeiten in barocker Ornamentik versehen. Es handelt sich nicht um eine Wiederherstellung früherer Stuckarbeiten. Daher fehlt heute in der Stuckkartusche über der Eingangstür das springende Ross. Das Deckengemälde wurde 1956 restauriert. Die sechs Wandspiegel in barocker Fassung wurden erst 1957 angebracht. Das Parkett im Weißen Saal ist ursprünglich. In den anderen Räumen gibt es nur Dielenböden. Es gab ehemals eine Abhörmöglichkeit auf dem Dachboden für Gespräche im Weißen Saal.

Verherrlichung Georgs III.

 

Das 1956 restaurierte, sehr bunte Deckengemälde[6] im Amtshaus des ehemaligen Oberbergamts in Clausthal-Zellerfeld stammt vom Goslarer Maler Johann Andreas Schubart, der es 1727/30 schuf. Es nimmt nur den zentralen Bereich der Decke ein und stellte ursprünglich eine Verherrlichung Georgs I. dar, die später auf Georg III. abgewandelt wurde. Fama mit Posaune hält — unterstützt von einem Putto — eine Kartusche mit dem Monogramm Georgs III. unter einer Krone. Ein weiterer Genius hält einen Kurhut empor, ein weiterer Putto trägt einen Palmwedel. Sie Szenerie findet in einem aufgerissenen Wolkenhimmel statt, durch dessen Öffnung das Licht herabkommt. Weitere Putten schweben in den Wolken und blasen Windstrahlen. In einem der Windstrahlen ist der Schriftzug Au dèpit des mes Envieux (Meinen Neidern zum Trotz) geschrieben. Die Wolken enden auf dem weißen Deckenspiegel, das Bild ist nicht gerahmt oder anderweitig begrenzt.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Fürer, Amtshaus, 1993. – Fürer, Gotthard: Das Amtshaus zu Clausthal. Bergbaugeschichte und Entwicklung des Oberbergamts zu Clausthal-Zellerfeld. Clausthal-Zellerfeld 1983.
  • Westermann, Westermann, 1974. – Westermann, Herbert: Brand Westermann. Ein Beitrag zur Geschichte des hannoverschen Barock. In: Hannoverscher Geschichtsblätter, NF 28 (1974), S. 51-120.
  • Archivalien:
  • Bornhardt, W.: Nachrichten über das Clausthaler Amtshaus. 1924. Ms. in der Bibliothek des Oberbergamtes Clausthal-Zellerfeld.

Einzelnachweise

  1. Fürer, Amtshaus, 1993, S. 5, 7-8, 10, 12, 15; Westermann, Westermann, 1974, S. 90.
  2. Fürer, Amtshaus, 1993, S. 7.
  3. Fürer, Amtshaus, 1993, S. 8, S. 23.
  4. Fürer, Amtshaus, 1993, S. 8, 23, 27-31.
  5. Fürer, Amtshaus, 1993, S. 27-31.
  6. Fürer, Amtshaus, 1993, S. 29-31.