Donath, Matthias:Burgscheidungen, Schloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2026, URL: www.deckenmalerei.eu/b206d82d-6bbb-4a4a-9d1e-b9fbfe53f2e8

Inventarnummer: cbdd10565

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Schloss Burgscheidungen hat nie eine Ausmalung erhalten, die dem herausragenden Wert der gebauten Architektur entspricht. Nur in einem Saal ist ein Plafond ausgemalt worden. Ein weiteres Deckengemälde ist durch ein Foto bezeugt, aber nicht erhalten.

Baugeschichte

Schloss Burgscheidungen nimmt einen Bergsporn im Unstruttal ein. Die Vierflügelanlage besteht aus zwei Flügeln des 15./16. Jahrhunderts und zwei Flügeln im Norden und Osten, die bei einem barocken Um- und Erweiterungsbau zwischen 1724 und 1732 entstanden. 1722 kaufte Levin Friedrich I. von der Schulenburg (1670–1729) das Rittergut Burgscheidungen, das bis 1945 im Besitz seiner Nachfahren, der 1786 in den Grafenstand erhobenen Grafen von der Schulenburg, blieb. Nach Plänen des Baumeisters David Schatz wurden zwei Flügel neu errichtet und mit einer eindrucksvollen barocken Fassadengestaltung versehen. Die Innenräume erhielten Stuckdecken, die Christian Haase mit einem Gehilfen ausführte. 1729 starb der Bauherr, und nach seinem Tod wurde die bereits geplante Ausführung der Plafondgemälde aus dem Bauprogramm gestrichen. Im Festsaal war die Darstellung von Herkules´ Aufnahme in den Olymp geplant.

Nach der Enteignung 1945 diente das Schloss als FDGB-Erholungsheim, dann als Landespionierleiterschule und von 1956 bis 1990 als Schulungsstätte der CDU (DDR). Die gemeinsam von der CDU und dem Institut für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Halle/Saale, durchgeführten Bau- und Restaurierungsmaßnahmen waren mit einer intensiven Erforschung der Archivalien und des Baubestandes verbunden. 1975 erschien das bis heute unübertroffene Standardwerk zu Schloss und Park Burgscheidungen, das diese Erkenntnisse bündelt. Die Treuhand, der das CDU-Vermögen mit dem Ende der DDR zufiel, nahm 1995 eine Privatisierung vor. 2007 und 2020 erfolgten Weiterverkäufe. Bis heute fehlt Schloss Burgscheidungen eine angemessene Nutzung.

Deckenausmalungen

Nordwestlicher Eckraum im Nordflügel

Der Eckraum im 1.OG zwischen Nord- und Westflügel besitzt auf der Nordseite drei und auf der Westseite zwei Fensterachsen. Die Decke ist mittig geteilt. Beide Raumkompartimente verfügen über eine Voutendecke mit aufgelegten feinen Stuckaturen und einem durch kräftige Stuckprofile konturiertem Plafond. Die Form beider Plafonds unterscheidet sich. Erhalten bzw. ausgeführt ist nur das Deckengemälde des östlichen Raumkompartiments. Innerhalb der kurvierten Umrandung sieht man die allansichtig verteilte Darstellung des Sturzes des Phaeton. Der Göttervater Jupiter (Zeus), der auf einem fliegenden Adler sitzt, sendet Blitze aus, die den von Phaeton missbräuchlich gelenkten Sonnenwagen zerschmettern. Der nackte Phaeton stürzt mit offenem Mund in die Tiefe. Im Wolkenhimmel sind drei Pferde sichtbar, deren Körper aus verschiedenen Richtungen und Sichten dargestellt wurde, sowie ein Wagenrad und der herabstürzende Wagenkorb des Sonnenwagens.

Haupttreppenhaus im Ostflügel

Das Deckenbild des Haupttreppenhauses zeigte eine gemalte illusionistische Architekturgliederung in Untersicht, die eine illusionistische gebildete Stuckdecke umgab. Diese ließ in der Mitte ein Plafond, der ausschließlich mit einem Wolkenhimmel bemalt war. Die Deckenausmalung wurde 1950 beseitigt, da aufgrund von Schäden eine neue Deckenkonstruktion eingezogen. Dokumentiert ist die Ausmalung lediglich durch ein Foto, welches allerdings nur einen Ausschnitt der Decke mit der gemalten Architektur und dem Wolkenhimmel wiedergibt.

Unbekannter Raum im Ostflügel

Laut Peter Findeisen (S. 107) wurden „in einem Raum“ im Obergeschoss des Ostflügels „Reste von Quadraturmalerei“ gefunden. Gemeint ist eine illusionistische Architekturdarstellung. Fotos dieses Befunds sind nicht überliefert, auch ist nicht bekannt, welcher der fünf von einem Korridor erschlossenen Räume es sein kann.

Datierung und kunsthistorische Einordnung

In den Quellen zu Schloss Burgscheidungen werden zwei Maler genannt, zuerst ein H. Richter, ab 1733 auch Johann Schuster. Peter Findeisen schreibt die Ausmalung der Decke des Nordwest-Eckraums H. Richter zu, nach seiner Aussage „der fähigste Maler in Burgscheidungen“. Wie er mit vollem Namen hieß, ist nicht bekannt, auch sind keine weiteren Werke überliefert. Da die Ausmalung der Plafonds offenbar 1729 abgebrochen wurde, dürfte das Deckenbild „Sturz des Phaeton“ um oder vor 1729 entstanden sein. Damit käme laut den Archivalien nur H. Richter als Ausführender infrage.

Der „Sturz des Phaeton“ war ein äußerst beliebtes Bildmotiv von Deckengestaltungen des 18. Jahrhunderts. Es ist davon auszugehen, dass der Maler eine Vorlage aus der Druckgrafik verwendete. Diese Vorlage ist bislang noch nicht ermittelt worden.

Bibliographie

  • Findeisen, Peter: Das Schloß, in: Hans Berger (Hrsg.): Schloß und Park Burgscheidungen im Unstruttal, Berlin 1975, S. 23-118 (hier Tafeln 21, 22, 25).
  • Schelenz, Reinhard: Schloß Burgscheidungen (Baudenkmale, Bd. 65), Leipzig 1987, S. 10.

Einzelnachweise