Bruckberg, Schlosskirche St Nikolaus

Dreyer, Angelika:Bruckberg, Schlosskirche St. Nikolaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/04741ffe-acf4-4cbb-a257-d5293b0d240c

Inventarnummer: cbdd10301

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Bruckberg, im Westen von Landshut gelegen, gewann durch seine strategisch und wirtschaftlich günstige Lage im Laufe der Jahrhunderte den Status einer Hofmark. Durch diese unterste herzögliche Verwaltungseinheit erhält man spannende Einblicke in das politische und kulturelle Leben auf dem Land.

Die Schlosskirche St. Nikolaus: Lage, Geschichte, Bauwerk

Lage

Das Schloss und die Schlosskirche St. Nikolaus liegen außerhalb des Ortszentrums von Bruckberg[1] „am Abhange eines Hügels.“[2] „Der Geländesporn, der vom nördlichen Isarhochufer fast bis zur Isar hinunterreicht, wurde an seiner Spitze durch einen tiefen Halsgraben und einen die ganze Burg umgebenden Ringgraben abgeteilt. Weil dadurch der Eindruck entsteht, die Burg, besonders der höher gelegene Burgturm, würden auf einem künstlich aufgeworfenen Hügel sitzen, hat man eine ursprüngliche ,Motte‘, also eine Erdkegelburg, angenommen. Doch erbrachten geologische Untersuchungen überraschenderweise den Nachweis, dass das gesamte Burgareal auf gewachsenem Boden steht. Der umlaufende Wassergraben, heute ein idyllisches Naturdenkmal, wird von einem kleinen Zufluss zur Isar gespeist. [...] Unterhalb des Turmes umgeben die Wohn- und Speicherräume einen [...] Innenhof. Die Nikolauskapelle steht [nördlich davon] auf einer Wallkrone außerhalb des Wassergrabens.“[3]

Geschichte (und Besitz-Geschichte)

„Ihrem Namen nach dürfte die Burg [an der linksseitigen Isartalstraße] im Zusammenhang mit einem Isarübergang entstanden sein, der hier die beiden an den Flussufern entlang führenden Straßen verband. [...] Urkundlich ist indessen eine mittelalterliche Brücke hier nicht beglaubigt.“[4]

„Erste Nachrichten über das Edelgeschlecht derer von Bruckberg [stammen] aus der Zeit um 1120/30.“[5] „Unter Konrad von Bruckberg scheinen sie sich eher den Wittelsbachern [statt dem Freisinger Bischof] zugewandt zu haben. [...] Die Bruckberger sind noch bis 1230 nachweisbar. Aber erst unter Kaiser Ludwig dem Bayern gelangt die kleine Herrschaft 1342 infolge eines Gebietstausches mit dem damaligen Besitzer Heinrich von Ortenburg an das Herzogtum [Baiern]. [...] 1558 hören wir von Hans Thummer, Bürger zu Regensburg, als Besitzer.“[6]

„Nach zahlreichen Besitzerwechseln erwarb 1730 der Landshuter Bürgermeister Johann Michael Pettenkofer die Hofmark. Diese ging 1760 an Baron von Cammerlohr über, der eine Tochter Pettenkofers geehelicht hatte.“[5]

Nach dem Tod von „Joseph Marquart Eustach Aloys [Kammerloher], Herr auf Weiching und Irnsing [...] am 2. Oct. 1771“[7] fiel der Besitz an seine Witwe zurück und nach deren Tod 1776 blieb Bruckberg auch bis nach 1800 noch in der Familie Pettenkofer.[8]

„Seit 1826 waren die Freiherrn von Schacky auf dem Schloss. Jetzt ist das Schloss mit sämtlichen Grundbesitz Eigentum der Freiherrn von Korff-Grimm.“[9]

Bauwerk (Schlosskirche)

Das Äußere der Schlosskirche zeigt eine einfache Kombination aus einem zweifenstrigem Langhaus und einem „eingezogenen rund geschlossenen Chor“[5], wobei der Übergang zwischen beiden Bauteilen „außen konkav gemuldet“[5] ist. Die Gesamtlänge der Schlosskirche beträgt 17,40 Meter und misst an ihrer Westseite 10,06 Meter.[10]Diese ist ohne Tür- und Fensteröffnungen, da der Haupteingang sich auf der Südseite unterhalb des westlichen Fensters befindet. Das Gebäude wird von einem Satteldach überfangen.

Die Bau- und Ausstattungeschichte

Die Bau- und Ausstattungsgeschichte

„Im 11. Jahrhundert baute ein Verwandter des Grafengeschlechts von Moosburg-Roning-Rottenburg eine Burg. Sie diente wohl zum Schutz eines 1377 erwähnten Isarübergangs. Vom 12. bis Mitte des 14. Jahrhunderts war die Burg im Besitz des einflussreichen Ortsadelgeschlechts der Bruckberger. [...] Im Dreißigjährigen Krieg wurde Bruckberg fast völlig durch die Schweden zerstört.“[11] Danach erfolgte ein Wiederaufbau. Die unregelmäßige Vierflügelanlage mit einem engen Hof ist der „Bau des 17. Jahrhunderts.“[2]

Die Schlosskirche ist „wohl [eine] spätgotische Anlage“[5], deren „Barockisierung in zwei Bauphasen“[12] sich vollzog. „Ca. 1750 Verbreiterung des Langhauses nach Norden. [...] Ca. 1760–1770 Anbau des Chorraumes nach Osten, Sakristei nach Süden.“[12] „Das Langhaus, ursprünglich ein einschiffiger romanischer Kirchenbau wurde [...] nach Norden hin verbreitert (die Mauerstärke Nord unterscheidet sich wesentlich von der noch romanischen Südwand), und mit einer hölzernen Flachdecke mit flacher Kehle versehen [...]. Der um ca. 1770 vollendete Chorbau weist keine wesentlichen architektonischen Unterschiede gegenüber dem Langhaus auf.“[13]

Die bildliche Ausstattung der Decken in Langhaus und Chor folgte im zeitlichen Abstand ebenfalls den zwei unterschiedlichen Bauetappen.

Die Vollendung des Langhausfreskos ist, im Unterschiede zum Deckenbild im Chor, nach chronogrammatischer Auskunft in der Mittelkartusche über dem Chorbogen mit 1762 zeitlich genau zu fassen.[14]

Der Auftraggeber Joseph Marquart Eustach Aloys Kammerloher

Der Auftraggeber Joseph Marquart Eustach Aloys Kammerloher

Den Auftrag zur Ausstattung der Nikolaus-Kapelle erteilte „Joseph Marquart Eustach Aloys“[7]Kammerloher (?–1771), „Regierungsrath zu Landshut im J. 1746, auch Assessor des vormaligen kaiserlichen Landgerichts Hirschberg [...].“[7] Aus dem Geschlecht der 1624 von Kaiser Ferdinand II. in den reichsadeligen Stand erhobenen Kammerloher stammend, waren seine Vorfahren 1700 bei einem verheerenden Brand um „Haab und Gut“[15] gekommen.

Die Nachfahren „waren aus Dürftigkeit gezwungen, den adelichen Stand und die Vorrechte ihrer Aeltern und Vorältern fahren zu lassen.“[15] Joseph Marquart gelang es dennoch, ab 1730 Schloss Irnsing dauerhaft zu übernehmen.[16]

Eine weitere gute Gelegenheit zur Besitzstandsmehrung eröffnete sich, als er am 22. November 1745 Maria Anne Katherina Antonie von Pettenkofer (1720–1776) ehelichte,[8] deren Vater Johann Michael Pettenkofer seit 1718 nicht nur Bürgermeister von Landshut war, sondern auch „Brukberg, Schloss und Hofmark Landgerichts Moosburg, samt der dazu gehörigen Hofmark Engelsdorf“[17] besaß. Nach dem Tod seines Schwiegervaters (1758?) begannen die Eheleute Kammerloher-Pettenkofer damit, das Schloss überarbeiten und/oder neu ausstatten zu lassen.

Das Langhaus

Das Langhaus

Der Hauptraum der Schlosskirche besteht aus zwei Achsen und wird von verkröpften Pilastern gegliedert. Deren Besonderheit besteht in ihrer reduzierten Machart, so dass die verwendete Gliederung nicht bestimmt werden kann, weil der Kapitellbereich allein als vertieftes Rechteckfeld gebildet ist. Diese Gestaltung ergibt zusammen mit dem formal gleich behandelten Pilasterspiegel das geometrisierende Gliederungsgerüst. Das den Hauptraum umlaufende Gesimsband homogenisiert den Wandbereich und bereitet die sanfte Kehlung der hölzernen Flachdecke vor. Den Übergang zum Chor öffnet eine Arkade mit Segmentbogen.

Das Deckenbild im Langhaus: Technik, Ausführung, Maße und Bildanlage

Das Deckenbild im Langhaus

Das Deckenbild zeigt das Thema: „St. Nikolaus wird zum Bischof geweiht.“[5]

Technik, Ausführung, Maße und Bildanlage

„Das freskal gearbeitete Deckengemälde mit Vorritzungen, Putz- und Arbeitsgrenzen ist mit einem gemalten, ebenfalls freskal gebundenen Rahmen umgeben. Dieser wurde in dunklen und hellen kräftigen Ockerfarben ausgeführt und mit einem ornamentalen Muster gestaltet, was ihn plastisch hervortreten lässt. Um den Rahmen ist auf einer Breite von ca. 30cm eine in kühlem Grau (bestehend aus drei unterschiedlichen Farbwerten) gehaltene Stucko-fintobemalung, die sich durch zarte, rosa farbene Schatten ebenfalls plastisch vom weißen Kalkgrund hervorhebt.“[13] Das Fresko ist 6,70 Meter lang und 5,93 Meter breit.[10]

Das Fresko weist im unteren Treppenbereich eine leichte Schrägperspektive auf, während die Hauptszene im Kircheninneren und das himmlische Wolkenpersonal der Bildanlage eines Tafelbildes, eines „quadro riportato“[18] folgt. Das Bildgeschehen entwickelt sich von Ost nach West.

Die Mittlere Kartusche: DIVO NICOLAO SACRUM

Die Mittlere Kartusche

Auf dem Gesims sitzen über dem Chorbogen in symmetrischer Anordnung drei Kartuschen auf. Die mittlere Muschelkartusche verweist mit ihrer Inschrift DIVO NICOLAO SACRUM und der Bischofsmitra und –stab auf den Titelheiligen.

Die linke Kartusche für den Freiherrn von Cammerlohr: I.M.Q.F.H.V.CL.V.W

Rechts und links davon stehen Wappen auf Rechtecksockeln mit Buchstabenfolge, die sich auf die beiden Ehepartner Kammerloher (links) und Pettenkofer beziehen: I.M.Q.F.H.V.CL.V.W. steht für Joseph Marquard Freiherr von Cammerlohr von Weiching

Die rechte Kartusche für die Gemahlin: M.A.F.F.V.CL.G.V.P.

Das rechte Wappen und die Buchstabenfolge auf dem Rechtecksockel bezieht sich auf die Gemahlin Pettenkofer: M.A.F.F.V.CL.G.V.P. steht für Maria Anna Freifrau von Cammerlohr geborene von Pettenkofer.

Die Kartuschen: Technik, Ausführung und Maße

Die Kartuschen: Technik, Ausführung und Maße

Die ebenfalls freskal ausgeführte Schrift- und Wappenkartuschen sind von Schattenpartien umgeben, die „innen und außen sich zart rosa vom weißen Untergrund abheben und dadurch einen räumlichen Eindruck erwecken.“[13]Die Kartuschen sind 2,31 Meter breit und 1,06 Meter hoch.[10]

Programm und Synthese: Der hl. Nikolaus wird zum Bischof bestimmt

Programm und Synthese

Der heilige Nikolaus, „Bischof von Myra in Lykien (Kleinasien)“[19]entwickelte sich sowohl in der russisch-orthodoxen Kirche wie auch im westeuropäischen seit dem späten Mittelalter zu einem der populärsten Heiligen.[19]„Er ist nach der Gottesmutter der am häufigsten angerufene Helfer in allen schwierigen Lebenslagen und wird verehrt als Bischof und Bekenner.“[20]

Dieses Bekennen zu Gott zeigt sich auch in der legendenhaften Geschichte der Bischofsweihe des Nikolaus, die gleichzeitig seine Auserwähltheit „als exempla der in ihm wirksamen Kraft Gottes“[20] veranschaulicht.

Nikolaus begab sich, einem inneren Ruf folgend, aus seinem Kloster bei Patara nach Myra, wo genau zu diesem Zeitpunkt der dortige Bischof gestorben war. „[D]a kamen viel bischöfe zusammen, dass sie einen andern an seine Statt wählten. Unter ihnen war einer von großer Gewalt und Ansehen, an des Urteil stund das Auserwählen der Andern. Der ermahnte sie allesamt, dass sie in Fasten und Gebet verharren sollten; aber des Nachts kam eine Stimme zu ihm die sprach ,Du sollst zur Mettenzeit die Tür der Kirche behüten, und der erste Mensch, der zu der Kirche kommt, des Name auch Nicolaus ist, den sollst du zum Bischof weihen.‘ Das tat er den andern kund und hieß sie mit Andacht im Gebet verharren, er selbst blieb an der Kirchentür und wartete. Nun fügte es Gott, dass zur Mettenzeit Sanct Nicolaus zuerst zu der Kirche gegangen kam vor allen andern. Da hielt ihn der Bischof an und sprach ,Wie heißest du?‘ Nicolaus neigte voll heiliger Einfalt sein Haupt und antwortete ,Ich bin genannt Nicolaus, ein Diener eurer Heiligkeit‘. Da führten sie ihn in die Kirche, und setzten ihn, ob er sich gleich sträubte, auf den Bischofsstuhl.“[21]

Diese Version in der Legenda Aurea übersetzte der Künstler in Bruckberg in ein mehrschiffiges hohes Kircheninneres und zeigt den demutvollen Moment der Bischofseinsetzung des knienden Nikolaus. Er ist von mehreren Bischöfen umgeben und dem Ranghöchsten von ihnen, auf seinem Stuhl sitzend, fällt die Aufgabe zu, an Nikolaus die irdischen Weihen zu vollziehen. Die bischöflichen Würdezeichen, Stab und Mitra, bringen währenddessen aus der himmlischen Wolke, die in den Kirchenraum von oben eindringt, Engelchen herbei, die dabei, wie das Bild ebenfalls deutlich macht, einen göttlichen Auftrag ausführen.

Der Chor

Der Chorraum hat gerade Anlaufseiten und schließt in einer Halbrundform. Den Chor belichtet das Nordfenster, auf der gegenüberliegenden Wand ist aus Symmetriegründen ein Blindfenster angebracht, unter dem sich der Eingang in die Sakristei befindet. Die Länge des Chores beträgt am Außenbau 6,10 Meter, die Breite 8,10 Meter.[10]

Das Deckengemälde im Chor: Technik, Ausführung, Maße und Bildanlage

An der Chordecke ist das Thema „St. Nikolaus erhält Geschenke von den drei befreiten Feldherren“[5] zu sehen.

Technik, Ausführung, Maße und Bildanlage

„Das Deckengemälde, der gemalte Rahmen und die Stucko-fintobemalung unterscheiden sich grundlegend gegenüber der Langhausdeckenbemalung. Das Deckengemälde [...] ist hier in reiner Seccotechnik ausgeführt. Vergleiche zwischen Arbeitstechnik, Maltechnik und Ausführung lassen die Vermutung zu, dass es sich hier um einen anderen ausführenden Maler handelt.“[13]

Das Gemälde entfaltet sich innerhalb einer Fläche von 5,75 Meter Breite und 4,56 Meter Länge.[13]

Das mit einer leichten Schrägperspektive konzipierte und von Ost nach West angelegte Gemälde ist auf eine Erfassung aus dem Hauptraum ausgerichtet.

Das Chorfresko: Der hl. Nikolaus befreit drei Fürsten aus dem Kerker Konstantins

Das Chorfresko: Der hl. Nikolaus befreit drei unschuldige Fürsten aus dem Kerker von Kaiser Konstantin

Die Darstellung im Chor zeigt Nikolaus in Bischofskleidung auf einem Treppenpodest stehend. Er empfängt in einem Innenhof drei modisch gekleidete ritterliche Feldherren, die sich Nikolaus in der Bildformel der drei heiligen Könige mit ihren Geschenken nähern. Der Vordere hat seinen Hut auf die Treppenstufe abgelegt, kniet nieder und ist gerade dabei, einen Kerzenleuchter zu überreichen. Mit geziemenden Abstand folgen die beiden anderen Schenkenden. Der zweite Ritter möchte ein Buch im Goldschnitt mit 2 Schließen überreichen, während der dritte ein Weihrauchfass präsentiert.

Zur Anschauung wird hier eine Szene gebracht, die in der Heiligenlegende des Nikolaus durchaus bekannt ist, in der Freskomalerei aber eher selten zu sehen ist. Gemeint ist damit der Schlussteil der Erzählung, in der Nikolaus in derem ersten und mittleren Abschnitt drei zu Unrecht beschuldigte Fürsten[22]. (alternativ: Feldherren) aus dem Kerker von Kaiser Konstantin mittels einer Traumerscheinung befreit. Diese beiden Bestandteile sind in der süddeutschen Freskomalerei durchaus als bildwürdig erachtet worden.[23]

Der Schlussteil der wunderbaren Errettung der drei Todgeweihten wird in Bruckberg erzählt. Nachdem die drei aus dem Gefängnis befreit waren, berichteten sie „dem Kaiser von des Heiligen Leben und Wunderwerken. Da sprach der Kaiser ,Gehet hin und lobet Gott, der euch wunderbar erlöst hat um das Verdienst seines Heiligen. Und bringt ihm von mir Geschenke und bittet ihn, dass er mir hinfort nicht mehr drohe, sondern Gott mich und mein Reich bitte.‘ Kürzlich hienach kamen die Drei zu Sanct Nicolaus und fielen ihm zu Füßen und sprachen ,Wahrlich, du bist Gottes Knecht und ein sonderlicher Minner Jesu Christi‘; [...] Da hub er seine Hände auf und lobte Gott; und lehrte sie in Tugend leben und sandte sie wieder heim in ihr Land.“[24]

Programm und Synthese: der hl. Nikolaus und das Priesteramt

Programm und Synthese: Der hl. Nikolaus und die demutsvolle Ausübung des Priesteramtes

Im Chorfresko wird mit der Darstellung der drei schenkenden Feldherren auf die früheste der überlieferten Wundergeschichten angespielt, dem sogenannten Stratelatenwunder (stratelates: Feldherren). Zwar werden auch hier im Chor genauso wie im Hauptschiff bildlich die Motive des bekennenden und wundertätigen Bischofs bedient, im Vordergrund steht dennoch ein anderer Aspekt. Denkt man den Anbringungsort und die Funktion des Chores als Altarraum zusammen, so wird in Bruckberg nachvollziehbar, dass man an dieser Stelle das bei Nikolaus ebenso als exemplarisch zu verstehende Priestertum hervorheben wollte.

Die zu einer Messfeier notwendigen Gerätschaften werden ihm im Deckengemälde dargebracht. Der Kerzenleuchter, „ab dem 11. Jahrhundert [...] auf dem Altar nachweisbar,“[25] ist dabei einerseits als gebräuchliches Utensil bei Messfeierlichkeiten wie andererseits als „Sinnbild für geistliches Licht“[25] zu verstehen.

Das Buch mit Goldschnitt steht als „Symbol des göttlichen Gesetzes und der Glaubenslehre,“[26] deren Inhalt zu verkünden Nikolaus im Frühchristentum und seinem christlichen Nachfolger vor Ort besonders am Herzen liegen musste.

Das Weihrauchfass als Duft- und Rauchspender komplettiert den verpflichtenden Drei-Satz an Gerätschaften, die zur Liturgie einer hl. Messe gehören.

Für den Priester am Altartisch von Bruckberg sind ähnliche Grundüberzeugungen wesentlich wie sie von Nikolaus exemplarisch vorgelebt wurden: im Vordergrund steht das Gotteslob und die demutvolle Ausübung des Amtes im Dienste einer höheren, geistlichen Aufgabe.

Langhaus und Chor: Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert

Langhaus und Chor: Charakteristische Veränderungen der ursprünglichen Deckenbilder im 19. und 20. Jahrhundert

„Im Deckenbereich wurden [im 19. Jahrhundert] umfangreiche farbige und gestalterische Veränderungen vorgenommen. So wurde die ursprünglich weiß gekalkte Kehle und die Stucko-fintomalerei mit einer hellblauen, sehr dick aufgetragenen Kalkfarbe überstrichen.

Die gemalten Rahmen um die Deckengemälde wurden völlig neu gestaltet. Die erhielten an der Außenkante eine ultramarinfarbene Begleitlinie. Die Rahmenbreite wurde um ca. 6 cm erweitert, wodurch ca. 1,5–2 cm der Deckengemälde entlang des Rahmens überdeckt wurde. [...] Die Deckengemälde sind weitestgehend übermalt. Dabei wurden überwiegend sehr pastellfarbene Tonalitäten verwendet, wodurch die Gemälde einen sehr flachen Charakter bekommen. [...] Die figürlichen Darstellungen (hauptsächlich im Chordeckengemälde) sind durch starke Übermalungen in Gesicht und Körper und mittels roter Konturierungen an den Extremitäten sehr stark akzentuiert, wodurch sich eine vollkommen andere Aussage von Gesicht und Körper ergibt. Die gemalte Schrift- und Wappenkartusche wurde partiell lasierend übermalt und die originalen zart rosafarbenen Schatten mit einem sehr pastosen Ultramarin überdeckt.“[27]

„Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt das Kircheninnere einen neuen Anstrich. [...] Die Rahmengestaltung wie auch die Deckengemälde wurde nicht verändert.“[28]

Bibliographie

  • Albrecht, Neustadt a.d.D., Teil 4, 2012 ─ Albrecht, Eduard: Befestigte Orte, Burgen und Schlösser in der Großgemeinde Neustadt a.d.D., in: Heimatkundliche Blätter, Nummer 2, o.O. 2012.
  • Bauer/Büttner/Rupprecht, Corpus, Band 10, 2005 ─ Bauer, Hermann/Büttner, Frank/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10, München 2005.
  • Bauer/Büttner/Rupprecht, Corpus, Band 12/2, 2006 ─ Bauer, Hermann/Büttner, Frank/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12/2, München 2006.
  • Benz, Legenda, 1963 ─ Benz, Richard: Die Legenda aurea des Jacobus de Voragine, Berlin 1963.
  • Bezold/Riehl, Kunstdenkmale, 1895 ─ Bezold, Gustav von/Riehl, Berthold: Die Kunstdenkmale des Regierungsbezirkes Oberbayern, Teil 1, München 1895.
  • Brix, Niederbayern, 2008 ─ Brix, Michael: Bayern II. Niederbayern (Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern II. Niederbayern), München/Berlin 2008.
  • Fastenrath, „Quadro riportato“, 1990 ─ Fastenrath, Wiebke: „Quadro riportato“: eine Studie zur Begriffsgeschichte mit besonderer Berücksichtigung der Deckenmalerei (Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München, Band 51), München 1990.
  • Körner/Schmid, Altbayern, 2006 ─ Körner, Hans-Michael/Schmid, Alois: Bayern I. Altbayern und Schwaben (Handbuch der Historischen Stätten), Stuttgart 2006.
  • Kretschmer, Lexikon, 2008 ─ Kretschmer, Hildegard: Lexikon der Symbole und Attribute in der Kunst, Stuttgart 2008.
  • Sachs/Badstübner/Neumann, Ikonographie, 1975 ─ Sachs, Hannelore/Badstübner, Ernst/Neumann, Helga: Christliche Ikonographie in Stichworten, München 1975.
  • Siebenkees, Wappenwerk, 1791 ─ Siebenkees, Johann Christian: Geschlechts- und Wappenbeschreibungen zu dem Tyroffischen neuen adelichen Wappenwerk, Band 1, Abschnitt 1, Heft 11, Nürnberg 1791, S. 335–337.
  • Siebenkees, Wappenwerk, 1808 ─ Siebenkees, Johann Christian: Geschlechts- und Wappenbeschreibungen zu dem Tyroffischen neuen adelichen Wappenwerk, Band 1, Abschnitt 2, Heft 13, Nürnberg 1808, S. 11–12, 128.
  • Weithmann, Burgen, 2013 ─ Weithmann, Michael: Burgen und Schlösser in Niederbayern. Führer zu Burgen und Schlössern im Bayerwald, zwischen Donau, Isar und unterem Inntal, Straubing 2013.
  • ONLINE

Einzelnachweise

  1. Bahnhofstraße 22–24, 84079 Bruckberg: Denkmal-Nummer: D-2-74-194-3.
  2. 2,0 2,1 Bezold/Riehl, Kunstdenkmale, 1895, S. 394.
  3. Weithmann, Burgen, 2013, S. 103.
  4. Weithmann, Burgen, 2013, S. 104.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 5,6 Brix, Niederbayern, 2008, S. 71.
  6. Weithmann, Burgen, 2013, S. 105.
  7. 7,0 7,1 7,2 Siebenkees, Wappenwerk, 1808, S. 128.
  8. 8,0 8,1 Siebenkees, Wappenwerk, 1808, S. 12.
  9. https://www.bruckberg.org/unsere-gemeinde/ortsportrait/schloss-bruckberg/
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 BLfD, München: Ordner: Bruckberg, Niederbayern, Bahnhofstraße 22–24, St. Nikolaus, Wand, Band 2, S. 12.
  11. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schloss_Bruckberg&oldid=204308547 [zuletzt abgerufen am: 02.07.2021].
  12. 12,0 12,1 BLfD, München: Ordner: Bruckberg, Niederbayern, Bahnhofstraße 22–24, St. Nikolaus, Wand, Band 2, S. 6.
  13. 13,0 13,1 13,2 13,3 13,4 BLfD, München: Ordner: Bruckberg, Niederbayern, Bahnhofstraße 22–24, St. Nikolaus, Wand, Band 2, S. 7.
  14. Die Jahreszahl setzt sich aus MDCCLVVII (=1762) zusammen. Die Datumsangabe 1760 ist nicht korrekt: Brix, Niederbayern, 2008, S. 71.
  15. 15,0 15,1 Siebenkees, Wappenwerk, 1791, S. 336.
  16. Albrecht, Neustadt a.d.D., Teil 4, 2012, o.S., Anmerkung 8.
  17. Siebenkees, Wappenwerk, 1808, S. 11.
  18. Fastenrath, „Quadro riportato“, 1990.
  19. 19,0 19,1 Sachs/Badstübner/Neumann, Ikonographie, 1975, S. 262.
  20. 20,0 20,1 Bauer/Büttner/Rupprecht, Corpus, Band 10, 2005, S. 295.
  21. Benz, Legenda, 1963, S. 30.
  22. Benz, Legenda, 1963, S. 32.
  23. Ein besonders ausdrucksstarkes Beispiel in Pfraundorf: Bauer/Büttner/Rupprecht, Corpus, Band 12/2, 2006, S. 394–399.
  24. Benz, Legenda, 1963, S. 34.
  25. 25,0 25,1 Kretschmer, Lexikon, 2008, S. 261.
  26. Kretschmer, Lexikon, 2008, S. 72.
  27. BLfD, München: Ordner: Bruckberg, Niederbayern, Bahnhofstraße 22-24, St. Nikolaus, Wand, Band 2, S. 9.
  28. BLfD, München: Ordner: Bruckberg, Niederbayern, Bahnhofstraße 22-24, St. Nikolaus, Wand, Band 2, S. 10.