Laß, Heiko:Bremen, "Burg Blomendal", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/9ebc3bf2-3d39-4c67-b859-a77564f711ad

Inventarnummer: cbdd10210

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In Haus Blomendal haben sich zwei Deckenmalereien in guter Qualität und hervorragendem Zustand erhalten. Sie zeigen u.a. einen Tugend- und Elementenzyklus von 1618 sowie die zwei ältesten in Bremen erhaltenen Porträts, des Bürgermeisters Erich Hoyer und seiner Frau Metjen Stenow, von 1577/80.

Haus "Burg Blomendal" in Bremen-Blumenthal

Kurzbeschreibung und Lage

Burg Blomendal[1] im Bremer Stadtteil Blumenthal erhebt sich in einer Niederung nahe der Weser am Zusammenfluss von Beckedorfer Beeke und Blumenthaler Aue. Die ehemalige Wasserburg stellt sich heute als ein Konglomerat von mehreren Bauten unterschiedlicher Zeitstellung um einen annähernd rechteckigen Hof dar. Die Burggräben sind weitgehend zugeschüttet. Ältester Bau von 1354 ist das Haupthaus im Südosten mit im rechten Winkel anschließendem Torflügel im Südwesten. Im Nordosten steht ein ehemaliges Amtshaus von ca. 1500/50 mit jüngeren Anbauten. Hinzu kommen eine Zehntscheune des 19. Jahrhunderts im Südwesten und eine Remise von 1975 im Nordwesten.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Haus Blomendal[2] geht auf eine 1354 gegründete erzbischöflich-bremische dreiflügelige Ministerialenburg der Herren von Aumund (Oumünde) zurück. Sie ersetzte eine wenige Jahre zuvor zerstörte Anlage, etwas weiter nördlich. Bereits 1380 und 1412 musste die Burg der Stadt Bremen geöffnet werden. Nach dem Aussterben der Herren von Aumund Anfang des 14. Jahrhunderts kam die Burg in den Besitz anderer Adelsfamilien, die Blomendal aber nicht halten konnten und die Anlage 1436 an die Stadt Bremen veräußerten. Die Stadt nutzte die Burg nicht selbst, sondern verpachtete sie an Bürgermeister und Ratsmitglieder bis 1608. 1542 wurde Blomendal dem Ratsherrn Diederich Hoyer d. Ä. für zehn Jahre übertragen. 1548 erhielt er sie als Anerkennung für seine Verhandlungen mit Kaiser Karl V. nach dem verlorenen Schmalkaldischen Krieg für weitere 18 Jahre. Sein Sohn Erich Hoyer, seit 1564 Bürgermeister, übernahm sie 1577 für weitere 20 Jahre für den bereits von seinem Vater gezahlten Pachtbetrag.

Nach 1608 nahm die Stadt die Vogtei in eigene Verwaltung und setzte Amtmänner ein. In den Kriegen des 17. Jahrhunderts erlitt Haus Blomendal schwere Schäden. Zwei Flügel wurden zerstört. 1654 endete die bremische Herrschaft über Blumenthal, aber erst 1741 wurde auch der Besitz abgetreten. Die Anlage wurde zum Amtssitz mit Dienstwohnung ausgebaut und die Befestigungsanlagen wurden niedergelegt. Erst 1936 kam Blumenthal an Bremen zurück. Im Rahmen eines geplanten Abrisses des Hauses 1969 entdeckte man eine Deckenmalerei von ca. 1577/80, was zum Erhalt des Hauses und 1973 zur Eintragung als Denkmal führte. Das Gebäude und die Malereien wurden restauriert und gesichert. 1979 konnte Haus Blomendal seiner neuen Nutzung übergeben werden. Das Gebäude wird seither durch eine moderne Betonkonstruktion zusammengehalten. Aus dem abgebrochenen Landhaus „Krähnholm“ wurden verschiedene Ausstattungsteile wie die Treppe eingebaut.[3]

Beschreibung

Das Hauptgebäude mit Torflügel ist ein L-förmiger zweigeschossiger Backsteinbau mit Krüppelwalm- bzw. Satteldach. Er weist mit 11 Fenstern nach Südosten und sieben Fenstern nach Südosten. Zum Hof hin sind bedeutend weniger Fenster vorhanden. Drei Türen erschließen den Hauptbau, eine den Torflügel. Der Haupteingang befindet sich in der Ostecke des Hofes und erschließt im Hauptgebäude eine Halle, aus der die translozierte Treppe aus Haus Krähnholm das Obergeschoss erschließt. Das Obergeschoss wird im Südosten komplett vom so genannten Rittersaal eingenommen. An diesen schließt sich nach Nordwesten im Torflügel der so genannte Hoyer-Saal an. In beiden Sälen haben sich die originalen Holzbalkendecken mit Malerei von 1618 bzw. 1577/80 erhalten.

Forschungsstand

Der Forschungsstand zur Baugeschichte ist ungenügend. Über konkrete Maßnahmen ist kaum etwas bekannt. Anders verhält es sich mit der Deckenmalerei, die vor allem von Gramatzki 1985 ausführlich gewürdigt wurde.[4]

Der sog. Rittersaal

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der so genannte Rittersaal wurde zusammen mit der Burg 1354 erbaut und später immer wieder umgestaltet.[5] Seine Holzbalkendecke erhielt die heute noch erhaltene Bemalung 1618. Der Raum diente als Gerichtssaal. Auftraggeber war vermutlich Dietrich Hoyer, der damals Richter und Verwalter in Blumenthal und Neuenkirchen war.[6] Der Raum wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt im Nordosten um rund einen Meter verkürzt.[7]

Beschreibung

Der Saal im ersten Obergeschoss nimmt über ein Drittel des Hauptflügels ein. Er öffnet sich mit einem Fenster zum Hof, mit drei Fenstern nach Südwesten und zweien nach Südosten. Betreten wird der Raum an der Nordostseite. Erhalten hat sich die farbig gefasste Holzbalkendecke.

Die sog. Tugdenddecke des Rittersaals

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die sogenannte Tugenddecke[8] wurde sehr wahrscheinlich für den Bremer Bürgermeister Dietrich Hoyer d. J. geschaffen. Er war der Sohn jenes Bürgermeisters Erich Hoyer, für den die Decke im anschließenden Hoyer-Saal bemalt wurde und der Enkel Dietrich Hoyers d. Ä., der 1542 Burg Blomendal als erster in der Familie erhalten hatte. Die Malerei, deren Künstler unbekannt ist, wurde später abgehängt und erst 1972 wieder entdeckt und anschließend restauriert. Sie wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt um rund einen Meter verkürzt.

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke zeigt 11 Fachen zwischen 12 Unterzügen, die einheitlich bemalt sind. Sie misst heute nur noch 7,80 auf 13,55 Meter. Grundton der Malerei ist ein eher dunkles Blaugrau. Auf diesem erfolgte in den Fachen eine Grisaillemalerei mit roten Akzenten, auf den Balken auch in Rottönen. Hinzu kommen weiße Höhungen und schwarze Schatten. Die Fachen sind im Wechsel mit einem kleinteiligen dichten Rankenwerk bzw. Arabesken bemalt. In der Mitte erblickt man Medaillons in Lorbeerkränzen. In jeder Fache mit Arabesken findet man beiderseits der Medaillons Masken, Köpfe, Schädel oder Cherubim. Die Medaillons selbst präsentieren Frauen und Männer im Brust- oder Hüftstück. Es handelt sich um Personifikationen bzw. Allegorien der sieben Kardinaltugenden und vier Elemente. Die Figuren sind auf graublauem Grund in Grau gemalt. Sie werden durch je zwei Attribute und je einen Schriftzug mit ihrem lateinischen Namen kenntlich gemacht. Während die Tugenden durch Frauenfiguren personifiziert werden, werden es die Elemente durch Männer.

Die Balken zeigten an allen drei Seiten auf rotem Grund ein gemaltes graues Flecht- und Beschlagwerk in variierenden Formen – es wurde keine Schablone verwendet.

Zu den vorhandenen elf Feldern gehörte ehemals ein zwölftes. Es hatte nur etwa ein Drittel der Breite der anderen und in der Mitte eine Aussparung. Eventuell befand sich dort eine Tür.[7] Ein Deckenfragment wird nach wie vor in Blomendal verwahrt.

Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit

Die Ansichtigkeit der Medaillons ist auf die den Raum Verlassenden hin ausgerichtet. Betritt man den Raum, stehen die Allegorien auf dem Kopf.

Fides
 

Die Treue (Fides) wird mit Kreuz und Kelch gezeigt. Sie ist links des Hauptes mit „Fides .“ beschriftet, rechts befindet sich die Jahreszahl 1618, nach der die gesamte Deckenmalerei datiert wird.

Spes
 

Die Hoffnung (Spes) trägt als Attribut einen Anker und betet. Der Schriftzug ist „Spes“. Beiderseits von Spes sind in die Arabesken Cherubim integriert.

Caritas
 

Die Liebe (Caritas) wird als Mutter mit drei Kindern, von denen sie eines auf dem Arm trägt, dargestellt sowie mit dem Schriftzug „Caritas“ kenntlich gemacht.

Prudentia
 

Die Klugheit (Prudentia) hält in der rechten Hand den Spiegel der Selbsterkenntnis, während sich um ihren linken Unterarm eine schützende Schlange windet. Der Schriftzug „Prudentia .“ wird aufgrund seiner Länge durch ihren Kopf in zwei Abschnitte getrennt. In den Arabesken finden sich ein Cherubim und eine Maske.

Justitia
 

Die Gerechtigkeit (Justitia) wird mit Richtschwert und Waage gezeigt. Entsprechend der norddeutschen Tradition sind ihre Augen nicht verbunden. Der Schriftzug lautet „IUSTITIA“.

Fortitudo
 

Die gerüstete Tapferkeit (Fortitudo) hat eine Säule geschultert und stützt sich auf eine weitere. Der lange Schriftzug „Fortitudo“ ist wie bei Prudentia durch ihren Kopf zweigeteilt. In den Arabesken befinden sich ein Bocksschädel und eine Blumenvase.

Temperantia
 

Die Mäßigung (Temperantia) verdünnt Wein in einer Schale mit Wasser aus einer Flasche. Der Schriftzug „Temperantia“ wird durch ihren Kopf und die Flasche dreigeteilt.

Ignis
 

Das Feuer (Ignis) hält eine brennende Fackel und eine Feuerschale, die mit „IGNIS“ beschriftet ist. In den Arabesken sind ein Cherubim und eine Maske dargestellt.

Aer
 

Die Luft (Aer) hat Wolken als Haare und hält einen Vogel auf der Hand. Rechts des Kopfes ist der Schriftzug „AER“ zu sehen, links der offensichtlich fälschlich gesetzte „IGNIS“.

Aqua
 

Das Wasser (Aqua) gießt einen Wasserkrug aus. Der Schriftzug „AQUA“ ist links des Kopfes. In den Arabesken befinden sich ein Cherubim, eine Blattmaske sowie ein Stierkopf.

Terra
 

Die Erde (Terra) ist zu großen Teilen zerstört. Die Personifikation ist mit Früchten bekränzt und hält ein Eichhörnchen auf der Hand. Rechts des Kopfes befindet sich der Schriftzug „TERRA“. Das Medaillon ist etwas kleiner als die anderen. Das Deckenfeld war ursprünglich breiter als heute, aber bei seiner Wiederentdeckung war unter dem Lorbeer ein Rechteck von 15 auf 120 Zentimeter herausgesägt.[7]

Die Stellung der Tugenddecke

Vorlagen und Vergleiche

Die Arabesken ähneln gemäß Gramatzki Vorlagen Heinrich Aldegrevers.[7] Die Decke datiert annährend zeitgleich mit jener im Bremer Rathaus von 1612, die aber heute stark verändert ist. In beiden Fällen war Dietrich Hoyer d. J. der Auftraggeber. Die Decke aus Blomendal dürfte einen Eindruck der Rathausdecke vermitteln, wie sie vor den zahlreichen seit dem 18. Jahrhundert stattgefundenen Restaurierungen aussah.[9]

Programm

Rolf Gramatzki hat die Tugenddecke eingehend interpretiert.[10] Er beginnt seine Betrachtung mit den Elementen, die gemäß der damaligen Lehre von den Vier Elementen als Grundlage allen Seins zu verstehen sind. Die Abfolge von Erde, Wasser, Luft und Feuer entspreche dabei dem Dasein des Menschen, wobei auf seinen Ursprung (Erde) die Taufe (Wasser) und dann die Erleuchtung durch den Heiligen Geist (Luft) und zuletzt die Kommunikation mit Gott selbst (Feuer) folgen würde. Die Attribute unterstützen diese Auslegung. Das Eichhörnchen etwa galt als Verkörperung des Teufels. Darüber hinaus sind die vier Elemente als vier Lebensalter dargestellt mit Terra als jungem Mann, Ignis als Jugendlichem, Aer als reifem Mann und Aqua als Greis.

Auf dieser Grundlage fußen die Tugenden, die für die Rechtsprechung bzw. die Landesherrschaft des Bremer Rates wichtig waren und deren Personifikationen daher auch annähernd zeitgleich an der Fassade des Bremer Rathauses angebracht wurden. Die Tugenden sind gemäß Gramatzki als überwiegend Paare den verschiedenen Stufen zugeordnet: Maßhalten und Stärke gehören zur Stufe der Terra. Gerechtigkeit und Klugheit zum Wasser der Taufe als Zeichen der Entscheidung des Menschen zum Christentum. Der Luft als Zeichen der Erleuchtung entsprechen Liebe und Hoffnung. Die letzte, höchste Stufe des gläubigen Menschen im Gegenübertreten vor Gott entspreche im Zeichen des Feuers der Glaube.

Die Allegorien nehmen auch Bezug auf die ehemalige soziale Verteilung der Menschen im Raum. Terra steht über dem Eingang, wo der Untertan zur Rechtsprechung den Raum betrat. Der Glaube steht ihr gegenüber, dort, wo der Repräsentant des Bremer Rates Recht sprach.

Die figürlichen Elemente in den Arabesken nehmen gemäß Gramatzki auf die Allegorien Bezug. Dabei sind die positiven Hinweise, wie die Cherubim, immer auf der linken Seite der Allegorie (also im Südosten), die negativen, wie etwa der Bocksschädel, immer auf ihrer rechten. Die Allegorien wenden sich immer dem Positiven zu und blicken daher in den Fachen mit Arabesken grundsätzlich nach links. Diejenigen, die nur von Pflanzenornamenten umgeben sind, blicken zur anderen Seite, sodass ein Wechsel entsteht. Die Tapferkeit etwa wende sich vom Bocksschädel – der für die Arbeit stehe – ab und schaue auf die Vase mit Blumen und Früchten – die für das Paradies stehe.

Der sog. Hoyer-Saal

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Hoyer-Saal[11] ist zusammen mit Burg Blomendal um 1354 entstanden. Er wurde 1577/80 neu ausgestattet. Damals erhielt die Holzbalkendecke ihre heute wieder sichtbare Bemalung. Sie überfasst eine ältere Malerei des 15. Jahrhunderts. Spätestens Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Malerei abgehängt und erst 1969 wieder entdeckt. Malerei und Raum wurden restauriert und im Rahmen dieser Maßnahmen an die Stirnwand ein Kamin aus dem abgebrochenen Landhaus „Krähnholm“ eingebaut.

Beschreibung

Der Hoyer-Saal befindet sich im Seitenflügel des Hauptbaus, dem Torflügel. Er misst 10,2 auf 6 Meter. Er wird von Südosten aus dem so genannten Rittersaal betreten und öffnet sich mit drei Fenstern nach Südwesten. Gegenüber befindet sich eine weitere Tür.

Auftraggeber

Der Saal hat seinen Namen nach dem Bremer Bürgermeister Erich Hoyer, dem Auftraggeber der Deckenmalerei. Er war Sohn von Dietrich Hoyer d. Ä., der 1542 als erstes Familienmitglied auf Haus Blomendal zog, und Vater von Dietrich Hoyer d. J., der die Decke im Rittersaal beauftragte. Erich Hoyer und seine Gemahlin Metjen Stenow ließen sich beide zusammen mit ihren Wappen an der Decke abbilden.

Die Decke des Hoyer-Saals

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Anhand der an der Decke dargestellten Wappen von Erich Hoyer und seiner Frau wird die Malerei[12] zwischen 1577, als Hoyer Blomendal erhielt, und 1580 datiert. Sie erfolgte in Kaseinfarben in den Fachen, in Leimfarbe an den Balken. Ungefähr in der Mitte des 18. Jahrhunderts, vermutlich nach 1741, als Bremen Blomendal abtrat, wurde die Decke abgehängt. 1969 wurde die Malerei wieder entdeckt und restauriert. Dabei fand man unter der Malerei eine ältere, rein ornamentale Malerei des 15. Jahrhunderts. Wo die Malerei von 1577/80 schadhaft oder verloren war, wurde sie nicht ergänzt, sodass man Reste der älteren Fassung gut erkennen kann.

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke wird von sieben durchgehenden Balken gegliedert, die sechs Fachen bilden. Sie ist wie der Rittersaal mit Grisaillemalerei versehen, in die farbige Akzente gesetzt sind. Sie gleicht damit der Malerei des Rittersaals, für den sie offenbar bezüglich der Farbgebung vorbildlich war. Die Fachen zeigen auf dunkelgrauem Grund ein graues Rankenwerk. Schwarze Schatten und weiße Höhungen sorgen für Plastizität. Zwischen die Blätter sind kleine zinnoberrote Kugeln gleich Früchten gesetzt. Auch zahlreiche Blattmasken und Früchte sowie ein Adler und ein Fruchtkorb sind zu erkennen. Die Fachen nehmen in der Mitte jeweils ein Medaillon auf. Die Medaillons sind auf die Saalmitte hin orientiert. Sie sind um die Wappen des Auftraggebers Dietrich Hoyer und seiner Frau Metjen Stenow angeordnet. Es folgen die Porträts des Paares und ganz außen ein Ratsherr bzw. ein Ritter.

Gegen die Balken sind die Fachen mit einem doppelten weißen Strich getrennt. Die Balken sind in den gleichen Farben wie die Felder – Grau, Schwarz, Weiß (kein Rot) – bemalt. Die Seiten schmücken Blattwerk und Fruchtketten, die Unterseiten florale Ornamente und Cherubim.

Die Reste der Malerei des 15. Jahrhunderts sind ornamental. Die Fachen schmückten unregelmäßige Kreise mit stilisierten Blattformen und Blumen im Zentrum. An den Balken erkennt man ein geometrisches Rautenmuster.

Kopf eines Bürgers oder Ratsherrn
 

Ganz am Ende des Raums über dem Kamin präsentiert ein Medaillon in einem Lorbeerkranz das Porträt eines Bürgers oder Ratsherrn auf rotem Grund. Man erblickt das Brustbild eines bärtigen Mannes im zeitgenössischen Habit mit breiter Mühlsteinkrause. Sein Gesicht ist teilweise zerstört.[13]

Darstellung der Metjen Hoyer, geb. Stenow
 

Das folgende Medaillon zeigt das Hüftstück einer Frau in zeitgenössischer Tracht mit Mühlsteinkrause mit Spitzenrand und einer Spitzenhaube. Ein kräftiger Schlagschatten verleiht der Darstellung Tiefe. Es handelt sich um ein Porträt von Metjen Hoyer, geb. Stenow. Das Medaillon hat einen Kartuschenrahmen und keinen Blattkranz. Zusammen mit der Darstellung Erich Hoyers handelt es sich um das älteste in Bremen erhaltene Porträt.[13]

Wappen der Familie Hoyer
 

Auf das Porträt der Metjen Stenow folgt das Vollwappen ihres Gemahls Erich Hoyer in einer Karatusche im Lorbeerkranz. Das Wappen zeigt im Schild drei Eichenblätter am Ast in Gold, das hier als Ocker erscheint.[13]

Wappen der Familie Stenow
 

Als nächstes wird das Vollwappen der Familie Stenow gezeigt. Es wird identisch zu dem der Hoyer präsentiert. Der Schild zeigt auf grauem Grund eine rote Mauer.[14]

Darstellung des Erich Hoyer
 

So, wie sich die Wappen von Hoyer und Stenow entsprechen, tun es auch die Porträts des Ehepaares Erich Hoyer und Metjen Stenow. Dieses Hüftstück zeigt Erich Hoyer als modisch gekleideten bartlosen Mann mit Mühlsteinkrause, Wams und wattierten Ärmeln sowie einer dreifachen Amtskette auf der Brust und einer „Toque“ auf dem Kopf. Der Rahmen des Medaillons ist hier als Kartusche und nicht als Lorbeerkranz gestaltet.[15] Zusammen mit der Darstellung Metjen Stenows handelt es sich um das älteste in Bremen erhaltene Porträt.[13]

Kopf eines Ritters
 

Als Gegenstück zum Ratsherrn über dem Kamin ist über dem Eingang der Kopf eines Ritters auf rotem Grund in einem Lorbeerkranz zu sehen. Hiermit wird das Verständnis der Bremer Ratsherrn zum Ausdruck gebracht, den Rittern gleichgestellt zu sein, denen sie in Blomendal ja auch nachgefolgt waren. Sie stellen wie diese die Vögte und Gerichtsherrn.[14]

Die spätere Decke des 18. Jahrhunderts

 

Spätestens mit dem Übergang Blomendals an einen neuen Landesherrn 1741 war das dezidiert landesherrlich-bremische Bildprogramm der Decke im Hoyer-Saal nicht mehr aktuell. Und so wurden unter die Deckenbalken des Saals Bretter genagelt und mit einer ornamentalen Malerei versehen. Auf warmweißen Grund kam ein grünfarbenes akanthusartiges Blattwerk mit schwarzen Tiefen und grauem Schattenwurf. Es wurde nach der Restaurierung an die Decke des Treppenhauses gebracht.[16]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
  • Gramatzki, Holzdecken, 1985. – Gramatzki, Rolf: Bemalte Holzdecken in der Stadt und im ehemaligen Erzstift/Herzogtum Bremen. In: Bremisches Jahrbuch 63 (1985), S. 33-92.
  • Hoffmann, Denkmalpflege, 1978. – Hoffmann, Hans-Christoph: Die Denkmalpflege in der Freien Hansestadt Bremen 1971 bis 1977. In: Bremisches Jahrbuch 56 (1978), S. 235- 291.
  • Hoffmann, Denkmalpflege, 1980. – Hoffmann, Hans-Christoph: Die Denkmalpflege in der Freien Hansestadt Bremen 1978 bis 1979. In: Bremisches Jahrbuch 58 (1980), S. 267-313.
  • Ordemann, Ritterliches, 2012. – Ordemann, Walter: Ritterliches aus Bremen und Umgebung. Bad-Zwischenahn 2012.
  • Rappel, Blomendal, 2014. – Rappel, Franz: Burg Blomendal. Die Burg im Bremer Norden. Berlin 2014.

Einzelnachweise

  1. Rappel, Blomendal, 2014; Ordemann, Ritterliches, 2012, S. 63-64; Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 51; Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 37-58.
  2. Zur Bau- und Nutzungsgeschichte vor allem: Rappel, Blomendal, 2014, S. 30-35; Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 38.
  3. Hoffmann, Denkmalpflege, 1980, S. 304-305.
  4. Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 37-58.
  5. Rappel, Blomendal, 2014, S. 14-18; Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 42.
  6. Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 56.
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 55.
  8. Rappel, Blomendal, 2014, S. 14, 16-17; Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 42-55; Hoffmann, Denkmalpflege, 1978, S. 259-261.
  9. Hoffmann, Denkmalpflege, 1978, S. 261.
  10. Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 56-57.
  11. Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 38; Hoffmann, Denkmalpflege, 1980, S. 305; Hoffmann, Denkmalpflege, 1978, S. 260.
  12. Rappel, Blomendal, 2014, S. 18; Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 37-42.
  13. 13,0 13,1 13,2 13,3 Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 39.
  14. 14,0 14,1 Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 38-39.
  15. Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 38.
  16. Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 42.