Laß, Heiko:Brühl, Schloss "Augustusburg", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/ce7bf30e-e47f-4f5d-95e2-fe410adc618c

Inventarnummer: cbdd10249

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Am Schloss (1725-1768) wirkten an Bau und Ausstattung u.a. François de Cuvilliés, Balthasar Neumann, Giuseppe Artaria und Carlo Pietro Morsegno mit. Die Decken- und Wandgemälde schufen Joseph Billieux, Carlo Carlone, François Rousseau, Norbert Seifried, Johann Matthias Schild und Johann Adam Schöpf.

Schloss Augustusburg

Kurzbeschreibung und Lage

Das UNESCO Welterbe Schloss Augustusburg[1] steht knapp 18 Kilometer nordwestlich von der ehemaligen Residenzstadt Bonn im Südosten der Stadt Brühl am Rande eines vormaligen Jagdgebietes. Das Hauptgebäude ist eine Dreiflügelanlage, die sich nach Osten öffnet. Der Garten erstreckt sich vor dem Seitenflügel nach Süden.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Brühl wird erstmals 1180 erwähnt und ist vermutlich im 9. Jahrhundert bei einem Wildpark der Kölner Erzbischöfe entstanden. Seit 1217 und häufiger seit 1263 war die Burg in Brühl Aufenthaltsort der Landesherren. Der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg ließ in Brühl seit 1284 eine Wasserburg errichten, die erst 1298 unter Erzbischof Wikbold von Holte vollendet wurde. 1469-1597 war sie Sitz der Landesregierung und wurde auf den neuesten Stand gebracht, zuletzt aber im Pfälzischen Erbfolgekrieg, als französische Besatzer in der Burg saßen. 1689 ist sie durch Sprengung zu einem Großteil zerstört worden. Anschließend blieb sie als Ruine liegen. Bereits 1715 plante Kurfürst Joseph Clemens einen Wiederaufbau, doch erst 1724 beauftragte er Johann Conrad Schlaun mit einem Neubau. Das vorgeschlagene Konzept, das die Einbeziehung alter Mauern und die Errichtung von Ecktürmen vorsah, wurde jedoch während der 1725 begonnenen Bauarbeiten 1728 nach Vollendung des Rohbaus abgewandelt. So entfielen etwa die Ecktürme. Schlaun wurde entlassen und durch den bayerischen Hofarchitekten François de Cuvilliés ersetzt. Dieser kehrte 1740 nach München zurück. Bauleiter wurde der kurkölnische Hofbaumeister Michael Leveilly. 1743-48 erfolgte der Einbau des Treppenhauses durch Balthasar Neumann. 1754 kam die Bauleitung an Johann Heinrich Roth. Die Arbeiten wurden unter Kurfürst Max Friedrich von Königsegg-Rothenfels bis 1765 vollendet. Abschließende Bauarbeiten fanden noch 1768 statt. Nach der Besetzung des westlichen Rheinlands durch die französischen Revolutionstruppen 1798 wurde das gesamte Mobiliar veräußert. Napoleon übergab das Schloss 1809 seinem Marschall Davoust. 1815 gelangte es mit dem Rheinland an Preußen und verwahrloste zusehends. Eine erste größere Restaurierung erfolgte 1876/77. 1928-34 wurden die Gartenparterres nach einem Plan von 1750 erneuert, und seit 1930 fanden laufende Sanierungen an der Augustusburg statt. 1944/45 wurden der Nordflügel und die Festsäle im Westtrakt stark zerstört genauso wie das indianische Lackkabinett im Gelben Appartement. 1946 gelangte das Schloss in Landesbesitz. Der Wiederaufbau erfolgte 1946-59, doch arbeitete man an der Wiederherstellung der Innenräume noch bis in die jüngste Zeit. Bis 1996 nutzte der Bundespräsident das Schloss bei besonderen Gelegenheiten als Empfangsort. 1984 wurde es zusammen mit dem Jagdschloss Falkenlust und den Gartenanlagen in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.[2]

Beschreibung

Das Hauptgebäude von Schloss Augustusburg ist eine verputzte dreigeschossige Dreiflügelanlage mit Mansarddächern. Ein Gesims trennt das Erdgeschoss vom Obergeschoss. Der Mitteltrakt zum sieben Achsen tiefen Hof zählt ebenfalls sieben Achsen, der Mittelrisalit drei. Er nimmt den zentralen rundbogigen Eingang zwischen schmaleren rechteckigen Türen auf und wird von einem abschließenden Dreiecksgiebel mit Wappen bekrönt. Die beiden Obergeschosse werden durch Kolossalpilaster zusammengefasst. Diese findet man auch an den dreiachsigen Kopfbauten. Anstelle des Giebels wurde hier ein attikaartiger Aufsatz über dem von dem mittleren Fensterbogen durchstoßenen Gebälk angebracht. Die Seitenflügel an der Innenseite des Hofes sind weitgehend schmucklos. Die Stadtseite des Schlosses ist ähnlich der Vorderseite gestaltet. Sie zählt 15 Achsen. Auch hier findet sich ein fünfachsiger Mittelrisalit. Dieser wird zusätzlich von zwei durch Kolossalpilaster gerahmte Achsen begleitet. Während die Nordfassade schmucklos ist, ist ihr südliches Pendant, die Gartenfassade, die aufwendigste des Schlosses. Sie hat 13 Achsen – der Mittelrisalit von vier Achsen liegt nicht in der Mitte, sondern leicht nach rechts versetzt. Auch hier sind die oberen Stockwerke des Mittelrisalits durch Pilaster zusammengefasst. Ein zweiter Risalit von zwei Achsen tritt in der Mitte noch einmal etwas hervor. Über diesem befindet sich ein Aufsatz mit einer Figurengruppe. Zwischen den Fenstern und Pilastern des Mittelrisalits ist leichter plastischer Schmuck angebracht. Gezeigt werden Jagdmotive, womit die Trophäen auf die Funktion des Schlosses als Jagd- und Lustsitz verweisen – die Residenz befand sich in Bonn. Im Westen zur Stadt hin liegt ein Vorplatz, der von den schmalen eingeschossigen Nebengebäuden einer Orangerie flankiert wird. Hinter deren nördlichen Flügel war ein Wirtschaftshof vorzufinden. Im Westen sollte ein Theater entstehen. Als Hofkirche des Schlosses diente die im Westen der südlichen Orangerie gelegene Franziskanerkirche, die Clemens August durch Balthasar Neumann zur Schlosskirche umgestalten ließ.[3]

Die Mitte des Hauptflügels wird im Erdgeschoss von einem Vestibül und im Obergeschoss von einem zweigeschossigen Gardesaal eingenommen. Im Norden anschließend ist ein durch alle Geschosse reichendes Treppenhaus situiert. Im Obergeschoss folgt auf den Gardesaal nach Süden ein weiterer zweigeschossiger Saal, der als Speisesaal diente. Alle diese Räume reichen durch die gesamte Tiefe des Flügels. Es handelt sich um eine großzügige Erschließungsraumfolge für das folgende Staatsappartement. Dieses folgt im Obergeschoss auf den Speisesaal. Es ist im Südflügel gelegen und wird Großes Appartement genannt. Es setzt sich aus zwei Vorzimmern, einem Audienzzimmer, einem Paradezimmer sowie einem Kabinett und einer Bibliothek zusammen. Hinzu kommt eine Kapelle, die vom ersten Vorzimmer aus zu betreten ist. Auf der gegenüberliegenden Seite im Nordflügel ist ein weiteres Appartement gelegen, das Gelbes Appartement heißt. Es ist ebenfalls ein vollständiges Appartement und verfügte sogar über ein Speisezimmer. Das zweite Obergeschoss beherbergt im Südflügel mit dem so genannten Grünen Appartement eine weitere vollständige zeremonielle Raumfolge. Im Erdgeschoss erschließt sich vom Vestibül aus das im Südflügel gelegene Sommerappartement mit Speisesaal, Kapelle, zwei Vorzimmern, Audienzzimmer, Paradezimmer und Kabinetten. Es kann genauso wie das Große Appartement genutzt werden. Im Nordflügel befand sich das so genannte Blaue Winterappartement. Hier war die tatsächliche Wohnung des Kurfürsten gelegen. Alle Appartements sind als Appartements doubles angelegt. Nebentreppen verbinden sie vertikal miteinander.[4]

Forschungsstand zur Baugeschichte

Der Forschungsstand zu Schloss Brühl ist ausgezeichnet.[5] Gerade die zahlreichen Publikationen von Wilfried Hansmann sind hier zu nennen.[6] Seinen Veröffentlichungen von 2002 und 2004 wird hier weitgehend gefolgt. In jüngerer Zeit kam ein Schlossführer mit Beiträgen von Hansmann, Marc Jumpers sowie Holger Kempkens und Christiane Winkler hinzu.[7]

Das Vestibül und der Erdgeschossbereich des Treppenhauses

Beschreibung

Das flachgedeckte Vestibül war mit der Kutsche zu befahren. Es ist vom Treppenhaus nur durch Pfeiler mit vorgestellten gekuppelten jonischen Säulen abgetrennt. Neben dem Treppenunterlauf steht an jeder Seite eine Gruppe von Atlanten und Karyatiden in betont lässiger Haltung. Sie tragen zusammen mit ihren Pendants vor der West- und Ostwand die oberen Treppenläufe. Deren Unterseiten ziert Stuck mit Verweisen auf die Falkenjagd. An der rückwärtigen Nordwand sind beiderseits der Treppe unter den Umkehrpodesten zwei Wandbilder von François Rousseau von 1763/64 in stuckierten Rahmen vorzufinden, die das nahegelegene Jagdschloss Falkenlust mit Jagdgesellschaften im Vordergrund zeigen.[8]

Das Haupttreppenhaus

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Treppenhaus wurde 1743-48 nach Plänen von Balthasar Neumann durch Michel Leveilly eingebaut und war 1760 vollendet. Auf Leveilly sowie Johann Adolf Biarelle geht möglicherweise die Raumdekoration zurück. Den Stuck schufen Giuseppe Artaria und Carlo Pietro Morsegno – als Bildhauer war Anton Brilli tätig. Das Deckengemälde freskierte Carlo Carlone zwischen 1747 und 1750. Die schmiedeeiserne Treppen- und Galeriegeländer von Georg Sandtener kamen erst 1763/64 hinzu.[9]

Beschreibung

Das Treppenhaus[10] misst 15,5 auf 14,5 Meter und ist rund 20 Meter hoch. Seine Ausstattung dient der Verherrlichung des Bauherrn Clemens August sowie seiner ruhmreichen Herrschaft. Sein Monogramm und seine Insignien sind mehrfach zu sehen. Der Raum misst im Erdgeschoss nur die drei Achsen der Treppenläufe, umfasst im Obergeschoss aber fünf Achsen aufgrund der seitlichen Galerien. Der Aufstieg aus dem dunklen Erdgeschoss in das lichtdurchflutete Obergeschoss ist auch farblich inszeniert. So wird der scheinbar nicht farbig gefasste Stuck nach oben immer weißer. Die Wände und Säulen sind von Stuckmarmor und in den Farben rosa und hellgrau gehalten – im Obergeschoss überwiegen neben grau und rosa rot und gelb. Die dreiläufige Treppe hat einen kurzen mittleren Lauf und nach dem Wendepodest zwei lange Anstiege. Die Gitter des Treppengeländers zieren Jagdszenen und Monogramme. Der untere Lauf führt auf die Nordwand zu.

Über einem scheinbaren Balkon auf Höhe der Galerie befindet sich an der Spitze einer aus Trophäen aufsteigenden Pyramide die vergoldete Stuckbüste des Bauherrn Kurfürst Clemens August von Joseph Anton Brilli. Daneben sind Nobilitas und Modestia zu sehen. Die Nische wird von gekuppelten kompositen Vollsäulen flankiert. Über dem Gebälk befindet sich das Wappen des Kurfürsten. Es wird von Justitia präsentiert. Fama verkündet den Ruhm von Clemens August.

Wendet man sich zurück und steigt weiter empor, blickt man auf die Südwand. Sie nimmt drei Türen auf. Die größere in der Mitte wird von einer Kartusche bekrönt, die als Gegenstück zum Wappen die Initialen des Bauherrn präsentiert. Sie wird von den Allegorien der Generositas und Auctoritas flankiert. Über den seitlichen Türen sind Porträts zweier Amtsvorgänger aus dem Hause Wittelsbach in die Wand eingelassen, und zwar Max Heinrich links und Joseph Clemens rechts. Sie haben Pendants mit den über beiden gegenüberliegenden Türen angebrachten Bildnissen, die ebenfalls Amtsvorgänger aus der eigenen Familie zeigen. Es sind links Ernst und rechts Ferdinand.

Hermenpilaster, die die Wände des Mezzaningeschosses gliedern, tragen die Decke. Sie stehen immer als Paar für Götter und Personifikationen. Es sind im Norden beginnend nach Hansmann Jupiter als Sinnbild der vollkommenen Machtfülle und die Göttin der Weisheit Minerva. Hierauf schließen sich der selbstlos tätige Heroe Herkules und die Göttin der Liebe und Schönheit Venus an. Das nächste Paar sind der triebgesteuerte Pan und eine Nymphe. Es folgen der Kriegsgott Mars und die Siegesgöttin Victoria, Allegorien auf Dichtkunst und Ruhm wie auch jeweils zwei auf Herrschaft und Glück (Fortuna), Philosophie (Platon) und Neid sowie auf die Seelenstärke (Samson) und die bildende Kunst. Am Ende der Reihe stehen Apoll (Musik) und Diana (Jagd) sowie zuletzt Vulkan (Handwerk) und Ceres (Ackerbau). Die Decke selbst ist oval ausgeschnitten und gibt den Blick frei auf das Deckengemälde.

Das Deckengemälde thematisiert die Huldigung der Künste vor dem tugendreichen Bauherrn sowie den Sturz der Laster. Der harmonische Gesamteindruck des Raumes wird dadurch hervorgerufen, dass die Farben des Stuckmarmors und des Deckengemäldes miteinander korrespondieren.

Das Treppenhaus insgesamt verherrlicht den Bauherrn Kurfürst und Erzbischof Clemens August als Herrscher, unter dessen Großherzigkeit die Künste gedeihen und kein Platz für das Böse ist. Ein Monogramm, seine Insignien und vor allem seine Büste lassen daran keinen Zweifel aufkommen.

Das Deckengemälde

 
Hochherzigkeit, Freigebigkeit und die Künste (Bozzetto von 1749)

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde wurde im Auftrag des Kölner Kurfürsten Clemens August von Bayern zwischen 1747 und 1750 durch Carlo Carlone freskiert.[11]

Beschreibung und Ikonographie

Das Deckengemälde gibt vermeintlich über der mit Scheinarchitektur bemalten Voute den Blick auf einen Himmel mit Wolken frei und zeigt die Verherrlichung des Clemens August, das Gedeihen der Künste unter seinem friedvollen Regiment sowie den Sturz der Laster.

Auf den Wolken haben sich verschiedene Gruppen niedergelassen. Die Hauptszene links der Mitte ordnet sich um einen Obelisken, an dem eine Kartusche mit den Initialen CA befestig ist. Diese ist mit einem Kurhut bekrönt. Von rechts nähert sich Astraea mit Sternenkranz – die Göttin des Rechts und der Gerechtigkeit. Darüber verkündet Fama den Ruhm des Kurfürsten. Am Fuß des Obelisken lagert die Großherzigkeit (Magnanimitas). Sie bezieht sich auf den Wahlspruch des Bauherrn „Pietate et Magnamitate“. Sie wendet sich nach links zu der hinter ihr stehenden Erhabenheit (Magnifizenz), die ein Schild mit einem Grundriss hält. Sie verweist darauf, dass der Nachruhm des Geehrten durch seine Bauwerke sichergestellt ist.

Die Großherzigkeit weist jedoch nach rechts, wo sich die Insignien der geistlichen und weltlichen Macht des Kurfürsten und Erzbischofs befinden. Hinter diesen rechts ist die Personifikation der Freigiebigkeit zu sehen. Sie entnimmt aus einer von einer Putte gehaltenen Schale Geschmeide. Die Großherzigkeit entsendet sie an den rechten Bildrand. Dort lagern friedlich die Allegorien der Architektur, Malerei und Bildhauerei. Sie werden von der herannahenden Minerva auf die Freigiebigkeit aufmerksam gemacht – die Künste stehen unter dem Schutz der Minerva. Rechts oberhalb der Künste lagern die drei Grazien und bestreuen sie mit Blumen. Sie sind den Künsten wohlgesonnen.

Unter der Großherzigkeit erblickt man die Personifikationen des Verstands und der Tugend, wie sie verschiedene Laster in die Tiefe stürzen. Zu diesen gehören die Trunksucht und der Neid mit Schlangenhaar und Fackel.

Eine weitere Gruppe befindet sich im Süden der Decke. Hier entwaffnet die Liebesgöttin Venus den schlafenden Kriegsgott Mars. Putten sind bereits dabei, seine Waffen davonzutragen. Rechts der Gruppe lagern einige Trophäen, die von Putten in Brand gesteckt werden. Die Tauben der Venus und Amor sind auch zugegen. Ein Genius streut Blüten über das Liebespaar.

In der Voute, die aus dem Treppenhaus kaum zu erkennen ist, befinden sich in der Scheinarchitektur einige Grisaillemalereien. Ferner kann man Gruppen von Putten ausmachen. Über der Nordwand erblickt man links Klio (die Muse der Geschichtsschreibung), wie sie auf dem Rücken des gefesselten Saturn (der Zeit) die Taten des Clemens August für die Nachwelt aufschreibt, und die daher die Zeit überdauern werden. Rechts erblickt man den gebundenen Saturn erneut, wie ihm die Personifikation des Fleißes eine Uhr entgegenhält. Damit wird angedeutet, dass der Fleiß die Vergänglichkeit überwindet. Gegenüber im Süden ist links die Allegorie der Mildherzigkeit zu sehen und rechts, wie Putten den Zorn davonjagen.[12]

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Die Ansichtigkeit der Hauptszene ist auf den Antritt der Treppe im Süden bezogen. Lediglich Venus und Mars müssen von Norden aus betrachtet werden.

Entwürfe

Ein Bozzetto Carlones von 1749 befindet sich in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Er wurde weitgehend verwirklicht.[13]

Der Gardensaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der so genannte Gardensaal ist im Auftrag von Kurfürst Clemens August weitgehend 1745-1755 ausgestattet worden. Ab 1752 fertigte Carlo Pietro Morsegno die Stuckarbeiten an; das Deckenbild von Carlo Carlone wurde bereits zwischen 1747 und 1750 freskiert. Die übrigen Ausstattungsarbeiten zogen sich partiell noch bis 1761 hin. Im Zweiten Weltkrieg kam es zu teilweise erheblichen Schäden an den Stuckaturen, aber auch am Deckenbild und am Fußboden. Vor allem die Westwand war betroffen. Der Raum wurde in der Folge restauriert; der Stuck musste teilweise rekonstruiert werden. 1973-89 erfolgten erneut Restaurierungsarbeiten.[14]

Beschreibung

Der so genannte Gardensaal folgt auf das Haupttreppenhaus. Er liegt direkt über dem Vestibül und reicht durch die gesamte Gebäudetiefe. Funktional gehört er bereits zum Staatsappartement, diente aber auch als Festsaal. Es handelt sich um eine Raumfolge von Gardensaal, Speisesaal, zwei Vorzimmern, Audienzzimmer, Paradezimmer, Kabinett und Bibliothek, wie sie auch in der Bonner Residenz vorhanden war.[15] Die Stuckreliefs sowie das Deckengemälde im Gardensaal verherrlichen die Machtvollkommenheit des Hauses Wittelsbach, das im Kaisertum Karls VII. gipfelte, der ein Bruder des Bauherrn Clemens August war.

Die Wände des zweigeschossigen Raumes gliedern Pilaster korinthischer und kompositer Ordnung in Superposition. Dazwischen befinden sich stuckierte Reliefs, Trophäen und Musikinstrumente. Auf dem Gebälk der unteren Pilasterreihe tummeln sich an der Nord- und Südwand musizierende Putten. Im Osten und Westen ist das Gebälk von den Fenstern unterbrochen. Die Puttengruppen zwischen den Fenstern allegorisieren unter anderem die Stärke, die bildenden Künste und die Architektur. Die kompositen Pilaster im oberen Register tragen lediglich ein Gesims, über dem die flach aufliegende Decke ansetzt.

An Ost- und Westseite lassen jeweils sechs rund- und sechs korbbogige Fenster Licht in den hellen Raum. Im Norden und Süden befinden sich im unteren Bereich Türen. Gegenüber der zentralen Eingangstür im Norden ist im Süden ein Kamin situiert, über dem ein ganzfiguriges Porträt des Kurfürsten Max Friedrich von Königsegg-Rothenfels, dem Nachfolger von Clemens August und Vollender des Schlosses, in die Wand eingelassen ist. Die zentralen Reliefs an der Nord- und Südwand im oberen Register zeigen zum einen an der Südwand über dem Gemälde die alttestamentliche Richterin Deborah, die den Heerführer Barak bittet, Sisera und seine Armee anzugreifen – zum anderen im Norden über dem Eingang, wie Joseph seine Brüder in Ägypten empfängt.[16]

Das Deckengemälde

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde wurde im Auftrag des Kölner Kurfürsten Clemens August von Bayern zwischen 1747 und 1750 durch Carlo Carlone freskiert. Das Fresko ist im Zweiten Weltkrieg beschädigt worden und musste anschließend restauriert werden.[17]

Beschreibung und Ikonographie

Über dem Gesims mit einer gemalten Architekturzone geht der Blick der Betrachtenden an den Himmel. Dort lagern auf mehreren Wolkenbänken verschiedene Gruppen. Das Fresko zeigt die Aufnahme eines Helden in die Gemeinschaft der unsterblichen Götter. Dieser Held ist als Kaiser Karl VII. zu identifizieren. Er war der Bruder des Bauherrn und 1745 verstorben.

Ein wenig rechts der Mitte sitzt ein antikisch gewandeter Held mit Lorbeerkranz im Haar auf einem Thron. Er gleicht einem Imperator. Sein Thron wird von zwei Löwen bekrönt, über denen sich ein Porträtmedaillon Kaiser Karls VII. befindet. Die Löwen sind die Wappentiere der Wittelsbacher. Der Thron steht auf einem großen Tuch mit den blau-weißen Rauten von Bayern. Der Held ist eindeutig auf Karl VII. zu beziehen. Ein Engel und ein Putto heben das Tuch empor, sodass das Medaillon sichtbar wird. Ein dritter Putto hält Lorbeerkranz und Märtyrerpalme in Händen, womit vermutlich auf den unerwartet frühen Tod Karls VII. und sein unglückliches Kaisertum angespielt werden soll. Unterhalb des Throns kniet auf dem Tuch Justitia. Sie hat Waage und Schwert abgelegt und reicht dem Helden auf einem Kissen eine Krone und ein Zepter. Obwohl es sich nicht um die Kaiserkrone handelt, dürfte hiermit betont werden sollen, dass die Herrschaft Karls VII. rechtmäßig war. Links des Throns steht die Personifikation des Guten Rats mit einem Buch und noch weiter links die Weisheit mit dem Spiegel der Selbsterkenntnis. Rechts des Throns befindet sich die Religion mit Kreuz, Patene und Hostie. Neben ihr sitzt die Personifikation der Würde mit Speer und Minervastatue. Hinter den beiden steht ein Krieger mit der weiß-blauen Fahne Bayerns in der Hand.

Der Held auf dem Thron schaut nach links oben. Dort nähert sich der Götterbote Merkur und verweist nach links zur Versammlung der olympischen Götter. Er berichtet, dass diese beschlossen haben, den Helden in die Unsterblichkeit zu erheben und damit in ihre Gemeinschaft aufzunehmen. In ihrer Mitte und über alle erhoben steht Jupiter mit seinem Adler, der Herrscher über die Götter. Neben ihm sitzt seine Frau Juno mit ihrem Pfau. Darüber hinaus sind zahlreiche andere Götter anwesend wie Diana, Bacchus, Ceres, Mars und Minerva. Hervorgehoben ist in der Gruppe der stehende Apoll links mit strahlendem Haupt und Lyra in der Hand. Er zeigt auf den thronenden Helden. Über Apoll heben sich Saturn und Flora empor. Sie leiten über auf Aurora oberhalb von Jupiter, die sich auf den Weg zu einer Gruppe von Göttern in der rechten oberen Ecke der Decke macht. Bei diesen handelt es sich um Venus, Amor und Vulkan, Neptun und Pluto sowie einen Flussgott.

Unter der Göttergruppe schwebt Fama und verkündet der Welt den Ruhm des neuen Unsterblichen. Daraufhin huldigen die Erdteile dem Helden. Unter Fama sind auf einer Wolke die Allegorien von Afrika und Amerika versammelt und bringen ihm zusammen mit Dienerinnen ihre Gaben dar. Etwas weiter rechts und leicht erhöht sind die Allegorien Europas und Asiens dargestellt. Auch sie entrichten dem Helden ihren Tribut.[18]

Den umlaufenden Rand mit der gemalten Architekturzone schmücken einige Skulpturen und kleine Bilder. Sie sind nicht polychrom und gehören daher nicht zu der im Deckenbild vorgestellten Realität. Zu diesen gehören die monochromen in rosafarben gemalten Flussgottheiten in den Kartuschen auf den Ecken der Decke. Ebenso sind die grau gehaltenen Skulpturen auf den Längsseiten nicht Bestandteil der Haupterzählung. Sie unterstützen aber die Bildaussage. Es handelt sich um gewappnete Krieger mit Gefangenen. Der Krieger in der Mitte am unteren Ende des Bildes hält in seiner linken Hand ein Goldmedaillon mit dem Kopfrelief von Clemens August. Ein realer Putto steht im Begriff, es mit einem Kurfürstenhut zu krönen, während ein anderer ein Deutschordenskreuz herbeibringt. Gegenüber auf der anderen Längsseite hält der Krieger in seiner Rechten ein Goldmedaillon mit dem Kopfrelief von Kurfürst Max Emanuel, dem Vater von Karl VII. und Clemens August. Die gefesselten Krieger sind hier Osmanen. Eine Putte bringt Lorbeerkranz und Siegespalme herbei, während ein Genius mit der Tuba der Fama den Ouroboros – den Ring der Ewigkeit – heranschafft und damit verdeutlicht, dass der Ruhm Max Emanuels in Ewigkeit währt. Im Gegensatz zu seinem Sohn, der als Hochmeister des Deutschen Ordens dargestellt ist, wird Max Emanuel als Bezwinger der Osmanen gewürdigt. Beide sind damit als Krieger der Christenheit abgebildet, die für den rechten Glauben eintreten. Dies ist sozusagen das Fundament, auf dem das Kaisertum Karls VII. gründet. Es wird damit in die Geschichte der bayerischen Wittelsbacher eingebunden, deren Senund es sei, die Christenheit zu verteidigen.[19]

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Das Deckenbild ist für eine Ansicht vom Eingang im Norden konzipiert.

Vorlagen und Vergleiche

Zu diesem Deckenbild haben sich zwei Entwürfe erhalten, ein Gesamtentwurf und ein Detail. Für die Ausführung wurden zahlreiche Änderungen vorgenommen.[20]

Der Speise- oder Musiksaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Saal blieb zu Lebzeiten von Clemens August unvollendet. Lediglich das Deckengemälde war bis 1750 fertiggestellt. Auch der Stuck von Giuseppe Artaria, dessen Rocaillen in den Deckenspiegel züngeln, war vollendet. Die Geländer der Galerie schuf 1763 Johann Georg Sandtener. 1764 kam der Wandstuck von Joseph Anton Brilli hinzu, der auch die Wände in Rosa und den Stuck in Weiß-Grau fasste. Der Raum wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und anschließend wieder hergestellt. 1973-89 erfolgte eine umfassende Restaurierung, in deren Zuge der Raum 1985 seine ursprüngliche Farbigkeit zurückerhielt.[21]

Beschreibung

Der zweigeschossige Raum folgt auf den Gardensaal im Norden. Im Rahmen der zeremoniellen Raumfolge diente es als erstes Vorzimmer. Der Raum durchmisst die ganze Tiefe des Flügels. Drei Fensterreihen im Norden und zwei im Süden (die dritte Reihe ist blind) geben ihm Licht. Auf Höhe des zweiten Obergeschosses umzieht den Raum zwischen den Fensterreihen eine komplett umlaufende Galerie. Der Speisesaal wird durch zwei am Rand gelegene Türen von Norden aus betreten. Ihnen entsprechen im Süden zwei weitere Türen, von denen die östliche in das erste Vorzimmer führt, die westliche aber lediglich in einen Nebenraum. Zwischen den Türen an der Südwand steht ein Kamin, über den sich ein Ganzköperporträt von Kurfürst Maximilian Friedrich befindet. An der Nordseite gegenüber ist ein Spiegel in die Wand eingelassen. Auf Kurfürst Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels verweisen ferner sein Wappen und seine Initialen in den Kartuschen über den Türen. Die Wände sind in Altrosa gestrichen, von dem sich der grauweiße Stuck abhebt. Die Nord- und Südwand sind durch den Stuck zwischen Türen und Spiegel bzw. Kamin in je drei symmetrisch angeordnete Felder gegliedert. Diese Gliederung wird oberhalb der Empore übernommen. Unter der Empore schmücken vier und oberhalb drei Medaillons mit allegorischen Darstellungen die Felder. In den anderen hängen Trophäenbündel. Weitere Medaillons befinden sich zwischen den Fenstern. Sie präsentieren die Elemente und Jahreszeiten. Hinzu kommen Allegorien der Künste, Handwerke, der Jagd und der Kriegskunst sowie der Kardinaltugenden.[22]

Das Deckengemälde

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke wurde von Carlo Carlone im Auftrag von Kurfürst Clemens August zwischen 1747 und 1750 freskiert.

Beschreibung und Ikonographie

Thema des Deckenbildes ist das Gedeihen der Künste unter der Herrschaft des Kurfürsten Clemens August. Die Malerei weitet den Raum mit einem Blick an den Himmel. Dort haben sich auf Wolken verschiedene Personen niedergelassen. Über allem befindet sich Fama – zwei Putten bringen einen Schild mit dem Hochmeisterkreuz des Deutschen Ordens herbei. Fama hält einen Kurhut über das Wappen. Auf der Fahne an ihrer Tuba ist das Monogramm CA angebracht. Damit ist klargestellt, dass sich die Aussage der Malerei auf Clemens August beziehen soll, der u.a. Kurfürst von Köln und Hochmeister des Deutschen Ordens war.

Schräg links unter Fama erblickt man den Sonnengott Apoll als Führer der Musen. Er ist inhaltlicher Mittelpunkt der Darstellung und stützt sich auf seine Lyra, die ihm ein Genius hält. Ein weiterer Genius unter ihm weist verschiedene Laster zurück, die daraufhin in die Tiefe stürzen. Schräg rechts unterhalb von Apoll befinden sich die neun Musen, aufgeteilt in zwei Gruppen. Zur ersten Gruppe gehören Erato (die Muse der Liebesdichtung) mit einem Tamburin und von Amor begleitet, Urania (die Muse der Astronomie) mit Sternenkranz, Globus und Fernrohr, Kalliope (die Muse der epischen Dichtung) mit Lorbeerkranz und Buch sowie Thalia (die Muse der Komödie) mit einer Maske. Schräg rechts über dieser Gruppe befinden sich Polyhymnia (die Muse des Gesangs) mit Buch und der Inschrift SUA[DERE], Melpomene (die Muse der Tragödie) mit Kronen und Zepter, Euterpe (die Muse der Lyrik und des Flötenspiels) mit Flöten, Terpsichore (die Muse des Tanzes) mit Laute und Federkopfschmuck sowie Klio (die Muse der Geschichtsschreibung) mit Buch und Tuba. Die Musen schauen überwiegend zu ihrem Führer Apoll.

Apoll selbst blickt auf Saturn – den Gott der Zeit –, der ihn ermahnt, seiner Aufgabe als Sonnengott nachzukommen. Er verweist ihn auf seinen fertig angespannten Sonnenwagen im Hintergrund. Apoll muss sich sputen, denn vor dem Sonnenwagen eilt rechts bereits Aurora, die Göttin der Morgenröte, mit ihren Begleitern über den Himmel. Diese spenden Tau und vertreiben mit ihren Fackeln die Nacht. Zwei Putten sehen dem untergehenden Mond zu. Ganz rechts flüchten zwei weitere Putten, die zur Nacht gehören, aus dem Bildfeld hinaus.

Um Apoll ist das Firmament bereits gelb – um Aurora herum erscheint es rosa. Der übrige Himmel ist blau.[23]

Das große Appartement

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Auftraggeber der Appartements war der Kölner Kurfürst Clemens August von Bayern. Die Räume wurden wohl bereits um 1730 von François de Cuvilliés konzipiert, aber zu Lebzeiten von Clemens August nicht vollendet. Erst 1755-65 konnte die Ausstattung abgeschlossen werden, teilweise bereits unter seinem Nachfolger Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels. Aus dem nach 1761 abgebrochenen Schloss Herzogsfreude wurden Wandvertäfelungen übernommen, wobei man diese teilweise den Brühler Verhältnissen anpasste und etwa die Zierschnitzereien ergänzte. Die Stuckdecken wurden von Johann Adolf Biarelle entworfen und um 1750 von Giuseppe Artaria ausgeführt.[24]

Beschreibung

An den Speisesaal schließt sich das so genannte Große Appartement an. Es besteht aus einem Vorzimmer, von dem eine Kapelle abgeht, einem zweiten Vorzimmer, einem Audienzzimmer sowie einem Paradezimmer. Auf dieses folgen eine Bibliothek und ein Kabinett. Ferner gehört zum Appartement die Nepomukkapelle im Westen. Sie liegt zusammen mit den beiden Vorzimmern, dem Audienzzimmer, dem Paradeschlafzimmer und dem Kabinett im Osten in Enfilade. Zu diesem Staatsappartement gehören streng genommen bereits der Gardensaal und der Speisesaal. Denn in der Bonner Residenz folgten auf das Treppenhaus ein Gardesaal und dann drei Vorzimmer, ehe man in das Audienzzimmer gelangte. Nimmt man in Brühl Gardensaal und Speisesaal mit hinzu, ist die Anzahl der Räume vor dem Audienzzimmer identisch. Dann folgten in Brühl wie in Bonn eine Bibliothek und ein Kabinett. In allen Räumen bis auf die Kapelle gibt es gemäß der Funktion des Schlosses als Jagdschloss Verweise auf die Jagd.[25]

Das erste Vorzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Supraporten stammen von François Rousseau, den Stuck schufen Joseph Anton Brilli und Giuseppe Artaria. Die Holzvertäfelung stammt aus Schloss Herzogsfreude und kam bald nach 1761 in den Raum. Von den ehemals sechs Supraporten sind nur zwei erhalten.[26]

Beschreibung

Das erste Vorzimmer weist mit drei bis zum Boden reichenden Fenstern auf den Garten im Süden. Nach Westen schließt sich die Nepomukkapelle an, nach Osten das zweite Vorzimmer. Der Raum wird durch die Farben Altrosa und Ockergelb an den Wänden dominiert. Die Supraporten zeigen Landschaften mit höfischen Staffagefiguren im Vordergrund.[27]

Die Stuckdecke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die farbige Fassung des Stucks von Giuseppe Artaria (ca. 1750) wurde 1966 nach Befund erneuert.[26]

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke ist als einzige im Appartement ausschließlich stuckiert. Der Stuck ist farbig gefasst und wird nur geringfügig durch Malerei ergänzt, etwa durch gemaltes Blattwerk an stuckierten Blumen. Die Mitte der Decke bestimmen züngelnde Rocaillen, an deren Rand in vier Kartuschen der Löwe und das Rautenmuster aus dem Wittelsbacher Wappen dargestellt werden. Hinzu kommen Füllhörner mit Früchten. In der mit Rocaillen stuckierten Voute sind in den Eckkartuschen vier Szenen einer Reiherbeize zu sehen.[28]

Die Nepomukkapelle

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Nepomukkapelle wurde 1749 mit Stuckmarmor und Stuckaturen von Giuseppe Artaria ausgestattet. Das Altarbild sowie das Deckenfresko schuf Carlo Carlone 1749.[29]

Beschreibung

Die Nepomukkapelle wird aus dem ersten Vorzimmer im Osten betreten. Sie hat ein Fenster nach Süden und zwei Fenster nach Westen. An den farbigen Stuckmarmorwänden hängen Trophäen, die Attribute des Hl. Nepomuk darstellen sowie in den Fensterlaibungen Symbole des geistlichen Standes. Der Altar steht im Norden. Er wird von Volutenpfeilern flankiert, die Rocaillekartuschen mit dem Monogramm CA (Clemens August) tragen. Über der Mensa ist in einem rundbogigen Aufbau von weißem Glanzstuck das Porträt des Heiligen Johann Nepomuk zu sehen, wie er ein Marienbild verehrt. Gegenüber dem Altar befindet sich ein Scheinfenster, das ein Oratorium vortäuscht.[30]

Der Hl. Nepomuk ist nicht nur Patron der Geistlichen, sondern auch der Landespatron Bayerns und Münchens, womit er Kurfürst Clemens August besonders nahegestanden haben dürfte.[31]

Die Deckenmalerei in der Nepomukkapelle

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde wurde 1749 von Carlo Carlone freskiert.

Beschreibung und Ikonographie

Zu sehen ist die Apotheose des Heiligen Johann Nepomuk. Im Bildhintergrund unten sieht man die Brücke, von der er in die Moldau in den Tod gestoßen wurde. Im Vordergrund erhebt sich aus den Fluten des Flusses eine Wolke, auf der Johann Nepomuk in Talar und Rochett, von Engeln und Putten assistiert, zum Himmel aufsteigt. Sie tragen sein Birett und küssen seine Füße. Johann Nepomuk drückt mit der Linken ein Kreuz und eine Märtyrerpalme an seine Brust. Seine Rechte ist ausgestreckt. Sein Haupt unter einem Kranz von fünf Sternen hat er verklärt nach oben gerichtet. Dort erblickt er die Heilige Dreifaltigkeit auf Wolken, umgeben von göttlichem Licht. Zahlreiche Engel schauen dem Geschehen aus Wolken zu.[32]

Das zweite Vorzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Kamin und ein kleinerer Teil der Holzvertäfelung stammt aus Schloss Herzogsfreude, der größere Teil wurde um 1763 entsprechend ergänzt.[33]

Beschreibung

Auch dieser Raum hat bodentiefe Fenster zum Garten, doch sind es hier nur zwei. Er wird vom ersten Vorzimmer im Westen aus betreten, nach Osten folgt das Audienzzimmer. Auch hier stammen die Supraporten von François Rousseau.[34]

Die Deckenmalerei im zweiten Vorzimmer

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke wurde von Giuseppe Artaria stuckiert. Die Deckenmalereien schuf 1750-54 Joseph Billieux.[35]

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke ist stuckiert. In der Mitte züngeln Rocaillen. Auch die Voute und den Rand des Deckenspiegels schmücken Rocaillen. In der Mitte einer jeden Seite sind in Rocaillekartuschen plastische Büsten von Jupiter, Minerva, Merkur und Apoll zu sehen. Rechts und links halten Putten ihre Attribute. In den vier Ecken stehen ebenfalls Büsten im Relief für die vier Jahreszeiten. Große Rocaillekartuschen über den Büsten beinhalten in Ockertönen gemalte Puttenszenen, die für die jeweilige Jahreszeit typische Handlungen illustrieren.[36]

Vorlagen und Vergleiche

Die Puttenszenen folgen Stichvorlagen nach François Boucher.[37]

Das Audienzzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Wandvertäfelungen und Supraporten sowie der Kamin wurden 1762 aus Schloss Herzogsfreude hierher übertragen. Die Seidentapeten stammen aus Schloss Bensberg und kamen erst im 19. Jahrhundert nach Brühl.[38]

Beschreibung

Der Raum wird von Westen aus dem Zweiten Audienzzimmer betreten. Im Osten schließt sich das Paradeschlafzimmer an. Zum Garten im Süden hin gibt es drei bodentiefe Fenster. Die dominierende Farbe des Raumes ist ein blasses Grün. Die übertragene Vertäfelung und ihre Schnitzereien wurden damals in Grün und Olivgelb neu gefasst.[39]

Die Deckenmalerei im Audienzzimmer

Künstler

Die Decke wurde von Giuseppe Artaria stuckiert und von Joseph Mouha vergoldet. Die Malereien stammen von Joseph Billieux.[40]

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke wird durch vergoldete Stuckaturen rund um ein Mittelfeld in mehrere gerahmte Bereiche untergliedert, die verschiedene Malereien und Stuckaturen aufnehmen. Im Mittelfeld erblickt man Rocaillen sowie Blumenvasen und Blumenbouquets. An den Längsseiten sind vier polychrome Jagdszenen gemalt. Es handelt sich um eine Hirschjagd, eine Wolfsjagd, eine Fuchsjagd und eine Wildschweinjagd. Ins Bild gesetzt ist jeweils der Moment, in dem die Hunde das Tier stellen und niederzwingen – Menschen gibt es keine. Rechts und links sind unabhängig vom Hauptbild auf dunklen Rocaillen dunkle Figuren gemalt. Unter diesen vier Jagddarstellungen ist je eine weitere gemalte Kartusche im fingierten goldenen Rocaillerahmen zu finden. Hier sind monochrom in hellen Grüntönen Puttengruppen zu sehen, die sich eher liebevoll mit Tieren beschäftigen.

In den vier Ecken befinden sich Landschaften mit galanten Begegnungen im Rahmen einer Jagd. Zwischen diesen Eckfeldern und dem Mittelfeld sind vergoldete Stuckreliefs mit Reiherbeizen eingepasst. In der Voute ist an den Längsseiten unter Löwenkopf und Kurhut das Monogramm von Clemens August stuckiert. Weitere Monogramme befinden sich unter den Reiherbeizen. Ebenfalls in der Voute ist in zarter Blaumalerei an jeder Seite in einer Kartusche eine Puttengruppe dargestellt, die der Jagd nachgeht. Die verschiedenen Bildgruppen stehen formal in keinem Zusammenhang. Die Maßstäbe der Figuren unterscheiden sich ebenso wie die Farbgebung.[41]

Vorlagen und Vergleiche

Die vier polychromen Jagdgemälde folgen Kupferstichen nach Malereien von Jean-Baptiste Oudry, Abraham Hondius und François Desportes.[42]

Das Paradeschlafzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum wurde um 1750 von Giuseppe Artaria stuckiert. Die Holzvertäfelung stammt aus Schloss Herzogsfreude und kam 1762 nach Brühl. Hier wurde sie teilweise ergänzt. Die Seidentapeten aus Schloss Bensberg kamen erst im 19. Jahrhundert in den Raum.[43]

Beschreibung

Das Paradeschlafzimmer öffnet sich mit zwei bodentiefen Fenstern zum Garten. Es liegt zwischen dem Audienzzimmer im Westen und dem Kabinett im Osten.[44]

Die Deckenmalerei im Paradeschlafzimmer

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke wurde von Giuseppe Artaria um 1750 stuckiert. Die Deckenmalerei führte 1750-54 Joseph Billieux aus. Sie musste nach starken Beschädigungen 1966-67 weitgehend erneuert werden.[45]

Beschreibung und Ikonographie

Um ein Mittelfeld sind mittels vergoldeten Stucks mehrere Stuckrahmen angeordnet, die Malerei aufnehmen. Das Mittelfeld selbst präsentiert vor goldenem Grund Putten mit Blumen auf Wolken und an den Rändern auf Rocaillen Blumenkörbe. Es wird an den Längsseiten von jeweils zwei Kartuschen mit gemalten galanten Szenen in einer Natur- oder Parklandschaft gerahmt. An den Schmalseiten ist es jeweils nur eine Kartusche. Unter diesen sechs Szenen sind in der Voute kleine weitere Kartuschen stuckiert. Sie präsentieren an den Längsseiten auf goldenem Grund Blumen. An den Schmalseiten sind es Puttengruppen auf goldenem Fond. Weitere Putten befinden sich an den Längsseiten in zusätzlichen Kartuschen zwischen den beiden Szenen. Diese Puttengruppen hantieren mit verschiedenen Gegenständen und allegorisieren so vier verschiedene Künste. Für die Musik stehen die Putten mit Tuba, Lyra und Noten, für die Astronomie jene mit Fernrohr und Globus, für die Malerei und Bildhauerei diejenigen mit Staffelei, Palette und Büste sowie für den Tanz eine Gruppe mit Flöte und Tamburin. Vier weitere Gruppen von Putten in den Ecken der Voute allegorisieren die vier Elemente. Für die Erde stehen die Putten mit Weintrauben, für das Wasser jene mit einem Fisch, für die Luft diejenigen mit Tauben und für das Feuer die Putten mit einer Fackel und einem Feuer.[46]

Vorlagen und Vergleiche

Für die galanten Szenen konnten Vorlagen nach Gemälden von Antoine Watteau und Nicolas Lancret ermittelt werden. Die Puttengruppen folgen François Boucher.[46]

Das Kabinett

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Auch in diesem Raum stammt die Holzvertäfelung größtenteils aus Schloss Herzogsfreude und kam bald nach 1761 in das Kabinett.[47]

Beschreibung

Das Kabinett folgt auf das Paradezimmer und steht am Ende der Enfilade. Im Norden schließt sich eine Bibliothek an. Es hat zwei Fenster nach Süden und zwei nach Osten. Die Holzvertäfelung ist in Altrosa, Grün und Gold gefasst.[48]

Die Deckenmalerei im Kabinett

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Deckenmalerei wurde 1753-54 von Joseph Billieux ausgeführt.[35]

Beschreibung und Ikonographie

Die Deckenmitte ist leer bis auf eine zart blaugrün gemalte Rocaille und Blumen. Der Deckenrand wurde mit malerischen Mitteln gestaltet. Auch hier überwiegen zarte Blaugrüntöne. Ebenfalls zarte Rocaillen werden von zahlreichen Affen belebt, die sich als Jäger betätigen. Sie gehen der Falken- und Parforcejagd nach – sie schießen mit Pfeil und Bogen oder auch einem Blasrohr auf Vögel. Ein Affe bedient eine Drehleier. An den Rändern der Affenszenen sitzen Putten in Treillagen. Hinzu kommen Gartenszenen mit galanten Paaren, die ausgelassen tanzen oder auch nur am Brunnen rasten. In den Ecken der Decke erblickt man gemalte Prunkvasen, die von Vögeln und Tieren wie einem Eichhörnchen oder Pfauen flankiert werden. In der Voute gibt es weitere Gartenszenen, die mit monochromer Malerei Putten, Blumen, Vögel und Gartenarchitekturen abbilden. Hinzu kommen in eigenen Stuckkartuschen gemalte Büsten.[49]

Vorlagen und Vergleiche

Die Vorlagen für die Affendrolerien finden sich in Stichen von Christophe Huet, der selbst in Frankreich eine Reihe von Affenkabinetten schuf.[47]

Die Bibliothek

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Decke wurde um 1750 von Giuseppe Artaria stuckiert. Der Marmorkamin kam nach 1761 aus Schloss Herzogsfreude in den Raum. Die Bibliothek wurde 1764/65 restauriert.[50]

Beschreibung

Die Bibliothek liegt nördlich des Kabinetts. Sie hat ein Fenster nach Osten und zwei nach Norden. Vor die blau-weißen Wände sind weiß-blau gestrichene Bücherschränke gestellt.[51]

Die Deckenmalerei in der Bibliothek

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke wurde um 1750 von Giuseppe Artaria stuckiert. Die Deckenmalereien führte Joseph Billieux 1653/54 aus.[35]

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke zieren in der Mitte und am Rand züngelnde Rocaillen. In Kartuschen allegorisieren stuckierte Putten die vier Jahreszeiten. In den Ecken sind in Rocaillekartuschen vier Chinoiserien in grünen Pastellfarben gemalt. Die vermeintlichen Chinesen trinken Tee, tanzen, gehen spazieren oder bringen ein Opfer dar.[52]

Das Audienzimmer des Sommerappartements

 
Das Audienzzimmer: westliche Supraporte: Hunde auf der Jagd

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Audienzzimmer des Sommerappartements wurde ca. 1740-45 ausgestattet.[53]

Beschreibung

Das Audienzzimmer ist im Erdgeschoss des Südflügels zum Garten hin gelegen. Es gehört zu einem Appartement, das aus einem Sommerspeisesaal, zwei Vorzimmern, dem Audienzzimmer, einem Paradezimmer, mehreren Kabinetten sowie einer Heilig-Geist-Kapelle besteht.[54]Das Audienzzimmer wird vom zweiten Vorzimmer im Westen aus betreten. Es hat drei Fenstertüren zum Garten. Im Osten folgt das Paradezimmer. In die Wände sind Bildnisse eingelassen. Die ursprüngliche Wandbespannung ist verloren.[55]

Die Deckenmalerei in der Voute des Audienzzimmers

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei führte 1745-1750 Johann Matthias Schild aus.[56]

Beschreibung und Ikonographie

Der Deckenspiegel ist leer. Die Voute ist stuckiert. In den Ecken befinden sich Putten, welche die Tageszeiten allegorisieren. In die Voute sind an den Seiten ferner acht Bilder eingelassen, die Vögel abbilden. An jeder Seite befindet sich ein querrechteckiges Bild, an den Längsseiten werden diese von je zwei Rundbildern flankiert. Es sind durchweg Wildvögel zu sehen, und zwar Dohlen, Schnabeltaucher und Gänse, Eisvögel, Enten, Rotkehlchen, Wachteln und Enten, Fasanen und Bachstelzen.[57]

Das Paradeschlafzimmer im Sommerappartement

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Paradeschlafzimmer des Sommerappartements wurde ca. 1740-45 ausgestattet.[58]

Beschreibung

Das Paradeschlafzimmer ist im Erdgeschoss des Südflügels zum Garten hin gelegen. Es gehört zu einem Appartement, das aus einem Sommerspeisesaal, zwei Vorzimmern, einem Audienzzimmer, dem Paradeschlafzimmer, mehreren Kabinetten sowie einer Heilig-Geist-Kapelle besteht.[54] Der Raum folgt auf das Audienzzimmer im Westen. Er öffnet sich mit zwei Fenstertüren zum Garten nach Süden. Im Osten folgt ein Kabinett.[59]

Die Deckenmalerei in der Voute des Paradeschlafzimmers im Sommerappartement

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei führte 1745-1750 Johann Matthias Schild aus.

Beschreibung und Ikonographie

Der Deckenspiegel ist leer. Lediglich die Voute wurde stuckiert. In sie sind 20 Bilder von Schild eingelassen, die überwiegend Wasservögel darstellen. Zu ihnen gehören Graureiher, Enten, Wachtelkönige, Stelzenläufer, Zwergsäger und Spechte.[60]

Die Heilig-Geist-Kapelle im Sommerappartement

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Um 1750 wurde die Heilig-Geist-Kapelle angelegt und von Johann Adam Schöpf vollständig freskiert. Die Rocaille- und Blumendekorationen auf den hölzernen Sockelvertäfelungen werden Schöpf selbst oder seinem Schwager Norbert Seifried zugeschrieben.[61]

Beschreibung

Die Kapelle ist an der Südwestecke des Erdgeschosses gelegen und wird von Osten aus dem ersten Vorzimmer des Sommerappartements betreten. Nach Westen liegt eine Tür zur Orangerie, durch die hindurch man in das Oratorium der Schlosskirche gelangt. Nach Westen und Süden gibt es jeweils ein Fenster. Der Altar steht im Norden. Die Kapelle ist komplett freskiert bis auf die holzverkleidete Sockelzone, die mit Blumen- und Rocaillemalerei geschmückt ist.[62]

Programm

Das Gesamtprogramm des Raumes ist auf das Pfingstwunder zu beziehen und wird mit Hilfe einer Schrift zusammengefasst, die über dem Altar als Spruchband beginnt wie auch endet und in Kartuschen den Raum umläuft. Es zitiert die Pfingstsequenz der Liturgie. Zwei Verse über der Tür wurden 1761 durch das Monogramm des neuen Kurfürsten Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels ersetzt.[63]

Die Deckenmalerei in der Kapelle

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke ist 1750 von Johann Adam Schöpf vollständig freskiert worden. Im zweiten Weltkrieg wurde das Fresko stark beschädigt und anschließend restauriert.[64]

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke öffnet sich durch eine Scheinöffnung zum Himmel, aus der Wolken in den Raum herabkommen. Am Himmel erblickt man in hellstem Licht Gottvater auf Wolken, von einer Engelschar umgeben. Er breitet die Arme zu zwei Putten vor sich auf der Wolke aus. Die Engel und Putten kommen zusammen mit den Wolken hinab in die Kapelle. Zwei Putten mit Blumengirlanden befinden sich scheinbar zusammen mit anderen, die Blumen streuen, bereits im Raum. Zwei weitere betrachten interessiert das Geschehen am Altar.[65]

Die Altarrückwand

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Altarrückwand wurde um 1750 wie die Kapelle von Johann Adam Schöpf vollständig freskiert.[66]

Beschreibung und Ikonographie

Das Fresko fingiert eine Nische zwischen einer jonischen Säulen- und Pilasterstellung. In dieser steht anscheinend ein Ziborienaltar mit kompositen Säulen. Goldene Engelsskulpturen scheinen vor den Säulen zu stehen. Vor der vermeintlich lichterfüllten Apsis erscheint über einem Scheintabernakel auf einer Wolke Maria als Braut des Heiligen Geistes. Von ihrem Kopf gehen Lichtstrahlen und sieben Flammenzungen aus, und vor ihrer Brust hält sie mit der Linken eine Taube. Sie verkörpert in dieser Erscheinung letztendlich die göttliche Weisheit. Über ihr fliegt ein Engel auf einer Wolke und zeigt auf den Altar (oder die Handlung, die dort vorgenommen wird?) herab. Hinter dem Kopf des Engels befindet sich eine Schriftkartusche. Dort steht: „Da Virtutis Meritum, Da Salutis Exitum, Da Perenne Gaudium“. Abgeschlossen wird der Aufbau von einem Schriftband. Dort steht: „Veni Sancte Spiritus“. Auf einem weiteren Spruchband weiter rechts setzt sich der Text fort: „Lucis Tuæ Radium“. Links ist zu lesen: „Et Emitte Cælitus“.[67]

Programm

Die weiß gekleidete Gestalt, die von einem Strahlenkranz umgeben ist, zu dem sieben Flammenzungen gehören, und die eine weiße Taube vor ihre Brust hält, entsprach weitgehend einer Vision der heiligen Crescentia Höß aus Kaufbeuren, die von Clemens August verehrt wurde.[68] Bezieht man die Decke mit ein, beinhaltet die Malerei mehr als Maria und den Heiligen Geist. An der Decke wird Gottvater gezeigt. Und auf dem Altar stand ehemals ein Kruzifixus, und so war tatsächlich der dreieinige Gott dargestellt.[69]

Die Evangelisten und Apostel

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wände wurden oberhalb der Sockelzone um 1750 von Johann Adam Schöpf vollständig freskiert.[66]

Beschreibung und Ikonographie

Die Wände gewähren scheinbar zwischen Säulen Durchblicke in Anräume, in denen sich teilweise Personen befinden. An deren Fuß sitzen die vier Evangelisten zusammen mit ihren Symbolen auf Voluten. Am Osten neben dem Altar ist das Matthäus. Es folgen in einer großen Scheinnische, die das Fenster an der Westwand spiegelt, die Apostel Petrus und Paulus. Über ihnen sind die Allegorien Glaube, Hoffnung und Liebe in Grisaillemalerei ausgeführt. Vor einer dritten Nische ist Johannes zu sehen. Hinter ihm erkennt man Apostel in verschiedenen Affekten mit Flammen über dem Haupt. An der Westwand ist zwischen Tür und Fenster Markus zu sehen. Hinter ihm diskutieren zwei weitere Apostel mit Flammen über ihren Köpfen. Im schmalen Feld zwischen Fenster und Altar wird Lukas gezeigt.[70]

Das Oratorium zwischen Orangerie und Schlosskirche

 
Schlosskirche Maria von den Engeln in Brühl (Rheinland), von der Schlossstraße aus

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Schlosskirche „Maria von den Engeln“ von 1493 wurde um 1735 zur Schlosskapelle umgebaut. An seine Ostseite hinter dem Altar kam ein Oratorium, dessen Öffnung zur Schlosskirche in den neuen Hochaltar von 1745 integriert wurde.[71]

Beschreibung

Das zweigeschossige Oratorium selbst befindet sich am Westende der Orangerie und grenzt direkt an den Chor der Kirche. Es handelt sich sozusagen um einen polygonalen Gelenkbau. Der Raum im Erdgeschoss hat sich erhalten. Im Obergeschoss befand sich der Betraum von Clemens August mit der Öffnung zum Chor. Er ist verloren.[72]

Die Fresken im Oratorium

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wände des Raums wurden wohl 1751 von vermutlich Norbert Seifried freskiert. Es haben sich nur Fragmente erhalten.[73]

Beschreibung und Ikonographie

Zu erkennen sind heute noch Heilige, die mit dem Franziskanerorden verbunden sind. In grauer Scheinarchitektur sind monochrom in rosa und rot die Bilder gemalt.[73]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Clemen, Köln, 1897. – Clemen, Paul (bearb.): Die Kunstdenkmäler des Landkreises Köln (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 4,1). Düsseldorf 1897.
  • Dehio, Rheinland, 2005. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen I. Rheinland (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Claudia Euskirchen, Olaf Gisbertz und Ulrich Schäfer. München/Berlin 2005.
  • Dohms, Inventare, 1978. — Dohms, Peter (bearb.): Die Inventare der Schlösser und Gärten zu Brühl. Düsseldorf 1978.
  • Hansmann, Augustusburg, 1990. – Hansmann, Wilfried: Schloß Augustusburg zu Brühl (Rheinische Kunststätten, 23). Neuss 1990.
  • Hansmann, Brühl, 2002. – Hansmann, Wilfried: Schloss Augustusburg in Brühl (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland, 36,1). Worms 2002.
  • Hansmann, Carlone, 1989. – Hansmann, Wilfried: Carlo Carlone in Brühl, in: Schmidt, Hans M. (Hrsg.): Himmel, Ruhm und Herrlichkeit (Kunst und Altertum am Rhein, 128). Köln 1989, S. 95-116.
  • Hansmann, Carlone, 2004. – Hansmann, Wilfried: Carlo Carlone, Gemälde und Farbskizzen in Schloss Augustusburg zu Brühl. Brühl 2004.
  • Hansmann, Treppenhäuser, 1972. — Hansmann, Wilfried: Das Treppenhaus und das Große Neue Appartement des Brühler Schlosses. Düsseldorf 1972.
  • Hansmann/Knopp, Brühl, 1982. – Hansmann, Wilfried/Knopp, Gisbert: Schloß Brühl. Die kurkölnische Residenz Augustusburg und Schloß Falkenlust. Köln 1982.
  • Hansmann/Schmitz, Augustusburg, 1985. — Hansmann, Wilfried/Schmitz, Raimund: Denkmalpflege an Schloß Augustusburg und Schloß Falkenlust in Brühl 1973-1983, in: Jahrbuch der rheinischen Denkmalpflege 30/31 (1985), S. 199-350.
  • Kisky, Brühl, 1963. — Kisky, Hans: Brühl, in: Borger, Hugo u.a. (Hrsg.): Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands 3. Nordrhein-Westfalen (Kröners Taschenausgabe, 273). Stuttgart 1963, S. 112-114.
  • Kretzschmar, Brühler Schlösser, 2016. – Kretzschmar, Frank: Die Brühler Schlösser und Parkanlagen. Pflege, Restaurierung und Erkenntnisse 1999-2014 (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege, 82). Worms 2016.
  • Laß, Appartement, 2025. — Laß, Heiko: Das Residenzschloss in Mannheim und das kurfürstliche Appartement in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: N.N. (Hrsg.): Residenzschloss Mannheim. Von der Grundsteinlegung zur virtuellen Rekonstruktion. Baden-Baden 2025, S. 101-119.
  • Stumpf, Sommerappartement, 2000. – Stumpf, Martin: Das Sommerappartement von Schloß Augustusburg in Brühl, in: Zehnder, Frank Günther (Hrsg.): Das Ideal der Schönheit (Der Riss im Himmel, 6). Köln 2000, S. 91-110.
  • UNESCO, Brühl, 2010. – UNESCO Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust (Hrsg.): Schloss Augustusburg in Brühl. München/Berlin 2010.

Einzelnachweise

  1. UNESCO, Brühl, 2010; Dehio, Rheinland, 2005, S. 221-230; Hansmann, Brühl, 2002; Hansmann, Augustusburg, 1990; Hansmann/Knopp, Brühl, 1982; Kisky, Brühl, 1963; Clemen, Köln, 1897, S. 79-108.
  2. UNESCO, Brühl, 2010, S. 12-20; Dehio, Rheinland, 2005, S. 222-223; Hansmann, Brühl, 2002, S. 10-40; Kisky, Brühl, 1963; Clemen, Köln, 1897, S. 80.
  3. UNESCO, Brühl, 2010, S. 21-23; Dehio, Rheinland, 2005, S. 223-225; Hansmann, Brühl, 2002, S. 41-51.
  4. UNESCO, Brühl, 2010, S. 24-104; Dehio, Rheinland, 2005, S. 225-229; Hansmann, Brühl, 2002, S. 52-168; Clemen, Köln, 1897, S. 83.
  5. Kretzschmar, Brühler Schlösser, 2016; Stumpf, Sommerappartement, 2000; Dohms, Inventare, 1978.
  6. Hansmann, Carlone, 2004; Hansmann, Brühl, 2002; Hansmann, Augustusburg, 1990; Hansmann, Carlone, 1989; Hansmann/Schmitz, Augustusburg, 1985; Hansmann/Knopp, Brühl, 1982; Hansmann, Treppenhäuser, 1972.
  7. UNESCO, Brühl, 2010.
  8. UNESCO, Brühl, 2010, S. 28-29, 32; Dehio, Rheinland, 2005, S. 225; Hansmann, Brühl, 2002, S. 52-55.
  9. UNESCO, Brühl, 2010, S. 39; Dehio, Rheinland, 2005, S. 223-225; Hansmann, Brühl, 2002, S. 78-79.
  10. UNESCO, Brühl, 2010, S. 36-39; Dehio, Rheinland, 2005, S. 225; Hansmann, Carlone, 2004, S. 15, 32-34; Hansmann, Brühl, 2002, S. 55-78.
  11. Dehio, Rheinland, 2005, S. 225; Hansmann, Carlone, 2004, S. 10.
  12. UNESCO, Brühl, 2010, S. 32-38; Dehio, Rheinland, 2005, S. 225; Hansmann, Carlone, 2004, S. 12-32; Hansmann, Brühl, 2002, S. 69-72.
  13. Hansmann, Carlone, 2004, S. 40-45; Hansmann, Brühl, 2002, S. 68. Inventarnummer: 2739.
  14. UNESCO, Brühl, 2010, S. 40, 42; Dehio, Rheinland, 2005, S. 223, 225; Hansmann, Brühl, 2002, S. 80.
  15. Laß, Appartement, 2025, S. 113-114; Dehio, Rheinland, 2005, S. 225.
  16. UNESCO, Brühl, 2010, S. 40-41; Dehio, Rheinland, 2005, S. 225; Hansmann, Brühl, 2002, S. 80-85.
  17. UNESCO, Brühl, 2010, S. 42; Dehio, Rheinland, 2005, S. 225; Hansmann, Carlone, 2004, S. 10.
  18. UNESCO, Brühl, 2010, S. 41; Dehio, Rheinland, 2005, S. 225-226; Hansmann, Carlone, 2004, S. 50-52; Hansmann, Brühl, 2002, S. 80-85.
  19. UNESCO, Brühl, 2010, S. 42; Dehio, Rheinland, 2005, S. 226; Hansmann, Carlone, 2004, S. 56-58, 66-67; Hansmann, Brühl, 2002, S. 85.
  20. Hansmann, Carlone, 2004, S. 60-62.
  21. UNESCO, Brühl, 2010, S. 43; Dehio, Rheinland, 2005, S. 223; Hansmann, Brühl, 2002, S. 89.
  22. UNESCO, Brühl, 2010, S. 43-44; Hansmann, Carlone, 2004, S. 72; Hansmann, Brühl, 2002, S. 85.
  23. UNESCO, Brühl, 2010, S. 44; Hansmann, Carlone, 2004, S. 74-78; Hansmann, Brühl, 2002, S. 85-89.
  24. UNESCO, Brühl, 2010, S. 47-63; Dehio, Rheinland, 2005, S. 225, 227; Hansmann, Brühl, 2002, S. 92-116.
  25. Laß, Appartement, 2025, S. 113-114; UNESCO, Brühl, 2010, S. 47-63; Dehio, Rheinland, 2005, S. 225; Hansmann, Brühl, 2002, S. 92-116.
  26. 26,0 26,1 UNESCO, Brühl, 2010, S. 48.
  27. UNESCO, Brühl, 2010, S. 47-48; Hansmann, Brühl, 2002, S. 92-93.
  28. UNESCO, Brühl, 2010, S. 48; Hansmann, Brühl, 2002, S. 93.
  29. UNESCO, Brühl, 2010, S. 48, 51; Dehio, Rheinland, 2005, S. 227.
  30. UNESCO, Brühl, 2010, S. 48-52; Hansmann, Carlone, 2004, S. 98; Hansmann, Brühl, 2002, S. 112-116.
  31. UNESCO, Brühl, 2010, S. 50.
  32. UNESCO, Brühl, 2010, S. 50-51; Hansmann, Carlone, 2004, S. 86-88; Hansmann, Brühl, 2002, S. 116.
  33. UNESCO, Brühl, 2010, S. 52.
  34. UNESCO, Brühl, 2010, S. 52; Hansmann, Brühl, 2002, S. 94-95.
  35. 35,0 35,1 35,2 Dehio, Rheinland, 2005, S. 227.
  36. UNESCO, Brühl, 2010, S. 52; Hansmann, Brühl, 2002, S. 95.
  37. Hansmann, Brühl, 2002, S. 95.
  38. UNESCO, Brühl, 2010, S. 53, 56.
  39. UNESCO, Brühl, 2010, S. 53; Hansmann, Brühl, 2002, S. 95-101.
  40. UNESCO, Brühl, 2010, S. 56.
  41. UNESCO, Brühl, 2010, S. 53, 56; Hansmann, Brühl, 2002, S. 95, 98.
  42. Hansmann, Brühl, 2002, S. 95, 98.
  43. UNESCO, Brühl, 2010, S. 58-59.
  44. UNESCO, Brühl, 2010, S. 58; Hansmann, Brühl, 2002, S. 102-105.
  45. UNESCO, Brühl, 2010, S. 58; Dehio, Rheinland, 2005, S. 227-228.
  46. 46,0 46,1 UNESCO, Brühl, 2010, S. 58.
  47. 47,0 47,1 UNESCO, Brühl, 2010, S. 60.
  48. UNESCO, Brühl, 2010, S. 60-61; Hansmann, Brühl, 2002, S. 106-110.
  49. UNESCO, Brühl, 2010, S. 60; Hansmann, Brühl, 2002, S. 106-107.
  50. UNESCO, Brühl, 2010, S. 63.
  51. UNESCO, Brühl, 2010, S. 63; Hansmann, Brühl, 2002, S. 110-112.
  52. UNESCO, Brühl, 2010, S. 63; Hansmann, Brühl, 2002, S. 112.
  53. UNESCO, Brühl, 2010, S. 64; Dehio, Rheinland, 2005, S. 228.
  54. 54,0 54,1 UNESCO, Brühl, 2010, S. 64.
  55. UNESCO, Brühl, 2010, S. 64, 79; Hansmann, Brühl, 2002, S. 127-132.
  56. UNESCO, Brühl, 2010, S. 64; Hansmann, Brühl, 2002, S. 130.
  57. UNESCO, Brühl, 2010, S. 77-78; Dehio, Rheinland, 2005, S. 228; Hansmann, Brühl, 2002, S. 130.
  58. UNESCO, Brühl, 2010, S. 79; Dehio, Rheinland, 2005, S. 228.
  59. UNESCO, Brühl, 2010, S. 79-80; Dehio, Rheinland, 2005, S. 228; Hansmann, Brühl, 2002, S. 132-136.
  60. UNESCO, Brühl, 2010, S. 79-80; Hansmann, Brühl, 2002, S. 132.
  61. Dehio, Rheinland, 2005, S. 229; Hansmann, Brühl, 2002, S. 140.
  62. UNESCO, Brühl, 2010, S. 72-74; Dehio, Rheinland, 2005, S. 229; Hansmann, Brühl, 2002, S. 140-143.
  63. UNESCO, Brühl, 2010, S. 74; Hansmann, Brühl, 2002, S. 142.
  64. UNESCO, Brühl, 2010, S. 74; Hansmann, Brühl, 2002, S. 140.
  65. UNESCO, Brühl, 2010, S. 74; Dehio, Rheinland, 2005, S. 229; Hansmann, Brühl, 2002, S. 140.
  66. 66,0 66,1 Hansmann, Brühl, 2002, S. 140.
  67. UNESCO, Brühl, 2010, S. 72; Hansmann, Brühl, 2002, S. 140.
  68. UNESCO, Brühl, 2010, S. 72.
  69. Hansmann, Brühl, 2002, S. 140-142.
  70. UNESCO, Brühl, 2010, S. 72-74; Dehio, Rheinland, 2005, S. 229; Hansmann, Brühl, 2002, S. 140.
  71. Dehio, Rheinland, 2005, S. 219-220.
  72. Hansmann, Brühl, 2002, S. 167-169.
  73. 73,0 73,1 Hansmann, Brühl, 2002, S. 169.