Brühl, Jagdschloss Falkenlust
Inventarnummer: cbdd10248
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In Schloss Falkenlust hat sich ein Deckengemälde von Stephan Laurenz de La Roque aus dem Jahr 1736 erhalten, das Auroa zusammen mit Reihern, Diana und Putten am Himmel zeigt. Es nimmt damit auf die Funktion von Falkenlust als Jagdschloss Bezug .
Das Jagdschloss Falkenlust
Kurzbeschreibung und Lage
Das ehemalige Jagdschloss Falkenlust[1] ist ein Satellit von Schloss Augustusburg in Brühl und über eine gerade Allee an dessen ehemaligen Wildpark angebunden. Die offene Dreiflügelanlage ist von einem eigenen Park umgeben. Das zweigeschossige freistehende Corps de logis wird von zwei eingeschossigen und gewinkelten Seitenflügeln begleitet. Der Ehrenhof wird ebenso wie ein kleiner Hof an der Rückseite des Schlosses von Gittern abgeschlossen.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Jagdschloss Falkenlust wurde für den Kölner Kurfürsten Clemens August nach Entwürfen François Cuviliés unter der Bauleitung von Michael Leveilly in den Jahren 1729-37/40 erbaut. Der Rohbau war bereits 1734 vollendet, die Ausstattungsarbeiten zogen sich aber noch hin. Als Stuckateure arbeitenden Pietro Morsegno, Pietro Castelli und Guiseppe Artaria in Falkenlust. 1730-33 entstand im Park eine kleine Kapelle.
1807 gelangte Schloss Falkenlust in Privatbesitz und wurde erst 1960 vom Land Nordrhein-Westfalen erworben. Seit 1984 gehört Schloß Falkenlust zusammen mit Schloß Augustusburg und dem umgebenden Park zum UNESCO Weltkulturerbe.
Beschreibung
Das zweigeschossige Hauptgebäude von fünf zu fünf Achsen hat ein Walmdach mit bekrönendem Belvedere. Entsprechend der Bestimmung des Schlosses als Ausgangspukt für die Reiherbeize sind überall am Gebäude Darstellungen von Falken und Reihern angebracht. Zu ihnen gehören die plastischen Darstellungen über dem oberen Mittelfenster der Eingangsseite, die Schlusssteine der oberen Fenster, das Balkongitter oder die Wetterfahren in Gestalt eines goldenen Reihers. Auf dem Kranzgesims stehen Steinvasen mit Reiherhorsten.
Der sehr kompakte kleine Bau bietet in jeder Etage nur Raum für fünf Zimmer und ein Treppenhaus. Erdgeschoss und Obergeschoss sind annähernd identisch gestaltet. Man betritt zuerst ein Vestibül in der Mittelachse, von dem aus zur Rechten eine Treppe in das Obergeschoß führt. Geradeaus gelangt man in einen so genannten Salon, der rechts von einem Speisezimmer und links von einem Schlafzimmer flankiert wird. Vom Schlafzimmer kann man sowohl ein Kabinett als auch eine Garderobe an der Eingangsseite erreichen. Im Obergeschoss hatte der Bauherr, Clemens August, seine Räume. Hier ist an der der Stelle des Speisezimmers ein so genanntes Kaffeezimmer gelegen. Es weist eine geringere Tiefe auf, da Raum für eine zusätzliche Nebentreppe benötigt wird, über die man das Dach mit seinem Belvedere erreichen kann.
Die Innenausstattung nimmt wie bereits der Außenbau Bezug auf die Funktion des Schlosses, sei es in Deckenstuck, Wandmalerei oder einem Deckengemälde. Es gibt stuckierte Falkenköpfe, Fayencekacheln mit Motiven der Falkenjagd oder Gemälde des Bauherrn als Jäger sowie seiner Falkenmeister von Georges Desmarées. Darüber hinaus sind im Schloß vielfältige Verweise auf den Kurfürsten Clemens August angebracht, sei es sein Namenszug CA im Gitter des Treppenhauses oder an der Decke das kurfürstliche Wappen mit Kurhut, seien es die Kacheln mit den Wittelsbacher Farben blau und weiße sowie dem charakteristischen Rautenmuster und Wappen.
Deckenmalerei gibt es im Treppenhaus sowie im oberen Vestibül. Das Treppenhaus ist an Wänden und Laibungen mit Rotterdamer Fliesen in blau und weiß belegt. Sie zeigen überwiegend das Wittelsbacher Rautenmuster. Hinzu kommen Einzelfliesen mit fliegenden Reihern, stoßenden Falken und Jägern zu Pferde. Die Decke des Treppenhauses setzt diesen Fliesendekor mit Mitteln der Malerei fort. Sie stammt vermutlich von Laurenz de La Roque.
Das obere Vestibül
Beschreibung
Das annähernd quadratische Vestibül[2] im ersten Obergeschoss öffnet sich mit einem Fenster zur Eingangsseite nach Westen. Es wird vom Treppenhaus im Süden her betreten. Nach Osten und Norden führen Türen in die anschließenden Räume. Die abgerundeten Raumecken nehmen halbrunde Nischen auf, in die jeweils Skulpturen nach Entwürfen von Johann Franz van Helmont gestellt sind, die die vier Elemente darstellen. Es handelte sich Puttenpaare auf konsolartigen Unterbauten. Hier sind die vier Elemente mittels Putten verbildlicht, die auf das jeweilige Element verweisen, indem sie etwa Luft blasen. Hinzu kommt eine weitere Darstellung, wie etwa ein von einem Falken geschlagener Reiher oder ein Amboss. Die eigentlichen Puttenpaare hantieren mit Reihern oder Falken und nehmen damit auf die Funktion des Gebäudes Bezug, aber über ihre spezifische Tätigkeit auch auf das jeweilige Element. So lassen sie einen Vogel steigen oder nehmen ein Jungvogel aus dem Nest. Die Supraporten zeigen Reliefs mit Personifikationen des Flussgottes Rhein sowie zweier Nebenflüsse.
Das Deckengemälde im oberen Vestibül
Beschreibung und Ikonographie
Die Deckenmalerei[3] im oberen Vestibül von Laurenz de la Roque gewährt einen Ausblick in den offenen Himmel. Die Öffnung ist von einer fingierten Balustrade umgeben. Auf ihr tummeln sich Putten, die teilweise Jagdfalken halten. Die Falken tragen Hauben mit dem Monogramm von Clemens August. Andere schauen dem Geschehen am Himmel zu. Die Jagdgöttin Diana auf einer dunklen Wolke weist die Putten auf einen der fliegenden Reiher hin. Andere Putten schauen den Vögeln hinterher oder interagieren miteinander.
Am Himmel erblickt man Aurora und Diana sowie Putten und Reiher. Aurora mit Lichtfackel ist etwas aus der Deckenmitte nach Osten verschone. Sie streut Blumen, während eine sie begleitende Putte den Morgentau ausgießt. Weitere Putten deuten auf den Morgenstern. Diana an der Westseite ist im Zusammenhang mit Aurora nun als Luna und damit die scheidende Nacht zu interpretieren.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Rheinland, 2005. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen I (Rheinland) (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Claudia Euskirchen, Olaf Gisbertz und Ulrich Schäfer. München/Berlin 2005.
- Hansmann, Falkenlust, 1973. – Hansmann, Wilfried: Schloß Falkenlust. Köln 1973.
- Hansmann, Falkenlust, 1990. – Hansmann, Wilfried: Jagdschloß Falkenlust zu Brühl (Rheinische Kunststätten, 149). 6. Aufl. Neuss 1990.
- Hansmann, Falkenlust, 2002. – Hansmann, Wilfried: Schloss Falkenlust in Brühl (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmäler im Rheinland, 36 Tl.2). Worms 2002.
- Hansmann/Knopp, Brühl, 1982. – Hansmann, Wilfried/Knopp, Gisbert: Schloss Brühl. Köln 1982.
- Plagemann, Jagdschlösser, 1969. – Plagemann, Volker: Die Jagdschlösser des Kurfürsten Clemens August. Falkenlust, Clemenswerth, Herzogsfreude (Die Jagd in der Kunst). Hamburg/Berlin 1969.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Rheinland, 2005, S. 230-232; Hansmann, Falkenlust, 2002; Hansmann, Falkenlust, 1990; Hansmann/Knopp, Brühl, 1982, S. 77-112; Hansmann, Falkenlust, 1973; Plagemann, Jagdschlösser, 1969. S. 10-18.
- ↑ Dehio, Rheinland, 2005, S. 131; Hansmann, Falkenlust, 2002, S. 91-99; Hansmann/Knopp, Brühl, 1982, S. 105-107.
- ↑ Dehio, Rheinland, 2005, S. 131; Hansmann, Falkenlust, 2002, S. 91-99; Hansmann/Knopp, Brühl, 1982, S. 106-107.