Brüggen, Herrenhaus
Inventarnummer: cbdd10037
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In einigen Zimmern von Haus Brüggen hat sich Malerei von Johann Oswald Harms von 1705 erhalten. Thema des Hauptsaals ist der segensreiche Einfluss von Apoll auf Jahr und Tag. Überarbeitungen um 1930 haben die Malerei nachhaltg verändert.

Bauwerk
Die Gutsanlage in Brüggen[1] setzte sich aus vier Gebäuden zusammen, die einen trapezförmigen Hof umschließen. Der Komplex wurde ab 1686 für den wolfenbüttelschen Oberhofmarschall und Oberhofmeister Friedrich II. von Steinberg erbaut. Er war einer der leitenden Staatsmänner am Wolfenbütteler Hof Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg. Zuerst entstand an der Nordseite die Meiere, es folgte 1693-97 das Hauptgebäude an der Westseite. Gegenüber der Meierei entstand die 1706 geweihte Schlosskapelle. Um 1716 sind am östlichen Rand des Hofes die Stallungen mit dem Torhaus errichtet worden. Architekt war Johann Balthasar Lauterbach. Nach seinem Tod führte Hermann Korb die Arbeiten zu Ende.[2]
Der Außenbau
Das steinerne querrechteckige Herrenhaus[3] von zweieinhalb Geschossenen mit Walmdach steht auf einem niedrigen Sockel. Ein Gurtgesims trennt das Erdgeschoss mit in Blendarkaden eingestellten Fenstern vom Obergeschoss. Die elf Achsen breiten Fronten unterscheiden sich an der Hof- und Gartenseite erheblich. Die Eingangsseite gliedern umfassende Lisenen. Ein zentraler dreiachsiger Mittelrisalit wird von einem Dreiecksgiebel bekrönt. Die aufwendiger gestaltete Gartenseite wird von Kolossalpilastern gegliedert und verfügt zusätzlich an den Seiten über zweiachsige Risalite unter Dreiecksgiebeln. Die Blendarkaden sind in den mittleren sieben Achsen geöffnet. Vor dem zentralen Saal hinter dem Mittelrisalit befindet sich ein Balkon, die Fenster im Mezzanin sind hier oval. Die fünf Achsen tiefen Seiten haben kleine zentrale Vorsprünge.
Das Innere
Das Innere[4] des Haupthauses ist annähernd symmetrisch gegliedert. Die Mitte nimmt im Erdgeschoss an der Gartenseite ein Vestibül ein und im Mittelrisalit an der Hofseite eine Eingangshalle sowie ein Treppenhaus, das auf einen Vorsaal im Obergeschoss führt. Hier ist zur Gartenseite der Hauptsaal gelegen. Die Raumfolgen erschließen sich zu beiden Seiten einer Mittellängswand. Zahlreiche Räume sind aufwendig von Giacomo Perinetti ausstuckiert worden. Einige Zimmer nehmen Malerei von Johann Oswald Harms auf. Vollendet war die Ausstattung 1705.
Erhalten hat sich die Malerei im Hauptsaal, wenn auch überfasst. Ausweislich von Fotografien aus dem Jahre 1935 befanden sich in weiteren Räumen Wand-und Deckenmalereien, so in einem Wohnzimmer genannten Raum im Nordwestrisalit (Kaminbild und Deckenmalerei) sowie einem kleinen Kabinett, ebenfalls im Nordwestrisalit (Kaminbild und Deckenmalerei).[5]
Hauptsaal
Der zentrale Hauptsaal[6] reicht bis in das Mezzanin. Seine Wände sind von gekuppelten korinthischen Pilastern mit verkröpftem Gebälk gegliedert. Zentrale Kamine mit zweigeschossigen Aufsätzen zieren die Seitenwände, in den Seitenachsen sind Türen mit Supraporten mit Malerei im Stuckrahmen situiert. Die Seitenwände nehmen Spiegel auf und ferner runde sowie ovale Tondi mit Malerei. Auch die oberen Kaminaufsätze zieren Tondi mit Malereien. Die flache stuckierte Decke ziert ein großes Mittelbild, das von vier kleinen Tondi in den Ecken begleitet wird. Der Hauptsaal wurde um 1930 neu ausgestattet und die Malerei weitgehend überfasst.[7] Formal bestehen zwischen dem Hauptsaal in Brüggen und jenem in Hundisburg große Ähnlichkeiten, sowohl in der Wandgestaltung als auch in der Deckengliederung. Der Architekt war jeweils Hermann Korb. Auch zum Hauptsaal von Schloss Blankenburg– ebenfalls von Hermann Korb – gibt es Parallelen.[8]
Die Malerei des Hauptsaals
Nahezu alle Gemälde sind um 1930 von Theodor Baierl aus München „erneuert worden“.[9]
Deckenmalerei
Die Decke des Hauptsaals[10] nimmt vier Gemälde von Johann Oswald Harms auf. Das zentrale Hauptbild zeigt Apoll, umgeben von den vier Jahreszeiten sowie den Tierkreiszeichen. Hinzu kommen vier kleine Ovalgemälde in den Ecken, die die Tageszeiten darstellen. Thema der Decke ist also der segensreiche Einfluss des Apoll auf Jahr und Tag. Die drei Zyklen sind auf die jeweiligen Himmelsrichtungen und untereinander genau aufeinander abgestimmt. Im Nordosten sieht man beispielsweise den Frühling, den Morgen und die Tierkreiszeichen Widder, Stier und Zwilling.[8]
Entwürfe und Vorlagen
Die Entwürfe zu allen fünf Deckenbildern des Hauptsaals von Haus Brüggen haben sich im Herzog Anton Ulrich Museum in Braunschweig erhalten.[11] Harms nutzte Vorlagen, die sich an Gérard Lairesse orientierten. Harms hat Lairesse jedoch nicht einfach kopiert.[12] Der Frühling mit der Blumenbekränzten Flora folgte Lairesse. Kleine Änderungen wurden an der rechten Hand und beim Gewand vorgenommen. Bei Lairesse ist unten links ein Genius mit den Zephyrflügeln zu sehen, bei Harms ein Putto, der statt eines Blumenkorbes lose Blüten trägt. Der rücklings liegende Genius der Vorlage ähnelt dem Putto rechts, der Tulpen reicht, er ist jedoch deutlich kleiner. Die behelmte Gestalt der Vorlage fehlt, dafür ist aber rechts neben Flora eine zweite große Frau zu sehen, die ebenfalls Blumen in der ausgestreckten Linken hält.[12] Der Sommer ist nicht von Lairesse übernommen.[12] Beim Herbst folgen beide Figuren mit kleineren Abweichungen Lairesse. Die beiden Assistenzfiguren der Vorlage hat Harms durch drei Putten ersetzt. Der Winter weicht nach Döry stark von Lairesse ab, jedoch sei die rechte Hauptfigur übernommen.[12] Gemeinsam ist allen Änderungen gemäß Döry eine Proportionsverschiebung zwischen Haupt- und Nebenfiguren. Die gleichberechtigten Genien der Vorlagen sind assistierenden Putten gewichen. Diese sind zudem friesartig angeordnet. Die starke Untersicht von Lairesse sei bei Harms abgeschwächt.[13]
Mittelbild
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Entwurf für ein ovales Deckengemälde: Wolkenring mit Allegorien der vier Jahresz
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Der Apoll auf dem Mittelbild[14] hält eine Lyra und wird im Strahlenkranz gezeigt. Auf ihn sind alle Darstellungen bezogen. Er ist relativ klein gemalt, da er über den anderen Figuren in weiterer Entfernung zum Betrachter gedacht ist. Die Jahreszeiten werden durch Figurenpaare personifiziert und befinden sich auf Wolken. Die zwölf Tierkreiszeichen am Außenrand sind in kleinen hell angedeuteten Ovalmedaillons in einem zweiten Ring hinzugefügt.
Die Gruppe des Frühlings zeigt eine blumenbekränzte Flora. In ihrer Linken hält sie einen Blumenkranz. Zu ihrer Rechten ist eine weitere Frau zu sehen, die Flora anblickt und in ihrer ausgestreckten Linken ebenfalls Blumen hält. Der Mantel der Flora wölbt sich im Wind zu einem Bogen, der die Häupter der beiden Frauen verbindet. Zwei Putten vervollständigen die Gruppe. Der eine bringt Flora Tulpen, der andere ihrer Assistentin weitere Blumen.
Die Gruppe des Sommers zeigt eine weitere blumenbekränzte – barbusige – Flora, die dem Betrachter frontal zugewandt ist. In ihrer Linken hält sie Blumen, die Rechte hat sie auf ihr Haupt gelegt. Die Figur wird von ihrem sich effektvoll bauschenden Mantel hinterfangen. Zu ihrer Rechten ist Ceres im Profil zu sehen. Sie hält in ihrer Linken eine Sichel, ihre Rechte ist auf eine Korngarbe gestützt. Zwei Putten assistieren den beiden, der ein trägt Blüten, der andere Korn.
Die Gruppe des Herbstes zeigt den weinbekrönten Bacchus mit Leopardenfell, der in seiner Rechten Weintrauben hält. Eine weitere Figur zu seiner Linken mit Zephyrflügeln — Zephyr selbst? — bringt weitere Trauben. Zu dieser Gruppe gehören drei Putten, die alle Bacchus zugeordnet sind. Der mittlere präsentiert einen Kelch.
Den Winter stellen zwei bärtige Männer dar. Sie sind warm angezogen und ihre Häupter bedeckt und sie wärmen sich an einem Feuertopf oder Kohlebecken, das zwischen ihnen steht. Der linke hält in seiner Rechte einen kahlen Zweig. Links von ihm sitzt ein Putto mit Zephyrflügeln, der sich an einem weiteren kleinen Feuertopf wärmt. Ein zweiter Putto bringt der rechten Figur winterliches Gemüse.
Alle Figuren werden in Untersicht gezeigt. Obwohl sie eng zusammengerückt in einem Kreis dargestellt sind, ist jede Gruppe von der anderen getrennt. Sie sind nur aneinander gereiht – ein Reigen ist nicht entstanden. Aufgrund der Überarbeitungen um 1930 kann keine Aussage zur ursprünglichen Farbigkeit gemacht werden. Jetzt sind die Farben hell, das Inkarnat ist eher eintönig und weder die Gewänder noch Körper stark modelliert.[15]
Eckmedaillons
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Die Tageszeiten: Der Abend
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Die Tageszeiten: Mitternacht
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Die Tageszeiten: Der Mittag
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Die Tageszeiten: Der Morgen
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In den vier Ecken sind in ovalen Medaillons die vier Tageszeiten dargestellt: Der Morgen mit Morgenstern über dem Haupt, Fackel und Blumen, der Mittag, der von der Sonne geblendet wird, der Abend mit Abendstern über dem Haupt und Fackel, die Nacht unter dem Sternenhimmel mit einer dunklen Decke. Hinzu kommt jeweils ein Puttenpaar. Beim Morgen gießt es den Tau aus, beim Mittag schützt es sich mit Tuch und Schirm vor den Sonnenstrahlen, beim Abend ist die eine Putte bereits eingeschlafen, während die andere sich müde an den Abend schmiegt, beim Abend schlafen beide bereits.
Die Wandmalereien
Die Wände zieren Darstellungen verschiedener Tugenden, Ansichten von Schlössern und Allianzwappen. Vieles geht auf die Neuausstattung um 1930 zurück.[16] Die Gemälde über den Kaminen zeigen im unteren Aufsatz Früchtestillleben. Die Malerei in Öl auf Leinwand entstand um 1700.[17] Hinzu kommen im oberen Aufsatz je ein Wappenschild im Kreis: Links die Herren von Steinberg und derer von und zum Stein, rechts derer von Steinberg und derer von Schwicheldt. Rechts und links dieser Wappen in den Supraporten sind etwas größere Gemälde mit „allerlei sinnbildlichen Figuren“ angebracht.[18]
Die Wand über dem Haupteingang zeigt in den drei waagerechten Ovalen die alten steinbergischen Schlösser Wispenstein, Brüggen und Bodenburg. Die drei senkrecht stehenden kleineren Ovale zeigen dreimal das Wappen der Herren von Steinberg: den springenden Steinbock, einmal mit dem von Hesbergischen, einmal mit dem von Grupendorfschen und einmal mit dem von Hedemannischen verbunden.[18] Die Wand gegenüber dem Eingang präsentiert über der Balkontür das Wappen der Herren von Steinberg und derer von Blumenthal. Links davon sieht man das Wappen der Herren von Steinberg und derer von Platen-Hallermund, rechts davon das der Herren von Steinberg und das derer von Wendt.[18]
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
- Döry, Brüggen, 1958. – Döry, Ludwig: Deckenfresken von Johann Oswald Harms in Schloss Brüggen a. d. Leine. In: Braunschweigisches Jahrbuch 39 (1958), S. 122-129. http://docplayer.org/46522789-.html
- Greiffenhagen, Brüggen, 1927. – Greiffenhagen, Carl: Die Geschichte des Schlosses und Dorfes Brüggen a. d. L. in Verbindung mit der kurz skizzierten jeweiligen Landesgeschichte. Osterode 1927.
- Grote, Lauterbach, 1995. – Grote, Hans-Henning: Johann Balthasar Lauterbach (1663-1694). Professor für Mathematik, Landbaumeister und Ingenieur am Wolfenbütteler Fürstenhof (Beihefte zum Braunschweigischen Jahrbuch, 10). Braunschweig 1995.
- Jürgens/Lütgens/Nöldeke, Gronau, 1939. – Jürgens, Heiner/Lütgens, Hans/Nöldeke, Arnold/Welck, Freiherr von: Die Kunstdenkmale des Kreises Alfeld II. Der ehemalige Kreis Gronau. Hannover 1939.
- Paulus, Land-Wohnungen, 2006. – Paulus, Simon: Von Land-Wohnungen und Meyereyen, sonderlich vor die von Adel … In: Ders. (Red.): Hermann Korb und seine Zeit: 1656 - 1735. Barockes Bauen im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Braunschweig 2006, S. 125-144.
- Reden-Dohna, Rittersitze, 1995. – Reden-Dohna, Armgard von: Die Rittersitze des vormaligen Fürstentums Hildesheim. Göttingen 1995.
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. zum Gut: Reden-Dohna, Rittersitze, 1995, S. 59-70; Jürgens/Lütgens/Nöldeke, Gronau, 1939, S. 21-35; Greifenhagen, Brüggen, 1927, S. 137-143. Vgl. zum Hauptgebäude: Jürgens/Lütgens/Nöldeke, Gronau, 1939, S. 23-30. Grote, Lauterbach, 1995, S. 168-170; Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 299-300.
- ↑ Paulus, Land-Wohnungen, 2006, S. 136; Grote, Lauterbach, 1995, S. 178; Döry, Brüggen, 1958, S. 123.
- ↑ Paulus, Land-Wohnungen, 2006, S. 136; Grote, Lauterbach, 1995, S. 168-170; Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 300; Döry, Brüggen, 1958, S. 122; Greiffenhagen, Brüggen, 1927, S. 138.
- ↑ Paulus, Land-Wohnungen, 2006, S. 136-137; Grote, Lauterbach, 1995, S. 171-172; Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 300.
- ↑ Jürgens/Lütgens/Nöldeke, Gronau, 1939, Abb. 8. Bildindex: mi04377e14, mi04377f01, mi04377f04.
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 300; Döry, Brüggen, 1958, S. 122.
- ↑ Döry, Brüggen, 1958, S. 128; Jürgens/Lütgens/Nöldeke, Gronau, 1939, S. 27; Greiffenhagen, Brüggen, 1927, S. 138: „auf Veranlassung des verstorbenen Grafen Ernst von Sternberg sehr geschmackvoll ausgestattet“.
- ↑ 8,0 8,1 Döry, Brüggen, 1958, S. 123.
- ↑ Döry, Brüggen, 1958, S. 128; Jürgens/Lütgens/Nöldeke, Gronau, 1939, S. 27.
- ↑ Greiffenhagen, Brüggen, 1927, S. 140; Jürgens/Lütgens/Nöldeke, Gronau, 1939, S. 27; Döry, Brüggen, 1958, S. 122-123.
- ↑ Döry, Brüggen. 1958, S. 124.
- ↑ 12,0 12,1 12,2 12,3 Döry, Brüggen, 1958, S. 125.
- ↑ Döry, Brüggen, 1958, S. 126.
- ↑ Greiffenhagen, Brüggen, 1927, S. 140; Jürgens/Lütgens/Nöldeke, Gronau, 1939, S. 27; Döry, Brüggen, 1958, S. 125-126.
- ↑ Döry, Brüggen, 1958, S. 126-129; Jürgens/Lütgens/Nöldeke, Gronau, 1939, S. 27.
- ↑ Jürgens u.a., Gronau, 1939, S. 27-28; Döry, Brüggen, 1958, S. 128.
- ↑ Jürgens u.a., Gronau, 1939, S. 27.
- ↑ 18,0 18,1 18,2 Greiffenhagen, Brüggen, 1927, S. 140.