Dreyer, Angelika:Boos, Schlosskapelle, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/a5ae7a15-348b-42f3-979c-23fd216618da

Inventarnummer: cbdd10305

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Die Schlosskapelle von Boos verfügt über einen der in Süddeutschland seltenen, gemalten Scheinaltären von Viktorian Denzel aus dem Jahr 1773. Dieser birgt ein Peter Candid zugeschriebenes Altargemälde mit der Himmelfahrt Mariens aus der Zeit um 1600.

Boos, Hofkapelle
Boos, Hofkapelle

Schloss Boos, ehemals Sitz des Booser Zweiges der Fugger

„Schloß, ehemals Sitz des Booser Zweiges der Fugger. In den wesentlichen Teilen wohl zweite Hälfte 16. Jh. Hauptbau, langgestreckter Satteldachbau, zweigeschossig, mit der Traufseite zur Dorfstraße. Über dem Südgiebel zweigeschossiger Dachreiter, im Untergeschoß vierseitig, im Obergeschoß oktogonal, geschwungene, mit Blech beschlagene Haube. – Nordtrakt zu sieben Achsen, im rechten Winkel an das Hauptgebäude anschließender Wirtschaftsbau, mit Satteldach mit zahlreichen Schleppgauben, am Westgiebel zwei Kielbogenblenden. Wirtschaftsgebäude, um einen Hof in drei Flügeln südlich des Hauptbaues gelegt, zweigeschossig mit Satteldächern. Im Erdgeschoß des Westflügels dreischiffige Halle zu sieben Jochen, mit Segelgewölben über Gurten auf modernen Eisenstützen."

Die Schlosskapelle

"Schloßkapelle, an den Südflügeln des Wirtschaftshofes gegen die Straße vorgebaut. Der erste Bau im Auftrag des Grafen Rudolf Fugger 1679 errichtet, 1716 abermals Neubau, innere Ausstattung 1773. Flachgedeckter Saal zu zwei Fensterachsen, durch Pilaster ausgeschiedenem Halbrunden Schluß. Langhaus und Altarraum flachgedeckt. Am Altarraum außen Lisenengliederung. Kleiner, vierseitiger Dachreiter und Spitzhelm. – Innen auf der Westseite Herrschaftsloge, durch leicht geschwungenes Gebälk abgeschlossen. – Fenster mit abgesetzten Rundbogen. – zweigeschossiger Anbau an der Südseite der Kapelle, im Untergeschoß ehemals Sakristei, im Obergeschoß Chörlein, das sich unter leicht geschwungenem Sturz gegen den Hauptraum öffnet, die Brüstung in der Mitte etwas vorgeschwungen."

Glaube, Liebe, Hoffnung: Die drei christlichen Tugenden von Victorian Denzel

Das Deckengemälde über dem Altaraum zeigt die drei christliche Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung. Es ist mit "Victorian Denzel Pinx. 1773" Bezeichnet.

Die Decke, die Pilaster der Fürstenloge und der Chorbrüstung sind mit einen Gitterwerk aus Stuck verziert, ferner findet sich sparsame Blumengirlanden und Blattrosetten aus der Zeit um 1773.[1]

Der Altar: Himmelfahrt Mariens von Peter Candid in gemaltem Altaraufbau von 1773

Eine Besonderheit ist der von Viktorian Denzel gemalte Altaraufbau, der wohl ebenfalls um 1773 im Rahmen der Kirchenausmalung entstand. Er birgt ein Peter Candid zugeschriebenes Altargemälde mit der Krönung Mariens, welches in die Zeit um 1600 zu datieren ist und mit Übermalungen aus dem 18. Jahrhundert als Altarblatt Verwendung fand.[2]

Bibliographie

  • Breuer, Memmingen, 1959 — Breuer, Tilmann: Stadt und Landkreis Memmingen (Bayerische Kunstdenkmale, Bd. IV). München 1959.
  • Bushard/Paula, Schwaben, 2008 — Bushart, Bruno/ Paula, Georg: Bayern III. Schaben (Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler), München 2008.
  • ONLINE

Einzelnachweise

  1. Breuer, Memmingen, 1959, S. 73
  2. Breuer, Memmingen, 1959, S. 73; https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Boos(27.12.2017); Bushard/Paula, Schwaben, 2008, S. 215.