Beuerberg, ehem. Augustinerchorherrenstift, Festsaal
Festsaal im ehem. Stiftsgebäude
Zum Bauwerk: Der Festsaal liegt im zweiten Stock des zwischen 1729-53 errichteten Stiftsgebäudes. - Rechteckiger Saal (12,00 × 10,80 m); nach S drei und nach O zwei Fenster. Stuck von Franz Doll
Auftraggeber: Propst Dominikus Lechner von Beuerberg (1752–70)
Autor und Entstehungszeit: Inschrift mit Chronogramm auf dem Podest im Deckenbild: AVSPICE/CAELI/DoMINA. Der Saal wurde also 1758 ausgestattet.
Autor des Deckenbildes war Martin Heigl (* Konstanz † 1776 München), wie ein Stilvergleich ergibt. Die Gruppe von Maria mit dem Kind wiederholt spiegelbildlich die Madonnengruppe des im gleichen Jahr entstandenen Deckenbildes von Unterbrunn (s. CBD, Bd 1, S. 358). Typisch für Heigl ist die Malweise: der breite Auftrag der Konturen in Gesichtern und Gewändern, die kompakten Weißhöhungen. Vergleichbar mit Unterbrunn vor allem ist die Verwendung der Farben: des schweren und starkfarbigen Blau im Kontrast zu den beiden Rottönen, fast Violett in den Mänteln Marias, zusätzlich ein stumpfes Rot (Draperie in Beuerberg, Engelsgewand in Unterbrunn, s. auch Wilparting, Fresko D, S. 631). Diesen großen Farbpartien steht Goldgelb in kleineren Akzenten gegenüber. Die große Ähnlichkeit der beiden Darstellungen erstreckt sich bis auf Details, wie auf die beiden fast identischen Kronen.
Das Beuerberger Deckenbild gehört zu den frühen Werken Heigls, der Schüler und Mitarbeiter Johann Baptist Zimmermanns war und um diese Zeit schon selbständig arbeitete.
Befund
Rahmen: stuckierter Rocaille-Ornament-Rahmen Technik: Fresko; polychrom Maße: Höhe 4,00 m; 2,25 × 1,60 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Inschrift an sororibus Ord. Visitat. B. V. M. e. DITRAMSZELL renov. et habitatum est an. 1846.
Scheitelriß und weitere Risse, zum Teil ausgebessert; Seccoübermalungen.
Beschreibung und Ikonographie
OTTO VON EURASBURG STELLT DAS STIFT UNTER DEN SCHUTZ MARIENS Ein junger Edelmann kniet auf einem geschwungenen Stufenpodest; er hält vor sich das Wappen des Stiftes Beuerberg und die Abtsinsignien, Stab und Mitra. Er hat den Blick gen Himmel gerichtet, wo in Wolken Maria als Patrona Bavariae erscheint: mit Kurhut und Zepter, das Kind mit dem Reichsapfel auf dem Arm, den Fuß auf der Mondsichel. Ein Postament mit Inschrift und Feuerschale im Vordergrund links sowie eine Draperie rechts deuten einen idealen, bühnenhaften Schauplatz an. Die Flamme symbolisiert Hingabe.
Graf Otto von Eurasburg (Iringsburg) gilt als der Stifter des Augustinerchorherrenstiftes Beuerberg. Zusammen mit seiner Mutter schenkte er 1121 die Ländereien; das Kloster wurde von Dießen aus besiedelt und im gleichen Jahr vom Papst bestätigt. Der erneute Anschluß an die lateranensische Kongregation (erster Anschluß 1127) und die Verleihung des Abtstitels 1710 brachte dem verhältnismäßig unbedeutenden und armen Kloster eine Festigung seiner Stellung; 1737 wurden dem Propst Cajetan I. Perner (1712–44) die Pontifikalien verliehen. Der Stolz auf diese beiden Würden, die das Kloster größeren Augustinerchorherrenstiften gleichstellte, drückt sich hier im Deckengemälde des Festsaals aus, zugleich mit einer Berufung auf die Geschichte des Stifts in der Gestalt des Gründers.
Die Inschriften in den Kartuschen, die in diesem Zusammenhang interessant sind, lauten:
Im SW-Zwickel MUNIFICENTIA / MAXIMILIANI / D.G.V.B. et P.S. Duc. & El. &. &. [= Divina Gratia Utrius Bavariae et Palatinatus Superioris Ducis et Electoris] / Continuando Collegii aedificio / lapides.24.Nov: Ao. 1753. / concedente
Im SO-Zwickel CLEMENTIA / CAROLI.VII / D.G.R.I. S.A.V.B.& P.S. Duc.&El.& c.& c.[= Divina Gratia Romani Imperii Semper Augusti Utriusque Bavariae et Palatinatus Superioris Ducis et Electoris] / novo collegii aedificio/ primum lapidem i.May Ao 1729.
Die Inschriften beziehen sich auf den Neubau der Klosteranlagen 1729–53, ebenso wie die im NW- und NO-Zwickel: FAVORE / gratioso / MAGNATUM / patrocinante. Nec non LIBERALITATE / CIVIUM / contribuente.
An der S-Seite des Saales ist das bayrische Kurwappen angebracht. Dieses Wappen, die Darstellung Marias als Patrona Bavariae und die Berufung auf die beiden Kurfürsten Karl Albrecht (1726-45) und Max III. Joseph (1745-77) stellt das Stift in den größeren Zusammenhang der bayrischen Geschichte.
Literatur siehe S. 142