Berlin, Theaterbau Charlottenburg

Hinterkeuser, Guido:Berlin, Theaterbau (Charlottenburg), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/dccbcaa4-b278-46ec-93a9-e65fd7136ee9

Inventarnummer: cbdd10507

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

An die Große Orangerie angeschlossen wurde zwischen 1787 und 1791 im Schlosspark Charlottenburg nach den Plänen von Carl Gotthard Langhaus der Theaterbau errichtet.

Theaterbau im Schlosspark Charlottenburg

 

Kurzbeschreibung und Lage

Der Schlosstheater entstand von 1787 bis 1791 als eigenständiges Bauwerk nach den Plänen von Carl Gotthard Langhans auf einem bis dahin unbebauten Gelände westlich direkt im Anschluss an die barocke Orangerie. Damit dehnte sich die ohnehin schon recht raumgreifende Schlossanlage weiter aus, erreichte nunmehr zugleich aber auch ihre endgültige Größe. Denn alle Pläne, auch an das östliche Ende des Neuen Flügels einen weiteren Bau zu setzen, kamen nicht zur Ausführung. Der zweieinhalbgeschossige Theaterbau bildet sowohl zur Stadt als auch zum Park hin repräsentative Fassaden aus und überragt die Orangerie deutlich an Höhe, so dass er geradezu wie ein eigenständiges Palais wirkt. Die Fassadengliederung mit einer Bänderrustizierung im Sockelgeschoss und einem Dreiecksgiebel im Mittelrisalits greift zentrale Motive des Alten Schlosses auf.

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Parallel zu den Verbesserungen am Königlichen Opernhaus in Berlin, die Carl Gotthard Langhans 1787 durchführte, wurde er im Frühjahr desselben Jahres mit der Neuplanung eines Theatergebäudes im Park von Charlottenburg beauftragt, hatte doch König Friedrich Wilhelm II. nach seinem Regierungsantritt 1786 Charlottenburg zu seinem ländlichen Refugium auserkoren. Als konkreter Standort für das neue Theater wurde das westliche Ende des barocken Orangerieflügels gewählt. Noch vor Langhans‘ vorläufiger Rückkehr nach Breslau im Mai 1787 lagen die Ausführungsentwürfe vor, und am 15. November 1787 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Seit 1788 war Langhans wieder in Berlin und hatte als neuer Direktor des Oberhofbauamtes auch die Oberaufsicht über die Errichtung des neuen Theaterbaus in Charlottenburg, während die Bauleitung vor Ort Michael Philipp Boumann übertragen wurde. Mit der feierlichen Einweihung des Theaters am 3. Juli 1791 waren die Bauarbeiten weitgehend abgeschlossen. An diesem Tag wurde die Opera buffa „Der Talismann“ von Antonio Salieri, die auf einem Stück von Carlo Goldoni basierte, aufgeführt.

In der Folgezeit stand das Theater viele Jahrzehnte nicht allein dem Hof, sondern dem Berliner und Charlottenburger Publikum als öffentliche Spielstätte zur Verfügung, bis es 1855 wegen mangelnder Auslastung geschlossen wurde. Auch eine kurzzeitige Betreibung durch private Unternehmer, welcher unter Wilhelm I. stattgegeben wurde, konnte den Niedergang des Theaterstandorts Schloss Charlottenburg nicht aufhalten. Kaiser Wilhelm II. ordnete schließlich 1902 die Umwandlung des leerstehenden Baus zu einem modernen Möbeldepot an, woraufhin Zwischendecken und Stützen in den Theaterraum eingezogen wurden. Womöglich beim großen Fliegerangriff auf Berlin vom 22. auf den 23. November 1943 wurde der Bau schwer beschädigt. Dabei wurden nicht nur sämtliche eingelagerten Möbel und Kunstwerke vernichtet, sondern es gingen auch das Dach, der Dachstuhl und große Teile des Innenausbaus einschließlich der historischen Theaterausstattung verloren, die trotz der vorgenommenen Einbauten immer noch vorhanden war. Bis 1957 wurde der Theaterbau in seiner äußeren Gestalt wiederhergestellt, während von Beginn an klar war, dass das Innere nach modernen Gesichtspunkten und Erfordernissen eingerichtet und also einzelne Geschosse eingezogen werden würden. Schließlich erfolgte 1960 die Eröffnung des Museums für Vor- und Frühgeschichte, ehe dieses 2009 wieder auszog und seine ursprünglichen Räume im Neuen Museum auf der Museumsinsel bezog. Seit dieser Zeit wird der Theaterbau von der SPSG für Verwaltungszwecke genutzt.

Auftraggeber

Auftraggeber für einen eigenständigen Theaterbau in Charlottenburg war König Friedrich Wilhelm II. Er wandte Schloss und Park seine besondere Aufmerksamkeit zu und ließ sich hier gleich zwei Wohnungen einrichten, die Sommerwohnung zu Beginn und die Winterwohnung zum Ende seiner kurzen, nur ein gutes Jahrzehnt währenden Regierung.

Architekten, Künstler und Handwerker

Architekt des Theaters war Carl Gotthard Langhans (1732–1808), der bereits 1782 in Breslau ein neues Schauspielhaus entworfen und errichtet hatte, das seinen Ruf als Theaterarchitekt begründen sollte. Nicht zuletzt deshalb wurde er 1787 zunächst mit dem Umbau des Zuschauerraums des Königlichen Opernhauses Unter den Linden beauftragt, das von 1740–1743 nach den Plänen Georg Wenzeslaus von Knobeldorffs errichtet worden war. 1787 wurde er mit dem Entwurf für ein neues Theater im Schlosspark von Schloss Charlottenburg beauftragt. 1788 zog er dann endgültig von Breslau nach Berlin, wo er zum Direktor des Oberhofbauamts ernannt wurde. Bereits seit 1786 war er Ehrenmitglied der Berliner Akademie der Künste.

Die Bauleitung vor Ort übernahm der Architekt Michael Philipp Boumann (1747– 1803), Sohn des Jan Bouman und seit 1778 als Geheimer Oberbaurat wirkend. Er hatte damals gerade sein bekanntestes Werk, Schloss Bellevue, vollendet. Die Plafondmalerei im großen Zuschauerraum und die Ausmalung der Loge übernahm der kurze Zeit in Berlin und Potsdam tätige und ursprünglich aus Schottland stammende Maler Edward Francis Cunningham (um 1742 – 1795), der außerdem simple handwerkliche Dekorations- und Anstreicherarbeiten an sich riss, was für Ärger sorgte.[1] Vom 30. Juli 1790 datiert der Kontrakt mit dem Kunstmaler Johann Christoph Kimpfel (1750–1805) über die Bemalung des großen Bühnenvorhangs, in dessen Mittelpunkt eine Darstellung von Apoll und Thalia stand.[2] Für die Bühnentechnik wurde der Kasseler Inspecteur de la Machinerie Moretti engagiert, der dafür im Mai 1791 eigens nach Berlin reiste. Der Berliner Tischler Millenet wurde dann mit der Ausführung der Arbeiten nach Morettis Vorgaben beauftragt.[3]

Baubeschreibung

Der zweieinhalbgeschossige Theaterbau weist elf Achsen (50 Meter) in der Länge und drei Achsen (20 Meter) in der Breite auf. Obwohl er mit seiner östlichen Schmalseite direkt an die barocke Orangerie stößt, kann er seine Eigenständigkeit dennoch behaupten und erinnert äußerlich gar an einen der für die damalige Zeit typischen Schlossbauten,[4] vergleichbar dem nahegelegenen Palais der Gräfin Lichtenau oder Schloss Bellevue. Deutlich überragt er die Orangerie, mit der Langhans sie andererseits gestalterisch geschickt verband, indem er deren Rustizierung aufgriff und in derselben Höhe über das Sockelgeschoss des Theaterbaus einfach weiterlaufen ließ. Grundsätzlich orientiert sich die Fassadengliederung des frühklassizistischen Bauwerks mit ihrer Einteilung in ein Sockelgeschoss mit Bänderrustizierung und ein Hauptgeschoss, das mit dem Mezzaningeschoss zusammengefasst ist, am Alten Schloss. Selbst der Dreiecksgiebel taucht wieder auf und bekrönt nun innerhalb eines fünfachsigen, in zwei Schichten hervorspringenden Risalits eine von ionischen Dreiviertelsäulen gestützte dreiachsige Serliana. Deren Gebälk zieht sich nahtlos als Stockwerksgesims, das das Obergeschoss vom Mezzaningeschoss scheidet, um das ganze Gebäude herum, so wie sich auch die Postamentzone der Serliana als umlaufende Horizontalgliederung über die gesamte Fassade hinweg fortsetzt. Indem das Haupt- und Mezzaningeschoss beide glatt verputzt sind, zeichnen sie sich gegenüber dem gröberen Sockelgeschoss deutlich als die vornehmeren ab. Zudem wird hier die Wand durch Vertiefungen in einzelne Felder gegliedert, die Platz für die Fenster aussparen, die ihrerseits von zarten Profilen eingefasst und ausladenden Gesimsen bekrönt sind. Über den Fenstern des Hauptgeschosses liegen querrechteckige Tafeln, an deren Stelle man sich Reliefs vorstellen könnte. Einen besonderen Akzent setzen die Mezzaninfenster, und zwar aufgrund ihrer kreisrunden Form und eines spangenartig über sie gelegten Gesimses, das beidseitig in halber Fensterhöhe in Voluten endet. Das hohe, mit dunklen Ziegeln gedeckte mächtige Mansardwalmdach – im unteren Teil durch Dachgauben mit kreisrunden Fenstern, ursprünglich je acht an den Lang- und je eine an den Schmalseiten, aufgelockert – schließt das Gebäude nach oben zu weithin sichtbar ab. Die Fassaden zur Stadt- und Parkseite fallen ganz identisch aus, außer dass vom Park her aufgrund des vermauerten Mitteleingangs kein Zutritt mehr möglich ist. Und auch an der westlichen Schmalseite findet sich die Fassadengliederung der Langseiten wieder, einschließlich eines zentralen Blendbogens, der nun freilich ein Halbgeschoss nach unten gerückt ist. Einen besonderen Akzent setzt hier heute eine altanartige Unterfahrt – dreiachsig, eingeschossig und von einer Attika bekrönt –, die dem Bau vorgelagert ist. Allerdings handelt es sich hierbei um eine moderne Zutat, denn ursprünglich führte hier lediglich eine einfache Treppe zur erhöht liegenden Tür des Bühneneingangs.

Zuschauerraum

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Der Theaterbau entstand von 1788 bis 1791 nach Entwürfen von Carl Gotthard Langhans als völliger Neubau. Damit einher ging die Einrichtung des großen Theatersaals, der über einhundert Jahre weitgehend unverändert in seiner Gestalt erhalten blieb.[5]Mit der Einrichtung eines Möbelspeichers 1902 verschwand der Saal hinter Zwischendecken und Stützen, zudem sind damals auch wesentliche Teile seiner ursprünglichen Ausstattung wie Ränge, Sitzreihen und Logen gänzlich entfernt worden. In einer Beschreibung aus dem Jahr 1936 berichtet Ludwig Sternaux von eingezogenen Betondecken und eisernen Treppenleitern. Wohl schon beim Bombenangriff auf Berlin vom 22. auf den 23. November 1943 wurde der Bau so schwer getroffen, dass der Saal samt Depot komplett zerstört wurde. Beim Wiederaufbau des Theaterbaus wurde der Saal nicht berücksichtigt und ging nunmehr endgültig verloren, indem jetzt Geschosse und einzelne Räume an seine Stelle traten.

Der eigentliche Theatersaal fasste 450 Zuschauer,[6] nach anderen Angaben sogar 700–800 Zuschauer.[7] Mit einer Tiefe von 23 Metern nahm er die östliche Hälfte des Bauwerks über alle Etagen hinweg ein, während sich die Bühne mit 21 Metern Länge gen Westen anschloss. Der Theaterraum bot Sitzmöglichkeiten sowohl im Parkett als auch in den drei Rängen, die sich in eleganten Schwüngen seitwärts vom Proszenium bis zur Königsloge erstreckten und durch dahinter gelegene Korridore erreichbar waren, die sich an den Außenwänden entlang zogen. Der zweite und dritte Rang sowie der Kranz der Voute wurden durch palmenartige Konsolen getragen, so dass der Blick auf die Bühne nicht durch Zwischenstützen beeinträchtigt wurde. Die Rückwände der Logen wiesen große Öffnungen mit verglasten Türen auf, so dass von hier aus eine gewisse Belichtung des Zuschauerraums erfolgen konnte, sofern keine Vorhänge oder Läden vorgezogen wurden. Die Bankreihen des Parketts verjüngten sich ostwärts und stiegen zudem bis an die Unterkante des ersten Rangs an, um auch hier allen Zuschauern eine gute Sicht zu gewähren. Dahinter stieg an der Mitte der Ostwand und ab der Höhe des ersten Rangs die repräsentative Königsloge auf, die den zweiten Rang durchtrennte und erst auf der Höhe des dritten Rangs endete. Seitlich wurde die Loge durch schlanke, antikisch gewandete Karyatiden flankiert, die ebenfalls eine Art Palme auf ihrem Kopf trugen, mit denen der hochgelegene Sturz abgefangen wurde. Ein mächtiger geraffter Vorhang sowie über die Brüstung gelegte Vorhangtücher steigerten die Erhabenheit der Loge und betonten den hohen Rang ihrer Nutzer. Gegenüber befand sich der Bogen des Proszeniums, wobei hier nunmehr gekuppelte kannelierte ionische Dreiviertelsäulen die palmenartigen Blöcke trugen, auf denen sich ein durch Voluten flankierter flacher Segmentbogen erhob, der bis unter die Decke reichte. Laut Kühn war die allenthalben vorhandene Dekorationsmalerei, etwa auf den Brüstungen der Ränge, grau in grau gehalten.

Wolkenhimmel mit Putten

Die hohe Voute der Decke saß auf einem von palmartigen Stützen getragenen Kranz, der den dritten Rang überfing. Allerdings wurde sie über der Bühne nahezu gänzlich vom Proszeniumsbogen verdrängt, der bis an den eigentlichen Deckenspiegel reichte. Dieser dürfte gänzlich flach ausgeführt gewesen sein. Das Zentrum der Decke war als Opaion geöffnet, das in den Dachstuhl hineinragte.

Laut dem Katalog der Akademieausstellung von 1791 war das frühklassizistische Deckengemälde[8] „51 Fuß lang und 45 Fuß breit“ und stammte von dem schottischen Akademiemaler Edward Francis Cunningham.[9] Am 17. Januar 1790 war ein Vertrag mit ihm über 2.800 Taler geschlossen worden, nachdem der König am 14. Dezember 1789 die entsprechende Ordre gegeben hatte.[10] Auf den wenigen erhaltenen Fotos des Theatersaals ist das Gemälde nur ansatzweise zu erkennen, es wurde nicht angemessen dokumentiert und es fehlen vor allem auch jegliche Farbaufnahmen. Im Zuge des Umbaus des Theatersaals zu einem Möbeldepot blieb es erhalten, erfuhr jedoch durch die neu installierte Konstruktion starke Beeinträchtigungen, wie aus einer Beschreibung des Saals von Ludwig Sternaux aus dem Jahr 1936 hervorgeht: „Nur der Plafond hat sich erhalten, grauenhaft zerrissen allerdings durch die eisernen Träger, die roh in die Wolken und die himmlische Bläue seiner Olympischen Götterwelt stoßen.“ Wahrscheinlich schon beim großen Bombenangriff vom 22./23. November 1943 wurde der Theaterbau schwer beschädigt, indem er sein Dach verlor und im Inneren weitgehend ausbrannte. Damals ging die Plafondmalerei vollständig verloren.[11]

Beschreibung und Ikonographie

Die gemalte Voute ist optisch als Abschluss der Wand aufgefasst und wird durch ein streng tektonisches Gebälk samt einer hohen Attika gestaltet. Über dem Architrav, der auf den Fotos hell wirkt, setzt ein bereits dunklerer Fries an, der durch ein Band eng aneinandergereihter hoher schlanker Zungen eine eigenwillige Ausgestaltung erfährt. Es folgt ein mehrfach profiliertes Abschlussgesims und darüber die hohe Attika, die sich aus schmalen Postamenten, denen kurze Stützen vorgestellt sind, und breiten Zwischenfeldern, die durch Akanthusranken verziert sind. Es folgt der eigentliche Plafond, dessen große Fläche noch ganz in der Tradition barocker Deckenmalerei mit einem Blick in den Himmel ausgemalt ist, der durch dräuende Wolkenformationen und ein Spiel aus Hell und Dunkel dramatisch belebt wird und somit den passenden Hintergrund, ja die Bühne für eine Schar unzähliger geflügelter nackter Putten bildet, die sich überall tummeln und damit beschäftigt sind, wallende schwere Tücher oder lange Girlanden herbeizutragen, wohl um die Kartusche zu dekorieren, die im Bereich der Voute prominent über den Proszeniumsbogen gemalt ist und mit dem Monogramm FW auf den königlichen Hausherrn aufmerksam macht. Die Beschreibung der Kartusche im Akademiekatalog von 1791 ist recht ausführlich und entspricht dem, was auf dem Foto zu sehen ist: „Der Fronton des Theaters ist durch einen Schild, in welchem der Name des Königs befindlich, und über welchem die Krone und der Königliche Mantel angebracht worden, verziert, und wird von zwei wilden Männern gehalten.“ Dabei sind der erwähnte Mantel sowie eine unter der Kartusche hängende Girlande in illusionistischer Manier über den wohl stuckierten Segmentgiebel des Proszeniumsbogens geführt – eine Verschränkung von zweidimensionaler Malerei und dreidimensionaler Architektur, wie sie ebenfalls typisch ist für die barocke Trompe-l'œil-Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts.

Unterhalb des erwähnten Segmentbogens befindet sich ein niedriges tafelartiges Bildfeld, zwar senkrecht stehend, doch aufgrund seiner Position doch eher zum Deckenbereich gehörig. Dessen Gegenstand lässt sich nicht exakt erkennen, auch weil ein Leuchter die Mitte des Bildes verunklärt. Die handelnden Protagonisten sind vor einem tiefliegenden Horizont nebeneinander gereiht, was an Reliefdarstellungen auf antiken Sarkophagen erinnert. Links sieht man drei nackte muskulöse Männer, die um einen Ambos herum versammelt sind und mit kräftigen Hammerschlägen eine Schmiedearbeit verrichten. Wir befinden uns also unzweifelhaft in der Schmiede des Vulkan. Die Szene in der Mitte zeigt zwei weibliche Gestalten, die um eine dritte versammelt sind. Bei letzterer könnte es sich um Minerva handeln, so dass hier deren durch Vulkan/Hephaistos beförderte Geburt aus Jupiters Haupt dargestellt wäre – ein Thema, wie es gut zu einer Theaterspielstätte passt. Rechts im Bild erkennt man einen davonfliegenden Genius, eingehüllt in ein klassisches Gewand und ausgestattet mit mächtigen Vogelschwingen, sowie ganz außen eine kauernde Figur.

Schriftquellen

Beschreibung, 1791, Anhang, S. 27

„Vom Herrn Cuningham […] 1791 in Charlottenburg. […]

2. In dem neu errichteten Königl. Schauspielhause den Platfond 51 Fuß lang und 45 Fuß breit. Der Hauptgegenstand desselben ist eine Gruppe von Genien, welche Guirlanden von Blumen zusammenknüpfen. Der Fronton des Theaters ist durch einen Schild, in welchem der Name des Königs befindlich, und über welchem die Krone und der Königliche Mantel angebracht worden, verziert, und wird von zwei wilden Männern gehalten.“

Königsloge

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Gegenüber der Bühne und in der Höhe des ersten Rangs befand sich die königliche Loge, die einen eigenen Plafond besaß, der ebenfalls ausgemalt war.[12] Ihre Geschichte ist eng mit der des Theatersaals verbunden, wenn man sie denn überhaupt als eigenständigen Raum auffassen möchte. Entstanden bis 1791, wurde sie ebenfalls durch die Einrichtung des Möbeldepots stark ramponiert, dann im November 1943 vernichtet und nach 1945 nicht wiederhergestellt. Sie war über die zweiarmige Treppe, die im westlichen Kabinett der Orangerie untergebracht war, direkt von außen zu erreichen, ohne dass der König den Theatersaal betreten musste. Zugleich diente ihm die Orangerie als gedeckter Gang vom Schloss ins Theater.

Beschreibung

Die Königsloge an der Ostseite des Theatersaals lässt sich als Einbau eines zweigeschossigen Kastens beschreiben, der den Verlauf des ersten und zweiten Rangs abrupt unterbrach, während sich der dritte Rang auch über dessen Bedachung fortsetzte. Zum Theatersaal hin bildete die Loge eine Schaufassade aus, indem sie seitlich durch schlanke Karyatiden flankiert wurde. Im oberen Bereich wurde die Öffnung durch einen gerafften Vorhang geschlossen, während sie unten von einer konvex ausschwingenden Brüstung begrenzt wurde, hinter welcher sich der König und seine Angehörigen niederließen. Im Zentrum der geschwungenen und bemalten Rückwand saß eine Flügeltür, die auf einen Korridor führte, von dem aus sämtliche Logen im ersten Rang erschlossen wurden. Beidseitig der Tür befanden sich in den äußeren Ecken je eine Nische, wobei in der linken ein Ofen aufgestellt war, der von besagtem Korridor aus befeuert wurde

Die Wandausstattung in der Königsloge

Die Rückwand der Loge war, darauf lassen die erhaltenen Grundrisse klar schließen,[13] massiv aufgemauert und nicht etwa, wie der vordere Logenkasten, aus Holz hochgezogen. Soweit nicht durch Türen und Nischen durchbrochen, war sie mit Malereien versehen, die, so der Anschein, direkt auf den Putz aufgetragen worden waren.

Die Malerei auf der Logenrückwand entstand 1791, wie die gesamte Ausmalung des Theatersaals, nach Entwürfen von Edward Francis Cunningham. Inwieweit sie den Umbau des Theaters zum Möbelspeicher im Jahr 1902 überstand, ist nicht dokumentiert. Sollte sie damals noch erhalten geblieben sein, ging sie spätestens beim Bombenangriff auf Charlottenburg vom 22./23. November 1943 zugrunde.

Jupiter und Amor

Beschreibung und Ikonographie

Links und rechts der Mitteltür befanden sich hohe rechteckige Felder, die mit Arabeskenmalerei verziert waren. Über der Tür setzte, wohl en grisaille, zunächst eine Art Scheinarchitektur an, nämlich ein Fries samt ausladendem Gesims, wodurch die Tür ein erhabeneres Gepräge erhielt. Auf dem Gesims wiederum saß ein Rundmedaillon mit breitem profiliertem Rahmen, das von Amor und Jupiter vollständig ausgefüllt war. Der geflügelte Amor auf der linken Seite scheint auf einem Unterbau zu knien, während sich ihm von rechts her Jupiter nähert, um ihm mit seiner Linken zärtlich über die Wange zu streicheln. Das Bildmedaillon ist seinerseits in ein gemaltes vertieftes quadratisches Feld eingelassen und wird beidseits von je einem nackten Putto gehalten („zwei Genien, den Stuck nachahmend“). Außerdem ist es oben von einer an drei Punkten befestigten Girlande bekrönt.

Schriftquellen

Beschreibung, 1791, Anhang, S. 27

„Vom Herrn Cuningham […] 1791 in Charlottenburg. […]

3. In der Königlichen Loge der Platfond, in Colorit, stellet die Figur des Friedens vor, die eine Krone darbietet. Ueber der Thüre Jupiter und Amor, zwei Genien, den Stuck nachahmend, auf beiden Seiten. Alle übrigen gemahlten Dekorationen der Loge des Saales sind nach den Zeichnungen des Herrn Cunningham gemacht.“

Allegorie des Friedens

Auf der einzig erhaltenen Fotografie, die die Loge zeigt, wird der Plafond durch geraffte Vorhänge komplett verdeckt. Man darf davon ausgehen, dass er gänzlich flach gehalten war und womöglich nicht einmal eine Voute aufwies.

Laut dem Katalog der Akademieausstellung von 1791 stammte die Ausmalung der Loge, von der weder Zeichnungen noch Fotos existieren, von dem schottischen Akademiemaler Edward Francis Cunningham.

Beschreibung und Ikonographie

Vom Deckenbild der Loge ist allein eine Kurzbeschreibung bekannt („die Figur des Friedens [...], die eine Krone darbietet“), so dass darüber hinausgehende Angaben nicht möglich sind. Immerhin erfährt man noch, sie sei „in Colorit“ angefertigt gewesen, d.h. es handelte sich hierbei nicht um Grisaillemalerei.

Schriftquellen

Beschreibung 1791, Anhang, S. 27

„Vom Herrn Cuningham […] 1791 in Charlottenburg. […]

3. In der Königlichen Loge der Platfond, in Colorit, stellet die Figur des Friedens vor, die eine Krone darbietet. Ueber der Thüre Jupiter und Amor, zwei Genien, den Stuck nachahmend, auf beiden Seiten. Alle übrigen gemahlten Dekorationen der Loge des Saales sind nach den Zeichnungen des Herrn Cunningham gemacht.“

Bibliographie

  • Archivalien
  • Acta des Königl. Ober-Hof-Bau-Amts vom Königl. Comoedien-Hausbau-Theatre- und Machinen-Wesen zu Charlottenburg. 1788 (SPSG, Graphische Sammlung).
  • ----
  • Bibliographie
  • Beschreibung, 1791. – Beschreibung derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften in den Zimmern der Akademie [...] den 22. Mai 1791 und folgende Tage [...] öffentlich ausgestellt sind, Berlin 1791. – Nachdruck in: Die Kataloge der Berliner Akademie-Ausstellungen: 1786–1850, bearb. von Helmut Börsch-Supan, Bd. 1: 1786–1824, Berlin 1971, Anhang, S. 27.
  • Rumpf, Beschreibung, 1794. – Rumpf, Johann Daniel Friedrich: Beschreibung der äußern und innern Merkwürdigkeiten der Königlichen Schlösser in Berlin, Charlottenburg, Schönhausen, in den bei Potsdam, Berlin 1794, S. 265.
  • Sternaux, Rätsel, 1936. – Sternaux, Ludwig: Rätsel in Charlottenburg. Das geheimnisvolle Haus im Schloßpark – Berlins unbekanntes historisches Theater – Schlummernde Schätze, in: Berliner Lokal-Anzeiger vom ##.##.1936.
  • Frenzel, Brandenburg-Preußische Schlosstheater, 1959. – Frenzel, Herbert A.: Brandenburg-Preußische Schloßtheater. Spielorte und Spielformen vom 17. bis 19. Jahrhundert, Berlin 1959 (= Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte, Bd. 59), S. 130–145.
  • Kühn, Schloss Charlottenburg, 1955. – Kühn, Margarete: Schloss Charlottenburg, Berlin 1955, S. 84f., Abb. 55, Taf. 118f.
  • Kühn 1955, S. 84f., Abb. 55, Taf. 118f.
  • Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970. – Kühn, Margarete: Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1: Textband (Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin), Berlin 1970, S. 127–136.
  • Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2, 1970. – Kühn, Margarete: Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2: Tafelband (Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin), Berlin 1970, Abb. 739–742.
  • Wimmer, Die Gärten, 1985. – Wimmer, Clemens Alexander: Die Gärten des Charlottenburger Schlosses, Berlin 1985, S. 49.
  • Schmidt, Carl Gotthard Langhans, 1987. – Schmidt, Hartwig: Carl Gotthard Langhans, in: Ribbe, Wolfgang/Schäche, Wolfgang (Hg.): Baumeister, Architekten, Stadtplaner. Biographien zur baulichen Entwicklung Berlins, Berlin 1987, S. 107–124, S. 113f.
  • Julier, Die Große Orangerie, 1991. – Julier, Jürgen: Die Große Orangerie des Charlottenburger Schlosses, in: Der Bär von Berlin. Jahrbuch des Vereins für die Geschichte Berlins 40, 1991, S. 39–54, S. 47.
  • Eggeling/Hanemann/Julier, Ein Schloss in Trümmern, 1993. – Eggeling, Tilo/Hanemann, Regina/Julier, Jürgen: Ein Schloß in Trümmern. Charlottenburg im November 1943 (Aus Berliner Schlössern. Kleine Schriften 13), Berlin 1993, S. 138f., Kat. Nr. 84f.
  • Göres/Vogtherr/Evers, Friedrich Wilhelm II., 1997. – Göres, Burkhardt/Vogtherr, Christoph Martin/Evers, Susanne (Hg.): Friedrich Wilhelm II. und die Künste. Preußens Weg zum Klassizismus. Ausstellung vom 20. Juli bis zum 14. September 1997, Orangerie und Marmorpalais im Neuen Garten; Weißer Saal im Schloss Charlottenburg (hrsg. von der Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg), Potsdam 1997, S. 204–208 (Th. Kemper).

Einzelnachweise

  1. Frenzel, Brandenburg-Preußische Schlosstheater, 1959, S. 220, Anm. 570.
  2. Eine Beschreibung der Vorhangbemalung auf der Grundlage eines zeitgenössischen Berichts in: Frenzel, Brandenburg-Preußische Schlosstheater, 1959, S. 133f.
  3. Frenzel, Brandenburg-Preußische Schlosstheater, 1959, S. 135.
  4. Frenzel, Brandenburg-Preußische Schlosstheater, 1959, S. 139.
  5. Zum Theatersaal: Beschreibung, 1791, Anhang, S. 27; Rumpf, Beschreibung, 1794, S. 265; Sternaux, Rätsel, 1936; Frenzel, Brandenburg-Preußische Schlosstheater, 1959, S. 130–145; Kühn, Schloss Charlottenburg, 1955, S. 84f., Abb. 55, Taf. 119; Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 127–136; Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2, 1970, Abb. 741f.; Eggeling/Hanemann/Julier, Ein Schloss in Trümmern, 1993, S. 138f., Kat. Nr. 84f.; Göres/Vogtherr/Evers, Friedrich Wilhelm II., 1997, S. 204–208 (Th. Kemper).
  6. Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 128.
  7. Frenzel, Brandenburg-Preußische Schlosstheater, 1959, S. 136.
  8. Abbildungen der Decke in: Frenzel, Brandenburg-Preußische Schlosstheater, 1959, S. 137, Abb. 46; Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2, 1970, Abb. 741f.; Göres/Vogtherr/Evers, Friedrich Wilhelm II., 1997, S. 206.
  9. Beschreibung 1791, Anhang, S. 27.
  10. Frenzel, Brandenburg-Preußische Schlosstheater, 1959, S. 220, Anm. 569.
  11. Eggeling/Hanemann/Julier, Ein Schloss in Trümmern, 1993, S. 138f., Kat. Nr. 84f.
  12. Zur königlichen Theaterloge: Rumpf, Beschreibung, 1794, S. 265; Kühn, Schloss Charlottenburg, 1955, S. 84f., Abb. 55, Taf. 119; Frenzel, Brandenburg-Preußische Schlosstheater, 1959, S. 137; Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 127–136; Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2, 1970, Abb. 741.
  13. Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 134, Abb. 77f.