Benediktbeuern, ehem. Benediktinerabtei, ehem. Gastzimmer


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 123–124, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Ehem. Gastzimmer im Nordtrakt, z. Z. Seminarraum

Zum Bauwerk: Der Nordtrakt des Erweiterungsbaues, der dem Alten Konventbau und der Kirche im W vorgelagert wurde, wurde 1695-1700 durch den Maurer Marcus Hainz unter Abt Eliland Öttl von Benediktbeuern (1689-1707) errichtet. Er diente bis zur Fertigstellung des Gästetrakts im Südflügel (um 1732) als Gästewohnung, später als Seminargebäude; z. Z. ist dort die Sozialwissenschaftliche Hochschule untergebracht. Der Raum befindet sich im ersten Geschoß an dem an der S-Seite durchlaufenden Gang etwa in der Mitte zwischen nördlichem und östlichem Treppenaufgang.

Längsrechteckiger Raum (7,40 × 4,70 m) mit zwei Fenstern auf der N-Seite. Übersichtsplan S. 38

Auftraggeber: Abt Magnus Pachinger von Benediktbeuern (1707–42)

Autor und Entstehungszeit: Die Deckenbilder sind weder signiert noch datiert. Während die Stuckdekoration (Lorbeerkranz und Akanthusstab) aus der Erbauungszeit stammt, müssen die Bilder später, um 1730, datiert werden. Sie sind stilistisch der Zimmermann-Werkstatt zuzuordnen, die um diese Zeit die Ausstattung des Südtraktes besorgte. Die Schutzengeldarstellung (A) weist große Ähnlichkeit mit einem Deckenbild gleichen Themas im Alkoven der Sommerprälatur (C, S. 120) auf. Das Kind gleicht in Bewegungsmotiv und im Habitus so sehr den Knaben in Deckenbild A des Treppenhauses im Südtrakt (S. 101), das man auf Johann Joseph Zimmermann als Autor schließen kann. Eine eindeutige Stellungnahme erlaubt der schlechte Erhaltungszustand der Deckenbilder jedoch nicht.

 
A Schutzengel
 

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke über Hohlkehle Rahmen: A Akanthusstab, 1–4 stuckierte Lorbeerkränze Technik: Secco; A polychrom, 1–4 zweifarbig gelb und rot Maße: A Höhe 4,20 m; 2,40 × 1,75

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1968 wurden die Bilder unter Tapeten freigelegt, 1977 durch Alban und Antonie Wolf, München, restauriert. Dabei wurde der vorhandene Befund weitgehend belassen und die Restaurierung auf Ergänzung von Fehlstellen, welche die Lesbarkeit der Darstellung beeinträchtigten, beschränkt. - Die Deckenbilder sind ruinös, die Binnenzeichnung gerade noch erkennbar. Gekittete Risse, Durchscheinen des Holzlattengewölbes. Die Farben (Weiß, Türkis, Moosgrün, Goldgelb) scheinen in ihrer Grundsubstanz noch original erhalten, in verhältnismäßig gutem Zustand ist das Inkarnat der Figuren, ein helles Weiß-Rosa.

Beschreibung und Ikonographie

A SCHUTZENGEL Rechteckfeld: Ansicht nach S: Aufnahmestandpunkt unter der Bildmitte. Das Bild zeigt in einem nicht mehr erkennbaren Schauplatz die großfigurige bewegte Gruppe von Schutzengel und Kind. Der **Engel** umfaßt die Gestalt des Knaben, während er mit der Rechten zum Himmel weist; er leitet das Kind weg von dem drohend geöffneten Schlund des Höllen-Drachens, der in der rechten unteren Bildecke zu sehen ist (vgl. die ikonographisch ausführlichere Darstellung H. G. Asams in Psallierchor von Tegernsee, S. 594, 596). Der Knabe trägt einen weißgoldenen Rock und ein moosgrünes Wams, dazu hochgeschnürte Sandalen; der Engel ein weißes Gewand mit türkisblauem Mantel.

 
 
 
 
4 Fides

1-4 CHRISTLICHE TUGENDEN 1 Fortitudo — Putto mit Säule 2 Caritas — zwei Putti, die einander umarmen 3 Spes — Putto mit Anker 4 Fides — Putto mit Hostienkelch

Literatur siehe S. 139