Seeger, Ulrike:Bamberg, Pfahlplätzchen 2, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/276d836d-220d-4dcf-8da1-30f0cb282b4f

Inventarnummer: cbdd20119

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Die Stuckdecke über dem Treppenhaus, das um 1735 aus Holz in das um 1700 entstandene Haus eingefügt wurde, rahmt in der Mitte eine Friedensallegorie wahrscheinlich mit Pax und Minerva, die die Waffen mit Füßen tritt. In den Ecken Embleme. In einem Zimmer eine Fensterlaibung mit Vögeln in Bandelwerk.

Eckhaus mit Hauptfassade zum Pfahlplätzchen

 
Bamberg, Pfahlplätzchen 2, Fassade

Baugeschichte und Bauherrschaft der Innenausstattung

Das um 1700 entstandene Eckhaus wendet sich mit sechs Achsen der Roppeltsgasse, mit sieben der schmalen Nordseite des heutigen Pfahlplätzchens zu. Seine Vorgänger waren drei schmale zum damaligen Judenplatz, wie das Pfahlplätzchen noch im 17. Jahrhundert hieß, giebelständige Häuser. Ihre Keller lassen sich teilweise bis ins Hochmittelalter zurückdatieren. [1] Eines der drei Häuser trug den Namen „zu St. Laurentius“, was sich auf die auf dem Domberg nahegelegene Curia St. Laurentii bezog. [2]

Auftraggeber des großen barocken Eckhauses war Johann Peter Kämmerer, Amtsvogt zu Burgebrach, dessen Witwe das Gebäude von 1729 bis 1735 besaß. [3] Da die Stuckdecken im Inneren stilistisch um 1735 zu datieren sind, ist davon auszugehen, dass die im vorliegenden Beitrag schwerpunktmäßig behandelte Innenausstattung von Kämmerers Nachfolger geschaffen wurde.

Der Nachfolger ist namentlich nicht bekannt, doch wurde das Gebäude seit 1735 bis 1763/1765 als das „Zachäische Haus“ bezeichnet, [4] was auf Zacharias, Zach oder Zachmann zurückzuführen sein könnte. Zwischen 1763/65 und 1785 besaß es der nachmalige letzte Fürstbischof Christoph Franz von Buseck (amt. 1795–1805), damals noch in seiner Rolle als Domkantor. [5]

Beschreibung

Das dreigeschossige Eckhaus wendet sich mit seiner Hauptfassade dem Platz zu. Dort öffnete sich das rustizierte Erdgeschoss in sechs Rundbogenarkaden mit ausgeprägten Bogen- und Scheitelsteinen. Die Scheitelsteine sind mit Blattmasken besetzt, deren Akanthuslaub die Datierung des Gebäudes um 1700 bestimmt haben dürfte. [6] Über den sechs Arkaden erheben sich siebenachsig die beiden verputzten Obergeschosse. Sie werden von einer starken Eckrustika eingefasst und durch ein Gesims getrennt. Die Fenster des Piano nobile zeichnen sind durch gerade Verdachungen aus. Alle Fenster besitzen Parapetfelder.

Die Raumfolge, in der die bemalte Fensterlaibung freigelegt wurde, befindet sich im zweiten Obergeschoss und wendet sich dem Pfahlplätzchen zu.

Das Treppenhaus

 

Das Treppenhaus liegt in der Westhälfte des Hauses Richtung Roppeltgasse, von der aus es heute auch erschlossen wird. Ein weiterer Zugang könnte sich an der Hauptfassade befunden haben, wo zwei der Rundbogenarkaden als Eingang dienen. Das Treppenhaus, bei dem es sich um eine dreiläufig-rechtwinkelige Holztreppe mit Wendepodesten und hölzernen Flachbalustern aus geschnitztem Bandelwerk handelt, erhält durch zwei Fenster Richtung Innenhof Licht. Dem Ornament der Baluster zufolge, muss es nachträglich in das um 1700 errichtete Haus eingebaut worden sein.

Die Unterseiten der Läufe sind reich stuckiert mit Bandelwerk, das jeweils ein zentrales Medaillon mit Büsten, dem kindlichen Bacchus mit Weinfass, Kelch und Weintraube sowie einem Adler mit nicht mehr lesbarem Spruchband einrahmt. Als Stuckateur wird Georg Hennicke vermutet. [7] Die Deckenmalerei über dem zweiten Obergeschoss tritt dem Aufsteigenden erst spät ins Blickfeld. Ihr Sujet ist auf denjenigen ausgerichtet, der die Wohnung im zweiten Obergeschoss verlässt.

Zentrales Deckengemälde mit Friedensallegorie

 

Pax und Minerva (?), die die Waffen mit Füßen tritt, als Friedensallegorie

Das zentrale, in ein nahezu rundes Oval eingeschriebene Deckengemälde und seine vier Trabanten wurden 1977 freigelegt. [8] Als Maler wird Johann Jakob Gebhard vermutet. [9] Das Thema wurde bislang als Allegorie des Handels und der Gerechtigkeit gedeutet. [10] Eindeutig zu erkennen ist vor allem der Merkurstab, der allerdings nicht von Merkur, sondern einer Frau gehalten wird. Wegen des schlechten Erhaltungszustandes lassen sich die Figuren nur schwer identifizieren.

Dargestellt sind zwei sitzende Figuren eine weiblich, die andere vermutlich männlich. Die beiden Figuren wenden sich einander zu. Vor allem die weibliche, für den Betrachter links sitzende Figur im blauen Gewand mit gelbem Rock wendet sich hingebungsvoll ihrem Partner zu. Sie hält in der Rechten den Caduceus (Schlangenstab), der ein Attribut des männlichen Götterboten Merkur war. Da der Merkurstab aber auch für Frieden und Eintracht und zwar speziell für Frieden und Eintracht nach einem Streit steht, könnte es sich bei der linken Personifikation um eine Variante des Friedens handeln. Ripa hat Pax mit Ölzweig und umgedrehter Fackel geschildert, [11] wozu immerhin der kleine Ölzweig in der linken Hand der linken Personifikation passt.

Die Interpretation der linken Figur als Friede gewinnt an Wahrscheinlichkeit durch die rechte Figur in Rüstung und mit einem der Göttin Minerva ähnlichen Helm auf dem Kopf. Da keine Lanze zu sehen ist, ist nicht ganz klar, ob es sich um Minerva handelt. Doch hat die Figur unter ihren Füßen Waffen, auf die sie tritt. Es könnte sich also in Anlehnung an den entwaffneten Mars um Minerva handeln, die als Sinnbild der klugen Staats- und Kriegsführung die Waffen mit Füßen tritt.

Folgt man den geschilderten Möglichkeiten der Interpretation, so ergeben sie zusammen eine Friedensallegorie. Die bisherige Deutung als Allegorie des Handels und der Gerechtigkeit basierte auf dem Merkurstab für Merkur als Gott des Handels und auf zwei goldenen Strukturen auf dem Schoss der gerüsteten Figur, die vermutlich als Wage als Attribut der Gerechtigkeit interpretiert wurden. Gegen die Personifikation der Gerechtigkeit sprechen allerdings die hochgeschlossene Rüstung und der Helm.

Gestützt wird die Wolke der beiden Personifikationen von einem Putto mit einem Blumen- und Obstkranz. Er dürfte Fruchtbarkeit und damit ebenfalls Friede verheißen.

Vier Embleme als Trabanten

 

Umgeben wird das zentrale Deckengemälde von vier Trabanten in bauchigen Vierpässen. Sie sind en camaïeu gemalt, wobei sich die Farben Gelb und Purpur diagonal gegenüberstehen. Es handelt sich um Embleme mit einer einzelnen Figur beziehungsweise einem Tier in der Pictura im Zentrum und einer im Detail nicht mehr zu erkennenden Inscriptio am oberen Bildrand. [12]

Krieger mit Zepter in sepiafarbenem camaïeu
 

Der Krieger steht frontal vor dem Betrachter mit einer Stichwaffe in der rechten Hand. Das nicht mehr zu entziffernde Schriftband verläuft entlang des oberen Rahmens.

Sitzender Löwe in purpurfarbenem camaïeu
 

Der sitzende Löwe ist von der Seite gegeben. Er hat einen langen dünnen, s-förmig aufgestellten Schwanz mit kleiner Quaste. Sein Blick ist auf den linken Bildrand gerichtet. Auch in diesem Bildfeld verläuft das nicht mehr zu entziffernde Schriftband entlang des oberen Rahmens.

Gestalt in Schrittstellung in sepiafarbenem camaïeu
 

Ähnlich wie der Krieger kommt eine Figur frontal dem Betrachter entgegen. Sie ist mit einem Tuch nur spärlich bekleidet. Der rechte Arm ist gesenkt, der linke erhoben. Das Schriftband folgt dem oberen Rahmen.

Pelikan mit Jungen in purpurfarbenem camaïeu
 

Das am besten erhaltene Emblem zeigt einen Pelikan, der seine Jungen mit dem Blut aus seiner Brust nährt. Vom Schriftband entlang dem oberen Rahmen sind einzelne Buchstaben zu erkennen.

Raum mit freigelegter Fensterlaibung

Im zweiten Obergeschoss wurde in den Räumen entlang der Hauptfassade zum Pfahlplätzchen in einem einachsigen Raum die bemalte Fensterlaibung freigelegt. Der Stuckdekor an der Decke ist in einfachen Bandelwerkformen gehalten. [13] Der Stuck wurde von Christine Freise-Wonka Georg Hennicke zugeschrieben.

Fensterlaibung

 

Die Fensterlaibung wurde an beiden Flanken mit grauem Bandelwerk auf hellgrauem Grund bemalt. Das Ornament entspringt in einer dunkelroten Blattformation und endet in einer goldenen Palmette. Innerhalb der Bandelwerkgespinste sitzen drei Vögel, von denen der oberste eine Art Taube darstellt, die in den Raum schaut. Der mittlere Vogel mit einem kecken Federbusch auf dem Kopf fliegt auf und blickt dabei Richtung Fenster. Der unterste Vogel, der in einem Ring sitzt und einen langen Schwanz in der Art eines Papageis hat, schaut ebenfalls Richtung Fenster.

Beide Fensterlaibungen sind symmetrisch gestaltet. Es wiederholen sich sowohl die Vögel im Ornament als auch ihre Blickrichtung. Jeweils die beiden oberen Tauben blicken in die Raum, die mittleren und die unteren Vögel blicken jeweils zum Fenster.

Programm und Synthese

 

Der Auftraggeber des Treppenhauses mit dem Deckengemälde im zweiten Obergeschoss ist in Ermangelung von Quellen nicht bekannt. Das Deckengemälde zeigt eine Friedensallegorie umgeben von vier Emblemen, deren Lemma sind nicht mehr entziffern lassen.

Bibliographie

  • KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997 - Die Kunstdenkmäler von Bayern, Regierungsbezirk Oberfranken, Stadt Bamberg, Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, bearbeitet von Tilmann Breuer und Reinhard Gutbier, Bamberg, München, Berlin 1997, S. 1286–1295.
  • Freise-Wonka, Böttinger, 1986 - Christine Freise-Wonka, Ignaz Tobias Böttinger (1675–1730) und seine Bauten. Ein Bürgerlicher Beamter des Absolutismus, sein Leben und seine Bautätigkeit (Bamberger Studien zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 4), Bamberg 1986.

Einzelnachweise

  1. KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1286–1287 (Tilman Breuer).
  2. KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1286 (Tilman Breuer).
  3. Freise-Wonka, Böttinger, 1986, S. 216 unter Berufung auf die Forschungen von Hans Paschke. Außerdem: KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1287 (Tilman Breuer).
  4. Freise-Wonka, Böttinger, 1986, S. 216–217 unter Berufung auf ein Manuskript des Denkmalpflegers Hans Paschke. Bei KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1287 (Tilman Breuer) leicht abweichende Daten, obwohl auch er sich auf Hans Paschke beruft.
  5. Wie Anm. 3.
  6. Siehe KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, Abb. 1347–1352. Außerdem besitzt das Erdgeschoss eine Decke mit kräftigem Rahmenstuck aus der Zeit um 1700 (ebd., S. 1290).
  7. Freise-Wonka, Böttinger, 1986, S. 219–220. Ihr folgt Tilman Breuer (KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1293).
  8. KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1292 (Tilman Breuer).
  9. Freise-Wonka, Böttinger, 1986, S. 219.
  10. KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1292 (Tilman Breuer). Freise-Wonka, Böttinger, 1986, S. 219 erkannte im Deckengemälde Herkules, den sie auf den kindlichen Bacchus im Stuckdekor des Treppenhauses bezog. Da Merkur als Götterbote den neugeborenen Bacchus (als Kind der Semele aus Jupiters Schenkel entbunden) zu Juno brachte, schließt sie daraus auf ein geschlossenes griechisch-mythologisches Programm.
  11. Ripa, Iconologia, 1645, S. 467.
  12. Ebenso: KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1292 (Tilman Breuer).
  13. KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1293 (Tilman Breuer). Eine Abbildung der Stuckdecke: ebd., Abb. 1362.