Bamberg, Gartenhaus der Mangschen Wachsbleiche
Inventarnummer: cbdd20116
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Die Himmelfahrt Mariens, die Johann Anwander um 1755 in einem 1745 errichteten Gartenpavillon seines Gönners Johann Joseph Mang freskierte, signierte er bildlich mit dem Apostel Johannes, der einen Obelisken mit dem mutmaßlichen Wappen der Bamberger Malerzunft und dem Buchstaben „A.“ umklammert.

Der Gartenpavillon der Mang’schen Wachsbleiche
Höfischer Ziergarten mit Parterres zur Wachsbleiche
Der 1745 errichtete, im Dachstuhl dendrochronologisch datierte Gartenpavillon [1] war Teil eines barocken Ziergartens, den der Bamberger Ratsherr und Markgräflich-Bayreuther Kammerrat Johann Joseph Mang (1706–1766) zum Bleichen von Wachs eingerichtet hatte. Der Garten nahm seinen Ausgang beim Mang'schen Wohnhaus in der heutigen Oberen Königstraße 13. Von dort erstreckte er sich auf einer Fläche von 40 x 270 Metern nach Norden bis zur heutigen Ecke Färbergasse/Mittelstraße. [2]
Das Gebäude Obere Königstraße 13 befand sich in der linken unteren Ecke des Grundstücks. Die Bebauung der gesamten Basislinie des Gartens entlang des damaligen Steinwegs (heute Obere Königstraße) war mit einem fünfzehnachsigen barocken Palais geplant, scheiterte jedoch am dafür erforderlichen Grundstückserwerb. [3] Den zugehörigen Idealplan, der das ehrgeizig mit drei Höfen konzipierte Palais am damaligen Steinweg als Teil der Gartengestaltung wiedergibt, zeichnete der Bildhauer Bonaventura Joseph Mutschele um 1755. [4]
Dem Idealplan zufolge war der Garten in vier Abschnitte unterteilt. Im unteren Abschnitt sollte dem Palais ein breitgelagertes Parterre mit Zierpflanzen angeschlossen werden. Weiter oben folgte ein langgestrecktes Bleichparterre, in dem in regelmäßiger Anordnung 160 (4 x 40) Holzkästen zur Wachsbleiche standen. Die Steinsockel dieser Holzkästen waren im Jahr 2000 zum Teil noch erhalten. In ihnen wurde auf Bleichtüchern das braun-gelbliche Bienenwachs der Sonne ausgesetzt.
Nach einer Gartenmauer mit zwei Glashäusern links und rechts der Mittelachse folgte auf dem Idealplan ein zweites, noch längeres Bleichparterre, in dem wiederum in regelmäßiger Anordnung 192 (4 x 48) Bleichkästen standen. Den Abschluss in der heutigen Ecke Färbergasse/Mittelstraße sollte eine Art Belvedere bilden. Westlich des oberen Parterres waren zwei Boskette und ein Heckentheater geplant.
Wenngleich der Plan von Mutschele einen idealisierten, am Belvederegarten des Prinzen Eugen von Savoyen in Wien orientierten, baulich jedoch nie erreichten Zustand dokumentiert, gibt es dennoch Belege, denen zufolge der Bleichgarten in der Art eines höfischen Ziergartens mit Skulpturen geschmückt war. Ein Schriftstück aus dem Jahr 1765 berichtet von 71 Skulpturen im Mang’schen Garten. [5] Die Skulpturen wurde von Mangs Witwe verkauft, doch fand sich bei der Sanierung des Anwesens 1994 das Fragment einer männlichen, nahezu unbekleideten Figur, das heute im ausgemalten Gartenpavillon zu sehen ist. [6]
Zwei das Glashaus flankierende Pavillons am Ende des ersten Bleichparterres
Den nördlichen Abschluss des unteren Bleichparterres bildeten die schon erwähnten Glashäuser links und rechts der Mittelachse. Sie wurden entlang der seitlichen Gartenmauern von zwei Pavillons flankiert. Von diesen Pavillons, die Mutschele in der Legende seines Plan als „Zweÿ fein angelegte Pavillion“ beschrieb, [7] hat sich der westliche, mit der heutigen Adresse Letzengasse 5 weitgehend unverändert erhalten. Er birgt das noch zu besprechende Deckengemälde mit der Himmelfahrt Mariens.
Beschreibung des erhaltenen Pavillons an der Ostflanke des ehemaligen Gartens
Die weitgehend unversehrt erhaltene westliche Pavillon ist zweigeschossig mit geschweiftem Mansarddach. [8] Gemäß dem Idealplan Mutscheles sollte er sich mit drei Fenster- beziehungsweise Türachsen auf quadratischem Grundriss erheben. Heute ist der Pavillon weniger tief, weist an der Fassade aber immer noch drei Achsen mit einem barock anmutenden geschweiften Zwerchhaus über der Mittelachse auf.
Der querrechteckige Raum mit dem Deckengemälde war auch an den Wänden ausgemalt. Die Reste zeigen Landschaften mit Architekturmotiven. [9]
Das Deckenfresko von Johann Anwander mit Maria Himmelfahrt
Etablierte Zuweisung an den Maler Johann Anwander
Der schmale Raum, der sich unmittelbar hinter der Fassade öffnet, trägt über einem ausladenden Kranzgesims ein hohes, zur Gänze ausgemaltes Muldengewölbe. Das weder buchstäblich signierte, noch datierte Fresko wird dem Maler Johann Anwander (1715–1770) aus Lauingen an der Donau zugeschrieben. [10] Für Anwander sprechen zum einen persönliche Beziehungen zum Auftraggeber Johann Joseph Mang. Mangs Bruder Anton war in Lauingen Taufpate der Kinder des Malers Johann Anwander. [11] In Bamberg soll Johann Joseph Mang als Ratsherr 1755 die Bemalung des Bamberger Rathauses vorfinanziert haben. [5]
Zum anderen nannte bereits 1821 der Bibliothekar und Lokalhistoriker Heinrich Joachim Jäck (1777–1847) Anwander als Maler des Mang’schen Pavillons. [12] Volker Rößner, der die Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte des Pavillons erstmals erforscht hat, vermutet, dass die Ausmalung um 1755 entstand als Anwander während der Bemalung des Rathauses bei Mang in der Oberen Königstraße (damals Steinweg) gewohnt haben könnte. [5]
Als weiteres Argument kommt hinzu, dass Anwander vermutlich eine in Bildern versteckt gemalte Signatur hinterlassen hat. Sie setzt sich aus dem Apostel und Evangelist Johannes, dem von Reinhard Gutbier vermuteten Wappen der Bamberger Malerzunft [13] und dem Buchstaben „A.“ zusammen und wird im nächsten Abschnitt erläutert.
Deckengemälde mit Maria Himmelfahrt
Anwander hat das Geschehen der Himmelfahrt Mariens in eine orientalisch anmutende Landschaft eingebettet. Im Vordergrund, des etwa zu einem Viertel zerstörten Gemäldes ist der leere Sarg der Gottesmutter zu erkennen. Der abgenommene Deckel lehnt am Rand und einigen in die Tiefe führenden Treppenstufen. Seine Fläche mit einem illusionistisch gemalten Eisenring als Handhabe wendet sich demonstrativ dem Eintretenden zu, doch ist die dort deutlich sichtbare Inschrift aus orientalisierenden Lettern nicht zu entziffern. [14] Im Sarg blieb das Leichentuch zurück, das sich nach Marias Himmelfahrt ereignishaft über den Rand und einen Teil des Deckels gelegt hat.
Zu beiden Seiten des leeren Sargs stehen die Apostel, deren Körpersprache verschiedene Stadien des Erstaunens und des Entsetzens zum Ausdruck bringt. Zur Rechten des Sarges ist der jugendliche Johannes zu erkennen. Er umklammert einen Obelisken, dessen Wappen von Reinhard Gutbier als das der Bamberger Malerzunft vermutet wurde. [15] Neben dem Wappen prangt der Buchstabe „A.“, der zusammen mit dem Namen des Apostels und Evangelisten Johannes für Johann Anwander als Maler des Deckenfreskos stehen könnte. [16]
Von Maria haben sich lediglich die Füße in orientalischen Sandalen und der Saum ihres blauen Mantels erhalten. Ihre Himmelfahrt wird von zwei Engeln, davon der untere mit Weihrauchfass, begleitet. Ihr möglicherweise hell umstrahlter Kopf muss das Rundfenster im Rücken des Betrachters über der Fassade nahezu berührt haben.
Die Seitenwand zur Rechten des Eintretenden nimmt ein emotional ebenfalls ergriffener Hirte mit Hirtenstab und Hund ein. Er wird von Bäumen gerahmt, bei denen es sich auf der Seite der Himmelfahrt um eine kräftige Palme, auf der anderen Seite hingegen um einen nahezu abgestorbenen Laubbaum handelt. Als Ziel des Hirten tauchen schemenhaft eine Pyramide und ein Palast auf, auf dessen Terrasse eine Figur einer anderen entgegenblickt, die die Freitreppe emporsteigt.
An der Seitenwand zur Linken des Eintretenden ist das Gemälde in weiten Teilen zerstört. Zu erkennen sind auch hier die seitlichen Staffagen mit Bäumen und Architekturen. Innerhalb der Architekturen, die verschiedene Typen orientalischer Grabmäler veranschaulichen, hat sich die schon beschriebene Pyramide mit dem Wappen, dem Buchstaben „A.“ und dem Apostel Johannes erhalten, mit der sich der Kreis zum Hauptgeschehen der Himmelfahrt schließt.
Programm und Synthese
Als Teil eines bürgerlichen Ziergartens mit langgestreckten Parterres zum Bleichen von Wachs hat sich der 1745 erbaute Pavillon der Mang’schen Wachsbleiche erhalten. Das um 1755 entstandene Fresko bedeckt zur Gänze ein hohes Muldengewölbe, hat sich allerdings nur zu etwa Dreiviertel erhalten. Es zeigt die Himmelfahrt Mariens in einem Garten mit orientalischen Bäumen und Grabmälern. Als bildlich gefasste Signatur hat der mit dem Auftraggeber Johann Joseph Mang persönlich verbundene Maler Johann Anwander seinen Namenspatron Johannes gewählt, der sich überwältigt von dem Geschehen der Himmelfahrt an einen Obelisken mit dem mutmaßlichen Wappen der Bamberger Malerzunft und dem Buchstaben „A.“ klammert.
Bibliographie
- KDM Bamberg Theuerstadt, Teil 2, 2019 = Die Kunstdenkmäler von Bayern, Regierungsbezirk Oberfranken, Stadt Bamberg, Theuerstadt und östliche Stadterweiterungen, Untere Gärtnerei und nordöstliche Stadterweiterungen, Teil 2: Straßen und Plätze, bearbeitet von Matthias Exner und Peter Ruderich, Bamberg 2019, S. 928–939 und 1123–1131.
- Merk, Anwander, 1982 = Anton Merk, Johann Anwander (1715–1770). Ein schwäbischer Maler des Rokoko, München. Univ.-Diss. 1982.
- Rößner, Wachsbleiche, 2015 = Volker Rößner: Die Mang’sche Wachsbleiche, in: Denkmalpflege Informationen, hg. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Heft 160 (2015), S. 28–32.
- Rößner, Wachsbleiche, 2016 = Volker Rößner, „Von vielen Tausenden, […] bewundert“. Die Mang’sche Wachsbleiche in Bamberg, in: Orangeriekultur in Oberfranken. Die Fürstentümer Bamberg und Bayreuth (Schriftenreihe des Arbeitskreises Orangerien in Deutschland e. V., 13), Berlin 2016, S. 72–96.
- Schöttl, Anwander, 1952 = Julius Schöttl, Der schwäbische Barockmaler Johann Anwander (1715–1770), in: Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen an der Donau, 54 (1952), S. 177–208.
Einzelnachweise
- ↑ Die Datierung: Rößner, Wachsbleiche, 2015, S. 32.
- ↑ Rößner, Wachsbleiche, 2015, S. 28; KDM Bamberg Theuerstadt, Teil 2, 2019, S. 1125.
- ↑ Rößner, Wachsbleiche, 2015, S. 28–30; KDM Bamberg Theuerstadt, Teil 2, 2019, S. 1125.
- ↑ Rößner, Wachsbleiche, 2015, S. 28–30. Eine gute Abbildung des Plans von Mutschele in: KDM Bamberg Theuerstadt, Teil 2, 2019, Abb. 1085 = Klapptafel S. 1124.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Rößner, Wachsbleiche, 2015, S. 32.
- ↑ Rößner, Wachsbleiche, 2015, S. 31–32.
- ↑ Legende des Plans von Mutschele Nr. XII.
- ↑ Vgl. die Beschreibung in: KDM Bamberg Theuerstadt, Teil 2, 2019, S. 936–937.
- ↑ KDM Bamberg Theuerstadt, Teil 2, 2019, S. 937.
- ↑ Die Zuschreibung gründet auf einem Gutachten von Franz Matsche aus dem Jahr 1996 (Rößner, Wachsbleiche, 2016, S. 90). Zu Anwander, allerdings mit nur sehr knappen Erwähnungen seiner Bamberger Werke: Schöttl, Anwander, 1952; Merk, Anwander, 1982 und der Eintrag im AKL, Bd. 4 (1992), S. 477–478 (Anton Merk).
- ↑ Rößner, Wachsbleiche, 2015, S. 32; Rößner, Wachsbleiche, 2016, S. 90–91.
- ↑ Rößner, Wachsbleiche, 2015, S. 32; KDM Bamberg Theuerstadt, Teil 2, 2019, S. 937 mit Literaturhinweis.
- ↑ Rößner, Wachsbleiche, 2015, S. 32; Rößner, Wachsbleiche, 2016, S, 91 mit Belegen.
- ↑ Die Ähnlichkeit dieser „epigraphischen Inschrift in verspiegelter Geheimschrift“ mit einem Werk von Anwanders Lehrer Johann Georg Bergmüller bei Rößner, Wachsbleiche, 2016, S. 91.
- ↑ Rößner, Wachsbleiche, 2015, S. 31.
- ↑ Der Buchstabe „A“ für Anwander bereits bei Rößner, Wachsbleiche, 2015, S. 32 sowie KDM Bamberg Theuerstadt, Teil 2, 2019, S. 937.