Bad Säckingen, Gartenpavillon

Seeger, Ulrike:Bad Säckingen, Gartenpavillon, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/9f803730-9217-46d6-ac09-9f78b072537c

Inventarnummer: cbdd10431

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Unmittelbar am Rheinufer gelegen, freskierte Francesco Antonio Giorgioli im Gartenpavillon von Schloss Schönau um 1720 zwei wasseraffine Szenen nach Ovid: Diana und Actäon sowie Perseus und Andromeda. Ergänzt werden sie unter Jupiters Aufsicht durch Atalante und Hippomenes und das Urteil des Paris.

Der ehemalige Garten-, heute Teepavillon

 

Anlässlich der Hochzeit von Freiherr Johann Franz Josef Otto von Schönau-Oeschgen mit Maria Catharina Barbara von Schönau-Zell im Jahr 1714 wurde der Garten von Schloss Schönau nach französischen Vorbildern umgestaltet. Im Zuge dieser Umgestaltung entstand um 1720 der Gartenpavillon mit den zu besprechenden Deckengemälden von Francesco Antonio Giorgioli. Über dem Eingang zum Gartenpavillon Richtung Schloss prangt das Doppelwappen der Eheleute Schönau-Oeschgen und Schönau-Zell.

Jupiter als Gebieter über die Geschöpfe

 

Das Gewölbe des Teepavillons wurde durch Stuck in ein zentrales Deckenfeld sowie die vier Felder der Gewölbekappen unterteilt. Abgesehen von dem Rund mit Jupiter im Zentrum vergegenwärtigen die vier lyraförmigen Szenen der Gewölbekappen Erzählungen aus den Metamorphosen des Ovid. Sie stehen in keinem engeren Bezug zu Jupiter.

Als Ordnungsprinzip lässt sich jedoch erkennen, dass es sich um zwei einander gegenüberliegende Wasser- und zwei Landszenen handelt. Die beiden Wasserszenen mit Diana und Aktäon sowie Perseus und Andromeda liegen dabei in der Blickachse des Rheins. Die beiden Landszenen mit Atalante und Hippomenes sowie dem Urteil des Paris liegen parallel zum Rhein. In beiden spielen goldene Äpfel eine Rolle, sodass möglicherweise in der Nähe des Teehauses sich eine Orangerie befand, auf die diese Äpfel alludieren könnten.

Thronender Jupiter mit Adler und Blitzbündel

 

Jupiter sitzt mit einem Lorbeerkranz anstelle der traditionellen Krone auf einer dunklen Wolke, sein Kopf und Oberkörper werden von einer leuchtend orangenen Wolke hinterfangen. In der rechten Armbeuge hält er das Blitzbündel. Die Linke hat er gebieterisch erhoben, während sich vor ihm sein Adler flugbereit mit großen ausgebreiteten Schwingen an die Wolken krallt.

Diana wird mit ihrem Gefolge von Aktäon beobachtet

 

Als Diana mit ihren Gefährtinnen in einem Waldteich ein Bad nimmt, nähert sich der Jäger Aktäon mit seinen Hunden und wird Zeuge des Geschehens. Diana erblickt ihn, bespritzt ihn mit Wasser und verwandelt ihn dadurch in einen Hirsch. Giorgioli hat die Reaktionen auf Aktäons Voyeurismus gleich mehrfach dargestellt. Diana bespritzt ihn mit Wasser, während eine Gefährtin hastig ihren Rücken mit einem großen weißen Tuche bedeckt. Eine weitere Gefährtin, die unmittelbar vor Aktäon im Wasser schwimmt, hat entsetzt die Arme hochgeworfen, andere Frauen wenden sich einander erschrocken zu oder bedecken ihren Körper mit Tüchern.

Wie in den Illustrationen der Metamorphosen des Ovid zumeist dargestellt, wächst Aktäon bereits das Geweih. Nach gänzlich vollzogener Verwandlung wird er von seinen Hunden zerfleischt werden.

Perseus befreit Andromeda

 

Gegenüber der Szene von Diana und Aktäon malte Giorgioli sich als weitere am Wasser spielende Szene die Befreiung Andromedas durch Perseus. Andromeda wurde von ihrem Vater an einen Felsen gekettet, um die Hybris ihrer Mutter zu sühnen. Als ein Seeungeheuer sie verschlingen möchte, eilt Perseus auf dem geflügelten Pferd Pegasus herbei, um sie zu retten. Er hält dem Ungeheuer das von Minerva geliehene Medusenschild vor Augen, bei dessen Anblick es versteinern wird.

Giorgioli folgte der Version von Annibale Carracci in der Galleria Farnese, worauf schon Elisabeth Keller-Schweizer hingewiesen hat.[1] Andromeda ist in ähnlicher Haltung an den Felsen geschmiegt, über dessen Silhouette sie nicht hinausragt. Außerdem tötet auch bei Annibale Carracci Perseus das Ungeheuer nicht wie üblich mit dem Schwert, sondern mit dem Medusenhaupt. Die Szene von Annibale Carracci wurde von Carlo Cesio gestochen, war für den aus dem Tessin stammende Giorgioli also leicht verfügbar.[2] Sein Fresko folgt Cesios Stich seitenrichtig, wohingegen es zum Augsburger Nachstich von Karl Remshard seitenverkehrt steht.[3]

Atalante und Hippomenes

 

Atalante war eine schöne Jägerin, die sich nur dann auf einen Mann einlassen wollte, wenn dieser sie im Wettlauf besiegen würde. Der in Atalante verliebte Hippomenes erhielt von Venus drei goldene Äpfel. Er ließ sie auf Geheiß der Venus während des Wettlaufs fallen, Atalante bückte sich und verlor das Rennen.

Im Fresko bückt sich Atalante bereits nach dem zweiten Apfel, während Hippomenes sie mit dem dritten Apfel überholt. Beide tragen neben Klein, beziehungsweise Hose und Hemd zusätzliche Tücher, die sich in der gegenläufigen Bewegung der Laufenden berühren. Der Wettlauf spielt sich in einem Wald mit Zuschauern ab.

Urteil des Paris

 

Der Hirtenjunge Paris, bei dem es sich um einen trojanischen Prinzen handelte, wurde von Jupiter dazu auserkoren, den Apfel der Göttin der Zwietracht, Eris, mit der Aufschrift „Der Schönsten“ unter den rivalisierenden Göttinnen Juno, Venus und Minerva zu verteilen. Den Auftrag überbrachte der Götterbote Merkur, der auf dem Fresko von einer Wolke aus das Geschehen verfolgt. Paris entschied sich für Venus, da diese ihm mit Helena die Liebe der schönsten Frau der Welt versprach.

Paris, in dem Elisabeth Keller-Schweizer ein Selbstbildnis Giorgiolis erkannte,[4] sitzt am rechten Bildrand auf einem Felsen. Er ist als alter Mann mit individuellen Gesichtszügen geschildert, was in der Tat für eine Darstellung des Malers spricht. Giorgioli war damals 66 oder 67 Jahre alt.

Paris reicht demütig und mit Hingabe der vor ihm stehenden Venus den Apfel. Sie wird von ihrem Sohn Amor und den beiden Turteltauben begleitet. In der linken Bildhälfte steht mit enttäuschtem Gesichtsausdruck und abweisend erhobener Hand Juno mit ihrem Pfau. Sie wendet sich der am linken Bildrand ebenfalls enttäuscht auf einem Stein sitzenden Minerva zu. Sie trägt ihre Rüstung, Helm, Lanze und das Medusenschild.

Bibliographie

  • • AK Grande Decorazione, 2018 = Ausst. Kat. Grande Decorazione. Italienische Monumentalmalerei in der Druckgraphik, erarbeitet von Kurt Zeitler, München 2018.
  • • Enderle, Schloss Schönau, 2011 = Adelheid Enderle, Das Schloss Schönau in Bad Säckingen. Vom Adelssitz zum städtischen Kulturhaus, in: Vom Jura zum Schwarzwald. Blätter für Heimatkunde und Heimatschutz, 85 (2011), S. 73–76.
  • • Keller-Schweizer, Giorgioli, 1972 = Elisabeth Keller-Schweizer, Francesco Antonio Giorgioli. Ein Beitrag zur Geschichte der schweizerischen Barockmalerei, Zürich und Freiburg im Breisgau 1972.

Einzelnachweise

  1. Keller-Schweizer, Giorgioli, 1972, S. 131.
  2. AK Grande Decorazione, 2018, S. 143.
  3. http://kk.haum-bs.de/?id=rossi-g-g-d-exc-ab3-0027
  4. Keller-Schweizer, Giorgioli, 1972, S. 129.