Dreyer, Angelika:Babenhausen, Schloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2021, URL: www.deckenmalerei.eu/cd295c9a-5e90-4b48-9353-1617d186434d

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1538 erwarb Anton Fugger die gesamte Herrschaft Babenhausen und gestaltete das Schloss und die öffentlichen Gebäude neu. Im Schloss befinden sich heute noch 18 in die Wand eingelassene Gemälde in zwei Formaten, die Georg Philipp Rugendas d. Ä. und Georg Philipp Rugendas d. J. zugeschrieben werden.

Babenhausen, Schloss
Babenhausen, Schloss

Das Ensemble

„Das Ensemble umfasst den gesamten Schlossbereich mit dem Schlossgarten innerhalb der Ummauerung sowie den zugehörigen Wirtschafts- und Verwaltungsgebäuden [...]. Der stattliche und vielgestaltige Schlosskomplex besetzt den Rand einer Hochfläche und beherrscht mit seiner mächtigen Westfront den Markt, der sich zu seinen Füßen im Tal der Günz entfaltet hat. Die exakte Achsenbeziehung der regelmäßig angelegten Stadtgasse zur repräsentativen Front des hochgelegenen Schlosses mit drei Giebelfassaden und dem Turm der Pfarrkirche gibt dem Verhältnis von Schloss und Markt hierarchisches Gepräge. Die historischen Wurzeln der heutigen Anlage reichen ins Mittelalter zurück. Eine Burg – an gleicher Stelle wie das Schloss – wurde 1237 erstmals erwähnt; der Ort selbst besaß 1315 Stadtrecht – eine Stadtmauer ist nachweisbar. Eine Blüte erlebte die Stadt, als die Herrschaft in den Besitz der Herren von Rechberg überging, dokumentiert im alten Schlosstrakt, dem Rechbergbau. Im 15. Jh. ging das Stadtrecht verloren.

1538 erwarb Anton Fugger die gesamte Herrschaft Babenhausen und gestaltete das Schloss und die öffentlichen Gebäude neu. Kirche und Schlossanlage wurden eng verbunden, der Turm der Kirche als Eckturm des Schlosses einbezogen. Neben dem Neuen Schloss entstanden weitläufige Wirtschaftsanlagen, Brauerei, Zehentstadel, Kanzlei u.a.“[1]

Mertens betont in diesem Zusammenhang die Neuartigkeit des Umbaus des alten Rechbergschlosses und des Neuen Schlosses in Babenhausen, der im deutlichen Kontrast zur offenen Anlage der ganz der ländlichen Bautradition verpflichteten Bauweise des reichsstädtischen Patriziates des gleichzeitig erbauten Fuggerschlosses in Brandenburg steht. Die Neuartigkeit liegt in Babenhausen in der ganz auf Symmetrie und Geschlossenheit bedachten Anlage des Baumeisters Quirin Knoll aus Augsburg, die zwischen 1541 und 1546 entstand.[2] Mertens sieht die herausragend durch Wälle und Bastionen gesicherte Anlage von Babenhausen und deren regelmäßige Strenge als Ausdruck einer Baupolitik der Fugger zur „Arrondierung des vielfältigen Streubesitzes in Schwaben zu einem mächtigen selbstständigen Herrschaftsbereich, der in Oberschwaben denen der Fürstenberg, Hohenzollern, Waldburg mindestens gleich sein sollte.“[3]

Baugeschichte

„Schloß 1; Fürst-Fugger-Straße 2; Hofgarten; Schloß 6; Schloßgärtnerei.

Schloss der Fürsten Fugger-Babenhausen, monumentale Anlage, die Burg des 13. Jh. seit der Erwerbung durch Anton Fugger 1538 – 19. Jh. ausgebaut; sog. Rechbergbau, dreigeschossiger Satteldachbau mit Treppengiebeln, 15. Jh.; westlicher Quertrakt, dreigeschossiger Verbindungsbau mit Satteldach und Mittelrisalit mit Zeltdach, 1543; Neues Schloss, zweigeschossiger Nordflügel mit Satteldach und Treppengiebeln, 1541–62, Veränderungen 18. und 19. Jh.; nordwestlicher Quertrakt, Verbindungsbau zur Pfarrkirche, mit Treppenturm, vor 1544 errichtet; Kanzleibau, zweigeschossiger Satteldachbau, um 1540/50, Umgestaltungen 18. Jh. und 1845; jeweils mit Ausstattung; Torturm, Satteldachbau mit zinnenbesetzten Giebeln, Mitte 16. Jh., 1845 verändert; ehem. Hofwaschküche, Mitte 18. Jh. über älterem Kern; Wirtschaftsgebäude, Dreiflügelanlage, 18.–19. Jh.; ehem. Brauerei, Nordfront des Schlossbereichs, langgestreckter Bau, im Kern wohl 16./17. Jh., bis 20. Jh.; Zehentstadel, stattlicher Giebelbau mit Putzgliederung, 1540/60 errichtet; Schlossgarten, z. T. in strengen Formen, z. T. als englischer Park gestaltet, Umgestaltung 1911; Ummauerung, östliche, südliche und westliche Begrenzung des Gartens, mit Gartenpavillon des mittleren 18. Jh. an der Ostseite, im Kern 16. Jh.“[4]

Eine „weitgehende Umgestaltung und Neueinrichtung der Innenräume erfolgte im Lauf des 18. Jh. vor allem in zwei Hauptabschnitten. Die Umbauarbeiten von 1737–1747 unter Graf Franz Carl Fugger (†1758) [...]. Für die verwitwete Gräfin Maria Josepha Antonia erfolgte 1759–62 nach Entwürfen von Johann Michael Fischer die innere Umgestaltung des Rechbergbaues“.[5]

Goldener Salon

Wandfeste Gemälde

Die Bilder im Goldenen Salon teilen sich in zwei unterschiedliche Formatgruppen. Zehn Bilder messen ca. 1,33 m x 1,79 m und sind teilweise übereinander an der Süd-, Ost- und Nordwand des Raumes angebracht. Ihr Erhaltungszustand ist aufgrund der starken Sonneneinstrahlung durch die Fenster der Westwand mangelhaft. Laut Held wurden die Bilder vermutlich zwischen 1722 und 1724 von Graf Rupert Joseph Anton Fugger erworben, der am 19. Januar 1724 verstarb. Sein Nachlassinventar verzeichnet „In dem Saal bey der Hauptstiegen [...] Vier grosse gemahlte Bataillien nach dem Rugendass“[6] und „in dem Saal dem Tafelzimmer [...] acht grosse gemahl nach dem Rugendass“[6] Weiterhin verweist Held auf das Nachlassinventar des Grafen Franz Carl Fugger von 1758, welches ohne Angabe von Künstlernamen „12 Kriegstück von Lager, und Schlachten mit mattgold und silbernen stäben [...] auf dem gang und saal vor beiden tafelzimmern“[6] erwähnt. Held schließt daraus eine spätere Verwendung der Gemälde in der Holzvertäfelung im sog. Goldenen Salon, eine Aussage, die sich gut mit den Umbauarbeiten von 1737–1747 in Übereinstimmung bringen lassen würde. Die kleineren acht Gemälde mit 55 cm x 71 cm fand Held in keinem der Inventare.[6]

Vorlagen

Als Vorlage diente das Bild des Mittags, des Abends und der Nacht aus der Schabkunstfolge zu den Tageszeiten von Georg Philipp Rugendas d. Ä (1666–1742).[6] Des Weiteren dienten die Schabblattfolgen des Türkenkrieges, Illustrationen zu den lateinischen Versen der Aeneis, sowie Husaren und Kriegsleben als Vorlage, die ebenso aus der Hand Rugendas’ stammen.[7]

Türkenschlacht

Kopie eines Schabblattes von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742) aus der Folge von vier Blättern „Türkenkrieg“.[8] Die linke Seite des Gemäldes ist stark beschädigt.

Husaren halten an einer Quelle

Kopie der Folge der vier Schabblätter Husaren Vorlage von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[8]

Mittagsmahl vornehmer Reisender im Freien

Dieses Gemälde enthält ein Monogramm „P. R“ und nennt als Entstehungsdatum das Jahr 1722. Held schreibt es damit dem zu diesem Zeitpunkt 22-jährigen Sohn Georg Philipp Rugendas Junior (1701–1774) zu.[6] Als Vorlage benennt sie das Schabkunstblatt Mittag aus der Tageszeitenfolge des Vaters.

Husaren teilen sich geraubtes Geld

Kopie aus der Folge der vier Schabblätter Husaren von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[9] Das Gemälde ist zum Teil stark beschädigt.

Appell einer Husarentruppe

Kopie aus der Folge der vier Schabblätter Kriegsleben von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[9]

Husarenüberfall auf eine Kutsche

Kopie aus der Folge der vier Schabblätter Husaren von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[10]

Vereitelter Husarenüberfall

Kopie aus der Folge der vier Schabblätter Husaren von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[10]

Der Herbergswirt empfängt vornehme Reisende.

Stilistisch ebenfalls Georg Philipp Rugendas d. J. zuzuordnen. Als Vorbild diente das Bild des Abends aus der Tageszeitenfolge des Vaters Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[11]

Türkenschlacht

Stilistisch ebenfalls Georg Philipp Rugendas d. J. zuzuordnen. Als Vorbild diente ein Schabblatt aus der vierteiligen Folge zum Türkenkrieg von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[12]

Nächtlicher Ritt des Postillions

Stilistisch ebenfalls Georg Philipp Rugendas d. J. zuzuordnen. Als Vorbild diente das Bild der Nacht aus der Tageszeitenfolge des Vaters Rugendas.[13]

Reitergefecht zwischen Panduren und Geharnischten

Als Vorbild diente ein Schabblatt aus der sechsteiligen Folge zu den lateinischen Versen der Aeneis von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[14]

Schlachtfeld

Als Vorbild diente ein Schabblatt aus der sechsteiligen Folge zu den lateinischen Versen der Aeneis von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[14]

Entkleidung toter Türken

Als Vorbild diente ein Schabblatt aus der vierteiligen Folge Türkenkrieg von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[15]

Ausschank im Lager

Als Vorbild diente ein Schabblatt aus der sechsteiligen Folge der lateinischen Verse der Aeneis von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[15]

Reiterschlacht

Als Vorbild diente ein Schabblatt aus der sechsteiligen Folge der lateinischen Verse der Aeneis von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[15]

Bestrafung gefangener Türken

Als Vorbild diente ein Schabblatt aus der vierteiligen Folge zur Türkenkrieg von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[16]

Überfall auf eine türkische Stellung

Als Vorbild diente ein Schabblatt aus der vierteiligen Folge Kriegsleben von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[16]

Überfall auf einen Wagenkonvoi

Als Vorbild diente ein Schabblatt aus der sechsteiligen Folge zu den lateinischen Versen aus der Aeneis von Georg Philipp Rugendas d. Ä. (1666–1742).[16]

Bibliographie

  • Greipl, Macht und Pracht, 1991 — Greipl, Egon J.: Macht und Pracht. Die Geschichte der Residenzen in Franken, Schwaben und Altbayern. Regensburg 1991.
  • Habel, Illertissen, 1967 — Habel, Heinrich: Landkreis Illertissen, München 1967.
  • Held, Rugendas, 1996 — Held, Anke Ch.: Georg Philipp Rugendas (1666 - 1742). Gemälde und Zeichnungen. München 1996.
  • Körner / Schmis, Altbayern und Schwaben, 2006 — Körner, Hans-Michael: Bayern I. Altbayern und Schwaben (Handbuch der historischen Stätten Deutschlands). 4. Aufl. Stuttgart 2006.
  • Merten, Fugger, 1980 — Merten, Klaus: Die Landschlösser der Familie Fugger im 16. Jahrhundert. In: Welt im Umbruch. Augsburg zwischen Renaissance und Barock. Ausstellung der Stadt Augsburg in Zusammenarbeit mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche anläßlich des 450. Jubiläums der Confessio Augustana. Band 3. Augsburg 1980, S. 66–81.
  • http://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_778115.pdf (zuletzt aufgerufen am 16.11.2017).

Einzelnachweise

  1. http://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_778115.pdf(zuletzt aufgerufen am 16.11.2017).
  2. Merten, Landschlösser Fugger, 1980, S. 68.
  3. Merten, Landschlösser Fugger, 1980, S. 71.
  4. http://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_778115.pdf(zuletzt aufgerufen am 16.11.2017)
  5. Habel, Illertissen, 1967, S. 39.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 Held, Rugendas, 1996, S. 264.
  7. Held, Rugendas, 1996, S. 265–270.
  8. 8,0 8,1 Held, Rugendas, 1996, S. 265.
  9. 9,0 9,1 Held, Rugendas, 1996, S. 266.
  10. 10,0 10,1 Held, Rugendas, 1996, S. 267.
  11. Held, Rugendas, 1996, S. 264, 267f.
  12. Held, Rugendas, 1996, S. 264, 267.
  13. Held, Rugendas, 1996, S. 264, 268.
  14. 14,0 14,1 Held, Rugendas, 1996, S. 268.
  15. 15,0 15,1 15,2 Held, Rugendas, 1996, S. 269.
  16. 16,0 16,1 16,2 Held, Rugendas, 1996, S. 270.