Hafner, Verena:Augsburg, Schaur-Haus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/d2dcf444-ccda-406c-a056-464a01459474

Inventarnummer: cbdd20011

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Im Jahre 1592 erstmals erwähnt, wurde das Anwesen 1758 von Matthias Schaur erworben, der Johann Georg Bergmüller mit der Gestaltung beauftragte. Eine im Original erhaltene Rechnung von Bergmüller belegt, dass er auch die Deckenmalerei mit dem Titel "Allegorie des Glaubens" im Treppenhaus erstellte.

Augsburg, Gouachen, Karl Nicolai
Augsburg, Gouachen, Karl Nicolai

Wohn- und Geschäftshaus eines kunstbegeisterten Chemikers

Geschichte und Lage

Der Kern des Schaurhauses am Metzgplatz 2, Lit. C 253 stammt aus dem 16. Jahrhundert.[1] Zunächst war das Anwesen im Besitz von Bäckern, Schuhmachern und anderen, die dort ihr Handwerk ausübten. Erstmals erwähnt wurde es im Jahr 1592, als es im Besitz des Bäckers Georg Scheffler war. 1606 wurde das Anwesen vom Bäcker Hans Scheffler erworben und bereits zwei Jahre später verkaufte er es an den Bäcker Hans Geiselmayer. 1614 kauften die Schwestern Rosina und Sibilla Scheffler das Haus und teilten sich den Besitz, ehe es von dem Bäcker Hans Rauschmair 1617 gekauft wurde und noch im selben Jahr von diesem an den Kürschner Balthasar Steidner veräußert wurde. Von diesem erwarb der Buchbinder Hans Georg Sattler das Haus im Jahre 1667. Der Schuhmacher Wolf Schechel hat 1676 das Anwesen gekauft und dort seine Werkstatt untergebracht. Kräutler Tobias Beck hat das Haus im Jahr 1730 gekauft und 1736 verkaufte er es an den Gärtner Sigmund Richter.[2]

Nachdem es im Jahr 1758 von Matthias Schaur erworben wurde, wurden im Anschluss (circa 1758/1759) zahlreiche Umbauarbeiten durchgeführt. Dies belegen zahlreiche im Original vorhandene Rechnungen von diversen Handwerkern. (Alle Akten und Rechnungsbestände bezüglich des Umbaus konnten noch nicht von mir durchgesehen werden. Mit ziemlicher Sicherheit lässt sich anhand dessen aber die Geschichte des Schaurhauses noch detaillierter erschließen.) Aus der Familie Schaur war der Chemiker Matthias Schaur der erste, der in diesem Haus ein Universalbalsam herstellte und es dort auch verkaufte. Der Schauersche Balsam war wegen seiner heilenden Wirkung sowohl bei innerlichen als auch bei äußerlichen Krankheiten bekannt (s. Artikel Stabi, aus dem hervorgeht, dass dies in der Schaurschen Familienchronik aus dem Jahr 1746 erwähnt wurde.) Matthias Schaur war sehr kunstbegeistert und ließ deshalb die Fassade des Hauses von Johann Baptist Bergmüller mit einer Fassadenmalerei versehen. Auf diesem waren verschiedene Wappen dargestellt sowie Symbole, die auf den Balsam hinweisen. Unter den Wappen sind auch kaiserliche und fürstbischöfliche Wappen als Hinweis auf die Privilegien, die der Familie Schaur verliehen wurden.

Im Jahr 1787 ging das Anwesen von dem Chemiker Schaur auf Johann Matthias Schaur-Erben über und 1788 war es im Besitz von Johann Matthias und Georg Daniel Schaur. Letzterem, der sich in diesem Haus ebenfalls als Chemiker betätigte, gehörte es ab 1799 alleine. Georg Daniel Schaur vererbte das Schaurhaus 1825 an seine Frau Antonia Johanna. Im Jahre 1850 besaßen es Paul und Heinrich Julius Schaur, 14 Jahre später hat Paul Schaur es erworben. Das Gebäude blieb bis zum Jahr 1864 im Besitz der Familie Schaur.[2] Aufgrund der langen Zeit, nämlich über 100 Jahre, in denen das Gebäude in Familienbesitz war, hat es seinen Namen Schaurhaus erhalten.

(Die älteste bekannte Aufnahme des Schaurhauses ist aus dem Jahr 1870 und wird im Bildarchiv des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege aufbewahrt. Diese konnte ich allerdings noch nicht einsehen.)

Aus einem Bericht der Neuen Augsburger Zeitung vom 25. Mai 1878 geht hervor, dass am Abend des 24. Mai 1878 ein Feuer in einem Gewölbe der Materialwarenhandlung Gebr. Schaur ausbrach. Der Brand löste eine Explosion aus, die circa 20 Feuerwehrmänner zu Boden geworfen und teilweise schwer verletzt und verstümmelt hat, sodass sechs Schwerverletzte ins Krankenhaus eingeliefert wurden und ein Kaminkehrergeselle starb. Das Feuer erfasste im weiteren Verlauf die gesamte Front des Hinteren Perlachberges, im Zuge dessen das Hinterhaus vollständig ausgebrannt ist. In diesem waren das Magazin sowie mehrere Mietwohnungen untergebracht. Die Flammen gingen auch auf das Nachbargebäude über, wodurch der Dachstuhl des Bäckermeisters Grieb abbrannte. Ebenfalls wurde bei diesem Brand die Fassadenmalerei von Bergmüller beschädigt, wohl aber erst um 1914 wurde diese erneuert.[3]

Im Jahr 1928 hat die Stadt Augsburg das Schaurhaus für einen Kaufpreis von 80 000 Reichsmark erworben. Der vorherige Besitzer, Barbarino & Kilp - Otto Pfäffle U.=G. aus München konnte den Betrieb der Filiale zunächst unverändert weiterführen. Die Gründe für den Kauf des Schaurhauses waren nicht eindeutig. Die Stadt wollte damit wohl den Erhalt eines historischen denkmalschutzwürdigen Hauses garantieren, bevor es an einen Käufer fällt, der dies nicht ermöglicht.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude gänzlich zerstört.[4]

Gelegen ist das Schaurhaus am prächtigen Metzgplatz gegenüber der Stadtmetzg am Fuß des Perlachberges. Auf dem Metzgplatz direkt vor dem Schaurhaus war bis 1961 der Georgsbrunnen aufgestellt. Heute ist der Metzgplatz völlig anders gestaltet.[5]

Baubeschreibung

Bei dem Schaurhaus handelte es sich um ein Eckhaus mit Erker, das neun Achsen zählt. Das viergeschossige Bürgerhaus weist im Erdgeschoß Bandrustika auf und ein Ladengeschäft mit einem Schaufenster, während in der mittleren Achse ein rundes Hauptportal angebracht ist, über dem ein Wappen prangt. Über drei Geschosse ist die prachtvolle Fassadenmalerei angebracht, die ein scheinarchitektonisches Gliederungssystem aufweist und darüber hinaus aus dekorativen Element wie Wappen, Büsten, Putti und Vasen besteht.[3] Das Mansarddach wird durch einen Dachgiebel, der die drei mittleren Achsen fortführt, unterbrochen. Dieser wird von je zwei Dachgauben flankiert.

Forschungsstand

Die Fassadenmalerei wird ausführlich von Doris Hascher in “Fassadenmalerei in Augsburg vom 16. bis zum 18. Jahrhundert” untersucht.[4]

Deckenfresko: Allegorie des Glaubens

Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Im Zuge der Umbau- und Renovierungsarbeiten Ende der 1750er Jahre wurde Bergmüller damit beauftragt, unter anderem im Treppenhaus ein Fresko anzufertigen. Dies geht aus einer Rechnung von Bergmüller aus dem Jahre 1759 hervor, die sich mit einer Transkription im Anhang befindet.

Beschreibung und Ikonographie

Von der Deckenmalerei wurde eine Gouache angefertigt, die von Karl Nicolai stammt, den Titel „Allegorie des Glaubens“ trägt und 1937 entstand. Die Maße sind 67x44 cm. Angefertigt wurde die Gouache im Auftrag der Stadtverwaltung und befindet sich auch im Eigentum der Stadt, in der Kunstsammlungen und Museen der Stadt Augsburg. Sie wurde im Jahr 1948 durch Eugen Heim restauriert. Das Deckenfresko wurde 1944 zerstört und befand sich sich im Treppenhaus des Schaurhauses am Metzgplatz Nr. 2.

Zentral in der Bildmitte ist auf einer hellgrauen Wolke schwebend die Divina Providentia zu sehen, die mit einem hellgrünem Gewand bekleidet ist und zudem einen weißgrauen Umhang trägt, der über die rechte Schulter gelegt ist und sowohl die Hüften als auch die Beine bedeckt. Ihr Kopf ist zur rechten Seite gelegt, während ihr Blick rechts am Betrachter vorbei geht. Das Gesicht der Divina Providentia ist makellos und lieblich. Das hellgrüne Gewand strahlt auf die rechte Gesichtshälfte ab und in ihrem hellbraunem Haar reflektieren sich helle Strahlen und das Licht. Die linke Hand ist nach oben gestreckt und der rechte Unterarm ist auf eine hellblaue Kugel, die Weltkugel gestützt, während sie in der Hand einen Stab hält, auf dem ein hellbeiges Dreieck steckt. Im Inneren des Dreiecks ist ein Auge und der Hintergrund des Dreiecks ist als ein hellblauer Kreis gestaltet, um den Strahlen gezeichnet sind. Dabei handelt es sich um das Zeichen der Trinität. Links der Weltkugel schweben zwei Putti, die jeweils mit der rechten Hand in Richtung der Divina Providentia zeigen. Rechts von der Divina Providentia ist mit roten Locken und weiblichen Gesichtszügen ein Engel zu sehen, dessen Körper bis zur Höhe des Bauches von einer grauen Wolke verdeckt ist. Das Gewand ist ebenfalls in einem etwas blassen Hellgrün gehalten und über dem linken Arm, der angewinkelt zur rechten Seite gestreckt ist, liegt ein brauner Umhang. Die rechte Hand ist am Körper anliegend angewinkelt und die Flügel sind in einem hellgrauen Farbton gestaltet. Der Blick des Engels geht in Richtung der Divina Providentia, sodass dieser nur im Profil dargestellt wird.

Die Darstellung der Personifikation der Divina Providentia ist bei Hertl/Ripa in ganz ähnlicher Art und Weise angelegt. Auch dort hält sie in der rechten Hand einen Stab mit dem Zeichen der Trinität darauf und stützt sich mit dem Arm auf die Weltkugel. Begleitet wird sie ebenfalls von einem Putto. Der Blick der Divina Providentia ist bei Hertl/Ripa hingegen nach unten gerichtet. Diese Szenerie schwebt dabei nämlich über der Darstellung der Auffindung des Moses, auf der der Blick der Divina Providentia ruht.[6]

Die beiden Seitenränder sowie der untere Rand sind mit Stuck sowie Rocaillen verziert. Diese Art Rahmen wird am unteren Rand teilweise durch die hellgraue Wolke verdeckt, die über die Bildfläche hinausragt, und durch einen roten Vorhang mit goldener Borte, der sich über den Rahmen legt. Die Bildfläche wird oben durch den gleichen roten Vorhang mit goldener Borte begrenzt. Dieser ist wie eine Art Theatervorhang gerafft und in Falten gelegt, indem er an drei Stellen (im gleichen Abstand) von Putti zurückgehalten wird. Der linke Putto ist bis zu den Knien dargestellt und taucht zwischen den Stoffmassen hervor, während er eine goldene Kordel mit einer Quaste in der linken Hand hat und dabei den Arm nach oben streckt. Der mittlere Putto ist hingegen nur mit Flügeln und dem Kopf dargestellt. Der rechte Putto hält mit seiner rechten Hand den Vorhang, während sein Kopf in Richtung der Personengruppe bzw. des Betrachters gerichtet ist.

Komposition und Ansichtigkeit

Die Personengruppe im Bildzentrum ist einansichtig, das gesamte Fresko ist hingegen zweiansichtig. In der linken Bildhälfte ist eine hellgelbe Lichtquelle angedeutet, die auf den restlichen Himmel als Hintergrund ausstrahlt und diesen in einen helles Beige färbt, das an den Rändern mit einem leichten Grau gemischt wird.

Die Komposition des Freskos ist so gewählt, dass die Divina Providentia im Bildzentrum schwebt und damit den Blick des Betrachters auf sich zieht. Die Putti und die Kugel sind jedoch alle gleichwertig auf einer Linie mit der Divina Providentia angeordnet.

Gestalterische Mittel

Die Figuren sowie die Zeichen der Trinität und auch der Hintergrund sind in ähnlichen Farben gestaltet, sodass keine Farbkontraste auftreten. Der Vorhang am oberen und unteren Bildrand hingegen hebt sich durch einen kräftigeren Rotton von den restlichen Farben ab und schafft damit einen Kontrast. Dies verstärkt den Effekt, dass das gesamte Motiv wie ein theaterhafter Aufriss des Himmels wirkt.

Vorlagen und Vergleiche

Die Personifikation der Divina Providentia von Bergmüller ist bereits im Treppenhaus der fürstbischöflichen Residenz, Fronhof 10 aus dem Jahre 1752 in nahezu identischer Darstellung vorzufinden.[7]

Darüber hinaus ist die Divina Providentia in der ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftskirche in Dießen zu sehen. In der Darbietung der Gründung des Klosters St. Georgen durch Rathard wird die Divina Providentia von Bergmüller ebenfalls mit einer Weltkugel und einem Dreieck mit dem Auge Gottes, welches über ihrem Haupt schwebt, ausgeführt. Ein Unterschied besteht jedoch darin, dass die Divina Providentia in Dießen mit dem Zepter auf den Klosterplan deutet.[8]

Bibliographie

  • Hermann Bauer/Bernhard Rupprecht, Corpus der Barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1, München 1976.
  • Günther Grünsteudel, Augsburger Stadtlexikon, Augsburg 1998.
  • Bernt von Hagen, Stadt Augsburg, München 1994. (Denkmaltopographie Denkmäler in Bayern)
  • Doris Hascher, Fassadenmalerei in Augsburg vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Augsburg 1996.
  • Franz Häußler, Augsburg - alte Stadt mit Kriegsnarben, Augsburg 1984.
  • Hertel, Johann Georg, Des berühmten italiänischen Ritters Caesaris Ripae allerley Künsten und Wissenschaften dienliche Sinnbilder und Gedanken, Augsburg o.J. [spätestens 1761] (Wirth, Ilse: Nachdruck versehen mit einer Einleitung, Legenden zu den Tafeln und mit einem Register, München 1970).
  • Franz Schreiber, Augsburg - gebaut, zerstört, wiedererstanden. Das Stadtbild in den letzten 100 Jahren, Stuttgart 1999
  • Stadtarchiv Augsburg, Grundbuchauszüge zu C253.
  • Stadtarchiv Augsburg, Häuserselekt, C253.

Einzelnachweise

  1. Häußler, Stadt, 1984, S. 77.
  2. 2,0 2,1 Grundbuchauszüge zu C 253, Stadtarchiv Augsburg.
  3. 3,0 3,1 Grünsteudel/Hägele/Frankenberger, Stadtlexikon, 1998, S. 229.
  4. 4,0 4,1 Hascher, Fassadenmalerei, 1996, S. 419.
  5. Schreiber, Augsburg Stadtbild, 1999, S. 47.
  6. Ripa, Sinnbilder, 1970, S. 56, 162.
  7. Hagen/Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994, S. 168f.
  8. Bauer/Rupprecht, Corpus, Bd. 1, 1976, S. 40.