Augsburg, Gartenpavillon auf dem Rugendas Anwesen

Heiß, Maria:Augsburg, Gartenpavillon auf dem Rugendas-Anwesen, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/a7fea514-1dee-4f75-b78e-42267551afc0

Inventarnummer: cbdd20013

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In einem Gartenpavillon entstand um 1770/80, vermutlich vom ortsansässigen Tabakfabrikanten Johann Prunner in Auftrag gegeben, ein Deckenfresko, das Venus und Mars als Liebespaar zentral in Szene setzt. Zusammen mit dem herannahenden Götterboten Merkur sind sie eingebettet in einen locus amoenus.

Augsburg, Gouachen, Karl Nicolai
Augsburg, Gouachen, Karl Nicolai

Der Gartenpavillon auf dem Rugendas-Anwesen

 
Augsburg, Gouachen, Karl Nicolai

Geschichte und Lage

Auf dem Areal, direkt am Oblattertor gelegen, befanden sich mehrere Behausungen mit den Literabezeichnungen H 316, 317, 318, 320, 321, [1] meist unter H 320/321 als Einheit zu finden. Als 1938 für die Altstadt diese Bezeichnungen aufgelöst wurden [2], erhielt H 320/321 die Adresse Unterer Graben 22. Das Gebäude H 316 bekam die Hausnummer 7, H 317/318 wurde mit der Hausnummer 5 versehen. Das gesamte Gelände wurde im Westen durch den Stadtbach, im Norden durch den Äußeren Stadtgraben, im Osten durch ein weiteres Grundstück und im Süden durch das Pulvergäßchen begrenzt.

Wie bei Werner [3] nachzulesen, gehörte das Areal bis zum 15. April 1695 der Stadt Augsburg. In den Häusern mit den Literanummern H 316-318 wurden die zwei Pulvermühlen der Stadt betrieben. Nach dem Verkauf an den Pulvermacher Johann Kempter im Jahre 1695 folgten noch weitere Besitzerwechsel durch Johann Georg Mayr, Georg Lang, Johann Stehler und Johann Mair. Am 12. Mai 1744 [4] gingen die Mühlen in den Besitz des Tabakfabrikanten Johann Prunner über, der dort die erste Tabakmühle Augsburgs gründete, was durch ein Dekret des Augsburger Rats [1] möglich geworden war. Die Behausung mit der Literanummer H 320/321, die der Formschneider und Kattundrucker Johann Franz Gignoux mittlerweile im Garten der Pulvermühle errichtet hatte, wurde am 16. November 1754 [1] ebenfalls an Prunner verkauft. Dieser hielt den Besitz über 38 Jahre, bis ihn dann am 29. November 1792 der Handelsmann Johann Georg Schaetzler erwarb. Auf ihn folgten Georg Andreas Schaetzler, Philipp Schmied, Karl Beck und Johann Nepumuk Friedrich Frisch. Zu guter Letzt ging der Besitz an Eduard Rugendas über. Dieser gründete 1851 die Firma Rugendas & Cie. [5] Er betrieb eine sogenannte Tubesfabrik, in der Papierhülsen hergestellt wurden. Nach Euringer [6] hatte das Haus, vermerkt unter H 320, gegen den Garten eine Empirefassade.

Das Areal besaß einen großen, symmetrisch angelegten Garten. Am Eingang zum Garten standen „zwei Pfeiler mit Putten, eine davon mit Traube“. [6] Im Zentrum der Gartenanlage befand sich ein großes, rundes Wasserbecken, von dem rechtwinklig vier Wegachsen ausgingen.

Am Ende des Weges nach Westen war, als point de vue, der Gartenpavillon zu sehen. Vom Zentrum ausgehend, zum Pavillon hin, befanden sich rechts wie links des Weges kleinere Gebäude, vermutlich mit Grotten.

Baubeschreibung des Gartenpavillons

Der „Empirepavillon einst Gartenhaus“ [6], war von stattlicher Größe. Aus dem Jahr 1938 gibt es eine Fotografie, die vermutlich die Westfront abbildet. Diese zeigt, dass die Fassade komplett bemalt und durch drei fast bodentiefe Fenster gegliedert war. Zusätzlich rhythmisiert pilasterartige Malerei die Fassade. Betreten wurde der Pavillon wohl vom Gartenweg aus, das zentrale Wasserbecken im Rücken. Laut Euringers Notizen [6] zierte eine Windfahne mit Sonne, Windrose und einem Halbmond mit Glöckchen das „ziemlich aus Holz“ gebaute Gartenhaus. Ebenso beschreibt er ein Chronogramm, das sich über dem Eingang des Gartenhauses befand. Es lautete: Dulcius nil amico und meint, so die Entschlüsselung Euringers, das Jahr 1813. Da Euringer zuvor vom „Empirepavillon einst Gartenhaus“ spricht, ist davon auszugehen, dass es sich beim oben beschriebenen Gartenhaus um den Vorgängerbau des Pavillons handelt.

Auch bei Pfaud [7] wird der Pavillon erwähnt. Er ordnet ihn dem klassizistischen Stil zu und bemerkt in der Gestaltung eine Ähnlichkeit mit dem Gartenpavillon in der Ludwigstrasse 28/30 (D 151).

Innenraum des Gartenpavillons

 
Augsburg, Gouachen, Karl Nicolai

Wie Euringer [6] beschreibt, war der Pavillon im Inneren durch eine Kehlleiste mit nachgeahmten Kassetten aus Stuck und mit Resten von Ornamenten an den Wänden geschmückt. Dies bestätigt ein Foto von 1936 [8], welches eine Wandgestaltung mit klassizistischen Ornamenten zeigt. An der Decke befand sich ein rundes Fresko mit Merkur, Venus und Mars im Stil des Barocks. Wand- und Deckengestaltung fielen somit stilistisch weit auseinander. Am rechten unteren Bereich des Freskos saß, mit Schilfkranz und Wasserurne ausgestattet, ein Flussgott. Es handelte sich dabei vermutlich um Lycus, welcher wohl auf den unmittelbar an das Grundstück angrenzenden, vom Lech gespeisten, Stadtbach verwies.

Decke: Venus und Mars als Liebespaar

 
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Auftrag und Erhaltung des Freskos

Über die Identität des Auftraggebers dieses Freskos gibt es keine gesicherten Informationen. Doch da die Entstehung des Freskos etwa auf die Zeit zwischen 1770 und 1780 [9] datiert wird, kann die Auftraggeberschaft fast nur dem damaligen Besitzer des Anwesens [1], dem Tabakfabrikanten Johann Prunner zugeschrieben werden. Laut Stetten [10] kam Prunner oder auch Fontano aus dem venezianischen Maranzanis. Er erhielt 1738 [11] das Augsburger Bürgerrecht und gründete die erste Tabakmühle der Stadt. Stetten [12] beschreibt diesen Mann in seiner Selbstbiographie als „sehr reich und glücklich in seinen Geschäfften, aber wild, unordentlich in seinem Wandel, dem Trunck, dem Zorn und unkeuschen Lüsten auf das sträflichste ergeben und darinn ganz unverbeßerlich. Er verheurathete sich nicht [13], um nicht gebunden zu seyn, machte aber ziemlichen Aufwand, und gab vielen Bürgern Brod und Nahrung.“ [10]

Wir erfahren bei Stetten auch einiges zu Prunners Gestaltungspräferenzen. In einer Ratssitzung wurde er laut Stetten beschuldigt, dass er in seinem Garten Saal „unzüchtigste Bilder zu nicht geringem Aergerniß frommer Personen“ [14] von einem Bildhauer hat anfertigen lassen. Er bevorzuge „ovidische Stücke […] mit viel nackten Figuren und meist verliebten Inhalts […].“ [14] Dem Thema Liebe blieb Prunner auch bei der Gestaltung des Deckenfreskos im Gartenpavillon treu.

Prunner zog mit seiner Tabakfabrik 1793 nach München um. [10] Ihm folgten weitere Besitzer bis hin zu Eduard Rugendas. Als Rugendasanwesen wurde das Areal auch 1936 noch bezeichnet.

Um den Erhalt des Deckenfreskos für die Nachwelt zu garantieren, wurde 1936 vom Augsburger Oberbürgermeister beschlossen, eine Kopie des Deckengemäldes im Pavillon des Rugendasanwesens H 320 anfertigen zu lassen. [15] Beauftragt wurde damit Karl Nicolai, der eine Gouache anfertigte. Die Maßnahme war, wie sich gezeigt hatte, sehr weitsichtig. Denn der Gartenpavillon steht heute nicht mehr und auch das Deckenfresko ist nicht mehr im Original zu bestaunen. Wann und wie beides zerstört wurde, ist noch zu erforschen.

Beschreibung und Ikonographie

Im Folgenden kann nicht das Originalfresko beschrieben werden, da es bereits zerstört wurde. Deswegen muss auf eine Kopie zurückgegriffen werden. Diese Gouache wurde von Karl Nicolai um 1936 im Auftrag der Stadtverwaltung angefertigt. Sie ist 80x80 cm groß, Tempera auf Papier und zeigt das runde Deckenfresko von 1770/80 mit einem Durchmesser von 520 cm, welches sich an der Decke des Gartenpavillons am Unteren Graben 22 befand. [9] Die verbleibenden Ecken um das runde Mittelbild, sind mit geschwungenen, organisch wirkenden Ornamenten verziert.

Im Zentrum des runden Bildes ruhen auf einer erdfarbenen Wolke Venus und Mars. Venus sitzt, nur leicht in zartes blaues und weißes Tuch gehüllt, links von Mars. Ihre üppige rechte Brust ist entblößt. Zwei Putten lüften spielerisch das Untere der Tücher und geben den Blick auf ihre nackten Beine frei. Über ihr, deutlich nach links versetzt, fliegen zwei miteinander schnäbelnde Tauben, die sie als Venus ausweisen. Sie hält Mars, der mit goldenem Brustpanzer, Sandalen und in rotes Tuch gehüllt, zu ihrer Linken liegt, in ihren Armen. Sein Kopf ist an ihre Schulter gelehnt. Er ist ihr zugewandt, berührt ihre linke Hand und blickt ihr ins Gesicht. Sie jedoch schaut nach unten. Dort tummeln sich zwei Putten. Der rechte hält ein Schild, der linke einen nur angedeuteten, länglichen Gegenstand, welcher ein Schwert sein könnte. Zwischen den Putten liegt ein Helm mit prächtigem, rotem Kopfputz. Diese Attribute weisen darauf hin, dass es sich hier um eine Darstellung des Mars handelt.

Den Blick auf Venus und Mars gerichtet, schwebt, in türkisfarbenem Gewand, Merkur von oben herab auf sie zu. Der Flügelhelm, sowie der Merkurstab in seiner Rechten, zeichnen ihn aus. Seine linke Hand deutet im Zeigegestus auf eine Gruppe von drei Putten zu seiner Linken.

Diese befinden sich im oberen Teil der Wolke und schauen nach unten auf Venus und Mars. Die linke Putte liegt auf dem Bauch und hält eine weiße Taube mit ausgebreiteten Flügeln in Händen. Die Mittlere, kniend, ein Bein von sich gestreckt, hält in den nach oben gereckten Händen je eine Fackel. Die auf dem Rücken liegende dritte Putte spielt mit einer Blumengirlande.

Etwas unterhalb und leicht nach rechts versetzt, liegen drei nackte Frauen, die drei Grazien, auf der Wolke und betrachten das Geschehen. Die Linke scheint Mars anzuschauen, wohingegen die hintere Grazie ihren Blick auf Venus richtet. Die vordere, auf dem Bauch liegend, beobachtet die drei Putten. Auffällig ist die sehr zartgliedrige Darstellungsweise aller Figuren.

Am linken, unteren Bildrand ist ein in dunklen Grün- und Brauntönen gestaltetes Dickicht zu erkennen, aus dem die erdfarbene Wolke quillt, auf der sich überwiegend das Geschehen abspielt. Am rechten unteren Bildrand ist bei genauerem Hinsehen eine sitzende Figur sichtbar, die ihren mit Schilf bekränzten Kopf auf eine Wasserurne stützt, aus der sich Wasser, einer kleinen Quelle gleich, ergießt. Figur und Urne sind einheitlich hell gemalt und verschmelzen beinahe mit der sie umgebenden Natur. Mit der schilfbekränzten Figur kann wieder ein Bezug zum Flussgott Lycus hergestellt werden.

Die Darstellung zeigt einen locus amoenus, einen Ort, an dem absoluter Friede herrscht. Die Beteiligten ruhen auf einer Wolke und werden, mit Ausnahme von Merkur, gleichsam von ihr getragen. Sie sind von Natur umgeben. Unter ihnen plätschert ein kleiner Bach. Diese positive Atmosphäre wird noch durch die drei Grazien unterstrichen. Sie sind das Gefolge der Venus und die Göttinen der Annehmlichkeit, der Wohltaten und der Dankbarkeit. [16] Venus und Mars verbringen die Zeit als Liebespaar. Die Putten tragen Mars Waffen fort, denn es gibt keinen Krieg, er braucht sie nicht. Der Götterbote Merkur bringt die Botschaft des Heiratens. Unterstrichen wird dies durch die Attribute der Putten im oberen Teil der Wolke. Die Taube steht unter anderem für Liebe und Treue, die Rosen sind ebenfalls ein Symbol für die Liebe. Bezüglich der Fackeln gibt es mehrere Deutungsmöglichkeiten. Sie waren in der Antike unter anderem auch Amor zugeteilt. Es gibt aber auch Hinweise, dass die Fackeln das Attribut des Hymenaeus sind. Als Hymenaios ist er im Griechischen der Hochzeitsgott.

Komposition und Ansichtigkeit

Sowohl die räumliche, als auch die farbliche Komposition des Bildes, sind sehr ausgewogen und harmonisch. Dies unterstreicht die Aussage des Bildes und die idyllische Grundstimmung.

Das Fresko war einansichtig wie ein Tafelbild. Das legt die Vermutung nahe, dass es so angebracht war, dass der Betrachter beim Betreten des Raumes automatisch die richtige Blickrichtung einnahm. Auf der sieht man, wie die Wand- in die Deckengestaltung übergeht. Die drei Bögen lassen vermuten, dass sich darunter drei Fenster befanden. So konnte sich der Betrachter nicht nur am Fresko erfreuen, sondern auch in Beziehung zu seinem Garten und dem etwas entfernten Stadtbach treten.

Forschungsstand Fresko

Das Deckenfresko, das nicht mehr im Original vorhanden ist, wurde noch nicht näher erforscht. Nach aktuellem Stand fand es seine erste Erwähnung in Euringers Notizen von 1907: „Empierpavillon einst Gartenhaus mit hübschen fresko: Venus & Mars“ [6]. Als die Stadt Augsburg 1936 beschloss, verschiedene Augsburger Fresken kopieren zu lassen, um sie für die Nachwelt zu erhalten, war das Fresko im Pavillon des Rugendasanwesens eines der auserwählten, erhaltenswerten Kunstwerke. Mit der Anfertigung der Kopie wurde Karl Nicolai beauftragt, der eine 80,0 x 80,0 cm große Gouache herstellte, die heute in der Graphischen Sammlung der Kunstsammlungen und Museen Augsburg verwahrt wird. Neben Nicolais Gouache existiert noch ein Foto des Originalfreskos von 1936, das ein Detailstudium zulässt. Es zeigt den Ausschnitt, auf dem Venus und Mars zu sehen sind. Außerdem ist in den Graphischen Sammlungen der Hinweis [17] auf einen Freskenrest zu finden.

Bei der Frage nach der Identität des Freskenmalers widersprechen sich Zeitungsartikel, die im Zuge der Kopie-Herstellung erschienen sind. Die Augsburger Nationalzeitung Nr. 241 vom 06.10.1937 bebildert einen Artikel u. a. mit besagter Kopie des Deckenfreskos und untertitelt: „Deckengemälde im Gartenpavillon des Rugendas-Anwesens H 330 von Christ (1790)“. [18] Die Litera-Angabe muss falsch sein, denn diese Nummer wurde nie vergeben. [2] Und auch das Entstehungsjahr ist in Kombination mit dem Künstler nicht möglich, da Joseph Christ bereits 1788 in Augsburg verstorben war. Die identischen zwei Fehler unterliefen auch der Neuen Augsburger Zeitung in ihrer Ausgabe Nr. 241 vom 16.10.1937 [19], was dieselbe fehlerhafte Quelle vermuten lässt. Bemerkenswert bei beiden Zeitungsartikeln ist jedoch die Zuschreibung an Christ.

Euringer bringt in seinen Notizen Johann Joseph Anton Huber (22.6.1737 - 26.10.1815) als möglichen ausführenden Künstler „(wohl Huber)“ [6] ins Spiel. Auch auf der alten Inventarkarte [20] zur Gouache, in der Graphischen Sammlung, gibt es eine handschriftliche Notiz, dass das Fresko von Huber sein könnte.

Laut der älteren Inventarkarte, sowie einer weiteren, neuen Inventarkarte [9], wird das Fresko auf 1770/80 datiert, was Christ als ausführenden Künstler wieder wahrscheinlich macht.

Die Identität des Freskenmalers und die genaue Entstehungszeit sind noch nicht einwandfrei zu klären. Doch Recherchen lassen vermuten, dass es sich dabei um Joseph Christ handelt, der das Fresko wohl zwischen seiner Rückkehr aus Russland 1782 und seinem Tod 1788 erstellt hat. Vor allem die genaue, sorgfältige Kopie Nicolais, die die Zartgliedrigkeit der Figuren gut wiedergibt, legt eine Zuschreibung an Christ sehr nahe.

Die Quadratur

Nicolai gibt die bestehende Quadratur aus dem 18. Jahrhundert ungewöhnlicherweise sehr genau wieder.

Des Weiteren zeigt ein Foto des Originalfreskos von 1936 [21] eine Quadratur aus gespannten Schnüren. Wozu diese Schnüre angebracht wurden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Eine mögliche Erklärung wäre, dass sie als Kopierhilfe für Nicolai dienten.

Programm und Synthese

Das erotische Bildprogramm des Gartenpavillons passt zum Entwurf des Charakters, den Paul von Stetten 1787 vom Auftraggeber zeichnet.

Der Tabakfabrikant Johann Prunner war in seiner Stadt kein unbeschriebenes Blatt. Bei der augsburger Bevölkerung, wie auch in Ratskreisen, war er in Verruf geraten. Er galt als reicher, zügelloser Lebemann, „dem Trunck, dem Zorn und unkeuschen Lüsten auf das sträflichste ergeben“. [10] Selbst die Tatsache, dass er vielen Bürgern „Brod und Narung“ [10] gab, vermochte seinen Ruf nicht aufzuwerten.

Dass er 1787 ein Muttergottesbild von seinem Haus, das neu zu verputzen war, abnehmen lassen wollte brachte ihn wegen ‚Gotteslästerung’ ins Gefängnis. [10]

Treibende Kraft hinter dieser Inhaftierung war der Bürgermeister Aloys von Precht. Selbst nach der Freilassung des Fabrikanten, ließ er dessen Privaträume nach unzüchtigen Bildern durchsuchen und diese konfiszieren. „Es waren ovidische Stücke, freilich mit vielen nackten Figuren und meistens verliebten Inhalts, aber so wie man sie in tausend Malereyen und Kupferstichen allenthalben sehen kan.“ [14]

Der Bürgermeister wurde angewiesen, dem Geschädigten, der sich sogar beim Kaiser beschwert hatte, sein Eigentum persönlich zurückzugeben.

Bibliographie

  • Gedruckte Literatur
  • Hederich, Benjamin: Gratiae, In: Gründliches Mythologisches Lexikon, 2502, Darmstadt, 1967.
  • Pfaud, Robert: Das Bürgerhaus in Augsburg. Das deutsche Bürgerhaus, Tübingen, 1976.
  • Stetten, Paul von: Selbstbiographie/1: die Lebensbeschreibung des Patriziers und Stadtpflegers der Reichsstadt Augsburg. 1 Bd. Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft und der Schwäbischen Forschungsstelle Augsburg der Kommission für Bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Die Aufzeichnungen zu den Jahren 1731 bis 1792, Augsburg, 2009.
  • Werner, Anton: Die Wasserkräfte der Stadt Augsburg im Dienste von Industrie und Gewerbe historisch-statistisch beschrieben, Augsburg, 1905.
  • Archivalische Quellen
  • Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Inv. - Nr. 9422, In: Stückakte zu G 25185.
  • Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Inv. - Nr. G 25185, In: Stückakte zu G 25185.
  • Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Neg. - Nr. FI 14257, In: Stückakte zu G 25185.
  • Kunstsammlungen und Museen Augsburg (Wissenschaftliches Bildarchiv), Gartenhaus bei H 320/321, Innenansicht, Ausschnitt Deckenfresko, Augsburg, 1936, FI 1026.
  • Kunstsammlungen und Museen Augsburg (Wissenschaftliches Bildarchiv), Gartenhaus bei H 320/321, Innenansicht, Wandgestaltung, Augsburg, 1936, FI 1028.
  • Stadtarchiv Augsburg, Euringer Nachlass. Häuserkartei. H 320. Rugendas & Co Papierhülsenfabrik, Augsburg, 1907, M2L-11-3-6 in Kt. 4.
  • Stadtarchiv Augsburg, Grundbuchauszüge H 316. 317. 318. 320. 321, Bd. 16.
  • Stadtarchiv Augsburg, Hochzeitsamtprotokolle, 1733-1744, S. 659.
  • Stadtarchiv Augsburg, Neue Augsburger Zeitung: Verborgener Schmuck aus alter Zeit. Stille Winkel und verschwiegene Pavillons. Augsburger Stadtverwaltung läßt verschiedene alte Fresken aufnehmen, Nr. 225, 25. September 1936, S. 5, 20281 Bestand 3, Signatur 45.
  • SuStBA, Aufhebung der Literabezeichnung im Altstadtgebiet von Augsburg Gegenüberstellung der neuen und alten Hausnummern für die bisherigen Bezirke der Buchstaben A mit H; Neue Bezirkseinteilung des Stadtgebietes, Aug 62Ab.
  • SuStBA, Augsburger Nationalzeitung: Fresken werden festgehalten, Nr. 241, 6. Oktober 1937.
  • SuStBA, Neue Augsburger Zeitung: Augsburger Freskenpracht in Miniatur, 16. Oktober 1937.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Stadtarchiv Augsburg, Grundbuchauszüge H 316, 317, 318, 320, 321.
  2. 2,0 2,1 Augsburg, Literaverzeichnis, 1938, S. 65.
  3. Werner, Wasserkräfte Augsburg, 1905, S. 82-83.
  4. Stadtarchiv Augsburg, Grundbuchauszüge H 316, 317, 318, 320, 321 .
  5. Werner, Wasserkräfte Augsburg, 1905, S. 83.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 6,6 Stadtarchiv Augsburg, M2L-11-3-6 in Kt. 4.
  7. Pfaud, Bürgerhaus, 1976, S. 108.
  8. Kunstsammlungen und Museen Augsburg (Wissenschaftliches Bildarchiv), FI 1028.
  9. 9,0 9,1 9,2 Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Inv. - Nr. G 25185.
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 10,5 Stetten, Lebensbeschreibung, 2009, S. 298.
  11. Stadtarchiv Augsburg, Bürgeraufnahmen 1737. Beantragt wurde das Bürgerrecht bereits 1737.
  12. Stetten, Lebensbeschreibung, 2009, S. 298-300.
  13. Laut den Hochzeitsamtprotokollen, 1737-1742, S. 659 hat Prunner jedoch am Sonntag, den 22.04.1742 Francisca von Zaisertshofen geheiratet.
  14. 14,0 14,1 14,2 Stetten, Lebensbeschreibung, 2009, S. 299.
  15. Stadtarchiv Augsburg, Neue Augsburger Zeitung, Verborgener Schmuck, Nr. 225, 1936.
  16. Hederich, Lexikon, 1967, Sp. 1177.
  17. Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Neg. - Nr. FI 14257.
  18. SuStBA, Augsburger Nationalzeitung, Nr. 241, 1937.
  19. SuStBA, Neue Augsburger Zeitung, Freskenpracht, 1937.
  20. Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Inv. - Nr. 9422.
  21. Kunstsammlungen und Museen Augsburg (Wissenschaftliches Bildarchiv), FI 1026.