Attendorn, Burg Schnellenberg

Laß, Heiko:Attendorn, Burg Schnellenberg, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/10ec2914-26bc-4ead-ad99-b085badd40f0

Inventarnummer: cbdd10345

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Auf Burg Schnellenberg befindet sich in der Kapelle zum Hl. Georg ein Deckengemälde von Augustin Jodefeld von 1600, das einen Blick in den göttlichen Himmel mit Aposteln, Propheten und den Herrschern des Alten Bundes gewährt.

Burg Schnellenberg
Burg Schnellenberg

Burg Schnellenberg

 
Burg Schnellenberg

Kurzbeschreibung und Lage

Die so genannte Burg Schnellenberg[1] ist eine zum Schloss ausgebaute Höhenburg, die sich aus einer hoch gelegenen Hauptburg im Nordosten und einer darunter gelegenen Vorburg mit wiederum vorgelagertem Wirtschaftshof im Südwesten zusammensetzt.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Burg Schnellenberg wurde als kurkölnische Schutzburg für die Stadt Attendorn gegründet. Diese Bedeutung verlor Schnellenberg bereits im Mittelalter. 1594 wurde sie von der Familie Fürstenberg erworben und reichsunmittelbar. Caspar von Fürstenberg wurde bereits 1595 in die Reichsritterschaft aufgenommen und ging daran, seine Residenz bis 1609 um- und auszubauen. Architekt war vermutlich Hans Adam. Von 1658 bis 1681 wurde das Schloss für Caspar Friedrich von Fürstenberg teilerneuert, etwa am Südflügel. Die Maßnahme ist im Zusammenhang mit der Erhebung der Fürstenberger in den Reichsfreiherrenstand 1660 zu sehen. 1687 wurde mit dem Bau der Vorburg begonnen, deren Ausstattung 1704 abgeschlossen war. Ferner kam der Wirtschaftshof hinzu. Schnellenberg diente für die Familie Fürstenberg inzwischen als eine Art Jagdschloss und man benötigte Unterkunftsmöglichkeiten für die Jagdgäste. Auch das Innere des Hauptgebäudes wurde modernisiert. Seit dem frühen 19. Jahrhundert wurde Schnellenberg nur noch selten bewohnt und der Verfall setzte ein. 1889 zerstörte ein Feuer die Vorburg. Im 20. Jahrhundert wurden die Bauten instandgesetzt bzw. erneuert.

Beschreibung

Das Schloss[2] wird vor allem durch den regelmäßigen dreigeschossigen Westflügel der Vorburg mit zwei Ecktürmen bestimmt, der sich über dem Wirtschaftshof erhebt. Die eigentliche Kernburg – das Hauptgebäude – ist eine unregelmäßige Vierflügelanlage von zwei bis drei Geschossen mit einem Torturm und einem weiteren Turm an der Südwestecke von 1686. Vermutlich waren 1595 vier Ecktürme geplant.

Die Schlosskapelle zum Heiligen Georg

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Einrichtung der Kapelle[3][4][4] im Torturm geht auf eine Anregung bzw. Stiftung des Paderborner Fürstbischofs Dietrich von Fürstenberg aus dem Jahre 1599 zurück. Er war der Bruder des Schlossherrn Caspar von Fürstenberg. Bis 1608 war die Kapelle vollendet und ausgestattet.

Beschreibung

Die Kapelle ist in einem relativ kleinen Raum von vier auf vier Metern im Obergeschoss des Torturms untergebracht und rund sieben Meter hoch. Es ist der einzige nahezu unverändert erhaltene Raum im Schloss. Er ist opulent ausgestattet mit Altar, flankierenden Sitzen für den Fürstbischof rechts und den Schlossherrn links sowie ein Gestühl und Emporen. Die Bildhauerarbeiten von Marmor und Alabaster stammen von Johann Hocheisen, die Schnitzereien von Hans Miltenberger. Es entstand einer der bedeutendsten sakralen Spätrenaissanceräume in Westfalen.

Die Decke der Kapelle

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde[5] wurde 1600 von Augustin Jodefeld geschaffen, der eine Arbeit mit Monogramm signierte und datierte. 1837 erfolgte ihre komplette Übermalung in anderer Farbigkeit, aber unter weitgehender Beibehaltung der formalen Darstellung. 1974-79 wurde die ursprüngliche Malerei wieder freigelegt. Umfangreiche Partien in den Bogenfeldern konnten jedoch nicht gerettet werden. Die Fehlstellen wurden durch Retuschen ergänzt. Die Malerei ist „in der Art feinster Tafelmalerei“[6] aufgetragen worden.

Beschreibung und Ikonographie

Das Deckengemälde präsentiert hinter vier Rippen, die einen Schlussstein tragen, durch mehrere konzentrische Wolkenbänke hindurch den Blick in den göttlichen Himmel. Auf der untersten Wolkenbank haben sich die Apostel mit ihren Attributen niedergelassen. Hier ist auch der Bauherr zu sehen. Auf der nächsten Bank sitzen die Propheten des Alten Testaments, auf der obersten die Herrscher des Alten Bundes. Über ihnen erblickt man im göttlichen Licht die Engel. Hinzu kommen zahlreiche Spruchbänder. Unten in den Zwickeln sind Cherubim gemalt, wie auch sonst zahlreiche der geflügelten Engelköpfe unter den Wolkenbänken zu sehen sind.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
  • Ludorff, KDM Olpe, 1903. – Ludorff, Albert (Bearb.): Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Olpe (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, 14). Münster 1903.
  • Schnellenberg. – Burg Schnellenberg. Hotel und Restaurant. Geschichte der Burg Schnellenberg. Attendorn o.J.
  • Westfalen 56 (1978). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 56. Münster 1978.
  • Archivalien:
  • Akte V, 1976-1978. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Schnellenberg 1. Burg Schnellenberg. Attendorn. Kreis Olpe. Akte V, 1976-1978.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Westfalen, 2011, S. 43-44; Schnellenberg, S. 3-6; Ludorff, KDM Olpe, 1903, S. 26-27.
  2. Dehio, Westfalen, 2011, S. 43-44; Schnellenberg, S. 7-12.
  3. Schnellenberg, S. 4, 8-9.
  4. 4,0 4,1 Dehio, Westfalen, 2011, S. 43.
  5. Dehio, Westfalen, 2011, S. 43; Schnellenberg, S. 9; Westfalen 56 (1978), S. 619. Akte V, 1976-1978.
  6. Akte V, 1976-1978.