Ascheberg Herbern, Haus Itlingen

Laß, Heiko:Ascheberg-Herbern, Haus Itlingen, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/f64e0da5-7a33-43df-a68e-228fd2a4d4c2

Inventarnummer: cbdd10344

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In der Kapelle von Haus Itlingen hat sich ein Deckengemälde aus dem Jahre 1708 von Hermann Veltman erhalten, das den Tod des hl. Joseph zeigt.

Haus Itlingen

 

Kurzbeschreibung und Lage

Haus Herbern[1] steht außerhalb einer Ortschaft auf zwei künstlichen Inseln. Es wird über die östliche Insel mit Wirtschaftshof erreicht. Das Hauptgebäude auf der größeren westlichen ist nach Süden orientiert und nicht auf den Wirtschaftshof mit modernen Bauten. Es wird noch heute an drei Seiten von einem Graben umfasst. Südlich des Schlosses befand sich auf einer weiteren künstlichen Insel ein Garten in der Achse des Haupthauses. Im Westen des Hauses ist ein weiterer Garten gelegen.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Haus Herbern geht auf eine Burg der Herren von Herbern zurück, die bereits um 1300 genannt wird. 1540 gelangte Itlingen in den Besitz der Familie von Nagel. Vermutlich unter Einbeziehung älterer Teile entstanden nach Plänen von Peter Pictorius dem Älteren 1692 der heute noch erhaltene Hauptflügel im Norden sowie der Westflügel. Dieses Haus wurde um 1755 nach Plänen von Johann Conrad Schlaun modernisiert und regularisiert. Dazu wurde ein symmetrischer Ostflügel hinzugefügt und die Hauptfassade nach Süden vorgezogen. Der alte Kapellenturm wurde symmetrisch ergänzt.

Architekten, Künstler

Der Architekt Peter Pictorius d. Ä.[2] kam 1654 nach Westfalen und stieg 1667 zum Landesvermesser des Fürstbistums Münster sowie nach 1680 zum Landbaumeister auf. Nur wenige Bauten können ihm zugeschrieben werden, wie die Galensche Kurie in Münster oder Haus Vornholz.

Der Coesfelder Maler Hermann Veltman[3] war überwiegend in Westfalen tätig und Schwiegersohn von Peter Pictorius. Bekannt geworden sind von ihm vorwiegend Tafel- und Leinwandgemälde sakraler Thematik.

Beschreibung

Das Herrenhaus stellt sich heute als eine regelmäßige, nach Süden geöffnete, verputzte Dreiflügelanlage unter hohem Walmdach mit zwei runden Ecktürmen an der Südwest- und Südostecke dar. Die fünfachsige Fassade der Eingangsseite wird von einem schmalen einachsigen Mittelrisalit sowie einem zentralen Glockenturm betont. Die Ecktürme haben geschweifte Hauben. Das Innere nimmt an der Nordwestecke einen Hauptsaal und im Westflügel eine Kapelle auf.

Die Kapelle

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Kapelle[4] ist wohl beim Um- bzw. Neubau 1692 entstanden und wurde 1707 verändert. Ihre Einrichtung stammt aus dieser Zeit. Einen tiefen Einschnitt stellte ein weiterer Umbau 1827 dar, der die Kapelle an ihrer Ostseite verkürzte. Ebenfalls 1827 wurde ein Herrschaftsstand in der Kapelle eingebaut.

Beschreibung

Die Kapelle ist im Erdgeschoss am Ende des westlichen Seitenflügels gelegen. Sie kann sowohl vom Haus als auch vom Hof aus betreten werden. Sie setzt sich aus einem annähernd quadratischen Raum im Westflügel sowie einem über Eck anschließenden runden Altarbereich im abschließenden Eckturm zusammen. Der Altar steht an der Südwestseite.

Während der Bereich im Turm ein Kreuzrippengewölbe hat, ist der übrige Raum mit einer Flachdecke abgeschlossen. Sie nimmt ein Deckengemälde auf, das bis zur Raumverkleinerung 1827 zentral positioniert war. Ein stuckierter Palmettenfries schließt die Decke zur Wand hin ab. Lediglich im Osten, wo die Wand von 1827 steht, fehlt er.

Die Decke der Kapelle und ihre Malerei

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Bild[5] wurde in Öl auf Leinwand von Hermann Veltman gemalt. Auch das Altarblatt stammt von Veltman. Beide Bilder entstanden wohl von 1708. Das Deckenbild ist an der Stoßfläche der Stufe im Vordergrund rechts signiert mit „Herm. Veltman fecit in Coesfeldt Ao 1708“. Die Setzstufe trägt die Inschrift: „S. Joseph. Agonizantium patrone ora pro nobis.“

Beschreibung und Ikonographie

In einem achteckigen Stuckrahmen erblickt man den hl. Joseph auf dem Sterbebett. Die Darstellung entspricht der Legenda Aurea des Jacobus de Voragine. Joseph liegt unter einer Decke in einem Holzbett. Seine Frau Maria beugt sich von rechts hernieder und wischt seine Stirn mit einem Tuch. Links steht aufrecht Jesus und vollführt einen Segensgestus. Sein Blick ist gen Himmel gerichtet. Zahlreiche Engel wohnen dem Tod des Joseph bei. Einer – rechts – betet, ein anderer im Vordergrund berührt einen der Füße des Sterbenden. Weitere Engel lagern auf Wolken, durch die das göttliche Licht bricht. Im Hintergrund erkennt man schemenhaft die Werkstatt des Joseph mit den Werkzeugen eines Zimmermanns.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Lahrkamp, Galen, 1993. – Lahrkamp, Helmut: Beiträge zur Hofhaltung des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen – mit einem Exkurs über Peter Pictorius d. Ä. In: Westfalen 71 (1993), S. 31 – 71.
  • Niemer, Pictorius, 2002. – Niemer, Jörg: Der Baumeister Peter Pictorius d. Ä. In: Westfalen 77 (1999), S. 277-298.
  • Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987. – Püttmann-Engel, Kristin: Schloßkapellen im Raum Westfalen 1650–1770 (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 14). Bonn 1987.
  • Strohmann, Rudolphi, 1986. – Strohmann, Dirk: Johann Georg Rudolphi. Ein Beitrag zur Malerei des 17. Jahrhunderts in Westfalen (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 10). Bonn 1986.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Westfalen, 2011, S. 36-37; Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 608-613.
  2. Niemer, Pictorius, 2002; Lahrkamp, Galen, 1993.
  3. Strohmann, Rudolphi, 1986, S. 118-123.
  4. Dehio, Westfalen, 2011, S. 37; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 202-203.
  5. Dehio, Westfalen, 2011, S. 37.