Laß, Heiko:Arnstadt, Rathaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/f8aba612-beb6-455f-97f9-9d1ac406fc82

Inventarnummer: cbdd20241

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Von den zahlreichen im 17. Jahrhundert geschaffenen Wandmalereien haben sich nur eine Türrahmung und ein Pikenier aus der Zeit um 1700 in der Obergeschossdiele erhalten.

Arnstadt, Rathaus
Arnstadt, Rathaus

Das Rathaus in Arnstadt

 
Rathaus in Arnstadt (Thüringen/Deutschland)

Kurzbeschreibung und Lage

Das Rathaus von Arnstadt[1] steht an der Nordostecke des zentralen dreieckigen Marktplatzes der Stadt. Im Osten am ehemaligen Neumarkt stand die 1581 abgebrannte St.-Bonifatius-Kirche, die älteste Pfarrkirche der Stadt, die erst im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts durch einen Neubau ersetzt wurde. Das Gebäude setzt sich aus zwei Flügeln zusammen: dem Süd- und dem Ostflügel.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Ein Rathaus in Arnstadt wird erstmals 1347 genannt. Dieses brannte 1459 nieder und auch der Nachfolgebau von 1501 erlitt bei einem weiteren Schadensfeuer 1581 große Schäden. Die größte Zerstörung erfolgte wohl im Ostflügel. Der Wiederauf- und Neubau erfolgte 1582-1586 nach Plänen des Baumeisters und zweiten Bürgermeisters Christoph Junghans. Er prägte die Erscheinung des Rathauses bis heute. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Fassaden mit antiken Kaisern und Allegorien bemalt. Nichts davon hat sich erhalten. 1753 legte man eine große Freitreppe an der Südseite des Ostflügels nieder, die einen Großen Saal im Ostflügel erschlossen hatte, und nahm kleinere Veränderungen im Inneren und an den Fassaden vor. Tiefgreifende Umbauten fanden 1826-28, 1897 und 1914 statt. Von 2003 bis 2010 wurde das Rathaus umfassend saniert und aktuellen Bedürfnissen angepasst.[2]

Beschreibung

Das Rathaus setzt sich aus zwei im rechten Winkel zueinanderstehenden Flügeln zusammen: dem von Nord nach Süd reichenden zweigeschossigen Ostflügel sowie dem im Westen angesetzten bei gleicher Höhe dreigeschossigen Südflügel. In die Ecke wurde Anfang des 21. Jahrhunderts ein moderner gläserner Eingangsbereich mit vertikaler Erschließung gesetzt. Der Südflügel hat ein Satteldach mit drei Zwerchhäusern an der Ostseite. Auch der Südflügel hat ein Satteldach. Ein großer Giebel an seiner Westseite korrespondiert mit dem des Ostflügels. Nach Norden verfügt er über drei Zwerchhäuser. An der Ostseite des Ostflügels deuten fünf große Fenster an, dass sich im Obergeschoss ehemals ein großer Saal befand. Vor dem Südgiebel erschloss bis 1752 eine doppelläufige Freitreppe diesen Saal, der das ganze Geschoss umfasste. Hier befindet sich heute ein Balkon. Im 17. und 18. Jahrhundert diente das Erdgeschoss des Ostflügels mit Brot- und Fleischbänken sowie der Stadtwaage dem Handel. Das Obergeschoss nahm den Ratssaal auf. Das Erdgeschoss des Südflügels diente komplett als Ratskeller. Im ersten Obergeschoss lagen Dienst- und Verwaltungsräume wie etwa die so genannte Große Audienz, in der die Ratsmitglieder tagten, oder die Kämmerei. Im zweiten Obergeschoss befanden sich Stuben und ein Schüttboden.[3]

Die Obergeschossdiele

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Obergeschossdiele geht auf den Wiederaufbau 1582-1586 zurück. Diese reichte damals noch von der südlichen bis zur nördlichen Außenwand. Der Unterzug mit der Stütze stammt aus dieser Zeit. Um 1700 erfolgte eine Umgestaltung der Diele. Aus dieser Zeit haben sich Malereireste an der Südwand erhalten. Mitte des 18. Jahrhunderts kam an die Nordseite der Diele eine Erschließungstreppe vom Erdgeschoss hinzu und der Raum selbst wurde verkleinert. 1892 gestaltete man die Diele im Rahmen der Umbauten im Südflügel erneut um. Die Treppe wurde 1897 bis in das zweite Obergeschoss fortgeführt. Die heute bestehende Raumstruktur des Geschosses ist damals entstanden. 1902 wurde die Diele neugestaltet. Im Rahmen der Sanierung des Rathauses von 2003 bis 2010 wurde auch die Diele überholt.[4]

Beschreibung

Die Obergeschossdiele nimmt heute abzüglich zweier Räume im nordwestlichen Bereich den Nordteil vom ersten Obergeschoss des Südflügels ein. Sie ist durch einen gestützten Unterzug zweigeteilt. Im Nordosten befindet sich eine Treppe. Hinter dieser geben zwei Fenster dem Raum Licht. Von der Diele aus gelangt man im Osten in den Ratssaal, nach Süden in das Bürgermeisterzimmer (ehemals die sog. „Zehndstube“) und zwei weitere Räume sowie im Norden ebenfalls in zwei kleine Nebenzimmer, die ehemals der Registratur dienten. Das Bürgermeisterzimmer erhielt im 20. Jahrhundert als Eingangsschmuck ein Renaissanceportal unbekannter Herkunft, das nach der Entdeckung der Wandmalerei 2010 als Schmuck vor die Tür zum Sekretariat gesetzt wurde. Hier hatte es bereits vor 1902 gestanden.[5]

Die Wandmalereireste in der Obergeschossdiele

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei an der Südwand ist Ende des 17. Jahrhunderts bzw. um 1700 entstanden. 1907 wurde die Malerei um den Eingang durch ein hölzernes Renaissanceprotal verdeckt, das man hierher versetzt hatte, bzw. überstrichen. Im Rahmen der Sanierung bis 2010 wurden die Malereien wiederentdeckt, freigelegt, restauriert und ergänzt. Das Renaissanceportal wurde versetzt. Unter der Malerei von ca. 1700 befindet sich eine ältere frühere Fassung.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Die Malerei um die Tür fingiert ein Wappenportal. Rechts neben der Tür steht ein Trabant in Gestalt eines Pikeniers auf einem eigenen gemalten Podest.

Das Wappenportal
 

Beschreibung und Ikonographie

Die Malerei des Portals imitiert grauen Marmor. Schwere schmucklose marmorierte Lisenen mit breitem Randstrich flankieren den Zugang. Sie tragen eine Verdachung, die mit bedeutend üppiger gestaltet wurde. In der Mitte ist in Farbe der schwarze Adler auf goldenem Grund des Arnstädter Stadtwappens gemalt. Er wird in einer Kartusche, die mit Laubwerk und einer Muschel geziert ist, präsentiert. Zu beiden Seiten sind Voluten gemalt, hinter denen Putten stehen. Diese verkünden jeweils mit einer roten Posaune gleich Fama den Ruhm der Stadt Arnstadt. Im Gesims über der Tür befindet sich ein erläuternder Schriftzug: „Curia curarum Domus est Sentina laborum Res curis Curas publica mulitplicat.”

Der Trabant
 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei war stark beschädigt. Vor allem der Bereich von Kopf und Bart musste fast komplett neu geschaffen werden.

Beschreibung und Ikonographie

Der Trabant steht breitbeinig auf einer grauen Platte und hält eine Hellebarde in seiner erhobenen linken Hand. Seine rechte hat er selbstbewusst in die Hüfte gestemmt. Er trägt die um 1700 schon veraltete Tracht eines Landsknechts.

Verlorene Wandmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Rathaus war ehemals bei weitem üppiger ausgemalt als heute. Während der Sanierung konnten bis 2010 verschiedene ältere Raumfassungen des 16. bis 19. Jahrhunderts partiell freigelegt und dokumentiert werden. Anschließend wurden sie substanzschonend abgedeckt. Die Reste sind so gering, dass eine ikonografische Bestimmung unmöglich ist.[7]

Beschreibung und Ikonographie

Aus der Zeit zwischen 1660 und 1684 ist in mehreren Innenräumen Wandmalerei nachgewiesen. Für 1660 ist das Bildprogramm der so. „Zehndstube“ belegt. Zum landesherrlichen und städtischen Wappen kam eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. Erhalten hat sich nichts davon.[8]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. 2. Aufl. München/Berlin 2003.
  • Gröschner, Entwicklung, 2010. – Gröschner, Veit: Die baugeschichtliche Entwicklung des Rathauses in Arnstadt, in: Sperl, Dina D. (Red.): Das Rathaus zu Arnstadt. Ausdruck bürgerlicher Identität. Arnstadt 2010, S. 28-85.
  • Gröschner, Rathaus, 2010. – Gröschner, Veit: Bürgerliche Macht und Repräsentation – Das Rathaus. in: Sperl, Dina D. (Red.): Das Rathaus zu Arnstadt. Ausdruck bürgerlicher Identität. Arnstadt 2010, S. 12-27.
  • Sperl, Rathaus, 2010. – Sperl, Dina D. (Red.): Das Rathaus zu Arnstadt. Ausdruck bürgerlicher Identität. Arnstadt 2010.
  • Winkelmann, Sanierung, 2010. – Winkelmann, Dietmar: Die Sanierung des Rathauses und neue Architektur im historischen Kontext, in: Sperl, Dina D. (Red.): Das Rathaus zu Arnstadt. Ausdruck bürgerlicher Identität. Arnstadt 2010, S. 104-115.

Einzelnachweise

  1. Sperl, Rathaus, 2010; Dehio, Thüringen, 2003, S. 57-58.
  2. Gröschner, Rathaus, 2010, S. 13; Gröschner, Entwicklung, 2010, S. 34-41, 69-74; Dehio, Thüringen, 2003, S. 57-58.
  3. Gröschner, Entwicklung, 2010, S. 60-61, 66-67, 73.
  4. Gröschner, Entwicklung, 2010, S. 41, 61, 67, 69-70, 75; Winkelmann, Sanierung, 2010, S. 113-114.
  5. Gröschner, Entwicklung, 2010, S. 67; Winkelmann, Sanierung, 2010, S. 114.
  6. Gröschner, Entwicklung, 2010, S. 68; Winkelmann, Sanierung, 2010, S. 113-114.
  7. Gröschner, Entwicklung, 2010, S. 62; Winkelmann, Sanierung, 2010, S. 113.
  8. Gröschner, Entwicklung, 2010, S. 38, 69.