Altenburg, Lusthaus Teehaus
Inventarnummer: cbdd10217
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
Das sog. Teehaus wurde zwischen 1710 und 1712 erbaut. Es nimmt einen großen Saal mit einem vielfigurigen Deckengemälde von Carlo Ludovico Castelli aus dem Winterhalbjahr 1711/12 auf. Hinzu kommen sechs weitere kleine Deckenbilder Castellis, die das Hauptbild ergänzen.
Das so genannte Teehaus im Altenburger Schlosspark
Kurzbeschreibung und Lage
Das so genannte Teehaus im Altenburger Schlossgarten steht am höchsten Punkt des Altenburger Schlossgartens, ca. 150 Meter östlich des Residenzschlosses. Das zweigeschossige Gebäude ist Bestandteil eines Ensembles von Lust- und Orangeriebauten. Es birgt im ersten Obergeschoss lediglich einen großen Saal, der über Freitreppen erreicht wird.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Teehaus[1] wurde zwischen 1710 und 1712 im Auftrag von Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg nach Plänen des Zeitzer Landbaumeister Johann Heinrich Gengenbach errichtet. 1711 wurde es von Domenico Castelli ausstuckiert und 1711/12 mit Deckengemälden versehen. Die Inneneinrichtung zog sich bis über 1714 hinaus hin. Der Name Teehaus ist nicht die Bezeichnung des 18. Jahrhunderts – damals wurde das Gebäude als Lusthaus bezeichnet. Seit den 1990er Jahren stand das Gebäude leer. Von 2006 bis 2012 wurde es saniert.
Auftraggeber
Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg[2] herrschte von 1693 bis 1732 über das Doppelherzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg. In seiner Regierungszeit baute die Schulden des Landes ab, förderte die Wirtschaft und ließ zahlreiche Schlösser um- und ausbauen. Die Residenzschlösser in Gotha und Altenburg wurden modernisiert, wobei das Corps de logis in Altenburg nahezu einem Neubau gleichkam. Die Ausstattung der Innenräume wurde auf einen modernen Stand gebracht. Oft zierten Deckengemälde die wichtigsten Räume. Der Herzog ließ Jagd- und Lustschlösser umgestalteten und aufwendige Gärten anlegen. 1696 heiratete er Magdalena Augusta von Anhalt-Zerbst.
Künstler
Über den Maler Carlo Ludovico Castelli[3] ist wenig bekannt. Er wurde 1671 geboren und ist 1738 verstorben. Eine Monografie zu seiner Person steht bislang aus. Er entstammte der Castelli-Linie aus Melide, deren Mitglieder überwiegend als Stuckateure tätig waren. Er arbeitete u.a. 1694 in Bamberg, 1704-15 in Schloss Saalfeld, 1707-09 in Diez, 1711-12 in Altenburg, wo er auch im Residenzschloss tätig war, 1715-19 in Kassel, 1720 in Erfurt, 1721-22 in Schloss Arolsen, 1727-31 im Aachener Rathaus. Seine Arbeit in Altenburg gehört also zu seinen frühen Arbeiten. Er arbeite überwiegend in Öl und schuf wohl keine Fresken.
Beschreibung
Das sogenannte Teehaus[4] war eines von mehreren Lusthäusern im Altenburger Schlossgarten. Da der Garten nicht direkt am Residenzschloss lag, benötigte er eigene größere Bauten für den Aufenthalt der höfischen Gesellschaft. Das Teehaus schloss direkt an eine Orangerie an. Hinzu kam in unmittelbarer Nähe ein Ballhaus.
Das zweigeschossige, annährend quadratische Teehaus nimmt im Obergeschoss nur einen großen Festsaal auf und stellte den architektonischen und funktionalen Bezugspunkt zum Lustgarten dar. Es öffnet sich im Erdgeschoss mit hohen Arkaden in den Garten und zeigt eine Bänderrustika. Das Obergeschoss ist aufwendiger gestaltet und hat bis zum Boden reichende Rundbogenfenster, womit die Arkaden formal aufgenommen werden. Der Zugang zum Hauptsaal im Obergeschoss von Norden und Süden erfolgte über zwei an der Westseite beginnende Freitreppen. Diese dem Residenzschloss zugewandte Seite ist die eigentliche Fassade. Das Gebäude ist von außen bis auf die Freitreppen symmetrisch gestaltet und stellt sich als ein Kreuz dar, dessen Arme jeweils nur eine Fensterachse tief, aber drei Fensterachsen breit sind.
Der Hauptsaal
Beschreibung
Das gesamte Obergeschoss des Teehauses wird von einem einzigen 172 Quadratmeter großen Saal[5] eingenommen. Er ist von Nord nach Süd zwischen den beiden Zugängen angeordnet. Die Kreuzarme im Osten und Westen sind als offene Seitenschiffe dem Hauptsaal zugeordnet. Der Hauptraum misst dabei 13,63 auf 9,24 Meter und ist 5,85 Meter hoch, die Seitenräume messen 2,25 bzw. 2,35 auf 7,70 Meter und haben nur eine Höhe von 4,40 Metern. Die tatsächliche Kreuzform des Raumes ist damit faktisch nicht wahrnehmbar.
Die Außenwände des Saals sind fast komplett in Fenster aufgelöst, sodass der Raum hell und lichtdurchflutet ist. Die Wände selbst sind von erdig-ockerfarbenem Stuckmarmor und werden den Fensterachsen folgend in jedem Register durch eine umfassende Lisene gegliedert. Die Seitenschiffe sind durch einen Unterzug auf je zwei grau-ocker marmorierten korinthischen Säulen optisch abgetrennt. Die weißen umfassenden Lisenen tragen ein Gesims und leiten optisch zum ebenfalls weißen Deckenstuck über. Der Boden war ehemals mit „Alabaster Platten“ ausgelegt. In der Mitte des Saales stand eine große Tafel. Ferner gab es zwei kleine Tische und acht Stühle.
Die Decke des Mittelraums
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke erhielt 1711/12 fünf Deckengemälde von Carlo Ludovico Castelli. Den Stuck schuf Domenico Castelli.[6]
Beschreibung und Ikonographie
Der Mittelraum wird von einem Spiegelgewölbe[7] abgeschlossen. Das Zentrum nimmt ein Deckengemälde ein. Vier weitere kleine befinden sich an jeder Seite in der Mitte der Voute. Stuckierter floraler Schmuck, Muschelkartuschen und Blumenvasen schmücken die Voute. Hinzu kommen zehn vollplastische Putten. An den Langseiten tragen sie beiderseits der Gemäldes Herzogshüte, in den Ecken der Decke aber acht Wappenschilde, die zusammen das Wappen des Auftraggebers Herzog Friedrich II. bilden. Auf ihn ist die Decke also zu beziehen. Der Deckenplafond um das Gemälde zeigt symmetrisch angeordnet ebenfalls Vasen und Floralornamente sowie Stuckprofile.
Das Hauptbild
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckenbild[8] wurde 1711/12 von Carlo Ludovico Castelli secco gemalt, obwohl es in den Akten als Fresko bezeichnet wird. Die Malerei erfolgte auf einem geglätteten Unterputz auf Schilfrohrgeflecht. Als Bindemittel wurde wohl Kasein verwendet. Die deckende Malweise wurde dünnschichtig ausgeführt und nur kleine Details pastos aufgetragen. Teile des Gemäldes wurden nach 1945 restauriert und größere Risse gekittet und Fehlstellen retuschiert. Es sind Malschichtverluste zu beklagen. Das macht auch ein Vergleich der Dias von 1941/43 und heute (2019) deutlich. Eine erneute Restaurierung erfolgte im Rahmen der Sanierung bis 2012.
Beschreibung und Ikonographie
Das vielfigurige Deckenbild[9] ist bislang ikonografisch nicht entschlüsselt. Tolksdorf deutete es 1984 als eine Allegorie auf die Fruchtbarkeit bzw. den Gartenbau. Auch eine Darstellung der Jahreszeiten wäre möglich. Eine Interpretation als Versammlung der Musen wurde verworfen. Ebenso erscheint eine Versammlung der Tugenden aufgrund mangelnder Attribute als unwahrscheinlich.
Auf Wolken lagern zehn Frauen, die fast alle Blumengirlanden oder Blumen- bzw. Fruchtkörbe tragen. Hinzu kommen Ölzweige. Dazwischen tummeln sich zahlreiche Putten. An der Spitze der weitgehend symmetrischen Komposition thront eine Frau mit Sonnenzepter in ihrer rechten Hand. Mit der linken schüttet sie Wasser aus einer Gießkanne aus und sorgt so für das lebenspendende Nass. Unten sitzt vor der Gruppe eine Frau mit Lyra, die den Berichter direkt anblickt. Sie ist in die Handlung des Bildes nicht eingebunden. Ein erklärendes Schriftband ist leider teilzerstrört, sodass nur noch „IVCVNDISSIMA HOEC ABA[...]“ zu lesen ist. So bleibt leider im Dunkel, was das Entzücken verursacht.
Wenn man die Frauen mit Blumengirlanden im unteren Bereich als assistierende Gruppe zusammenfasst, bleiben vier lagernde Frauen übrig, die als Personifikationen der Jahreszeiten verstanden werden können. Die linke ist mit Laub und Weintrauben bekränzt und hat einen Obstkorb. Es könnte sich um den Herbst handeln. Die nächste weiter rechts trägt Blumen im Haar und einen hält einen Blumenkorb, womit sie für den Frühling stünde. Die Frau rechts der Mitte trägt einen Ährenkranz und wäre als Sommer zu deuten. Ganz rechts wäre der Winter mit einer Frau zu identifizieren, die ihre Haare unter einem Tuch verborgen hat und einen Korb mit Blattwerk und Feldfrüchten bei sich hat, aber keine Blumen.
Vorlagen und Vergleiche
Einige der lagernden Figuren verwendete Castelli auch im Residenzschloss in Arolsen, und zwar zur Darstellung von Jahreszeiten.[10] Die Rückenfigur im Vordergrund geht auf die Bildfindung von David Klöcker-Ehrenstral im Riddarhuset von Stockholm 1670/75 zurück, die durch einen Stich von Georg Christoph Emmart allgemein Verbreitung fand.
Zahlreiche Figuren wie etwa die Leierspielerin im Vordergrund gehen auf ein Fresko von Andrea Sacchi im Palazzo Barberini in, das die Göttliche Weisheit darstellt. Das Werk wurde öfters kopiert und Castelli muss nicht in Rom gewesen sein, um von diesem Werk inspiriert worden zu sein.
Die vier Nebenbilder
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die vier Nebenbilder in der Voute stammen ebenfalls von Castelli und wurden gleichfalls in secco auf den Putz aufgetragen.[11]
Beschreibung und Ikonographie
Die vier Malereien beziehen sich auf das Hauptbild und zeigen jeweils drei Putten bzw. Genien vor einem Wolkenhimmel mit Blumen- und Fruchtgirlanden bzw. -körben.[12]
Die Decke im östlichen Annex
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke wurde von Domenico Castelli stuckiert.
Beschreibung und Ikonographie
Ein Rahmen mit floralem Stuck und Adlern spart im Spiegel drei Felder aus, von denen das mittlere eine Malerei aufnimmt. Er gleicht dem Rahmen im westlichen Annex.
Das Deckengemälde
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckenbild stammt ebenfalls von Castelli und wurde gleichfalls in secco auf den Putz aufgetragen.[11]
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei bezieht sich auf das Hauptgemälde und zeigt drei Putten vor einem Wolkenhimmel mit einer Blumengirlande.
Die Decke im westlichen Annex
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke wurde von Domenico Castelli stuckiert.
Beschreibung und Ikonographie
Ein Rahmen mit floralem Stuck und Adlern spart im Spiegel drei Felder aus, von denen das mittlere eine Malerei aufnimmt. Die Decke gleicht der im östlichen Annex.
Das Deckengemälde
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckenbild stammt ebenfalls von Castelli und wurde gleichfalls in secco auf den Putz aufgetragen.[11]
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei bezieht sich auf das Hauptgemälde. Zwei Putten vor einem Wolkenhimmel halten eine Blumengirlande. Eine dritte mit Bogen und Köcher wendet sich ab. Es könnte sich um Amor handeln.
Bibliographie
- Literatur:
- Berg/Wagner, Malerei, 2013. – Berg, Corinna/Wagner, Uwe: Einflüsse italienischer Malkunst auf die Entwicklung der barocken Malerei in Thüringen. In: Aus der Arbeit des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, NF 44 (2013), S. 84-98.
- Bieri, Castelli, 2020. – Bieri, Pius: Die Castelli aus Melide und Bissone Ausgabe 19.02.20, S. 11-12, in: www.sueddeutscher-barock.ch.
- Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. 2. Aufl. München/Berlin 2003.
- Facius, Friedrich II., 1932. – Facius, Friedrich: Staat, Verwaltung und Wirtschaft in Sachsen-Gotha unter Herzog Friedrich II. (1691-1732). Eine Studie zur Geschichte des Barockfürstentums in Thüringen (Mitteilungen des Vereins für Gothaische Geschichte und Altertumforschung e.V. Beiheft zum Jahrgang 1932 und 1933). Gotha 1932.
- Gillmeister, Teehaus, 2010. – Gillmeister, Uwe: Die Treppe der Orangerie. Geschichte von Teehaus und Orangerie im Altenburger Schlossgarten. Altenburg 2010.
- Huschke, Ernestiner, 1982. – Huschke, Wolfgang: Politische Geschichte von 1572 bis 1775 I. Die Ernestiner. In: Patze, Hans/Schlesinger, Walter (Hrsg.): Geschichte Thüringens, Bd. 5. Tl. 1 (Mitteldeutsche Forschungen 45/V/1/1). Köln/Wien 1982.
- Künzl, Schloßgarten, 1993. – Künzl, Uta: Archivalische Fakten zu ausgewählten Bauwerken im Altenburger Schloßgarten. In: 400 Jahre Schloßpark Altenburg (Altenburgica 2). Altenburg 1993, S. 19-25.
- Laß, Lustschlösser, 2006. – Laß, Heiko: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben. Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Petersberg 2006.
- Tolksdorf, Monumentalmalerei, 1984. – Tolksdorf, Heike: Zur Monumentalmalerei des Barock in Thüringen. Dissertation zur Promotion A; Karl-Marx-Universität Leipzig, Sektion Kultur- und Kunstwissenschaften, Lehrstuhl Kunstgeschichte. Leipzig 1984.
- Archivalien:
- Keilwerth, Teehaus, 2006. – Stephan Keilwerth: Untersuchungs- und Maßnahmenbericht der Innenraumfassung und Deckengemälde im Festsaal des Teehauses Altenburg. 2006. In: Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [77.001-0014]. Altenburg Schlosspark. Orangerie, Teehaus. Dokumentationen Bd., I 1983-2006.
Einzelnachweise
- ↑ Berg/Wagner, Malerei, 2013, S. 86-87; Gillmeister, Teehaus, 2010, S. 33- 38; Keilwerth, Teehaus, 2006; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 408-409; Dehio, Thüringen, 2003, S. 28; Künzl, Schloßgarten, 1993, S. 19, 21; Tolksdorf, Monumentalmalerei, 1984, S. 43-44.
- ↑ Laß, Lustschlösser, 2006, S. 241-246; Huschke, Ernestiner, 1982, S. 398-427; Facius, Friedrich II., 1932.
- ↑ Bieri, Castelli, 2020, S. 11-12.
- ↑ Laß, 2006, S. 408-409; Künzl, Schloßgarten, 1993, S. 21-24.
- ↑ Keilwerth, Teehaus, 2006, S. 6; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 408; Künzl, Schloßgarten, 1993, S. 19-24.
- ↑ Künzl, Schloßgarten, 1993, S. 19.
- ↑ Gillmeister, Teehaus, 2010, S. 168; Tolksdorf, Monumentalmalerei, 1984, S. 43.
- ↑ Gillmeister, Teehaus, 2010, S. 164-169; Keilwerth, Teehaus, 2006, S. 9-15.
- ↑ Berg/Wagner, Malerei, 2013, S. 86-87; Gillmeister, Teehaus, 2010, S. 164-169; Tolksdorf, Monumentalmalerei, 1984, S. 43.
- ↑ Gillmeister, Teehaus, 2010, S. 166.
- ↑ 11,0 11,1 11,2 Gillmeister, Teehaus, 2010, S. 34.
- ↑ Tolksdorf, Monumentalmalerei, 1984, S. 44.