Altötting, Ehem. Jesuitenkolleg, Kongregationssaal


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 9: Landkreis Altötting. Hirmer, München 2003, ISBN 978-3-7774-9690-0, S. 22–23, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Teilweise noch vorhandene Gemäldeausstattung aus der Barockzeit: Kongregationssaal, sog. Josephisaal

Zum Bauwerk: Der Kongregationssaal grenzt im N an die Kirche. Er wurde unmittelbar vor dem Kirchenneubau 1696 erbaut. Er war ab 1615 Versammlungs- und Andachtsraum für die 1599 gegründete Marianische Kongregation, wurde aber auch zu Theateraufführungen und Festen benutzt. Der Saal (21×13 m, Höhe 7,30 m) von doppelter Stockwerkshöhe im zweiten und dritten Obergeschoß des dreistöckigen Gebäudes. Ursprünglich hatte er eine hölzerne Flachdecke. Die Wandfelder – oval und rechteckig – an der Nord- und Südseite zeigen Bilderzyklen.

Auftraggeber: Der Rektor des Jesuitenkollegs, P. Jacobus Prugger, unter finanzieller Beteiligung von Mitgliedern der Kongregation, wie Wening bemerkt: »aus Gutthätigkeit etlicher Particular-Personen von Grund auf erbaut«.

Autor und Entstehungszeit: Der Zyklus »Marianisches Vertrauen« ist ins erste Jahrzehnt des 18. Jh. zu datieren. Möglicherweise ist der 1705/21 in Altötting ansässige Maler Joseph Paur sein Autor (vgl. Antependien in Feichten).

Das ehemalige Altargemälde Mariä Verkündigung hängt jetzt im Stuckrahmen über der Sakristeitür; über der Eingangstür hängt ein Ölgemälde mit der Darstellung des hl. Joseph. Beide Gemälde sind Franz Joseph Lederer zuzuschreiben.

Befund

Rahmen: Die Bilder sind in die Stuckdekoration eingelassen. Technik: Öl auf Leinwand, polychrom.

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Der Saal wurde 1869/71 auf Kosten der ehemaligen Jesuitenbibliothek um die Hohlkehle erhöht und erhielt ein Deckengemälde von Franz Xaver Zimmer aus Wurmannsquick. 1917 wurden Hohlkehle und Decke von Vitzthum-Schlee, Altötting, zusätzlich mit Dekorationsmalerei geschmückt. 1863/64 brachte der Maler Dehm in den oberen ovalen Stuckmedaillons der Wände einen Josephszyklus in Ölmalerei an. Zu eventuell darunterliegenden Bildern gibt es keine Befunde. Bei der Restaurierung 1983/84 wurde in den rechteckigen Stuckfeldern unterhalb der Ovalbilder die ursprüngliche Reihe von Öl/ Leinwandgemälden wieder angebracht (Zyklus »Marianisches Vertrauen«). Bei dieser Gelegenheit wurde weiter unten an den Wänden ein barocker Freskenzyklus mit Putten aufgedeckt, bei dem aber die barocke Substanz weitgehend zerstört ist.

Rekonstruktion der Ausmalung

Josephszyklus: In Wenings Beschreibung ist von einer Stuckdekoration, von Gemälden an Mauer und Wänden die Rede und von einem Josephszyklus: »Das schöne Gebäu stehet in

zwey Gaden abgetheilet / und gibt / wegen der hipschen Ordnung dem Platz der heiligen Capellen nit ein geringe Zierd Inwendig ist es allenthalben mit Gipswerck sauber ausgeziehrt, dessen Maur und Wendten die Sinnreiche bilder / so das Leben des H. Nähr-Vatters Christi zierlich vorstellen / und ni weniger zur Erweckung der Andacht christlicher Hertzen dienen.«. Der Josephszyklus befand sich vermutlich in den guerovalen Wandfeldern.

Zyklus »Marianisches Vertrauen«: Erhalten hat sich ein Gemäldezyklus an den Wänden; Abfolge an der S-Seite von W nach O, an der N-Seite von O nach W.

Quellen und Literatur

Marianische Lebenswerte. Bilderzyklus im Kongregationssaal Altötting, Broschüre (o.O., o.J.)