Ainhofen, Filial- und Wallfahrtskirche Mariä Empfängnis


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 5: Landkreis Dachau. Hirmer, München 1996, ISBN 978-3-7774-6320-9, S. 19–23, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filial- und Wallfahrtskirche, Pfarrei Langenpettenbach, Gemeinde Markt Indersdorf, Erzdiözese München und Freising. Ainhofen war ursprünglich Pfarrkirche, war aber später mit Langenpettenbach zusammengelegt worden. Die Pfarrei Langenpettenbach war dem Augustiner-Chorherrenstift Indersdorf inkorporiert. Ainhofen gehörte zur Fürstbischöflich Freisingischen Hofmark Massenhausen. Gericht Kranzberg

Patrozinium: Mariä Empfängnis

Zum Bauwerk: Mittelalterlicher Bau. Die Verlängerung des LHs nach W um 18 Schuh war schon 1668 geplant, wurde aber erst 1682 durch den Maurermeister Hans Schneider von Sielenbach durchgeführt (Konsens aus Freising am 12.5.1682). Am 3.3.1687 gab Freising die Zustimmung, »den Chor, so mit dem ybrigen Theill der Khirchen gar khein Proportion hat, vermög Yberschlag in etwas höchers führen: auch liecht: und sauberer richten zu lassen«. Der Chor wurde vergrößert, erhöht und neu gewölbt. 1717 Barockisierung des Innern, Ausbrechen bzw. Vergrößern der Fenster, Einziehen einer neuen LHs-Decke und Stuckierung. Am 22.2.1717 bat der Pfarrvikar Haller in Freising um die Erlaubnis, »2 neue Altar, sambt einer Canzl, dan neue Kürchenstüell, item 6 grosse Fenster mit 4 Rundeln in den Langhaus, und das zermoderte Tabulat auf dem Chor in ersagten Langhaus und der Porkürchen vom Stuckhador verförttigen ... zulassen«.

Einfacher Saal mit tiefer W-Empore, Belichtung von N und S. AR von fast gleicher Breite, ein Vorjoch, zwei Joche, dreiseitiger Schluß; Pilastergliederung. Belichtung von N und S im östlichen Joch und durch zwei Fenster im Chorschluß.

Auftraggeber: 1716–21 betreute der Indersdorfer Konventuale P. Dominikus Haller Ainhofen. »Gleich das andere Jahr darauf als anno 1717 fangte er an die Kirche zu reparieren, dan er liesse machen in dem Langhaus 110 in den Chor aber 21 zusamen 131 Still so 83f. 20×. gekostet item so liesse er richten die Kürchen wie es ieziger Zeit zu sehen nemblich mit Stokhedor und Mallerey sambt andern ausmachen welches alles gekostet 717f. 26 ×. laut der Kürchenrechnung des selbigen Jahres« (AEM, PB 132). »1718 hat er machen lassen

Johann Degler, Mariä Heimsuchung, Hochaltargemälde in Rohrdorf be Rosenheim, 1713

Photographische Aufnahme: Kunstreferat des Erzbistums München und Freising

das Crucifix sambt der schmerzhafften Muetter so gecost 24f:«. Den Nikolausaltar (70 fl.) und das Kirchenpflaster (weiß, 142 fl.) ließ Haller 1719 machen, 1720 den Anna-Altar (70 fl.) und die Kanzel (50 fl.).

Propst von Indersdorf und damit Inhaber der Pfarrei Langenpettenbach war z. Z. der Ausstattung Ainhofens Georg Rie-

Zinger (1704-21). Pfleger der Fürstbischöflich Freisingischen Hofmark Massenhausen war Johann Georg Graf von Königsfeld (1717-37), der genehmigte, dass die Bausumme von 700-800 fl. aus dem Zechschrein Ainhofen genommen werden durfte.

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Benedikt Dersch (* um 1686 Wolfratshausen † 1757 Freising) 1717.

Auf dem Hundehalsband in A finden sich die Initialen B. D. Sie verweisen auf Benedikt Dersch, einen aus Wolfratshauser stammenden Maler, der 1736 in Freising Bürger wurde, am 12. 12. 1737 die Malerwitwe Maria Katharina Deschler heiratete und am 6. 4. 1757 starb. Er war nicht nur in Freising, sondern auch für Kloster Indersdorf tätig (Werklisten s. Gruber, S. 366, und Georg Brenninger, Freisinger Künstler und Kunsthandwerker vor 1800, in: Freising, 1250 Jahre Geistliche Stadt I, Kat. 1989, S. 107).

Fresko B kopiert ein Altarbild Johann Deglers, das 1713 signierte Altarbild Mariä Heimsuchung in Rohrdorf, OB, LKr. Rosenheim. Der Vermutung, die Initialien B. D. könnten ursprünglich J. D. gelautet haben und die Fresken ein Werk Johann Deglers sein, hält die Qualität der Gemälde nicht stand. Wahrscheinlicher ist der Schluss, dass Benedikt Dersch als Freskomaler einem eigenen Entwurf nicht gewachsen war und, wie Franz Deschler in Straßbach (S. 253-61) und der Maler von Weichs (S. 290-300) auch, auf offenbar geschätzte und verbreitete Vorlagen Johann Deglers zurückgriff. Johann Degler, * 1669 in Vilnöß/Tirol, † 1729 in Kloster Tegernsee, war ein Schüler Andreas Wolfs und einer der Vertreter der »Münchner Schule« um 1700. (s. Elisabeth Herzog, Der Münchner Hofmaler Johann Degler, ungedr. Diss., München 1995).

Die Fresken in Ainhofen sind auch mit denen Johann Georg Lederers in der Frauenkapelle in Landshut/NB stilistisch verwandt, und es ist naheliegend, dass Dersch sich künstlerisch am Freisinger Hofmaler Lederer orientierte. Ein Altarblatt in Steinkirchen, LKr. Dachau, Steinigung des hl. Stephanus, signiert Benedikt Dersch 1724, fügt sich stilistisch und künstlerisch gut zu den Fresken in Ainhofen (AEM, Kunsttopographie Dekanat Dachau, bearbeitet von Georg Brenninger).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke, AR Stichkappentonne

Rahmen: Mit gegenständlichen Ornamentmotiven (Trauben, Blättern, Blumen) reich stuckierte Ovalrahmen

 
A Esther vor Ahasver
 
B Heimsuchung

Technik: Fresko mit Seccoübermalungen; polychrom Maße: A Höhe 5,55 m; 4,80 × 3,70 B Höhe 5,15 m; 3,20 × 2,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Als frühes Restaurierungsdatum ist 1875 überliefert; eine Restaurierung der Fresken fand 1942 statt, durch Josef Albrecht, München, anläßlich einer Gesamtrenovierung des Innenraums durch Fa. Otto Wimmer, München. Das Bild an der Emporenbrüstung (1941) trägt die Signatur Jos. Albrecht. Restaurierung der Einrichtung 1979 durch Johann Stachl. In A finden sich Übermalungen, Feuchtigkeitsflecken, ein großer Querriß, in B Übermalungen und Risse. Trotzdem ist die originale Farbsubstanz verhältnismäßig gut erhalten.

Beschreibung und Ikonographie

A ESTHER VOR AHASVER (Esth 5,1-3; 7,2-6) Einansichtige Szene, Aufnahmestandpunkt unter dem westlichen Bildrand, Ansicht nach O. – Bildschauplatz ist eine prächtig aufragende Palastarchitektur mit Draperie und Durchblicken. Die Szene spielt auf einer Treppenanlage, hinter der, bei tiefem Augenpunkt, der ›Boden‹ der Architektur in die Bildtiefe steil abfällt. – Die königlich geschmückte Esther mit ihrem Gefolge kniet vor dem Baldachinthron, auf dem erhöht Ahasver sitzt, der Turban mit Krone und pelzverbrämten Mantel trägt. Hinter dem König hängen Wappenschilde an der Wand, auf den Stufen stehen Krieger; links vorn sitzt ein Knabe mit Hund. Ahasver neigt sein Zepter gegen Esther, und aus seinem Mund kommt ein Schriftstrahl QVID VIS TIBI FIERI: Esther. 7 (Quae est petitio tua Esther ut detur tibi? et quid vis fieri? Esth 7,2).

B HEIMSUCHUNG (Lc 1,39-56) Einansichtige Darstellung, Aufnahmestandpunkt unter dem östlichen Bildrand. Das Bild ist in Blickrichtung vom Altar weg nach W zu betrachten, für ein AR-Fresko ungewöhnlich. Vom tiefliegenden Augenpunkt abgesehen kaum perspektivische Effekte. - Links im Bild ist vor einem in die Tiefe fluchtenden Palast ein Säulenportal zu sehen, unter dem Elisabeth, Zacharias und eine Magd Maria empfangen, die in Begleitung Josephs über Stufen herankommt. Rechts gibt das Bild Ausblick auf ferne Berge. Über der Szene schwebt in Wolken ein großer Engel, von vielen Putten mit Blumen und Blumengirlanden umgeben. Zwei davon halten über dem Haupt Mariens Lilie und Lilienkranz, die Symbole der Jungfräulichkeit. Darüber in einer Strahlenglorie der Hl. Geist in Gestalt einer Taube. Bei beiden Bildern dominiert Ocker als Farbe des architektonischen Schauplatzes. Die sparsam eingesetzten Buntfarben und Weiß in den Gewändern bleiben in die Gesamttonigkeit eingebunden.

C1-2 In der Chorbogenleibung befindet sich nördlich und südlich je ein Medaillon mit einem flammenden Herzen (keine Abbildungen).

C1 Herz Jesu (nördlich) Dornenumwundenes Herz, in den Flammen das Kreuz.

C2 Herz Mariens (südlich) Herz von Rosen bekränzt, in den Flammen das Schwert.

W1-4 MARIENEMBLEME An den LHs-Wänden befinden sich Stuckkartuschen mit Emblemen, die sich auf Maria beziehen. Bei W3 und W4, die sich im Emporenbereich befinden, sind die Bilder überstrichen und nur die Inschriften erhalten (keine Abbildungen).

W1 EN SPES DOMIBUS MARIA ORA PRO N.[obis] (Schau, Hoffnung den Häusern! Maria, bitte für uns). Aufgehende Sonne über einem Dorf.

W2 MEA GLORIA SPARGI EST (Mein Ruhm ist es, verschwendet zu werden). Brunnen mit drei Schalen. - Vor diesem Bild hängt heute ein großer Kruzifixus.

W3 ME SINE CESSAT OPUS (Ohne mich ruht das Werk).

W4 AD VOS QUIA PLENA OPIBUS VENIO (Ich komme zu euch, denn ich bin reich an Macht).

Das sehr kleine Gnadenbild im Hochaltar, eine thronende Madonna mit Kind aus der Mitte des 12. Jh., ist das älteste Gnadenbild in der Erzdiözese München und Freising; »klein an Materi, Form und Gestalt, ist es doch sehr groß an Tugenden und Wunderwirkhungen« (AEM). Eine Wallfahrt zu diesem Bild bestand wohl schon im 15. Jh.; es wird auch in P. Gumppenbergs »Marianischem Atlaß« von 1673 erwähnt. Zur Zeit der Umgestaltung der Kirche, 1717, erlebte die Wallfahrt ihre höchste Blüte. Hauptfest war Mariä Heimsuchung; an diesem Tag wurde ein Altar im Freien aufgestellt. Die Wallfahrt besteht auch heute noch.

A und die Embleme W1-4 beschäftigen sich mit der Gottesmutter als der Helferin der Bedrängten. Esther als Fürbitterin für ihr Volk, ein häufig gebrauchtes typologisches Vorbild Mariens, weist auf die Macht der Fürbitten der Gottesmutter bei Gott hin, auf die die Wallfahrer zum Gnadenbild vertrauen. Die aufgehende Sonne und der Brunnen sind häufig gebrauchte Sinnbilder für die Gnade Mariens.

Quellen und Literatur

StAM, LRA 34423. AEM, Pfarrakten Langenpettenbach: Pfarrbeschreibung; Pastoral- und Kultusgegenstände 1721–1883; Filiale Ainhofen 1672–1878. AEM, PB 132: Kurzer Bericht von Erbauung, Verbesserung, und Vermehrung des Gottesberaith des Gottshaus Ainhofen zusammengestragen Anno 1730. Gumppenberg, Wilhelm SJ, Marianischer Atlaß, Münchner 1673, Teil 4, S. 157. Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 388 Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 159. Historischer Atlas I, Bd 11/12 (Pankraz Fried), Münchner 1958, S. 202 f. Gruber, Max, Die Wallfahrtskirche in Ainhofen, in: Amperland 1, 1965, S. 13 f. Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 190. Kemp, S. 148 f. Dehio 1990, S. 5 Böck, Robert, Wallfahrt im Dachauer Land (= Kulturgeschichte des Dachauer Landes Bd 7, hg. im Auftrag des Museumsvereins Dachau e. V.), Dachau 1991, S. 76–80. A. B