Ahaus, Residenz und Jagdschloss

Laß, Heiko:Ahaus, Residenz- und Jagdschloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/93dbeab8-9942-490d-abeb-41a8fcbfc4c9

Inventarnummer: cbdd10171

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Schloss Ahaus diente als Residenz- und Jagdschloss des Fürstbistums Münster. Es wurde 1945 fast komplett zerstört. Die Themen der Gemälde in der Schlosskapelle sind aber bekannt.

Schloss Ahaus

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Schloss Ahaus[1] geht auf eine Anlage des Mittelalters zurück. 1406 gelangte sie an die Landesherrschaft, an Fürstbischof Otto IV. 1688 ließ Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg die immer wieder modernisierte Anlage abbrechen und an ihrer Stelle ein Wasserschloss nach Plänen von Ambrosius von Oelde erbauen. Baumeister war Johann Quinken/Quincken. 1690 war das Schloss vollendet, die Arbeiten an der Gesamtlage und dem Garten zogen sich bis 1718 über den Tod von Bauherrn und Architekten hinaus hin.

Schloss Ahaus wurde im Siebenjährigen Krieg beschädigt und anschließend durch Johann Conrad Schlaun 1765–67 für Fürstbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels an der Gartenseite durch einen Mittelrisalit mit Freitreppe ergänzt. Im Innern entstanden ein großer zentraler Gartensaal anstelle eines Treppenhauses sowie ein neues Treppenhaus im Südflügel.

Das Schloss diente den Fürstbischöfen von Münster als Residenz bzw. Sommerresidenz. Der Bauschmuck sowie die Ausstattung mit Stuck und Malerei nehmen immer wieder auf die Jagd Bezug und legen eine Nutzung auch als Jagdschloss nahe.

1803–11 diente Ahaus als Residenz der Fürsten von Salm-Kyrburg. Im 19. Jahrhundert kam in das Schloss dann eine Tabakfabrik. Der Graben um die Vorburg wurde 1887 zugeschüttet. Im März 1945 wurde Schloss Ahaus nahezu vollständig zerstört. Bis 1952 erfolgte der weitgehende Wiederaufbau und anschließend die Nutzung als Kreisberufsschule.

Auftraggeber

Das Schloss wurde im Auftrag der Fürstbischöfe von Münster erbaut und diente oft als Residenz, da es in Münster selbst bis 1767/87 kein Residenzschloss gab.

Architekten, Künstler

Ambrosius von Oelde[2] gehört zusammen mit Johann Conrad Schlaun zu den bedeutendsten Architekten Westfalens in der Frühen Neuzeit. Er war Kapuzinerbruder und wurde als Baumeister für zahlreiche westfälische Adlige sowie Fürstbischöfe von Münster und Paderborn tätig. Neben Schloss Ahaus wurden nach seinen Entwürfen u.a. die Häuser in Wehrden (Weser), Bisperode, Löwendorf und Oberwerries erbaut. Auch die Klosterkirche in Rüthen stammt von ihm und wohl auch das Residenzschloss bzw. Kloster in Corvey, das ihm zugeschrieben wird.

Johann Conrad Schlaun[3] war Militär in den Fürstbistümern Paderborn und Münster und wurde 1729 Landbauingenieur im Fürstbistum Münster. Neben staatlichen Bauaufgaben wie dem Jagdschloss Clemenswerth schuf er zahlreiche Adelsbauten in Paderborn und Münster, wie den Erbdrostenhof oder Haus Beck, aber auch Sakralbauten, wie das Benediktinerkloster in Bad Iburg.

Deckengemälde sind in Ahaus vom münsterschen Hofmaler Engelbert Ernst Witte[4] nachgewiesen. Erhalten sind von ihm qualitätsvolle Deckengemälde in Haus Nordkirchen.

Beschreibung

Schloss Ahaus[5] setzt sich aus einer Vorburg und dem eigentlichen Schloss zusammen. Beide waren ehemals von Gräben umgeben, heute ist nur der Schlossgraben erhalten. Die Anlage ist in Backstein errichtet mit Gliederungs- und Zierelementen von Sandstein. Sie ist axialsymmetrisch gestaltet. Durch einen mittigen Torbau wir die Vorburg betreten. Die rechteckige Schlossinsel ist an den Ecken mit kleinen Türmen besetzt und wird über eine Brücke erreicht. Die Kellerfenster dieser Pavillons sind gegen den Graben als Schießscharten ausgebildet, wie es typisch für feste Schlösser und Jagdschlösser war.

Das Hauptgebäude steht vom Typus her zwischen einem Subordinierten Schloss und einer Dreiflügelanlage. Ein eingeschossiger Eingangsflügel eröffnet den Zugang in den Hof. Dem zweigeschossigen Hautflügel entsprechen dreigeschossige turmartige Pavillons rechts und links ein wenig hinter dem Eingangsflügel. Sie sind mit ebenfalls zweigeschossigen, aber bedeutend niedrigeren Seitenflügeln an den Hauptflügel verbunden. Das Eingangsportal ziert ein Jagdrelief.

Die ursprüngliche Verteilung der Innenräume kann aufgrund späterer baulicher Veränderungen und Zerstörungen nicht genau angegeben werden. Nach den Umbauten Schlauns befand sich in der Mittelachse ein Gartensaal. Das Haupttreppenhaus war in den Südflügel gekommen. Die Repräsentations- und Wohnräume nahm der Nordflügel auf, ihre konkrete Verteilung ist weitgehend unbekannt. Im Obergeschoss gab es eine Kammerkapelle (neben dem landesherrliches Schlafzimmer), die bereits zu Lebzeiten von Friedrich Christian von Plettenberg vollendet war sowie eine Schlosskapelle im nördlichen Pavillonturm, die erst nach seinem Tod fertiggestellt wurde. Nach den Umbauten von Schlaun gab es vom Schlafzimmer einen Durchgang zur Kapelle in den neu angelegten Herrschaftsstand. Der Altar musste dafür von der Ost- an die Nordwand verlegt werden.

Zwischen Gartensaal und Nordflügel vermittelte ein Raum, dessen Wände mit gewebten Teppichen (Gobelins?) geschmückt waren und dessen Decke eine Deckenmalerei unbekannter Thematik aufnahm. 1911 werden sie als „jetzt ganz undeutlich gewordene Malereien“[6] beschrieben. Eventuell handelte es sich um das Speisezimmer.[7]

Forschungsstand

Der Forschungsstand zu Schloss Ahaus ist schlecht. Das liegt zum einen an seiner Zerstörung, zum anderen daran, dass sämtliches Quellenmaterial fehlt und eine konkrete Baugeschichte unmöglich sondern weitgehend Spekulation ist. Es sind keine Baunachrichten oder Bauakten überliefert.[8]

Die ehemalige Schlosskapelle

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Schlosskapelle[9] war eine integrierte Hauskapelle und befand sich im nördlichen Turmpavillon. Sie wurde zusammen mit dem Schloss ab 1688 erbaut und 1706 vollendet. Spätestens 1829 mit Einrichtung der Tabakfabrik wurde sie aufgelöst. Es hat sich nichts erhalten.

Die verlorene Deckenmalerei

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke[9] der Kapelle im Pavillonturm war von Giovanni Battista Duca stuckiert. In den Stuck waren Malereien von Engelbert Ernst Witte eingelassen. Das zentrale Hauptgemälde zeigte die Himmelfahrt des hl. Hubertus, dem Schutzpatron der Jäger. Es war umgegeben von acht kleineren Einzelbildern, die Engel zeigten.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Höper, Oelde, 1990. – Höper, Eva-Maria: Ambrosius von Oelde. Ein Kapuzinerarchitekt des Frühbarock im Dienst der westfälischen Fürstbischöfe (Rhenania Franciscana Antiqua, 5). Dülmen 1990.
  • Höper, von Oelde, 1990. – Höper, Eva-Maria: Der Kapuzinerarchitekt Ambrosius von Oelde – Biographie und Bautätigkeit. In: Püttmann, Kristin (Hrsg.): Schloss Ahaus 1690–1990. Borken 1990, S. 23–31.
  • Höper, Residenz, 1990. – Höper, Eva-Maria: Die Residenz Friedrich Christians von Plettenberg – Baugeschichte und kunsthistorische Einordnung. In: Püttmann, Kristin (Hrsg.): Schloss Ahaus 1690–1990. Borken 1990, S. 33–64.
  • Matzner/Schulze, Schlaun, 1995. – Matzner, Florian/Schulze, Ulrich: Johann Conrad Schlaun. 1695–1773. Das Gesamtwerk. Stuttgart 1995.
  • Mummenhoff, Nordkirchen, 2012. – Karl Eugen Mummenhoff: Schloss Nordkirchen. Herausgegeben und bearbeitet von Gerd Dethlefs. Mit einem Beitrag von Walter Schlutius und Franz-Josef Flacke. Berlin/München 2012.
  • Püttmann, Ahaus, 1990. – Püttmann, Kristin (Hrsg.): Schloss Ahaus 1690–1990. Borken 1990.
  • Püttmann, Ahaus 18., 1990. – Püttmann, Klaus G.: Schloß Ahaus im 18. Jahrhundert. In: Püttmann, Kristin (Hrsg.): Schloss Ahaus 1690–1990. Borken 1990, S. 65–92.
  • Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987. – Püttmann-Engel, Kristin: Schloßkapellen im Raum Westfalen 1650–1770 (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 14). Bonn 1987.
  • Storp, Ahaus, 1911. – Storp, Clemens: Das Schloß Ahaus. In: Aus alter Zeit (Organ des Vereins für Geschichtsforschung du Altertumskunde des Kreises Ahaus. Beilage zum Auhauser Kreisblatt) 9. Jg. (1911) Nr. 5 Mai 1911, S. 401–401; Nr. 6, Juni 1911, S. 405–407; Nr. 7, Juli 1911, S. 409–411; Nr. 8, August 1911, S. 413–414. In: Aus Alter Zeit. Organ des Vereins für Geschichtsforschung und Altertumskunde des Kreises Ahaus. 1903–1912. Unveränderter reprografischer Nachdruck der Beilage des Ahauser Kreisblattes als Sammelband. Borken 1988.

Einzelnachweise

  1. Vgl. vor allem: Püttmann, Ahaus, 1990. Darin enthalten: Höper, Residenz, 1990; Höper, von Oelde, 1990; Püttmann, Ahaus 18., 1990. Grundlegend immer noch: Storp, Ahaus, 1911. Ferner: Höper, Oelde, 1990, S. 185–197. Zum Umbau unter Schlaun: Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 682–689,
  2. Höper, Oelde, 1990.
  3. Matzner/Schulze, Schlaun, 1995.
  4. Mummenhoff, Nordkirchen, 2012, S. 91.
  5. Ein Beschreibung vor den Kriegszerstörungen bei: Storp, Ahaus, 1911, S. 406–407.
  6. Storp, Ahaus, 1911, S. 411.
  7. Püttmann, Ahaus 18., 1990, S. 77.
  8. Höper, von Oelde, 1990, S. 26; Höper, Residenz, 1990, S. 33.
  9. 9,0 9,1 Püttmann, Schloßkapellen, 1987, S. 149; Höper, Residenz, 1990, S. 43.