Zittau, Heffter Bau des ehem Franziskanerklosters
Inventarnummer: cbdd20054
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Der Heffter-Bau im nordwestlichen Flügel des Franziskanerklosters in Zittau wurde 1652-1658 im frühbarocken Stil umgebaut. Die Deckenmalerei in der Ratsbibliothek von 1709 zeigt eine Götterversammlung mit Pandora und allegorische Darstellungen der Künste und Wissenschaften.

Das Bauwerk
Das heute noch in der Kirche, dem Heffter-Bau und einem Kreuzgang weiterlebende ehemalige Franziskanerkloster in Zittau war aus einer seit 1244 errichteten und 1293 geweihten Nikolaus-Kapelle hervorgegangen. Im Jahre 1480 erweiterte man diese stark nach Westen (u. a. Vereinheitlichung der Schiffe) und versah die Anlage mit einem Turm. Nachdem man das Kloster 1554 aufgelöst hatte, war dieses zunehmend dem Verfall preisgegeben. Ab 1652–58 erfolgte schließlich der Wiederaufbau der verfallenen Gebäudegruppe durch den Bautzner Baumeister Martin Pötzsch. Die ehemalige Klosterkirche diente fortan seit 1662 als zweite Stadtkirche St. Petri und Pauli. Seit 1976 erfolgten mehrere Restaurierungen.
Der sogenannte Heffter-Bau stellt den nordwestlich gelegenen Flügel der früheren Klosteranlage dar. Die ursprünglich spätgotische Substanz war in den Jahren 1652–62 im Auftrag des Zittauer Bürgermeisters Heinrich von Heffter(1610–63) durch Pötzsch in frühbarockem Stil verändert worden. Der dreigeschossige rechteckige, an zwei Seiten freistehende Bau von vier zu sechs Fensterachsen wird von einem hohen Satteldach bekrönt und weist an der Westseite einen Treppenturm mit Welscher Haube auf. Die schlichten Fassaden sind mit Eckrustizierungen versehen, während die Fenster mit ihren geohrten und profilierten Gewänden von geraden Verdachungen bekrönt werden. Der auf der Nordseite gelegene, dreigeschossige und zuunterst sechsachsige Giebel bildet in seiner architektonischen Pracht den bedeutendsten Schmuck des Heffter-Baus: Die profilierten Fenster werden durch gedrungene ionische Halbsäulen sowie sich verkröpfenden Gesimsen kräftig gegliedert. Manieristisch sich zu den Seiten einschwingende Voluten, ein gesprengter Dreiecksgiebel und bekrönende, äußerst zierliche Obelisken bilden seinen weiteren Dekor.[1]
Die Ratsbibliothek („Neue Zittauische Bibliothek“)

Im Inneren ist der Heffter-Bau in den beiden unteren Geschossen mit Holzbalkendecken ausgestattet. In dem, den gesamten Bau einnehmenden Saal des zweiten Obergeschosses hatte man am 18. September 1709 die Ratsbibliothek als sogenannte „Neue Zittauische Bibliothek“ eingerichtet. Seine hohe Bedeutung beruht darin, einer der wenigen erhaltenen, frühbürgerlichen Bibliotheks- und Sammlungsräume zu sein. Auf hellgelbem Grund wird der Raum durch weiße, kannelierte, ionische Stuckpilaster gegliedert, über denen sich ein vollständig ausgebildetes Kranzgesims sowie eine profilierte Attikazone verkröpfen. Als einziger weiterer Dekor bekrönt die Eingangstüre in einem stuckiertem Rahmen nebst Tondo eine kleine Bildnisbüste.[2]
Deckenmalerei in der Ratsbibliothek
Oberhalb der flachen Deckenvoute befindet sich in einem großen ovalen Stuckmedaillon, welcher an den Schmalseiten mit aufstuckiertem und gemaltem Dekor bereichert ist, das im Jahre 1709 von dem Zittauer Maler Nikolaus Prescher (1673-1742) geschaffene Hauptbild der Götterversammlung mit Pandora. Eingelassen in mehrfach geschwungene und farblich in einem lichten Lilaton von der übrigen Decke abgesetzt, befinden sich in den Ecken in vier, mit weiterem, ornamentalem Stuckdekor bereicherten Rundmedaillons die allegorischen Darstellungen der „Künste und Wißenschafften“: Die Wahrheit und die Weisheit, die Gesundheit und die Heilkunde, die Gerechtigkeit und die Rechtspflege sowie die Religion und der Glauben. An den Längsseiten des Saales sind in schmalen, längsovalen Feldern schließlich noch reiche Akanthusblattdekorationen mit grotesken Figuren aufgemalt.
Das zentrale Gemälde zeigt die Götterversammlung mit Pandora auf dunklen Wolken am unteren Bildrand sowie weitgehend vor einem bräunlich-gelben Hintergrund. Das Zentrum der Darstellung – leicht nach rechts aus der Mitte des Bildes gerückt – bildet Pandora, die hier nicht als die bekannte Unglücksbringerin aufgefasst ist, sondern als Allegorie der menschlichen Seele dient, die der Ausbildung durch die verschiedenen Wissenschaften bedarf. Sie erscheint in völliger Nacktheit, mit wehendem schwarzem Haar, die Rechte vor den Brüsten, in der Linken jedoch die berühmte Büchse – hier einen Tonkrug – vor die Scham haltend. In der sie rahmenden Versammlung der – teilweise nackten, teilweise in reiche antike Gewänder gehüllten – Götter erscheinen auf der linken Seite Neptun und Thetis, davor – mit Krone und Szepter – Jupiter und Juno und dahinter der Götterbote Merkur. Neben der Göttermutter sitzen Apollo mit Lorbeerkranz und Lyra sowie Minerva mit Lanze, Helm und Schild, hinter ihnen ist Pluto im Tierkreis zu sehen. Den Hintergrund ist ferner von sechs Musen eingenommen. Zur Rechten von Pandora treten – in der Gestalt eines fülligen Putto mit Weinlaub und Kelch – der Gott Bacchus, Vesta, Diana (mit Bogen und Mondsichel) sowie Venus und Cupido auf. Hinter diesen wiederum sind Vulkan und Mars zu sehen. im vorderen Bildbereich lagern schließlich auf der linken Seite Aeskulap und Hygieia, sowie rechts der Gott Pan zusammen mit einer Waldnymphe. Über der ganzen Szenerie fliegen drei Putten, welche Blüten auf die Versammlung herabstreuen.
Die in den Saalecken in runden Medaillons angeordneten allegorischen Darstellungen sind grisailleartig in verschiedenen Hellbrauntönen gehalten. Die südwestlich gezeigte Allegorie der Philosophie – Wahrheit und Weisheit – präsentiert sich auf einer Wolke als unverhüllte Frauenfigur, die in gelassener Weise die Beine überkreuz hat. Die mit einer Maske ausgestattete Figur der Lüge ist rechts unter ihre Füße getan. Als Symbol ihrer alles durchdringenden Macht trägt sie das Symbol der Sonne auf ihrer Brust. In der Linken hält sie ein Senkblei als Symbol des Nachsinnens und Erfoschens, der Gürtel um ihren Leib steht für die Stärke. Ein geflügelter Putto reicht ihr von hinten herannahend nicht nur den Lorbeerkranz des Sieges, nach dem sie greift, sondern auch die sich in den Schwanz beißende Schlange (Ouroboros) als Symbol ihrer Beständigkeit.
In der südöstlichen Ecke befindet sich die Medizin, dargestellt durch die Allegorie der Gesundheit und Heilkunde. In frontaler Darstellung sitzt sie als jugendlich-unverbrauchte, bekleidete, aber barbusige Frauenfigur auf Wolken, die für die gesund oder auch krank machende Luft stehen. Der über ihr stehende, seine Strahlen aussendende Stern steht im Sinne der zeitgenössischen Astrologie für die als heilend angenommene Wirkung der Gestirne. Die Flamme über ihrem Haupt symbolisiert die lebensnotwendige Körperwärme, die aus ihren Brüsten entspringende Flüssigkeit die Körpersäfte. Ein kleiner Satyr überreicht ihr von rechts unten kommend Gewächse der Erde als wichtige Bestandteile der Medizin. Der dabei befindliche Caduceus (Merkurstab) steht für das Reich der Mineralien, die Schlange für dasjenige der Tiere. Die Perlen, die sie um ihren Hals hat, verkörpern den Dienst des Wassers oder der Meere für die Gesundheit. In der linken Hand hält sie schließlich eine Phiole als Zeichen für die Chemie, in der rechten hingegen den fünfzackigen Stern, das Pentagramm, als gängige Abkürzung für das Wort „hygieia“ (Gesundheit).
In der nordöstlichen Ecke befindet sich die Allegorie der Gerechtigkeit und der Rechtspflege, welche für die Jurisprudenz steht. Diese ist, die Welt(kugel) unter ihren Füßen und eine Krone auf ihrem Haupt, als eine fast männlich wirkende, keine Schwachheit duldende Frau dargestellt. Mit offenen Augen und freiem Blick schaut sie selbstbewusst nach oben. In der Rechten hält sie ihre bekannten Symbole Schwert und Waage, in der Linken hingegen den Schild, der für den Schutz der Unschuldigen steht, sowie den Lorbeerkranz, der für den Sieg, den die Justiz davonträgt, steht. Über ihr schwebt schließlich noch ein kleiner Engel mit den Zehn Geboten in der linken und einer Pergamentrolle (Gesetze) in der rechten Hand.
Nordwestlich ist schließlich die Allegorie der Religion und des Glaubens zu sehen, die für die Theologie steht. In Wolken sitzend und nach links oben blickend, geht der verhüllten Frauenfigur von dort ein Strahl der Gnade vom Himmel zu. In den Händen hält sie die wichtigsten christlichen Symbole: Kelch und Hostie für das Abendmahl in der Rechten, sowie das Kreuz in der Linken. Ein kleiner geflügelter Engel – es ist Amor mit Köcher und Pfeilen als Symbol der Liebe – schwebt ferner von unten heran. In seiner rechten Hand hält er das flammende Herz und mit der Linken reicht er dem Glauben das aufgeschlagene Wort Gottes zu.[3]
Bibliographie
- Dehio, Handbuch, 1996 – Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen I. Regierungsbezirk Dresden, München/Berlin 1996
- Rosner, Das ehemalige Franziskanerkloster, 2009 – Rosner, Ulrich: Das ehemalige Franziskanerkloster und der Heffterbau in Zittau. Anmerkungen zur Baugeschichte und denkmalpflegerischen Wiederherstellung, in: Winzeler, Marius (Hg.): Weises Geschenk. Gelehrsamkeit, Unterhaltung und Repräsentation im barocken Zittau. 300 Jahre Bibliotheksaal und Wunderkammer im Heffterbau 1709-2009, Zittauer Geschichtsblätter(40), Zittau/Görlitz 2009, S. 9–17.
- Weis, Der „Redeactus“, 2009 – Weis, Ulrike: Der „Redeactus“ des Rektors Gottfried Hoffmann zur Einweihung des Zittauer Bibliothekssaales, in: Winzeler, Marius (Hg.): Weises Geschenk. Gelehrsamkeit, Unterhaltung und Repräsentation im barocken Zittau. 300 Jahre Bibliotheksaal und Wunderkammer im Heffterbau 1709-2009, Zittauer Geschichtsblätter(40), Zittau/Görlitz 2009, S. 19–27.