Zeitz, Residenzschloss Moritzburg
Inventarnummer: cbdd10058
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Im Zeitzer Schloss Moritzburg an der Elster hat sich im ehemaligen Tafelgemach eine Deckenmalerei von Christian und Wilhelm Richter aus dem Jahr 1663 erhalten. Das Bildprogramm stellt die Jahreszeiten, die Kontinente und die Tierkreiszeichen vor.

Schloss Moritzburg an der Elster
Schloss Moritzburg in Zeitz[1] geht auf eine mittelalterliche Königspfalz zurück. Hier befand sich später der Herrschaftsmittelpunkt des Fürstbistums Naumburg-Zeitz mit Residenzschloss und Dom. Im Zuge der Reformation wurden die Wettiner 1564 Administratoren des Fürstbistums, das quasi säkularisiert wurde. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Anlage schwer beschädigt. Nachdem Zeitz 1657 Residenz der neu gegründeten Sekundogenitur Sachsen-Zeitz unter Herzog Moritz geworden war, wurde 1657–1678 nach Plänen des fürstlich-sächsischen Baumeisters Johann Moritz Richter d. Ä. aus Weimar das Residenzschloss „Moritzburg an der Elster“ erbaut. Es bezog Teile der Vorgängeranlage (wie den Dom) mit ein. Nach dem Tod Richters 1667 wurde das Schloss unter seinem Sohn Johann Moritz Richter d. J. vollendet. Bereits 1718 fiel das Herzogtum Sachsen-Zeitz an Kursachsen zurück und die Moritzburg verlor ihre Funktion des Residenzschlosses.
Schloss Moritzburg entstand als befestigtes Schloss hinter Mauern und Wallanlagen. Im Osten wird es noch heute durch einen großen Torbau betreten. Vorbei am ehemaligen Dom – nun Schlosskirche – führt der Weg durch ein weiteres Tor in den Schlosshof, der an drei Seiten vom Hauptgebäude gleich einer gespreizten Dreiflügelanlage umfasst wird. Die vierte Seite schließt eine Mauer.
Das Hauptgebäude
Das Hauptgebäude[2] hat die Gestalt einer gespreizten Dreiflügelanlage. Ein zweigeschossiger Mittelturm bekrönt den Hauptflügel des dreigeschossigen Schlosses. Unter ihm befindet sich der zentrale Haupteingang. Die Wohn- und Repräsentationsräume des Herzogspaares änderten mehrmals ihren Platz. Das Hauptgeschoss war das erste Obergeschoss. Hier hat sich an der Südwestecke das ehemalige Tafelgemach erhalten – heute Großer Festsaal genannt. Der eigentliche Festsaal des Schlosses befand sich im zweiten Obergeschoss des Nordflügels und ist heute verloren. Die landesherrlichen Gemächer lagen anfänglich im Südflügel und schlossen damit an den zur Schlosskirche umgenutzten Dom an. Später verlagerte man sie in den Nordflügel.
Das Tafelgemach
Das ehemalige Tafelgemach[3] von Schloss Moritzburg an der Elster ist im ersten Obergeschoss an der Südwestecke gelegen. Es ist trapezförmig und öffnet sich mit jeweils vier Fenstern nach Süden und nach Westen. Ein weiteres Fenster im Norden geht auf den Schlosshof. Das Tafelgemach wird vom zentralen Treppenhaus im Westflügel – dem Hauptflügel – über einen hofseitigen Korridor direkt von Norden her betreten. Zwei Türen an der Westseite führten zum einen in das Gemach des Landesherrn bzw. sein Audienzzimmer und zum anderen in einen dem Gemach zum Hof hin vorgelegten Korridor bzw. das landesherrliche Vorzimmer.
Die Decke ist mit kräftigen Rahmen symmetrisch in mehrere Felder unterteilt und 1663–1665 geschaffen worden. In die Felder sind Malereien eingelassen, die die vier Erdteile, die vier Jahreszeiten und die 12 Tierkreiszeichen sowie zahlreiche Putten mit Attributen präsentieren. Unter der Decke umlaufen zwei Zeilen mit Schriftzügen den Raum. Es handelt sich um eine Art Genealogie der Wettnischen Teillinien der Albertiner und Ernestiner seit ihrer Trennung 1485 bis zur Gegenwart. Zu lesen sind immer die Namen der sächsischen Kurfürsten und Herzöge zusammen mit denen ihrer Gemahlinnen. Der Albertiner Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz hatte als zweite Frau die Ernestinerin Dorothea Maria von Sachsen-Weimar geehelicht. Die Abfolge der Nabem beginnt bereits mit Friedrich II. und findet ihren Zielpunkt in der Vereinigung der Linien durch das Zeitzer Herzogspaar. Ihre beiden Namen sind mittig an der Südwand des Tafelgemachs gegenüber dem Eingang angebracht. Zu den Schriftzügen gehörten Porträts der Benannten, die heute nicht mehr vorhanden sind. Bei früheren Restaurierungen sind zudem einige Namen fehlerhaft geändert worden, sodass heute nur noch 52 Namen genannt werden und einige doppelt auftauchen, wohingegen sechs fehlen. Ferner wurde der Raum mit 1664 durch Herzog Moritz in Brüssel bestellten Tapeten ausgestattet.[4] Bereits 1690 wurden sie durch grünes Tuch ersetzt.[5]
Die Decke des Tafelgemachs
Die Gliederung der Decke
Die trapezförmige Decke[6] des Tafelgemachs stammt von 1663–1665 und ist mit kräftigen Rahmen symmetrisch in mehrere Felder unterteilt. Grundsätzlich ist sie gevierteilt. Da der Raum nicht rechteckig ist, sind die Felder aber nicht von identischer Größe. Jedes Feld nimmt ein zentrales Oval auf. An den Ecken der vier Felder sind Viertelkreise, an den Seiten Rechteckfelder bzw. Quadrate ausgebildet. So kommen jeweils zum zentralen Mitteloval vier rechteckige Felder, vier viertelkreisförmige Felder und vier Felder, die zwischen diesen übrig bleiben.
Erdteilallegorien
Die ovalen Mittelfelder nehmen jeweils eine Erdteilallegorie auf. Sie sind in ihrer Ansichtigkeit auf den Eintretenden hin ausgerichtet und beschriftet mit „Europa“, „Asia“, „Africa“ und „America“. Die Felder um die Ovale zeigen durchweg am Himmel fliegende Putten, die Gegenstände oder auch Attribute der Erdteile tragen. In einigen rechteckigen und viertelkreisförmigen Feldern sind weitere Putten zu sehen.
Die Erdteilallegorien sind als Frauen dargestellt und in üblicher Manier gestaltet. Europa ist als Vornehmste ausgestaltet: Sie thront reich geschmückt im hermelinbesetzten Gewand mit Krone und Zepter. Zum Bücherstapel zu ihren Füßen gehört auch eine Bibel. An zweiter Stelle kommt Asien, mit mongolischer Tracht bekleidet und (wie Europa) mit Fahnen, Waffen und Architektur im Hintergrund als Kontinent von Macht und Kultur im Sinne von Arte et Marte charakterisiert. Asien trägt eine Fahne mit Halbmond. Afrika und Amerika erscheinen im Gegensatz zu diesen halb nackt und dunkelhäutig. Die Bekleidung besteht aus Federn, die Hintergründe sind nur landschaftlich gestaltet sowie mit Pflanzen und Tieren ausgeschmückt. Dem christlichen Europa wird das islamische Asien gegenüber gestellt. Afrika und Amerika werden wild und heidnisch gezeigt. So wird die vermeintliche kulturelle und moralische Überlegenheit Europas, zu der der Bauherr gehört, vorgeführt.
Tierkreiszeichen und Jahreszeiten
In vielen der rechteckigen und viertelkreisförmigen Felder sind Tierkreiszeichen dargestellt. Da die Decke als Trapez verzogen ist, sind die Tierkreiszeichen nicht gleichmäßig über die Decke verteilt, denn im südwestlichen Viertel mit Afrika bleibt in der Südwestecke zu wenig Platz für eine gegenständliche Darstellung. In diesem Deckenviertel findet sich daher nur ein einziges.
Eine Ausnahme stellen zudem jene vier Felder dar, die sich in der Raummitte befinden. Über diese vier Felder läuft ein Kranz von Blumen und Früchten hinweg, die jedoch von Feld zu Feld variieren, da sie die Jahreszeiten darstellen sollen. Diese Felder sind lateinisch beschriftet mit „VER“ (Frühling), „AESTAS“ (Sommer), „AVTVMNUS“ (Herbst) und „HYEMS“ (Winter).
Sinn und Bedeutung der Deckenbilder
Prinzipiell ist die Decke inhaltlich derart gegliedert, dass in ihrem Zentrum die vier Jahreszeiten präsentiert werden, nach außen schließen sich die Erdteile an und am Rand sind (bis auf drei Ausnahmen) die Tierkreiszeichen zu sehen. Aus der heutigen Anordnung, die wahrscheinlich auch die ursprüngliche ist, lassen sich keine Bezüge der Tierkreiszeichen zu den Erdteilen, den Jahreszeiten oder möglicherweise zu Elementen herstellen. Anders ist dies bei den Jahreszeiten, die Bezug auf die Himmelsrichtungen nehmen: Der Frühling ist im Nordostviertel dargestellt, das Europa präsentiert, der Sommer im Südostviertel mit Asien, der Herbst im Südwestviertel mit Afrika und der Winter im Nordwestviertel mit Amerika.
Die Malerei stammt vom Weimarer Hofmaler Christian Richter und seinem Sohn Wilhelm Richter, die sie 1663 datierten und signierten. Die Signatur findet sich im Bücherstapel der Europa auf einer Papierrolle, die aus dem Stapel herausragt. Christian und Wilhelm waren Vater bzw. Bruder des Schlossarchitekten Johann Moritz Richter d. Ä. Das erklärt die Darstellung einer Putte im nordöstlichen Viertelkreis, die einen Teilgrundriss des Weimarer Residenzschlosses präsentiert. Es dürfte sich um einen Verweis auf den Architekten des Zeitzer Schlosses handeln, sodass hier alle drei Richters präsent sind. Eine Bezugnahme auf die Frau des Auftraggebers, die aus Weimar stammte, ist eher unwahrscheinlich.
Der Malerei lag wohl keine konkrete Aussage zugrunde. Gottlieb Liebner vermerkte für 1663: „ Anno 1663. sind von Christian u. Wilhelm Richter, Vater u. Sohn in dem Tafel Gemach an der Decke die Zierrathen verfertiget. Als die Welth Theile. Die 12 Himmels Zeichen. 6. Stück schwebende Kinder mit Früchten. 13. eckige Stücke auch Kinder Zierrathen. Die 4. Jahr Zeiten in der Mitte des Balckens.“[7]
Das nordöstliche Viertel der Decke mit einer Allegorie Europas
Das nordöstliche Deckenviertel[8] des Tafelgemachs ist dem Eingang am nächsten gelegen. Es präsentiert in seiner Mitte eine Allegorie der Europa. Diese ist auf den Eintretenden hin ausgerichtet. Die thronende Figur der Europa ist perspektivisch verkürzt. Sie trägt eine reich mit Edelsteinen besetzte Zackenkrone. Ihre Rechte hat sie selbstbewusst in die Hüfte gestemmt, während Ihre Linke ein Zepter hält. Unter ihrem roten, hermelinbesetzten Gewand schaut ihr rechter, antikisch gerüsteter Unterschenkel hervor. Der Fuß setzt auf einem Bücherstapel auf, auf dem ein Horn liegt. Zettel und Blätter quellen aus den Büchern dem Betrachter entgegen. Auf der Rückseite eines Bogens ist das Gemälde datiert und signiert mit „Christian Richter Wilhelm Richter 1663“. Auch ein mit „Biblia“ beschrifteter Band findet sich in dem Stapel. Links hinter Europa erblickt man Waffen und einen Harnisch, hinter dem mehrere Fahnen hervorragen. Man erkennt jene des Königreichs Frankreich, des Kirchenstaates, des Heiligen Römischen Reiches und Englands, eventuell auch jene der Niederlande. Rechts der Europa befindet sich auf einem fünfstufigen Podest eine Siegessäule. Sie wird von einer halbrunden Architektur mit Skulpturenschmuck hinterfangen. Man mag hier einen Verweis auf Arte et Marte sehen. Alles in allem entspricht die Darstellung der Europa dem damals üblichen Kanon. Sie ist zudem zu ihren Füßen wie jede der Erdteilallegorie im Raum beschriftet: „Europa“. In der Darstellung offenbart sich das Verständnis der Zeit von Europa als Herrscherin der Welt sowie Kultur- und Religionsstifterin. Mit den verschiedenen Flaggen wird auf die staatliche Vielfalt des Kontinents eingegangen.
Die Putten am Himmel in den vier Deckenfeldern um Europa sind nicht verkürzt dargestellt. Ihr Bezugspunkt ist auch nicht der eintretende Betrachter, sondern die Darstellung der Europa. Drei von ihnen tragen Früchte, Obst und Gemüse, eine dritte Putte bringt Krone und Lorbeerkranz herbei. Inhaltlich sind sie damit auf Europa zu beziehen.
Die rechteckigen Felder im Norden, Osten und Süden zeigen Fische, Stier und Zwillinge aus dem Zodiakus. Das westliche Feld präsentiert eine weitere Putte, ebenso auch die Viertelkreisfelder in der Nordwest-, Nordost- und Südostecke. Interessant ist die Darstellung im nordöstlichen Feld: Die Putte präsentiert einen Teilgrundriss des Hauptgeschosses des Weimarer Residenzschlosses Wilhelmsburg. Architekt war Johann Moritz Richter d. Ä., der auch das Schloss in Zeitz entwarf. Zugleich stammte die Ehefrau des Bauherrn aus Weimar, was jedoch eher nebensächlich scheint. Die beiden anderen Putten spielen Gitarre bzw. fangen einen Vogel.
Das Feld in der Südwestecke zeigt ein Viertel des zentralen Pflanzenkranzes, der über alle vier Deckenviertel läuft, und zwar den Teil, der für den Frühling steht. Verschiede Blumen und der Schriftzug „VER“ für Frühling verdeutlichen den Inhalt der Darstellung.
Das südöstliche Viertel der Decke mit einer Allegorie Asiens
Das südöstliche Deckenviertel[9] des Tafelgemachs liegt dem Eingang des Raumes direkt gegenüber. Es präsentiert in der Mitte die Allegorie der Asia, die auf den Eintretenden hin ausgerichtet und in leichter perspektivischer Verkürzung dargestellt ist. Die thronende Frauengestalt ist in tatarischer Tracht gekleidet und hält in ihrer Rechten eine Standarte mit Wimpel, der einen Halbmond präsentiert, während ihre Linke lässig auf ein Schild gestützt ist. Rechts von ihr erblickt man Waffen, Trophäen und Beutestücke. Im Hintergrund rechts steht eine Pyramide, links eine türkische Moschee. Zu Füßen Asias befindet sich der Schriftzug „Asia“. Sie ist hier als Repräsentantin der islamischen Welt dem christlichen Europa wortwörtlich gegenübergestellt. So erklären sich auch die Pyramiden, die in Afrika liegen – Ägypten gehörte damals jedoch zum osmanischen Reich.
Die Putten am Himmel in den vier Deckenfeldern um Asia sind nicht verkürzt dargestellt. Ihr Bezugspunkt ist auch nicht der eintretende Betrachter, sondern die Darstellung der Asia. Sie tragen unter anderem einen Bogen, einen Krater, eine Rauchschale sowie Zepter und Krone und sind damit auch inhaltlich auf Asia bezogen.
Die rechteckigen Felder im Norden, Osten und Süden zeigen Skorpion und Löwe des Tierkreises. Die beiden anderen Felder nehmen Putten mit Obst und Gemüse auf. Jedoch findet sich, auf den Tierkreis bezogen, im südwestlichen Viertelkreis die Darstellung eines Schützen. Zwei weitere Viertelkreise präsentieren weitere Putten.
Das Feld in der Nordwestecke zeigt ein Viertel des zentralen Pflanzenkranzes, der über alle vier Deckenviertel läuft, und zwar den Teil, der für den Sommer steht. Verschiedenes Obst und der Schriftzug „AESTAS“ für Sommer verdeutlichen den Inhalt der Darstellung.
Das südwestliche Viertel der Decken mit einer Allegorie Afrikas
Das südwestliche Deckenviertel[9] des Tafelgemachs ist vom Eingang aus nicht sofort zu erblicken. Es präsentiert in seiner Mitte eine Allegorie Afrikas. Diese ist auf die Eingangswand im Norden ausgerichtet und damit genauso orientiert wie alle anderen Erdteilallegorien im Raum. Die sitzende Figur ist perspektivisch verkürzt. Sie ist von dunkler – fast schwarzer – Hautfarbe und trägt einen Turban sowie einen Federrock. Hinzu kommt Federschmuck an den Oberarmen und als weiterer Schmuck Ohrringe und Perlen. Hinter ihr ragt eine Palme auf. Sie hält in ihrer Rechten eine Lanze und in ihrer Linken einen Sonnenschirm aus Straußenfedern. Rechts von ihr lagern Bogen und Pfeile sowie ein Elefantenstoßzahn. Zu ihren Füßen liegen Muscheln. Unter ihnen ist der Schriftzug „Africa“ angegeben. Links geht der Blick in die Tiefe einer Landschaftsdarstellung. Der gelbe Himmel deutet das sengende Licht der Sonne an.
Die Putten am Himmel in den vier Deckenfeldern um Afrika sind nicht verkürzt dargestellt. Ihr Bezugspunkt ist auch nicht die Nordwand, sondern die Darstellung der Afrika selbst. Sie tragen unter anderem Perlen, Früchte, Palmwedel und einen Papageien. Die rechteckigen Felder zeigen im Norden und Süden lediglich leere Himmelsausschnitte. Im östlichen Feld erkennt man eine Putte, die in eine Muschel bläst. Lediglich die Darstellung im westlichen Feld nimmt auf den Tierkreis mit der Darstellung einer Jungfrau Bezug. Während das südwestliche Viertelkreisfeld leer bleibt, ist im südöstlichen eine Waage zu sehen. Das Nordwestliche präsentiert eine Putte mit Straußenei.
Das Feld in der Nordostecke zeigt ein Viertel des zentralen Pflanzenkranzes, der über alle vier Deckenviertel läuft, und zwar den Teil, der für den Herbst steht. Verschiedenes Obst und der Schriftzug „AVTVMNUS“ für Herbst verdeutlichen den Inhalt der Darstellung.
Das nordwestliche Viertel der Decke mit Allegorie Amerikas
Das nordwestliche Deckenviertel[9] des Tafelgemachs ist vom Eingang aus nicht direkt zu erblicken. Es präsentiert in seiner Mitte eine Allegorie der Amerika. Diese ist auf die Eingangswand im Norden ausgerichtet und damit genauso orientiert wie alle anderen Erdteilallegorien im Raum. Die sitzende Figur ist perspektivisch verkürzt. Sie ist von dunkler Hautfarbe und sitzt vor einem Baum. Bekleidet ist sie mit einem Federrock, einer Federkrone und Federringen um die Fesseln. Weiterer Schmuck sind Perlenketten und Perlenohrringe. Sie hält in ihrer Linken eine Art Speer, dessen Spitze nach unten gerichtet ist. Weitere Waffen sind Pfeil und Bogen. Rechts von ihr kauert ein Affe, und im Baum sitzen zwei Papageie. Zu ihren Füßen liegen Muscheln, unter denen der Schriftzug „America“ zu lesen ist. Links öffnet sich der Blick in die Tiefe einer Flusslandschaft.
Die Putten am Himmel in den vier Deckenfeldern um Amerika sind nicht verkürzt dargestellt. Ihr Bezugspunkt ist auch nicht die Nordwand, sondern die Darstellung der Amerika selbst. Sie tragen unter anderem Palmwedel und Blumen, einen Papagei, Muscheln und Korallen sowie Pfeil und Bogen. Sie sind damit auch inhaltlich auf Amerika bezogen.
Die rechteckigen Felder im Norden, Westen und Süden nehmen Bezug auf den Tierkreis und zeigen Krebs, Steinbock und Wassermann. Ergänzend kommt im südwestlichen Viertelkreis die Darstellung eines Widders hinzu. Die übrigen Felder nehmen weitere Putten auf.
Lediglich das Feld in der Südostecke zeigt ein Viertel des zentralen Pflanzenkranzes, der über alle vier Deckenviertel läuft, und zwar den Teil, der für den Winter steht. Hier sind keine Blumen und Fürchte, sondern trockenes Gestrüpp zu sehen und der Schriftzug „HYEMS“ für Winter zu lesen. Sie verdeutlichen den Inhalt der Darstellung.
Das ehemalige Audienzgemach des Herzogs im Südflügel
Die Decke[10] des ehemaligen Audienzgemaches des Herzogs im ersten Obergeschoss ist von kräftigen Stuckrahmen in mehrere Felder unterteilt. Die Deckenfelder nahmen bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts bemalte Leinwände auf.
Bibliographie
- Literatur:
- Häuser, Moritzburg, 1998. – Häuser, Simone: Schloss Moritzburg in Zeitz. In: Jacobsen, Roswitha/Bäringhausen, Hendrik (Hrsg.): Residenz-Schlösser in Thüringen: Kulturhistorische Porträts. Bucha bei Jena 1998, S. 307-318.
- Heitmann, Selbstdarstellung, 2009. – Heitmann, Katja: Fürstliche Selbstdarstellung und Herrschaftslegitimation: Repräsentative Ausstattungselemente in den Residenzschlössern von Weißenfels, Merseburg und Zeitz. In: Czech, Vinzenz (Hrsg.): Fürsten ohne Land. Höfische Pracht in den sächsischen Sekundogenituren Weißenfels, Merseburg und Zeitz (Schriften zur Residenzkultur, 5). Berlin 2009, S. 78-101.
- Heubach, Richter, 1921. – Heubach, Hermann: Die weimarische Künstlerfamilie Richter (1612–1768). Sonderdruck aus dem Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine. Berlin 1921.
- Heubach, Schlossbaues, 1927. – Heubach, Hans Heinrich: Geschichte des Schlossbaues in Thüringen 1620 bis 1670 (Beiträge zur Kunstgeschichte Thüringens, 4). Jena 1927.
- Pönitz, Herzog, 2005. – Pönitz, Christian: Der Herzog zieht um – oder wie man einen fürstlichen Haushalt auflöst. Ein Zeitzer Schlossinventar von 1717/18. In: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 14 (2005), S. 348-362.
- Pönitz, Residenz, 2006. – Pönitz, Christian: „Daß es zu einer Residenz gebraucht werden kundt“. Untersuchungen zu Baugeschichte, Raumgefüge und Zeremoniell am Zeitzer Herzogshof zwischen 1657 und 1717. Halle/Saale 2006.
- Schmitt, Quellen, 2001. – Schmitt, Reinhard: Quellen zur Baugeschichte des Zeitzer Schlosses vom Mittelalter bis in die Zeit unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg. In: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 10 (2001), S. 181–219.
Einzelnachweise
- ↑ Heubach, Richter, 1921, Sp. 117-118; Heubach, Schlossbaues, 1927, S. 170-178; Häuser, Moritzburg, 1998; Schmitt, Quellen, 2001; Pönitz, Residenz, 2006; Heitmann, Selbstdarstellung, 2009, S. 95-98.
- ↑ Heubach, Schlossbaues, 1927, S. 170-178; Häuser, Moritzburg, 1998; Pönitz, Herzog, 2005, S. 355-357; Pönitz, Residenz, 2006.
- ↑ Häuser, Moritzburg, 1998, S. 314; Pönitz, Residenz, 2006, S. 35, S. 41-44. Heitmann, Selbstdarstellung, 2009, 97-98.
- ↑ Schmitt, Quellen, 2001, S. 202.
- ↑ Pönitz, Herzog, 2005, S. 365.
- ↑ Häuser, Moritzburg, 1998, S. 314; Heitmann, Selbstdarstellung, 2009, S. 98; Pönitz, Herzog, 2005, S. 357; Pönitz, Residenz, 2006, S. 42-43.
- ↑ Zitiert nach Schmitt, Quellen, 2001, S. 202.
- ↑ Pönitz, Residenz, 2006, S. 42; Heitmann, Selbstdarstellung, 2009, S. 98.
- ↑ 9,0 9,1 9,2 Pönitz, Residenz, 2006, S. 43; Heitmann, Selbstdarstellung, 2009, S. 98.
- ↑ Pönitz, Residenz, 2006, S. 41.