Wolfenbüttel, Residenzschloss
Inventarnummer: cbdd10170
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
Im ehemaligen Residenzschloss Wolfenbüttel hat sich Deckenmalerei vornehmlich in den landesherrlichen Gemächern aus der Zeit um 1700 erhalten. Auftraggeber waren die Herzöge Rudolf August und Anton Ulrich, Künstler waren Joachim Luhn und Tobias Querfurt.

Das Residenzschloss in Wolfenbüttel
Geschichte und Beschreibung
Das ehemalige herzogliche Residenzschloss[1] in Wolfenbüttel geht auf eine Burg des 9./10. Jahrhunderts zurück. Nach mehreren Zerstörungen und Wiederaufbauten wählte Herzog Heinrich der Wunderliche Wolfenbüttel 1432 zur alleinigen Residenz. Er zog sich damit aus der eigentlichen Hauptstadt Braunschweig aufgrund der Konflikte mit den Bürgern zurück. Erst 1754 wurde die Residenz nach Braunschweig zurückverlegt. Nach schweren Beschädigungen im Krieg gegen den Schmalkaldischen Bund 1542 erfolgte bis 1589 ein großzügiger Ausbau unter den Herzögen Heinrich d. J. und Julius. Dabei wurde die Schlosskapelle eingerichtet und der Hof mit zwei übereinanderstehenden, offen umlaufenden Arkaden versehen. Bis 1613 entstand der Hausmannsturm.
Unter den Herzögen Rudolf August und Anton Ulrich kam es 1690–97 zu großen Umbauten am Schloss. Mehrere Säle und Appartements wurden neu eingerichtet und zur Erschießung der neuen Repräsentationsräume entstand eine zweiläufige Treppe, im erweiterten Südflügel wurde ein großer Saal — der „Redoutensaal“ — geschaffen. Die Hofarkaden wurden im Obergeschoss geschlossen und ein zweites Obergeschoss aufgesetzt. Als Architekten waren Johann Balthasar Lauterbach und Hermann Korb für die Herzöge tätig. Um 1709 herum wurde nach einem Entwurf vom Landbaumeister Hermann Korb die Nordseite des Schlosses mit einem Fachwerkmantel verkleidet, begonnen am Nordwestflügel vor dem Hauptsaal. So kam eine Galerie vor den Saal. Den Abschluss fanden die Arbeiten 1714–17 unter Herzog August Wilhelm, der durch Korb eine bauliche Vereinheitlichung der Gebäude 1714–16 durch weitere vorgeblendete Außenfassaden mit zusätzlichen Räumen vornehmen ließ.
Nach Verlegung der Residenz nach Braunschweig 1754 wurde das Schloss in Wolfenbüttel nur noch erhalten. 1796 kam es zum Abbruch der Schlosskapelle aus dem 16. Jahrhundert und des anschließenden Flügels. Um 1835/40 wurde der Redoutensaal zu einem Theater umgebaut, das 1918 mitsamt des angrenzenden Teils des Nordflügels durch ein Feuer zerstört wurde. Seit 1925 erfolgte der Umbau des Schlosses für eine bereits seit dem 19. Jahrhundert im Schloss befindliche Schule. Ab 1955 wurden zahlreiche Repräsentationsräume vor allem im Nordflügel zurückgewonnen bzw. rekonstruiert, aber auch historisch nicht zum Schloss gehörige Einbauten und Ausstattungsstücke in die Räume gebracht.
Kurzbeschreibung und Deckenmalerei
Das Schloss erhebt sich in einer westlichen ehemaligen Vorstadt Wolfenbüttels an einem großen, im Osten vorgelagerten Platz. In unmittelbarer Nähe stehen das ehemalige Zeughaus und die Bibliothek.
Das unregelmäßig gegliederte Schloss ist um einen Hof gruppiert. Die äußere Erscheinung wird durch das 17. und 18. Jahrhundert geprägt — vor allem die dreigeschossigen Blendfassaden aus Fachwerk, die Steinarchitektur imitieren. Das Eingangsportal ist von einem großen Wappen überfangen und wird von Skulpturen flankiert, die zusammen mit weiteren auf der Brücke über den Schlossgraben und auf der Balustrade zum Schlossvorplatz auf die Tugenden des Land- und Schlossherrn verweisen.
Die Arkaden im Innenhof tragen im ersten Obergeschoss eine umlaufende Galerie. Sie fehlt lediglich am Südflügel. Hinter dieser sind die eigentlichen Räume gelegen. Da das Schloss zu Beginn des 18. Jahrhundert ummantelt wurde, sind an der Außenseite ebenfalls Galerien oder weitere Räume situiert, was dazu führt, dass die Haupträume durchweg keine Fenster nach draußen haben. Lediglich der Südflügel hatte einen die ganze Gebäudetiefe durchmessenden Saal — den Redoutensaal.
Die Deckenmalerei in Schloss Wolfenbüttel stammt aus der Zeit um 1700. Gerade in dieser Zeit hat sich die Raumnutzung häufig geändert. Es kam aber nicht nur zur Umnutzung von Räumen, sondern im 18. Jahrhundert auch zu An- und Umbauten. Das 20. Jahrhundert translozierte zudem Ausstattungen, teilweise auch aus anderen Bauten. Heute ist keine der historischen Raumfolge der Zeit um 1700 mehr komplett zu erfahren.
Nur wenige gegenständliche Deckenmalereien haben sich im ersten Obergeschoss, dem ehemaligen Hauptgeschoss, in den vormals landesherrlichen Gemächern des Westflügels erhalten. Zu ihnen führt eine zweiläufige Treppe in der Südwestecke des Hofes empor. Zwischen den Raumfolgen – die einem häufigen Wandel und Nutzerwechsel unterworfen waren — befand sich ein heute verlorener Saal. Die weißgestrichene Holzverkleidung war mit Bandelwerk dekoriert. Hier sind heute Reste eines Saales von 1722 mit Deckenmalerei aus Haus Schwülper eingebaut. Eine Galerie vor dem Saal präsentierte auf der weiß gefassten Holzverkleidung gemalte Büsten der „alten Herrn Herzöge von Braunschweig“ – also eine welfische Ahnengalerie. Sie ist ebenfalls 1918 verbrannt.[2]
Der geringe Bestand an erhaltener Deckenmalerei erklärt sich aber auch aus dem Umstand, dass man in Wolfenbüttel seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts Deckengemälde zunehmend ablehnte. Der in Wolfenbüttel tätige Architekturtraktatist Leonhard Christoph Sturm sprach sich gegen die Ausmahlung von Räumen aus. Gemälde seien auf Galerien und Gartenloggien zu beschränken. In allen übrigen Innenräumen seien lediglich gerahmte Leinwände angemessen.[3] Im 17. Jahrhundert waren in Wolfenbüttel noch alle Raumdecken stuckiert und teilweise mit Deckenmalerei versehen worden. Ab 1701 finden sich in Schloss Wolfenbüttel keine Stuckdecken mehr. Um 1702 setze dann ein Stilwandel ein und in Schloss Salzdahlum wurde erstmals Bandelwerk an die Decke gebracht. Seit 1706 ist diese Entwicklung auch im Wolfenbütteler Schloss festzustellen.[4] Das neue Herzogsappartement[5] im Ostflügel präsentiert noch heute zahlreiche Decken mit Bandelwerkbemalung aus der Zeit von 1740–20 — gegenständliche oder gar figürliche Malerei findet sich dort nicht.
Auftraggeber
Die Arbeiten im Schloss Wolfenbüttel wurden für die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg, und zwar aus der Teillinie des Fürstentums Wolfenbüttel, getätigt. Es handelt sich bezüglich der erhaltenen Deckenmalerei um die Brüder Rudolf August (1627–1704) und Anton Ulrich (1633–1714).[6] 1666 übernahm Rudolf August die Regierung und ernannte seinen Bruder ein Jahr später zum Statthalter und 1685 zum gleichberechtigten Mitregenten. Nach Rudolf Augusts Tod wurde Anton Ulrich Alleinherrscher. Er konvertierte 1709 zum Katholizismus. Nach seinem Tod 1714 folgte ihm sein Sohn August Wilhelm (1662–1731) in der Herrschaft. Er war bereits 1681 von seinem Onkel Rudolf August adoptiert worden und hatte im selben Jahr dessen Tochter Christine Sophie geheiratet.
Rudolf August war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe ging er mit Christine Elisabeth von Barby und Mühlingen (1634–1681) ein, eine zweite morganatische Ehe mit Rosina Elisabeth Menthe (1663–1701). Sein Bruder Anton Ulrich war mit Elisabeth Juliane von Holstein-Norburg (1634–1704) verheiratet. August Wilhelm ging noch zwei weitere Ehen ein.
Architekten, Künstler und Handwerker
Als Architekten waren um 1700 am Wolfenbütteler Schloss Johann Balthasar Lauterbach und Hermann Korb tätig.[7] Nach Lauterbachs Tod 1694 übernahm Hermann Korb die Bauleitung. Die Stuckdecken schuf Giacomo Perinetti. Die Malereien stammten von Joachim Luhn und sein Schwiegersohn Tobias Querfurt.[8]
Forschungsstand
Der Forschungsstand zum Wolfenbütteler Schloss ist gut. Es gibt eine grundlegende Monografie von Hans-Henning Grote aus dem Jahr 2005[9] sowie verschiedene Aufsätze desselben Autors, etwa zu Raumfolgen von 2012.[10] Die Deckenmalerei selbst wurde bislang noch nicht untersucht.
Audienzzimmer des Herzogs

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte
Das Audienzzimmer war Bestandteil des landesherrlich-herzoglichen Appartements. Dessen Raumfolge[11] entstand ab 1690 für Herzog Rudolf August. Sie wurde von einem Saal im Nordosten betreten und verfügte über ein Vorgemach, das Audienzzimmer sowie ein Schafgemach mit Alkoven, zugehöriger Retirade und Graderobe.[12] An diese Räume schloss sich direkt das Appartement seiner zweiten (morganatischen) Ehefrau Madame Rudolfine (Rosina Elisabeth Mente) an. Es bestand nur aus Vorzimmer und Schlafgemach mit Nebenräumen.[13] 1695 erhielt Herzog Anton Ulrich diese Räume.[13] Nach dem Tod von Rudolf August 1704 übernahm Anton Ulrich beide Raumfolgen und nutze das Gemach von Rosina Elisabeth Mente zum Privatappartement um.[14] Es wurde nach 1945 entfernt und hat sich nicht überkommen. Immerhin ist das ehemalige Staatsappartement erhalten – das einzige, das es in Norddeutschland vom Ende des 17. Jahrhunderts noch gibt. Die Räume hatten ehemals Fenster nach Westen ins Freie. 1709/10 wurde jedoch vor dem Appartement eine Galerie, die die Funktion eines zweiten Vorzimmers übernahm, und ein Kabinett geschaffen.[15] Damit war ein modernes herzogliches Zeremoniell möglich.
Das Audienzzimmer selbst stammt von 1690.[16] Aus dieser Zeit kommen auch Stuckdecke und Deckengemälde.[17] Ab 1704 wurde es zusammen mit dem gesamten Zeremonialappartement partiell neu ausgestattet.[18] Der Kamin an der Südwand stammt erst aus einer dritten Bauphase um 1714/15.[17]
Beschreibung
Der querrechteckige Raum erhält sein Licht durch drei Fenster an der Westseite, die ehemals ins Freie wiesen. Hier befindet sich heute eine Galerie. Der Zugang erfolgte durch eine Tür in der Nordwand an der Außenseite aus dem Vorzimmer. Ihr gegenüber führt eine weitere Tür ins Schlafzimmer. An der schmalen Ostwand gegenüber dem Fenster befindet sich ein Baldachin. Unter ihm steht auf zwei Stufen erhöht ein Stuhl. An der Südwand ist mittig ein Kamin mit Spiegel und darüber befindlichem Gemälde Herzog August Wilhelms in die Wand eingefügt. Ehemals waren die Wände mit Wirkteppichen geschmückt.[19] Heute dominiert den Raum eine rote Wandbespannung. In derselben Farbe sind auch Baldachin und Sitzbezüge gehalten. Die Decke aus der Zeit um 1690 zeigt Stuck von Giacomo Perinetti nach einem Entwurf von Johann Oswald Harms, der ein Deckenfresko von Tobias Querfurt aus derselben Zeit rahmt.[17]
Decke des Audienzzimmers

Bau- und Ausstattungsgeschichte
Aus der Bauzeit um 1690/92 stammt die Stuckdecke[20] von Giacomo Perinetti, wohl nach einem Entwurf von Johann Oswald Harms. Das Deckenfresko von Tobias Querfurt stammt aus derselben Zeit.
Beschreibung
Ein sehr breiter Stuckrahmen mit Akanthus und Festons fasst ein vergleichswiese kleines Deckengemälde ein. Über dem Baldachin erblickt man die Büste eines Mannes, den man mit Rudolf August oder Anton Ulrich identifizieren könnte. Das Pendant an der Westseite ist die Büste einer barbusigen Frau. An den Langseiten werden Waffen und Kriegsgerät sowie eine Standarte mit Welfenross im Lorbeerkranz gezeigt. Das Deckengemälde präsentiert den Triumph des Hauses Braunschweig und Lüneburg über die Stadt Braunschweig.
Deckenmalerei im Audienzzimmer

Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde des Audienzzimmers wurde von Tobias Querfurt um 1690 geschaffen.[17]
Beschreibung und Ikonographie
Das Deckengemälde[21] zeigt den Triumph der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg über die Stadt Braunschweig. Diese hatte sich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts von ihren Landesherren emanzipiert und trotzte zahleichen Belagerungen. Sie konnte erst 1671 mit kriegerischen Mitteln von den Herzögen zurückerobert werden. Auf dunklen Wolken sitzt zentral eine weibliche Figur, die als das Welfenhaus identifiziert werden kann. In ihrer Rechten hält sie ein Zepter, während sie ihre Linke mit ausgestreckten Zeigefinger emporhebt. Auf ihrem Schoß liegt ein geschlossenes Buch und zur ihren Füßen der braunschweigische Löwe. Rechts von ihr hält eine Putte in rotem Umhang ein blankes Schwert. Links von ihr schütten zwei weitere Putten einen Geldsack aus, während eine dritte Siegeskranz und Palmzweig emporhebt. Rechts oberhalb ist Fama zu sehen, die den Sieg in alle Welt verkündet. Von oben bricht die Sonne durch die Wolken und beleuchtet die Szenerie.
Komposition und Ansichtigkeit
Das Bild ist auf den eintretenden Besucher hin konzipiert, der es zusammen mit dem Herzog unter dem Baldachin wahrnehmen konnte.
Paradeschlafzimmer des Herzogs
Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte
Das Paradeschlafzimmer im Appartement des Herzogs war ursprünglich ein Gebrauchs-Schlafzimmer. Es war Bestandteil des landesherrlich-herzoglichen Appartements, dessen Raumfolge[11] ab 1690 für Herzog Rudolf August geschaffen wurde. Dieses bestand aus einem Vorgemach, einem Audienzzimmer sowie dem Schlafgemach mit Alkoven und zugehöriger Retirade sowie Graderobe.[12] An diese Räume schloss sich direkt das Appartement seiner zweiten (morganatischen) Ehefrau Madame Rudolfine (Rosina Elisabeth Mente) an. Es bestand nur aus Vorzimmer und Schlafgemach mit Nebenräumen.[13] 1695 erhielt Anton Ulrich diese Räume.[13] Nach dem Tod von Rudolf August 1704 übernahm Anton Ulrich beide Raumfolgen und nutze das Gemach von Rosina Elisabeth Mente zum Privatappartement um.[14] Damit wurde das Schlafzimmer zum Paradeschlafzimmer. Ursprünglich war der Raum[22] gänzlich mit Grisaillemalereien freskiert. Bereits 1694 hatte der Raum seinen Alkoven erhalten. So konnte sich hinter dem Alkoven in der nun entstandenen Garderobe ein kleiner Rest dieser Malerei erhalten. 1706 ließ Anton Ulrich im Raum eine gelbe Damastbespannung anbringen und ebenfalls mit gelbem Damast bespannte Sitzmöbel aufstellen. Der Alkoven wurde mit korinthischen Pilastern gerahmt. Schließlich wurde zwischen 1706 und 1711 auch der Deckenstuck mit einem möglichen Deckengemälde entfernt und durch die heute noch erhaltene Malerei ersetzt. Es wäre laut Grote möglich, dass sich Anton Ulrich nach seiner Konversion um 1710 nach dem Vorbild des Winterpalais des Prinzen Eugen ein Paradeschlafzimmer bekam. Ab 1714 kam es zu weiteren Veränderungen und 1720 erhielt das Schlafzimmer eine kassettierte Wandvertäfelung. Bereits um 1717 wurde der Kamin an die Südwand gesetzt. 1997 rekonstruierte man das Paradezimmer in seinen heutigen (2017) Zustand.
Beschreibung
Der längsrechteckige Raum ist mit gelbem Damast ausgeschlagen und wird an seiner östlichen Längsseite durch einen von weiß und gold gefassten Pilastern gerahmten Alkoven erweitert. Das Paradebett ist mit goldgelbem Damast und silbernen Tressen geziert. Ihm gegenüber an der Westseite geben drei Fenster dem Raum Licht. Er wird durch eine Tür an der Außenseite von Norden her aus dem Audienzzimmer betreten. Ihr gegenüber befindet sich an der Südseite ein Kamin. Eine weitere Tür links daneben führt in die Garderobe.
Die Malerei des Paradeschlafzimmers

Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke des Paradeschlafzimmers wurde zwischen 1706 und 1711 zusammen mit einer Neuausstattung gemalt.[23] Seit 1702 hatte man sich in Wolfenbüttel von Stuckdecken und Deckengemälden abgewandt und bevorzugte gemaltes Bandelwerk zur Deckengestaltung.[4] Dennoch steht im Zentrum der komplett ornamental gestalteten Decke ein kleines, ovales, gegenständliches Bild von Tobias Querfurt, das die Morgenröte darstellt. Das Bandelwerk greift Vorlagenstiche von Sebastien Leclerc auf.[17]
Beschreibung und Ikonographie
Vier heute kaum mehr erkennbare Putten umgeben die heute gänzlich unkenntliche Morgenröte.
Erstes Antichambre
Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte
Das erste sogenannte Antichambre hat im 17. und 18. Jahrhundert innerhalb kürzester Zeit verschiedene Funktionen zu erfüllen und unterschiedliche Nutzer gehabt. Der Raum ist nach 1690 entstanden, als im Hauptgeschoss des Wolfenbütteler Schlosses Appartements für die beiden Herzöge Rudolf August und Anton Ulrich eingerichtet wurden. Während das Gemach des älteren Bruders Rudolf August im Südwesten eines neu geschaffenen Saals lag, befand sich das des jüngeren Anton Ulrich im Nordosten.[24] Nach 1697 nutzte es die Frau Anton Ulrichs, Elisabeth Juliane. Nach ihrem Tod 1704 dienten ihre Räume als Gesellschafts- und Gastappartement der allgemeinen Repräsentation, nach dem Tod Anton Ulrichs 1714 integrierte man einige der Räume in das neu etablierte und erweiterte Gemach der Herzogin. Das Audienzzimmer wurde zum ersten Antichambre. Zwischen 1735 und 1738 erneuerte man das Appartement für Herzogin Philippine Charlotte, Gemahlin von Herzog Karl I.
Bis 1695 war das erste Antichambre das Audienzzimmer von Anton Ulrich. Ihm war ein Vorzimmer im Südwesten vorgeschaltet, nach Nordosten folgten Schlafzimmer und Kabinett. Seine Gemahlin nutzte nach 1695 die Räume mit derselben Funktionsaufteilung. Aus der Zeit der Erstnutzung stammen Kamin und Decke mit Stuck und Malerei. Die Bandelwerkmalerei in den Fenstergewänden ist eine Rekonstruktion aus der Zeit um 1955 und stammt ursprünglich von 1711. Die heute vorhandene Intarsienvertäfelung der Wände befand sich ehemals in einem Kabinett, das an das Schlafzimmer der Herzogin angrenzte.
Sie wurde 1736/37 geschaffen und kam 1955 in die Antichambre.[25]
Beschreibung
Das erste Antichambre[26] ist ein querrechteckiger Raum mit drei Fenstern an der Südseite, die heute auf eine Galerie weisen. An der westlichen Längswand steht mittig ein mächtiger Volutenkamin. Dieser stammt noch aus der Zeit Anton Ulrichs und gehört zur Erstausstattung. Ebenso gehören Deckenstuck und zwei in die Decke eingelassene Ölgemälde aus dem Jahr 1692 zur Erstausstattung. Die Gemälde werden Johann Oswald Harms zugeschrieben, der Stuck stammt von Giacomo Perinetti. Die Wände sind heute komplett ahistorisch vertäfelt. Ursprünglich waren die Wände mit Wirkteppichen geschmückt.[27]
Die Decke des Ersten Antichambre

Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Stuckdecke des sogenannten ersten Antichambres stammt von 1692 und wurde von Giacomo Perinetti stuckiert.[28]
Beschreibung
Die Decke ist zweigeteilt. Jedes der leicht querrechteckigen Felder nimmt ein Deckengemälde auf. An der Westseite ragt ein Kamin in den Raum. Zu seinen Seiten im Norden und Süden befinden sich zusätzliche Stuckfelder.
Perseus
Externes Bild
Bild beim Anbieter ansehen
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei wurde 1692 aller Wahrscheinlichkeit nach von Tobias Querfurt geschaffen.[28] Es handelt sich um eines von zwei Ölgemälden auf Leinwand.
Beschreibung und Ikonographie
An der zweigeteilten Decke ist im nördlichen Feld Perseus auf Pegasus zu sehen.[26] Das geflügelte weiße Ross steigt von links unten nach rechts oben auf. Der gerüstete Mars sitzt auf seinem Rücken und wendet dem Betrachter sein Gesicht zu, ohne ihn anzuschauen. Pegasus hingegen stellt Blickkontakt her. Die Szenerie ist vor einem dunklen Himmel dargestellt. Lediglich links unten ist der rote Wiederschein der Sonne zu erkennen. Baumkronen ragen von unten in das Bild.
Komposition und Ansichtigkeit
Die Malerei ist auf das Fenster und damit auf den Eintretenden hin ausgerichtet.
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung geht auf Pietro da Cortona zurück, vermittelt durch einen Stich von Pierre Simon.
Merkur
Externes Bild
Bild beim Anbieter ansehen
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei wurde 1692 aller Wahrscheinlichkeit von Tobias Querfurt geschaffen.[29] Es handelt sich um eines von zwei Ölgemälden auf Leinwand.
Beschreibung und Ikonographie
An der zweigeteilten Decke ist im südlichen Feld Merkur dargestellt.[26] Mit Flügeln an den Fesseln, Flügelhelm und Caducaeus ist er eindeutig gekennzeichnet. Er wendet dem Betrachter den Rücken zu und scheint gerade von einem Gebäude aus in die Lüfte nach links emporgestiegen, um gleich darauf zu entschwinden. Den obersten Gebäudeabschluss kann man rechts unten gerade noch erblicken. Ansonsten ist das untere Bildviertel von dichtem Wald bedeckt, aus dem ein Obelisk aufragt. Den größten Teil des Bildes nimmt ein Wolkenhimmel ein, der von der Abend- oder Morgensonne beschienen wird. Vor diesem erblicken wir Merkur.
Komposition und Ansichtigkeit
Die Malerei ist auf das Fenster und damit auf den Eintretenden hin ausgerichtet.
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung geht auf Pietro da Cortona zurück, vermittelt durch einen Stich von Pierre Simon.
Redoutensaal
Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte
Im Süden des Schlosses Wolfenbüttel wurde 1695–97 unter der Bauleitung von Hermann Korb ein neuer Hauptsaal errichtet – der spätere sogenannten Redoutensaal[30] im ersten Obergeschoss des erweiterten Flügels. Die Gemälde im Raum schuf Tobias Querfurt, der Porträtist der herzoglichen Familie, darunter allein 18 Porträts für die Wände. Das Deckengemälde stammte von Joachim Luhn. 1834–35 wurde der Saal zu einem Theater umgebaut und der Stuck dabei größtenteils zerstört. 1904 schloss man das Theater und entkernte den Bau 1906. Die Decke wies bereits 1904 leere Felder auf. An den Wänden hingen noch Gemälde. Es hat sich nichts erhalten.
Beschreibung
Der anderthalb Geschosse hohe Hauptsaal[31] im ersten Obergeschoss erhielt sein Licht über große Fenster an den Langseiten im Norden und Süden – unten waren es hochrechteckige, im oberen Bereich runde. An den Schmalseiten waren jeweils mittig Kamine angeordnet sowie flankierend Flügeltüren. Die Wände gliederten korinthischen kannelierte Pilaster, die ein ausladendes verkröpftes Gebälk trugen. Große Gemälde von Tobias Querfurt über den Kaminen zeigten die Brüder Rudolf August und Anton Ulrich sowie die Gemahlin von Anton Ulrich – Elisabeth Juliane. Die Supraporten präsentierten die beiden Söhne Anton Ulrichs sowie ihre Frauen. Zwischen den unteren und oberen Fenstern waren 12 Brustbilder mit Verwandten der regierenden Brüder angebracht.
Die Stuckdecke zeigte ein üppiges Akanthusornament mit Muschel- und Maskenwerk von Giacomo Perinetti. Der Stuck fasste ein dominierendes Zentralmedaillon und vier kleine Rundmedaillons ein. Während die vier kleinen freskierte Wappen des Herzogshauses präsentierten, nahm das große ein Deckengemälde von Joachim Luhn auf und zeigte die verstorbenen Ahnen des Welfenhauses, die auf den Betrachter herabsahen. Je länger die zeitliche Distanz war, umso kleiner präsentierte Luhn die Dargestellten dieser Ahnenreihe, die bis in die Vorzeit reichte. An den Rändern des Plafonds — die vier Eckmedaillons verbindend — erblickte man lange Spruchbänder, deren lateinische Inschriften ebenfalls freskiert waren.
Vorraum

Das Deckengemälde des Vorraums zwischen Treppenhaus und Hofgalerie stammt aus dem Gutshaus in Wolfenbüttel-Linden und wird dort beschrieben:
http://www.deckenmalerei.eu/0a2ad3a0-c646-11e9-b733-65672f97cce2
Das ehemalige Essgemach im Herzogsappartement

Die im ehemaligen Essgemach des Herzogsappartements gezeigte Deckenmalerei stammt aus Haus Schwülper und ist dort beschrieben: http://www.deckenmalerei.eu/e0d2f1a0-c5a4-11e9-b229-6b499a37f581
Das Intarsienkabinett

Die im Intarsienkabinett gezeigte Deckenmalerei stammt aus ehem. Voigt-Rhetzschen Haus in Wolfenbüttel und wird dort beshrieben: http://www.deckenmalerei.eu/2591c545-b8d5-4bf5-b712-993ac481dc32.
Bibliographie
- Literatur:
- Albrecht, Korb, 2006. – Albrecht, Peter/Paulus, Simon (Red.): Hermann Korb und seine Zeit: 1656–1735. Barockes Bauen im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Braunschweig 2006.
- Alvensleben, Korb, 1937. – Alvensleben, Udo von: Die Braunschweigischen Schlösser der Barockzeit und ihr Baumeister Hermann Korb. Berlin 1937.
- Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen, Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München 1992.
- Grote, Lauterbach, 1995. – Grote, Hans-Henning: Johann Balthasar Lauterbach (1663–1694). Professor für Mathematik, Landbaumeister und Ingenieur am Wolfenbütteler Fürstenhof (Beihefte zum Braunschweigischen Jahrbuch, 10). Braunschweig 1995.
- Grote, Wolfenbüttel, 2005. – Grote, Hans-Henning: Schloss Wolfenbüttel. Residenz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Braunschweig 2005.
- Grote, Bey-Zierden, 2006. – Grote, Hans-Henning: Von den Bey-Zierden der Architectur. Welche durch Mahlerey und Bildhauerey zuwege gebracht werden … In: Albrecht, Peter/Paulus, Simon (Red.): Hermann Korb und seine Zeit: 1656–1735. Barockes Bauen im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Braunschweig 2006, S. 267-272.
- Grote, Wolfenbüttel, 2008. – Grote, Hans-Henning: Schloss Wolfenbüttel. Residenz der Herzöge zu Braunschweig und Lüneburg. Braunschweig 2008.
- Grote, Wohnungen, 2012. – Grote, Hans-Henning: Die Wohnungen Herzog Anton Ulrichs im Schloss Wolfenbüttel und im Schloss Salzdahlum. In: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte 93 (2012), S. 180-195.
- Hagen, Wolfenbüttel, 1988. – Hagen, Rolf: Schloß Wolfenbüttel (Museum 6). Braunschweig 1988.
- Kelsch, Querfurt, 1983. – Kelsch, Wolfgang: Die Künstlerfamilie Querfurt im Spiegel barocker Hofkultur des Herzogs Anton Ulrich. Zum 350. Geburtstag des Herzogs Anton Ulrich am 4. Oktober 1983. In: Braunschweigische Heimat 69 (2/1983), S. 33–47.
- Klessmann, Anton Ulrich, 1983. – Klessmann, Rüdiger (Katalogred.): Herzog Anton Ulrich von Braunschweig. Leben und Regieren mit der Kunst. Zum 350. Geburtstag am 4. Oktober 1983. Ausstellung im Herzog Anton Ulrich-Museum vom 25. August bis 30. Oktober 1983. Braunschweig 1983.
- Meier, Wolfenbüttel, 1904. – Meier, Paul J. (Bearb. mit Beiträgen von K. Steinacker): Die Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Wolfenbüttel. Wolfenbüttel 1904.
- Paarmann, Wolfenbüttel, 1991. – Paarmann, Michael: Schloß Wolfenbüttel – zur jüngeren Restaurierungsgeschichte. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 11 (3/1991), S. 88–93.
- Archivalien:
- Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung. 031-5362-005-02 (1.1).
- Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung. 031-5362-995-03 (3.2).
Einzelnachweise
- ↑ Alvensleben, Korb, 1937, S. 45–48; Hagen, Wolfenbüttel, 1988; Paarmann, Wolfenbüttel, 1991; Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1395–1398; Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 47–148; Grote, Wolfenbüttel, 2008, S. 12–13; Grote, Wohnungen, 2012, S. 189.
- ↑ Meier, Wolfenbüttel, 1904, S. 135; Grote, Wohnungen, 2012, S. 189.
- ↑ Grote, Bey-Zierden, 2006, S. 267.
- ↑ 4,0 4,1 Grote, Wohnungen, 2012, S. 185.
- ↑ Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 137–141; Grote, Wolfenbüttel, 2008, S. 44.
- ↑ Klessmann, Anton Ulrich, 1983.
- ↑ Alvensleben, Korb, 1937; Thöne, Lauterbach, 1950; Grote, Lauterbach, 1995; Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 66; Albrecht, Korb, 2006.
- ↑ Kelsch, Querfurt, 1983.
- ↑ Grote, Wolfenbüttel, 2005.
- ↑ Grote, Wohnungen, 2012.
- ↑ 11,0 11,1 Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 95–114; Grote, Wohnungen, 2012, S. 181, 183–185, 191.
- ↑ 12,0 12,1 Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 91–148; Grote, Wolfenbüttel, 2008, S. 12–13.
- ↑ 13,0 13,1 13,2 13,3 Grote, Wohnungen, 2012, S. 183.
- ↑ 14,0 14,1 Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 95; Grote, Wohnungen, 2012, S. 187.
- ↑ Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 104; Grote, Wohnungen, 2012, S. 189.
- ↑ Hagen, Wolfenbüttel, 1988, S. 82.
- ↑ 17,0 17,1 17,2 17,3 17,4 Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 104.
- ↑ Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 95.
- ↑ Grote, Wolfenbüttel, 2008, S. 24; Grote, Wohnungen, 2012, S. 185.
- ↑ Hagen, Wolfenbüttel, 1988, S. 82; Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 104.
- ↑ Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Foto-, Schrift- bzw. Plansammlung und Sammlung der Restaurierung.031-5362-995-03 (3.2); Hagen, Wolfenbüttel, 1988, S. 82–86.
- ↑ Grote, Wohnungen, 2012, S. 185, 188; Grote, Wolfenbüttel, 2008, S. 26; Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 104, 110.
- ↑ Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Foto-, Schrift- bzw. Plansammlung und Sammlung der Restaurierung. 031-5362-995-03 (3.2).
- ↑ Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 119–136; Grote, Wohnungen, 2012, S. 183, 187, 191.
- ↑ Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 124.
- ↑ 26,0 26,1 26,2 Hagen, Wolfenbüttel, 1988, S. 64; Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 124.
- ↑ Grote, Wohnungen, 2012, S. 185, 192.
- ↑ 28,0 28,1 Grote, Bey-Zierden, 2006, S. 268; Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 124.
- ↑ Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 124; Grote, Bey-Zierden, 2006, S. 268.
- ↑ Alvensleben, Korb, 1937, S. 46–47; Meier, Wolfenbüttel, 1904, S. 135; Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 66, 144–145.
- ↑ Alvensleben, Korb, 1937, S. 46–47; Grote, Wolfenbüttel, 2005, S. 144–145.