Wintzingerode, Rittergut Bodenstein
Inventarnummer: cbdd10144
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Bodenstein wurde immer wieder umgebaut. Die ehemals reiche Ausstattung ging nach 1945 weitgehend verloren. Wandmalerei hat sich in Resten in einem Kabinett erhalten sowie transloziert einem ehemaligen Herrschaftsstand der Schlosskapelle. Es handelt sich um Chinoiserien und einen Kleopatrazyklus.

Schloss Bodenstein
Kurzbeschreibung
Das Schloss besteht aus der ehemaligen Burg und einem vorgelagerten Wirtschaftshof zusammen. Die ehemalige Burg setzt sich heute aus drei ungleichen Flügeln zusammen. Nach Osten ist der Burghof geöffnet. Hier wird der Bereich lediglich von einer Mauer mit Eingangstor geschlossen.
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Schloss Bodenstein[1] ist eine ehemalige Höhenburg, die sich am Rand einer Bergnase über der Ortschaft Wintzingerode erhebt. Sie geht wohl auf eine Reichsburg des 10. Jahrhunderts zurück und gelangte 1337 zum Teil und 1448 komplett an die Herren von Wintzingerode. Nach Teilzerstörungen im Bauernkrieg erfolgte 1527 der Wiederaufbau. Auch im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Anlage Beschädigungen. Der folgende Auf- und Umbau zum Schloss wurde vor allem durch Heinrich Jobst von Wintzingerode (1628–77) forciert. Er ließ den Bergfried und die Befestigungsanlagen niederlegen sowie 1668 die Schlosskapelle vollenden und einen Hauptsaal einrichten. Einen tiefgreifenden Umbau erfuhr Schloss Bodenstein aber vor allem unter Georg Ernst Levin von Wintzingerode (1752–1834). Bis 1945 blieb das Innere weitgehend durch seine Maßnahmen geprägt. Letztere größere Umbauten erfolgten unter Graf Wilko von Wintzingerode Ende des 19. Jahrhunderts. 1945 erfolgte die Enteignung der Wintzingerode und Bodenstein diente ab 1971 als kirchliches Tagungs- und Erholungsheim. 1991–1994 sowie 2009–10 wurde Schloss Bodenstein restauriert.
Auftraggeber
Schloss Bodenstein war von 1448 bis 1945 im Besitz der Herren und ab 1794 Grafen von Wintzingerode. Die Herren von Wintzingerode erlangten nach 1648 eine fast landesherrliche Stellung und erhielten als Protestanten im katholischen Fürsterzbistum Mainz die Kirchenhoheit für ihren Besitz bis 1803, als der Mainzer Kurstaat aufgelöst wurde. Georg Ernst Levin von Wintzingerode (1752–1834) war ein bedeutender Staatsmann. Auf Betreiben seiner Geliebten, der verwitweten Philippine von Hessen, einer geborenen Markgräfin von Brandenburg-Schwedt, wurde er 1794 in den erblichen Reichgrafenstand erhoben. Dann schloss das Paar eine morganatische Ehe. Als Philippine 1800 verstarb, erhielt Georg Ernst Levin als Alleinerbe ihr Vermögen. Das war immerhin ein Fünftel des Allodialbesitzes der erloschenen Markgrafen von Brandburg-Schwedt einschließlich Immobilien und Kunstschätzen, mit denen er in den kommenden Jahren Schloss Bodenstein ausstattete.
Beschreibung
Die drei Flügel sind zum Hof hin dreigeschossig und teilweise verputzt. Das zweite Obergeschoss des Süd- und Westflügels ist in Fachwerk aufgesetzt. Der Nordflügel ist baulich zweigeteilt – der östliche Bereich ist zum Hof komplett in Fachwerk erbaut. Im Fachwerkbereich ist die 1668 geweihte Schlosskapelle untergebracht. Der westliche massive Teil war bis 1889 ein Wirtschaftsflügel mit Stallungen. Dem Westflügel ist eine Arkadengalerie vom Ende des 19. Jahrhunderts vorgelegt. Ehemals war hier die Dienerschaft untergebracht.
Den Südflügel erschließt ein annähernd mittig an der Hofseite gelegener runder Treppenturm. Hier befanden sich die herrschaftlichen Wohn- und Repräsentationsräume. Das Fachwerkgeschoss über den beiden massiven unteren Geschossen geht auf die Baumaßnahmen von Heinrich Jobst zurück. Das Innere birgt den Hauptsaal und ein Chinesisches Kabinett.
Forschungsstand zur Baugeschichte
Der Forschungsstand zum Schloss und seiner Ausstattung ist ungenügend. Das Innere birgt den Hauptsaal und ein Chinesisches Kabinett. Für das Eichsfeld wurde kein Denkmalinventar erstellt. Die Veröffentlichungen beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit der Geschichte der Besitzer.
Das Chinesische Kabinett und seine Wandmalerei
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Chinesische Kabinett[2] im ersten Obergeschoss dient heute als Bibliothek. Es war ehemals fast quadratisch und wird durch eine Tür in tiefer Nische von Osten her betreten. Sein Licht erhält es durch ein Doppelfenster an der Südseite. Der Raum gehörte ehemals zum Bereich der Burgfrau und war geschaffen worden, um die Porzellane zu präsentieren, die über Philippine von Hessen-Kassel nach Bodenstein gelangt waren. Der Raum ist um 1794, dem Jahr der Eheschließung, zu datieren. Zu sehen waren chinesische, japanische und europäische Porzellane. Um die Sammlung angemessen zu präsentieren, wurde der Raum mit chinoiser Malerei ausgestattet. Nach 1945 wurde die Burg geplündert und die Kunstschätze gingen verloren. An der Westwand hat sich der Rest einer Vitrine erhalten. Heute ist der Raum nach Norden erweitert.
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei war lange Zeit übertüncht und wurde erst wieder freigelegt.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei[4] ist auf den Holzverkleidungen in der Türnische, den Fensterlaibungen sowie den teilweise erhaltenen Sockelpaneelen und der Türfüllung überkommen. Die chinoise Malerei wurde auf schwarze Felder in roten Rahmen aufgetragen. Zu sehen sind Ornamentbänder, Akanthuswerk sowie teilweise Grotesken und Architekturdetails in ockerigen bis rötlichen und violetten Farbtönen. Einige Details sind in Goldmalerei ausgeführt. In dieses prinzipiell symmetrische Ornamentwerk sind figürliche Darstellungen von Menschen in der Art dargestellt, wie man sich damals Chinesen vorstellte. Die Ostseite der Fensternische zeigt zwei Männer am Tisch, die Tee trinken und Pfeife rauchen, an der gegenüberliegenden Westseite betet ein Mann ein vergoldetes Idol an. In der Südwand der Türnische ist ein Paar dargestellt, von denen einer eine Lampe trägt, an der Nordseite das Zusammentreffen eines weiteren Paares. Die Tür ist rein ornamental gestaltet. In der Sockelzone wechseln rein ornamental gestaltete Felder mit denen ab, die ‚Chinesen‘ zeigen. Es handelt sich um Paare oder Einzelpersonen.
Das sog. Jägerzimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Schlosskapelle wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648 unter Adolph Ernst von Wintzingerode begonnen und 1668 unter seinem Sohn Heinrich Jobst vollendet. An der Westwand befindet sich im Obergeschoss ein Raum, der sich mit drei Öffnungen und einer Tür zur Kapelle hin öffnet. Es handelt sich um den ehemaligen Herrschaftstand, der heute Jägerzimmer genannt wird.
Beschreibung
Der rechteckige Raum ist schmucklos. An der Südseite gibt ein Fenster mit Segmentbogen Licht. Von Westen wird der Raum betreten. Bis auf die durchbrochene Ostwand zur Kapelle hin sind die Wände komplett mit einer Malerei bedeckt, die Wandteppiche imitiert. Diese sind erst nachträglich in diesen Raum gebracht worden.
Der Kleopatrazyklus im Jägerzimmer
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[5]wird in das 17. Jahrhundert[6] datiert und soll aus „Holland“ [7] stammen. Künstler, Auftraggeber und ursprünglicher Anbringungsort der Leinwandmalerei sind unbekannt.
Beschreibung und Ikonographie
Die Leinwände sind offensichtlich nachträglich in das Jägerzimmer montiert worden. Sie wurden zerteilt und grob wieder zusammengenäht. Fenster und Tür haben einige Bereiche zerstört. Da die ursprünglichen Maße der Malerei nicht mit den Raummaßen des Jägerzimmers übereinstimmen, wurden einerseits Bereiche abgetrennt und andererseits nicht zusammengehörende Teile nebeneinander angebracht. Es handelt sich um einen Malereizyklus, der Kleopatra gewidmet ist.
Das Zusammentreffen von Marc Anton und Kleopatra
An der Nordwand mit Eingangstür erblickt man das Zusammentreffen von Marc Anton und Kleopatra in Tarsus. Während Marc Anton römisch gekleidet ist, hat man für Kleopatra eine morgenländische Tracht gewählt, wie auch für ihre Diener. Links erblickt man das Schiff, dem Kleopatra aus Ägypten angereist ist. Das Paar begrüßt sich in der Mitte und blickt sich dabei tief in die Augen. Links steht das Pferd, mit dem Marc Anton zum Treffen gekommen ist. Der Künstler hat versucht, die durchaus mitteleuropäische Flora mit einer zentralen Palme in eine mediterrane Landschaft zu verwandeln. Auch das Schiff der Kleopatra ist ganz europäisch-zeitgenössisch dargestellt. Am Heck befindet sich die Darstellung eines Pelikans. Links ist im Hintergrund eine Stadt zu erkennen.
Das Gastmahl der Kleopatra
An der Westwand ist das Festmahl der Kleopatra zu sehen. Sie hatte vor Marc Anton mit ihrem Reichtum geprahlt und gewettet, sie könne zehn Millionen Sesterzen in einem einzigen Mahl verspeisen. Um die Wette zu gewinnen, löste sie einen Ohrring, der angeblich die größte und teuerste Perle der Welt enthielt, und löste diese Perle in Wein auf, den sie dann mit der Perle trank. Zu sehen ist der Moment, in dem Kleopatra im Begriff ist, die Perle in Weinkelch fallen zu lassen. Das Paar sitzt an einem Tisch in der freien Natur. Links erblickt man einen gebückten Diener. Was er tun will, ist nicht auszumachen, da der anschließende Teil der Malerei für die Eingangstür in den Raum entfernt wurde. Die Malerei setzt sich jedoch über der Tür fort und ganz links ist neben der Tür ein Teil der Malerei erhalten, auf dem man einen Römer sieht, der nach links aus dem Bild herausgeht. Wohin er gehen will, bleibt unbekannt, da die Wand hier endet und die Leinwand abgeschnitten wurde. Da rechts der Tafelszene noch Raum frei war, wurde hier Waldstück angesetzt.
Der Tod der Kleopatra
An der Fensterseite ist die Malerei durch das vorhandene Fenster weitgehend zerstört. Unter dem Fenster erblickt man einen Mann, der eine Schale hält. Eventuell gehörte sie ehemals zu der Darstellung des Gastmahls. Die angesetzte Szene rechts ist jedoch eindeutig zu bestimmen. Es handelt sich um den Tod der Kleopatra. Nachdem sie und Marc Anton gegen ihren Widersacher Octavian verloren haben und Marc Anton gestorben ist, bringt Kleopatra sich um. Barbusig sitzt sie auf einem Stuhl, die tödliche Giftschlange an ihrer Burstwarze. Rechts von ihr kommt Octavian herbei, der nach rechts außerhalb des Bildausschnittes diesen Tod Anderen mitzuteilen scheint. Ein Reiter und ein Pferd unten am Boden gehören zu seinem Gefolge. Im Hintergrund sind stilisierte Pyramiden auszumachen.
Bibliographie
- Literatur:
- Alvensleben, Besuche, 1968. – Alvensleben, Udo A. E. von: Besuche vor dem Untergang. Adelssitze zwischen Altmark und Masuren. Aus den Tagebuchaufzeichnungen von Udo v. Alvensleben. Zusammengestellt und herausgegeben von Harald v. Koenigswald. Frankfurt/M/Berlin 1968.
- Dehio, Thüringen, 1998. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. Berlin/München 1998.
- Duval, Eichsfeld, 1845. – Duval, Carl (Hrsg.): Das Eichsfeld. Sondershausen 1845.
- Winkelmann/Wintzingerode, Bodenstein, 1994. – Winkelmann, Bernd/Wintzingerode, Heinrich Jobst Graf von: Die Sehenswürdigkeiten der Burg Bodenstein. Ein Rundgang. In: Wintzingerode, Heinrich Jobst von/Winkelmann, Bernd/Gaßmann, Rita: Die Burg Bodenstein im Eichsfeld. Geschichte und Gegenwart. Duderstadt 1994, S. 65-75.
- Wintzingerode, Bodenstein, 1994. – Wintzingerode, Heinrich Jobst Graf von: Geschichte der Burg und Herrschaft Bodenstein von ihren Anfängen bis 1947. In: Wintzingerode, Heinrich Jobst von/Winkelmann, Bernd/Gaßmann, Rita (Hrsg.): Die Burg Bodenstein im Eichsfeld. Geschichte und Gegenwart. Duderstadt 1994, S. 8-41.
- Archivalien:
- Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv. Wintzingerode, Burg Bodenstein [14-61.120.001].
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Thüringen, 1998. S. 1392–1394; Wintzingerode, Bodenstein, 1994;Duval, Eichsfeld, 1845, S. 524–530. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv. Wintzingerode, Burg Bodenstein [14-61.120.001].
- ↑ Dehio, Thüringen, 1998. S. 1394; Winkelmann/Wintzingerode, Bodenstein, 1994, S. 71; Duval, Eichsfeld, 1845, S. 527. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv. Wintzingerode, Burg Bodenstein [14-61.120.001].
- ↑ Winkelmann/Wintzingerode, Bodenstein, 1994, S. 71.
- ↑ Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv. Wintzingerode, Burg Bodenstein [14-61.120.001].
- ↑ Dehio, Thüringen, 1998. S. 1394; Winkelmann/Wintzingerode, Bodenstein, 1994, S. 74–75; Alvensleben, Besuche, 1968, S. 134.
- ↑ Alvensleben, Besuche, 1968, S. 134.
- ↑ Winkelmann/Wintzingerode, Bodenstein, 1994, S. 74–75.