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Wimpasing bei Ampfing, Sog. Schweppermannkapelle

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 8: Landkreis Mühldorf am Inn. Hirmer, München 2002, ISBN 978-3-7774-9430-2, S. 294–298, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

WIMPASING bei Ampfing

Sog. Schweppermannkapelle, Nebenkirche der Pfarrei Ampfing, Gemeinde Ampfing, Erzdiözese München und Freising. Z.Z. der Ausmalung war die Pfarrei Ampfing dem Augustiner-Chorherrnstift Au inkorporiert, Erzdiözese Salzburg. Wimpasing lag in der Hofmark Aschau, die den Grafen Törring zu Jettenbach gehörte. Gericht Neumarkt

Patrozinium: Johannes der Täufer

Zum Bauwerk: Neubau um 1721/22 anstelle einer älteren Gedenkkapelle zur Erinnerung an die Schlacht bei Ampfing (1322), in der Kaiser Ludwig der Bayer über Friedrich den Schönen von Österreich siegte. Als Kurfürst Max Emanuel am 10.7.1720 anläßlich eines Besuchs in Schloß Zangberg die Kapelle in einem ganz schlechten Zustand sah, ordnete er an, sie zur 400-Jahr-Feier neu zu erbauen, weil sie »nit einmal einer Catholischen Kirche oder Kapelle sondern vielmehr des so uralten Gepäus willen einem Gözen Tempel gleichet« (StAL, Kirchenrechnungen). Neubau durch den Neumarkter Maurermeister Silvester Mayerhofer noch im gleichen Jahr (»Silvester Mayerhofer, Bürger und Maurermeister zu Neumarkt, hat mit 1 Gsöllen ermeltes Gottshaus sambt dem Turm auf den Grund abgebrochen und Visier und Überschlags gemäß vom Fundament neu auferpaut nit weniger die alte Freythofmauer abgetragen und eine neue aufgeführt. 33 Tag a 30x., Palier 117 Tag a 24x., den Gsöllen 648 Tag je 20x. und dem Mertlkocher 133 Tag a 14x. = 323 fl.«). Zimmermeister war Hans Heisleigner aus Niederbergkirchen, Schreiner Veit Simmel aus Weilkirchen, dem der Altaraufbau zuzuschreiben ist. Ausstattung 1721. Die Figurengruppe auf dem Altar, Taufe Jesu mit Johannes und einem Engel, der das Handtuch bereithält, kann dem Bildhauer Georg Ferdinand Hartmann aus Wasserburg zugeschrieben werden (vgl. Wolfgangskapelle in St. Wolfgang bei Isen, 1720). Zwei überlebensgroße weibliche Heilige mit Palmzweig, die vor der Restaurierung in der Kirche standen, sind als früheste bekannte Werke Johann Georg Kapfers, der 1745/51 in Neumarkt wohnte, anzusehen.

Überkuppelter achteckiger Zentralbau (Durchmesser 9 m), der heute frei in einer Wiese steht. Turm im W, dessen Erdgeschoß eine kleine Vorhalle bildet. Gliederung durch Pilaster, die sich über dem umlaufenden Kranzgesims zen. Belichtung durch je drei hohe Rundbogenfenster im N und S, das südöstliche durch den Sakristeianbau halb verdeckt

Auftraggeber: Kurfürst Max Emanuel (1672–1726). Die Kapelle lag an der Straße nach Altötting, wohin der Kurfürst regelmäßig zu seinem Geburtstag am 11. Juli wallfahrte. Da der Auftrag zum Bau von ihm selbst kam, wurde auch die Ausmalung, die in der Regel durch Stiftungen aufgebracht werden mußte und daher in den Kirchenrechnungen nicht erscheint, über den Kurfürstlichen Geistlichen Rat abgerechnet.

Für Kloster Au Propst Joachim Böheim (1715–48); Pfarrvikar in Ampfing war P. Januarius Gschwendtner (1719–26). Erst 1722, als Propst Joachim in Salzburg um die Erlaubnis zum Lesen der Messe nachsuchte, erfuhr das Salzburger Consistorium von dem Neubau und verwies dem Propst das eigenmächtige Vorgehen, was dieser mit der kurfürstlichen Anordnung entschuldigte.

Autor und Entstehungszeit: Fresko A Joseph Anton Haas (* um 1684 Schärding † 1742 Neumarkt) 1721.

Fresken 1-8 Joseph Franz Högler (* unbekannt † unbekannt) 1721. Signatur in 8 Joseph / Franz Hög/=ler 1721.

»Joseph Anton Haasen, Bürger und Maler zu Neumarkt, ha den großen Knopf und das Kreuz auf dem Turm wie auch einen Knopf auf das Kirchentach mit guetem Bleigold und au den Knopf einen Ritter vergoldt. Item in der Kirchen obenau im Gewölb vorbemelte Schlacht in Fresco, dann neben dener mit Ölfarben angestrichenen Apostel Leuchter auch selb Kränz an die Mauer gemalen, die Wandlung Leuchter blau und rott und entlichen die Kirchentüre zweimal silberfarb ange strichen ... 39 fl. 45 x.« (StAL).

Haas hielt sich bei der Darstellung der Schlacht bei Ampfing an eine ältere Vorlage, die im Fürstensaal von Schloß Zangberg hängt. (Kupferschmied, S. 152, Anm. 111 und 119, datiert dieses Gemälde nach 1730 wegen der im Bild dargestellten barockisierten Kirche in Haigerloh; diese wurde den Kirchenrechnungen zufolge jedoch schon 1715 von Silvester Mayerhofer barockisiert.) Die Darstellung geht wiederum auf ein Gemälde von Hans Werle, früher im Münchner Herkulessaal, heute im Filialmuseum Burghausen, zurück. Als weitere Bildvorlage kann ein ähnliches Gemälde der Schlacht bei Ampfing gedient haben, heute im Heimatmuseum Mühldorf, das wahrscheinlich aus der Vorgängerkirche in Wimpasing stammt, Renoviert 1722 datiert und dabei durch die Vierzehn Nothelfer in Wolken ergänzt (Kupferschmied, S. 112), vielleicht von Joseph Anton Haas.

Ein Maler Joseph Franz Högler ist bisher nicht bekannt geworden. Ein bürgerlicher Maler Johann Hörger ist 1709 in Salzburg nachweisbar (Volker Liedke, Bildhauer und Maler des 17. und 18. Jahrhunderts in den Bürgerbüchern von Salzburg, in: Ars Bavarica 9, 1978, S. 81).

Befund

Träger der Deckenmalerei: Kuppel über Kranzgesims mit Gurtbogengliederung

Rahmen: A Stuckprofil, 1–8 abwechselnd tropfen- und dreipaßförmige Stuckkartuschen mit Akanthus bzw. Palmetten.

Technik: Fresko; A polychrom, 1, 4, 5, 8 monochrom blaugrau, 2 und 3 monochrom ocker, 6 und 7 monochrom karmin Maße: A Höhe 9,50m (Stich 3,50); Ø 2,80

1-8 ca. 1,60 x 1,60

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei einem Antrag auf Restaurierung 1835 nannten der Kooperator Joseph Riemer und der Kirchenpfleger den Bau ein historisches Denkmal, von schlechter Qualität und am Zusammenstürzen, das Deckenbild »blaß, unscheinbar und sehr beschädigt«, für das Ausmaß der Kuppel viel zu klein und zudem »äußerst schlecht gepinselt«, wobei im besonderen die »bizarren Figuren« beanstandet wurden; gegen den Plan einer Neuausmalung trat aber der Pfarrer ein. Renovierung 1850 (Mayer-Westermayer), Baureparaturen 1918. Innenrestaurierung durch Fa. Ludwig Keilhacker 1947. Die Fresken befanden sich in schlechtem Zustand, besonders 1-8; sie wurden durch Kunstmaler Hermann Maillinger, Mühldorf, stark erneuert und wirken wie Fremdkörper neben dem Kuppelbild. Letzte Innenrestaurierungen 1969 und 2001 durch Karl Holzner, Ampfing. Das Kuppelfresko ist gut erhalten; die Zwickelfresken dagegen unterschiedlich: der Zustand von 1 und dem signierten Zwickel 8 ist noch am besten, 2 und 3 sind relativ wenig übermalt, 4 und 5 so gut wie neugemalt von Holzner, 6 und 7 sind stark übermalt von Maillinger.

Beschreibung und Ikonographie

A SCHLACHT BEI AMPFING Dargestellt ist die Schlacht von 1322, bei der Herzog Ludwig von Bayern über Friedrich den Schönen von Österreich siegte. Der Maler bemühte sich durch Schrägstellen des Hintergrunds die einsichtige Vorlage Werls in das kreisrunde Bildfeld einzupassen. Von links prescht das bayrische Heer zu Pferd und zu Fuß heran, trägt weißblaue Rautenfahnen und eine Fahne mit den Löwen, ganz links zu Pferd ein Herold unter bayerischer Flagge. Von rechts stürmt das österreichische Heer, gefolgt von den Ungarn. In der Mitte, wo die Heere aufeinandertreffen, herrscht Kampfgetümmel. Drei kämpfende Paare zu Pferd beherrschen den Vordergrund. Links geht ein Reiter in goldener Rüstung, die weißblaue Rautenschärpe über der Brust, auf der Pferdedecke den goldenen Löwen als Wappentier (Ludwig der Bayer oder Heinrich von Niederbayern?), auf einen nicht näher bezeichneten Gegner los. In der Mitte streckt ein Ritter Pferd und Reiter nieder – ein blaues vierpaßförmiges Ornament auf der Pferdedecke ist nicht als Wappen zu identifizieren (König Johann von Böhmen?). Von rechts prescht der österreichische Heerführer mit dem österreichischen Bindenschild auf der Pferdedecke heran (Friedrich von Österreich?). Zwischen dieser Gruppe erblickt man einen Reiter in Rückenansicht, ein Wappen mit Rinderkopf auf dem Pferdehintern, der ihn als Albrecht von Rindsmaul ausweist. Mit dem linken Arm ergreift er seinen Gegner am Oberkörper. Dieser ist goldfarben gekleidet, das Wappen auf dem Pferdeleib ist nicht mehr lesbar (auf Werles Vorlage handelt es sich um den österreichischen Doppeladler; er könnte von daher Leopold von Österreich sein).

Im Hintergrund ist die Landschaft von Ampfing dargestellt, hinter der Ebene eine bewaldete Anhöhe mit Kirche, in der Ferne die Berge.

Nach dem Tod Kaiser Heinrichs VII. 1313 wählte die Mehrheit der deutschen Kurfürsten Herzog Ludwig von Bayern zum deutschen König, eine Minderheit Herzog Friedrich von Österreich. Die beiden, ehedem Jugendfreunde, da sie in Wien zusammen aufgewachsen waren, kämpften nun acht Jahre lang als Rivalen um die Königskrone bzw. um die Anwartschaft auf die Kaiserkrone, die vom Papst verliehen werden mußte. Ludwig dem Bayern gelang es am 28. 9. 1322, Friedrich in der Schlacht von Mühldorf und Ampfing zu besiegen. Sein Verbündeter war König Johann von Böhmen. Bürger von München, vor allem Bäckergesellen, sowie Nürnberger Bürger mit ihrem Burggrafen Friedrich und Albrecht von Rindsmaul als Heerführer standen Ludwig kämpfend zur Seite. Ihnen wird der Sieg zugeschrieben. Friedrich mußte sich ergeben und wurde auf die Burg Trausnitz in der Oberpfalz gebracht, Ludwig hielt die Rechtmäßigkeit seines Königstums für entschieden. Nach der Version des Geschichtsschreibers Aventin in der Bayerischen Chronik von 1522 wurde der Sieg dem Eingreifen des Siegfried von Schweppermann verdankt. Schweppermann müßte an seinem Wappen – aufgereihte Hufeisen auf überkreuzten Bändern – zu erkennen sein. Historisch belegt ist Schweppermanns Teilnahme nur für die Schlacht bei Gammelsdorf 1313. Auf Werles Vorlage ist er auch nicht dargestellt. Unter den Dargestellten ist sicher nur eine Person, Albrecht von Rindsmaul, an seinem Wappen zu identifizieren; die Hauptbeteiligten Ludwig der Bayer, Herzog Heinrich von Niederbayern und Johann von Böhmen auf der bayerischen sowie Friedrich und sein Bruder Leopold auf der österreichischen Seite kann man in den Kämpfenden nur vermuten. Aventin zufolge hatte Ludwig sich in der Schlacht verkleidet im Hintergrund gehalten, um nicht erkannt bzw. um für tot gehalten zu werden. – Nach neueren Forschungen hat auch die Schlacht nicht bei Ampfing, sondern weiter östlich zwischen Mühldorf und Neuötting, in der Nähe der nicht mehr erhaltenen Burg Dornberg stattgefunden.

1-8 SZENEN AUS DEM LEBEN JOHANNES DES TÄUFERS Abfolge chronologisch – die Darstellungen sind stark erneuert.

1 VERKÜNDIGUNG AN ZACHARIAS (Lc 1,5-20) Der Hohepriester Zacharias kniet rechts in einem Innenraum und schwingt ein Weihrauchfaß. Auf Wolken ist ein großer Engel eingedrungen, nach Haltung und Gesten ein Verkündigungsengel. ELISABETH PARIET TIBI FILIVM (Lc 1,13).

2 HEIMSÜCHUNG (Lc 1,40-55) Maria, auf dem Haupt einen Nimbus, eilt auf ihre Base Elisabeth zu, die mit Johannes schwanger ist. Links Zacharias, rechts hinten Joseph. EXULTAVIT SPIRITUS MEUS (Lc 1,47).

3 GEBURT JOHANNES DES TÄUFERS (Lc 1,57-58) Im Hintergrund liegt Elisabeth im Wochenbett, im Vordergrund machen sich eine Frau und zwei Männer am Korb des Neugeborenen zu schaffen. Von rechts kommt Zacharias. MULTI IN NATIVITATE EIVS GAUD[E]BUNT Luc. I.

4 JOHANNES IN DER WÜSTE Einsame, bergige Gegend. Johannes, nur mit einem Tuch um die Lenden bekleidet, sitzt auf einem Stein und hält ein kleines Kruzifix vor sich. Er blickt auf eine Schlange, die sich um einen Baum im Vordergrund windet. Darüber zwei Puttenköpfchen. VINVM ET SICERAM NON BIBET.

5 PREDIGT IN DER WÜSTE (Lc 3,1-6) Johannes steht in bergiger Gegend und predigt mit der hocherhobenen Rechten. In der Linken hält er das AGNUS DEI-Fähnlein. Links und rechts im Vordergrund Zuhörer. PRAEDICANS BAPTISMVM PAENITENTIAE Luc. 3. V.3.

6 TAUFE JESU (Mt 3,13) Jesus kniet am Jordan, zwei kniende Engel hinter ihm halten seine Gewänder. Johannes mit dem Fähnchen gießt aus einer Muschelschale Wasser über Jesu Haupt. VT BAPTIZARETVR AB EO Math. 3. V. 13.

Am Altar befindet sich eine plastische Gruppe der Taufe Jesu, seitlich die Wetterheiligen Johannes und Paulus.

Quellen und Literatur

StAL, Pfleggericht Neumarkt, Kirchenrechnung 1721. StAM, LRA 51626: Reparaturen 1882/84; 51631: Reparaturen 1907.

AEM, Pfarrakten Ampfing, 113820 001: Filiale Wimpasing. BLfD, Akt Wimpasing, Schweppermannskapelle.

Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 85–87. KDB I OB (2) S 2202

Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder) München 1976, S. 260.

114 dienen 19/0, 5. 200. Angermeier, Rudolf und Herbert Mateijka, Neue Funde zur Schlacht von Mühldorf, in: Das Mühlrad 27, 1985 S 25-42

T- Gerhard Schmolze, Zwei Eier für Seyfried Schweppermann, in: Unser Bayern, Heimatbeilage der Bayerischen Staatszeitung 36, 1987, S. 17–19.

Kupferschmied, Thomas Johannes, Die «Schweppermann-Kapelle» in Wimpasing und die Kaiserschlacht des Jahres 1322, in: Das Mühlrad 43, 2001, S. 99–154. Dehio 1990, S. 1289.

WIMPASING BEI AMPFING

B Freskierte Altarnische mit Hl. Dreifaltigkeit
Predigt in der Wüste
6 Taufe Iesu