Westerland, ehem Haus Lorens Petersen de Hahn

Laß, Heiko:Westerland, ehem. Haus Lorens Petersen de Hahn, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/d0d401c1-ee0a-4270-8436-1c1c2232253d

Inventarnummer: cbdd20191

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Im komplett ausgemalten Pesel des Hauses Lorens Petersen de Hahn hat sich eine bemalte Decke aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts erhalten. Die lutherische Erlösungstheologie wird visualisiert mit dem Gebet Christi am Ölberg, seiner Kreuzigung und Auferstehung. Hinzu kommen Landschaften.

Westerland
Westerland

Das ehem. Haus Lorens Petersen de Hahn

 

Kurzbeschreibung und Lage

Das Haus des Lorens Petersen de Hahn[1] stand im Süden von Westerland an der Westseite der heutigen Lorens-de-Hahn-Straße.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Haus wurde im Auftrag von Lorens Petersen de Hahn 1699 nach dessen Hochzeit 1697 erbaut. Petersen de Hahn war erfolgreicher Kommandeur eines Walfangschiffes und später Strandvogt von Sylt. 1937 wurden große Teile der original erhaltenen Einrichtung ausgebaut und in das Museum in Westerland in einen dort errichteten teilweisen Nachbau überführt. 1945 wurde das Museum aufgelöst und die Ausstattung gelangte 1967 nach Molfsee. Kurz danach ist das Haus – jetzt ohne die Ausstattung – 1967 abgebrannt. Anschließend erfolgte 1969 ein Wiederaufbau.[2]

Beschreibung

Es handelte sich um einen breitgelagerten eingeschossigen Ständerbau unter einem Krüppelwalmdach von Reet mit einem Zwerchhaus über der Eingangstür. Es hatte einen für uthlandfriesische Häuser untypisch kleinen Stall- und einen ungewöhnlich großen Wohnteil. Wie üblich wird das Haus durch eine flurartige Diele betreten. Links lagen die Stallungen und ein Dreschplatz sowie eine Leute-Stube. Nach rechts gelangte man zuerst in die Wohnstube „Dörnsk“, dann in einen großen Pesel und im Anschluss an diesen in eine weitere Stube, den „Osterpesel“. An der Rückseite des Hauses lag hinter der Wohnstube die Küche, von der aus der Beilegerofen der Stube seine Wärme erhielt. Daran schlossen sich Wirtschaftsräume und ein Zugang zum Keller an. Während die Wohnstube im 19. Jahrhundert eine neue Farbgebung erhielt, blieben die Pesel nahezu unverändert erhalten.[3]

Der Pesel

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Pesel wurde im Auftrag von Lorens Petersen de Hahn um 1700 ausgestattet. Noch zu Lebzeiten de Hahns erfolgte eine Neuausstattung.[4]

Beschreibung

Der Raum mit einem Steinfußboden liegt zwischen der Wohnstube und dem Osterpesel und hat zwei Fenster sowie eine Katschur. Die Eingangstür wird flankiert von einem Alkoven an der Fensterseite und einem Schrank an der Innenseite. Die Wand gegenüber den Fenstern nehmen zwei weitere Alkoven mit einem mittigen kleinen Wandschrank ein. Der Pesel misst abzüglich der Alkoven und Wandschränke 4,01 auf 4,08 Meter. Bis auf die Fensterseite haben die Wände ein umlaufendes Tellerbord. Während die Fensterwand gefliest ist, sind Wände und Katschur vertäfelt. Die rotbraun-schwarze wolkige Marmorierung in grünen und weißen Leisten bestimmt farblich den Raum. Im Komplementärkontrast dazu steht die dreigeteilte Decke, deren Grundton ein dunkles Grün ist.[5]

Die Decke des Pesels

 
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Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke misst 4,08 auf 4,01 Meter. Die heute sichtbare Malerei ist eine zweite Fassung, die eventuell bereits 1720, auf jeden Fall aber noch zu Lebzeiten von Lorens Petersen de Hahn vor 1747 ausgeführt wurde. Ursprünglich zierten die Decke Akanthusranken. 1937 wurde die Decke zusammen mit dem Raum ausgebaut und gelangte in das Museum in Westerland. Von dort kam sie 1967 nach Molfsee, wo der Raum als Nachbau des Originalhauses eingebaut wurde.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Die Decke wird mit zwei Deckenbalken in drei langgestreckte Fachen unterteilt. Die Balken sind an den Seiten mit stilisierten Weinranken bemalt. Die Fachen selbst haben einen äußeren roten und einen inneren weißen gemalten Rahmen. Auf dunkelgrünem Grund sind rote und gelbe Tulpen, Nelken und Rosen gemalt. Dominierend sind aber drei ganze und sechs halbe dunkelbraune Kartuschen von Knorpelwerk. In der Mitte der Fache ist jeweils eine ganze und an jeder Schmalseite jeweils eine halbe Kartusche gemalt. Die Mittelkartuschen präsentieren in drei farbigen Darstellungen die Erlösung des Gläubigen durch den Tod Christi am Kreuz (Gethsemane, Kreuzigung, Auferstehung). Hierzu passen inhaltlich die Weintrauben an den Balkenseiten. In den halben Kartuschen werden farbige Ideallandschaften ohne religiösen Bezug gezeigt.[7]

Christus am Ölberg
 

Beschreibung und Ikonographie

In der vom Eingang aus gesehenen ersten Mittelkartusche ist Christus im Gebet am Ölberg dargestellt. Er kniet mit gefalteten Händen in der Bildmitte und blickt zu einem Engel empor, der ihm einen Kelch entgegenhält. Rechts hinter ihm erblickt man seine Jünger, von denen Petrus ein Messer in der Hand hält. Die Darstellung ist mit einem erklärenden Schriftzug umgeben: „LUC. 22. Der am Oelberg geängstigte Jesus wird von einem Engel getröstet.“[8]

Die Kreuzigung Christi
 

Beschreibung und Ikonographie

In der mittleren großen Kartusche wird die Kreuzigung Christi gezeigt. In der Mitte erhebt sich hoch aufragend das Kreuz mit dem Heiland und der Inschrift INRI über seinem Haupt. Rechts des Kreuzes stehen Maria und Johannes, links kniet die verzweifelte Maria Magdalena und umschlingt die Beine des Toten. Der Himmel ist verdunkelt. Links im Hintergrund ist Jerusalem auszumachen. Die Darstellung ist mit einem erklärenden Schriftzug umgeben: „j. PET. 2. Christus hat unser Sünde selbst geopffert an seinem Leibe, auff das wir der Sünden loß sein, und der Gerechtigkeit leben.“ Bemerkenswert ist, dass mit den Wörtern „unser“ und „wir“ ein direkter Bezug zu den Betrachtenden hergestellt wird.[9]

Vorlagen und Vergleiche

Diese Darstellung könnte Vorbild für jene im Altfriesischen Haus in Keitum gewesen sein.[10]

Die Auferstehung Christi
 

Beschreibung und Ikonographie

In der vom Eingang aus gesehenen letzten Kartusche ist die Auferstehung Christi zu sehen. Er entsteigt seinem Grab mit Siegesgestus und Siegesfahne. Die Grabwächter liegen am Boden. Die Darstellung ist mit einem erklärenden Schriftzug umgeben: „JOH. II. Ich bin die Aufferstehung und das Leben, Wer an mich glaubet, der wird leben.“ [11]

Landschaft
 
Erste Halbkartusche an der Alkovenseite

Beschreibung und Ikonographie

Die erste Halbkartusche an der Alkovenseite zeigt eine mitteleuropäische Landschaft mit einem Baum im Vordergrund. Hinter einer freien Fläche sowie einem Gehölz sind im Hintergrund einige Häuser zu erahnen.

Landschaft
 
Mittlere Halbkartusche an der Alkovenseite

Beschreibung und Ikonographie

Die mittlere Halbkartusche an der Alkovenseite präsentiert eine mitteleuropäische Landschaft mit einem Dorf links im Vordergrund. Im Mittelgrund ragt hinter Bäumen eine Kirche empor.

Landschaft
 
Letzte Halbkartusche an der Alkovenseite

Beschreibung und Ikonographie

Die vom Eingang aus gesehene letzte Halbkartusche über dem Alkoven zeigt eine mitteleuropäische Landschaft mit einem Fluss, an dessen Ufer zwei Häuser stehen.

Landschaft
 
Erste Halbkartusche an der Fensterseite

Beschreibung und Ikonographie

In der vom Eingang aus gesehenen ersten Halbkartusche an der Fensterseite ist eine mitteleuropäische Landschaft mit einem Kloster an einem Flusslauf zu sehen.

Landschaft
 
Mittlere Halbkartusche an der Fensterseite

Beschreibung und Ikonographie

In der mittleren Halbkartusche an der Fensterseite wird eine mitteleuropäische Landschaft mit einem Flusslauf gezeigt, an dessen Ufer einige Häuser stehen.

Landschaft
 
Letzte Halbkartusche an der Fensterseite

Beschreibung und Ikonographie

In der vom Eingang aus gesehenen letzten Halbkartusche über den Fenstern ist eine mitteleuropäische Landschaft mit einem Flusslauf zu sehen. An seinem Ufer wachsen Bäume, hinter denen wiederum zwei Häuser stehen.

Bibliographie

  • Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939. – Brauer, Heinrich/Scheffler, Wolfgang/Weber, Hans (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Südtondern (Die Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein). Berlin 1939.
  • Heidrich, Freilichtmuseum, 2007. — Heidrich, Hermann: Schleswig-Holsteinisches Freilichtmuseum. Museumsführer (Veröffentlichungen des Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseums, 4). München/Berlin 2007.
  • Kamphausen, Freilichtmuseum, 1981. — Kamphausen, Alfred: Das Schleswig-Holsteinische Freilichtmuseum. Häuser und Hausgeschichten. Neumünster 1981.
  • Kamphausen, Haus, 1969. — Kamphausen, Alfred: Das Haus Lorenz Petersen de Hahn, in: Berichte aus dem Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum 6 (1969), S. 3-14.
  • Neumann, Ausbau, 1969. – Neumann, Otto: Zum Ausbau des Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseums, in: Berichte aus dem Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum 5 (1969), S. 3-29.
  • Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.

Einzelnachweise

  1. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 361-364, 424-439; Neumann, Ausbau, 1969, S. 20-23; Kamphausen, Haus, 1969; Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 394.
  2. Heidrich, Freilichtmuseum, 2007, S. 104-105; Kamphausen, Freilichtmuseum, 1981, S. 70-71; Neumann, Ausbau, 1969, S. 20; Kamphausen, Haus, 1969, S. 3, 12; Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 394.
  3. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 361; Kamphausen, Freilichtmuseum, 1981, S. 70-71; Kamphausen, Haus, 1969, S. 4-5, 9, 12; Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 394.
  4. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 362, 427; Kamphausen, Haus, 1969, S. 7.
  5. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 362-363, 427; Kamphausen, Freilichtmuseum, 1981, S. 70-71; Kamphausen, Haus, 1969, S. 7-8; Neumann, Ausbau, 1969, S. 21-22; Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 394.
  6. Heidrich, Freilichtmuseum, 2007, S. 104-105; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 362, 427, 430; Kamphausen, Freilichtmuseum, 1981, S. 70-71; Kamphausen, Haus, 1969, S. 7-8.
  7. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 363, 427; Kamphausen, Haus, 1969, S. 8; Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 394.
  8. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 427, 429; Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 394.
  9. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 427, 329; Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 394.
  10. https://www.deckenmalerei.eu/96690ac8-1776-41b6-b1ab-f85c4c086ba7.
  11. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 427-429; Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 394.