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Weimar, Witwensitz Gelbes Schloss

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Weimar, Witwensitz "Gelbes Schloss", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/88fe7ae9-9b1b-44a0-8a9d-0afaa6193c4f

Inventarnummer: cbdd10044

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Das Gelbe Schloss in Weimar wurde 1702-04 erbaut und 1708 erweitert. Bis zu seiner Zerstörung 1945 barg es mehrere in die Stuckdecken einlassene Ölgemälde. Die Malerei des ehemaligen Mittelsaals ist im Farbdiarchiv dokumentiert.

Bauwerk

Das Gelbe Schloss[1] in Weimar wurde unter Herzog Johann Ernst III. durch den Baumeister Johann Mützel 1702–1704 als Witwensitz für seine Frau Charlotte Dorothee Sophie errichtet. Nach Eintritt der Witwenschaft erfolgte 1708 eine Erweiterung durch Einbeziehung eines Nachbarhauses. Das Gelbe Schloss wurde 1945 weitgehend zerstört und 1952 wieder aufgebaut. Das Gebäude steht gegenüber dem ehemaligen Residenzschloss und war mit diesem ehemals durch einen hölzernen Gang verbunden.

Ehemalige Deckenmalerei im Schloss

Paul Lehfeldt berichtet 1893, dass im Gelben Schloss in Stuckdecken Ölgemälde eingelassen seien. Ausführlich beschreibt er den Mittelsaal mit einer Allegorie auf Kunst und Wissenschaft. Auch die Decken der Nebenzimmer würden Allegorien in Gestalt antiker Gottheiten schmücken, und zwar die Jahreszeiten, der Gesang, die Weisheit und der Ruhm. Die Bilder seien alle stark nachgedunkelt.[2] Eine Datierung der Bilder liefert Lehfeldt nicht. Sie stammten wohl aus der Erbauungszeit 1702–1704 und dürften 1945 zerstört worden sein. Heute ist von diesen Gemälden nichts mehr erhalten.

Die verlorene Decke des Mittelsaals

Die stuckierte Decke des Mittelsaals zeigte an den Ecken Putten mit den Attributen der Kardinaltugenden, im großen Mittelfeld wurden laut Lehfeldt Allegorien von Kunst und Wissenschaft in Weimar sowie Wappen gezeigt. Es wurde auf Putz gemalt. Die Deckenkehle präsentierte umlaufend Medaillons mit Brustbildnissen von Verwandten der Herzogin Charlotte Dorothea Sophie. Vom Mittelfeld, den vier Putten und von einigen der Familienporträts haben sich aus dem sogenannten „Führerauftrag für Farbaufnahmen von Decken- und Wandmalereien in historischen Baudenkmälern Großdeutschlands“ Farbaufnahmen erhalten. Sie geben das Hauptbild allerdings nicht komplett wieder.

Zentrales Motiv des Hauptgemäldes war ein Obelisk mit dem sächsischen und hessischen Allianzwappen. Unter dem Doppelwappen war ein Medaillon des sächsischen Stammvaters Widukind angebracht. So wurde der Obelisk zu einem Symbol des Weimarer Herzogshauses. Er wurde von dem rechts stehenden Saturn bekrönt. Links erblickte man Apoll und Minerva im Gespräch. Über den Obelisken verkündete Fama den Ruhm. Der Obelisk stand auf einem zweistufigen Podest, auf dem sich Personifikationen der Künste und wohl auch der Wissenschaften niedergelassen hatten: Rechts des Obelisken etwa die Zeichenkunst, links Architektur, Bildhauerei und Musik. An Wissenschaften ist anhand der Farbaufnahmen nur die Geografie zu identifizieren. Vor dem Podest erblickte man die lorbeerbekränzte Personifikation des Flusses Ilm, der durch Weimar fließt.

In den vier Ecken der Decke waren in den Stuck ovale Bildnisse mit Putten eingelassen. Einer trug den Spiegel der Prudentia, einer die Säule der Fortitudo, einer den Krug und die Schale der Temperantia und einer die Waage der Justitia.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Heubach, Mützel, 1926. – Heubach, Hans: Johann Mützel. Fürstl. Sächsischer Baumeister zu Weimar, Jena und Eisenach. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde, NF 26 (2/1926), S. 261-284.
  • Lehfeldt, KDM H. 18, 1893. – Lehfeldt, Paul: Grossherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Amtsgerichtsbezirk Weimar (Die Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, 18). Jena 1893.
  • Weimar. Lexikon, 1993. – Günther, Gitta u.a. (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Weimar 1993.
  • Quellen:
  • Wette, Weimar, 1739. – Wette, Gottfried Albin de: Historische Nachrichten von der berühmten Residentz-Stadt Weimar..., Bd. 2. Jena 1739.

Einzelnachweise

  1. Wette, Weimar, 1739, S. 20-21; Heubach, Mützel, 1926, S. 272-273; Weimar. Lexikon, 1993, S. 138-139.
  2. Lehfeldt, KDM H. 18, 1893, S. 381.