Weimar, Lusthaus Römisches Haus
Inventarnummer: cbdd10246
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Das zwischen 1791 und 1798 als Lusthaus für den damaligen Herzog Carl August erbaute Römische Haus erhielt in einem Gartendurchgang 1797 eine heute verlorene Ausmalung von Johann Heinrich Meyer. Zu sehen waren Apoll und die Musen, Pegasus, die vier Elemente, Arion und Orpheus.

Das Römische Haus
Kurzbeschreibung und Lage
Das so genannte Römische Haus[1] steht im Park an der Ilm am steilen Abfall zum Flusslauf der Ilm. An der Eingangsseite im Westen wirkt es eingeschossig, hat er zur Talseite hin zwei Geschosse.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Römische Haus wurde zwischen 1791 und 1798 als Lusthaus für den damaligen Herzog Carl August nach Plänen von Johann August Arens und Ideen Johann Wolfgang von Goethes erbaut. Es diente Herzog bzw. Großherzog Carl August als Rückzugsort vom Hofleben. Nach seinem Tod 1828 wurde es kaum noch genutzt. 1922 ging es in den Besitz des Landes Thüringen über und kam 1954 an die NFG, die mehrere Sanierungsmaßnahmen durchführen ließ.
Architekten, Künstler
Der Architekt und Fürstliche Baurat Johann August Arens[2] war nur kurze Zeit in Weimar tätig, wo er neben dem Römischen Haus ab 1789 den Wiederaufbau des Weimarer Residenzschlosses konzipierte. Bereits 1790 kehrte er nach Hamburg zurück, wo er bei weitem lukrativere Aufträge erhielt.
Für die Ausstattung des Hauses waren vor allem Christian Friedrich Schuricht und Johann Heinrich Meyer[3] verantwortlich. Der Maler Meyer war Goethes Kunstberater und hatte einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Klassizismus vor allem in Weimar, wo er 1806 Direktor der Fürstlichen freien Zeichenschule wurde.
Beschreibung
Das Haus ist an einem römischen Tempel orientiert. Man betritt das einige Stufen erhöhte Hauptgeschoss durch vier Jonische Vollsäulen hindurch. Der Bau ist drei Achsen breit und sechs Fensterachsen tief. Durch ein zentrales Portal gelangt man in eine quergelegte Eingangshalle. Nach links erreicht man die an der Nord- und Ostseite gelegenen Repräsentationsräume. Eine Treppe ermöglicht einen direkten Zugang zum Garten. An der Südseite sowie im Untergeschoss waren nachrangige Räume sowie ein kleinen Treppenhaus gelegen. An der Ostseite befindet sich im Untergeschoss ein Durchgangsraum, der nur vom Garten aus zugänglich ist.
Obwohl für die Innenräume von Johann Heinrich Meyer durchaus Wandbilder geplant worden waren, wurden diese aber nicht ausgeführt.[4] Lediglich der Gartenraum im zweiten Untergeschoss erhielt eine Wand- und Deckenmalerei.
Der Durchgang unter dem Haus
Beschreibung
Der Durchgang[5] hat nur an der Hangseite im Westen eine Wand. In Norden und Süden ist die Wand mit Segmentbögen geöffnet, um einen Parkweg hindurch zu lassen. Auch nach Osten ist die Wand mit einem Segmentbogen geöffnet, der hier jedoch auf vier gedrungenen dorischen Säulen ruht, die an den Rand der Öffnung gestellt sind. Zwischen ihnen ruht ein sarkophagähnliches Brunnenbecken. Von einer steinernen Bank an der Westwand fällt der Blick zwischen den Säulen hindurch und über das Becken hinweg in das Tal der Ilm. Die griechischen Säulen sind im wahrsten Sinne des Wortes das Fundament für die römische Architektur des Lusthauses.
Im Durchgang befindet sich, entsprechen den dorischen Säulen, unter der Decke ein umlaufender Triglyphenfries. Der obere Wandbereich und die Decke sind bemalt. Im Zentrum der Westwand war eine Inschriftentafel geplant, die sich wie Sitzbank und Wandmalerei über die gesamte Breite erstrecken sollte. Sie wurde nie angebracht. Die Architektur war ehemals farbig gefasst, die Säulen etwa in rot und gelb. Die Wände erhielten unterhalb der Malerei eine blaue Marmorierung, die umlaufende schmale Sockelzone war rot, die Metophenfelder waren grün grundiert mit grauen Umrisszeichnungen. Die Kassettendecke war auf grauem Grund in Rot und Blau aufgemalt. Die Malerei selbst erfolgte aber monochrom in Grisaille und stand damit im Kontrast zur polychromen Architektur.[6]
Die Wand- und Deckenmalerei im Durchgang
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei wurde 1798[7] von Johann Heinrich Meyer in Leimfarben auf Wand und Decke gebracht. Beteiligt waren ferner der Maler und Zeichner Conrad Horny sowie die Maler und Tüncher Carl Heidelof und Johann Hütter. Bereits 1840 war die Malerei klimabedingt sehr beschädigt. Nach einer Abnahme von Pausen wurde sie entfernt und auf neuem Untergrund durch August Könitzer neu grau in grau in Tempera geschaffen. Die originale Malerei hat sich also nicht erhalten; die Akten von 1840 nennen aber das ursprüngliche ikonografische Programm. Auch diese Fassung war Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts fast verschwunden und 1970 schuf Willy Harz eine dritte Fassung, nachdem bereits 1940 der Musentanz erneuert und die Decke 1956 ersetzt worden war. Decke und Musentanz waren nun polyrchrom. 1996-2000 erfolgte eine erneute Restaurierung im Rahmen einer Neugestaltung des Durchgangs. Die Malerei Timm Kregels ist jetzt wieder monochrom und folgt, soweit möglichen, den Entwurfszeichnungen Meyers für Musentanz und Decke sowie alten Fotografien. Dennoch ist die gegenwärtige (2022) Rekonstruktion nur eine Annäherung an das Original.
Beschreibung und Ikonographie
Die obere Wandzone wird von einem gemalten Figurenfries[8] eingenommen, der durch die drei Bögen unterbrochen wird, sodass er faktisch nur an der Westwand ausgebildet ist und an den übrigen Wänden nur keine Darstellungen in den verbliebenen Zwickeln vorhanden sind.
Die Westwand wird von einem Musenzyklus bestimmt. In der Mitte erblickt man Apoll als Musenführer, der zusammen mit dem sieben Musen Euterpe, Erato, Kalliope, Klio, Melpomene, Polhymnia, Terpsichore und Urania im Kreis tanzt. An den Seiten nähern sich von links Pomona mit Früchten und von rechts Hebe mit Nektar. Die Darstellung ist von zwei Greifen rechts und links begrenzt. Sie gelten als Begleiter Apolls. Die Darstellung folgt der Bildfindung Meyers.
An der Ostwand ist links neben dem Segmentbogen der Sänger Arion zu sehen, wie er Geige spielt. Er reitet auf einem Delphin, der von seinem Gesang angelockt worden war und ihm so das Leben rettete, nachdem er von einem Schiff gestürzt war. Rechts des Bogens erblickt man den Sänger Orpheus, der aufgrund seines betörenden Gesangs seine verstorbene Frau Eurydike wieder an das Tageslicht führen durfte. Der lorbeerbekränzte Orpheus hat eine Leier in der Hand und schreitet voran, seine Frau folgt ihm aus einem Loch im Erdboden. Das Paar folgt einer Vorlage von Meyer, während die andern Figuren frei von Timm Kregel gestaltet wurden.[5]
In den Zwickeln an der Nord- und Südwand sind Allegorien der vier Elemente zu sehen.[8] An der Nordwand ist links der schmiedende Vulkan dargestellt. Er arbeitet einen Blitz für Jupiter und steht für das Element Feuer. Rechts des Bogens reitet Amphitrite auf einem Hippokampen. Sie steht für das Element Wasser. An der Südwand entschwebt links der geflügelte Windgott Zephyr – der für das Element der Luft steht – und rechts lagert Kybele mit Stadtkrone und Füllhorn – sie steht für das Element Erde. Zephyr und Kybele sind eine Neuschöpfung von Timm Kregel. Farbreste waren hier keine mehr erhalten, die Quellen geben aber die beiden Gottheiten an.[5]
Oberhalb des Frieses und der Segmentbögen verläuft der Triglyphenfries mit gemalten Gegenständen in grünen Feldern, die sich überwiegend auf die im Fries dargestellten Gottheiten und Personen beziehen.[5] So sind an der Westseite ein Lorbeerkranz, ein Dreifuß, Pfeil und Bogen sowie die Lyra als Attribute Apolls gemalt. Hirtenstab und Buch gehören zu Kalliope und Klio, die tragische Maske und das Schwert zu Melpomene. Die komische Maske ist Thalia zuzuordnen, die Musikinstrumente Terpsichore. An der Ostwand können Segelboot und Seemann auf Arion, das Ruderboot für das Übersetzten der Toten über den Styx und damit auf Orpheus bezogen werden. Darüber hinaus sind aber auch weitere Gegenstände und büstenähnliche Köpfe ohne Bezug auszumachen.
Die Decke [9] zeigt eine illusionistische Kassettenmalerei mit einer Darstellung des geflügelten Pegasus in der Mitte.
Vorlagen und Vergleiche
Für den Musentanz griff Meyer auf eine Bildfindung von Giulio Romano aus dem Palazzo Pitti in Florenz zurück.[10]
Programm
Der Raum ist unter die Herrschaft des Pegasus gesellt. Er steht in direktem Zusammenhang zu Apoll und den Musen, die auf dem Berg Helikon weilten. Auf dem Berg entstand unter einen Hufschlag des Pegasus eine Quelle, aus der alle Dichter tranken. Sie ist im Durchgang durch das Becken im Ostbogen präsent. Die Musen sind Schutzgottheiten der Künste. Ihnen gegenüber sind Sänger dargestellt, die mithilfe der Kunst den Tod überwanden. Die vier Elemente wurden als Vermittler zwischen Mensch und Natur gedeutet.[11] Die antiken Musen und Künstler sind als Basis zu verstehen, auf der das Mäzenatentum Carl Augusts aufbaut, der in den Obergeschossen wohnte. Er ist als neuer Apoll zu interpretieren, unter dessen Herrschaft die Künste gedeihen.
Bibliographie
- Literatur:
- Beyer, Römisches Haus, 2001. – Beyer, Andreas (Hrsg.): Das Römische Haus in Weimar. München/Wien 2001.
- Boettcher, Meyer, 2001. – Boettcher, Ines: Johann Heinrich Meyer und die künstliche Ausgestaltung im Römischen Haus. In: Beyer, Andreas (Hrsg.): Das Römische Haus in Weimar. München/Wien 2001, S. 63-74.
- Emmrich, Wandmalereien, 2002. – Emmrich, Angelika: Wandmalereien im Durchgang des Römischen Hauses. Weimar [2002].
- Fischer, Arens, 2001. – Fischer, Kai: Die Tätigkeit des Architekten Johann August Arens am Bauprojekt Römisches Haus. In: Beyer, Andreas (Hrsg.): Das Römische Haus in Weimar. München/Wien 2001, S. 40-47.
- Frebel, Römisches Haus, 2001. – Frebel, Reimar: Die Restaurierung des Römischen Hauses 1996-1999. In: Beyer, Andreas (Hrsg.): Das Römische Haus in Weimar. München/Wien 2001, S. 132-147.
- Klauß, Meyer, 2001. – Klauß, Jochen: Der 'Kunschtmeyer'. Johann Heinrich Meyer: Freund und Orakel Goethes. Weimar 2001.
- Knupp, Arens, 1972. – Knupp, Christine (Hrsg.): Architekt Johann August Arens. Ein Hamburger Architekt des Klassizismus 1757–1806. Hamburg 1972.
- Rößler, Meyer, 2020. – Rößler Johannes: Die Kunst zu sehen. Johann Heinrich Meyer und die Bildpraktiken des Klassizismus (Ars et Scientia, 22). Berlin 2020.
Einzelnachweise
- ↑ Beyer, Römisches Haus, 2001.
- ↑ Fischer, Arens, 2001; Knupp, Arens, 1972.
- ↑ Rößler, Meyer, 2020; Klauß, Meyer, 2001.
- ↑ Boettcher, Meyer, 2001, S. 69.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 Emmrich, Wandmalereien, 2002.
- ↑ Boettcher, Meyer, 2001, S. 72, 75.
- ↑ Emmrich, Wandmalereien, 2002; Boettcher, Meyer, 2001, S. 70; Frebel, Römisches Haus, 2001, S. 145-146.
- ↑ 8,0 8,1 Emmrich, Wandmalereien, 2002; Boettcher, Meyer, 2001, S. 75.
- ↑ Emmrich, Wandmalereien, 2002; Boettcher, Meyer, 2001, S. 74.
- ↑ Boettcher, Meyer, 2001, S. 70.
- ↑ Boettcher, Meyer, 2001, S. 75.