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Weilheim, Pfarrkirche St. Pölten

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 563–566, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche St. Pölten, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung besaß das Augustiner-Chorherrenstift Polling das Präsentationsrecht, Gericht Weilheim

Patrozinium: St. Hippolyt

Zum Bauwerk: Mittelalterlicher Bau; Umbau, Erweiterung und Neuausstattung 1782 (Inschrift vor dem Chorbogen RENOV:/MDCCLXXXII) unter Pfarrer Benedikt Wörle (1756–96). – Langgestreckter Saal zu vier Jochen und einem im O angeschobenen Vorjoch mit zum Chorbogen hin abgerundeten Ecken; sparsame Pilastergliederung; im W Empore; etwas breiterer AR zu drei Jochen mit dreiseitigem Schluß

Autor und Entstehungszeit: Signatur im O-Teil von B: I: Seb: Troger inv: et Pinx: 1782.

Im Weilheimer Museum befinden sich drei Entwürfe für die Deckenbilder A, B, D, Öl auf Leinwand, zu A 36 × 36 cm, signiert I. S. Troger/ pinx:, zu B 65 × 36 cm, signiert J. S. Troger/ Pinx:; zu D 43 × 28 cm, signiert I. S. Troger Pinx 1778.

Die Deckenbilder in St. Pölten sind die frühesten gesicherten Werke J. S. Trogers im Landgericht Weilheim seit seiner Niederlassung in Weilheim. Johann Sebastian Troger entstammt einer Malerfamilie aus Oberaudorf OB, LKr. Rosenheim, wo er um 1735 geboren wurde. Von 1760–66 war er in Elbach als Maler tätig, wo ein Zweig seiner Familie ebenfalls das Malerhandwerk ausübte und wo er wahrscheinlich lernte. Ende 1769 erwarb er, wohl auch bedingt durch seine Heirat (12. 1. 1770) mit der Tochter des Weilheimer Malers Wenzl, das Bürger- und Meisterrecht in Weilheim, wo er am 12. 4. 1792 starb (frdl. Mitt. Peter von Bomhard, Erzbischöfliches Ordinariatsarchiv München). Stilistisch ist Troger stark von Johann Baptist Baader beeinflusst, dem im Landgericht Weilheim vielbeschäftigten Freskanten. Da Troger erst nach Baaders Tod (1780) als Freskant in Erscheinung tritt, kann er gewissermaßen als dessen Nachfolger betrachtet werden.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Tonne mit Stichkappen, deren östlichstes Joch (C) zum Chorbogen hin abgemuldet ist; AR Tonne mit Stichkappen

Rahmen: A – D Stuckprofil Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 8,40 m; 3,80 × 3,80 B Höhe 8,40 m; 10,20 × 5,30 C Höhe 8,40 m; 2,35 × 4,65 D Höhe 7,40 m; 6,50 × 4,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen 1847, 1867; 1895 wurde Fresko D mit weißer Ölfarbe überstrichen. Bei einer Restaurierung 1937 wurde dieses Bild wieder aufgedeckt (s. Restaurierungsbericht im Kath Sonntagsblatt 1938). 1957 wurden die Deckenbilder in Anlehnung an die Entwurfsskizzen restauriert: die Fresken A, C, D durch A. Bauer, B durch H. Pfohmann (Signaturen in allen Fresken). Dabei wurden die Bilder weitgehend übermalt. Die Figuren sind in Haltung und Gebärde verzerrt, die Köpfe entstellt, die Farbigkeit ist stumpf und undifferenziert und wirkt verschwommen. Am stärksten beeinträchtigt ist Fresko D. In A am N-Rand Selbstporträt des Restaurators.

Beschreibung

A TAUFE DES HL. HIPPOLYT Das Fresko hat seine Basis im W; Betrachterstandort unterhalb des westlichen Bildviertels von Fresko B. Der seichte architektonische Schauplatz ist in starker Untersicht wiedergegeben. Über einem Stufenpodest erhebt sich eine triumphbogenähnliche Architektur, durch deren Öffnung eine helle Wolkenbahn in die Höhe steigt; dort erscheint die Taube des Hl. Geistes. Unter der Bogenarchitektur wird die Taufe des hl. Hippolyt durch den hl. Laurentius vollzogen; der Blick in den Hintergrund ist durch die Assistenzfiguren verstellt. Hinter dem hl. Hippolyt breitet ein Engel das weiße Taufkleid aus, rechts assistieren Ministranten dem hl. Laurentius. Einige Zuschauer drängen sich links aus dem Vordergrund zur Szene; sie sind vom Rahmen überschnitten.

Die Farben entsprechen in der Wahl der Buntwerte ungefähr der Skizze. Von der ocker-grau gehaltenen Architektur heben sich Goldgelb, Hellblau und Rot in den Gewändern der Heiligen und das Weiß des Taufkleides und der Engelsflügel ab. Doch fehlen dem Fresko im jetzigen Zustand die Klarheit der Zeichnung und die feinen Farbabstufungen, wie sie der Entwurf und die besser erhaltenen Fresken Trogers zeigen (vgl. Obersöchering, St. Maria und St. Peter und Paul).

Entwurfsskizze zu B

B SZENEN AUS DEM MARTYRIUM DES HL. HIP- POLYT Das Deckenbild erstreckt sich über die drei mittleren Gewölbejoche des Langhauses; Betrachterstandort unterhalb der Bildmitte. Das Fresko ist dreiansichtig, wobei zwischen den Ansichten im O, N und S kein räumlicher Zusammenhang im Sinne einer fortlaufenden terrestrischen Szenerie besteht. Jede der drei Szenen ist für sich aufgebaut; sie sind auch in der Konstruktion der Höhen- und Tiefenlinien durchaus unabhängig voneinander. Die architektonischen Schauplätze der O- und N-Ansicht zeigen starke Verkürzungen. Im westlichen Bildviertel ist die auf Wolken thronende Gestalt der Fides, von Strahlern umgeben und von Putti begleitet wiedergegeben. Die himmlische Erscheinung bezieht sich inhaltlich gleichermaßen auf alle drei Szenen. Die dunkelfarbigen Wolken und der schmale, farbig neutral gehaltene Himmelsstreifen zwischen den Szenen der N- und der S-Seite bewirken jedoch, daß die Gestalt der Fides isoliert ist. In der Skizze ist der Sinnbezug durch Licht deutlich gemacht. Es geht von der himmlischen Erscheinung aus und umstrahlt die Figur des Hippolyt in der Gerichtsszene und beleuchtet die Marterszenen. Durch den rhythmischen Wechsel von Hell- und Dunkelzonen erhält die Komposition eine Spannung und Übersichtlichkeit, welche der Freskoausführung - im jetzigen Zustand — fehlt.

Den Schauplatz der östlichen Szene bildet eine aufwendige und komplizierte Architektur: ein überkuppelter Rundtempel, dessen Kuppel von außen wie von innen sichtbar ist. Die Vorderseite ist geöffnet, so daß ein Diadembogen entsteht, der von einer Kartusche mit der Inschrift ARMIS ET / IMPERIO gekrönt ist. Die Öffnung ist von Säulen mit verkröpftem Gebälk und Zierobelisken flankiert; an beiden Seiten schließen Mauern an. Im Innern des Tempels sitzt auf hohem Stufenpodest der Kaiser auf seinem Thron, vor ihm auf der untersten Stufe steht Hippolyt, von Soldaten bewacht, das Kreuz in der erhobenen Rechten. Diese

C Grablegung des hl. Hippoly

Hauptszene ist von der umgebenden Architektur wie von einem Rahmen umschlossen. Ein Soldat mit Hellebarde, im Vordergrund auf einem Stein sitzend, rückt als dunkle Repoussoirfigur die Darstellung optisch etwas in die Tiefe. Die Südansicht zeigt auf einem Erdhügel ein Gerüst, an dem der Heilige mit entblößtem Oberkörper hängt und von Folterknechten mit Knüppeln und Ruten geschlagen wird; ein heidnischer Priester hält ihm eine Jupiterstatue vor.

Der hügelähnliche Schauplatz fällt nach hinten steil ab; dadurch werden die von hinten herankommenden Soldaten zur Hälfte verdeckt. Die ganze Szene steht als Silhouette gegen den hellen Himmel.

Der Schauplatz der Nordansicht ist eine öde Landschaft vor einer Stadtmauer. Auf einer architektonisch durch Balustrade und Zierobelisken ausgezeichneten Plattform steht der Kaiser mit seinem Hofstaat und blickt auf das freie Feld, wo der hl. Hippolyt von einem Pferd geschleift wird.

Vom Rahmen überschnitten sind die Gestalten zweier Soldaten rechts im Vordergrund.

Vor der tonigen Hintergrundsfarbigkeit - Ocker bis Grau in den Architekturen und der Landschaft, Hellgrau bis Graurosa im Himmel – stehen als Buntfarben im wesentlichen Rot und Blau; die Farbigkeit der Skizze ist erheblich differenzierter.

C GRABLEGUNG DES HL. HIPPOLYT Gleichsam aus dem dunklen Innenraum einer Höhle, deren Boden mit wenigen Pflanzen bewachsen ist und in deren felsigen Eingang sich ein verkrüppelter Baum duckt, blickt der Betrachter ins Freie. Vor einem licht bis dunkel bewölkten Himmel heben sich die Gestalten zweier Männer ab, die im Begriff sind, den Leichnam des Heiligen in das vorbereitete Grab zu legen, auf das sie ein Priester mit einer Kerze hinweist. Inschriftkartusche am O-Rand DIVO / HIPPOLYTO / MARTYRI.

D GLORIE DES HL. HIPPOLYT Am O-Rand des Bildes ist eine Landschaft angedeutet (in der Skizze nicht vorhanden); darüber ist eine reine Himmels- und Wolkenszenerie gemalt. Hippolyt, auf einer Wolke kniend, wird von Engeln getragen. Christus reicht ihm einen Martyrerkranz. Schräg über Christus thront Gottvater, und zwischen den beiden göttlichen Gestalten - vor dem Querbalken des großen Kreuzes, das Christus trägt - schwebt die Taube des Hl. Geistes. Ein Engel (stark erneuert) hält eine Fahne.

Ikonographie

Hippolyt (Pölt) ist ein legendärer römischer Martyrer. Er war Befehlshaber der Soldaten, die im Gefängnis über den hl. Laurentius wachten und wurde von diesem bekehrt und getauft (A). Nach dem Tod des hl. Laurentius begrub er dessen Leichnam, weshalb er von Kriegsknechten ergriffen und vor Kaiser Decius geschleppt wurde. Er bekannte seinen Glauben und wurde zum Martyrium geführt (B Ostansicht). Erst wurde er mit Knüppeln geschlagen (B Südansicht) und endlich von wilden Pferden durch Disteln und Dornen zu Tode geschleift (B Nordansicht). - Die Darstellung der Fides-Ecclesia auf Wolken, mit Kelch, Gesetzestafeln und Kreuz sagt aus, daß jedes Martyrium als Triumph des Glaubens gesehen werden kann. – Hippolyt wurde durch Justinus, den Presbyter, in der Nähe des hl. Laurentius beigesetzt (C). In der schwarzen Priestergestalt ist wahrscheinlich der Presbyter Justinus zu sehen (Jacobus de Voragine, Die Legenda aurea, übersetzt, hg. u. eingeleitet v. Richard Benz, Heidelberg, 41963, S 625–30).

In D ist Hippolyt in römischer Soldatentracht und als Patron im Fürbittergestus wiedergegeben. Die ihm zugeordnete Fahne ist ein ikonographisch ungewöhnliches Attribut (vgl. LCI, Bd 7, Sp. 540–42). Die österreichischen Farben der Fahne, Rot-Weiß-Rot, sind den heraldischen Farben Weilheims, Rot-Weiß, ähnlich. Vielleicht ist in der Darstellung der Fahne eine Anspielung auf die Patronate Hippolyts im oberbayerischen Weilheim und im niederösterreichischen St. Pölten gegeben. (Die Verehrung und damit auch die Patronate des Heiligen sind im süddeutschen und österreichischen Raum kaum verbreitet.)

Entwurfsskizze zu D

Quellen und Literatur

Gailler, Franciscus Salesius, Vindeliciae Sacrae Tomi 3... Capitulum Weilheimense, Augsburg 1756, Cap. 4. Böhaimb, Carl August, Chronik der Stadt Weilheim, Weilheim 1865.

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 357 f. KDB I OB (1), S. 735

Böhaimb, August, Weilheim und seine Kirchen, in: Katholisches Sonntagsblatt für die Diözese Augsburg 1930, S. 465 f.

Damrich, Johann, Johann Sebastian Troger und seine Sippe, in: Weilheimer Sonntagsblatt 12, 1935, S. 35.

Restaurierungsbericht (o. V.), in: Katholisches Sonntagsblatt für die Diözese Augsburg 1938, S. 184 f.

Mauthe, Willi, Die Kirchen und Kapellen in Weilheim, Weilheim 1953, S. 19 ff.

, Der Pfaffenwinkel, Weilheim 1964, S. 30

WESSOBRUNN

Ehemalige Benediktinerabtei, Diözese Augsburg Klostergebäude

1. Benediktussaal im Gästetrakt, z. Z. Zweigniederlassung der Missionsbenediktinerinnen von Tutzing 2. Zimmer im Gästetrakt S. 570 3. Magdalenenzimmer im Prälatentrakt, z. Z. Pfarrhof S. 573 4. Stiegenhaus im Gästetrakt S. 574 5. Gang im Prälatentrakt und anschließender Gang im Gästetrakt S. 575 Theatersaal siehe Gasthaus zur Post Pfarrkirche St. Johannes Baptist S. 590 Kreuzbergkapelle S. 595 Gasthaus zur Post S. 597 Literatur S. 599