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Wasserburg am Inn, Frauenkirche

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 2: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 503–518, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Frauenkirche, Filialkirche der Pfarrei St. Jakob in Wasserburg, Stadt Wasserburg, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die Pfarrei St. Jakob dem Benediktinerstift Attel inkorporiert. Bei Neubesetzungen präsentierte Attel dem Magistrat einen Dreiervorschlag, aus dem der neue Pfarrer gewählt wurde. Das spätgotische Marienbild am Hochaltar wurde von den Bürgern als Gnadenbild (Muttergottes auf dem Platz) hoch verehrt. Stadt Wasserburg

Patrozinium: Unsere Liebe Frau

Zum Bauwerk: Bau aus dem frühen 14. Jh., erste urkundlich Erwähnung 1324. Brand 1339, anschließend Einwölbung, Weihe 1386. Barockisierung 1750/53: Abschlagen der Rippen, Verschleifen der Gewölbe, Ummanteln der Pfeiler, Umgestaltung der gotischen Fenster zu Rundbogenfenstern; neue Stuckkanzel, einfache Stuckierung. Neuweihe am 27.1.1753 durch den Freisinger Weihbischof Franz Ignaz Albert von Werdenstein. Teilweise Regotisierung im 19. Jh.: 1860 gotische Maßwerkfenster in den Seitenschiffen und 1881 im Chorschluß. 1973 wurde die barocke obere Empore abgerissen.

Dreischiffige Staffelhalle zu vier Jochen, deren Breite zwei Gewölbeabschnitten des Mittelschiffs entspricht, getragen von ummantelten Pfeilern mit Diensten, das Mittelschiff ist sehr viel höher als die Seitenschiffe. Schluß der Seitenschiffe im O schräg, im Mittelschiff dreiseitig; Empore im W. Belichtung durch neogotische Maßwerkfenster, je drei im nördlichen und südlichen Seitenschiff und drei im Chorschluß.

Auftraggeber: Ein Mitglied des Wasserburger Rats, der Nagelschmied Johann Georg Danzer, nahm sich der Barockisierung an und mobilisierte Spender, die die gesamte Restaurationskosten trugen.

Die Orgelempore mit Darstellungen des Schmerzhaften Rosenkranzes an der unteren Empore

rierung und Innendekoration der Kirche bezahlten (Feulner 1986/87, S. 16f.). Pfarrvikar von St. Jakob war Joseph Anton Franz Copaur (1724–78). Aus einem seiner Briefe nach Freising geht hervor, daß sich die Pfarrgemeinde Wasserburg im österreichischen Erbfolgekrieg zum Mariengnadenbild »au dem Blaz alhir« verlobt habe. Nachdem Wasserburg von Plünderungen verschont blieb, habe die Gemeinde »auf Cösten disses uhralte Gottshaus und wie man sagen will, erst Khürchen alhir in schönern Standt zu stellen sich resolviere auch wirkhlich mit dissen schon Anno 1750 angefangen (AEM), und Copaur bekräftigt in einem Schreiben von 17.10.1752 noch einmal, daß die Kirche »durch mildtreich gutthättige Handt und Vorschuß hiesiger Inwohner verferth get« worden sei (s. auch Inschrift in W).

Joseph Anton Franz Copaur wurde am 9.11.1698 als Sohn des gebürtigen Salzburgers Johann Wolfgang Copaur geboren, der in Wasserburg Wirt zur goldenen Krone, Ratsmitglied und Kaufmann war. Er war 54 Jahre Pfarrvikar in Wasserburg und 30 Jahre lang Dekan; er starb in Wasserburg am 18.8.1778 im Älter von fast 80 Jahren. P. Antonius Copaur von Herrenchiemsee war sein Bruder.

Autor und Entstehungszeit: Johann Paul Kurz d. J. (* 1721 Mühldorf am Inn † 1772 ebenda) 1750. Inschrift am Kirchengewölbe über der Empore: Ano 1750 / hat Joh: Phaull / Kurtz diße Kirchen / außgemalt. / darbey Joh: Jos: Leithner / auß Tyroll als Gsöll geweßen. Inschrift in einer Kartusche im Chor ANNO / M / DCCL und über dem Eingang DEI PARAM PIE / CONSTANTER COLITE (= 1753) Translat. XI. November (das Datum bezieht sich auf die feierliche Transferierung des Gnadenbilds zurück in die neudekorierte und neugeweihte Kirche).

Im Sommer 1752 war die Umgestaltung der Kirche abgeschlossen: »Wann nun (Gott sei Dank) ... die vorgehabte Ausmahlung diser Khürchen, Erneuern der alten Khürchenfenster nebst andern in so weith völlig hergestelt, daß zu gänzlicher Endtung nur 3: oder 4: Monath mehr bedärfftig ...« (AEM, Brief Copaurs vom 2. 3. 1752).

Johann Paul Kurz war Sohn des Mühldorfer Malers Paul Kurz und erhielt seine Ausbildung beim Vater. 1744 übernahm er die Malerwerkstatt des Gregor Aigner in Wasserburg, heiratete und wurde als Bürger aufgenommen. 1752 tauschte er Haus und Malergerechtigkeit mit seinem Stiefvater Nikolaus Bernhardt, der nach dem Tod des Vaters von Johann Paul Kurz dessen Witwe geheiratet und so die Mühldorfer Malergerechtigkeit erlangt hatte. Damit wurde Johann Paul Kurz Bürger und Maler in Mühldorf, Nikolaus Bernhardt Bürger und Maler in Wasserburg. Folgende Freskierungen in seiner Mühldorfer Zeit werden Johann Paul Kurz zugewiesen: St. Katharina in Mühldorf 1756 (CBD, Bd 8, S. 179), Oberneukirchen 1758 (S. 204), Altmühldorf 1759 (S. 20f.), und wahrscheinlich auch Polling 1758 (S. 218). Er starb in Mühldorf am 4.4.1772.

Kurz war schon 1748 mit Faßmalereien für die Frauenkirche beschäftigt gewesen. Nach Abschluß der Ausmalung bat er den Pfarrvikar Copaur, er möge ihn bei seinem Bruder, den Herrenchiemseer Konventualen P. Antonius Copaur empfehlen, der damals Pfarrvikar von Niederaschau war und die Neudekorierung seiner Kirche plante (Feulner 1986/87, S. 18 und Anm. 77). Kurz wurde dort aber nicht beschäftigt (S. 369).

Befund

Träger der Deckenmalerei: Mittelschiff (A–D, Aa–b, a–m) ehemaliges Kreuzrippengewölbe, Rippen abgeschlagen, das Gewölbe ist zur Form einer Stichkappentonne verschliffen; Seitenschiffe (1–8) verschliffene Kreuzgratgewölbe

Rahmen: A–C Stuckprofil, D ohne Rahmen; Aa–b, a–m, 1–8 Stuckprofil

Technik: Fresko; sämtliche Bilder der Ausmalung sind polychrom

Maße: A Höhe 15,00 m; 1,50 × 2,20 B Höhe 15,00 m; 4,40 × 3,10 C Höhe 15,00 m; 4,75 × 3,30 D Höhe 15,00 m; 5,30 × 4,00 1 und 8 Höhe 9,70 m; 2,50 × 3,10 2–7 Höhe 9,70 m; 2,90 × 3,95

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Innenrestaurierung mit Neufassung des Hochaltars 1858–60. Überstreichen der Fresken um 1900 (im Wasserburger Anzeiger sind sie am 8.8.1899 noch beschrieben, Feulner Anm. 117). Ab 1912/13 fand die nächste Innenrestaurierung statt, nach Feulner mit Aufdecken der Fresken; es sollten auch die übertünchten ornamentalen Gewölbemalereien freigelegt werden, dazu kam es aber zunächst nicht. 1917/18 wurden die aufgedeckten Fresken durch Georg Breit, Wasserburg, gereinigt. Die ornamentale Malerei wurde erst nach 1921 aufgedeckt. Entstaubung und Reinigung des Innern zur 800-Jahrfeier 1938, gleichzeitig Außenrestaurierung. Erneute Außenrestaurierung 1956/57. Vor der letzten Innenrestaurierung war die Dekoration stark verschmutzt, an den Fresken zeigten sich Wasserschäden. 1971 restaurierte Alois Stein, Inzell, das nördliche Seitenschiff, 1972 das südliche, 1975 das Mittelschiff: »Die Decken und Wandbilder, sowie die reiche ornamentale Malerei an Decke und Wänden wurde sehr sorgfältig gereinigt und restauriert. Die Wasserflecken an der Decke mußten mehrfach isoliert werden. Bei der vorletzten Restaurierung sind große Teile der ornamentalen Malerei an der Decke nur freigelegt (worden) und sehr schadhaft stehengeblieben, sodaß teilweise nur noch die Zeichnung vorhanden war. Diese Teile mußten nach den noch vorhandenen Beständen neu gemalt und eingestimmt werden« (Restaurierungsbericht Stein, s. Bauer 1976, S. 8).

Beschreibung und Ikonographie

Das ganze Gewölbe ist von mehrfarbiger Dekorationsmalerei in Bandwerk und in dünnen Rocaille-Felderungen überzogen. »So geht die dezente Gestaltung der Gewölbekappen durch Rankenwerk auf abwechselnd rotem und grünem Grund eine glückliche Verbindung mit der zugrundeliegenden gotischen Gewölbestruktur ein, die prächtige Vielfarbigkeit der Decke klingt organisch über den nur noch sparsam ornamentierten unteren Teil der Obergadenmauer aus« (Feulner, S. 39). Im Mittelschiff befindet sich in jedem Doppel-Gewölbejoch ein Hauptbild (A–D). An den sieben Gewölbezwickeln des Mittelschiffs und den vier Zwickeln des Chorschlusses sind abwechselnd vierpaßförmig und hochoval – Embleme oder emblemähnliche Darstellungen. Von ihnen sind Aa–b dem Hauptbild A zugeordnet, die übrigen (a–m) bilden einen zusammenhängenden mariologischen Zyklus.

A ORGEL UND MUSIKINSTRUMENTE Ansicht nach W. Die Inschrift unter dem Bild Condignae nescia laudis (Nicht imstande zu angemessenen Lob) gibt dem Bild Emblemähnlichkeit. Der Sinn ist, daß der Klang der Musik, so schön er auch immer sei, doch nie zur Ehre Mariens ausreiche.

Der Kirchenraum
Ab Laute

Aa (N) ADVERSANTIA PELLIT (Feindliches vertreibt sie). Laute. Das Bild bezieht sich auf die Macht der Musik, die »mentem nostram ab omni daemonum incursu securam ac tranquillam efficit« (Picinelli, Lib. XXIII, Nr. 25, s.v. cithara, mit gleichem Lemma).

Ab (S) PECTORAT MULCEVIT (wohl pectora mulcet - Sie besänftigt die Herzen). Harfe. Deutung ähnlich wie in Aa.

B VEREHRUNG DES NAMENS MARIA DURCH DIE ERDTEILE Zu seiten einer großen Weltkugel sind die Personifikationen der Erdteile dargestellt: Links America in reichem Gewand, eine Feder als Kopfputz, auf dem Rücker Köcher und Pfeile. Es folgt Europa in königlichem Gewand mit Krone und Hermelin um die Schultern. Rechts kniet Asia in Gestalt eines Mannes mit hängendem Schnurrbart und Krone, der ein Räucherfaß hält; zuletzt ist Africa als halbnackter Mohr dargestellt, der mit Perlen und Federn geschmückt ist. Über dieser Gruppe erscheint das Marienmonogramm in einem Strahlenkranz, von Puttenköpfchen umgeben und durch eine große Krone ausgezeichnet.

C DIE STADT WASSERBURG WEIHT SICH MARIA In einer Flußlandschaft mit Bergen im Hintergrund kniet eine weibliche Allegorie auf Steinen an einem Flußufer, das mit Büschen bewachsen ist. Sie hat - als Personifikation einer Stadt - eine Mauerkrone auf dem Haupt und hält in den Händen eine Schale voll brennender Herzen zum Himmel empor, wo, von Puttenköpfchen begleitet, Maria mit dem Kind in Wolken erscheint. Es ist die Allegorie der Stadt Wasserburg, die die Liebe und Verehrung ihrer Bürger der Gnadenmutter darbringt. Maria blickt huldvoll auf Wasserburg nieder, das Jesuskind auf ihren Armen hebt segnend die Hand.

D GLORIE Die mittlere Wölbungsfläche der östlichen LHs-Joche und des Chorhaupts ist ohne Rahmen mit einer Wolkenszenerie bemalt: auf einem äußeren Ring aus kissenförmigen kräftigen Wolkenballen sind zahlreichen Putten und Puttenköpfchen dargestellt. In diesem längsovalen Ring erscheint das Dreifaltigkeitssymbol in einer Glorie aus breiten Strahlen. Die Putten agieren weniger auf dieses Symbol als eher nach unten auf das Gnadenbild im Hochaltar hin.

a-m MARIENEMBLEME Die Embleme befassen sich mit Maria in ihren verschiedenen Eigenschaften als Schutzherrin, Vorbild und Trösterin der Menschen. Wenn auch nicht ganz konsequent durchgeführt, ist ein Aufbau des Zyklus in paarweise angeordneten Bildmotiven erkennbar, und zwar bei b und l: Heerlager und Burg; c und k: Rose und Lilie; e und h: Polarstern und Arche; f und g: Sonne und Mond. Zählung beginnend an der Nordseite von West nach Ost, dann um den Chorschluß und weiter an der Südseite von Ost nach West. Von diesem Zyklus ist das Programm erhalten, das Kurz für die Ausführung in Händen hatte (Pfarrarchiv Wasserburg; s. Feulner 1986/87, S. 57f., Anm. 216). Die einzelnen Vorgaben werden im Folgenden zitiert.

a HOC MIHI PRAESIDIUM (Das ist mir Schutz) Ansicht von Wasserburg von der Ostseite mit dem Inn und der Brücke im Vordergrund. In Wolken erscheint ein Schild mit dem Marienmonogramm, das Speere, die aus dem Himmel drohen, von der Stadt abhält: »Linkher Handt ein grosser eysserner Schildt, auf welchem der verzogne Namben Mariae gehalten in einer Handt aus den Wolckhen. Rechter Handt etwas höchers aus den Himmel 3 herabstechente Lanzen auf den Schildt, in der Tieffen khan die Statt Wasserburg in etwas angedeuth werden«. Maria hält Unglück und Heimsuchungen von der Stadt ab.

b UNDIQUE TUTUM (Von allen Seiten sicher) Zeltlager mit Lanzen im Vordergrund. In der Mitte steht ein Lanzenbündel mit einem Schild, der das Marienmonogramm trägt »Ein Feldtlager von blau- und weissn Zeltn, in der Mitten eine Fahnen blau und weiss zwischen 2: creuzweiss gebundtner Spiessen nebst anhangenten Schildt, worauf der Namer Mariae verzogen, auch derlei khleinere Fahnen nebst Spisser creuzweiss zu beyden Seythen am Endt dess Lagers«. Deutung ähnlich wie a.

c SUAVEM EXHALAT ODOREM (Strömt süßen Duft aus) Blühende Rose in weiter Landschaft. »Eine schöne hoche erwachsne Rossen in einem Gartten Feldt«. »Eadem imago felicissimas Mariae Virginis, S. Agnetis ... animas concernit, quae tam in aetate provecta quam iuvenili; tam in vitae decursu, quam post mortem semper suavissimum puritatis, sanctimoniae, et angelicae excellentiae odorem exhalarunt« (Picinelli, Lib. XI, Nr. 174, s.v. rosa).

d FUNDIT IN OMNES (Ergießt sich über alle) Springbrunnen in der Mitte eines barocken Gartenparterres. »Ein Springbrun oder Fontan, der mit seinen Wasser beyderseyths yber die nebenstehente Blumen in etwaß befeuchtet«. Picinelli nennt dieses Emblem als Bild der Güte Gottes: »Dei Beneficentia, in omnes sine discrimine profundi solita, e fonte dignosci potest, qui in horti medio collocatus, humida sua nutrimenta in omnes flores ex aequo dispensat; cum lemmate FUNDIT IN OMNES« (Lib. II, Nr. 496, s.v. fons). Hier ist das Bild auf die Gnaden angewandt, die Maria vermittelt.

e FALLERE NESCIT (Kann nicht fehlgehen) Segelschiff in Wellen. Der Steuermann schaut mit einem Fernrohr nach einem Stern. »Der Meerstern oder stella polaris werffent einer Strallen auf ein in der Tieffe des Möhrs fahrentes Schiffl«. Der Polarstern weist den Schiffern den sicheren Weg (»citra omnem fallendi suspicionem navigia ille tranquilla dirigit« s. Picinelli, Lib. I, Nr. 386, s.v. cynosura seu stella polaris: FALLERE NESCIA; s. auch Nr. 385). Dieses Emblem, bei Picinelli als Bild Christi genannt, der den Gläubigen den rechten Weg

f OMNIBUS SOLATIA FUNDIT (Allen schenkt sie Trost) Strahlende Sonne über Pflanzen und Blumen. »Die Sonn im völligen Glanz ihre Strallen auf die Erdten werffent. Under sich rechter Hand ein Blumengartten. Linkher Handt ein Feldt von Distl, Dorn und Prenn Nästl (Brennnessel)«. Wie die Gegenwart der Sonne alle Lebewesen erquickt, so die Gegenwart Mariens in der Stadt gleichermaßen alle Bürger. Picinelli (Lib. I, Nr. 168, s.v. sol) nennt dieses Emblem – mit gleichem Lemma – als Sinnbild für Gott als Tröster.

g AEMULA SOLIS (Nebenbuhler der Sonne) Weite Landschaft mit Fluß und Stadt, darüber der volle Mond. »Der Mondschein im völligen Glanz, abwerths die Erdten«. Auf Maria, die neben Gott den höchsten Rang im Himmel einnimmt.

Langhausgewölbe mit den Fresken B Verehrung des Namens Maria durch die Vier Erdteile, C Die Stadt Wasserburg weiht sich Maria, b-d, i-l Embleme (Johann Paul Kurz 1750)

nimmt, wendet Picinelli dieses Emblem an: »Plenam Lunae orbitam his litteris insignierunt. AEMULA SOLIS. Caecus sis, ni in hac effigie celsissimam Deiparae perfectionem agnoveris (Lib. I, Nr. 220, s.v. luna). Die beiden Embleme f und g, zu seiten des Hochaltars im Chorhaupt, erinnern auch an die Preisworte »electa ut sol« und pulchra ut luna«.

h HAEC TIBI SOLA SALUS (Das ist das einzige Heil für dich) Arche in den Wellen. Vom Himmel kommt eine Taube mit dem Inschriftband MARIA. »Die Archen Noe auf dem Möhr, in der Hoche auf dem Tach ein Deublein, so in ihrem Schnablein einen fligenten Zötl haltet, worauf geschriben Maria«. Die Arche bringt Picinelli als Bild für Maria als das Heil der Welt: »Arcam Noe, seu proprium Deiparae auxiliatricis ektypon, hoc lemmate insignies: HAEC TIBI SOLA SALUS. Ut adeo de B. Virgine vere pronuntiet Hesychius: Arca est, arca Noe latior, longior, illustrior« (Lib. XX, Nr. 16, s.v. arca Noe). i NON EST SINE VALLE (Es gibt ihn nicht ohne Tal) Aus tiefem Tal ragt ein steiler Felsen auf. »Ein hocher Perg mit bevderseiths tieffen Thällern«. Das Emblem bezieht sich auf die Demut Mariens. Picinelli erklärt es so: »Mons excelsus, in profundam vallem declivis, epigraphen tenet. NON EST SINE VALLE. Ita nullum unquam in virtutum progressu sublime videbis, qui humilitatis valle careat; imo tanto quisque erit humilior, quanto sublimior.« (Lib. II, Nr. 584, s.v. mons, vallis specus).

k MEREOR CANDORE CORONAM (Durch die Reinheit verdiene ich die Krone) Lilie, die von einer Hand aus den Wolken gekrönt wird. »Eine schöne hoche Lilien in seinen Garttenfeldt, ober der Lilien eine Handt auß den Wolckhen, die der Lilien eine kayserliche goldtne Cron aufsezen will«. Das Emblem bezieht sich auf die Reinheit Mariens. »Franciscus Raulinus observat, lilium aureis quibusdam ac venustis filis, instar coronae, ambiri: aitque, coronam illam lilio in mirifici candoris sui praemium deberi. MERUIT CANDORE CORONAM (Picinelli, Lib. XI, Nr. 111, s.v. lilium).

1 ET TEGO ET TERO (Ich beschütze und zermalme) Über dem Tor einer festen Burg ist ein Schild mit dem Marienmonogramm angebracht. »Ein Vesstungsthurn nebst 2 beyderseythigen Rundtmauern auf welchen lezteren khleine blau und weisse Fähnlein stekhen. Daß Thor vor den Thurn verschlossen, oben auf den Thor ein Schildt zwischen 2 blossn creuz-weiss gemachten entblösten Schwerdtern. Auf den Schildt der verzogne Nambn Mariae«. Das Emblem bedeutet ebenso wie a und b, daß Wasserburg unter dem Schutz Mariens sicher ist.

m AEGROTOS ERIGIT ISTA (Diese richtet die Kranken auf) Arzneibüchse mit der Inschrift MARIA auf einem Tisch. »Auf einen bedekhten Tisch eine grosse Apodeckherpixen, mit durchzognen weissen Zötl, worauf Maria steht«. Das Emblem bezieht sich auf Maria als das Heil der Kranken. - Salus infirmorum. Marias Bereitschaft, den Kranken zu helfen, wird durch Arzneigefäße symbolisiert.

An den Gewölbezwickeln des Chorhaupts befinden sich vier gemalte Kartuschen. Die beiden mittleren zeigen die Wappen Kurbayerns (N) und Wasserburgs (S). Die beiden seitlichen tragen Inschriften PRO=/TECTRICI / NOSTRAE (N) und ANNO / M./DCCL.

1-8 ANTETYPISCHE VORBILDER MARIENS An den Gewölben der beiden Seitenschiffe befindet sich in jedem der vier Joche ein vierpaßförmiges Deckenbild, das je eine antetypische Vorläuferin Mariens zeigt. Die Inschriften sind in Versform, jeweils die erste Zeile ist über, die zweite unter der Darstellung. Auch für diese Bildfolge hat sich das Programm mit den knappen Angaben der nötigen Bildbestandteile erhalten (Feulner 1986/87, S. 56, Anm. 211). Außerdem liegt im Pfarrarchiv eine Vorüberlegung zum Bildprogramm, in der Beispiele antetypischer Vorläuferinnen Mariens vermerkt sind, außer den später ausgeführten Figuren noch Ruth und die Tochter Pharaos bei der Auffindung des Moses. Hier ist als Quelle genannt: »NB ex R:P: Sebastiano Textor in seinen Marianischen Gleichnus Predigten«. Es handelt sich dabei um die große Predigt-Sammlung »Concionator Extra-Ordinarius« des Ottobeurer Konventualen und Salzburger Professors P. Sebastian Textor OSB, dessen zweitem Teil »Duodecim fontes Elim, das ist: Anderter Theil der Extraordinari mit Moral- und sittlicher Lehrverfaßter Lobpredigten, oder: Die in Allegoriis, in Figuren und Gleichnussen abgebildte Jungfräuliche Mutter Gottes« (benutzte Ausgabe Augsburg 1734) die meisten antetypischen Vorbilder entnommen sind. In der zweiten Predigt »Castrum insuperabile« wird Maria mit einer Festung verglichen, in die die Menschen bei Gefahr fliehen. Textor erzählt die Geschichte Esthers und folgert: »Das heist ja, Esther die Königin, ist vor Israel ein festes Gschloß der Zuflucht gewesen? Fort, fort mit der Esther, sie hat Israel nicht erhalten in eigener Macht, sondern pur durch den Gewalt und Stärcke Mariae, dessen sie ein Figur und Vorbild gewesen« (S. 21). Ähnlich ruft Textor nach Abigails Geschichte: »Aber fort, fort mit der Abigail, sie hat den Zorn David nit in eigener Persohn und Stärcke überwunden, sondern nur pur alleinig durch die Macht und Gewalt Mariae, dessen sie ein Figur und Vorbild gewesen« (ebd.). Im gleichen Zusammenhang nennt Textor auch Jahel und Judith: alle vier Figuren seien Vorbilder für Maria als »castrum insuperabile«.

In der fünften Predigt (Thema: Pascua salutis) erzählt Textor die Geschichte Rebekkas, die ihrem zweiten Sohn Jakob durch eine List den Segen des Vaters verschaffte: »Nun, ist dieses eine Figur der Mutter Gottes, daß sie seye eine gute Hirtin? Es beliebe dieses zu bedenken« (S. 75). Und endlich im dritter Teil des Predigtwerks (»Duodecim Portae coelestis Jerusalem«, Augsburg 1735, S. 34) tritt das Weib von Thekua auf, als Beispiel für Maria als Fürbitterin: »Endlichen wer ist jene Matron, jene gewaltige Thecuitis, welche mit Macht ihrer Vorbitt den Zorn des Königs David gestillet ... und einen Absolor wiederumb versöhnet? Wer? als eben unser übergebenedeytiste Jungfrau, Patronin, und Mutter?«

Ausgehend von diesen Beispielen Textors wurde die Reihe der Marianischen Vorbilder in Wasserburg noch um Sara und Michol erweitert, wobei in Sara, der Stammutter Israels, Maria als Mutter der Christenheit vorgebildet ist, in Michol Maria als Beschützerin

Nördliches Seitenschiff, von West nach Ost

1 JUDITH Judith hat schön Bethulien, Vom Untergang befreyet / Maria lässt zugrund nit gehn, wer umb hilf zu Ihr schreiet. Das Bild zeigt vor der vieltürmigen Stadt Bethulia das

Chorgewölbe mit D Dreifaltigkeitsglorie, e-h Embleme, im Chorhaupt Inschrift- und Wappenkartuschen Kurbaverns und Wasserburgs

Zeltlager der Assyrer, die Bethulia belagern. Vom vordersten Zelt ist der Eingang zur Seite gerafft und man sieht Holofernes, den Feldherrn Nabuchodonosors, geköpft auf dem Bett liegen. Judith, in prachtvoller Kleidung, auf dem Kopf einen Federputz, steht im Vordergrund und gibt den Kopf des Holofernes in einen Sack, den ihre Magd hält.

Die Rettung der Stadt Bethulia durch die junge Witwe Judith (Iudith 13,9-11), die sich dem feindlichen Feldherrn Holofernes vertraut machte und ihn, der nach einem Mahl betrunken war, enthaupten konnte, gehört zu den im Barock am häufigsten und liebsten dargestellten Präfigurationen von Maria als Schutzherrin.

2 DAS WEIB VON THEKUA Durch ihre bitt hat Thecuit, den Absolon versöhnet. / Maria unß verlasset nit, War Gottes Zorn erbrenet. Vor einer prächtigen säulenbesetzter Palastfront sitzt David auf seinem Thron, von einem Baldachin beschirmt. Vor ihm kniet das Weib von Thekua; sie hält in der Linken ein Tuch, um sich die Tränen abzutrocknen, und hat die Rechte bittend erhoben. David, das Zepter in der Linken, breitet die Arme aus. Im Hintergrund sieht man eine baumbestandene Landschaft

Auf Veranlassung Joabs bat das Weib von Thekua König David um die Begnadigung Absalons (2 Sam 14,1–24). Sie bildet damit Maria als Fürbitterin bei Gott vor.

3 ABIGAIL Dem Nabal hat die Lebens Gnad, die Abigail erbetten. / Maria stehet früh und spatt, Uns bey in allen Nöt ten. Quellenangabe auf einem Sockel im Bild 1.Reg:C:25 Rechts steht David als Feldherr und zwei andere Krieger vor einem Feldlager. Vor ihm kniet bittend Abigail, in vornehme Kleidung, mit wehendem Schleier und Perlen als Schmuck. Hinter ihr sieht man zwei Männer vor einem Kamel, die eine Kanne und einen Korb mit Brot herbeitragen. Das Gefolg wurde im Programm ausdrücklich gefordert: »hinder der Abi gail muss ein khleines Commitat angedeuthet werden, sonder lich aber einige schwerbeladtne Cammel«.

Als Nabal sich den Zorn Davids zugezogen hatte, zog sein Weib Abigail dem König, der sich rächen wollte, entgegen und versöhnte ihn mit Geschenken (1 Sam 25,2–35).

4 ESTHER Der Todts=gefahr die Juden=Schaar, hat Esther gantz entrissen. / Zu retten uns vor aller gfahr, Maria ist beflissen. An einem Sockel im Bild Ester. C:8. Rechts ist an einer Palastfront der baldachinüberwölbte Thron Ahasvers aufgebaut. Esther kommt von links und kniet vor dem König auf den Stufen des Throns. Im Hintergrund, vor einer Stadt-kulisse, ist die Schar der Juden zu sehen. Ahasver senkt sein Zepter gegen Esther (»den Scepter gegen die Königin Esther ausstrekhent, welche zur Rechten stehet und den Spiz desselbigen beriehret«).

Als Haman den König Ahasver zu bestimmen suchte, die Juden auszurotten, warf sich Königin Esther in ihrem schönsten Schmuck vor dem König nieder und bat für ihr Volk, obwohl es streng verboten war, vor ihm zu erscheinen. Der König richtete zum Zeichen der Gewährung das Zepter gegen sie (Esth 8,1-6). Esther ist in der barocken Bildwelt eine beliebte Präfiguration Mariens als Fürbitterin.

Südliches Seitenschiff, von West nach Ost

5 JAHEL Die Jahel sich hat meisterlich, an Sisara gerochen, / Maria hat [der Schlang] durch sich, Das Haubt zer knirscht gebrochen. Das Bild zeigt das größte, vorderste Zelt in einem Heerlager, dessen Eingang offen ist. Man sieht ein Bett und einen Tisch mit Glas und Krug. Hier sitzt Jahel und treibt dem vor ihr liegenden Sisara einen Nagel in den Kopf.

Jahel tötete den Feldherrn der geschlagenen Kanaaniter im Schlaf, nachdem sie ihn mit Milch bewirtet hatte (Iud 4,21). Bei den Kirchenvätern galt diese Szene als Präfiguration von Maria als Siegerin über den Teufel. Jahel gehört zu den drei alttestamentlichen Mitgliedern der Neun Heldinnen.

6 MICHOL Dem David Schutz dem Saul zu trutz: hat Michol einst verschaffen / Uns halt vor Gott Maria Schutz: abwendet schwere Straffen. In einem prächtigen Innenraum steht Michol, reich gekleidet, und weist mit der Rechten auf das Bett, in dem ein unförmiger haariger Gegenstand liegt. König Saul hatte seine Tochter Michol dem David zur Frau gegeben. Als Saul David verfolgte, weil er begann, ihn zu fürchten, warnte Michol ihren Mann und rettete ihn, indem sie die Häscher ihres Vaters täuschte: Sie nahm den Teraphim, von Ziegenfellen bedeckt, zu sich ins Bett, um David einen Vorsprung zu verschaffen (1 Sam 19,11–18). Das Programm forderte: »Michol in dem Zimmer; ein Beth, in welchem eine Bildsaul, zum Haupt ein Geißfell, darauf Michol deutet; Soldaten des Königs Saul mit der Lanzen vor der Thüre«.

7 REBEKKA Rebecca gleich dem Jacob reich, den Seegen bracht zuwegen, / Uns auf Mariae Vorbitt gleich: gibt Gott sein Reichen Seegen. Links sieht man in einem Himmelbett den greisen Isaak, vor dem Jakob kniet und den väterlichen Segen erhält. Jakobs Mutter Rebekka steht hinter ihm. Auf einem Tischchen sind Speisen dargestellt.

Nachdem der ältere Sohn Esau sein Erstgeburtsrecht und den damit verbundenen Vatersegen um ein Linsengericht verkauft hatte, täuschte Rebekka ihren greisen Mann, indem sie Jakob, den jüngeren Sohn, den sie liebte, statt Esau zum Vater brachte, der Jakob nicht erkannte und ihm den Segen für den Erstgeborenen gab. Das Ziegenböcklein, das Rebekka bereitet hatte, damit Jakob es dem Vater bringe, steht mit Brot und Krug auf einem Tischchen daneben: »... und die Speis auf dem Tisch stehent, von Pokhfleisch angerichtet«.

8 SARA Sara allein vill Kinderlein, mit Ihr Milch hat ernähret. / Maria will ain Muetter seyn, wer immer sie verehret. An einem Sockel Genes: C:2i. In einem Garten, der durch Gartenarchitekturen, pflanzengefüllte Ziervasen und einen Baum angedeutet ist, sitzt Sara und nährt ein Kind. Um sie herum spielen vier weitere Kinder: »Sarah ihren Isaac seugent; umbher andere Künder«.

Die Darstellung basiert auf den Worten Gottes an Abraham »Schaue hinauf zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du si zählen kannst ... So wird deine Nachkommenschaft sein«; und »Segnen will ich sie (Sara), daß sie zu Völkern werde« (Ge 17,16); vor allem aber auf die im Bild angegebene Stelle »We hätte Abraham gesagt: Sara wird noch Kinder stillen« (Ge 21,7). Sara wurde durch ihren einzigen Sohn Isaak, den sie im Alter von neunzig Jahren empfangen hatte, über Isaaks Sohn Jakob und dessen zwölf Söhne Stammmutter des jüdischen Volkes.

W1-14 MARIENFESTE An den Schildwänden des Mittelschiffs finden sich Wandbilder mit Darstellungen der Marienfeste. Die Feste folgen dem Jahreslauf (nicht dem Kirchenjahr), an der Südseite beginnend von Ost nach West und weiter an der Nordseite von West nach Ost. Die Inschriften sind in breiten Kartuschen jeweils unter dem Bild (die Anweisung für diese Inschriften ist im Pfarrarchiv erhalten: »Unterschrüfften bey denen Frauen=Fössten«). (Zu den Marienfeste s. Stephan Beissel, Geschichte der Verehrung Marias im 16. und 17. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Religionswissenschaft und Kunstgeschichte, Freiburg i.B. 1910; K.A. Heinrich Kellner, Heortologie oder die geschichtliche Entwicklung des Kirchenjahres und der Heiligenfeste von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Freiburg i.B. 1911; Ildefons Schuster, Liber Sacramentorum. Geschichtliche und Liturgische Studien über das römische Meßbuch, übers. von Richard Bauersfeld, 10 Bde Regensburg 1929-31; Ludwig Eisenhofer, Handbuch der Katholischen Liturgik, 2 Bde, Freiburg im Breisgau 1932, Bd 1, S. 592-99; LThK, Bd 6, Sp. 935-38, s.v. Marienfeste; außerdem verschiedene Ausgaben des Missale Romanum aus der ersten Hälfte des 18. Jh.).

Südliche Hochwand, von Ost nach West

W1 MARIAE Vermählung Fesst. / Den XXI. Jenner. (Desponsatio B.M.V. Anfang des 15. Jh. in Chartres eingeführt, war das Fest zwischen 1725 und 1913/14 in der ganzen Kirche erlaubt, aber nicht vorgeschrieben). Vor dem Hohenpriester stehen Maria und Joseph und reichen sich die Hand. Darüber schwebt die Taube des Heiligen Geistes und sendet Strahlen hinab. Im Hintergrund die mosaischen Gesetzestafeln.

W1 MARIA REINIGUNG. / Den II. February. (Purificatio B.M. V., Mariä Lichtmeß; das Fest gehört zu den alten Marienfesten). Maria kniet im Tempel und hat vor sich das vorgeschriebene Taubenopfer. Der Hohepriester hält den Jesusknaben hoch; aus dem Himmel fallen Strahlen auf ihn.

W1 MARIAE Verkindtigung. / Den XXV. Mertzen. (Annunciatio B.M. V.; das Fest gehört zu den alten Marienfesten). Der Engel mit der Lilie erscheint auf einer Wolke vor Maria und weist zum Himmel. Maria kniet mit gesenktem Haupt an ihrem Betpult. Von der Taube des Heiligen Geistes darüber fällt ein Strahl auf Maria, in dem in einer Glorie das kleine Jesuskind zu sehen ist.

W4 MARIAE Schmertzen. / Freytag vor dem Palm=Sontag (Septem Dolorum B. M. V.; das Fest wurde von Benedikt XIII. 1727 für die ganze Kirche vorgeschrieben, war aber in der Diözese Freising schon vorher gefeiert worden. Als Sequenz wurde das berühmte »Stabat Mater« gesungen). Maria im Typ der Schmerzensmutter mit den sieben Schwertern im Herzen sitzt auf einem kleinen Hügel in weiter Landschaft mit einer Stadt im Hintergrund. Aus dem Himmel fällt ein Strahl auf sie. Die sieben Schmerzen Mariä sind: Die Weissagung des Simeon (»Deine Seele wird ein Schwert durchbohren« Lc 2,35), die Flucht nach Ägypten, der Verlust des zwölfjährigen Jesus im Tempel, die Kreuztragung Christi, der Tod Christi, die Beuegnung Christi und die Grablegung Christi (Beissel, Bd 2, S. 333).

W5 MARIAE Freuden. / Den VII. May. (Septem Gaudiorum B.M.V.; die Verehrung der Sieben Freuden Mariä kam im 12. Jh. auf und wurde im 14. Jh. intensiviert. Das Fest gehörte nicht zu den in der Diözese Freising allgemein gefeierten Festen). Maria sitzt mit strahlenumgebenem Haupt zwischen zwei Büschen, die sich, emporwachsend, über ihr zusammenschließen. In den Ranken sind in Medaillons die Sieben Freuden zu sehen: Verkündigung, Heimsuchung, Geburt Jesu, Anbetung der Könige, Begegnung mit Simeon, Wiederauffinden Jesu im Tempel, Krönung Mariens (Beissel, Bd 2, S. 630).

W6 MARIAE Von Hertzen. / Den I. Sontag in Juny (Purissimi Cordis B. M.V. Das Herz-Mariä-Fest war noch im 18. Jh. umstritten und ist erst seit 1944 für die gesamte Kirche vorgeschrieben. In Feldkirchen bei Rott am Inn bestand seit dem Anfang des 14. Jh. ein Meßbund, genannt »Maria vom hl. Herzen«, welcher 1720 zu einer Bruderschaft erhoben wurde s. Mayer-Westermayer Bd 3, S. 557 und 561.) In Wasserburg war die Verehrung des Herzens Mariä zusammen mit der des Herzens Jesu seit dem Dreißigjährigen Krieg in Blüte; Herz Mariä und Herz Jesu wurden dabei stets gemeinsam angerufen (s.u. »Vereinigtes Herz«).

Um Maria sind Herzen angeordnet, darüber jeweils die Inschrift auf einem Band, die die Eigenschaft des Herzens nennt und im Herzen eine auf diese Eigenschaft bezogene Darstellung (von links unten im Uhrzeigersinn). Für die Inschriften und die Darstellungen ist das Programm erhalten (Pfarrarchiv St. Jakob), Beweis dafür, wie sorgfältig und bis ins Detail durchdacht der theologische Gehalt der Freskierung war.

Geliebtistes Herz, auf dem die Dreifaltigkeit zu sehen ist. Allerreinnistes Herz mit Blume. Heillbringentes Herz mit segnendem Jesusknaben, der die Weltkugel hält. Kostbaristes Herz mit dem Kruzifixus. Mildtistes Herz mit Pelikan, der seine Jungen mit seinem Herzblut nährt. Vereinigtes Herz, das das Herz Jesu mit Dornenkrone und Seitenwunde umschließt (»NB das Herz muss oben haben das Marianische Schmerzen Schwerdt. Im Herzen das Herz Jesu, durch die Mitte die dörnern Cron sambt eröffneten Seidtenwundten«) Eyferigistes Herz mit der Taube des Hl. Geistes.

W7 MARIAE Schnee: Fesst / Den V. August. (Dedicatio S. M. ad Nives; Fest zur Erinnerung an die Weihe der ersten Marienkirche, St. Maria Maggiore in Rom; im 14. Jh. ein Fest in der Stadt Rom, durch Pius V. für die ganze Kirche vorgeschrieben. Zwei Bürger sind kniend dargestellt, sie halten zwischen sich das Gnadenbild Maria Schnee, auf das vom Himmel Strahlen fallen. Links im Vordergrund ist ein Plan mit der Vorderfront einer Kirche (St. Maria Maggiore).

V₋ Mariä Schnee

Nördliche Hochwand, von West nach Ost W8 MARIAnisches SCAPULIERR. / Den XVI. Julij. (Commemoratio solemnis oder Festum B. M. V. de Monte Carmelo ursprünglich Ordensfest der Karmeliten. Nach deren Ordenstradition überreichte Maria dem sechsten Karmeliter-Ordensgeneral Simon Stock am 16.7. 1251 das Skapulier. Das Fest wurde 1726 durch Benedikt XIII. für die ganze Kirche vorgeschrieben, wurde aber in der Diözese Freising schon vorher gefeiert). Oben im Bild ist Maria mit dem Kind dargestellt, in der Form eines Gnadenbildes, das von Engeln gehalten wird. Unten kniet neben einem Baumstumpf der hl. Simon Stock, dem Maria aus dem Bild das Skapulier reicht.

W9 MARIAE Haimbßuechung / Den II. Julij (Visitation B. M.V. wurde unter Pius V. für die ganze Kirche als Fest angenommen). Vor einem hohen Gebäude rechts steht Elisabeth, das strahlenumgebene Bild des Johannesknaben auf dem schwangeren Leib, und empfängt Maria, auf deren Leib das IHS zu sehen ist.

W. Marianisches Skapulier
W14 Mariä Unbefleckte Empfängnis

W10 MARIAE Himmelfarth. / Den XV. August. (Assumptio Almae Genitricis Dei Mariae; das älteste eigentliche Marienfest). Über dem Sarkophag, von dem der Deckel geschoben ist und über dessen Rand das Leichentuch hängt, schwebt Maria von einem Engel begleitet zum Himmel auf.

W11 MARIAE Gebürth=Fesst. / Den VIII. September. (Nativitas B.M.V. gehört zu den alten Marienfesten). Mutter Anna sitzt neben der Wiege mit dem Marienmonogramm und hält das Kind Maria auf den Armen. Oben erscheint das Dreifaltigkeitssymbol und in ihm der Jesusknabe.

W12 MARIA von Sig= oder / Roßencrantz. / Den I. Sontag in October. (Solemnitas Ss. Rosarii B.M. V. Das Fest ging aus dem Fest B.M.V. de Victoria hervor, dem Dankfest für den Sieg von Lepanto. Gregor XIII. führte 1573 das eigentliche Rosenkranzfest für den ersten Sonntag im Oktober ein, aber nur für Kirchen, die einen Rosenkranzaltar bzw. eine Rosenkranzkapelle hatten. Die anderen Kirchen feierten das Fest B.M.V. de Victoria weiter, bis Clemens XI. 1716 auf den Sieg über die Türken bei Peterwardein am 5.8.1716 hin das Rosenkranzfest für den ersten Sonntag im Oktober für die ganze Kirche vorgeschrieben.

W13 MARIAE Opferung. / Den XXI. November. (Praesentatio B.M.V. Unter Sixtus V. endgültig in den Festkalender aufgenommen). Das Mädchen Maria schreitet, geführt von Mutter Anna, die Stufen zum Tempel empor. Oben wartet ein Hoherpriester.

W14 MARIAE Unbeflecktes Empfangnus Fest / Der VIII. December. (Immaculata Conceptio. Das Fest wird seit Pius V. in der ganzen Kirche begangen). Maria als Immaculata Conceptio steht auf der Weltkugel, die Schlange unter ihrem Fuß. Ihr Haupt ist von Sternen umgeben, in der Linken hält sie eine Lilie.

Wa-b MARIENDARSTELLUNGEN An der Westwand befinden sich seitlich über der Empore zwei weitere Wandbilder. Verse nennen die Themen.

Wa REMUNERATRIX OPTIMA (N) Maria in Wolker reicht mit einer Hand Siegeskrone und Palme, mit der andern ein Füllhorn. Alle, die ihr bey thuet tragen / Zu Mariae Ehr, und Zierd. / Dörfft umb kein Vergeltung fragen / Die Vergeltterin sein wird, / Durch ihr Vorbitt wird zuwegen / Bringen, sie von ihrem Sohn / Euch Guettbätter reichen Segen / Und zum Lohn die ewig Cron.

Wb PROTECTRIX FORTISSIMA (S) Über einer Burg an einem Fluß (Wasserburg) ist Maria dargestellt, die ihren Schutzmantel über die Stadt breitet. Trangßal=Wasser wan umbgeben / Wasserburg: schon häuffig Dich / Und gewaltig auch erheben / Sturm=wind der Verfolgung sich / Zu Mariam thue du fliechen / Leg dein Bitt und andacht ein, / Daß all Übel sich verziechen / Würd sie Burg, und Schutzfrau seyn.

Zur Ikonologie

Das Bildprogramm der Wasserburger Frauenkirche ist eng auf das Gnadenbild bezogen. Zu ihm hatten sich die Bürger im Österreichischen Erbfolgekrieg verlobt; mit der Barockisierung lösten sie ihr Gelübde ein. Das Gnadenbild ist im Zentrum des Hochaltars, eine spätgotische, auf Wolken thronende »Schöne Madonna«, wohl salzburgisch und zwischen 1425 und 1435 entstanden. Maria trägt eine Krone und hält in der Rechten eine Traube. Das Kind, das auf ihrem Knie sitzt, hält den Reichsapfel in der Hand. Das Altarblatt dahinter bezieht sich auf das Gnadenbild: es zeigt die Dreifaltigkeit mit vielen Engeln und unter der himmlischen Gruppe die Ansicht Wasserburgs. Inschrift über dem Altarbild: S. Maria Protectio Nostra Ora pro Nobis.

Maria als starke Schutzherrin der Stadt ist der Hauptgedanke des Programms. Die Inschriften PROTECTRICI NOSTRAE und MDCCL stehen in zwei Kartuschen im Chorhaupt neben dem bayrischen Wappen und dem Stadtwappen. Maria als Schutzherrin Wasserburgs ist im Hauptfresko C dargestellt, auf sie beziehen sich die Embleme a, b, e, h, und l. Von den antetypischen Vorbildern 1-8 handeln vor allem Judith, Esther und Jahel (1, 4 und 5) davon. Im Wandbild Wb wird Maria als »Protectrix fortissima« noch einmal ausdrücklich angerufen. Maria als Fürbitterin, die Gottes Zorn auf die sündigen Menschen besänftigt und ihn versöhnt, ist der zweite Programmgedanke. Im Weib von Thekua, in Abigail und Michol (2, 4 und 6) ist diese Eigenschaft Mariens vorgebildet.

Maria als Mutter ist durch Rebekka und Sara (7 und 8) präfiguriert. Mütterliche Eigenschaften, Güte, Trost und Hilfe sind durch den Springbrunnen (d), die Sonne (f) und die Apothekerbüchse (m) symbolisiert. Ein Votivbild von 1772 in der Kirche bringt den anrührenden Vers: »Du nimmst der Luft das Gift, der Krankheit ihre Stärke – heisst diss nicht Muetter sevn? sind diss nicht Muetter Werke?«.

Das Lob Mariens nimmt im Programm breiten Raum ein. In B verehrt sie die ganze Welt. Ihre Schönheit (c), Demut (i) und Reinheit (k) werden gefeiert, ihre besondere Stellung im Himmel hervorgehoben (g). Besonders aber die Verehrung, die Wasserburg für seine Schutzherrin hegt, wird gezeigt: für sie erklingt Musik (A, A1-2), ihre Feste werden gefeiert (W1-14), ihr bringen die Bürger liebend ihre Herzen dar (C).

Zuletzt drücken die Bürger ihre Zuversicht aus, daß ihre Liebe und Verehrung (wie auch die Spenden für die Neudekoration der Kirche) durch Maria dereinst vergolten werden: von ihrer Fürbitte erhoffen sie das ewige Leben (Wa).

W6 Mariä von Herzen

An der Emporenrückwand wurden bei der letzten Restaurierung zwei gemalte Engelpaare aufgedeckt, die einen Baldachin über der Orgel zurückraffen. Diese Malerei stammt nicht aus der Ausstattungszeit 1750. Vielleicht wurde sie 1667 anläßlich der Restaurierung der alten Orgel angebracht.

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten St. Jakob in Wasserburg am Inn, IV: Pastoral- und Kultusgegenstände; V: Frauenkirche. AEM, Bomhard-Nachlaß: Wasserburger Meister. Stadtarchiv Wasserburg am Inn, Kirchenrechnungen; Ratsprotokolle (zu Kurz).

Wa-b Mariendarstellungen an der Westwand

WASSERBURG

Pfarrarchiv St. Jakob Wasserburg, (1990 vorläufiger) Akt Frauenkirche. DICT AL, W. . . . . . . . . . . . . . . . . . .

BLfD, Akt Wasserburg am Inn, Frauenkirche

Schmidtsche Matrikel, Bd 3, S. 55 f. Heiserer, Joseph, Topographische Geschichte der Stadt Wasserburg am Inn, in: OAVG 19, 1858–60, S. 274.

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 563.

Aus dem hiesigen Stadtarchiv. Baugeschichte der hiesigen Frauenkirche (o.V., gez. B.) in: Wasserburger Anzeiger, September 1883.

Ausschmückung der Frauenkirche in Wasserburg (o.V., gez Sch.), in: Wasserburger Anzeiger, August 1899. KDB I OB (2) S 2080-04

Brunhuber, Kaspar. Artikel im Wasserburger Anzeiger 27.11.1915.

Brunhuber, Kaspar, Votivtafeln und Inschriften in der Frauenkirche, in: Heimat am Inn 1, 1927, Nr. 2.

Dempf, Anton, Wiedereröffnung der Kirche nach der Barockisierung am 11.9.1753, in: Heimat am Inn 10, 1936, Nr. 3. Skrabal, Gerhard, Geschichte der Stadtpfarrei St. Jakob zu Wasserburg am Inn, Wasserburg 1962.

Stadt- und Landkreis Wasserburg am Inn. Geschichte – Kunst – Wirtschaft, Aßling und München 1970, S. 32, 134. Bauer, Ludwig (Stadtpfarrer von Wasserburg), Festschrift anläßlich der Renovierung der Frauenkirche in Wasserburg, Wasserburg 1976 (vervielfältigtes Ms.).

Feulner, Franziska, Die Kirche im Herzen der Stadt. Zur Geschichte der Frauenkirche Wasserburg, in: Heimat am Inn 7, 1986/87, S. 9–60.

Feulner, Franziska, Frauenkirche in Wasserburg a. Inn. Die Kirche im Herzen der Stadt zur gnadenvollen Muttergottes auf dem Platz (Kirchenführer), Wasserburg o. J. Dehio 1990, S. 1250 f. A. B

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