Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 444–445, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Leonhardskapelle, Pfarrei und Gemeinde Walting, Diözese Eichstätt; z. Z. der Ausmalung Hochstift Eichstätt. 1769 wurde die Hirten- oder St. Leonhardi-Bruderschaft eingesetzt. Bis 1972 Reg.Bez. Mittelfranken. Die Kapelle ist im Besitz der Gemeinde Walting.

Patrozinium: St. Leonhard

Zum Bauwerk: Ursprünglich romanische Chorturmanlage 1598 auf Kosten des Rebdorfer Prälaten Leonhard Kraus verändert, 1732 verlängert und barockisiert durch Eichstätter Künstler; die Stuckdekoration ist Franz Xaver Horneis zuzuweisen. Niedriger schmaler langgestreckter Saalraum (9,40×3,30m) zu zwei Achsen. Der rechteckige einachsige Altarraum (3,00×3,70m) ist durch einen Chorbogen mit einfachem Kämpfer ausgeschieden; er ist etwas breiter und leicht nach links versetzt. Belichtung durch drei Rundbogen-Fensterpaare. Die Deckenbilder befinden sich im Langhaus.

Autor und Entstehungszeit: Johann Dominikus Murmann (* um 1706 Ort unbekannt † 1745 Eichstätt) 1732. Signaturen und Datierungen in Fresko A: Joannes D. Murmann Fecit Ao 1732 und B: D. Murman(n) Ano 1732.

Dominikus Murmann war ein Bruder des bekannteren Eichstätter Malers Hugo Ernst Murmann. Die Qualität seiner Malerei ist äußerst bescheiden. Neben Walting hat er auch die Ausmalung der Pfarrkirche in Kevenhüll (s. S. 288–92) signiert, zudem Daiting, 1732, Schw. Lkr. Donau-Ries, und Ornbau/St. Jobst 1737, MFr, Lkr. Ansbach.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke mit Hohlkehle; AR Tonnengewölbe

Rahmen: Stuckprofil Toolseil- C 1 1

Technik: Secco; polychrom

Maße: A Höhe 3,15 m; 2,30 × 1,30 B Höhe 3,15 m; 2,30 × 1,30

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1955, 1965, 1972 und 1977 ist von Restaurierungen die Rede (BLfD). Die einfache Seccomalerei zeigt Überarbeitungen.

Beschreibung und Ikonographie

Die beiden langgestreckten Deckenbilder haben die Form eines gelängten Vierpasses. Sie sind in eine Bandwerk-Stuckornamentik aus rosa, gelben und hellgrünen Ranken eingebettet. Schlichte, tafelbildmäßige Bildanlagen mit Blickrichtung nach Osten

A ST. LEONHARD ALS VIEHPATRON Der Heilige, in Benediktinerkukulle, steht auf einem Wiesengrund. Er ist umgeben von zwei Pferden, zwei Kühen, einer Ziege und einem Schaf. Die Wiese ist rückwärts gesäumt von einer Dorfsilhouette und Bäumen.

B ST. LEONHARD ALS PATRON DER GEFANGENEN Hier schwebt der Heilige in Wolken, ein Engel trägt sein Attribut, die Kette. Eine Frau mit krankem Kind auf dem Arm und drei an den Händen gefesselte Gefangene, deren rechter zusätzlich noch im Schraubstock steckt, schauen bittflehend auf ihn. Rechts ein Hirte mit Hirtenschippe.

St. Leonhard ist Patron der Gefangenen, des Viehs, der Bauern und der Gebärenden.

Quellen und Literatur

Kunstinventar Diözese Eichstätt, Walting, St. Leonhard, bearbeitet von Emanuel Braun, 1994.

KDB V MF (2), S. 342. Buchner Bistum Eichstätt 1938, S. 721–26.

 
B St. Leonhard als Patron der Gefangenen