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Walkertshofen, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 5: Landkreis Dachau. Hirmer, München 1996, ISBN 978-3-7774-6320-9, S. 284–289, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

WALKERTSHOFEN

Pfarrkirche, Pfarrverband Erdweg, Gemeinde Erdweg, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung hatte der Fürstbischof von Freising das Recht der freien Besetzung auf die Pfarrei Walkertshofen. Gericht Dachau

Patrozinium: Mariä Himmelfahrt, früher St. Katharina (Umwandlung erst in jüngster Zeit)

Zum Bauwerk: Bau im Kern spätgotisch. Baureparaturen 1695 durch Bernhard Schmidt, Maurermeister in Eisenhofen. Die Stuckierung des Chors mit Blattstableisten stammt wohl aus dieser Zeit. Arbeiten an der Kirche 1727/29 und 1732/33 unter Pfarrer Vitus Kreitmayr (1727–37); aus dieser Zeit wohl die Emporenbrüstung. Weitere Änderungen und Reparaturen nach 1767: Pfarrer Aegidius Daubenberger (1767–92) schrieb 1777, sein Gotteshaus habe gar nichts, und er habe es selbst aus eigenen Mitteln »cultifiziert und aufgerichtet« (Walkertshofen war eine ausnehmend arme Kirche und sogar bei den normalen jährlichen Ausgaben auf Zuschüsse anderer Kirchen angewiesen). Bei einer dieser Renovationen des 18. Jh. wurde statt der Holzdecke eine weiße Decke eingezogen. Das LHs, das ursprünglich 7 m lang war, wurde 1884 um 5,50 m nach W verlängert. Dabei wurde die Orgelempore zurückgesetzt und erweitert (von 2,50 auf 5,00 m).

Einfacher Saal zu vier Fensterachsen, Belichtung von N und S, Empore im W; eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Belichtung von N, O, S.

Auftraggeber: Die Ausmalung war eine Stiftung des Pfarrers und eines wohlhabenden Bauernpaars aus Walkertshofen. Inschrift am AR-Gewölbe westlich von B: Titl. Herr Leonhart Hueber / und Georg Palß auch.

Leonhard Hueber (* 6.11.1745) war 1792–1823 Pfarrer von Walkertshofen (vorher Benefiziat von Großberghofen, mit dem Aegidius Daubenberger aus Altersgründen getauscht hatte) und starb am 23.2.1823 achtundsiebzigjährig in Walkertshofen. Das Epitaph in der Vorhalle der Kirche sagt von ihm: Er war / Der guten Hirten Musterbild / Für Arme reich, für Kranke mild. Er That/ Für Kirche, Schule, Lehrer viel und gerne / Damit nach seinem frommen Sinn, ein jeder dieß erlerne. - Georg Palß (Familienname Rottenfußer) war wohl der Bauer auf dem Palßhof in Walkertshofen (auch Bals- oder Balsenhof, 1/1 Hof, der Benediktinerabtei Scheyern zugehörig; der Hof existiert nicht mehr). In einem kleinen Fresko an der Innenseite des Chorbogens sind drei Personen dargestellt, rechts Pfarrer Hueber in schwarzem Gewand mit weißem Kragen, in der Mitte der Bauer Georg Palß und links, in schwarzem Kleid mit Haube, wohl dessen Bäuerin.

Der Kirchenraum
Stifterbild an der Innenseite des Chorbogens

Autor und Entstehungszeit: Joseph Mangold 1802. Signatur am rechten unteren Bildrand von A Joseph Man/gold 1802. Joseph Mangold, dessen Lebensdaten unbekannt sind, war Maler aus Ichenhausen (LKr. Günzburg). Arbeiten von ihm sind von 1791 bis 1809 belegt (Gruber, Maler). In Oberottmarshausen (Schw, LKr. Augsburg) signierte er vierzehn Olbilder mit Darstellungen von Jesus, Maria und den zwölf Aposteln. Von ihm stammt wohl auch die Ausmalung von Laimering (Schw, LKr. Aichach-Friedberg), J. M. 1795 bezeichnet. Die Fresken von Haunshofen (LKr. Weilheim- Schongau, CBD, Bd 1, S. 404–06), J. M. 1808 bezeichnet, werden ihm zugewiesen. Mangold zeigt in seinen Figurentypen und in der Art des Aufbaus von Bildschauplätzen große Ahnlichkeit mit Ignaz Baldauf

Außer den Fresken schuf Mangold in Walkertshofen der Kreuzweg (auf der letzten Station bez. I: M: 1802), das

Hochaltarblatt mit der hl. Katharina in der Glorie und das rechte Seitenaltarblatt mit der Darstellung des hl. Joseph mit dem Jesusknaben.

Die Emporenbrüstungsbilder EB1–3 sind von anderer Hand vermutlich mit der ganzen Brüstung (die 1884 nach W ver setzt wurde) ins erste Drittel des 18. Jh. zu datieren.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke; AR Netzgewölbe, dessen Grate mit Ornamentstuckbändern des 17. Jh. besetzt sind

Rahmen: A Stuckprofil, in den Ecken eingeschwungen; dort Medaillons mit Blütenranken in gold-ockerfarbener monochromer Malerei; B Stuckprofil, in den umgebenden Gewölbezwickeln auf hellblauem Grund Ziervasen und Festons in goldfarbener und grauer monochromer Malerei Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 5,70 m; 5,50 × 4,90

B Höhe 5,50 m; 5,00 × 1,90

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Ausmalung wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jh. und 1929 durch den Kirchenmaler Joseph Zimmermann restauriert. Letzte Restaurierung 1957 durch Karl Eixenberger, München. Die Fresken sind in gutem Zustand.

Beschreibung und Ikonographie

A DIE HL. KATHARINA VON ALEXANDRIA VOR MAXENTIUS (LA-Benz, S. 918-21) Einansichtige Szene

Aufnahmestandpunkt unter dem westlichen Bildrand; mäßige Untersichten und Verkürzungen. Das Fresko A nahm ursprünglich die gesamte Decke des ehemals bedeutend kürzeren Lhs ein.

Ein geschwungenes Podest und Stufen führen ins Bild ein. Links ragt auf hohem runden Sockel der Thron des Kaisers Maxentius auf, von einem Baldachin überwölbt. Rechts sieht man eine von vier Säulen getragene Bogenarchitektur: im

B Die wunderbare Brotvermehrung

Hintergrund schließt eine halbkreisförmig geführte Mauer den Schauplatz ab.

Im Zentrum des Bildes steht die hl. Katharina in hellem Kleid und rotem Mantel, die Arme in weitausgreifender, demonstrativer Gestik erhoben; sie ist von Kriegern, einem Götzenpriester mit Jupiterstatuette und anderem Volk umgeben. Kaiser Maxentius auf seinem Thron wendet sich ihr mit drohenden Gebärden zu. Im Himmel schwebt ein Engel und bringt Martyrerkranz und Palme zum Zeichen für das bevorstehende Martyrium Katharinas.

Vor dem lichten Blau und Grau des Himmels und der Architekturen erscheinen warme, kräftige Ocker- und Rotfarben in Wolken, Gewändern und Baldachin.

Katharina, nach der Legende Tochter des Königs Costus, vernahm von der Christenverfolgung unter Maxentius und versuchte daraufhin, den Kaiser umzustimmen. Sie »hub an durch unterschiedliche Schlüsse der Syllogismen allegorisch und metaphorisch, dialectisch und mystisch mit dem Kaise gar mancherlei Ding zu disputieren« und ihm den Christenglauben zu erklären. Sie weigerte sich standhaft, den heidnischen Göttern zu opfern, hielt in einer Disputation fünfzig heidnischen Gelehrten stand und erlitt schließlich zahlreiche Martern und den Tod durch das Schwert.

Auf dem Bild ist – wie die Figur des Schergen links zeigt – die Szene dargestellt, wo Katharina das letzte Mal vor den Kaiser geführt wurde, das Opfer an die Götter wiederum verweigerte und zum Tod verurteilt wurde.

B DIE WUNDERBARE BROTVERMEHRUNG (Mt 14. 13-21 u. Par.) Einansichtige Szene, Standpunkt unter dem westlichen Bilddrittel. – Auf einem spärlich bewachsenen Hügel hat sich das Volk versammelt: Männer, Frauen und Kinder, in ihrer Mitte ein Soldat mit Lanze. Jesus sitzt zuoberst auf einem Stein und segnet die beiden Fische, die ein Knabe ihm darreicht. Um Christus sind die Apostel geschart; Petrus steht mit ausgebreiteten Armen, staunend über das Wunder, das geschieht. Links und rechts im Hintergrund sieht man Frauen mit Broten. Vor blauem Himmel ballen sich gelb-graue Wolken, in deren lichter Mitte von einer Strahlenglorie umgeben die Monstranz mit dem Allerheiligsten erscheint, von Engeln und Putten verehrt.

Die Farbigkeit des Schauplatzes ist von den Gelb-, Ocker- und Grautönen der Wolken und des Erdhügels bestimmt. In den Gewändern der Engel und Menschen treten als Buntfarben ein stumpfes Rot, Blau, Grün und Ockergelb auf. Die wunderbare Brotvermehrung wurde stets als antypischer Hinweis auf die Eucharistie verstanden. In der direkten Zuordnung des Wunders zur Verehrung des Allerheiligsten erfolgt hier – in den spätesten Ausläufern der barocken Deckenmalerei – eine Bekräftigung des Geheimnisses vom Altarssakrament auf moderne Weise: als Hinweis auf das historisch belegte Wunder.

EB1-2 Fresken an der Emporenbrüstung

EB1-3 KATHARINA-SZENEN In drei Bildern an der Emporenbrüstung wird die Erzählung aus der Legende der Kirchenpatronin fortgeführt.

EB1 (S) DISPUTATIO DER HL. KATHARINA (LA-Benz, S. 920 f.) Auf einem Thron sitzt Kaiser Maxentius und lauscht den Worten der hl. Katharina, die, als Königstochter gekleidet, vor den Stufen des Thrones steht und den christlichen Glauben gegen fünfzig von weither nach Alexandrien gekommene heidnische Gelehrte verteidigt.

EB2 (N) ENTHAUPTUNG DER HL. KATHARINA (LA-Benz, S. 923) Auf einem Hügel kniet die Heilige in Prinzessinnentracht mit gebundenen Händen. Ein Henker schwingt das Schwert, um sie zu enthaupten. Vom Hügel überschnitten sieht man links Zuschauer; rechts ist das Marterwerkzeug zu sehen, das der Kaiser bauen ließ, um Katharinas Leib zu zerreißen. Auf die Bitten der Heiligen hin hatte Gott es zerstört und mit ihm viele Heiden getötet. Drei von den Erschlagenen sind im Bild dargestellt. Ein Teil des Räderwerks liegt neben Katharina als ihr persönliches Attribut.

EB3 (Mitte) GLORIE DER HL. KATHARINA Die Heilige, mit Krone und Hermelinmantel als Königstochter dargestellt, schwebt in Wolken, von Putten begleitet. In der Rechten hält sie Martyrerpalme und Schwert; neben ihr sieht man das zerbrochene Rad.

Quellen und Literatur

BHStA I, GL 611, Nr. 215.

StAM, Pfleggericht Dachau A 217: Bauten an der Kirche und der Kapelle Maria Hilf zu Walkertshofen 1675-1734. StAM, Geistlicher Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen, Kirchenrechnungen Gericht Dachau 1740, s.v. Petersberg und passim.

StAM, LRA 34454

AEM, Pfarrakten Walkertshofen: Pfarrbeschreibung; Bauten II; Pastoral- und Kultusgegenstände 1704–1882.

EB1 Disputatio der hl. Katharina

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 309–11. Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 178–81. KDB I OB (1), S. 323.

Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 370. Angerpointner, Alois, Walkertshofen. Beitrag zur Ortsgeschichte zum 1200jährigen Jubiläum 1984 (vervielfältigtes MS), S. 14–26. A. B.