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Waal, Filialkirche Mariä Himmelfahrt

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 14: Landkreis Ingolstadt; Landkreis Pfaffenhofen. Hirmer, München 2010, ISBN 978-3-7774-3001-0, S. 264–268, geschrieben von Sauerländer, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Pfarrei Rohrbach seit 1953, Gemeinde Rohrbach, Diözese Augsburg; z.Z. der Ausmalung war Waal Pfarrkirche. Von 1595-1773 gehörte die Pfarrei zum Jesuitenkolleg in München, das Präsentationsrecht hatte der Rektor inne. Nach Auflösung des Ordens präsentierte der bayerische Kurfürst, bevor dieser 1782 Güter, Rechte und Pflichten der Jesuiten an die Malteser übergab. Das Präsentationsrecht verblieb bis 1808 beim Großpriorat der Malteser in München und ging dann an den König von Bayern über. Gericht Pfaffenhofen a. d. Ilm.

Patrozinium: Mariä Himmelfahrt

Zum Bauwerk: Saalkirche des 15. Jh., Umbau im 18. Jh. Eine Kramerin aus Pfaffenhofen stiftete 1766 zu dem Bau 455 Pfund steirisches Eisen (Hofmann, S. 72). Nach der Kirchenrechnung von 1780 erfolgten in diesem Jahr verschiedene Baureparaturen, auch an der LHs-Decke (StAM 1780, fol. 99 v-100 v.). Veränderung der Fenster, Rokokohochaltar mit seitlichen Durchgängen und Fassung durch Johann Baptist Anwander aus Landsberg, übrige Choreinrichtung um 1795. 1903 Verlängerung des LHs um 5 m nach W.

Saalbau (18 × 7 m) ursprünglich zu drei, heute zu vier Achsen, mit einem gleich breit anschließenden, spätgotischen, zweijochigen dreiseitig geschlossenen AR (9×7m) mit einem Netzrippengewölbe. Belichtung im LHs durch oben und unten gerundete Fenster, umlaufendes Stuckgesims am Ansatz der Hohlkehle ohne Wandgliederung. Empore im W.

Auftraggeber: Pfarrer Ägidius Kümmerl (1773-95), noch von den Jesuiten präsentiert. Juridischer Auftraggeber war Kurfürst.

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Himmelfahrt Mariens (Johann Michael Singer 1780)
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fürst Karl Theodor von Bayern (1777-99). Die Kirche von Waal war nicht unvermögend. Im Jahr 1780 betrugen ihre Einnahmen 1748 fl. (StAM, fol. 96 v.). Darüber hinaus hatte Pfarrer Kümmerl sicher ein persönliches Interesse daran, dem Freskanten Johann Michael Singer, den er getraut hatte und dessen Versuch, sich in der benachbarten Hofmark Rohrbach niederzulassen, gescheitert war, einen Auftrag zu verschaffen.

Autor und Entstehungszeit: Johann Michael Singer (Lebensdaten unbekannt), 1780.

Signatur (erneuert) am östlichen Bildrand von A Johann Michäl/Singer pinx/a0 1780. Das gleiche Datum findet sich in der Stuckkartusche über dem Chorbogen AUXILIUM/ INDEFICIENS/17,8,0.. »Nie versagende Hilf« bezieht sich auf die Patronin Maria.

Das Fresko ist von Übermalungen derart entstellt, dass gerade noch die Bildanlage als original angesehen werden kann.

Wo J. M. Singer gelernt hat, ist nicht bekannt. Jedoch lassen die erhaltenen Arbeiten – trotz der weitreichenden Überarbeitung in Waal – eine starke Beeinflussung durch Martin Heigl (* um 1730 † 1774) erkennen. Sie zeigt sich in der leicht gespreizten Körperhaltung, den ausgreifenden, übersteigerten Armbewegungen und jäh abknickenden Gliedmaßen, in der kleinteiligen Modellierung der Köpfe mit starken Hell-Dunkel- Kontrasten und gewelltem Haarkontur, in dem Motiv des schmal und hoch am Bildrand aufsteigenden Einzelbaumes als Mittel des Bildzusammenhalts bei lang gestreckten einansichtigen Darstellungen mit zwei übereinander gesetzten Szenen (vgl. z. B. Burgkirchen a. d. Alz, LKr. Altötting, CBD Bd 9, S.75-80). Die 1768 signierten Fresken in Hofgiebing (LKr. Mühldorf, CBD Bd 8, S. 126-28) vermitteln noch einen Eindruck von Singers malerischem Können.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Langhaus Flachdecke über steiler Hohlkehle

Rahmen: stark ondulierter, weißer Stuckprofilrahmen (erneuert)

Technik: Fresko; polychrom; mit späteren Kaseinübermalungen

Maße: Höhe 7,00 m; 8,30 × 4,55

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Mit der Verlängerung der Kirche 1902/03 war eine Restaurierung des Inneren verbunden. Die Instandsetzung des Deckenfreskos übernahm Kunstmaler Hans Kögl, München, der auch die Seitenaltarbilder malte (Signatur im rechten Seitenaltarbild HK). Empfohlen wurde »schonendste Reinigung, sorgfältigste Abnahme von Übermalung« und möglichst wenig »eigentliches Malen« (BLfD, Konservator Graf). Neu geschaffen wurden der fehlende Stuckrahmen des Deckenbildes, die Stuckornamente an der Langhausdecke, die Stuckkartusche mit dem Ölbild der hl. Cäcilia an der Emporenbrüstung - sowie die stuckierte Blumenschnur mit Rosenblüten an der Emporenbrüstung. Malermeister Hans Hofmann, Pasing, legte an der Kanzeltür die Figur »Jesus als Guter Hirte« frei (LRA 49637). 1937 erfolgte eine Reinigung und Tünchung des Kircheninneren durch Malermeister Hans Schober, Pfaffenhofen. Das Deckenbild galt damals nur als reinigungsbedürftig. Die 1957 als völlig durchfeuchtet bezeichnete Kirche wurde 1969-71 instand gesetzt. Kirchenmaler Jakob Holderried, Pfaffenhofen, nahm eine Übermalung mit Leimfarbe ab, unter der eine Übermalung in Kasein zum Vorschein kam. Vom »Originalton« des Freskos waren nur noch etwa 30% erhalten. Nach Holderrieds Auffassung hatten beide Übermalungen gegenüber dem Original Veränderungen vorgenommen. Der Wegfall eines ehemals aufgemalten Rahmens hatte offenbar zu einer Verbreiterung des Deckenbilds geführt. Diese Leerflächen wurden bei der zweiten Übermalung, der von 1903, ausgefüllt. Die Jahreszahl 1780 und die Signatur waren 1970 nicht mehr feststellbar; beides ist erneuert. Freigelegt wurde 1970 auch die Inschriftkartusche. Die Stuckornamente wurden rosa und türkis getönt. 1992 letzte Instandsetzung der Raumschale sowie kleinere Einstimmungen am Fresko durch Fa. Wolfram Kronwitter, Leipheim.

Das Fresko, das heute weitgehend als Restaurationsmalerei gesehen werden muss, hat nur in Bildanlage und Bildaufbau seine barocke Substanz bewahrt. Die Oberfläche ist in allen Partien überarbeitet und macht einen flockig-schmierigen Eindruck

Beschreibung und Ikonographie

HIMMELFAHRT MARIENS Einansichtige geostete Bildanlage. Das Fresko ist doppelt so lang wie breit und nimmt fast die gesamte Länge des gerahmten Deckenfeldes ein, das sich zwischen Chorbogen und Emporenbrüstung erstreckt. Dargestellt ist die Himmelfahrt Mariens in zwei übereinander gesetzten Szenen, die so weit voneinander abgerückt sind, dass die noch benutzte zentralperspektivische Anlage nicht mehr zur Wirkung kommt.

Der flache terrestrische Bühnenraum zeigt im Vordergrund die Schmalseite des schräg ins Bild hineingestellten Sarkophags, um den herum elf Apostel und zwei Frauen neben- und hintereinander aufgetürmt sind. Ein dünner Laubbaum am nördlichen und eine Palme am südlichen Bildrand rahmen die Szenerie; im Hintergrund verweist ein hohes Grabmonument auf die Begräbnisstätte im Tale Josaphat. Dargestellt ist der Augenblick, da die Apostel im leeren Sarkophag nur noch die duftenden Grabtücher Mariens vorfinden und ihrem Erstaunen in verschiedenen Gebärden Ausdruck geben (LA Graesse, S. 509, 521; LA-Benz, S. 588, 602). Von den Aposteln sind rechts Petrus mit den Schlüsseln, in blauem Gewand und gelbem Mantel, und die Rückenfigur des Johannes in rotbraunem Mantel mit jugendlich braunem Haar, die sich über den Sarkophag beugt, zu benennen. Der Apostel am rechten Bildrand hat die Haltung eines Selbstbildnisses.

Im westlichen Bildteil thront, schon weit entrückt, Maria als Frontalfigur auf einem Wolkensitz, die Arme ausgebreitet in weißem Gewand und blauem Mantel. Sie wird von zwei Engeln gestützt und ist umzogen von einem Wolkenhalbkreis mit Putten und Puttenköpfchen. Der Putto am südlichen Rand hält den Lilienstengel, die Putten zu ihren Füßen streuen Rosen.

Die Figuren des irdischen und himmlischen Bereichs sind annähernd gleich groß und nahe der vorderen Bildebene angeordnet. Man kann annehmen, dass das Fresko auch ursprünglich keine besondere Tiefen- und Höhenillusion hergestellt hat. Für die Fläche lassen sich jedoch Richtlinien der Komposition erkennen. Eine C-förmig aufsteigende Bewegung führt von der Südostecke des Freskos hinauf zu Maria. Das Erstaunen der Apostel hebt an am südöstlichen Bildrand mit der Petrusfigur und der darüber gesetzten, schräg hochblickenden Profilfigur und gipfelt in der am nördlichen Bildrand stehenden Apostelfigur mit stark zurück geneigtem Kopf, die in der Gegenrichtung zu Maria aufblickt. Der bildliche Zusammenhang wird garantiert durch die Wolken, die in der Senkrechten von Marias Wolkenthron bis zu den Aposteln hinabführen und als Wolkenhalbrund die Figur Marias überwölben.

Quellen und Literatur

Pfarrarchiv Rohrbach, Trauungsmatrikel der Pfarrei Waal 1694–1802; Restaurierungsbericht zum Deckenfresko in Waal vom 5. 2. 1971 (Jakob Holderried).

Hofmarksarchiv Rohrbach im Schlossarchiv Rohrbach (frd) Vermittlung Hermann Schwarzmeier, Rohrbach): Ansiedlungsversuch J. M. Singers 1777.

ABA, BO 8316 Besetzung der Pfarrei Waal 1461–1846; Brief des Pfarrers Aegidius Khimmerl an Clemens Wenceslaus, Bischof in Augsburg, 1773.

StAM, Geistlicher Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen Rentamt München, Landgericht Pfaffenhofen 1780, fol. 91r, 96 v, 99 v-100 v, 101 r.; LRA 49637, Erweiterung der Pfarrkirche in Waal 1880–1903.

Mayr, Johann Leonhard, Moderna Ecclesia Augustensis, sive Dioecesis Augustana in suis Locis, Ecclesiis... breviter descripta, Augsburg 1772, S. 141.

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Hopp, Pfründe-Statistik Bd 1, S. 238

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Gernhardt, Ludwig, Waal, in: Unsere Heimat, Blätter für Hallertauer Heimatkunde, Beilage zum Pfaffenhofener Volksblatt 61, November 1932.

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Pötzl, Kultgeographie des Bistums Augsburg, S. 59

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