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Vierkirchen, Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 5: Landkreis Dachau. Hirmer, München 1996, ISBN 978-3-7774-6320-9, S. 275–283, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Gemeinde Vierkirchen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Vierkirchen dem Domkapitel Freising inkorporiert. Gericht Dachau

Patrozinium: St. Jakobus der Ältere

Zum Bauwerk: Erster Plan mit Kostenvoranschlag (2250 fl.) für einen Neubau anstelle der baufälligen mittelalterlichen Kirche 1753 durch den Dachauer Schloßmaurermeister Anton Glonner. Es folgten lange, ergebnislose Verhandlungen des Pfarrers von Vierkirchen um die Finanzierung des Neubaus mit dem Fürstbischof von Freising, Johann Theodor von Bayern, und dem Pfleger von Dachau, Joseph Graf Piosasque de Non. Im Frühjahr 1759 stürzte ein Teil des Gewölbes der alten Kirche ein, und diese war nicht mehr benutzbar; die Reliquien der Altäre wurden nach Freising gebracht. Im gleichen Jahr brachte Pfarrer Gröbmeier

1088 fl. für den Neubau auf (zum großen Teil unverzinsliche Darlehen der sechs Filialkirchen von Vierkirchen); da das Geld für den Kirchenbau noch nicht reichte, wurden zunächst nur Materialien angeschafft und gelagert (StAM, Kirchenrechnungen 1760). Der Neubau erfolgte erst 1763 nach nur leicht abgeänderten Plänen Glonners. Inschrift an der Oratoriumsbrüstung im AR (S): Vetustissimam hanc S. Iacobi: Apost: parochi: Eccles: in Vierkirchen a decem retro

Berufung des Jakobus
A Salome, die Mutter des Jakobus und Johannes, vor Jesus

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saeculis exstructam vetustate penitus collabentem Plur. Rever: Doct: D. Joan. Geo. Gröbmaier Consil: Eccles: Frising: ac Parochus dignissimus huiatis Ecclesiae impenso largo aere a fundamentis excitavit ao Dni 1763 (angebracht von Gröbmeiers Nachfolger, Pfarrer Johann Baptist von Edling). - Gröbmeiers Epitaphinschrift (rechts vom Eingang) lautet: Hoc monumentum sibi et matri suae Mariae p.m. Anno 1746... defunctae... posuit Joannes Georgius Gröbmayr Rector et Erector huius Ecclesiae, caepit erigere Anno 1763, Rexit per 40 Annos, 10. Oct. obiit Anno 1779 aetatis suae 76. Die Bekrönung des Epitaphs schmückt ein Putto, der den Bauplan von Vierkirchen hält.

Fertigstellung des Rohbaus 1765, Fertigstellung der Ausmalung und Abbruch der Gerüste erst 1767. Es folgte die Ausstattung mit Hochaltar, Seitenaltären, Kanzel und Orgelprospekt, deren Fassung erst unter Pfarrer Johann Baptist von Edling möglich war. Feierliche Weihe am 29. Juni 1779 anläßlich der Tausendjahrfeier der Pfarrei Vierkirchen durch den Freisinger Fürstbischof Ludwig Joseph von Welden

Weiter, hoher Saal zu fünf Achsen mit Pilastergliederung, kräftig ausgebildetem Gebälk und Doppelempore im W; gleichmäßige Belichtung von N und S im ersten, dritten und fünften Joch durch hohe Fenster mit darüberliegenden kleeblattförmigen Oberfenstern. Eingezogener AR mit halbrundem Schluß; Pilastergliederung; Belichtung durch Fenster mit Oberfenstern wie im LHs von N, S und in der Rundung.

Auftraggeber: Johann Georg Gröbmeier (Gröbmayr, Gröbmaier), Pfarrer von Vierkirchen (1739–79), ab 1765 Kämmerer des Kapitels Dachau; am 29. Juni 1779, dem Tag der Neuweihe der Kirche und der 1000-Jahrfeier von Vierkirchen, Ernennung zum Freisinger Geistlichen Rat. Gröbmeier feierte am 25. Juli 1779 sein goldenes Priesterjubiläum und starb am 10. Oktober gleichen Jahres. Er führte 1747 die Bruderschaft zu Trost und Hilfe der Armen Seelen im Fegefeuer in Vierkirchen ein.

Autor und Entstehungszeit: Johann Georg Dieffenbrunner (* 1718 Mittenwald † 1785 Augsburg; s. S. 86) 1767. Signatur in B J. Dieffenbrunner Pinx / 1767.

Nach einer inzwischen verschwundenen Baurechnung (publ. bei Steinberger, S. 95 f., Anm. 5) erhielt Dieffenbrunner 550 fl: »Dem Frescomaler Joh. G. Tiefenbrunner von Augsburg, der das ganz neu aufgeführte Gotteshaus hat ausgemalt 550 fl.« Dieffenbrunner malte auch die beiden Blätter der Seitenaltäre: rechts den hl. Sebastian (bez. J. D. 1785) und links die Heimsuchung.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Tonnengewölbe mit Stichkappen, im AR nach O abgemuldet

Rahmen: Die Rahmung ist wie die ganze übrige Gewölbedekoration gemalt. A und C Querformat mit je zwei halbkreisförmigen seitlichen Ausbuchtungen, Rahmen in der Längsachse von Rocaillen überspielt, in der Querachse Engelsköpfchen; B vierpaßähnliches Feld, Rahmen von Rocaillen überspielt, in der Querachse kleine Wolken mit Puttenköpfchen; D Längsformat mit geschwungenen Ausbuchtungen in der Längsachse, C-förmigen Ausbuchtungen in der Querachse, Rahmen von Rocaillen überspielt, in der Querachse kleine Wolken mit Puttenköpfchen

Maße: A Höhe 12,50 m; 2,90 × 5,60

B Höhe 12,50 m; 10,20 × 8,30

C Höhe 12,50 m; 2,90 × 5,60

D Höhe 12,00 m; 7,70 × 6,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1852 größere Baureparatur: durch den Gewölbedruck war die nordwestliche LHs-Ecke baufällig geworden und wurde mit Schlaudern verfestigt. Als Matthias Steinberger 1867 Pfarrer wurde, zeigte das LHs-Gewölbe einen langen Längsriß, der mit groben Schlaudern zusammengehalten war. Bei der ersten Restaurierung ab 1872 wurde das massive Steingewölbe am Dachgebälk aufgehängt und der Riß geschlossen, die Fehlstellen in den Deckenbildern wurden ausgebessert. Die ornamentalen Gewölbemalereien und die Apostelbilder 1-14 übertünchte man. 1960 Restaurierung durch Georg Gschwendtner, Karlstein bei Reichenhall. Dabei wurden die ornamentalen Malereien, die Zwickel mit den Apostelbildern 1-14, die Figur des Christus auf der Holztafel in C und die Emporenbrüstungsbilder EB1-10 freigelegt. Die Apostelbilder und die Figur des Christus auf der Holztafel in C sind auf der Grundlage der alten Malerei weitgehend neu gemalt.

Der Erhaltungszustand der Deckenbilder ist verhältnismäßig gut. Verkittete Risse und Scheitelrisse in A und B, Spuren beseitigter Feuchtigkeitsflecken in A und D.

Beschreibung und Ikonographie

A SALOME, DIE MUTTER DES JAKOBUS UND JOHANNES, VOR JESUS (Mt 20,20–23) Das Fresko ist durch die Orgel zur Hälfte verdeckt. Einansichtige Darstellung, Ansicht nach W. - In einer freien Landschaft mit felsiger Erhebung rechts erscheint Jesus im Kreise seiner Jünger; hinter ihm ist Petrus zu erkennen. Vor ihm kniet Salome. Weib des Zebedäus, gefolgt von ihren Söhnen Jakobus (d. Ä.) und Johannes, und bittet Jesus für diese um den Platz zu seiner Rechten und Linken in seinem zukünftigen Reich. In seiner Antwort weist Jesus mit erhobenem Arm zum Himmel: Das Sitzen zu seiner Rechten zu vergeben, stehe ihm nicht zu, sondern seinem Vater.

B MARTYRIUM DES HL. JAKOBUS D. Ä. Aufnahmestandpunkt unter dem westlichen Bildrand. Die irdische Szenerie ist einansichtig, seitlich aber, dem Rahmen folgend, nach oben gezogen. In den Architekturen und Figuren zum Teil starke Untersichten und Verkürzungen. – Über Bogen und Quadern ist der Schauplatz der Handlung, eine Wiese vor einer Stadt, aufgebaut. Hier kniet im Zentrum der Apostel Jakobus, den Blick zum Himmel gerichtet, die Schultern entblößt, und erwartet den Streich des Henkers, der eben sein Schwert aus der Scheide zieht. Scharen von Zuschauern, trauernde Frauen, Krieger und ein Götzenpriester sind seitlich auf der Wiese, auf Stufen und Postamenten versammelt, im Hintergrund von dem nach hinten abfallenden Schauplatz zum großen Teil überschnitten. Von der Stadt sind Paläste, Türme und Kuppeln im hellen Lichte zu sehen. Über der

Martyrium des hl. Jakobus und C Verklärung Christi

Martyriumsszene öffnet sich der Wolkenhimmel in einer lichten Glorie, um die – kreisförmig angeordnet – Engel und Putten erscheinen. Sie halten Lorbeerkranz und zwei Palmzweige als Martyrerlohn und einen Blumenstrauß.

Das Martyrium des hl. Jakobus d. Ä. wird in der Apostelgeschichte nur kurz erwähnt (Act 12,2). Dieffenbrunners Bild bringt eine Ausschmückung der Martyriumsgeschichte aus der Legenda Aurea (LA-Benz, S. 490), die auf Clemens von

Alexandrien zurückgeht (PG, Bd II, S. 188): Auf dem Weg zur Richtstätte bekehrte Jakobus den Josias, der ihn am Strick führte; dieser wurde daraufhin gemeinsam mit Jakobus enthauptet. Josias ist in dem bärtigen Mann zu sehen, der an den Apostel gefesselt ist.

Vor dem hellen, graubraunen Hintergrund erscheinen als Buntfarben schwere und stumpfe, kompakte Braunrot- und Ockertöne, die Dieffenbrunner in Kontrast setzt zu häufig verwendeten kalten Grüngrau. Dunkle Silhouetten vor hellem Grund treten häufig auf und bewirken – vor allem im Bereich der Himmelsglorie – eine gewisse Tiefenräumlichkeit.

C VERKLÄRUNG CHRISTI (Mt 17,1-9) Auf einer dunklen Vordergrundsrampe sind die drei Apostel dargestellt: Jakobus, in Rückenansicht, unter einer Palme links; Petrus kniend mit weitgespannten Armen und Johannes rechts, wie geblendet abgewandt. Alle drei erscheinen in scharfer Silhouette vor dem sehr hellen Himmelsgrund, auf dem links und rechts von der Figur Christi (neu, s. Erhaltungszustand) die verklärten Gestalten von Moses und Elias zu sehen sind.

D BERUFUNG DES JAKOBUS (Mt 4,21-22) Ein ansichtige Szene, Aufnahmestandpunkt unter dem westlichen Bilddrittel. - Der Bildschauplatz, die Uferlandschaft am See

Genezareth, zieht sich weit in die Tiefe bis zum jenseitigen Ufer. Seitlich sind, dem Rahmen folgend, Bäume und Felsen panoramaartig hochgezogen wie Relikte einer umlaufenden Szenerie. Links steht Christus, gefolgt von den Aposteln Petrus und Andreas, deren verlassenes Schiff man hinter ihnen am Ufer sieht. Vor Christus kniet Jakobus. Unter den Fischern, die am Ufer hinter ihm ihr Schiff festmachen, kann man seinen Bruder Johannes erkennen. Der am Mast stehende bärtige Mann ist wohl der Vater der Brüder, Zebedäus.

1-14 CHRISTUS, MARIA UND DIE APOSTEL An den Gewölbezwickeln des LHs und des AR befinden sich gemalte Rocaillekartuschen, deren Bildfelder in Grisaillemalerei Halbfiguren von Christus, Maria und den zwölf Aposteln zeigen (weitgehend erneuert, keine Abb.). Zählung beginnend links vom Hochaltar im Uhrzeigersinn

EB, Taube mit Ölzweig
B10 Adler

EB1-10 EMBLEME An den beiden Emporenbrüstungen befinden sich je fünf monochrom blaue Embleme, EB1-5 an der oberen und EB6-10 an der unteren Brüstung. Sie sind durch folgende Motive dargestellt: EB1 Christus mit dem Kreuz EB2 Maria EB3 Petrus mit den Schlüsseln EB4 Paulus mit dem Schwert EB5 Andreas mit dem Andreaskreuz EB6 Jakobus Major mit dem Pilgerstab EB7 Johannes mit dem Kelch EB8 Philippus mit dem Kreuz EB9 Bartholomäus mit dem Messer EB10 Jakobus Minor mit Stange und Buch

der oberen, EB6-10 an der unteren Brüstung (Zählung jeweils von links nach rechts). Die jeweils mittleren Bildfelder (EB3 und EB8) sind hochoval, die übrigen querformatig. Die Lemmata befinden sich oben im Bild. Die Embleme sind weitgehend erneuert, basieren aber auf Darstellungen der Erbauungszeit. Vorbild für sechs der zehn Embleme war ein Emblembuch von August Casimir Redel (Apophthegmata Symbolica, per Moralia & Ethica Dogmata, Rhythmice constructa ..., Pars prima, Augsburg o. J., 1697). Vier Embleme kommen bei Redel nicht vor, davon unterscheiden sich EB3 und EB4 auch in der Reimform (Redel reimt spätestens ab dem Vokal der vorletzten Silbe). Offenbar hat sich hier Pfarrer Gröbmeier selbst versucht. Redel bringt allein im ersten Teil seines Werks, den Gröbmeier benutzte, 392 Embleme (ähnlich in Teil 2 und 3); es wären also genügend Vorbilder vorhanden gewesen, wenn der Zyklus sich allgemein auf Christentugenden bezogen hätte (naheliegend wäre auch ein Jakobus-Zyklus, doch der scheidet wegen der Themen der Embleme aus). Pfarrer Gröbmeier lag sichtlich daran, die Aussage der Emblem-Reihe durch eigene Schöpfungen zu erweitern bzw. zu präzisieren.

Die beiden Mittelfelder EB3 und EB8 zeigen mit dem fruchtbeladenen Baum und der Garbe Bilder, die zusammen mit ihren Lemmata auf gutes Gedeihen, fruchtbare Bemühung, Lohn der Arbeit hinweisen. Zusammen mit der Aufmerksamkeit, die Gröbmeier sichtlich diesem Emblem-Zyklus gewidmet hat, läßt das vermuten, daß die Folge sich auf Gröbmeier selbst bezieht; eine Untersuchung der übrigen Embleme erhärtet diese Vermutung. Es ist wohl als sicher anzusehen, daß sich der Pfarrer einer zwar großen, aber abgelegenen Pfarrei, ein Mann von Tatkraft und Geistesgaben, in diesen bescheidenen Emporenbildchen ein verschlüsseltes Denkmal gesetzt hat.

Nach den sechs Bildern zu urteilen, für die es bei Redel Vorbilder gibt, wurden die Embleme bei ihrer Anbringung z. T. um Gegenstände erweitert, die aber den Sinn nicht verfälschen, z. T. bei einer Restaurierung im Detail mißverstanden (EB1), aber nirgends wirklich verändert, so daß man auch bei den Emblemen, die Redel nicht überliefert, annehmen kann, daß sie im wesentlichen den Originalzustand wiedergeben

Obere Emporenbrüstung

EB1 DUM CREMATOR [CREMATUR], RENOVATUR (Wenn er verbrannt wird, wird er erneuert). Vogel über einem Nest mit Jungen, ursprünglich ein Phönix über einem Feuer (Redel, S. 35). - Der Phönix, ein häufig gebrauchtes emblematisches Bild, läßt sich mit zwei seiner möglichen Bedeutungen diesem Zyklus einreihen: Er ist als Gegenstück zu EB5 Bild der christlichen Liebe (»Illorum etiam haec imago est, qui charitatis Divinae incendio ardere cupiunt«; Picinelli, Lib. IV, Nr. 585, s. v. Phoenix), aber auch Bild der eifrigen und verschwiegenen Seelenführung (ebd., Nr. 574: »Porro qui ardentem ac discretum proximi corrigendi zelum habent, solis vitiis extirpandis sunt intenti, caetera vero ipsius omnia penitus intacta relinquunt«; NON EXURIT, UT PERDAT).

EB2 HIC DUM REGIT, SUOS TEGIT (Solange er führt bewahrt er die Seinen). Hirsch eilt zum Springbrunnen, im

Hintergrund Bäume. - Dieses etwas konfuse Emblem, offenbar von Gröbmeier selbst verfaßt, vereint mehrere Eigenschaften und Sinnbezüge, die dem Hirsch in der Emblematik zugelegt wurden: das Streben zum Brunnen oder zur Quelle, das nach Ps 41,2 Sinnbild der nach Gott dürstenden Seele ist (Picinelli, Lib. V, Nr. 184 und 222, s. v. cervus); seine Leitfunktion für das Rudel, besonders für die Jungen, die seinem Beispiel folgen (ebd., Nr. 208: Exemplum maiorum; ähnlich Nr. 204: INSTRUIT EXEMPLO); und sein Bedürfnis, sich im Wald zu verstecken (ebd., Nr. 213). Die Bedeutung des Emblems wird aber klar vom Lemma ausgesprochen und läßt sich auf den Pfarrer beziehen, der die Seelen seiner Gemeinde vor der Verdammnis bewahrt.

EB3 FRUCTUS BONOS, PRO FERT MULTOS (Er bringt viele gute Früchte hervor). Apfelbaum in einer Wiese. - Die Bedeutung dieses Emblems, das ebenfalls vor Gröbmeier der Redel-Reihe hinzugefügt wurde, liegt auf der Hand: wie der gute Baum gute Früchte hervorbringt, führen auch die Bemühungen des guten Pfarrers um das Heil seiner Pfarrkinder zum Erfolg.

EB4 ECCE PHARUS, PER QUEM SALUS (Schau, der Leuchtturm, durch den die Rettung kommt). Leuchtturm am Meeresufer. – Das Bild des Leuchtturms, der den Schiffen auf dem Meer den Weg weist, wurde von Gröbmeier hier als Hinweis auf die Leitung der Pfarrkinder durch den Pfarrer und seine Führung zum ewigen Heil (Picinelli, Lib. XVI, Nr. 215, s. v. turris: »Porro hominis praestantis virtus, instar facis supra turrim accensae, vicinos quosvis ad salutis portum revocat«) dem Zyklus hinzugefügt.

EB5 PER AMOREM, DAT CRUOREM (Aus Liebe gibt er das Blut). Pelikan, der seine Jungen mit seinem Blut nährt (Redel, S. 35). - Der Pelikan ist ein Bild der hingebenden Liebe vor allem zu den Untergebenen oder Schwächeren (Picinelli, Lib. IV, s. v. pelicanus, passim).

Untere Emporenbrüstung

EB6 FLOS AMORUM, GEM[M]A FLORUM (Blume der Liebe, Edelstein unter den Blumen). Sonnenblume, die sich zur Sonne wendet (Redel, S. 32). – Das Bild ist zusammen mit dem gegenüberliegenden Emblem EB10 zu sehen und bedeutet wie dieses die Liebe zu Gott.

EB7 PAX PER VIVAM, HANC OLIVAM (Friede durch diesen lebendigen Ölzweig). Taube, die einen Ölzweig zu einem Vogelhäuschen bringt. - Das Bild ist nicht eigentlich ein Emblem, da der dargestellte Sachverhalt nicht >wirklich« sondern bereits symbolisch ist (der Vogel bringt seinen Jungen Futter, nicht Ölzweige). Die Bedeutung des Sinnbilds, das Bringen des Friedens - in unserem Fall des Seelenfriedens, den der Pfarrer den ihm anvertrauten Seelen bringt -, ist durch das Lemma klar ausgesprochen; das Bild selbst aber ähnlich merkwürdig geklittert wie EB2. Die Taube mit dem Ölzweig (Gen 8,11) ist uraltes Friedenssymbol. Das Vogelhäuschen, in dem die Jungen zu denken sind, ist wohl ähnlich wie das Vogelnest (Picinelli, Lib. IV, Nr. 665, s. v. nidum) zu deuten, als Ort der Ruhe und des Beschütztseins.

EB8 SPE NON VANA, FLORENT GRANA (Wenn die Hoffnung nicht eitel ist, blüht das Korn). Getreidegarbe zwischen anderen Garben (Redel, S. 5). - Das Getreide kann in der Emblematik sowohl die Mühe bedeuten, mit der der Mensch seine Ziele erreicht, als auch die Frucht der Mühe: »Deus virtutum nostrarum fructus non alio instrumento, nisi plagis & calamitatibus elicit« (Picinelli, Lib. X, Nr. 66, s. v. frumentum). Die Hoffnung, mit der das Korn in die Erde gesenkt wird, spielt in diesem Bedeutungsbereich eine große Rolle (ebd., Nr. 76, 87). Ähnlich wie EB3, das entsprechende Bild an der oberen Emporenbrüstung, weist dieses Emblem auf den Erfolg der hoffnungsvoll geleisteten Seelsorge hin.

EB9 FAVUM TEGIT, QUANDO LEGIT (Den Honig versteckt sie, wenn sie sammelt). Bienen um einen Bienenkorb zwischen Blumen (Redel, S. 26). – Das Emblem bezieht sich auf die guten Taten, die im Verborgenen geschehen sollen, und auf den eitlen Ruhm, der zu fliehen ist (Picinelli, Lib. VIII, Nr. 70, s. v. apis: COLLECTA RECONDIT). Damit kann man in dem Emblem das Bild eines Landpfarrers sehen, dessen Wirken und Vorzüge der Welt verborgen bleiben.

EB10 HIC NON PAVET, SOLEM AVE[T] (Er ängstigt sich nicht, er grüßt die Sonne). Adler fliegt nach oben (zur Sonne); der zweite, nach unten gewandte Vogel wurde der Redel-Vorlage (S. 23) hinzugefügt. – Der Adler (am deutlichsten Picinelli, Lib. IV, Nr. 102, s. v. aquila: Religiosus sit in Deum defixus) hat in der Emblematik neben vielen anderen Bedeutungen auch die der Hingabe an Gott (s. EB6).

Quellen und Literatur

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