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Unterweikertshofen, Filialkirche St. Gabinus

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 5: Landkreis Dachau. Hirmer, München 1996, ISBN 978-3-7774-6320-9, S. 266–273, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

UNTERWEIKERTSHOFFN

Filialkirche, Pfarrei Welshofen, Pfarrverband Erdweg, Gemeinde Erdweg, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Sittenbach. Eine kleine Marien- Statuette wurde ab 1707 in der Kirche Unterweikertshofen als Gnadenbild verehrt (die Wallfahrt klang um die Jahrhundertmitte schon ab). - Unterweikertshofen war Hofmark. seit 1655 im Besitz der Grafen von Preysing, seit 1706 durch Erbgang und Ehe im Besitz der Grafen Khuen Belasy, seit 1751 durch Erbgang und Ehe im Besitz der Freiherren Mändl auf Deutenhofen; ab 1783 der Freiherren von Tänzl, seit 1799 der Grafen von Hundt. Gericht Dachau

Patrozinium: St. Gabinus

Zum Bauwerk: 1608 Neubau der Kirche unter Verwendung älterer Teile durch den Hofmarksherrn Johann Philipp von Adelzhausen auf Weikertshofen. 1709 Abriß des Westteils der Kirche und Erweiterungsbau von Hans Maurer, Maurermeister aus Hirtlbach; anschließend Stuckierung der Kirche, die Benedikt Heiß aus Dachau zuzuweisen ist (vgl. Maisach, LKr. Fürstenfeldbruck, CBD, Bd 4, S. 190-92, und Oberweikertshofen, ebd. S. 214-17). Dieser Ausbau stand in Verbindung mit einer neu aufblühenden, allerdings kurzlebigen Wallfahrt zu einem kleinen tönernen Madonnenbild, das 1707 in die Kirche übertragen worden war (Böck, S. 196 f.). 1910 Anbau an das Oktogon nach W.

Hauptraum ist das weite Oktogon von 1709, mit halbrunden Nischen in den schrägen Wandteilen. Empore im W in voller Tiefe des Anbaus von 1910; Belichtung im Hauptraum durch je ein Fenster im N und S; Vorchor (wie der AR aus der Erbauungszeit 1608) in Breite des westlichen Anbaus, Kanzel an der S-Seite, Belichtung von N und S. Eingezogener AR zu zwei Jochen mit halbrundem Schluß, Oratorium an der N-Seite, Belichtung durch ein Fenster im N.

Auftraggeber: Beim Neubau 1709 trug die Hofmarksherrin Maria Franziska Monika Gräfin Preysing, verh. Khuen Belasy, die Hälfte der Kosten. Das Kirchenvermögen verwaltete zusammen mit ihr Pfarrer Bartholomäus Jehle von Sittenbach (1706-15), der sich auch um die Baugenehmigungen bemühte. In A Allianzwappen Mändl/Khuen Belasy, das auf Johann Franz Nonnos von Mändl († 1783) und desser Gemahlin Maria Anna Walburga Khuen Belasy († 1763) hinweist. Das Wappen der Grafen Hundt unter dem Oratorium ist sicher später (ab 1799) und hat mit der Ausmalung nichts zu tun.

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Joseph Krenauer († 1738) um 1710/11. Übermalung von A um 1750, Autor unbekannt.

Die Ausmalung von Unterweikertshofen gehört in eine Gruppe von Arbeiten, die sich der für Joseph Krenauer (Krenauer war 1703-38 Maler in Bruck) bezeugten Ausmalung von Maisach (LKr. Fürstenfeldbruck, CBD, Bd 4. S. 190-92) zuordnen lassen (s. S. 212 f.). Der schlechte Erhaltungszustand der Bilder erschwert jedoch den Vergleich; einzig die Darstellung des hl. Nonnosus an der Kanze (W) ist gut erhalten, und hier sieht man die Verwandtschaften in Körperzeichnung, Gesichtstypen und Gewanddarstellung recht gut. Die Komposition von B, Jakobs Traum variiert nur geringfügig das ebenfalls Krenauer zugeschriebene Mittelbild in Günzlhofen (LKr. Fürstenfeldbruck, CBD, Bd 4. S. 163).

Das große Bild A wurde um die Mitte des 18. Jh. von einem unbekannten Maler übermalt, worauf das Wappen hinweist (durch dieses Wappen wird der Zeitraum auf 1751-63 eingegrenzt).

Befund

Träger der Deckenmalerei: Hauptraum und Vorjoch Flachdecke; AR Stichkappentonne, im O abgemuldet

Rahmen: A Stuckprofilrahmen mit goldornamentiertem Wulst, A1-4 Rundmedaillons in Stuckprofil, Aa-b doppelte herzförmige Stuckkartuschen; B Stuckprofil mit goldornamentiertem mittleren Wulst: innerhalb des Bildfeldes Ornamentstuckrahmen mit zentralem Bildfeld, B1-2 Rundmedaillons in Stuckprofil; C, D Stuckprofil, Da-d dreipaßförmige Kartuschen, von Akanthus umgeben

Der Kirchenraum

Technik: Fresko mit Seccoübermalungen; polychrom

Maße: A Höhe 5,70 m; 2,80 × 2,80 B Höhe 5,70 m; 2,85 × 2,05 C Höhe 5,50 m; Ø 1,00 D Höhe 5,50 m; Ø 1,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1911 Restaurierung des Innern nach der Erweiterung nach W; dabei wurden die Stukkaturen getönt und (evtl. auch bei einer früheren Restaurierung) die Inschriften im LHs neu gemalt. Nach Wasserschaden Restaurierung 1968 durch Hans Hausch, Fürstenfeldbruck. Letzte Restaurierung des Innern 1978/79 durch Rudolf Pfaller, Ingolstadt. Dabei wurden die originale Farbigkeit und die Vergoldung der Stuckornamente freigelegt. Inschriften wurden, soweit nicht rekonstruierbar, von Pfarrer Engelbert Wagner neu verfaßt (A1-4). Die Fresken wirken im wesentlichen neubarock; von der originalen Substanz ist wenig erhalten; B1-2, Da-d lassen sie noch einigermaßen, das Fresko W an der Kanzelwand gut erkennen.

Beschreibung und Ikonographie

A MARIA ALS FÜRBITTERIN Ansicht nach W. Inschrift (nicht aus der Entstehungszeit) auf einem Schriftband oben im Bild Unter Euern Schutz fliehen wir. Darunter sieht man Maria mit dem Kind in Wolken. Strahlen und ein Sternenkranz umgeben ihr Haupt. Links darunter kniet der Kirchenpatron Gabinus, der eine Dalmatik trägt, rechts der hl. Laurentius in Diakonstracht mit dem Rost. Laurentius, der Patron der Pfarrei Sittenbach, weist auf das Wappen der Hofmarksherren.

A1-4 KIRCHENVÄTER (nur A2 abgebildet) Das Hauptbild ist in den Ecken der Decke von Medaillons umgeben, in denen die Kirchenväter in Ganzfigur, in draperiegeschmückten Säulenräumen (A1-3) bzw. in einer Landschaft (A4) dargestellt sind. Über den vier Medaillons stehen die vier Teile einer Inschrift (1978) TRANSEAMVS VSQVE

BETHLEHEM (NW) / ET VIDEAMVS HOC VERBVM (NO) / QVOD FACTVM EST (SO) / QVOD DOMINVS OSTENDIT NOBIS (SW; Lc 2,15). Die Worte der Hirter nach der Verkündigung von Christi Geburt durch den **Engel** stehen in keinem erkennbaren Zusammenhang mit der Darstellung der Kirchenväter.

A1 GREGOR DER GROSSE mit Tiara und dreifachem Kreuzstab sitzt schreibend an einem Tisch; über ihm fliegt die Taube, sein Attribut.

A2 AMBROSIUS mit Mitra und Stab hält eine Schreibfeder in der Rechten. Ein Putto im Hintergrund weist auf den Bienenkorb, sein Attribut. Aus den Wolken fallen Strahlen auf den Heiligen.

A3 AUGUSTINUS sitzt schreibend an einem Tisch; ein Putto hält die Mitra.

A4 HIERONYMUS sitzt in felsiger Einöde vor einem Bach, über den eine Brücke führt. Seine Attribute sind Löwe, Stein, Kreuz, Totenkopf, Tintenfaß und ein aufgeschlagenes Buch.

B Ausgießung des Hl. Geistes

glorie, in der das Jahwe-Zeichen erscheint. Engel sind auch auf der Leiter, die von der Erde zum Himmel führt.

B2 ISAAK SEGNET JAKOB (Gen 27,18-29) In einer Säulenhalle kniet der junge Jakob vor seinem Vater Isaak, der im Bett sitzt und ihn segnet. Jakob trägt das Fell um die Schultern, mit dem er seinem Vater vorgetäuscht hatte, er sei der älteste Sohn Esau. Links im Bild ist ein gedeckter Tisch zu sehen; eine Magd trägt Speisen (das Wildgericht, das Jakob seinem Vater gebracht hatte) fort.
Isaak segnet Jakob B1-2 Jakob-Szen
Da NATA/IN VALLE/LACRIMARUM (geboren im Tal der Tränen) Das Bild zeigt links einen Felsen, auf dem ein Strauch wächst; rechts das Meer; sinngemäß fehlt die geschlossene Muschel.
Db ORNATA/MARIS/STELLA (geschmückt mit dem Stern des Meeres) Eine Rose, die direkt von Sonnenstrahlen getroffen wird, liegt auf einem schmalen Landstreifen, der links von einem Felsen und rechts vom Meer eingegrenzt ist (die Rose offenbar fälschlich statt einer Muschel ergänzt).
D Krönung Mariens

Der hl. Nonnosus war ein Nebenpatron des Freisinger Doms. Nonnosus († um 604) ist nach Papst Gregor (Dialogi I, 7) zuerst Mönch, dann Prior und schließlich Abt des Klosters San Silvestro am Soracte in Italien gewesen. Seinen Mitbrüdern war er durch seine zweifache Demut Vorbild: zum einen seinem strengen Abt gegenüber und zum anderen durch sein unerschütterliches und unbedingtes Gottvertrauen. – Im Bild sind die bekanntesten Wunder, die Nonnosus vollbrachte, angedeutet. Auf sein Gebet hin sollen Engel einen Felsen weggetragen haben, der die Mönche daran hinderte, einen Klostergarten anzulegen. Die Öllampe erinnert an eine auf wundersame Weise wiederhergestellte zerbrochene Öllampe. Der Ölzweig in der Hand des Heiligen weist auf das Ölwunder hin, bei dem Nonnosus die spärliche Olivenernte des Klosters auf wundersame Weise vermehrt hatte. Der Mann, der aus der Öffnung des Sarkophags hervorkriecht, erinnert an den alten Brauch des „Durchschlüpfens“ am Grab des Heiligen in der Freisinger Domkrypta, bei dem den Menschen Genesung von körperlichen Gebrechen und den Schülern Beistand in allen die Schule betreffenden Nöten verheißen war.

(Anton Mayer-Pfannholz, Der Brauch am Nonnosus-Grab in der Freisinger Domkrypta, in: Kleine Veröffentlichungen des historischen Vereins Freising 3, 1937). Die Reliquien des Heiligen waren 1039 durch Bischof Nitger von Rom nach Freising gebracht worden. Nach dem Dombrand von 1150 waren sie in die Krypta verlegt worden, wo sie in Vergessenheit gerieten und erst 1709 anläßlich der Domrestaurierung wiederentdeckt wurden. Im Zuge der damaligen Feierlichkeiten mit kirchlichen Zeremonien, Theateraufführungen und Predigten wurde 1710 die Schrift »Freisingische Alt- und

Neuer Gnadenschatz, das ist Nonnosus der wunderheilige Abt, aus dem Orden des hl. Benedicti und des hohen Thumbstiftes Freysing großer Schutzpatron« (Freising 1710) gedruckt. Für dieses Werk schuf Joseph a Monalegre (Thieme-Becker, Bd 25, S. 79) das Titelkupfer mit der Darstellung des Heiligen, die von Joseph Krenauer übernommen wurde.

Titelkupfer zu einer Schrift über den hl. Nonnosus, Freising 1710

Im Hauptraum befinden sich in den vier Wandschrägen Nischen mit fast lebensgroßen Figuren, im O Benno und Korbinian, im W die Wetterheiligen Johannes und Paulus. – Auf dem Altarblatt des linken Seitenaltars ist der hl. Sebastian dargestellt, auf dem des rechten die Vierzehn Nothelfer.

Quellen und Literatur

BHStA I, Kurbayern Geistlicher Rat 29, 30.

StAM, Hofmarken, Weikertshofen Nr. 321–24.

AEM, Pfarrakten Sittenbach: Pfarrbeschreibung; Bauten II Filiale Unterweikertshofen 1708–1914.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 401 f

Dr. Buchinger, Geschichtliche Nachrichten über die ehem. Grafschaft und das Landgericht Dachau (Bis 1800), Teil 4. in: OAVG 7, 1846, S. 145–47.

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 174

KDB I OB (r), S. 322

Historischer Atlas I, Bd 11/12 (Pankraz Fried), München 1958, S. 101–03.

Gruber, Max, Zwei Dorfgenies aus dem Dachauer Land, in: Amperland 4, 1968, S. 30 f.

Böck, Robert, Zwei untergegangene Marienkultstätten der Barockzeit in Langengern und Unterweikertshofen, in: Amperland 21, 1985, 195–98.

Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 368.

Dehio 1990, S. 1217 f

Böck, Robert, Wallfahrt im Dachauer Land (= Kulturgeschichte des Dachauer Landes Bd 7, hg. im Auftrag des Museumsvereins Dachau e.V.), Dachau 1991, 5. 221–23.

St.-Gabinus-Kirche Unterweikertshofen (Faltblatt) 1984. 1 D /11